Donnerstag, 1. September 2016

Auf Nordland-Kaperfahrt unterwegs in Skandinavien - Teil 4


"This," said I at length, to the old man - "this can be nothing else than the great whirlpool of the Maelström."  "So it is sometimes termed," said he. "We Norwegians call it the Moskoe-ström, from the island of Moskoe in the midway." (A Descent into the Maelstrom, Edgar Allan Poe).

17.8.2016 - Å i Lofoten


Blick zur anderen Seite
Ich habe Euch ja schon von der stark von der Schreibweise abweichenden Aussprache erzählt. Im Deutschen werden "Die Lofoten" immer in der Mehrzahl benutzt, korrekt betrachtet ist die Endung "-en" der bestimmte Artikel im Norwegischen, also muss es eigentlich "Der Lofot" heißen, nicht "Die Lofoten". Kleines Beispiel (ich habe mich Anfang des Jahre mal etwas in babbel versucht): Et hus = ein Haus, huset = das Haus. Der Name "Lofoten" bedeutet grob übersetzt "Luchsfuß".

Ich liebe Inseln sehr, denn jede ist anders und ich liebe Fähren. Wenn irgendwo eine Insel ist, muss
Typische Häuser
ich da unbedingt hin, in Norwegen hat man dazu mehr als genug Gelegenheit. Ich würde gerne einmal zwei Wochen auf den Lofoten und den Vesteralen verbringen, allerdings dann zu Fuß. Die Lofoten haben eine ganz eigene Landschaft und sicherlich auch an Vegetation und Tierwelt einiges zu bieten. Weiter im Norden kann man zum whale watching fahren, aber dazu hat meine Zeit diesmal nicht gereicht. Ich bin aber schon so angefixt, dass ich unbedingt noch einmal im Winter den Polarkreis besuchen möchte, um die Nordlichter zu sehen, die wahnsinnige Kälte zu spüren und die Dunkelheit zu erleben. Das muss auch etwas ganz Besonderes sein.

Überhaupt haben mich in diesem Urlaub die vielen fabelhaften Landschaften sehr berührt. Es gab
... perfekte Idylle...
Momente, in denen ich unterm Helm geweint habe, weil diese maßlose Schönheit so beeindruckend ist und man sich dann wirklich nur als kleines Staubkörnchen fühlt.

Der Morgen erwartet uns mit weiterem Sonnenschein, blauem Himmel und unglaublichen Temperaturen. Werner hat angekündigt, dass er eine Bäckerei im Ort kennt, wo wir etwas essen und Kaffee trinken können. Christina und Holger haben ihre Espressomaschine dabei und uns schon die erste Runde spendiert, die wir auf der Terrasse genießen. Man kann sich hier gar nicht satt sehen am Meer und am Licht!

Wir machen uns gemeinsam zu Fuß auf den Weg ins Dorf und ich habe noch Gelegenheiten, ein paar
Schnappschüsse zu machen. Falls ihr Euch auch gefragt habt, warum in Skandinavien so viele Häuser rot gestrichen sind, hier ist die Antwort: Früher war das Tranfarbe und Tran war billig.

Ich habe mich gefragt, was eigentlich "Rorbu/Rorbuer" bedeutet, denn den Hinweis sah man überall. Eine Rorbu ist eine Fischerhütte und diese werden heute gerne an Touristen vermietet (Notiz an mich: das nächste Mal eine Fischerhütte mieten!). In Å gibt es diverse Museen, unter anderen eins für den Stockfisch (tørrfisk). Überall an den Küsten stehen die Holzgestelle, auf denen im Frühjahr der Dorsch trocknet. Dorsch und Kabeljau sind übrigens ein und derselbe Fisch... das wusste ich vorher nicht.

In der Bäckerei in Å (Bakeriet på Å) reist man in die Vergangenheit. Der Verkaufsraum ist zugleich Backstube, auf den Dachsparren gehen die Backwaren, man kann beim Teigkneten und Teilchen formen zusehen und gebacken wird in einem holzbeheizten Steinofen. Es gibt drei Sorten Brot und drei Sorten süße Teilchen: Kaneelsnurrer (Zimtschnecken), Rosinboller (Rosinenbrötchen) und Sjokolade Boller (Schokobrötchen). Dazu kann man Kaffee kaufen. Da ich hungrig bin und wir nachher noch wandern gehen wollen, kaufe ich von jedem eins.

Die resolute Chefin verkündet, dass der Kaffee gerade alle sei, sie aber schreien würde (sie sagte "I will shout, when coffee is ready, but don't be  afraid!"), wenn er fertig ist und wir dann nicht erschrecken sollen... Draußen setzen wir uns in die Sonne und beißen in die göttlichen Kaneelsnurrer, der Kaffee kommt und der Tag könnte nicht perfekter beginnen, was mich zu dem Ausspruch verleitet, dass bei schönem Wetter das Paradies auf den Lofoten sein muss. Darauf meint Werner, wenn es nur schön wäre, könnte man es nicht mehr schätzen, daher muss es hier auch mal Sauwetter geben.

In der Bäckerei treffen wir auch den Japaner wieder, der wohl ebenfalls irgendwo hier abgestiegen
ist. Er begrüßt vor allem Christina freudig, was Holger dazu bringt ihn "Deinen Japaner" zu nennen. Ich sage zu ihr "Los, geh hin und sag ihm 'o-namae wa nan deska', das heißt 'wie heißt Du' auf Japanisch.", was Christina geflissentlich überhört.

Nach dem Frühstück trennen sich unsere Wege, Holger möchte gerne etwas Motorrad fahren und ausruhen und wir wollen uns bewegen. Werner führt uns zum Einstieg an den Wanderweg rund um einen See bei uns in der Nähe.

Wir laufen bei herrlichstem Sonnenschein und schon bald ziehen wir einige Schichten Kleidung aus.
Lichtspiele auf dem Wasser
Zum Glück habe ich heute nicht vergessen, mich einzucremen, denn die Sonne knallt erbarmungslos. Wir laufen eine ganze Weile gemütlich, dann wird der Weg matschiger, da es die letzte Zeit ziemlich viel geregnet hat. An einer Stelle am Ufer finden wir eine Art Bühne, die aber wohl eine Jagd- und Fischhütte ist und sind uns einig, dass man hier auch prima hätte übernachten können, morgens in den See zum waschen. Am Seeufer und auch etwas weiter entfernt stehen vereinzelte Hütten, die wohl nur vom Wasser aus oder eben zu Fuß erreichbar sind. Das ist schon sehr idyllisch hier. Landschaftlich erinnert mich vieles an Schottland, es ist sehr grün, und heidig/torfig.

Mit kleinen Unterbrechnungen laufen wir weiter und gehen vor auf eine Halbinsel, die in den See
ragt. Hier essen und trinken wir etwas. Werner kündigt an, dass auf dem weiteren Weg ein paar Kletterpartien zu bewältigen sind, u. a. muss man sich an Eisenketten den Fels herunterlassen. Das kann ja spannend werden... Meine Schuhe sind inzwischen komplett durchgeweicht, erweisen sich aber als sehr geländegängig. Ich hatte mir vor dem Urlaub noch superleichte Schuhe mit gutem Profil gekauft und bin ganz froh da drum, mit Sneakers wäre vor allem der spätere Abschnitt über die Felsen und an den Ketten nicht sehr erfreulich gewesen. Wir umrunden nach und nach den See und dann kommt auch der Abschnitt mit den Ketten.

Christina hat etwas Bedenken, aber wir helfen ihr und sie kommt sicher unten an. Ich habe im ersten
Teil auch etwas zu tun, komme aber problemlos runter. Später werden wir von geländegängigeren Wanderern überholt, aber das ist uns egal. So verbringen wir den halben Tag mit der relativ kurzen aber geländeintensiven Wanderung und sind am späteren Nachmittag wieder in der Hütte. Ich hatte morgens noch versprochen, einkaufen zu fahren, aber jetzt bin ich froh, einfach nur die Füße hochlegen zu können. So fahren Holger und Christina nochmal los, während Werner und ich auf der Terrasse sitzen und uns unterhalten. Werner zeigt mir Fotos von seiner Motorradreise durch Sibirien und von anderen Reisen. Damit rennt er bei mir offene Türen ein. Wenn ich etwas möchte, dann noch mehr reisen, noch mehr sehen, noch mehr Abenteuer!

Irgendwann kommen Holger und Christina wieder, wir decken den Tisch und kochen und freuen uns
Vollmond über dem Festland
über die schöne Zeit, die wir hier miteinander verbringen können. Von der Terrasse aus schauen wir einem Mann und einer jungen Frau beim angeln zu. Der Mann zieht fast im Minutentakt Makrelen aus dem Meer, während die Frau weniger Glück hat. Wie in einem perfekten Film geht nun hinter dem Festland der Volllmond auf und ein Schiff fährt vorbei. Es ist etwas frischer als gestern, aber niemand möchte nach drinnen gehen, wir genießen jede Minute. Erst gegen Mitternacht gehen wir schlafen. Morgen werden sich unsere Wege wieder trennen.

18.6.2016 Å i Lofoten - Tømmerneset Camping

Auch heute weckt uns die Sonne und wir genießen zum letzten Mal einen Kaffee auf der Terrasse.
Reine
Dann heißt es packen, Hütte putzen und Aufbruch. Keiner von uns will so recht weiter, aber es hilft ja nichts. Wir packen die Motorräder, geben den Schlüssel ab und fahren erstmal noch einmal zu der Bäckerei ins Dorf. Dort holen wir uns Kaffee und Kaneelsnurrer und tauschen uns über den weiteren Fahrtweg aus. Werner will heute nach Askenes weiter, er hat noch etliche Urlaubstage übrig und möchte bis ans Nordkap. Christina und Holger werden langsam den Weg in Richtung Schweden nehmen, sie wollen in der Folgewoche am Donnerstag auf einem Festival in Berlin sein. Ich werde jetzt langsam wieder nach Süden drehen, denn ich möchte noch etwas von der Küste und den Fjorden sehen, bevor es wieder nach Hause geht.

Traumstrand auf den Lofoten
Während wir frühstücken, gesellt sich noch eine ältere Dame zu uns, die uns von ihrer Reise durch Norwegen mit Bus und den Hurtigruten erzählt. Wir plaudern eine Weile miteinander, dann heißt es für uns endgültig Aufbruch.

Wir fahren zusammen los und bei Reine halten wir für ein Foto. Werner fährt noch in den Ort, wir
fahren weiter. Ich trödele hinter irgendwelchen Wohnmobilen her, die Landschaft ist einfach zu großartig, um hier durchzurasen. Irgendwann überholt mich Holger und ich schließe wieder auf und fahre zügigeres Tempo. Unsere Wege trennen sich wieder, als ich einen weiteren Fotostopp mache. Die Strände sind hier wunderschön und an dem Parkplatz stehen etliche Menschen zum fotografieren, teilweise mit hochprofessioneller Ausrüstung. So fahre ich an der Küste entlang und genieße die großartige Landschaft. Ganz bestimmt werde ich hier noch einmal hinfahren!

Ich biege von der Hauptstraße ab auf die Straße Nr. 816, da diese weiter an der Küste entlang führt.

Kaum bin ich von der Hauptstraße runter, bin ich praktisch allein. Und das ist gut so, denn hier kann man alle 500 m anhalten und Fotos machen, so großartig sind die Blicke!

An einer Stelle steht ein Fahrradfahrer, der sein Stativ aufgebaut hat und macht Fotos. Wir haben unterwegs unglaublich viele Radfahrer gesehen, die durch die Landschaft gestrampelt sind. In den entlegeneren Ecken haben ich die Radfahrer oft auch gegrüßt und sie mich. Irgendwie macht man ja fast das Gleiche. Ich bin in den 90ern mehrwöchige Radtouren mit Gepäck gefahren und bewundere diese Leute, heute habe ich auf solche Touren absolut keine Lust mehr.

Ich halte an einer Stelle länger, um etwas zu essen und einfach nur dazusitzen und aufs Meer zu schauen. Diese Momente sind so intensiv, dass ich sie gerne "für immer" konservieren würde. Als ich weiterfahre, komme ich noch an einer anderen alleinreisenden Frau mit Motorrad vorbei, die in der Sonne Pause macht. Weiter um eine Kurve steht ein Mini Cooper und Richtung Meer etwas versteckt steht ein Zelt. Ja, hier würde ich auch campen! Es sind so viele perfekte Momente, die sich hier aneinander reihen! Die kleine Straße wird scheinbar fast nur von Touristen genutzt und man kann wirklich Zeit und Raum vergessen. Viel zu schnell ist die Strecke vorbei und ich fahre wieder auf der Hauptstraße.

Heute morgen hatten wir uns noch über die diversen Möglichkeiten unterhalten, wie man jetzt
weiterfahren könnte, unter anderem ob ich nun über Narvik fahre, oder die Fähre von Lødingen nach Bognes nehme, um etwas abzukürzen. Einerseits würde ich gerne noch einen Bogen fahren, andererseits habe ich dann vielleicht nicht so viel Zeit für die Fjorde. Schwierige Entscheidung! Am Ende der kleinen Straße sehe ich auf einem Parkplatz Christina und Holger und halte bei ihnen an. Holger ist ziemlich ko, aber auch die beiden haben ein ziemlich ambitioniertes Programm für die nächsten Tage. Irgendwann ziehen wir weiter und ich entschließe mich unterwegs, die Fähre zu nehmen. Vor Lødingen trennen sich unsere Wege dann endgültig. Ich fahre erst einmal in den Ort, um meine nicht vorhandenen Vorräte aufzustocken und dann geht es in Richtung Fähre.

Die Sonne ist wirklich richtig heiß und ich ziehe Schicht um Schicht aus, esse und trinke etwas.
Außer mir wartet noch ein Pärchen mit Harleys. Da ich nicht weiß, wie das mit den Tickets funktioniert, frage ich die beiden und bekomme gesagt, dass man die Tickets dann auf der Fähre bekommt. Ich stehe im Schatten eines LKWs und habe Gelegenheit, mir das Cockpit der einen Harley genauer anzusehen... meine Güte... diesen ganzen Krempel wie Radio und Schlagmichtot braucht doch kein Mensch! Die beiden Mopeds sind natürlich komplett sauber, aber damit fährt man hier sicherlich auch nur bei schönem Wetter herum und zum Geradeausfahren gibt es mehr als genug Strecken... ne, also so ein Teil könnte mich niemals begeistern! Zu den beiden gesellt sich später noch ein ganz junger Kerl auf einer 125-er, der Conchita und mir bewundernde Blicke zuwirft und freundlich lächelt. Der Mann hat eben Geschmack!

Als die Fähre kommt, hat Frau Harley ein ziemliches Problem, ihre Maschine an Bord zu fahren bzw. wohl Angst, damit zu stürzen. Ich denke immer nur "Mädel, geh mir aus dem Weg mit Deiner Karre!" Heute müssen die Motorräder nicht verzurrt werden, die See ist glatt und ich gehe an Deck, um die Aussicht zu genießen. Ich hoffe, dass Conchita da nachher noch stehen wird, aber Gurte habe ich keine gesehen und die beiden Harleyfahrer haben ihre Maschinen auch einfach stehenlassen. An Bord gibt es dann ein "Ticketkontor", wo man seine Fahrkarten kaufen kann und bald bin ich wieder draußen zum fotografieren und Landschaft genießen. Als wir auf der anderen Seite ankommen, ziehe ich rasch an den Harleys vorbei, dieses Gezuckel muss ich mir echt nicht antun! 

Gegen 18.30 Uhr lande ich auf dem Tømmerneset Camping, der zwar direkt an der Straße liegt, aber das ist mir heute egal. An der Rezeption sitzt ein freundlicher älterer Mann der gleich "I'd like to stay one night?" sagt. Ich muss lachen, sage ja, gebe ihm das Geld und stelle Conchita ab. Also, ich versuche, sie abzustellen, aber sie sinkt gleich im sandigen Boden ein, was mir einen uneleganten Abstieg zwischen Bein runterkriegen und Moped festhalten beschert. Rasch fummle ich die Seitenständerunterlage aus dem Tankrucksack und denke mir, dass ich die das nächste Mal schon VOR dem Abstellen auf den Boden schmeiße. Naja, alles gut gegangen. Ich packe ab, richte michn häuslich ein, dusche und dann gehe ich runter an den See, wo ein überdachter Platz ist, an dem ich mich mit meinem Essen, Karten und Tagebuch ausbreite. Leider sind die Mücken hier recht aufdringlich, so dass ich mir die Kapuze halb übers Gesicht ziehen muss, um nicht ständig genervt zu werden. Zum Glück kommt etwas Wind auf und verweht die Blutsauger.

Nachdem ich meine Strecke für den nächsten Tag halbwegs geplant und mir eine Übersicht über die
Mørsvikbotn
Distanzen (groß!) gemacht und durch die übrigen Urlaubstage (viel zu wenige!) geteilt habe, krieche ich ins Zelt und schlafe bald. Ach ja, wir befinden uns hier immer noch oberhalb vom Polarkreis und ich habe in dieser Nacht im Schlafsack geschwitzt!

19.8.2016 Tømmerneset Camping - Furøy Camping

Das schöne Wetter der letzten Tage setzte sich auch heute fort. Ich war schon sehr früh auf der Straße, denn die quasi nicht vorhandene Dunkelheit lässt einen jegliches Zeitgefühl verlieren. Ich bin zwar oft nach einem langen Tag im Sattel erschöpft, aber die lange Helligkeit lässt das Gefühl von Müdigkeit oft vergessen. Heute packe ich das Zelt wieder im Trockenen auf und los geht's!

... wie gemalt...
In Mørsvikbotn halte ich an einer Tankstelle mit Aussicht um erst Conchita und dann mich zu füttern.
Es ist total friedlich und ruhig hier, ein perfekter Morgen. Auch heute gibt es wieder unglaublich viel zu sehen, ich folge der Küste und fahre später wieder auf der Straße nach Bodø, auf der ich ein paar Tage zuvor schon unterwegs zur Fähre auf die Lofoten war. Es kommt mir wie Wochen vor, dass ich hier durchgekommen bin. Ich halte sogar an der gleichen Stelle, an der ich beim letzten Mal schon ein Foto gemacht habe, aber auch um kurz Pause zu machen und etwas zu trinken, denn es ist wahnsinnig warm, eigentlich schon "Ohne-Jackenfutter-Wetter", aber da sich das auch mal schnell ändern kann, ziehe ich nur die langärmligen Teile aus und fahre weiter.

Was das Fahren heute unter anderem anstrengend macht, sind die vielen Tunneldurchfahrten durch
Åselistraumen
die vielen "mørk tunnel", also unbeleuchtete Tunnels, denn der Wechsel zwischen gleißender Sonne und (im ersten Moment totaler) Dunkelheit und dann wieder zurück in die gleißende Helligkeit zehren an der Konzentration.

Bei Løding verlasse ich die schon bekannte Straße Richtung Bodø und halte mich weiter nach Süden. Beim Godøystraumen ist ein größerer Rastplatz direkt am Meer, nebendran steht praktischerweise noch ein Coop und ich halte hier an, hole mir einen Apfel und einen Joghurt und laufe ganz nach vorne ans Meer. Es ist unglaublich, ich sitze bei gefühlten 25 Grad im T-Shirt und ohne Stiefel an einem Strand nördlich vom Polarkreis in der Sonne. In einem Anfall von Wagemut gehe ich ein Stück ins Wasser, es ist erstaunlich warm und ich laufe eine ganze Weile auf und ab, erfrische meine Füße und genieße das Gefühl von Sand und Wasser. Dann setze ich mich wieder an den Strand und schaue aufs Meer.

Die Knochen der Erde
Was für ein wundervoller Urlaub! Wenn ich nur nicht wieder nach Hause müsste...

Meine Fahrt führt mich weiter Richtung Saltstraumen vorbei am Schild "Maelstrom". Natürlich muss ich sofort an Edgar Allan Poe denken und stelle mir wilde Dinge vor. Den Malstrom kann man von der Straße aus recht gut erkennen, er ist ein enger Durchfluss, wo das Wasser mit großer Wucht hindurchströmt und riesige Wirbel bildet. Aber auch hier... keine Schreckgestalten und keine augenlosen Pinguine... nur großartige Natur im perfekten Sonnenschein.

Als ich weiter fahre, wir die Landschaft flacher und ich quere mehrfach das Meer. Am Åselistraumen
halte ich wieder.

Hier gibt es hochinteressante Gesteinsformationen und man kann sich an verschiedenen Stellen darüber informieren. Ich habe das Gefühl, über die Knochen der Erde zu laufen. Man merkt, dass das hier ganz altes Gestein ist und die Rillen- und Riefenbildung sieht unglaublich beeindruckend aus.

Als ich über die Steine laufe, habe ich den Eindruck, etwas ganz Altem nahe zu sein und hier nicht hinzugehören, nur geduldet zu sein. Ich weiß, das klingt alles etwas überdreht, aber diese eiszeitlich geformte Landschaft und das vom Wasser geformte Gestein strahlen für mich eine Magie aus, der ich mich nur schwer entziehen kann. Ich hebe einen besonders schön geformten Stein auf, beschließe aber, ihn wieder an seinen Platz zu legen und gehe zurück zu Conchita.

Ermüdet von diesem Tag halte ich am späten Nachmittag in Halsa und stelle mein Zelt auf dem Furøy
Camping auf. Noch ist es hier leer, aber bald beziehen viele Wohnmobile die freien Plätze.

Ich gehe - nach der üblichen Dusche - hinaus zum Bootsanleger. Dort angeln zwei Kinder und ich setze mich nach oben und schreibe Tagebuch, studiere die Karte und genieße die Sonne. Als die Kinder hochkommen, starren sie mich unverhohlen an und ich starre zurück. Bald geht es für mich in den Schlafsack, denn ich möchte morgen früh möglichst deutlich vor der Wohnmobilkaravane wieder auf der Straße sein.

Fortsetzung folgt...

Kommentare:

  1. Heute kam deine Postkarte an! Yeah!

    Die Steinformationen gefallen mir sowie die restliche Landschaft auch suuuuuuuuuuuuper gut... Ich kann deine Begeisterung sehr gut nachvollziehen.

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    1. Im Ernst? Ich habe sie am 18. oder so eingeworfen...

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    2. Jepp. Mit Datum vom 16., erst heute angekommen.

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    3. .. die hätte ich ja fast schon persönlich bringen können bei dem Tempo...

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    4. Das ist einfach eine besonders höfliche Karte, die darauf gewartet hat, dass du erst die Blogberichte schreibst, damit sie sich nicht in den Vordergrund drängt. Echt nett, die Karte... Manche Karten sind nämlich so frech, schon anzukommen, bevor die Reisende überhaupt wiedergekehrt ist!

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  2. "...dass bei schönem Wetter das Paradies auf den Lofoten sein muss."

    Die Poesie der Erde endet nie ...

    John Keats
    (1795 - 1821)

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