Samstag, 27. August 2016

Auf Nordland-Kaperfahrt unterwegs in Skandinavien - Teil 1

Roads go ever ever on,
Over rock and under tree,
By caves where never sun has shone,
By streams that never find the sea;
Over snow by winter sown,
And through the merry flowers of June,
Over grass and over stone,
And under mountains in the moon. (J. R. R. Tolkien, The Hobbit)
Tage unterwegs: 20
Gefahrene km: 7500
Pannen: keine
Umfaller/Ausrutscher: 1

Nach meinen großartigen Winterurlaub in Norwegen hatte ich mir vorgenommen, diesen Sommer mit
Ein Moped steht im Walde...
dem Motorrad in den hohen Norden zu reisen. Schon vor zwei Jahren habe ich zwischen Norden und Süden geschwankt, mich dann damals aber für die Pyrenäen entschieden. Diesen Sommer sollte es also endlich nach Norwegen gehen, ich hatte schon viele begeisterte Berichte gelesen und aus erster Hand aus dem Africa-Twin-Forum gehört.

Kurz vor dem Urlaub machte Conchita mir bei einer extremen Regenfahrt etwas Zicken, ging aus und wollte erstmal nicht mehr anspringen...gut, es regnete an diesem Tag nicht, es GOSS aus Kübeln und irgendwo hat das Wasser wohl kontraproduktiv gewirkt. Jedenfalls stand ich jämmerlich nass in der Prärie, aber das ist eine andere Geschichte. Und weil Conchita ein supertolles Moped ist, macht sie solche Sachen nie, wenn ich mit ihr mehrere Wochen unterwegs bin, sondern immer nur im Umkreis von 50 km um Freiburg herum. Nun, langer Rede kurzer Sinn, ich habe daheim ein bisschen Kontaktspray hier und da hingesprüht, an ein paar Steckern gerüttelt und andere Stecker gereinigt. Und was soll ich sagen? Auf den ingesamt ca. 7500 km meiner Reise hat sie jedenfalls nicht ein einziges Mal gezickt. Sie ist eben eine Africa Twin!

Da ich am  Samstag vor meiner Abfahrt noch auf einer Feier eingeladen war, wollte ich eigentlich erst am Montag fahren, Werner überzeugte mich jedoch (naja, hat nicht viel Mühe gekostet), schon am Sonntag loszufahren. Ich muss zugeben, dass ich noch nie so schlecht vorbereitet in Urlaub gefahren bin, wie dieses Jahr. Hätte ich mich etwas besser informiert, hätte ich mir etwas Gefahre und Zeit sparen können, die mir dann in Norwegen gefehlt hat. Aber: "hätte hätte Mopedkette!"

7.8.2016 Freiburg - Hardegsen (Harz)


Nach einer relativ kurzen Nacht quälte ich mich am Sonntagmorgen aus dem Bett. Das schöne Wetter
draußen war aber Motivation genug, sich mit der Packerei zu beeilen und so warf ich kurzerhand alles in die Taschen, zog die Campingsachen aus der Ecke und war im Rekordtempo auf dem Moped und auf der Autobahn. Am Samstag war ich noch kurz in den Baumarkt gerauscht, um mir eine kombinierte Seitenständerverbreiterung und -erhöhung zu basteln, die ich in diesem Urlaub nicht nur einmal benutzt habe.

Bei herrlichstem Sonnenschein fuhr ich Richtung Norden, Campingplatz hatte ich keinen im Auge, da wird schon irgendwo einer kommen. Bis hinter Karlsruhe schaukelte ich gemütlich auf der Landstraße entlang und wechselte dann auf die Autobahn. Nach etlichen Stunden Gefahre und Blick auf die Uhr war dann im Harz der Moment der Campingplatzsuche gekommen. Tja. Wenn man keinen Camping sucht, ist gefühlt alle 500 Meter einer, aber wehe, man braucht einen... Als ich schon fast aufgegeben hatte, kam irgendwo ein Schild mit den Campingsymbolen und ich landete auf einem kleinen, gemütlich Platz mitten in der Prärie. Nach dem üblichen Check-In (leider ohne Brötchenservice) bekam Conchita einen Platz auf einer Betonplatte und ich stellte mein Zelt unter einen Baum mit Blick auf den Brocken und freundliche Kühe. Der Campingplatzbesitzer hatte mir noch gesagt, dass ich mich nachts nicht erschrecken sollte, wenn es draußen schlabbert, da die Kühe 10 m neben meinem Zelt ihre Tränke haben.

Gegen Einsetzen der Dunkelheit kroch ich in mein Zelt und freute mich auf den nächsten Tag, der mich noch viel weiter nach Norden bringen sollte.

8.8.2016 Hardegsen - Klausdorfer Strand (Fehmarn)

Klausdorfer Strand auf Fehmarn
Zum Gück hatte ich irgendwann doch mal etwas genauer die Karte studiert und festgestellt, dass es von Fehmarn eine Fähre nach Rödby in Dänemark gibt, was die Fahrerei dann etwas abkürzen würde. Also ging es frisch und munter los auf die Autobahn. Da ich Hamburg großflächig umfahren wollte, bin ich auf der Höhe von Lüneburg abgefahren und den Rest mehr oder weniger über Landstraße gefahren. Autobahn fahren in Deutschland ist einfach nur grausig. Viel zu viel Verkehr, Drängelei, Raserei... und der Lärm unter dem Helm ist oberhalb von 130 km/h kaum auszuhalten. Da fahre ich lieber länger und langsamer, dafür entspannter.

Das Wetter war nach wie vor herrlich, allerdings frischte der Wind Richtung Küste immer mehr auf, was das Fahren dann etwas anstrengend machte. Irgendwann kam ich auf Fehmarn an und suchte mir einen Platz, der möglichst nahe am Fährhafen ist. Am Klausdorfer Strand fand ich dann ein Plätzchen für mich und mein Motorrad.

Nun kam die erste Aufgabe: Wie stellt man ein Zelt bei starkem Wind allein auf? Ich musste nicht lange warten, da kam ein Radfahrer, der kurzerhand mit anpackte, während sich die Herren vom Wohnwagen gegenüber bei Bier lieber das Zeltkino ansahen, als mitzuhelfen. Bald war alles eingeräumt und verstaut und ich machte einen Spaziergang an den Ostseestrand. Irgendwann knurrte mein Magen vernehmlich und ich machte mich auf den Weg ins Campingrestaurant. Leider waren die Temperaturen in Kombination mit dem Wind recht frisch, so dass ich mir meine Jacke holen musste. Und just als ich nochmal losziehen wollte, fing es an zu regnen... hmpf... das musste doch jetzt echt nicht sein!

Naja, also ab ins Zelt, Streckenplanung für morgen und dann schlafen!

9.8.2016 - Klausdorfer Strand - Ljungby, Schweden

... alles so platt hier...
Heute sollte es nun richtig losgehen mit unserer Nordland-Kaperfahrt!

Ich war davon ausgegangen, dass ich in Puttgarden noch eine Tanke finden würde und auch eine Einkaufsmöglichkeit, aber dann stand ich auf einmal am Fährterminal und die Fähre auch. Naja, wofür hat man einen 23-Liter-Tank? Und Essen wird eh überbewertet! Eh ich mich versah, hatte ich die 54 Euro (jepp, arschteuer!) in ein Ticket für mich und Conchita investiert und wir standen auf dem Autodeck der Fähre.

Anbinden musste ich Conchita selbst und aufgrund der beengten Platzverhältnisse war das Absteigen
Offshore-Windpark mit Schiffen
"interessant". Es hat durchaus Vorteile, wenn man schlank ist... Ich liebe Fähren und in diesem Urlaub würde ich noch auf sehr vielen Fähren fahren, da freute ich mich schon drauf. Die 45-minütige Überfahrt war windig, man konnte andere Schiffe sehen und ich bewunderte die Offshore-Windparks vom Vorabend nochmal etwas näher. Die Zeit war ruckzuck vorbei und es ging wieder unter Deck, Mopeds losbinden (standen alle noch!), und dann auf nach Dänemark!

In meinem Vorwärtsdrang übersah ich die Tanke direkt nach der Fähre, aber egal, da wird schon noch eine kommen, ich habe ja auch erst 200 km auf dem Tacho stehen, mein Tank reicht aber locker für das Doppelte. Also ging es weiter durch plattes Land... ich sage Euch, es gibt nichts langweiligeres als dänische Autobahnen! Naja, man kann es auch als Meditation auffassen, denn schneller als 120 ist nicht, oft sogar nur 90 oder 110... und so richtig was zum gucken gibt es auch nicht. Dänemark ist wie Norddeutschland, viel plattes Land, viel Landwirtschaft... und wann kommt eigentlich mal eine Tanke an dieser doofen Autobahn...? Inzwischen stehen 378 Kilometer auf dem Tacho und ich fange an zu schwitzen. "Hättest Du doch
nur...!" Irgendwo fahre ich runter und hoffe, dass dann eine Tanke kommt. Es kommt auch eine. Aber die ist für Trucks und es gibt nur Diesel, das bringt mich jetzt nicht wirklich weiter. Ich fahre nach Gefühl in irgendeinen Ort, und richtig - hier rettet mich "INGO". INGO ist eine Tankstellenkette und INGO verkauft mir knapp 17 Liter prima Sprit. Ok, es war doch noch nicht ganz knapp, aber probieren muss man's auch nicht!

So viel zu meinem Vorsatz "In Skandinavien tankst Du alle 200 km! Wer weiß, wann da eine Tanke kommt!" Ich verrate schon mal, dass ich weder in Schweden noch in Norwegen Probleme hatte, auch in den entlegensten Winkeln noch irgendeine Tankstelle zu finden. Aber das wusste ich da natürlich noch nicht.

Schwedische Rasta
puh, also weiter auf der Autobahn... laaaangweilig.... gähn... zwischendrin mache ich eine kurze Pause und hole mir einen Kaffee an einer Raststätte, dann geht es auch schon weiter, ich will heute so weit wie möglich nach Norden kommen. Und wer weiß, vielleicht wird es in Schweden weniger langweilig? Der Wind nervt außerdem, er kommt immer wieder in Böen und ich muss mich manchmal sehr darauf konzentrieren, Conchita in der Spur zu halten. Hatte ich schon erwähnt, dass dänische Autobahnen langweilig sind...?

Geradeausfahren in Schweden
Das Highlight des Tages wartete noch auf mich: Die Fahrt über den Öresund! Leider darf man auf der Brücke nicht anhalten, aber die Überfahrt bescherte mir einen der vielen "WOW"-Momente in diesem Urlaub. An diesem Mittag war alles perfekt, die Sonne schien, ein paar hübsche Wolken waren am blauen Himmel und dieses phantastische Bauwerk taucht auf einmal auf. Ich bewundere sowohl die Brücke, als auch die Ausblicke, das Spiel der Sonne auf den Wellen, die Farben des Wassers... allerdings ist es nicht so entspannend, wie es sich hier liest, denn der Wind ist immer noch da und so exponiert natürlich noch stärker. Trotzdem ist die Fahrt viel zu schnell vorbei und ich darf 270 DK für die Überfahrt bezahlen, das ich aber sehr gerne tue!

tja und dann ist da schon die schwedische Grenze, durch die man mich einfach durchwinkt. Oh... die Autobahn ist hier auch nicht interessanter und so geht es weiter, bis ich beschließe, dass es jetzt reicht mit Wind und Langweile und mich in der Hoffnung auf weniger Wind und interessantere Straßen mehr Richtung Landesinneres orientiere. Irgendwo müssen ja die tollen schwedischen Landschaften sein, oder?

Verlassene Hütte
Der Wind wird nicht weniger und die Landschaft... naja... ein bisschen interessanter. Man sieht die typischen schwedisch-roten Häuser, viel Landwirtschaft, Kühe, Strohballen... naja... es sieht aus wie in Norddeutschland, nur größer... in Ljunby beschließe ich, es für heute gut sein zu lassen und steuere den Campingplatz an. Die Dame am Empfang und ich unterhalten uns erstmal auf Englisch, als sie nach "identity card" fragt und ich ihr meine reiche, sagt sie "Oh, dann können wir ja auch Deutsch sprechen!" Ich bekomme einen Plan vom Campingplatz und gesagt, wo der schönste Platz für mein Zelt ist. Den steuere ich an! Auf dem Campingplatz gibt es einen kleinen Hügel mit Fichten und herrlich weichen Moosboden. Zum Glück habe ich meine Seitenständerunterlage dabei, den Conchita sinkt hier kommentarlos ein.

Mein Zelt ist rasch aufgebaut, ich gehe duschen und packe mein Essen aus. Inzwischen weiß ich, dass ich unterwegs keine Lust zum kochen habe. Mal abgesehen davon gibt es auf jedem Campingplatz in Schweden und Norwegen eine Küche, in der man kochen kann, also kann man sich das Mitschleppen von Kochgeraffel sparen. Außer, man möchte wild campen... ja, das wollte ich eigentlich, aber wie ihr später lesen werdet, hatte ich an manchen Tagen nach 10 Stunden keine Energie mehr, noch einen Stellplatz zu suchen und eine heiße Dusche nach einer stundenlangen Regenfahrt ist einfach nur göttlich!

Also: Kochergeraffel bleibt das nächste Mal daheim, dann ist in der Tasche auch Platz für drölfzig Lakritztüten oder ein chices Shirt vom Polarkreis oder so einen schönen Strickpullover...

Jetzt bin ich aber erstmal in Schweden und nach einem Tag Motorradfahren muss ich mich noch etwas bewegen. Ich erkunde den nahe gelegenen Wald, dort tummeln sich diverse Jogger. Irgendwann tiefer im Wald scheuche ich ein Reh auf und hoffe, dass das arme Tier jetzt nicht vor ein Auto springt. Zugleich mache ich mir eine mentale Notiz, hier gut auf Wild zu achten, denn was ich absolut nicht will, ist ein Wildunfall im Urlaub irgendwo in der skandinavischen Prärie.

Am Ende des Weges lande ich auf einmal bei einer verlassenen Wochenendhütte. Ich streife um die Hütte herum und mache Fotos. Langsam wird es dunkler und ich beschliesse, es für heute gut sein zu lassen. Auf dem Rückweg durch den Wald fallen mir auf einmal Lampen auf. Lampe im Wald? Hä? Da fällt mir ein, dass hier ja im Winter Schnee liegt und der Waldweg dann eine Loipe sein dürfte. Und dunkel ist es dann auch...

Mit diesen Gedanken verziehe ich mich in mein Zelt, mache eine grobe Routenplanung und hoffe, dass der nächste Tag mir interessantere Strecken bescheren möge.

10.8.2016 Ljungby - Medhamn

Frühstück mit Blåbär-Müsli und Joghurt im Tetrapack
Als ich morgens aufwache, höre ich ein Tröpfelgeräusch auf dem Zelt. och nööööö, das war doch gerade so schön trocken geworden! Einige Zeit später stehe ich auf und stelle fest, dass es nur ein bisschen tröpfelt. Ich richte mein Fühstück an dem überdachten Sitzplatz und stärke mich für den Tag.

Ich hatte mir am Vortag in einem schwedischen Supermarkt Verpflegung geholt, unter anderem eine Tüte Müsli.

The fun starts, where the asphalt ends...
Ja... eine meiner seltsamen Angewohnheiten ist, Beschriftungen auf Verpackungen zu lesen und mich über lustige Wörter zu amüsieren (absoluter Favorit: Finnisch!) Was mich bei den Sprachen Dänisch, Schwedisch und Norwegisch fasziniert ist, dass man gelesen einiges verstehen und ableiten kann, wird aber in den Sprachen gesprochen... keine Chance! Ich war schon im Winter davon fasziniert, wie weich sich Norwegisch anhört, da es sich um eine germanische Sprache handelt, hatte ich mit etwas irgendwo zwischen Deutsch und Niederländisch gerechnet. Nun, jedenfalls las ich neben dem Frühstück den Aufdruck auf der Müslitüte. Um das Ganze etwas weniger seltsam erscheinen zu lasse: Ich bin unter anderem Linguistin und die Wahl war nicht ganz zufällig.

... das wäre ein schöner Spielplatz... ist aber nicht!
Bald ist alles gepackt und ich mache mich wieder auf den Weg nach Norden. Immer noch ist es sehr windig, die Straße sehr gerade, aber die Landschaft wird jetzt bewaldeter. Ich fahre an einem ungarischen Paar auf einer Harley vorbei (Harleys sind übrigens im Norden sehr populär, kein Wunder...) und frage mich immer noch, wann es hier mal interessant wird. Könnte ja noch kommen.

Der Tag bringt mir ein paar Schauer und es ist auch recht frisch. Zum Glück liegt mein Nierengurt in
der Schublade zuhause und das Steppfutter hängt im Schrank. Mit den Regenklamotten über der Kombi ist es aber auszuhalten. Wenn man alle andere Klamotten anhat, die ich auf Verdacht mitgeschleppt habe... Griffheizung ist auch was Feines... so vergeht der Tag ohne großartigen Wechsel der Landschaft.

Schöner vö... äh... wohnen
Ich fahre durch jede Menge Regen und Sturm... nach Studium meiner Karte beschließe ich, bei Nybble abzubiegen und mich auf die Suche nach einem Campingplatz zu machen. Hier ist auch ein See angezeigt, ich möchte jetzt doch mal was andere sehen, als Straße, Bäume, Bäume, Straße und geradeaus fahren. In einem Anfall von Mut biege ich in eine Straße zu einem Naturschutzgebiet ab.

Hier ist Schotter. ups. Naja, halb so wild, kriegen wir alles hin, schön ruhig fahren. Hier wirst Du Dich nicht hinlegen! Einige Kurven später wird der Schotter gröber und tiefer und ich etwas nervös. Wenden kann man hier auch nicht, also weiter... es gelingt mir, mich zu entspannen und ich fange an, den Weg zu genießen. Ich bin ja nicht wirklich die Offroad-Heldin... aber wenn man es nie versucht, wird man es auch nie werden... also...


Einige Zeit später kommt ein Parkplatz, das Wetter wird besser, ich stelle Conchita ab und bin stolz auf mich. Der Weg war hier sowieso zuende und ich gehe ein paar Schritte, in der Hoffnung, den See zu sehen. Mir kommen ein paar Waldarbeiter entgegen, die etwas seltsam schauen, aber freundlich grüßen. Da der See auch nach einigen Minuten laufen nicht in Sicht kommt, kehre ich um. Ein bisschen was essen und Pause machen ist keine schlechte Idee. Die Waldarbeiter sind inzwischen verschwunden und ein Traktor hat den Schotter noch schön festgefahren, wofür ich mich mental bedanke. Nach der Pause fahre ich problemlos zurück, muss nur kurz anhalten, da der Traktor wieder
Nein, das ist nicht das Meer!
vor mir ist und den Weg ebnet.

Von Abenteuerlust gepackt mache ich mich auf die Suche nach dem Campingplatz. Auf dieser Weg ist als "ungeteert" eingezeichnet. Die Straße erweist sich als recht einfach zu fahren, aber es fängt an zu regnen und der Camping ist nirgendwo in Sicht.

Mißmutig krame ich das Regenzeug hervor und überlege, ob ich hier nun umdrehe, oder weiterfahre.

Als ich mich komplett angezogen habe, wird der Regen stärker. hm... hoffentlich wird das jetzt hier nicht rutschig... Conchita bringt mich mit gemütlichen 50 km/h problemlos weiter, es wird nicht rutschig, nur einmal muss ich Platz für einen LKW machen, der angedonnert kommt. Als ich ernsthaft über Umkehr nachdenke, taucht auf einmal der Campingplatz auf.
Fein! Es reicht jetzt auch mit der Fahrerei, ich bin müde, hungrig und möchte noch etwas herumlaufen.

Es ist kein Mensch an der Rezeption, aber eine Telefonnummer. Ok, erstmal gucken, welche Vorwahl Schweden hat. Ich rufe die Nummer an.

"Hello, I'm down at the camp site... can I put my tent anywhere...?" "Yes, and I will come and collect
Förbiden förbjuden!
the money lateron... or you can leave the money in the post box!" "hm, that is a problem, I don't have Swedish Crowns, only Euros..." "Ok, no problem, just put it in the box!"

Das ist ja toll hier! Ich stelle mein Zelt auf, aus der Erfahrung auf Fehmarn habe ich gelernt und ein System überlegt, wie ich alles im Sturm allein aufgebaut bekomme. Es stürmt nämlich immer noch, aber immerhin hat der Regen aufgehört. Bald habe ich geduscht, gegessen und mache mich auf den Weg an den See, der diesmal wirklich in der Nähe ist.

Same lake, different day...
Das Wasser in der Dusche riecht allerdings merkwürdig und die Küche mit der Frischwasserstelle ist verschlossen. Ich bereue, dass ich meine Wasservorräte nicht besser aufgefüllt habe...
 
Es weht wirklich gewaltig, aber die Abendstimmung ist toll und ich laufe ein ganzes Stück erst teilweise am Seeufer, dann durch den Wald. Birken stehen hier und es sieht richtig schön aus.

Hier gefällt es mir schon besser, als auf der langweiligen Straße! Ich streife eine gute Stunde herum, bevor mich die Müdigkeit wieder einholt. Conchita ist total verdreckt, sieht aber irgendwie glücklich aus. Mit den Gedanken an diesen ereignisreichen Tag schlafe ich bald tief und fest.

11.8.2016 Medhamn - Tyrsil, Norwegen


Als ich am nächsten Morgen aufwache, donnert es. och nö... der Sturm ist jetzt zwar weg, aber
Gewitter muss auch nicht sein...

Das Wetter kann auch anders!
Ich liege noch eine Weile im Schlafsack, bevor ich die Nase aus dem Zelt stecke und mich um mein Frühstück kümmere. Das Gewitter zieht zum Glück am Campingplatz vorbei und ich kann im trockenen packen.

Weil es jetzt so schön ist, gehe ich nochmal zum Seeufer und mache einige Fotos. Das sieht hier jetzt ganz anders aus und das Wasser ist auch nicht sonderlich kalt, so dass man baden könnte, wenn man wollte. Ich will jedoch weiter, Norwegen kommt näher und meinen Plan, noch etwas in Schweden zu bleiben, verwerfe ich wegen der langweiligen Fahrerei auf den geraden Straßen.
Ich will endlich Berge und Kurven!

Das Wetter meint es heute endlich mal richtig gut, Regen und Sturm sind weg und ich komme weiter voran. So langsam wird es hier auch schöner, immer mehr Seen tauchen auf und die Landschaft wird hügeliger. Um die Mittagszeit sitze ich eine Stunde auf einem Anleger an einem schwedischen See und genieße die Sonne. Leider habe ich mich nicht eingecremt und die Nase ist nach der Stunde ordentlich rot. Egal!

Ich fahre weiter und weiter und auf einmal... steht da dieses Schild...
Ich bin in Norwegen!
Endlich!

Genauso plötzlich wie das Schild aufgetaucht ist, wird die Straße kurviger, kleiner, schlechter, es wird endlich hügelig und ich muss mich beherrschen, nicht am Gashahn zu reißen. Übertreten des Geschwindigkeitslimits um 10 km/h kosten hier stolze 3000 NOK, das sind knapp 300 Euro... also sachte.


Da ich nicht ganz sicher bin, ob das Limit nun bei 80 oder 90 liegt, fahre ich immer irgendwas
So muss das!
dazwischen. Ich genieße jede Minute, die ich durch diese einsamen Weiten fahre. Nach den endlosen geraden Straßen in Dänemark und Schweden ist das das Paradies. Teilweise sind die Straßen richtige Buckelpisten, aber das bügelt Conchitas Fahrwerk einfach weg. Sie schnurrt wie ein Kätzchen und ich singe unter dem Helm irgendwelche sinnlosen Sachen, einfach weil es nur schön und perfekt ist. So habe ich mir das vorgestellt!

Als Ziel für heute hatte ich mir Tyrsil ausgesucht. Ich steuere irgendwann gegen Abend den Campingplatz an, der sehr idyllisch an einem Flussufer liegt.

Ich parke Conchita und gehe zum Empfang, da hängt ein Schild, dass man wieder irgendwo anrufen
soll, wenn keiner da ist. Als ich mein Handy hervorgekramt und eingeschaltet habe und noch drauf warte, dass es endlich betriebsbereit ist, kommt schon eine lächelende Frau angelaufen und streckt mir die Hand entgegen. Wir begrüßen uns und sie nimmt mich mit zur Rezeption.

"Ok, we have a room in the big building, a cabin... and..."
"Oh no, I have a tent!"
"I hope you brought a good sleeping bag! We had three degrees last night!"
oha.
Aber ich habe meine Daunenjacke und das Seideninlett dabei, sollte alles klappen.

Dass ich noch keine Kronen habe, ist kein Problem, ich zahle (wie in diesem Urlaub sehr oft) mit
Kreditkarte. "You can put your tent anywhere you like, but the best place is down there close to the river. Just see, if you can get your bike down there!" Ich schaue mir das an, fahre Conchita runter und stelle mein Zelt auf. Im Preis für den Camping ist kostenloses Internet enthalten, eine Sache, die man auf norwegischen Campings fast immer hat.

Ich gehe jetzt erstmal duschen und kippe im Sanitärtrakt fast hintüber. Die Dusche ist wie im Hotel, alles ist supermodern, Fußbodenheizung, tiptop sauber. Wahnsinn!

Was ich an Norwegen sehr liebe ist, dass man Wohngebäude oder auch Sanitärgebäude/Duschen nicht mit Dreckschuhen betritt. Damit hat man schon mal keine "knirschig-sandig-oder-sonstwie-verdereckte-Bodenmomente". Ich genieße die heiße Dusche und den Platz. 

Danach mache ich mich auf den Weg zu einem kleinen Spaziergang in den nahe gelegenen Wald.
ooooh.. hier vergesse ich mich fast! Alles ist voll mit Blaubeeren, die gelegentlichen Preiselbeeren sind auch dabei und ich stopfe mich voll damit. Später finde ich noch massig Himbeeren. Einziges Problem ist, dass man jede Beere (naja fast) mit einem Mückenstich bezahlt, denn der Wald ist auch voll mit Stechmücken... ok, ich war gewarnt, aber ratet, was ich nicht dabei hatte...? Mückenspray! Egal, muss ich halt durch. Ich kenne das schon von Schottland, wenn man sich bewegt, ist die Stichfrequenz geringer.

Also eine Handvoll Beeren pflücken, in den Mund stopfen und weiter, bevor die Mücken einen
entdecken. So laufe ich eine Stunde durch den Wald, mache Bilder, frage mich, ob es wilde Tiere gibt, überquere eine Brücke über einen Wasserfall und komme im Bogen langsam wieder nach unten in Richtung Campingplatz. Hier schaue ich mich auch noch etwas um, sitze in der Sonne am Wasser und lasse den Tag Revue passieren. Auf dem Rückweg zum Zelt komme ich an einem Thermometer vorbei und weil ich es echt warm finde, schaue ich auf die angezeigte Temperatur. 11 Grad! Wie schnell man sich umgewöhnen kann.

Mit Blick auf die angekündigte kalte Nacht rolle ich mich im Zelt fest in den Schlafsack und bin schon bald eingeschlafen.

Fortsetzung folgt...



















Kommentare:

  1. Man reist nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen.

    Johann Wolfgang von Goethe

    *WOWwowWOW...wasfüreinABENTEUERindieserherrlichschönenNATUR...ganzbegeistertbin*

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  2. da packt mich die Sehnsucht nach Abenteuer und Einsamkeit

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    1. Davon kannst Du dort oben in allen Variationen mehr als genug finden.

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  3. Ja, da kommt Fernweh auf! Tolle Bilder!

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    1. ... ich sag nur Lofoten... DAS sind tolle Bilder... das Banner ist auf einer Nebenstraße dort oben entstanden.

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  4. Mjammi. Blaubeeren im Freien! Das erinnert mich an meine Kindheit. Bei uns in der Nähe im Wald gab's damals auch noch welche... Das sind wieder viele tolle Eindrücke, die du gesammelt hast. Bin schon auf die Fortsetzung gespannt.

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    1. Du hättest Dich da mit Blaubeeren vollstopfen können, bis Du platzt. Pilze gab es auch und diverse andere Beeren, von denen ich mir nicht sicher war, was es ist.

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