Samstag, 18. Juni 2016

Geschichten aus dem schwarzen Wald - Ein Singspiel in 5 Akten

Será, será esta noche ideal
Que ella nunca se olvida
Podré reír y soñar y bailar
Disfrutando la vida
... (Raphael - Mí gran noche)
 

Ort: Eine Hütte im Schwarzwald
Mistress of desaster: Doro
Der Chor: Ölfe, Gildi, Kirsche, zuse, Goldmarie, Herr Schulze, Lily, Felix
Die Reitenden Boten: Heiner, Carsten, Werner

Die Embassadoren: Miki, Alain, Thomas, Marie-Claude, Nina, Isabelle, Lenin, Tina, Kirsche
Der Außerirdische: Fred vom Jupiter
Die lange Hand/Maria-Dolores Elvira Patricia Martinez Sanchez Gomez (de la Selva): Werner
Die Gefangenen: Kirsche, Felix, Lily, Yuki
Die Stimme aus dem Off/Der Kritiker: Herr Schulze
Die Multimedia-Spezialisten: Carsten, Fred vom Jupiter, zuse, Doro

Die Verliebten: Karin, Pete, Katharina, Peter
Das Edelfräulein des spanischen Edelmanns:
Yvonne
Der spanische Hofstaat: Tanja, Martina
Die Reitende Botin:
Christine
Die Nachbarin: Ute
Der Vater: Kai

Der Hüter der Hütte:
Klaus


Ouvertüre
presto accel. und strasciando


Seit dem 2. Februar gehöre ich zur Gruppe der "Best Ager", wie es im schönen Neudeutsch so heißt.
Es ist gefühlt ja erst zwei Wochen her, dass ich selbst die damals noch als "Generation 50plus" bezeichneten Menschen am Computer unterrichtete und die Bezeichnung ziemlich daneben fand.

tja, und eines Tages wachst Du auf und bist 49!

Wollte ich schon meinen 40. groß feiern, was sich aus diversen Gründen dann doch zerschlagen hatte, so sollte doch zumindest der 50. gebührend begangen werden. Weil ich im Februar Geburtstag habe, meine Wohnung zu klein für mehr als 20 Gäste ist und zudem noch viele Freunde von auswärts kommen, musste eine andere Lösung her.

Mein liebster und bester Freund Lenin brachte mich auf die richtige Idee. Er ist auch ein Februarkind und hatte für seinen 40. Geburtstag eine Hütte gemietet, um dann bei besserem Wetter und angenehmen Temperaturen im Sommer nachzufeiern. Irgendwann im ersten Quartal meines letzten Lebensjahrs mit der 4 vorne dran machte ich mich auf die Suche nach einer passenden Hütte. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ausgebucht, zu teuer, zu weit weg, zu klein, zu schlecht ausgestattet, keine Rückmeldung... bis ich von meiner Freundin Carmen den Tipp bekam, dass sie doch für mich die Hütte des Skiclubs Oberried buchen könnte.

Gut.
Gesagt getan.

Einige Monate ziehen ins Land.

Kurz nach dem Jahreswechsel 2015/16 beschließe ich, meine Einladung an die Gäste zu schicken, damit sie ebenfalls rechtzeitig planen können. Und jetzt... beginnt das Chaos... denn... nicht ICH habe ja die Hütte gemietet, sondern Carmen und Carmen hat just an diesem Wochenende eine Klassenfahrt zu betreuen. Da die Satzung der Hütte aber vorsieht, dass das mietende Mitglied die ganze Zeit vor Ort sein muss, ist guter Rat teuer, denn ich bin kein Mitglied!

Panisch suche ich nach anderen Möglichkeiten, während wir parallel den Verantwortlichen bearbeiten, um eine Lösung zu finden. Nach einigen nervenzerfetzenden Wochen und ergebnisloser Suche nach einer anderen Hütte komme ich auf die naheliegendste Idee: Ich trete selbst in den Skiclub ein.

UFF!

1. Akt
allegro vivace non troppo


Ich habe es schon immer gehasst, wenn auf Parties nur die zusammensitzen, die immer zusammensitzen. Dazwischen ein paar einsame Menschen, die nicht recht mit anderen ins Gespräch
kommen, weil sie nicht wissen, wo sie anknüpfen sollen. Ich hatte die grobe Idee, irgendwas mit Spielen zu machen, je nach Wetter draußen oder drinnen, außerdem wollte ich an meinem 50. Geburtstag dem Inneren Kind Freiraum geben.

Auf keinen Fall sollte es eine Alte-Leute-Kaffee-Kuchen-Rumsitzfeier werden!

Bei den allerersten Grobplanungen ca. Ende 2014 hatte ich über ein paar Stripper nachgedacht, die Suche nach den passenden Exemplaren gestaltete sich jedoch als schwierig bis unmöglich. Die, die mir unterkamen, waren wohl eher für ein männliches Publikum gedacht, jedenfalls war keiner dabei, der mich ansprach. Dabei hätte das so schön werden können: Die Tür geht auf, eine riesige Papptorte wird hereingerollt, der dann drei knackige Kerle entspringen, die sich nach und nach ihrer Kleidung entledigen... ok... ich habe zuviele schlechte Revuefilme geschaut!

Ja, also Spiele... was haben wir eigentlich so auf den Kindergeburtstagen gespielt... Meine Freundin zuse kommentierte meine Recherche mit den Worten "bähhhh... magsch nisch!" und "Oh je, Kindergeburtstag mit Topfschlagen!" Das machte mich etwas skeptisch... es ist zwar meine Party, aber was mache ich, wenn niemand mitmachen will? Bekomme ich es hin, alle zu motivieren? Im Internet suchte ich nach Anregungen für Partyspiele für Erwachsene... Trinkspiele... hm, ne, möchte ich nicht machen. Kartenspiele... neeee, langweilig... nach einigem Suchen hatte ich dann eine potenzielle Auswahl an Spielen eingekreist. Jetzt ging es an die Suche nach Preisen. Da wir nicht ganz wenige Leute sein würden und ich nicht über ein riesiges Budget verfüge, sollte es etwas nettes sein, was nicht dumm rumsteht und woran alle Freude haben würden. Passend zur "nostalgischen Kinderparty" habe ich dann nostalgische Süßigkeiten bestellt. Bei worldofsweets gibt es so ziemlich alles, was wir aus Kindertagen noch kennen von Schleckmuscheln über Zuckerketten, Brausestangen, alles, was das Herz begehrt.... und ich wollte unbedingt "Schokowürfeln" spielen, aber in der verschärften Variante: Statt Handschuh, Mütze, Schal sollten es Helm, Halstuch, Nierengurt und Motorradhandschuhe werden. Man will's den Leuten ja nicht zu einfach machen und einen Bezug zu meinem liebsten Hobby sollte es auch geben.
 
2. Akt
molto vivace

Im Mai überkam mich dann langsam Panik.
Würde ich alles organisiert bekommen?
Würde ich die richtigen Mengen an Essen und trinken planen?
Sollte ich nicht doch besser noch ein Catering dazu nehmen..?
Die Idee mit dem Cartering verwarf ich nach dem ersten Angebot rasch, für DAS Geld würde ich eine ganze Kompanie verpflegen können! Nein, das muss auch so klappen!

Wer kam denn nun alles? Die doodle-Liste war zwar nützlich, aber nicht alle hatten sich auch eingetragen...
Wer würde übernachten und wer nicht?
Wieviele Plätze sollte ich "in petto" halten für spontante Entscheidungen...?

Im Ende Mai war ich dann auf der "Burg" und kam ziemlich euphorisch zurück. Was mir von dem Wochenende besonders in Erinnerung geblieben war, ist die veränderte Stimmung am Abend nach der Stammtisch-Rallye. Alle waren in bester Laune und man fühlte sich als Teil einer großen Familie. Die Teams waren auf der Burg ebenfalls bunt gemischt, so dass sich eine gute Möglichkeit bot, die verschiedensten Talente einzubringen und Teamgeist zu entwickeln, der das Team dann trägt.
Diese Stimmung wollte ich auf meiner Party auch!

Um die optimale Durchmischung der Teams zu erreichen, hatte ich eine Liste gemacht, um zu gucken, wer sich garantiert nicht kennt und noch nie gesehen hat. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass pro Team mindestens ein Mann dabei ist, um die "schwierigeren" Aufgaben zu lösen. Als sportlichere Spiele hatte ich ein "Schubkarrenrennen" und Sackhüpfen geplant, im Juni würde ja hoffentlich leidliches Wetter draußen sein... den sportlichen Part sollten dann die körperlich Fitten und/oder vorzugsweise die Männer bekommen, es macht ja nicht jede Kraftsport...

 3. Akt
presto prestissimo

Ein Blick auf die Wetterkarte verhieß in der Woche vor der Party nichts Gutes. Es sollte im günstigsten Fall unbeständig sein, wenn nicht sogar dauerregnen. Oh je! Da hätte ich ja auch im Februar in einem Gasthaus feiern können, wenn man eh nur drinnen rumsitzen kann!

Während ich die Päckchen für die Siegerehrung packte, dachte ich über alternative Spiele nach. Die Teamkarten mussten noch gedruckt werden und hier fiel mir dann ein, wie ich die Teams kenntlich machen und trotzdem ein wenig Verwirrung stiften konnte. Auf der letzten 50er-Party, die ich im November besuchte, hatten die Gäste "Aufkleber" mit Namen bekommen, damit man wusste, wen man vor sich hat. Das wollte ich ebenfalls einsetzen, aber in einer verbesserten Version. Meine Freundes- und Bekanntenkreis ist im Lauf der Jahre riesig geworden, durch meine verschiedenen Hobbies und Jobs habe ich immer wieder tolle, interessante Menschen getroffen, mit denen ich gerne feiern wollte. Und nicht vergessen möchte ich auch meine alten Freunde, die ich ebenfalls alle eingeladen hatte. Einige Kontakte bestehen seit mehr als 30 Jahren, man mag sich immer noch, auch wenn man sich vielleicht nur alle Jubeljahre mal sieht, spricht oder schreibt.

So kam ich auf die Idee, auf den Namenskarten nicht nur den Namen anzubringen, sondern auch, woher ich meinen Gast kenne und seit wann. Man möge mir verzeihen, dass ich bei einigen nicht mehr das ganz genaue Jahr wusste, manches verschwimmt dann doch eher zu einem Zeitraum.

Die Teams wollte ich mit verschiedenen Farben kennzeichnen, so dass sie sich zu Beginn der Spiele auch rasch finden würden und loslegen könnten.

Nicht nur die Teamkarten und Preise mussten in der Woche vor der Feier organisiert werden, ich brauchte noch Brot und Getränke. Da ich normalerweise alles selbst backe - was aber mit Blick auf die zahlreichen Gäste und meine knappe Zeit ausschied - hatte ich nach einem anständigen Bäcker geschaut, Gebäck vom Kettenbäcker finde ich einfach nur ekelig! Das Netz spuckte mir die Bäckerei Steimle aus, welche mit guten Bewertungen glänzte und sich praktischerweise ganz in der Nähe meiner Wohnung befindet. Die Getränke organisierte ich als Kommisionskauf über den Getränkehandel Zähringer in Oberried. Wie hätte ich auch sonst alles anschleppen können, ich habe nur ein Fahrrad und meine Conchita...

Am Montag vor der Party schleppte ich Frau zuse noch zum Discounter, wo wir in zwei
Einkaufswagen alles benötigte frische Zeug, sowie solche Dinge wie Toilettenpapier und Küchenrollen zum Auto karrten. Nach Kalles Hochzeit 2011 und der dort eingehenden Toilettenpapierknappheit wollte ich für alle Eventualitäten gewappnet sein!

Irgendwann war mir noch eingefallen, dass meine Gäste am Freitag vielleicht auch etwas essen wollten und nicht nur ein paar Äpfel oder Gemüse knabbern. Also kochte ich am Montag kurzerhand Karottensuppe, die ich aufgrund von mancher Leuts Abneigung gegen Ingwer leicht modifzierte. Frau Goldmarie entlockte meine Bemerkung, montags die Suppe für Freitag zu kochen, ein flottes "örks!" Die Erfindung des Tiefkühlgeräts scheint noch nicht in Pfälzische Gefilde vorgedrungen zu sein... Ein Zebrakuchen (modifizierter Marmorkuchen) wurde noch flugs gebacken und dann kippte ich am Montagabend (wie an den Restabenden der Woche) todmüde ins Bett.

4. Akt
presto prestissimo con brio

Freitag, 5:30 Uhr Weckerklingeln.
HEUTE IST ES SO WEIT!
Ich springe aus dem Bett, gehe in die Küche, koche Tee, durchdenke meinen Zeitplan.

6:00 - 8:00 Uhr Muffins backen, Wohnung halbwegs aufräumen, frühstücken, mich Mensch machen
9:30 Uhr Verschönerungsaktion
10:00 Uhr Brot abholen
10:30 Uhr Salatsaucen, Chaos beseitigen, letzte Sachen packen
12:30 Uhr Die Kirsche von der Straßenbahn abholen
16:00 Uhr Mit Heiner Auto beladen, Gäste in Empfang nehmen
18 Uhr Anpfiff auf der Hütte

Der Morgen verlief äußerst planmäßig, alles klappte wie am Schnürchen. Meiner Vermieterin hatte ich bereits Bescheid gesagt, dass wir ab 16 Uhr Autos einladen würden und sie dann bitte ihre Höllenhunde hinter Schloss und Riegel bringen sollte. Frau Kirsche kam auch halbwegs pünktlich und wie bestiegen gemeinsam meinen Berg, um ihre Sachen abzuwerfen und dann gemütlich Kaffee trinken zu gehen. Das Dorfcafé, in das ich wegen der leckeren Kuchen recht gerne gehe, hatte aber aus unerfindlichen Gründen Betriebsferien, so dass wir auf die Eisdiele ausweichen mussten. Gegen 15 Uhr fing ich an, kribbelig zu werden. War wirklich alles da? Hatte ich nichts vergessen? Niemanden vergessen? Meine Sachen richtig gepackt...?

Kurz vor 16 Uhr kamen Ölfe und Gildi und kurz danach Heiner, der mich beim Transport unterstützen wollte. Meine Nachbarin aus dem Nebenhaus schaute ebenfalls vorbei und überreichte uns noch eine frisch gebackene Foccacia. Gildi und Ölfe beschlossen, uns voraus zu fahren und schon einmal die Hütte nebst Hüttenwart in Augenschein zu nehmen. Heiner, Kirsche und ich packten das Auto, was natürlich nicht ohne Gemurre meiner Vermieterin ablief, da wir in der Einfahrt standen und das Packen einige Zeit in Anspruch nahm. Naja, vermutlich ist sie nur neidisch, dass wir so ein tolles Wochenende vor uns hatten, während sie schlecht gelaunt zuhause sitzen muss...

Gegen 16.30 Uhr brachen wir dann zu dritt bei mir auf, unterwegs sammelten wir noch Christine auf
und dann ging es hoch zur Hütte. Ich hatte es aufgrund von Zeitmangel und schlechtem Wetter nicht geschafft, den Weg und die Hütte zumindest von außen zu erkunden. Von den Fotos her sah sie aber super aus und den Weg fanden wir auch ohne Probleme. Das Auto hatte etwas zu tun, denn die Straße ist teilweise recht steil und der Anhänger sollte nicht unnötig herumhüpfen. Gegen 17.30 Uhr kamen wir oben an, wo uns der Hüttenwart begrüßte, den Ölfe und Gildi schon mit geballtem Charme verwirrt hatten. Wir luden fix ab, betrauten die Mädels mit dem Verräumen der Sachen und fuhren noch einmal nach Oberried, um die Getränke zu holen.

Hier gab es auch eine Überraschung, ich dachte, dass es ein Problem sein würde, die Kisten Sonntag zurückzugeben, aber nein. Wir bekamen alles erstmal kostenlos mit und den Hinweis, wo wir die Reste am Sonntag hinstellen sollten und dass dann erst abgerechnet würde. Toll! Auf dem Land klappt manches dann doch besser, als in der Stadt... mit dem beladenen Auto und Anhänger machten Heiner und ich uns auf den Rückweg zur Hütte. Wir waren beide der Meinung, dass man einen der nächsten Stammtische prima oben im Wirtshaus neben der Hütte machen könnte, denn die Strecke ist mit dem Motorrad sicherlich traumhaft zu fahren. Oben angekommen warteten bereits zwei Reitende Boten, nämlich Carsten und Werner, die die Strecke für Samstag schon mal gescoutet und ganz nebenbei eine kleine Ausfahrt gemacht hatten. Gemeinsam verräumten wir den Inhalt des Anhängers und richteten uns allmählich auf der Hütte ein. Ich hatte noch eine weitere Suppe gekocht und nach etwas Kampf mit dem Gasherd schafften wir es auch, die Suppe aufzutauen. Heiner musste uns leider wegen einem Trauerfall verlassen und Carsten machte sich ebenfalls bald auf den Heimweg.

So blieben an diesem Abend Kirsche, Ölfe, Gildi, Frau Goldmarie, Christine, Felix, Lily, Herr Schulze, Werner und ich übrig. Werner, das Schlitzohr ließ sich von den anwesenden Frauen extra bitten und betteln, doch morgen zur Party zu erscheinen. "Nein... ach... weiß nicht... so viel zu tun... nicht ganz fit... vielleicht... ach..." Am Ende hatte Ölfe ihn so weit, dass er zumindest zu einem definitiven "Vielleicht" bereit war. Gegen Sonnenuntergang machte sich auch Werner auf den Heimweg und wir machten es uns auf der Hütte gemütlich. Der erste Wein wurde geöffnet und meine Fotoalben angeschaut, Witze gemacht, Geschichten erzählt, Probleme gewälzt, Poltik diskutiert... mit Frau Goldmarie und Herrn Schulze saß ich noch bis um 2 Uhr am Tisch und wir diskutierten uns die Köpfe heiß. Danach konnte ich erst einmal nicht schlafen. Ich war viel zu aufgewühlt von den Vorbereitungen und viel zu aufgeregt wegen der anstehenden Feier.

Am Dienstag im Spanischunterricht hatte Alain schon gesagt, dass es fast so ist, als ob ich meine Hochzeit vorbereiten würde. Genauso habe ich mich die ganze Zeit auch gefühlt, ich wollte, dass alles perfekt ist, dass alle sich amüsieren und wohl fühlen und ich hatte noch nie in meinem Leben so eine große Feier organisiert.

5. Akt
allegro vivace con brio

Da ich in der Nacht kaum geschlafen hatte, begann mein Partymorgen schon gegen 6 Uhr. Liegenbleiben konnte ich nicht mehr, fit fühlte ich mich auch nicht wirklich... so schlurfte ich die Treppe herunter in die Dusche. Nach heißem Wasser von oben fühlt man sich ja meist etwas besser, so war es dann auch. In der Küche begann ich mit den Vorbereitungen für das Frühstück und gegen 10 vor 7 gesellte sich eine Ölfe mit sehr kleinen Augen zu mir, die erst einmal "mmmKKKKAAAAFFFFÄÄÄÄÄÄ" krächzte. Wir kochten Kaffee, nach drei Tassen war ich dann zwar wach, aber dermaßen zittrig, dass ich unbedingt etwas essen musste. So langsam krochen auch die anderen aus den Betten und wir frühstückten gemeinsam, begannen mit der Vorbereitung für den Nachmittag und Abend. Das ging etwa bis 11 Uhr gut, dann begann sich meine Müdigkeit in Form von leichter Gereiztheit bemerkbar zu machen... SO wollte ich keine Gäste empfangen und auch niemand anderes sollte unter meiner Laune leiden müssen. Also instruierte ich mein Küchenteam und legte mich noch eine Weile hin. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass man neben der Liebe auch den Schlaf vergebens ruft... Ein bisschen ausgeruhter kam ich nach einiger Zeit die Treppe herunter und nach und nach trudelten die ersten Gäste ein.

Ich hatte mit Blick auf das Wetter meine Spiele recht kurzfristig umdisponieren müssen, statt draußen
mussten wir ja drinnen spielen. Außerdem musste ich noch etwas vorbereiten und davor die Gäste so beschäftigen, dass sie so wenig wie möglich von allem mitbekommen.

Aber erst einmal begrüßte ich der Reihe nach, verteilte die Betten und bewirtete meine Gäste. Als Werner durch die Tür kam, stürzten sich mehrere Frauen mit einem lautstarken "WEEERNERRRRRRRR!!!" auf ihn und warfen sich ihm an den Hals. Ich dachte mir, dass unsere Überzeugungsarbeit ja wohl sehr erfolgreich war, aber Werner hat uns an dem Abend nicht nur einmal überrascht...

Intermezzo
allegro vivace

Nun waren meine Gäste schon recht zahlreich anwesend und so langsam sollten sie auch erfahren, was es mit den Namensschildern und den farbigen Punkten auf sich hatte. Aber erst einmal brauchte ich Zeit und Platz für meine weiteren Vorbereitungen.

Meine Gäste bekamen das "Schokowürfeln" erklärt und auch, wie man sich den Motorradhelm aufsetzt, korrekt den Nierengurt anlegt und was es sonst noch bei dem Spiel zu beachten gibt. Nach anfänglichem Murren konnte ich bereits nach 2 Minuten aus der Küche hören, wie nebenan begeistert gegröhlt und gespielt wurde. Ich war erleichtert, denn was, wenn niemand hätte spielen wollen...? Während am Tisch wild gewürfelt und gespielt wurde, richtete ich Teller mit Rasierschaum, Luftballons, Rasierer, Löffel, Überraschungseier, Schüsseln mit Äpfeln und Wasser und legte die Punktetabellen bereit.

Meine Gäste waren bereits in bester Stimmung und ich integrierte die Neuankömmlinge ebenfalls. Nun sollte es ans Schokowürfeln gehen. Einige hatten mich schon gefragt, ob ich mit dem Motorrad hochgekommen sei, weil da ein Helm herumlag. Nein, liebe Gäste, den Helm müsst ihr aufsetzen, nicht ich! Als ich verkündete, dass nun gespielt werden soll, gab es einiges Gemurre, aber kaum war ich in der Küche verschwunden, ging nebenan schon das Gegröhle los "schneller... ich hab ne Sechs... gib her...!!!" Klappt doch!

Meine Gäste waren in Hochstimmung, und ich hatte Mühe, sie vom Tisch zu den eigentlichen Spielen zu bringen. Es musste ein Luftballon rasiert werden, Äpfel aus einer Schüssel geschnappt, Eier ohne Bruch transportiert werden und dann gab es noch einen Alliterationswettbewerb und (wie ich fand einfache) Fragen zu beantworten.

5. Akt
allegro giocoso

Durch die vielen Ab- und Zusagen waren meine Teams leicht durcheinander geraten und Team schwarz bestand fast nur aus Männern, die unter Werners Führung kräftig schummelten. Da wurden Luftballons nicht richtig aufgeblasen, Klingenschutz nicht entfernt, nur minimal Seife auf dem Luftballon verteilt...

Beim folgenden Äpfel schnappen hatte ich es allen einigermaßen leicht gemacht. Normalerweise nimmt man dafür eine große Schüssel, aber ich hatte keine 5 gleich großen gefunden. Hier glänzten Yuki und die Ölfe mit ihren Schnappkünsten.

Der Eierlauf mit Ü-Eiern auch ein Riesenspaß, auch wenn Werner wieder mit einem aus der Kpche geklauten Schöpflöffel zu schummeln versuchte. Zur ausgleichenden Gerechtigkeit gab es für sein Team Strafpunkte, da er das Ei mehrfach fallen ließ. Werner hat mir beim Stammtsich gestanden, dass er in der Küche eigentlich Honig gesucht hatte, um das Ei festzukleben. Tja, Werner, da hast Du nicht gut genug gesucht!

Beim folgenden Aliterationswettbewerb hatten wir an den Ergebnissen wirklich viel Freude. Es ist
schon toll, wie kreativ die Teams waren. Leider habe ich die Zettel nicht mehr, sonst hätte ich Euch einige besonders schöne Beispiele schreiben können. Mit meinen folgenden Fragen taten sich meine Gäste dagegen richtig schwer. Nun, ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass mein Ex-Freund Christian auf der Feier sein würde und als Publikumsjoker eingesetzt werden könnte, ich bin mir sehr sicher, dass er alle Fragen hätte beantworten können. Die Fragen nach geschichtlichen Ereignissen in bestimmten Jahren, wie ich sie auf einer anderen Feier erlebt hatte, fand ich eher langweilig, das musste schon zu mir passen.

Also, liebe Gäste, für meinen 60. rate ich Euch, die gängige Sci-Fi-Literatur zu lesen, eifrig Sci-Fi und anderen Trash der 50-70er zu gucken, und "Game of Thrones" zu lesen oder zu schauen. Ein Blick in alte Kindersendungen schadet auch nicht...

5. Akt
allegro vivace

Der Abend sollte noch weitere Überraschungen für mich parat haben. Wir waren gerade mit den Spielen fertig, als die Tür aufging und mein Ex-Freund Fred hereinkam. Er hatte mir zwar zugesagt, aber da wir auf der Hütte keinen Empfang hatten und er nicht wie angekündigt nachmittags gekommen war, rechnete ich nicht mit ihm. Umso größer war die Überraschung, ihn zu sehen. Ja, vor 30 Jahren waren wir ein Paar, er süße 16, ich 20...

Meine Gästen machten sich nun über unser internationales und wirklich tolles Buffet her, Salat, Sushi, Käse, Quiche, Baguette, Süßes und Salziges... für jeden war etwas geboten. Klaus, der Hüttenwirt hatte uns netterweise noch einen Gasgrill gebracht, den meine Gäste auch nutzen, um sich Fleisch und Würst zu grillen. Draußen sitzen konnte man leider nicht, aber im Gastraum war es gemütlich und es saß niemand allein am Tisch, oder hatte nichts zu reden. Das war mir dann schon einmal gut geglückt.

Nun sollte eine weitere Überraschung auf mich warten. Werner hatte bei seiner Ankunft am
nachmittag nach einem Raum gefragt, wo er etwas proben könnte. Proben...? Was hat der Mann vor...? Und eine Schnur wollte er auch spannen. Ich sollte Limbo tanzen...? Das mit dem Niveaulimbo habe ich ja drauf, aber das andere...? Werner murmelte etwas von Laudatio für mich und ließ sich ansonsten zu keiner Bemerkung hinreißen. Laudatio, gewiss wegen dem überragenden dritten Platz bei der Stammtisch-Rallye! Klar, liebe Stammtisch-Jungs, ihr habt mich noch nicht gebührend honoriert, wird mal Zeit dafür!

Intermezzo
allegro molto moderato und allegretto quasi andantino

Während ich in Gespräche vertieft war, fiel hinter mir der Vorhang, Carsten und Werner hantierten an der Anlage, kümmerten sich um Beleuchtung und ich... war sehr gespannt. Nach einer Rede sah das nicht aus.

Werner hatte es geschafft, ein Ensemble von Weltrang zu engagieren, das sich auf der Durchreise von Merdingen durch den Breisgau befand und mit großen Mühen und Aufwand überzeugt werden konnte, meine Feier künstlerisch zu untermalen. Werner vergaß weder den noch ausstehenden gegenseitigen Vergleich unserer Briefmarkensammlungen zu erwähnen, noch mein Faible für Kunst und Tanz, welches wir ebenso wie das Motorradfahren teilen. Na, da war ich aber gespannt...

Kurz darauf erscholl der Torero-Marsch aus "Carmen", während es sich hinter dem Vorhang geheimnisvoll bewegte. Zu Beginn der folgenden "Habanera" (L'amour est un oisseau rebelle) erschien dann durch die Schlitze im Vorhang neben dem Gefangenenchor aus Sevilla (nein, nicht Nabuco...) der weltberühmte Mezzosopran Maria-Dolores Elvira Patricia Martinez Sanchez Gomez (de la Selva), um die Arie vorzutragen. Werner hatte die Kinder und Anne-Marie dazu gebracht, nach einer kurzen Probe das Gesangsstück mit Handpuppen zu begleiten. Lieber Werner, ich kann nur sagen, meine Gäste und ich haben uns köstlich amüsiert! Das war eine ganz besondere Überraschung für mich und - mit Blick auf das "Innere Kind" - hat es wunderbar gepasst!

Nach Werners Stück sollte es eigentlich Musik und Tanz geben, aber leider spielte uns die Technik einige Streiche. Mein eigener Rechner hatte drei Tage vor der Party beschlossen, mich mit "black screen" zu begrüßen, mit Mühe konnte ich meine playlists sichern und hoffte auf einen anderen funktionierenden Laptop. Frau zuse stellte uns ihren zur Verfügung, bei dem dann aber leider der Ausgang defekt war. Am Ende schafften wir es noch, eine kleine Auswahl (leider die nicht so tanzbare) von ihrem Laptop auf das Smartphone zu ziehen und doch noch etwas zu tanzen.

Das war eigentlich die einzige nennenswerte Panne an diesem Abend. Meine Gäste saßen noch bis gut 4 Uhr, so lange habe ich dann aber nicht mehr durchgehalten.

Finale
adagio maestoso

Am Sonntag stand ich nach einer weiteren unruhigen Nacht wieder sehr früh auf. Ich hatte nicht
schlafen können, zu glücklich war ich nach diesem gelungenen Fest. Dass ihr, meine lieben Gäste, Euch so prächtig amüsiert habt und zum Gelingen dieser einmaligen Feier beitgetragen habt, das war - neben Werners Überraschung - das größte Geschenk für mich!

Ich hoffe, dass wir uns zu meinem 60. genauso zahlreich, fröhlich und ausgelassen auf der Hütte wiedersehen.

Ich liebe Euch alle, DANKE!

Kommentare:

  1. "...zu glücklich war ich nach diesem gelungenen Fest."

    YEAH -> WOW ->♥ !!!

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  2. Das hast Du wunderbar geschrieben, aber ich bestehe auf die 6:10 Uhr am Samstag. Nichts sonst treibt mich so früh aus dem Bett, wie die Aussicht auf Ihre Gesellschaft.

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  3. Es war auch wirklich eine sehr gut organisierte Feier mit sehr netten Leuten in einer traumhaften Umgebung. Ich fand das Wochenende sehr bereichernd! Du bist eine zauberhafte Gastgeberin und ich habe mich köstlich amüsiert. In 10 Jahren bin ich gerne wieder dabei! *schwört*

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    1. Danke Danke! Schade, dass Berlin so weit weg ist, sonst kämst Du öfter in den Genuss.

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    2. Ja, wenn Freiburg nicht so weit weg wäre, dann wäre ich auf jeden Fall öfters dabei...

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  4. Hach, seufz, das ist aber alles sehr schön!
    Ein Wochenende für's Herz, das immer in Deinen Erinnerungen bleiben wird.
    Deine wochenlangen Überlegungen und Plackerei haben sich ausgezahlt!
    Ich war zwar nicht dabei *Tränchen aus den Augenwinkeln wischt* aber ICH LIEBE SIE AUCH!

    P.S.: Als wär ich selbst dabei gewesen, toll geschrieben! Danke :o)

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    1. Naja, Du kannst Dir ja schon mal meinen 60. vormerken, da bist Du dann auch dabei. Und zu meinem 90. machen wir eine Rollator-Rallye :-D

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