Montag, 9. Mai 2016

The only impossible journey is the one you never take... Horizons Unlimited Mai 2016

Vor dem Umzug...
Das vergangene verlängerte Wochenende schrie mit Blick auf das vorhergesagte schöne Wetter geradezu nach einer kleinen Reise.

Eigentlich hatte ich das französische Jura im Blick, bis ich am Dienstagabend eine Nachricht auf meiner Mailbox hatte.

Werner, einer meiner Stammtisch"jungs" fragte an, ob ich nicht mit in die Pfalz wollte zu "Horizons Unlimited".

Der Name des Treffens und die Seite waren mir schon mehrfach untergekommen, als inzwischen passionierte Motorradreisende mit Blick auf "Größeres" (dazu später) landet man früher oder später auf den einschlägigen Seiten.

Langer Rede kurzer Sinn, ich habe spontan meine Pläne über Bord geworfen und zugesagt. Das Programm klang interessant, andere Reisende zu treffen, endlich "anzuzelten" und ein Wochenende mit einem anderen AT-Fahrer verbringen, da muss ich nicht lange nachdenken! Dienstagabend koordinierten wir uns noch kurz, Mittwoch kramte ich meine Karten hervor, plante die Strecke, warf alles in die Packtaschen und freute mich.

Donnerstag

Nach dem Umzug!
Donnerstagmorgen trafen wir uns erst einmal bei Werner, frühstückten zusammen, das  Zebra  wurde fertig gepackt und dann ging es los, über den Rhein. Beim ersten Stopp nach ca. 1,5 Stunden Fahrt auf einem Parkplatz irgendwo in Frankreich meinte Werner, ich sei ja ganz gemütlich unterwegs...

hm ja, hatte er nicht gesagt, er wollte sich noch etwas einfahren...? Na warte, Werner... :-)

Bis über die Grenze und nach Bad Bergzabern brachte ich uns problemlos, dann durfte Herr Navigationsgerät eingreifen, da ich die geplante Straße irgendwie nicht fand - nachher waren wir dann doch schon auf der richtigen... aber gut... Der Weg ist das Ziel und so...

Analognavi an Analogmoped
Es ging nun munter und ohne große Zwischenstopps weiter nach Sippersfeld ins Pfrimmtal. Als wir gegen 17 Uhr den Campingplatz erreichten, war es dort schon ziemlich voll.

Die ersten Minichallenge wartete auch auf mich, nämlich grob geschotterte Wege. Naja, geradeaus, eben und so kein Thema, aber hier ging es ein kurzes Stück steil runter, um eine recht enge Kurve und noch dazu war der Weg ausgefahren. Nach einem kurzen Durchschnaufmoment fuhr ich erst ein Stück in die Wiese und dann um die Ecke. Mich hier gleich hinzulegen, das wollte ich dann doch nicht.

Wie oft gilt: Das Problem sitzt fast immer AUF dem Motorrad! Conchita kann das, sie wurde dafür ja gemacht.

Unser erster Schlafplatz war nicht so toll , wir hatten zwar einen Sanitärtrakt gleich gegenüber, neben uns war aber auch das Lagerfeuer. Wir stellten die Mopeds ab und die Zelte auf.

Da wir noch nicht registriert waren, gingen wir ins das Zelt, in dem später Workshops stattfanden und wo man sich Tag und Nacht Kaffee oder Tee kochen konnte, leider war niemand da. Wir drehten eine Runde über den Platz, schauten uns die Mopeds und Kennzeichen an (weitestes nördlich: Schweden) und beschlossen, erst einmal Essen zu gehen. Mir war
E
Ein Bett im Rapsfeld... ne, stinkt zu sehr!
das Rumgeschleppe von Kochuntensilien für das Wochenende zu blöd gewesen, Kocher und Co waren zuhause geblieben.

Werner hatte seinen Benzinkocher und seine Espressokanne dabei, was die Morgen verschönte. Ich hatte nicht mal eine Tasse mitgenommen, aber meine Wasserflasche leistet auch als Kaffeetasse hervorragende Dienste. Improvisation ist alles!

Beim Restaurant angekommen, herrschte ziemlicher Betrieb... nein, es herrschte pures Chaos! Man hatte 30 Anmeldungen für das Buffett bekommen, 80 Leute waren erschienen, Essen á la carte war gecancelt... Ein nettes Paar aus Wien, an dessen Tisch wir uns dazu setzten, wartete schon sehr lange auf sein Essen.
Werner und ich konnte uns am Salatbuffett bedienen und um 20 Uhr ging es auf zum ersten Vortrag.

Altstadt Kirchheimbolanden
Als ich Mittwoch meine Sachen packte, hatte ich noch überlegt, welche Jacke ich mitnehmen würde. Die Softshelljacke schied aus Volumengründen aus, ich hatte stattdessen meine Daunenjacke eingepackt. Das fand ich Mittwoch fast übertrieben, nach dem Motto "jeder wird dich auslachen mit dem fetten Ding!" In der Scheune wurde es langsam aber sicher immer kälter, schließlich ist es erst Anfang Mai und die letzten Wochen haben sich nicht gerade durch Sommerwetter hervorgetan. Ja, also die Jacke war goldrichtig!

Wir lauschten den Vorträgen von Heike und Filippo, die sich auf dem HU Treffen kennengelernt hatten und 24 Monate um die Welt unterwegs waren. Der Vortrag war wirklich schön, und wir bewunderten nicht  nur die schönen Bilder, sondern auch Filippos Improvisationstalent bei Motorradpannen. Wer weiß schon, dass die Wasserpumpe einer Waschmaschine nach entsprechender Umrüstung auch im Motorrad gute Dienste leistet?

Danach folgte ein Reisebereicht von Nord- nach Südamerika, den Namen des Herrn habe ich leider vergessen. Die Fotos waren sehr schön, insgesamt fanden wir den Reisenden nicht so sympathisch. Mir persönlich war's eine Spur zu weltmännisch und zu sehr "been there, seen that, done that, know it all..."

Gegen 22 Uhr gingen wir dann zu unseren Zelten. Das Feuer brannte schon und versprach keine allzu
ruhige Nacht. Ich habe mir zwar inzwischen angewöhnt, mit Oropax zu schlafen, aber man hört ja trotzdem was durch.

Für mich war die Geräuschkulisse allerdings weniger das Problem. Es war einfach ARSCHKALT! Mein Schlafsack - angeblich bis -5 Grad geeignet - war schon warm, ich trug einige Schichten Merinoklamotten (übrigens eine wirklich gute Investition!) und zwei Paar Socken, aber sobald ich mich auf die Seite drehte, wurde es am Rücken kalt. Irgendwann beschloss ich, dass ich nicht die Heldin spielen muss, angelte meine Daunenjacke aus der Ecke und packte sie mir in den Rücken. Das war schon besser.

Freitag

Mit gefühlten 3 Stunden Schlaf kroch ich am Morgen aus dem Schlafsack. Die heiße Dusche war eine echte Wohltat und die Nachttemperaturen ein allgemeines Thema in der Frauendusche. Ein Tipp kam von Islandreisenden, die meinten, sie hätten sich Babywärmflaschen gekauft und abends in den Schlafsack gepackt. Für mich war das jetzt auch ein Test für den Sommerurlaub, denn ich will ja nach Norwegen... und vermutlich kaufe ich mir trotz allem noch einen Daunenschlafsack und ein Seideninlett.

Nicht ist übler, als nachts von der Kälte geweckt zu werden!
Aber nichts ist auch schöner, als morgens im Zelt von der Sonne geweckt zu werden!

Als ich von der Dusche zurückkam, kochte Werner uns Kaffee, ich hatte Brötchen besorgt, die Werner uns mit Marmelade und Nutella in Ermangelung von anderen Dingen bestrichen hatte. Wir beschlossen - nachdem sowohl unsere Mopeds, als auch die Zelte mit Flugasche bedeckt waren - umzuziehen.

Das Wetter war herrlich, sonnig, warm und wir machten uns für eine kleine Tour fertig. Zum Einen sollte es einen neuen Schlafsack für Werner geben und zum Anderen wollten wir die Gegend etwas erkunden. Werner hatte die letzte Nacht elend gefroren, er hatte nur einen ganz dünnen Sommerschlafsack dabei und in seinen Klamotten geschlafen.

Also fuhren wir auf gut Glück nach Winnweiler zu einem Discounter, der gerade welche im Angebot hatte. Danach ging es nach Kirchheimbolanden auf kleinen Straßen rund um den Donnersberg. Ein wenig hatte ich das Gebiet im letzten Jahr schon mit Frau zuse und den Fredissimas erkunden können. Die Gastgeber unseres letzten Fred-Treffens wohnen ca. 20 km entfernt vom unserem Campingplatz. Leider war bei unserem spontanen ersten Besuch niemand zuhause, so dass wir weiterfuhren. In Kirchheimbolanden entdeckten wir zufällig direkt neben unserem Parkplatz ein sehr schönes Café mit eigener Rösterei. Werner sprach unsere Nachbarn an, wofür der Ort bekannt sei und wir bekamen u. a. erzählt, dass sich in einer Barokkirche eine Orgel befinden würde, auf der bereits Mozart gespielt hat.

Da die ersten Vorträge bereits am frühen Nachmittag starten würden, hatten wir keine Zeit mehr für einen Stadtrundgang, wollten das aber am nächsten Tag nachholen.

Während ich auf dem Workshop von Filippo zum Thema "Elektrikprobleme lösen" war, schaffte Werner sein Zelt und Motorrad eine Etage tiefer.
Ich lauschte mit Begeisterung und Interesse, einige Dinge wusste ich schon, andere noch nicht.

Wir bekamen gezeigt, wie man mit Hilfe einer Prüflampe fehlerhafte Stellen im Kabelbaum finden kann, den Anlasser überbrückt und noch einige andere Dinge. Ich bin ja technikbegeistert, aber in vielen Bereichen fehlt mir einfach das Wissen und Können.

Nach dem Workshop brachte ich mein Zelt ebenfalls nach unten. Als ich Conchita umparken wollte, sprach mit ein anderer AT-Fahrer aus dem Bodenseeraum an. Wir fachsimpelten über die  typischen Fehler und Probleme der AT, wie Benzinpumpe und Regler und ich brachte Conchita danach neben Werners Zebra.

Original Spieltisch der Barockorgel
Abends gab es dann weitere Vorträge. Hier hat uns besonders der Vortrag von Hartmut gefallen, der im Vorruhestand überlegt hat, was er denn nun mit der vielen Zeit anfangen soll. Daraufhin hat er sich sein Motorrad geschnappt und war damit erst in Südamerika unterwegs. Die zweite Reise über 1,5 Jahre hat ihn von Köln nach Tokyo gebracht. Sehr schön zu sehen war, wie jemand ohne irgendwelche Fremdsprachenkenntnisse einfach loszieht, überall Hilfe und Unterstützung findet. Ich denke, wir Deutschen neigen dazu, alles bis ins Detail planen zu wollen, uns auf alles vorzubereiten, um dann möglichst "perfekt" gerüstet losziehen zu können.

Natürlich - eine gewisse Vorbereitung ist für das Reisen in weiter entfernte, exotische oder "gefährliche" Gebiete notwendig. Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich aber auch nur sagen: erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Mit Hartmut haben wir am Samstagabend noch ein wenig geplaudert und fanden ihn beide total klasse, ein ganz normaler Mensch, ohne Allüren und weltmännisches Gehabe. Interessant war auch, dass er erst einmal nicht mehr reisen möchte. Er meinte, er sei vor der Reise hungrig gewesen und jetzt erst einmal satt.

Für mich unruhigen Geist ist dieser Zustand derzeit noch nicht denkbar oder erreicht. Ich stehe gefühlt
Detail an der Schwanen-Apotheke
noch am absoluten Anfang meiner Reisekarriere und kann nur sagen, dass ich umso mehr reisen will, je mehr ich auf Achse bin. Klar, am Ende einer Reise wieder ein gescheites Bett zu haben, in der gewohnten Umgebung zu sein, seine Freunde wiederzusehen, das ist schön. Und man lernt auch das eigene Zuhause ganz anders zu schätzen.

Ich habe gemerkt, dass das Motorradfahren und vor allem das Reisen mit dem Motorrad mich verändert, dass es mich dazu bewegt, meine Grenzen weiter auszutesten, einmal ganz davon abgesehen ist es ein Gefühl der unendlichen Freiheit und jemandem, der nicht selbst fährt ist das so praktisch nicht zu vermitteln.

Der letzte Vortrag am Freitag war von Sjaak Lucassen, einem Niederländer, der mit "unmöglichen" Motorrädern um die Welt reist. Sjaak hatten wir schon am Donnerstag vor seinem Transporter gesehen, wo man auch seine Motorräder bewundern konnte. Ja, nicht jeder, der reist, fährt auch ein Reisemotorrad. Für Sjaak ist nicht das "richtige Motorrad für die Reise" wichtig, sondern "das richtige Motorrad fürs Herz" und das ist in seinem Fall ein Motorrad vom Typ Supersportler. Supersportler wurden ja eigentlich dafür gebaut, besonders schnell über möglichst gute Straßen zu heizen. Nun, Sjaak zeigte, dass man damit sowohl durch die Wüste, als auch durch übelste Schlammlöcher, oder bei extremen Straßenbedingungen fahren kann. Wir waren fasziniert davon, was so ein Motorrad alles aushält. Darüber hinaus hat Sjaak einen absolut trockenen Humor. Nach Sjaaks Vortrag ging es wieder ins Zelt, zu einer diesmal ruhigeren und vor allem nicht ganz so kalten Nacht.

Samstag

Für den Samstag stand bei HU "Ride out" auf dem Plan, wir schlossen uns aber keiner geführten Tour an, sondern machten unsere eigene. Wie schon tags zuvor beschlossen, sollte die erste Station Kirchheimbolanden sein. Nach dem Cafébesuch machten wir einen kleinen Stadtspaziergang und fanden - neben einem Bronze-Wildschwein und diversen hübschen Fachwerkgebäuden auch die Kirche mit der Mozartorgel.

Da es draußen schon ziemlich warm geworden war, waren wir ganz glücklich über die kühle Kirche. Werner meinte zu mir, dass es doch toll wäre, wenn jetzt noch jemand auf der Orgel spielen würde. Zufällig waren eine junge Frau und ihr Partner in der Kirche. Sie zeigte uns dann den Aufgang zu einem Raum, in dem der originale Spieltisch der Orgel steht, auf dem auch W. A. Mozart gespielt hat. Und dann kamen wir noch in den Genuss eines kleinen Konzerts. Der junge Mann probte offenbar für ein Konzert und wir waren wohl gerade im richtigen Moment gekommen, denn nachdem wir die Kirche verließen, haben sie die Tür abgeschlossen.

Nach dieser Station brachte ich uns bis nach Bad Kreuznach, wo wir uns mit einem Falaffel stärkten und eine Erfrischungs-und Trinkpause einlegten. Auf dem Rückweg schauten wir dann noch - leider nur kurz - bei Frau Goldmarie in Potzbach vorbei und machten uns dann auf den Weg zurück zum Camping.
Sjaak berichtete noch einmal, diesmal von seiner geplanten Tour zum Nordpol, wir vertraten uns danach noch etwas die Beine, quatschten mit Hartmut und gingen dann zu unseren Zelten.

Sonntag

Am Sonntag gingen wir es ganz ruhig an. Erst einmal in Ruhe frühstücken, packen, quatschen. Gegen Mittag machten wir uns auf den Rückweg.

Den Elefanten zum Gärtner machen...
Werner stoppte mich in Enkenbach-Alsenborn an einem Kreisverkehr. Dort war ihm auf dem Hinweg ein riesiger Elefant aufgefallen, den ich nicht gesehen hatte. Wenn ich allein fahre, sehe ich offenbar mehr, diesmal war ich so konzentiert auf die Strecke, dass mir diese riesige Skulptur gar nicht aufgefallen war. Sie zeigt Sam, den pflügenden Elefanten.

Sam war wohl zusammen mit einem Artgenossen in einem 1917 gastierenden Zirkus in den Ort gekommen. Da man gerade keine anderen Tiere zum pflügen zur Hand hatte, sollte der Elefant erst den Garten beackern, später das Feld. So ganz unproblematisch lief es wohl nicht ab. Leider haben die beiden Elefanten kein glückliches Ende genommen, sie sind bedingt durch die Nahrungsmitelknappheit verhungert.

Der Heimweg nach Freiburg brachte uns noch durch herrliche Ecken. Die B48, die in Richtung Bad Bergzabern und zur deutsch-französischen Grenze führt, ist wunderschön. Leider schmälerten einige Sonntagsfahrer und diverse Geschwindigkeitsbeschränkungen das Kurvenvergnügen etwas. Es lohnt sich mit Sicherheit, diese Ecke noch ein wenig mehr zu erkunden. Die Straßen um den Donnersberg z. B. waren großartig zu fahren und größtenteils völlig leer und das an einem sonnigen Feiertagswochenende!

Als Abschluss unseres gemeinsamen Wochenendes führte Werner mich noch nach Erstein ins Museum Würth. Derzeit ist dort eine Ausstellung mit Werken von Botero. Darüber werde ich dann aber in einem anderen Kontext gesondert berichten.

Die wichtigsten Botschaften aus dem Wochenende waren für mich, dass Motorradfahren ein Hobby ist, das Menschen aus aller Welt miteinander verbindet und sie zusammenbringt. Außerdem sollte man nicht zuviel planen und denken, sondern lieber machen. Und genau das werde ich tun.

In der zweiten Jahreshälfte steht für mich die Planung für 2018 an.
Ich werde dann 2 Monate wahrscheinlich mit Conchita durch Kanada reisen.

P. S: Werner meinte nach dem zweiten Tag, dass ich rase...


Kommentare:

  1. Toller Erlebnisbericht (ړײ)
    und dieses ZITAT -> finde ich am treffendsten:

    Mensch und Maschine, Natur und Technik, alles wird eins.

    Wünsche DIR, noch ganz viele, erlebnisreiche Touren !

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  2. Für mich wäre das nichts, aber man merkt deutlich wie glücklich es dich macht! Schöner Bericht.
    LG Jennifer

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    1. Dankeschön :-) Nach dem Wochenende dachte ich, dass ich jetzt endlich meine "tribe" gefunden habe.

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