Samstag, 27. September 2014

Rückreise - von Gavarnie nach Freiburg

5.9.2015 von Gavarnie nach Ainsa

Col d'Aspin
Ab heute hieß es wieder: Der Weg ist das Ziel! Nach 3 Nächten auf dem wunderschönen Campingplatz in Gedre sollte es heute weiter nach Spanien gehen. Eigentlich wollte ich noch in den Parque Ordessa y Monte Perdido, und eigentlich hatte ich noch über einen Besuch in San Sebastián nachgedacht, aber das passte nun doch nicht mehr ins Programm und hetzen wollte ich auch nicht.
Col d'Aspin

Bei meinem Aufbruch waren die Berge noch im Nebel, unten im Tal schien jedoch die Sonne. Der Weg nach Ainsa führte mich wieder durch großartige Landschaften. Leider hatte ich sehr lange einen LKW vor mir, den ich auf der engen und unübersichtlichen Straße nicht überholen konnte. Da es Conchita bei dem Gezuckel bergauf langsam warm wurde, hielt ich an einem Parkplatz an, um einen Fotostopp zu machen, Conchita eine Pause zu gönnen und etwas zu trinken.

Als ich auf dem Parkplatz stand, hörte ich von unten ein bekanntes Motorengeräusch. Da kam eine Twin hochgefahren! Der Fahrer  - ein Franzose - und ich winkten und nickten uns zu.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Sonst sah man unterwegs neben diversen Straßenmaschinen die üblichen mit Alukoffern bepackten BMWs. Auf den Campingplätzen habe ich nur eine kleine Handvoll anderer Motorradfahrer gesehen, meistens war ich die Einzige. Auch so hielt es sich mit größeren "Rudeln" in Grenzen. Die meisten waren zu zweit oder dritt unterwegs, ab und an hier und da auch Einzelreisende. Alleinreisende Frauen habe ich keine getroffen.

Drüben in Spanien roch es gleich anders.
Ich kann das nicht beschreiben, es riecht einfach nach Spanien!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Hier war es noch ein bisschen wärmer als auf der französischen Seite, aber die dunklen Wolken am Himmel verhießen nichts gutes. Bei Bielsa geriet ich in einen heftigen Regenschauer. Kurz zuvor war ich noch an einem Campingplatz vorbeigekommen, hatte mich aber dagegen entschieden, jetzt schon mein Nachtlager aufzuschlagen. Also hieß es jetzt: Weiterfahren! Ungefähr 10 Kilometer später konnte man schon sehen, dass der Regen bald aufhören würde, da hinten zeigte sich schon die Sonne. Ich fuhr weiter in Richtung Ainsa, in den Ort hinein, drehte eine kurze Runde und entschied mich, erst einmal zu tanken und dann zu dem Campingplatz zurückzufahren, den ich von der Straße aus gesehen hatte.

puh, jetzt war ich in einem Land, in  dem ich mich wesentlich besser verständlich machen kann!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Ich habe einen besonderen Bezug zu Spanien. Als junge Frau mit 18/19 war ich zweimal die gesamten Sommerferien in einem kleinen Dorf in Zentralspanien. Eine Schulfreundin hatte mich eingeladen, mit ihr das Dorf ihres Vaters zu besuchen. Damals - 1984 bzw. 1985 - waren Flüge noch unerschwinglich. Wenn man nach Spanien reiste, tat man das mit dem Bus, oder wie wir mit der Bahn. Auch die Bahn war nicht so schnell wie heute, ICEs gab es noch nicht. Heute würde es mich grausen, 28 Stunden in Zügen verbringen zu müssen. Damals war es ein großes Abenteuer! Der erste Urlaub ohne Eltern und ohne Aufsicht, wir wohnten in der Eigentumswohnung des Vaters meiner Freundin und aßen bei ihren Großeltern.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Die Bahnfahrt war grauenhaft. In Paris mussten wir umsteigen und den Bahnhof wechseln. 
Natürlich msste man die Währungen der verschiedenen Länder mit sich führen, den Euro gab es noch lange nicht. In Paris hetzten wir durch die endlosen Gänge der Metro, schleppten uns halbtot an unseren Koffern.

Endlich angekommen, quetschten wir uns in einen Großraumzug und versuchten zu schlafen. Meine Freundin machte mich vorher noch auf einen großen, rehäugigen Mann aufmerksam und meinte "Guck, das ist ein Spanier!" Ah!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Nach unendlichen Stunden landeten wir an der spanisch-französischen Grenze, wo erneutes umsteigen angesagt war, da Spanien eine andere Gleisbreite als Frankreich hatte.

Außerdem musste man an einem Grenzhäuschen vorbei, wo man einen Stempel in den noch jungfräulichen Personalausweis bekam. Und dann ging es in den "Talgo" nach Madrid. Ich erinnere mich, dass wir das Abteil mit einem Portugiesen teilten, und uns auf Englisch und Französisch austauschten. Weitere endlose Stunden später waren wir endlich in Atocha. Der Onkel meiner Freundin holte uns ab, wir fuhren mit der Metro irgendwo quer durch Madrid.
Unterwegs in den spanischen Pyrenäen

Es war heiß, stickig und wir waren völlig übernächtigt. Bei ihm angekommen gab es dann unglaublich leckere in Olivenöl gebratene Schnitzel und wir konnten ein wenig ausruhen, bevor es in den Bus nach Cebreros ging.

Als wir in Cebreros ankamen, waren Fiestas.
Das war etwas völlig neues für mich!
Tagsüber schlief man mehr oder weniger und nachts wurde gefeiert und getrunken.

Ich kann mich noch erinnern, dass wir den Alkohol überhaupt nicht gewohnt waren. Zu jedem Mittag- und Abendessen gab es Rotwein, der mit Gazeosa (Limo) verdünnt wurde. Die erste Woche waren wir nach jedem Essen betrunken, aber die Leber wächst ja bekanntlich mit ihren Aufgaben. Die erste Woche kam mir wirklich alles sehr Spanisch vor, da ich kein Wort verstand. Im Lauf der Zeit lernte ich einiges zu verstehen und nach drei Wochen die ersten Sätze zu sprechen.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Wir lernten unglaublich viele junge Leute kennen. Ein Abend ist mir noch in besonderer Erinnerung, da
unterhielten wir uns wirklich kreuz und quer in allen möglichen Sprachen mit allen möglichen jungen Leuten.

Es war toll, denn wir wurden dauernd angesprochen, eingeladen und hatten unglaublich viel Spaß. Damals habe ich mein Herz an Spanien verloren und immer wieder Anläufe genommen, die Sprache richtig zu lernen.

Jetzt habe ich das dritte Jahr Unterricht und es geht richtig gut. Und natürlich ist die Motivation groß, das Land jetzt noch mehr zu erkunden. Auf dem Plan stehen - neben dem nächsten Urlaub auf der spanischen Seite der Pyrenäen - ein Besuch in Barcelona und irgendwann ein Motoradtrip durch die Extremadura.

Maledetta
In Spanien auf dem Campingplatz fiel mir dann der andere Zeitrythmus auf. In Frankreich ist nach 22 Uhr bzw. 23 Uhr Schicht im Schacht, dafür darf man theoretisch ab 7 Uhr morgens bereits herumlärmen. Nicht so in Spanien. Hier ist erst ab Mitternacht Ruhe angesagt, dafür dann bis 8 Uhr morgens. Ich war glaube ich die einzige Deutsche auf dem Campingplatz, einen anderen Motorradfahrer habe ich noch entdeckt. Ansonsten war es hier ruhig und auch recht leer.

Beim Zeltaufbau war es unglaublich schwül und der Himmel pechschwarz, weshalb ich mich sehr beeilte. Das Gewitter ist dann aber doch vorbeigezogen. Mit Einbruch der Dunkelheit verzog ich mich wieder ins Zelt, um bis zum nächsten Morgen tief und fest zu schlafen.

6.9.2014 Ainsa - Enveitg

Unterwegs zum Port de la Bonaigua
Heute sollte meine Fahrt auf der N260 teilweise auf den Spuren meiner Tour vom letzten Jahr verlaufen.

Der Morgen begrüßte mich sonnig und mit einer fantastischen Stimmung. Leichter Nebel lag in den weiten Tälern, darüber blauer Himmel, eine fast leere Straße, Herz, was willst Du mehr! Ein paar Rennradfahrer teilten sich die breite Straße mit mir.

Die N 260 ist eine Art "Panoramastraße" und führt durch spektakuläre Landschaften. Mal geht es auf einer schon fast autobahnartigen Straße durch weite Täler, an der nächsten Biegung wird die Straße auf ein mal eng, schlängelt sich durch eine Schlucht, es geht mal hoch, mal runter. Aber überall ist es einfach nur wunderschön!

Port de la Bonaigua
In der wunderbar warmen Sonne war das Fahren Freude pur. Es war, als ob ein gradioser Film an einem vorbeizieht, ein Highlight nach dem anderen.

Leider habe ich es auch dieses Jahr nicht geschafft, in den Parque Ordessa y Monte Perdido zu fahren. Aber gut... die Pyrenäen liegen dort auch noch nächstes Jahr.

Ich überlegte kurz, ob ich heute Nacht eventuell in der Kajakschule vom letzten Jahr übernachten sollte, entschied mich aber dafür, den Tag einfach zu nehmen, wie er kommt und kein festes Etappenziel zu planen.

Pallaresa Noguera
Gegen Mittag passierte ich den Port de la Bonaigua, diesmal von der anderen Seite als im Jahr zuvor. Herrlich war es hier auch diesmal, aber schneefrei.  Auf dem Parkplatz wäre ich vor Begeisterung fast in den See gefahren, sah aber noch rechtzeitig, dass der Parkplatz zuende war und wendete Conchita.

Das Wenden hatte ich nach den zwei Ausrutschern und mit dem jetzt doch sehr verbogenen Kupplungshebel zu hassen gelernt.

Feinfühlig einkuppeln ging jetzt nicht mehr, also vermied ich wenden sofern möglich ganz. Hier hatte ich jedoch reichlich Platz.

Unterwegs auf der N260
Eine Herde Pferde lief erst über die Straße, dann über den Parkplatz und überall lagen und standen Kühe.

Als ich letztes Jahr Anfang Mai dort war, waren noch keine Tiere auf der Weide. In der warmen Sonne konnte man prima verweilen und Bilder machen.

Gegen Nachmittag wurde es etwas wolkiger und ein unfreiwilliger Schlenker führte mich dann doch nach und durch Andorra.

Puh... Andorra... ist seltsam.

Col de Puymorènes
Es könnte wunderschön sein, aber entlang der Hauptstraße quält sich der Verkehr, und ein hässlicher Betonbau jagt den nächsten. Eigentlich sieht es hier aus wie eine riesige Shoppingmall. Von Lebensmitteln über Luxusartikel und Konsumgüter der verschiedensten Art gibt es hier alles zu kaufen.
Außer einem Tank voll billigem Sprit habe ich nichts mitgenommen.

Obwohl ich hätte einkaufen müssen, hatte ich keine Lust, in einem der riesigen Supermärkte auf die Jagd nach den von mir benötigten Lebensmitteln zu gehen.

Abendstimmung in Enveitg
Irgendwann landete ich auf dem Pas de la Casa.

Das ist schon beeindruckend dort, aber nach der nervigen Fahrerei wollte ich nur noch runter und weg. Nach einigem Gezuckel ging es dann noch über den Col de Puymorèns und langsam dachte ich daran, mir einen Campingplatz zu suchen. Langsam wurde ich müde, der Himmel zog sich zu und es war Zeit, den Tag ausklingen zu lassen.

Gegen frühen Abend landete ich in Enveitg, einem Ort an der Grenze zu Spanien.
Am Empfang war ich mir
Abendstimmung in Enveitg
erst nicht sicher, ob ich nun Spanisch oder Französisch sprechen muss, da der Herr am Empfang mit der Frau vor mir flüssig Spanisch sprach. Sein Französisch klang irgendwie komisch für meine Ohren. Aber ich habe mich verständlich machen können und ihn auch verstanden.

Ich bekam einen Platz gezeigt, den Code für den supermodernen Sanitärbereich zugewiesen und baute mein Zelt auf.

Da mein Magen jetzt schon deutlich knurrte, machte ich mich auf die Suche nach einem Laden. Ich hatte
mehrere Leute mit Plastiktüten auf den Campingplatz kommen sehen, was mich zuversichtlich stimmte. 5 Minute vor dem offiziellen Ladenschluss des kleinen Dorfsupermarkts stand ich im Laden und konnte mich für den Abend und den kommenden Morgen versorgen. Das war knapp gewesen!

Wir warten auf die Zombie-Apokalypse...
Nachdem das übliche Baguette verdrückt war, zog ich los, um die Abendstimmung einzufangen.

Der Himmel war spektakulär. Riesige Wolken quollen an den Bergen hoch und wurden vom
Sonnenuntergang in die wildesten Farben getaucht.

Bei meiner Dorfrunde kam mir noch eine skurile ältere Frau entgegen, die einen mit Plastiktütenstreifen geschmückten Wanderstab und einen Hund mit sich führte.

Sie sprach mich erst auf Französisch an, danach sprachen wir Spanisch.

Dawn of the dead :-D
Sie fragte, wofür ich Fotos machen würde und in einem wüsten Mix aus Spanisch und Französisch erklärte sie mir, dass in der Nähe tolle Thermalquellen seien und man diverse Badeorte besuchen könnte.

Nach diesem kurzen Austausch setzte ich mich auf eine Bank und sah zu, wie es dunkel wurde, die Fledermäuse um die Laternen kreisten und ein Gewitter in der Ferne die Wolken zum leuchten brachte.

Wieder war ein schöner Tag zuende und wieder ging es ins Zelt.

7.9.2014 Enveitg - Villégly

Meine heutige Route führte mich heute langsam aus den Pyrenäen heraus und weiter in Richtung Norden.
Unterwegs auf der N260
Doch zuerst sollte es bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen weiter auf der N260 entlang gehen.

Da heute Sonntag war, waren die Straße entsprechend voll. Bis Font Romeu hatte ich allerdings Glück und konnte die Kurven mit flottem Tempo auskosten. Hier waren auch viele ander Motorradfahrer unterwegs, gerne in größeren Gruppen.

Nach einer Frühstückspause unten im Tal wurde es dann voller und auf der Straße nach Prades war nur noch ein langsames Vorankommen möglich. Ich rege mich in solchen Momenten nicht großartig auf, denn im Schneckentempo hat man mehr Zeit, sich die Landschaft anzugucken und ggf. mal eben auf einem Parkplatz anzuhalten.

Hinter Prades wollte ich sowieso auf eine kleine Straße einbiegen, um wieder etwas Abwechslung in die
Fahrerei zu bringen.

Das war eine gute Entscheidung! Die kleine Straße zog sich wellig, eng und kurvig zwischen den Bergen nach oben und führte mich durch hübsche Orte wie Molitg-les-Bains und später auf den Col du Jau. Hier war man weitgehend ungestört und der Gegenverkehr hielt sich auch in Grenzen. Gemütlichstes Tempo war angesagt, da man selten weiter als 500 Meter bis zur nächsten Ecke sehen konnte.

Ich konnte viele Ausblicke genießen und fragte mich die ganze Zeit, wieviele Steinpilze es wohl in den
Wäldern geben musst. Ganz oft kamen Leute mit mehr oder weniger großen und mehr oder weniger gefüllten Körben aus den Wäldern. Pilze sammeln scheint eine reine Sonntagsbeschäftigung zu sein. Leider habe ich in dem Bereich sehr viel vergessen und würde mich heute nicht mehr trauen, welche zu sammeln. Als Kind gehörte es im Herbst dazu, täglich "in die Pilze" zu gehen und oft kamen dabei große Spankörbe voll zusammen, die dann meist geputzt und getrocknet wurden. Gelegentlich wurden welche eingelegt. Die habe ich aber genauso wie den ekelhaften "Kürbis süß-sauer" gehasst und niemals gegessen. Heute könnte ich wirklich maximal drei bis vier Sorten unterscheiden und ich wüsste nicht mal, wo ich hier schauen sollte. Gute Pilzstellen werden ja nicht verraten.

Auf dem Weg nach unten fuhr ich durch den Canigou. Hier war es sehr heiß, aber landschaftlich wieder
unglaublich beeindruckend. Eng eingeschnittene Täler mit bewaldeten Felsen und Wildbächen prägen die Landschaft. An einem Bach habe ich mich kurz erfrischt, die angezeigte Höhle jedoch nicht entdeckt. Es war nicht klar, ob man am Ufer hätte langlaufen müssen, oder ein anderer Weg dorthin führt. Angesichts der schweißtreibenden Temperaturen beschränkte ich mich auf eine Trinkpause und fuhr weiter.

Bald fuhr ich wieder über freies Land. Hier war es mit einem Mal extrem windig und sehr heiß. Da es am

Unterwegs in den Canigou
Morgen noch nach Regen ausgesehen hatte, hatte ich das Regenfutter in der Hose gelassen und nicht ausgezogen. Bei 33 Grad im Schatten keine weise Idee. Das ist übrigens das Einzige, das ich nicht mehr tun werde: Auf Touren mit dem Regenfutter in der Hose fahren. Das kommt nur noch rein, wenn ich bei kühlen Temperaturen unterwegs bin. Ansonsten wird jetzt eine Regenhose gekauft, damit entfällt auch der lästige Strip, um das Futter bei Regen in die Hose zu zippen. In der Jacke stört mich das Futter nicht, aber wenn es an den nackten Beinen klebt, ist das einfach nur widerlich.

In der Hitze und im Wind fühlte ich mich rasch wie ein Stück Dörrfleisch. Die Sonne brannte durch das
Col Du Jau
Visier, wenn man es offen ließ, blies jede Menge Staub herein. Und eigentlich wollte ich nicht nach Carcassonne. Zumindest nicht nochmal in die Cité, ich fand, dass ein Besuch reichte. Also quälte ich mich durch den Sonntagsverkehr und die Hitze weiter. Irgendwann wollte ich dann nur noch einen Campingplatz, etwas trinken und nicht mehr fahren müssen.

Wie es aber so ist: Wenn man KEINEN Campingplatz sucht, stehen ÜBERALL Schilder und gefühlt alle 500 Meter könnte man auswählen. Aber wehe, man sucht einen Campingplatz, dann findet man garantiert nichts! In einem kleinen Ort folgte ich dem Schild, das einen Campingplatz anzeigte. Leider gab es nur genau dieses EINE Schild, so dass ich nach einer Runde durch den Ort aufgab und weiterfuhr. Endlich, ich befand mich schon im Zustand von seit mehreren Jahren gelagertem Bündnerfleisch - sah ich ein Schild, dem ich folgte. Ich landete rasch auf dem Campingplatz in Villégly. Hier durfte ich auch wieder mit freier Platzwahl mein Zelt aufstellen, die Anmelde- und Zahlungsformalitäten würde ich am nächsten Morgen erledigen können, so wurde mir zugesagt.

Als allererstes habe ich eine Flasche eiskaltes Wasser aus dem Getränkeautomaten gezogen, um als nächstes
Im Canigou
aus den Stiefeln zu steigen. Ich hatte in diesem Moment den Eindruck, dass sämtliches Leben im Umkreis von 100 Metern verstarb. Ich spare Euch die Details, aber stellt Euch einfach vor, ihr tragt im Sommer bei 33 Grad für 5 Stunden Moonboots. Alternativ kann man auch an Harzer Roller denken, den jemand einen halben Tag in der Sonne liegengelassen hat. 

Heute hatte ich kein Bedürfnis danach, noch die Umgebung zu erkunden. Ich setzte mich auf eine Bank, las mein Buch weiter und schrieb mit meinem Nichtmitfahrer, der stets auf dem aktuellen Tourstand gehalten werden wolllte. Gegen Dämmerung ging es wieder ins Zelt. Inzwischen hatte es sich zugezogen und grollte ein wenig, so dass ich auf etwas Abkühlung für den nächsten Tag hoffen konnte.

8.9.2014 Villégly - Le Vigan

Meine heutige Tour sollte mich in die Cevennen führen, die ich mir als Abschlusshighlight meines Urlaubs
ausgesucht hatte. Ich war ja letztes Jahr bereits dort durchgekommen und war begeistert. Leider hatte das Wetter nicht mitgespielt und der Ausflug auf den Mont Aigual wurde wegen Nebel gestrichen. Kalt war es auch gewesen.

Heute morgen begrüßte mich ein bezogener Himmel und drückende Schwüle. Es würde also ein weiterer Tag in der Saunahose und den Käsestiefeln werden. Das Zelt war rasch abgebaut und ich machte mich wieder auf den Weg. Nebel und feuchte Schwüle lagen über der Landschaft. Nur sehr ab und zu konnte man die Sonne sehen.

Ich kurvte auf diversen Straßen in Richtung Clermont-L'Heurault. Hier war schon der Herbst angekommen,
Unterwegs im Heurault
die ersten Blätter färbten sich bunt und die Sonne stahl sich immer wieder durch den Hochnebel. In Bedarieux ging ich kurz einkaufen. Als ich aus dem Supermarkt kam, war die Luft so schwül und stickig, dass man kaum noch atmen konnte. Der Himmel inzwischen pechschwarz bezogen. Das verhieß nichts Gutes. Noch auf dem Parkplatz fing es kurz aber heftig zu regnen an. Ich stellte mich unter, verstaute meine Einkäufe und studierte die weitere Route. Bis in die Cevennen wollte ich heute auf jeden Fall kommen, Gewitter oder nicht.

Auf der Nationalstraße in Richtung Lodève verhieß der Himmel immer weniger Gutes. Ich fand die Ausfahrt nach Le Vigan und bog auf die kleinere Straße ab. Nach ein paar Kilometern begann es zu regnen. Erst ein bisschen, dann stärker und dann schüttete es wie aus Kübeln. Ich fuhr wieder auf die Nationalstraße zurück und ein wenig weiter, nahm ein
paar Ausfahrten später jedoch einen beherzten zweiten Anlauf, da es jetzt ein wenig heller aussah.

Ja, es war auch heller, nur nicht dort, wo ich hinfuhr. Dräuend hingen die Wolken in den Bergen. Es begann zu nieseln, zu regnen, zu schütten im munteren Wechsel. Ich beschloss, mich davon nicht stören zu lassen, immerhin war es nicht kalt und die Straßen gut zu befahren.

Nach einer guten Stunde waren meine Handschuhe komplett durchweicht und der Regen war zu einem Wolkenbruch geworden. Zu allem Überfluss begann es auch noch zu donnern und zu blitzen. Natürlich weit und breit keine Möglichkeit, sich unterzustellen. Ich beschloss, diese Nacht in einem Hotel zu verbringen und begann Ausschau zu halten. In einem Ort kam dann die Rettung: Ein großes Hotel stand an der Straße. Der
Regen ließ ein wenig nach und ich stellte Conchita ab. Leider hatte das Hotel just heute seinen Ruhetag und war geschlossen. In das Bushäuschen gegenüber wollte ich mich auch nicht setzen. Da der Regen gerade aufgehört hatte, beschloss ich einfach weiterzufahren. Umkehren wäre keine Option gewesen, da ich bereits einen Großteil der Strecke zu meinem Etappenziel zurückgelegt hatte.

Es begann nun wieder zu regnen. Bald schüttete es wieder und zum Regen gesellte sich ein heftiges Gewitter, das ich zu ignorieren versuchte. Inzwischen war mir alles egal, IRGENDEIN Übernachtungsplatz musste her, egal was!

In Molières-Cavaillac kurz vor Le Vigan bog ich auf einen Campingplatz ein. Hier stand das Wasser bereits
in riesigen Pfützen in der Auffahrt. Ein paar Zelte und Campingwagen verloren sich auf dem Platz. Das Gewitter tobte inzwischen und der Himmel hatte seine Schleusen auf volle Leistung gestellt. Ich sah einen großen Holzpavillion. Hier würde ich mein Zelt aufbauen! Ich hätte es zu diesem Zeitpunkt auch in den Sanitärbereich gestellt, alles war Recht, nur raus aus diesem Gewitter!

Am Empfang war niemand zu sehen, aber als ich mich gerade daran machen wollte, Conchita abzuladen, kam ein kleiner, alter Mann mit einem Regenschirm angelaufen. Er war ziemlich überrascht und erstaunt, eine Frau allein mit Motorrad und Zelt bei diesem Wetter zu treffen und bot mir an, das Zelt unter dem Pavillion aufzubauen. Gesagt, getan. Ich ging nun nach vorne zur Anmeldung, wo seine Frau bereits auf mich wartete.

Die Beiden waren einfach nur süß! Ich schätze sie auf Ende 60 bis Mitte 70. Monsieur war schwerhörig, was
die Verständigung zwischen ihm und mir mit meinem schlechten Französisch nicht ganz einfach machte. Madame war sehr besorgt, ob ich nicht völlig durchweicht sei und mir nicht kalt wäre. Ich öffnete meine Jacke und zeigte auf das Gorextexfutter, das beruhigte beide. Nun wollten sie wissen, wie ich denn morgen weiterfahren wollte und meinten, es sei kein gutes Wetter angesagt. Ich versuchte ihnen zu erklären, dass ich auf dem Rückweg sei und nicht mehr allzuviel Zeit zum bleiben hätte und bei jedem Wetter weiterfahren würde. Madame meinte daraufhin, dass ich erstmal heiß duschen sollte, damit ich mich nicht erkälte. Ich folgte ihrem Rat.

Während ich unter der Dusche stand, legte das Gewitter noch ein paar Gänge mehr ein. Es donnerte unablässig, der Regen rauschte auf das Dach und zwischendrin fiel immer mal wieder das Licht aus. Gut, dass ich nicht noch weitergefahren war!

Als ich aus der Dusche kam, hatte Monsieur mir einen Tisch und einen Stuhl gebracht, damit ich nicht auf
Am nächsten Morgen
dem Boden sitzen musste. Mein Zelt stand trocken und mir war nach der Dusche angenehm warm. Während das Gewitter weitertobte, aß ich mein leider etwas angeweichtes Brot, las in meinem Buch weiter und war fasziniert von dem Unwetter, das um mich herum tobte. Nach 3 Stunden hörte es auf zu regnen und so etwas wie Sonnenschein kam heraus. Das stimmte mich für den nächsten Tag schon etwas positiver. Die Vorstellung, wieder in so einem Unwetter fahren zu müssen, war nicht sehr angenehm.

Als es dunkel wurde, kam Madame nochmal vorbei, fragte, ob ich Licht hätte, mir warm genug sei und ich noch etwas bräuchte. Mir ging es gut, ich war warm, trocken, das Zelt stand nicht in der Matsche und eine kleine Lampe hatte ich auch dabei, beruhigte ich Madame.

Da heute alles leicht feuchtelig war, wickelte ich mich für die Nacht besonders gut in meinen Schlafsack ein. In meinem Zelt war es warm und trocken und ich schlief zufrieden und tief.

9.9.2014 - Le Vigan - Vilette d'Anthon

Heute sollte der vorletzte Tourtag sein. Der Morgen startete mit Nebel. Ich war ein bisschen genervt, denn
Unterwegs zum Mont Aigual
im letzten Jahr hatte mir den Nebel ebenfalls die Tour auf den Mont Aigual verleidet. Musste das diesmal wieder sein?

Nach einem Tankstopp in Le Vigan folgte ich den Schildern zum Mont Aigual. Es ging tatsächlich erst einmal mehrere Kilometer durch Nebel, lästiges Gewische auf dem Visier inklusive. Ungefähr 5 Kilometer hinter Le Vigan wurde es auf einmal heller und plötzlich fuhr ich im schönsten Sonnenschein. So früh am Morgen hatte ich die Straße mehr oder weniger für mich allein und konnte immer wieder ungestört Ausblicke genießen. In den Cevennen war es wirklich herbstlich! Während weiter im Süden das Laub noch grün gewesen war, zeigte sich hier schon einige Herbstfärbung.

An einem Aussichtspunkt machte ich Halt. Die Sonne schien vom makellos blauen Himmel und man konnte
Unterwegs zum Mont Aigual
sehen, wie sich der Nebel im Tal allmählich auflöste. Ich genoss die morgendliche Stille, die großartige Aussicht, sah den Schwalben zu, die hier kreisten und trocknete meine Jacke in der Sonne. Für eine gute halbe Stunde war ich völlig allein.

Dann hörte ich ein vertrautes Geräusch, kurz darauf hielten drei Motorräder an. Wie sich rasch herausstellte, handelte es sich um drei Herren aus dem Ruhrgebiet, die wie ich auf dem Heimweg waren. Wir tauschten uns über den Vortag und die nasse Anreise aus. Der eine erzählte mir, dass sie an einem Hotel gehalten hätten, ihnen aber die drei Zimmer vor der Nase weggeschnappt worden seien. Der Hotelbesitzer hätte dann bei einem anderen Hotel angerufen und drei Zimmer für sie klargemacht. Daraufhin meinte ich nur trocken "Ich war gestern auf dem Camping." Was dem Herrn ein fassungsloses "Ach Du Scheiße!" entlockte.
Die beiden anderen bestaunten derweil meine bepackte Conchita.

Die Gruppe machte sich dann vor mir auf den weiteren Weg zum Mont Aigual. Einige Minuten später folgte
Auf dem Mont Aigual
ich ihnen, um den ersten bald einzuholen. Da fuhr aber jemand langsam! Bei der nächsten Gelegenheit zog ich an ihm vorbei und hängte mich an die beiden anderen, die deutlich flotter fuhren. Wir hatten unseren Spaß bei der Fahrt auf den Mont Aigual, zogen an einem Bus vorbei und ich versuchte, die Herren vor mir herzuscheuchen, da ich das Tempo immer noch recht gemütlich fand. Oben auf dem Gipfel gab es dann nochmal eine großes Hallo. Jeder machte Fotos und ich gab ihnen ein paar Tipps für den Schwarzwald, durch den sie auf dem Rückweg fahren wollten.

"Sag mal, fährst Du eigentlich nach Navi oder nach Karte?"
"Ich fahre nach Himmelsrichtung und nach Schnauze. Verfahren gehört dazu, der Weg ist das Ziel!" lautete meine Antwort.
Weitere Fassungslosigkeit.

Und jetzt war mein Ehrgeiz angestachelt!
Auf dem Mont Aigual
Die Herren fuhren alle topmoderne Motorräder mit allem Schnick und Schnack. Das war der Moment um zu zeigen, was eine 17 Jahre alte Africa Twin mit einer alleinreisenden Frau alles kann. Diesmal schwang ich mich als Erste in den Sattel und gab Conchita die Sporen. Nach zwei Wochen mit jedem Tag im Sattel war ich inzwischen eins geworden mit meinem Pferd und konnte doch ein ordentliches Tempo vorgeben. An einem Aussichtspunkt, wo ich Fotos machte, holten die Herren mich wieder ein. Rasch folgte ich der Gruppe, überholte erst Mr. Langsam und scheuchte dann die anderen vor mir her. Ich konnte sehen, wie sie immer wieder in den Rückspiegel schauten, ob sie mich denn nun abschütteln würden.

Als sie einen Fotostopp machten, war ich wieder an der Reihe, vorbeizuziehen. Ich hatte einen Riesenspaß
Mont Aigual
dabei und hätte gerne gewusst, was sie sich dachten.


Bei Florac trennten sich unsere Wege, da ich in die Gorges du Tarn fuhr und sie weiter in Richtung Ardèche.

Es war inzwischen wieder richtig warm geworden und in der Gorges du Tarn auch einiges los. Heute wollte ich hier jedoch nur durchfahren und verzichtete auf einen Stopp in St. Enimie. An einem Aussichtspunkt standen wieder einige Motorrafahrer. Ein Paar und eine Frau mit einer 250er. Als sie vom Aussichtspunkt zurückliefen, und ich gerade meine Kamera auspackte, wünschten sie mir eine gute Fahrt. Den beiden Frauen sah ich die Bewunderung an.

Ich bilde mir ja nicht sonderlich viel auf meine Fahrkünste ein, aber Conchita und ich waren wirklich immer
Unterwegs in den Cevennen
wieder eine kleine Sensation. Klar, eine Twin ist kein kleines "Frauenmoped" und sowieso ein Hingucker. Es fasziniert mich aber trotzdem immer wieder, wie sehr ich überall auffalle und wie leicht man mit den Leuten ins Gespräch kommt, wenn es auch aufgrund meiner schlechten Französischkenntnisse mühsam ist.

Als ich aus der Gorges du Tarn herausfuhr, begann sich das Wetter wieder zu verschlechtern. Ich näherte mich Le-Puy-en-Vellay. Diesmal regnete es hier auch wieder. Ich bin inzwischen davon überzeugt,  dass der Ort in Wirklichkeit "La-Pluie-en-Velay" heißt... Hier wollte ich dann doch weiter. Heute sollte es noch mindestens bis nach Lyon gehen, dann würde ich die restliche Etappe locker an einem Tag schaffen können.

Es regnete und regnete. Hinter Lyon machte ich an einer Raststätte Halt und holte mir einen Kaffee. In der
Unterwegs in den Cevennen
einen Richtung lag eine schwarze Gewitterfront, in der anderen schien die Sonne. Ein prächtiger Regenbogen spannte sich über die Autobahn. Jetzt würde es wohl wirklich auf ein Hotel rauslaufen, dachte ich mir. Es war schon relativ spät und ich müde. Leider wollte der Regen so gar nicht recht aufhören, weshalb ich bald weiterfuhr. Irgendwann hatte ich die Nase voll und fuhr von der Autobahn ab und wieder der Nase nach. Um die richige Richtung würde ich mich morgen kümmern!

Der Gedanke, meine letzte Nacht im Hotel zu verbringen, stimmte mich dann doch etwas wehmütig.

Ich wollte so gerne nochmal zelten! Der Wettergott hatte ein Einsehen und bescherte mir ca. 20 Kilometer
Gorges du Tarn
hinter Lyon Sonnenschein und einen Campingplatz.

Nachdem mich mehrere gefräßige Mücken bereits erwischt hatten, bevor ich auch nur an einsprühen denken konnte, wühlte ich erstmal das Spray hervor und nebelte mich, das Zelt, den Schlafsack und meine Umgebung großzügig ein. Danach war das Zelt rasch aufgebaut. Auf dem Handy hatte ich einen besorgten Anruf verpasst und schreib erstmal zurück, dass ich noch beim Aufbau sei und mich bald melden würde. Jetzt erstmal raus aus den Klamotten, Sanitärbereich suchen und den Abend einläuten!

Hier war es nochmal schön warm und sonnig. Ich freute mich auf  meine letzte Nacht im Zelt, aber zugleich auch auf die nächste Nacht, die ich zuhause in meinem Bett verbringen würde.

10.09.2014 - Vilette d'Anthon - Freiburg

Mein letzter Morgen begann neblig und leicht schwül. Heute Abend würde ich wieder in meinem Bett
Gorges du Tarn
schlafen und vorher ein Bad in meiner Wanne genießen. Die Vorfreude auf zuhause war nun doch groß, zumal im Anschluss an meine Motorradtour noch eine weitere, spannende Reise anstand.

Den ganzen Vormittag fuhr ich durch mal mehr und mal weniger dichten Nebel, ab und zu tröpfelte es auch, was mit den Abschied von der Straße erleichterte. Erst auf der Höhe von Besancon zeigte sich ganz langsam die Sonne und der blaue Himmel kam durch. Immer mehr vertraute Ortschaften tauchten auf den Straßenschildern auf, Vessoul, Mulhouse, Strasbourg, Nancy, Épinal, Freiburg...

Am späten Nachmittag war ich wieder zuhause. Schnell war alles abgepackt, die erste Wäsche lief, das Zelt lag zum trocknen in der Sonne und ich schälte mich aus den Motorradklamotten. Toll war's gewesen!

Ich möchte nicht eine Minute dieser Tour missen und das Ziel für den nächsten großen Urlaub im neuen Jahr steht bereits fest: Die atlantischen Pyrenäen!
Vorausgesetzt, mein Nächstesjahrmitfahrer möchte auch dort hin :-)








Kommentare:

  1. ...begeistert + beeindruckt, von der TOUR, der Beschreibung und den Fotos
    => ♥liche WEgrüßchen abstell ;-) *YEAH...DU rockst*

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  2. Wow, die Himmelsfotos sind der Hammer!

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    1. Die Fotos geben die Stimmung nur sehr annähernd wieder.

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