Montag, 8. Oktober 2012

Von Rädern und Schienen

Mummelsee
Liebes Blogpublikum, wie ihr schon gemerkt habt, habe ich momentan nicht so viel Zeit für meinen Blog und leider auch nicht für Touren. Dieses Jahr waren es bis jetzt ca. 16.000 km, die mein Motorrad „gefressen“ hat.

In den letzten Wochen war ich sowohl auf alten, bewährten Pfaden, als auch auf neuen unterwegs. Natürlich hat der, der reist auch etwas zu erzählen. Vor einigen Wochen besuchte ich mal wieder ein Mummelsee. Als alleinfahrende Frau mit Motorrad erregt man immer wieder Aufsehen. Manchmal frage ich mich wirklich, warum das eigentlich so ist? Wir leben im beginnenden 21. Jahrhundert, niemand hindert eine Frau daran, sich selbst zu verwirklichen und ihre Träume zu leben. Niemand, außer vielleicht sie selbst.

Mummelsee
Nun, an diesem Tag umrundete ich den Mummelsee wieder einmal auf Fotosafari. Es war viel los, das Wetter schön, das letzte Ferienwochenende in Baden-Württemberg. Als ich um den See herum gelaufen war, fiel mir ein Mann auf, der mir in Montur mit Helm unter dem Arm auf dem Weg entgegenkam und sehr interessiert guckte. Da ich seit einiger Zeit nicht mehr allein auf meinem weiteren Lebensweg unterwegs bin, signalisierte ich keinerlei Interesse, über einen Blick a la „ah, du fährst auch“. Meine Mundwinkel verzogen sich maximal einen halben Milimeter nach oben, zumal es sich bei dem Mann um ein ausgesprochen … nun ja... sagen wir... unattraktives Exemplar handelte.

Allerheiligen
Ich lief zu meinem Motorrad und begann mit dem üblichen Ankleideritual: Schlüssel rauskramen und ins Schloß stecken, Kamera in den Tankrucksack, Karte umschlagen, Jacke zu, Brille wechseln... Auf einmal stand besagter Mann vor meinem Motorrrad und heuchelte starkes Interesse an meiner Maschine. „Oh, was ist denn das für eine ?“ Steht doch drauf! „So eine bin ich noch nie gefahren!“ Desinteressiertes Grunzen meinerseits.

Mann rückt näher an die Maschine. Ich ziehe mich weiter an und hoffe, mein Desinteresse an Mann und Gespräch genügend signalisiert zu haben. Offenbar nicht deutlich genug, denn Mann redet immer weiter. „Wieviel PS hat die denn?“ „34, offen 57“ (Notiz an mich: Datenblatt verfassen und verteilen, sofern nötig). „Ah... und wieviel bist zu damit gefahren?“ „Fast 20.000 km, seit ich sie gekauft habe.“ Ich will nicht allzu unhöflich erscheinen, aber ich will nach Hause und habe keine große Lust, mich mit dem Typen zu unterhalten. Zumal ich endlich kapiere, dass es sich hier um ein Verkaufsgespräch handelt. Allerdings möchte Mann nicht die Maschine kaufen, sondern sich verkaufen. (seufz)

Allerheiligen
Das Gespräch kommt nun auf den Soziussitz. „Oh, der ist ja schon hoch!“ „Ja, das ist bei modernen Maschinen so.“ Was zum Teufel fährt der denn??? „Ach, und die Griffe, das ist ja schon praktisch, da kann man sich festhalten!“ Zustimmendes Grunzen meinerseits. Ich fange an, mir den Helm aufzusetzen. „Ja, aber du fährst doch sicher nicht immer allein, ODER?“ „Doch. Ich fahre immer allein!“ Mann scheint Morgenluft zu wittern, rückt näher an das Motorrad. Mir juckt bereits die Rechte. Ich beherrsche mich. Ein kurzer Boxstoß könnte das Problem beseitigen... und dann kommt der finale Satz, bei dem ich froh bin, dass sich die Maschine zwischen mir und dem Mann befindet. Ich würde jetzt gerne stuntmäßig auf meinen nicht vorhandenen Kickstarter springen können, um danach einen ebenso stuntreifen Wheelie hinlegen zu können, bei dem Schotter und Schmutz aufstieben. Der finale Satz lautet nämlich „Jaaaa... aaaaalsooooo... so eine kleine Runde hinten drauf könnte ich doch mitfahren... aaaaaalsoooo sooooo gaaaaanz vorsichtig...“ Ein Blick aus Hundeaugen trifft mich. Ich schwinge mich auf mein Motorrad und gebe dem Herrn zu verstehen, dass wir beide bestimmt nicht zusammen kommen werden. „naaaaaaa.... aber dann fahr vorsichtig....“ Im Geiste versetze ich dem Typen einen Schlag und einen Tritt, starte die Maschine und fahre betont zackig vom Parkplatz.
Bei einem hübschen Exemplar hätte ich mich bereiterklärt, eine Runde zu fahren.
Vielleicht.

Warum zum Teufel bin ich eigentlich immer so nett?

St. Blasien
Das letzte Wochenende stand im Zeichen der Schiene, der Arbeit und des Vergnügens. Seit 2 Jahren treffe ich mich regelmäßig mit einigen meiner Dawanda-Kolleginnen. Da bis jetzt alle Treffen auf dem idyllischen, aber für die „Südkurve“ weit entfernten Hof von Kalle in Sachsen-Anhalt stattgefunden hatten, sollte unser zweites Treffen dieses Jahr im Süden stattfinden. Das schöne Kematen bei Innsbruck sollte unser Treffpunkt sein.

Ich überlegte lange, ob ich die Tour mit dem Motorrad oder mit der Bahn fahren sollte. Ende September kann das Wetter in den Bergen schon unangenehm sein und ich würde über den Arlberg fahren müssen.

St. Blasien
Mit Blick auf die sinkenden Temperaturen verwarf ich die Idee. Mir macht es zwar nichts mehr aus, im Regen zu fahren. Aber Regen plus Kälte auf einer langen Strecke ist eine unangenehme Kombination. Zumal ich endlich ein zweites Paar dicke Tourhandschuhe bräuchte oder eine Neopren-“Schweinepfote“, die meine Hände warm und trocken hält.

Am Abfahrtstag war die ganze Strecke über herrlichstes Wetter, in Innsbruck war Föhn und es war warm und sonnig. Ein wenig ärgerte ich mich nun doch. Die Bahn jagte mich nämlich mit der Kirche ums Dorf. Mit dem Motorrad wäre ich in ca. 2/3 der Zeit angekommen. Über Karlsruhe, Stuttgart und München führte meine Strecke dann weiter nach Kufstein und Wörgl bis nach Kematen. Auf der anderen Seite ist es auch mal ganz schön, nichts tun zu müssen und sich durch die Gegend schaukeln zu lassen.

Stuibenfall Ötztal
Das Bahnkarma war gut, ich kam pünktlich an und konnte mit meiner Freundin auf der Terrasse die Sonne genießen und Tee trinken. Weniger Glück hatten die beiden Berliner. Gegen 15 Uhr erreichte mich eine SMS „Kommen 2 Stunden später an wegen Baustellenverlängerung.“ Na toll.
Wir kochten uns eine Kürbissuppe und quatschten weiter. „Sind jetzt mit Schienenersatzverkehr in Garmisch angekommen.“ oh je... Nach endlosen knapp 14 Stunden Fahrt erreichten die beiden Berliner Bergziegen gegen 19.30 endlich Innsbruck.

In Kematen angekommen wurde gekocht, gequasselt und sich über die Bahn aufgeregt. Und die obligatorische Flasche Eierlikör geköpft. Natürlich nur echt im Schokobecher! Nachdem alle sehr früh aufgestanden waren, geriet der erste Abend kurz. Um 22 Uhr fielen alle in die Betten.


Für den nächsten Tag hatte unsere Gastgeberin eine Wanderung zum Stuibenfall im Ötztal geplant. Auf meiner einen Tour durch Tirol war ich auf dem Weg zum Furkajoch bereits durch das Ötztal gefahren. Als wir am Frühstücktstisch saßen, gesellte sich noch Verstärkung aus Oberammergau dazu und wir brachen bald zu fünft schwatzend und kichernd auf. Immer mit Blick auf das Wetter ging es den Wanderweg zum Stuibenfall hoch. Ich bin seit ca. 7 Wochen ein wenig fußlahm. Nach meinem Urlaub hatte ich eine schlimme Ischialgie, die schnell abklang, aber in deren Folge ich mehr oder weniger stark hinke. Mit Walkingstöcken bewaffnet ging es den Berg hoch. Immer wieder stoppten wir, um zu den Aussichtsplattformen zu gehen, Fotos zu machen, oder zu verschnaufen.

Oberhalb vom Ötztal in Tirol
Es boten sich die herrlichsten Ausblicke sowohl zum Wasserfall, als auch ins Tal. Ich sah mir mit einer Mischung aus Grausen und Bewunderung die Leute an, die statt dem Wanderweg über den Klettersteig nach oben gingen. Nichts für mich, ich bin weder sonderlich trittsicher, noch schwindelfrei. Beim laufen habe ich lieber festen Boden unter den Füßen.

Stuibenfall
Oben angekommen, konnte man auf einer Hängebrücke und von einer etwas weiter unten gelegenen Plattform einen tollen Blick nach unten auf den Weg und den Wasserfall genießen. Ein Eichhörnchen turnte die Bäume herunter und über die Stein“brücke“ über den Wasserfall.

In unserer wohlverdiente Pause gab es die aus Oberammergau importierten Brezen und eine Diskussion über den Unterschied zwischen Brezen aus Bayern und Brezen aus Baden-Württemberg. Nach meinem Umzug von Nürnberg nach Freiburg erlitt ich einen Brezenkulturschock. In Nürnberg stehen überall in der Stadt und an den U-Bahn- und Straßenbahnknotenpunkten Brezenstände. In Freiburg... nicht. Das war der erste Schock. Der zweite kam, als ich mir eine badische Breze kaufte. Was ist denn das? Dunkelbraun und weich ist die. Ich kenne nur hellbraun und kross. Die Wahl zwischen grobem oder feinem Salz hat man auch nicht. Grob. Fertig.

Da sich weder Weißwürste noch Bier in unserem Verpflegungsrucksack befanden, entstand die nächste Diskussion darüber, was es heute zu essen geben sollte. Mein Vorschlag, eines von den Kaninchen und Meerschweinchen aus dem Gehege vor dem Gasthaus für einen abendlichen Spießbraten einzupacken, stieß auf wenig Gegenliebe... Bevor mir nun jemand mangelnde Tierliebe, oder gar Barbarismus unterstellt: Ich esse keine Tiere, wobei ich mir bei Meerschweinchen nicht sicher bin, ob es sich hierbei nicht um eine befellte Abart des geselligen Schleimpilzes handelt.

Burg Rötteln bei Lörrach
Nach meiner Rückkehr nach Hause hatte ich nur eine kurzer Gelegenheit, mein Motorrad zu bewegen. Meinen ursprünglichen Plan, über die Sirnitz Richtung Kleines Wiesental zu fahren, verwarf ich kurz hinter Freiburg. Über dem Schwarzwald war es schwarz und es begann zu regnen, kaum dass ich das Straßenschild „Freiburg“ hinter mir gelassen hatte. Ich fuhr kurzerhand die B3 Richtung Lörrach und entschied mich spontan für einen Besuch der Burgruine Rötteln. Bei starkem Wind aber blauem Himmel mit gelegentlichen Wolken hatte man einen fantastischen Rundumblick Richtung Schweiz und Schwarzwald.

Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es Zeit wäre, langsam den Rückweg anzutreten. Noch ein schneller Kaffee im Biergarten unter Kastanienbäumen (Vorsicht! Bäume werfen mit Kastanien!) und schon kamen sie wieder, die finsteren Wolken. Der Rückweg war dann stürmisch und feucht.

Burg Rötteln
Meine nächste Tour stand nun wieder im Zeichen der Schiene, auch dieses Mal hatte ich überlegt und eine Reise mit dem Motorrad verworfen. Es ging nach Norddeutschland. Zwischen Hannover und Bremen lag mein Ziel, ein Verwandtschaftsbesuch bei meiner Familie. Die Tage, die ich dort verbrachte, gaben mir Recht in der Wahl meines Transportmittels. Der Norden zeigte sich von seiner ekelhaften Seite: Regen. Regen morgens. Regen mittags. Regen abends. Regen nachts. Die einzige Stunde ohne Regen und mit Sonne (tatsächlich!) nutzte ich, um mit dem Hofhunde eine Runde zu drehen.

Immerhin fiel mein Besuch in Bremen nicht ins Wasser. Leider aber die Rückfahrt mit dem Zug. Es hatte nämlich nicht nur geregnet, sondern auch gestürmt und die Züge in Richtung Hannover fuhren nicht mehr. Zum Glück waren meine Gastgeber so nett, mich mit dem Auto zu fahren, sonst säße ich vermutlich immer noch irgendwo in der Pampa fest.

Burg Rötteln
Langsam geht die Saison zuende, für mich und mein Motorrad stehen in den nächsten Wochen noch eine Tour nach Bern und ein Kurs „Motorrad Wintercheck“ an. Und der Nummerschildwechsel von Saison- zum Ganzjahreskennzeichen. Putzen muss ich sie auch mal wieder und höchstvermutlich steht noch ein Reifenwechsel hinten an. Dann kommt die triste Zeit: Motorrad meistens in der Garage, Montur im Flur gelagert... Und natürlich die Vorbereitung auf das Weihnachtsgeschäft, denn von irgendwas muß das Geld für die Tankfüllung ja kommen.

Aber: Nach der Saison ist vor der Saison. Also, bleibt dran.

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