Freitag, 31. August 2012

Urlaub die Zweite - Fortsetzung

Wangen im Allgäu
Jaja, ich weiß, die Fortsetzung hat gedauert...

Inzwischen war ich nochmal kurz weg, ein paar Tage Richtung Norddeutschland. Das waren meine ersten langen Autobahnfahrten und wider Erwarten hat es mir Spaß gemacht, solange es keine Staus gab und man sich zwischen den Autos durchmogeln musste.

Meine Maschine fährt wirklich die eingetragenen 156 km/h, sofern es eben ist und kein Gegenwind bläst. Allerdings hat man da schon das Gefühl, langsam aus dem Sattel abzuheben, die Arme werden immer länger. Eine kleine Stimme im Kopf sagte aber "oh, wie toll, wie ist das erst, wenn die offen ist und dann 186 fährt...?" Noch etwas über 11 Monate, dann ist es so weit.

3.8.2012

Wangen im Allgäu
Nach einem Bade- und Gammeltag beschloss ich, dass nun die Zeit zur Umsiedlung gekommen ist. Ich baute das Zelt ab und belud das Moped und machte mich auf den Weg in Richtung Forggensee. Im Juni war ich in der Nähe bereits vorbeigekommen und die Gegend sah vielversprechend für interessante Touren aus.

Vor der Frühstückspause in Wangen habe ich dann mein Moped... kontrolliert abgelegt... Ich stand auf einem Parkplatz, als ein Autofahrer ankam und signalisierte, ob ich da wohl rausfahre. Ich wollte höflicherweise ein bisschen Platz machen, denn das Auto hätte da auch hingepasst. Da passiert es, der Seitenständer klappte ein und ich hatte das Moped schon so schräg, dass ich es nur vorsichtig auf die Seite legen konnte. Passiert ist nichts, da es vom Gepäck abgestützt wurde. Ein sehr netter Mann half mir dann, die Maschine wieder aufzustellen.

Forggensee bei Füssen
Nach diesem Schreck ging es erstmal auf die Suche nach Frühstück. Ich war mit leerem Magen losgefahren und der wollte nun gefüllt werden. In der Haupteinkaufsstraße fand ich auch gleich ein sehr gutes Café und konnte mich stärken. Leider zog es sich immer mehr zu und der Himmel versprach nichts Gutes für die Weiterfahrt. Gestärkt lief ich noch eine Runde durch den wirklich hübschen Ort. Interessant ist, dass die bemalten Fassaden Richtung Allgäu und Oberbayern zunehmen. Hier im Grenzgebiet zur Schweiz findet sich auch Fassadenmalerei, aber mit einem völlig anderen Stil.

Gegen Mittag fuhr ich über Isny weiter nach Füssen. Mit dem beladenen Motorrad wollte ich nicht über die B308 fahren, da ich keine Lust hatte, es vor Scheidegg durch die Kehren zu wuchten, außerdem war ich diese Strecke schon ein paar Mal gefahren.

Füssen im Allgäu
Auf der Höhe von Missen-Wilhams begann es zu tröpfeln und es wurde Zeit, die Goretex-Membran in die Jacke zu ziehen. Inzwischen weiß ich von diversen Touren, dass die Kombi (Stadler Airflow) dicht ist, nicht jedoch die Handschuhe (Held XT Touring), die sind nach 1-2 Stunden (je nach Regenintensität) durch. Heute sollte ich jedoch von heftigen Regenschauern verschont bleiben und fuhr durch das mehr oder weniger starke Getröpfel an den Forggensee.

Da ich auf gut Glück den Hinweisschildern für einen Campingplatz gefolgt ware, landete ich auf dem Campingplatz Magdalena in Osterreinen. Dort war gerade Mittagspause und man sagte mir, dass ich mein Zelt schon aufbauen könnte, aber das Motorrad erst nach der Pause runterfahren dürfte. Im leichten Regen baute ich das Zelt auf und wenig später erfreute mich an dem großartigen Ausblick von der Restaurantterrasse. Der Campingplatz ist sehr schön gelegen und auf der Zeltwiese war selbst in der Hochsaison immer ein Plätzchen frei. Weniger gut, da zu klein ausgelegt und etwas angejahrt ist der Sanitärtrakt, jedoch ist alles sauber und gepflegt. Der Brötchenservice ist sehr empfehlenswert, ich hatte jeden Morgen zwei hervorragende Vollkornbrötchen von einem Schnitzer-Bäcker aus Füssen.

Füssen
Nach dem Mittagessen und dem Ende der Mittagspause fuhr ich das Motorrad auf den Parkplatz und ging eine Runde im See schwimmen. Das Wasser war - im Gegensatz zum Bodensee - sehr angenehm temperiert, wunderbar weich und klar. Mit Blick auf Schloss Neuschwanstein und die dahinter liegenden Berge badet es sich nochmal so schön. Abends machte ich noch eine kleine Fotorunde am Seeufer und dann ging es schlafen.

4.8.2012

Wieskirche
Heute sollte ich richtig nass werden. Für heute hatte ich mir eine Runde vorgenommen, die mich über Wies, Ettal und Garmisch-Partenkirchen über den Fernpass zum Hahntennjoch führen sollte. Am Forggensee gab es immer wieder Gelegenheit, die Voralpenidylle zu bewundern und sich an der Landschaft zu erfreuen. Im Lauf der Tour ist mir allerdings klar geworden, dass der Faktor "Wetter" hier eine andere Rolle spielt, als bei uns im Schwarzwald. Ich habe keinerlei Erfahrungswerte über das Wetter im Allgäu oder in den Bergen und habe gelernt, dass es sich sehr schnell ändern kann. Hier weiß ich, wenn ich nach Westen oder zum Schwarzwald schaue mit relativer Sicherheit, welches Wetter mich im Tagesverlauf erwarten wird.

Wieskirche
Mein erster Halt und Besuch heute galt der Wieskirche. Es war Sonntag und in der Kirche selbst war eine Probe für ein Orgelkonzert. Ich bin nicht religiös, aber die Musik löste eine gewisse Ergriffenheit in mir aus. Die Oppulenz der Rokokokirche dagegen fand ich weniger meditativ, als schlicht und ergreifend pompös. Die Kirche steht quasi "mitten in der Pampa" und man fragt sich schon, weshalb ausgerechnet dort.

"Sie entstand aus der Verehrung einer Statue des Gegeißelten Heilands, die 1730 von Pater Magnus Straub und Bruder Lukas Schweiger im oberbayrischen Kloster Steingaden gefertigt wurde. Die Statue wurde 1732–34 bei der Karfreitags-Prozession des Klosters mitgetragen, kam aber 1738 in Privatbesitz eines Bauern auf der Wies, dem Ort des Sommer- und Erholungsheims des Klosters einige Kilometer südöstlich des Ortes. Am 14. Juni 1738 bemerkte die Bäuerin Maria Lory in den Augen der Figur einige Tropfen, die sie für Tränen hielt. Im folgenden Jahr 1739 führten Gebetserhörungen und kleinere Wallfahrten zum Bildnis des Heilands zum Bau einer kleinen Feldkapelle. 1744 wurde die Erlaubnis eingeholt, in der Kapelle die Messe zu lesen, womit die Wallfahrten den offiziellen Segen der Kirche erhielten." (Wikipedia)
Klosterkirche Ettal
 Als ich aus der Kirche kam, kamen mir sehr viele Menschen in Tracht - sprich Dirndl und Lederhosen - entgegen, das hat mich dann schon fasziniert. Hier im Schwarzwald habe ich noch niemals im "normalen Alltag" Menschen in Tracht auf der Straße gesehen, im Allgäu und in Oberbayern dagegen ist es an der Tagesordnung.

Mein Weg führte mich nun weiter nach Kloster Ettal. Auch hier nahm ich mir Zeit, die Klosterkirche zu besuchen und auf mich wirken zu lassen. Wie meine Leser wissen, habe ich den Jahresbeginn im Kloster St. Trudpert verbracht, um mich zu erholen und zu besinnen. Aufgrund der vielen Touristen war die Atmosphäre jedoch weitaus weniger besinnlich, als im Schwarzwälder Münstertal.

Da sich der Himmel immer weiter zuzog, beschloss ich ein wenig "Land" zu gewinnen und meine Tour fortzusetzen.

Klosterkirche Ettal
In Garmisch machte ich bei strahlendem Sonnenschein Mittagspause. Im Hintergrund boten sich schon die ersten Ausblick auf die Zugspitzregion. Ich muss sagen, dass ich mich mit dem Motorrad nicht nur fortbewege, sondern auch fortbilde. Die Zugspitze hatte ich am Vortag auf der Karte entdeckt und dachte mir "Ach, DA ist die!" Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich lange auch nicht genau wusste, wo der Schwarzwald ist. Soviel zum Erdkundeunterricht an Bayerischen Gymnasien in den 70er und 80er-Jahren...

Das sonnige Wetter stimmte mich hoffnungsvoll auf den Ausflug zum Hahntennjoch. Die Abfahrt durch das Bschlaber-Tal sah ebenfalls vielversprechend aus. Von Garmisch aus ging es über den Fernpass weiter in Richtung Tirol. Den Fernpass sollte ich in diesem Urlaub noch mehrfach überqueren.

Ich kann nur raten, ihn nicht an einem Sommersonntag zu fahren, da man mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h dort entlang zuckelt. Hier war einfach alles unterwegs, was nicht fahren kann: Holländische Wohnwagengespanne, Wohnwagen aus dem Deutschen Flachland, Autofahrer aus Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz... Ja, ihr lest richtig! Man sollte meinen, dass Schweizer in den Bergen Autofahren können, weil sie ja selbst welche haben. Das Gegenteil ist der Fall! Neben den Niederländern (denen ich das verzeihe, weil sie keine Berge kennen) sind die Schweizer so ziemlich das Schlimmste, was man auf einer Straße vor sich haben kann.

Zugspitze in Wolken
Auf dem Weg den Fernpass hoch begann es wieder zu tröpfeln und ich machte einen Stopp im Restaurant "Zugspitzblick", um mich umzuziehen und einen Kaffee zu trinken. Es stellte sich später als vorteilhaft heraus, dass ich auch in die Hose das Goretexfutter eingeknöpft hatte. Das ist das Einzige, was ich nicht so toll finde an der Kombi, dadurch, dass das Regefutter nach innen gehört, muss man sich immer halb ausziehen, wenn man das Futter braucht. Ansonsten bin ich aber vollkommen zufrieden, auch bei heißeren Temperaturen ist man in der Kombi gut "aufbewahrt".

Langsam aber sicher wurde das Wetter immer schlechter. Ich hoffte jedoch, dass ich den Pass im Trockenen überqueren und auch einigermaßen im Trockenen zurückkehren würde. An der Straße zum Hahntennjoch standen Warnschilder "Bei Gewitter nicht befahren wegen Murenabgängen".
*gulp*

Die niedrig hängenden Wolken verhießen nichts Gutes, genauso wenig, wie das ferne Grummeln. Als
Auf dem Weg nach oben
ich oben auf dem Joch stand, regnete es bereits leicht. Es wäre egal gewesen, ob ich zurück- oder weitergefahren wäre, denn auf beiden Seiten sah es finster aus.

Also weiter.
Das ist ja auch kein Gewitter... es regnet ja nur...
*grummelbrummel*
Nene, das ist KEIN Gewitter.
Blitz... "einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig... dreißig..." *grummelbrummelgrummel* Ok, es ist noch weiter weg.

Blitz. "einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwanzig..." *grummelbrummelgrummel*
Es kommt näher...


Weltuntergangsstimmung auf dem Hahntennjoch
Ich komme an einem Gasthaus vorbei und überlege kurz, ob ich weiterfahre, oder anhalte, entscheide mich für Weiterfahren. Das sieht nicht nach einem Schauer aus, der bald vorbei ist und im Dunkeln möchte ich hier nicht herumfahren.

Der Regen wird stärker, die Straße steiler und kurviger.

Blitz.
"einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig..." *baaarooooooooom* 
Es fängt an zu schütten.
Sicht gleich Null.
Visier auf, wischen hilft nichts mehr.
Regen peitscht ins Gesicht.
Jede Kehre wird zur Herausforderung.

Die Handschuhe weichen durch.
Mir wird langsam kalt.
Regen rinnt über das Gesicht, tropft aus allen Poren.
Die Straße windet sich in endlosen steilen Kurven ins Tal.
Wieder unten...
Autofahrer überholen von hinten, fahren aber auch nicht viel schneller als ich.

Endlich fahre ich in einen Ort.
Es schüttet immer noch.
An einem Supermarkt stelle ich mich unter die Markise, wringe die aufgeweichten Handschuhe aus und überlege, ob ich jetzt weiterfahre, oder auf Wetterbesserung hoffe. Ein Blick um die Ecke zeigt, dass das Hahntennjoch jetzt wohl im schönsten Sonnenschein liegt. Meine weitere Strecke wird im Regen verlaufen, ich fahre den Wolken nach. Noch ein bisschen abwarten. 2 Männer auf Rollern und einer auf dem Motorrad gesellen sich zu mir unter die Markise. Wir kommen ins Gespräch, sie wollen das Namloser Tal hoch und dort übernachten. Wie es aussieht, fahren sie in die Sonne...

Mein Tankrucksack begrüßt mich mit frenetischem Summen. Mein Handy, das in der Tasche lag, ist naß geworden und spielt verrückt. Ich muss den Akku entfernen, damit das Gesumme aufhört. Ich hoffe, dass es wieder funktioniert, sobald es trocken ist.

Weiter geht es durch den inzwischen weniger starken Regen Richtung Zeltplatz. Dort angekommen stellt sich die Frage "Wohin mit den nassen Klamotten?" Die Kombi trocknet im hängen recht rasch, eventuelle Restfeuchte bläst der Fahrtwind raus. Nur kann ich im Zelt nichts aufhängen. Trockenraum? Fehlanzeige. Immerhin kann ich meine Sachen im Fahrradraum einigermaßen aufhängen und sie sind am nächsten Tag erstaunlicherweise auch richtig trocken. Bis auf die Handschuhe.

5.8.2012

Plansee
Es hat die ganze Nacht mehr oder weniger stark geregnet. Das Zelt ist dicht und drinnen ist es recht kuschelig. Einzig die dünne Isomatte führt zu Schmerzen in den Hüftknochen, durch die ich im Lauf der nächsten Woche regelmäßig geweckt werde.

Ich schlafe tief und fest, eingemummelt in meinen Schlafsack, als plötzlich eine Sirene losgeht. Es ist 5.50. Der ganze Zeltplatz ist auf einen Schlag wach, überall hört man die Reißverschlüsse der Zelte, Stimmengemurmel. Ich krieche aus dem Zelt. Der Regen ist weg, die Sonne geht auf und weder kommen die Russen, noch brennt es irgendwo. Vielleicht ist irgendwo eine Mure runtergekommen? Ich male mir aus, wie der Zeltplatz von einer Schlammlawine verschlungen wird...
Irgendwann krieche ich zurück ins Zelt und versuche weiterzuschlafen.

Heute steht etwas ganz besonders auf dem Plan. Ich werde meine Freundin Andi in Oberammergau besuchen, wir sind zum Bodypainting verabredet.

Plansee
Los geht es Richtung Oberammergau. Ich entscheide mich für die kürzere Strecke am Plansee entlang. Unterwegs steht ein Schild "Zufahrt zur Seespitze gesperrt". Ich schaue auf die Karte, Seespitze kann ich nirgendwo finden und denke mir "Das wird irgendein Berg sein oder so, betrifft mich nicht." Vor mir schleichen Belgier entlang, auf der kurvigen Straße ist an überholen nicht zu denken. Da der Plansee in Sicht kommt, ärgere ich mich nicht weiter, sondern genieße die Aussicht. Viele Motorradfahrer kommen mir entgegen. Ich denke mir nichts dabei. Bis ich zur "Seespitze" komme, die keineswegs ein Berg ist, sondern ein Punkt an der Straße. Und die Straße dahinter ist zu. Gesperrt.
4 Muren sind in der Nacht heruntergekommen und im Wald liegen tischtennisballgroße Hagelkörner. Mit Schaudern denke ich an den Weg vom Hahntennjoch zurück..

Also umkehren und die andere Route über Bayersoien. Mit Verspätung aber trocken und gut gelaunt lande ich bei Andi. Erstmal 2. Frühstück und dann überlegen wir gemeinsam, in welchen Farben ich angemalt werden möchte.

Ammergauer Alpen
Gegen Nachmittag brechen wir bei strahlendem Sonnenschein auf, fahren ein Stück aus dem Ort und laufen dann durch den Wald an einem Wildbach entlang. Bald ist die Stelle erreicht, an der wir Fotos machen werden. Andi bemalt mich, Schmetterlinge kommen angeflogen und setzen sich auf meine bemalte Haut.

Wir lachen und haben Spaß.
Wolken kommen auf.

Andi dirigiert mich durch das Bachbett. Ich sitze und liege auf Schwemmholz, auf Felsen, versuche, entspannt auszusehen, während ich im eisigen Wasser stehe und am Ende kauere.

Das Wetter hat sich inzwischen vollkommen geändert. Der Himmel ist bezogen und ein Grollen verheißt nichts Gutes.

Schnell zusammenpacken, anziehen, loslaufen. Wir haben ca. 20 Minuten Fußweg vor uns und machen ständig Witze in der Art "Wetter, ich bin nicht mehr Dein Freund bei Facebook!"  Nach ungefähr 700 Metern beginnt es zu tröpfeln. Wir halten Andis rotes Handtuch über uns. Es donnert. Andi meint, dass die Gewitter gar nicht abkann... ich beruhige sie, dass wir im Wald sicherlich nicht vom Blitz getroffen werden.

Da öffnet der Himmel seine Schleusen. Es schüttet, es hagelt. Das Handtuch wird zentnerschwer. Darunter zwei hysterisch kichernde Frauen. Der einen läuft weiße Farbe aus den Klamotten. Am Waldrand stoppen wir, warten das Gewitter im Wald an. Wringen das zentnerschwere Handtuch aus. Lachen. Zittern. Es ist kalt geworden.

Der Regen lässt nach. Wir sind triefendnaß, meine Klamotten sind von weißer Farbe durchzogen. Im Auto wickeln wir uns in Fleecedecken und lachen. Bei Andi gibt es erstmal eine heißen Tee und eine heiße Dusche. Draußen scheint inzwischen wieder die Sonne und das Radio informiert uns über die "fette Gewitterzelle", die über uns hinweggezogen ist.

Immerhin ist es wieder so warm, dass wir uns dicke Eisbecher holen und in den Kräutergarten vor dem Pilatushaus in die Sonne setzen. Gegen Abend breche ich wieder zum Zeltplatz auf. Heute ist die Kombi trotz Regen trocken geblieben! Ein anderer toller und ereignisreicher Tag geht zuende.

6.8.2012

Lechfall bei Füssen
Da die Wolken heute wieder nichts Gutes verhießen, entschloss ich mich für eine Seentour zum Ammersee und Starnberger See. Die Berge wollte ich mir für besseres Wetter aufsparen und der Wetterbericht sagte für die kommenden Tage eine deutliche Besserung voraus.

In Schongau machte ich einen Zwischenstopp mit der obligatorischen Kaffeepause. Da dort ein Mittelaltermarkt stattfand, sah man von der Stadt selbst nicht so viel. Alles war zugestellt. Von Schongau aus machte ich mich an den Weg an den Ammersee. Auf dem Weg hatte man tolle Blicke auf die Berge und später auch zum See.

In Dießen machte ich in einem Biergarten Mittagspause und lief danach an den See, um dort zu fotografieren und zu überlegen, wie ich weiterfahren würde.
Die Seen im Alpenvorland sind wirklich schön.
Die meisten zumindest.
Dießen am Ammersee
Vom Starnberger See sieht man leider recht wenig, wenn man auf der Straße ist.

Hinter dem Starnberger See verfuhr ich mich ein bisschen und landete erst auf der Autobahn, später dann auf der richtigen Straße.

Nach einem Abstecher nach Kloster Andechs machte ich in Weilheim Halt, weil sich ein Gewitter ankündigte. Ich hoffte, dass ich heute zumindest nicht naß werden würde. Leider hoffte ich umsonst.

Der Regen ließ nicht nach und wurde immer stärker. Im Laden einer Klamottenkette schlüpfte ich in die Umkleidekabine, um das Futter in meine Hose zu ziehen. Hier wollte ich noch ein wenig warten, ob es nicht vielleicht *doch* aufhört oder zumindest nachlässt.

Kloster Andechs
Nach einer halben Stunde machte ich mich auf den Weg durch den Regen. Bis zum Zeltplatz regnete es immer weiter. Nachdem ich meine Kombi aufgehängt hatte, kochte ich mir einen Tee im Zelt. Unter der Isomatte drückte sich ein wenig Feuchtigkeit durch den Zeltboden. Ich tauschte Kopf- und Fußende der Matte und kroch in den Schlafsack.

7.8.2012

Endlich war das angekündigte schöne Wetter angesagt. Über den Bergen kaum Wolken, unten strahlender Sonnenschein. Heute ist es Zeit für eine Bergtour. Ich hatte mir die Kaunertaler Gletscherstraße ausgesucht.

Hinter der Grenze tankte ich erst einmal. Der Sprit ist in Österreich gute 20 Cent günstiger, das lohnt sich. Über den Fernpass ging es weiter in Richtung Pitztal. Auf meiner Motorradkarte war ein Tourvorschlag über eine kleine Straße eingezeichnet, dem ich folgen wollte.

Zugspitze bei Sonne
Über die Pillerhöhe ging es auf einer kleinen, engen und teilweise einspurigen Straße in Richtung Kaunertal. Hinter jeder Kurve warteten neue, beeindruckende Ausblicke in die umliegenden Berge und Bergtäler. Auf weiter Flur mehr oder weniger allein konnte ich so trödeln, wie ich wollte und anhalten, um Fotos zu machen.

Der erste Teil des Kaunertals ist weit und zieht sich langsam hoch. Die eigentliche Gletscherstraße ist mautpflichtig (Tageskarte Motorrad 12 €) und das Geld ist definitiv gut angelegt.

Auf dem Weg ins Kaunertal
Über 29 Kehren geht es am Gepatschstausee immer steiler und kurviger nach oben. Irgendwann lässt man die Baumgrenze hinter sich und die Landschaft wird immer karger und unwirtlicher. Ich habe auf meinen Touren durch die Berge oft gedacht, wie lebens- und menschenfeindlich diese Natur doch ist. Das Wetter ist unberechenbar, starke Winde und Temperaturschwankungen, Muren und Erdrutsche... Man ist den Naturgewalten wesentlich stärker ausgesetzt, als in unserem lieblichen Schwarzwald. Wenn hier mal ein Erdrutsch abgeht, ist das schon was Besonderes.

Das Schild "Kehre 29" am Beginn der eigentlichen Straße ließ mich erst einmal schlucken.
Kaunertal
Ich kann Kehren fahren, aber 29 hintereinander...? Von Kehre zu Kehre merkte ich, wieviel Spaß es mir machte. Wobei ich zugeben muss, dass ich die Kehren lieber runter- als rauf fahre. Wenn man sehr enge und steile Kehren hochfährt, sieht man nicht unbedingt, ob von oben was kommt. Beim runterfahren hat man einfach mehr Überblick.

In einer Kehre habe ich Autofahrer angeschnauzt, die dort angehalten hatten.
Verständnislose Blicke.
Hey, ihr könnt woanders halten, WIR brauchen den ganzen Platz in der Kehre!
Gepatschstausee
Gerade in den Kehren ist eine gute Kurvenlinie wichtig, um nicht unversehends auf der Gegenfahrbahn zu landen.

Auf dem Weg zum Gletscher kam ich an einem unwirklich türkisen Bergsee vorbei, Kühe grasten, die Sonne schien. Absolute Alpenidylle.

Der Gletscher selbst ist ziemlich abgeschmolzen und relativ klein. Man kann mit einer Bergbahn noch weiter hochfahren. Nachdem ich mich auf dem Gipfel umgesehen hatte, machte ich mich an die Abfahrt.

eine der 29 Kehren
Diesmal wollte ich beim herunterfahren den Tipp testen, gegen die Hinterradbremse zu fahren. Es klappt hervorragend! In engen Kehren steht man oft vor dem Problem, dass man nicht schnell um die Ecke fahren kann, das Motorrad aber stabil gehalten werden muss. Das geht über das Gas. Um eine Balance zwischen Gasgeben und Abbremsen zu halten, tritt man ein wenig auf die Hinterradbremse und alles bleibt im stabilen Bereich.

Kehre 29 am Talende kam schneller, als ich wollte. Schon vorbei mit dem Spaß? Ich denke, dass ich jetzt um jede Kehre kommen werde, egal ob nach oben oder nach unten.


Ein weiterer wundervoller Tag endet im Schlafsack in meinem Zelt.

Fortsetzung folgt....





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