Samstag, 18. August 2012

Urlaub die Zweite - Diesmal mit Zelt und Motorrad

So, jetzt komme ich endlich dazu, zumindest über den ersten Teil meines Urlaubs zu berichten. Ich habe wahnsinnig viele Fotos gemacht und zum Glück mir an jedem Tag notiert, wo ich überall war. Insgesamt bin ich 3200 km in knapp 2 Wochen gefahren, davon einige Pässe und Gebirgsstraßen. Aber fangen wir der Reihe nach an.

Ausrüstung und Vorbereitung: 

sieht abenteuerlich aus, hat aber gehalten
Zelt: Denali II von Salewa, Schlafsack: Marmot Wave -5°, Isomatte: Z-Lite von Thermarest und ein Esbitklappkocher fürs zubereiten des Frühstückstees, sowie Faltgeschirr von Sea to Summit und ein Aluteekessel. Und natürlich meine liebe, kleine Honda CBF500 (noch ein knappes Jahr auf 34 PS gedrosselt). Des weiteren eine Reisetasche und ein Rucksack von Ortlieb, den man zur Packtasche umbauen kann, sowie ein Drysack von Moorhead für die Isomatte und mein Tankrucksack, diesmal in der ausgeklappten Version. Der Schlafsack steckte in der Reisetasche, meine Wäsche und Fleecejacke im Rucksack, Kamera und "Griffbereites" waren im Tankrucksack untergebracht.

Nach zwei Testdurchläufen mit dem Aufpacken meines Motorrads und dem Verstauen der diversen Ausrüstungsgegenstände habe ich vor dem eigentlichen Losfahren noch eine kurze Runde mit dem bepackten Moped gedreht. Ich weiß vom Radfahren, dass Beladung bei Zweirädern ganz schöne Konsequenzen haben kann, was Fahrstabilität und andere Dinge betrifft. Da ich keine Erfahrung darin hatte, wie sich mein Motorrad jetzt verhalten würde und ob ich auch längere Zeit bequem sitzen könnte, habe ich es lieber getestet.

30.07.2012

Home, sweet home!
Im Lauf des Vormittags machte ich mich mit dem bepackten Motorrad auf in Richtung Bodensee. Auf gut Glück wollte ich auf dem Campingplatz "Alpenblick" in Hagnau unterkommen. Als ich dort ankam, war es auch kein Problem, für mich und mein Motorrad noch ein Plätzchen aufzutreiben. Allerdings war der Platz weder sonderlich leise, noch sonderlich schön, aber ich wollte sowieso nur dort schlafen. Nach dem etwas nervigen Zeltaufbau (an einer Stange hatte sich der unterste Teil rausgezogen und wurde dadurch instabil, leider irgendwann auch der 2. Teil beim 2. Abbau) und der Erkenntnis, dass sich die Heringe auch mit dem Hammer nur äußerst schwer in den Boden treiben lassen, ging es als erstes in den See. Das Wasser war entgegen meiner Erwartung saukalt! Ich bin echt kein Weichei, aber das kostete schon Überwindung.

Bikerfrühstück
Der Campingplatz verfügt über einen eigenen Badeplatz, der abends und nachts auch geschlossen ist. Das ist alles sehr gepflegt, ebenso wie der wirklich tolle und komfortable neue Sanitärtrakt. Der alte Trakt in der Nähe meines Zeltplatzes war sehr einfach, aber sauber. Dass man in die Duschen 50 Cent werfen muss, um warmes Wasser zu bekommen, habe ich erst nach der 2. kalten Dusche kapiert...

Am Abend machte ich mich auf ins Dorf, um etwwas zu essen und die Frühstücksmöglichkeiten auszuspähen. Das mit dem Brötchenservice habe ich erst später auf dem 2. Campingplatz genutzt. In Hagnau kann man in der Dorfbäckerei recht gut und preiswert frühstücken, die Backwaren sind lecker und schmecken nicht nach "Kettenbäckerei".

Die erste Nacht im Zelt war etwas unruhig, mein Körper fand die Isomatte nicht so toll bequem, ansonsten war es ab ca. 23 Uhr ruhig und die nahe Autobahn verstummte im Lauf der Nacht ebenfalls weitgehend.

31.07.2012 Riedbergpass - Breitachklamm - Kleinwalsertal -

Mittagspause!
Für den ersten richtigen Tourtag hatte ich mir die Strecke zum Riedbergpass ausgesucht. Es ging flott los in Richtung Balderschwang und durch die ersten Hügel des Allgäus. Das Wetter war perfekt, nicht zu warm, sonnig und man hatte tolle Blicke.

Zwischendurch musste ich mal jemanden nach dem richtigen Weg fragen, denn die Beschilderung war ein wenig uneindeutig. Ich genoss das Fahren auf den weitgehend leeren Straßen und die schönen Ausblicke. In Balderschwang machte ich Mitttagspause und genoss "Allgäuer Kässpätzle", davor wurde noch Brot serviert, das man wahlweise mit Frischkäse oder Griebenschmalz bestreichen konnte. Sehr lecker und ein sehr schöner Mittag!

Riedbergpass
Die eigentliche Passtraße auf den und vom Pass herunter entpuppte sich als ziemlich schlimm. Derzeit wird die Straße an vielen Stellen repariert, was konkret heißt, dass man längere Stücke sowohl bergauf, als auch bergab (inkl. Kurven) auf Schotter fährt. Gerne noch mit einem Autofahrer, der einem auf dem Nummernschild klebt, weil ein Motorrad ja immer schnell fahren muss *seufz* Der Riedbergpass ist der höchste Pass Deutschlands.

Breitachklamm
Landschaftlich stimmte mich der Ausflug schon ein wenig auf die grandiosen Berglandschaften ein, die mich später und in den nächsten Tagen erwarten würde. Vom Riedbergpass herunter fuhr ich weiter in Richtung des Kleinwalsertals. Das Kleinwalsertal ist der einzige Teil Österreichs, der nur von Deutschland aus zu erreichen ist. Doch vorher besuchte ich noch am Weg die wirklich beeindruckende Breitachklamm.


Breitachklamm von oben
Auf dem Parkplatz angekommen, fragte ich erstmal nach, ob ich mit meinen Schuhen und Bekleidung dort überhaupt laufen könnte. Klettern ist in Motorradhose und mit den relativ rutschigen Stiefeln doch eine mühsame und wackelige Angelegenheit. Mir wurde versichert, dass der Weg gut zu begehen sei. Angesichts der relativ hohen Temperaturen ließ ich meine Jacke und den Helm bei den freundlichen Parkplatzwärtern und machte mich auf den Weg. Der Weg entpuppte sich dann als recht einfach zu laufen und die Temperaturen in der Klamm waren deutlich angenehmer, als auf der Straße.

Das letzte Mal, dass ich eine Bergklamm besucht habe, muss wohl gut über 30 Jahre her sein, damals war ich auf einer Ferienfreizeit in Gräubünden und besuchte die Via Mala.

Kleinwalsertal
Die Klamm ist im unteren Teil noch recht breit und der Bach ein recht friedliches Gewässerchen. Weiter oben wird die Klamm enger, und man kriegt eine Ahnung der Naturgewalt. An einer Stelle, wo es etwas steiler wurde, hielt ich mich an den Metallgeländern fest und konnte dort noch die Vibration des Wassers gegen den Felsen spüren. Ein unglaublich beeindruckendes Spiel von Licht, Schatten und Wasser ließ mich immer wieder stehenbleiben und fotografieren. Am Ende der Klamm angekommen, nahm ich den Rundweg nach unten, der ca. 1 Stunde dauert. Dafür muss man erstmal recht weit nach oben laufen, hat dann aber einen tollen Blick nach unten.

Der Weg endet irgendwann am Waldrand und man läuft die restliche Zeit nach unten durch die Sonne. Sonnencreme ist prima, vor allem, wenn sie im Tankrucksack liegt... dieser Tag bescherte mir also den ersten Sonnenbrand. Nach einem recht gemütliche Abstieg landete ich wieder auf dem Parkplatz und machte mich auf den weiteren Weg ins Kleinwalsertal.

Kleinwalsertal
Auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Es duftete nach Heu und das Bergtal öffnete sich zu beeindruckenden Ausblicken. Ein wenig amüsierten mich die Polizeibeamten, die mit einer Radarpistole am Straßenrand standen und wohl auf säumige Motorradfahrer warteten. Von mir kriegt ihr keinen müden Euro :-D

Oben angekommen zeigte ein Blick auf die Uhr, dass der Heimweg keine schlechte Idee ist. Nach einer ereignislosen und gemütlichen Heimfahrt landete ich wieder auf dem Campingplatz. Jetzt duschen, umziehen, ein bisschen spazieren gehen im Ort, Eis essen (ach ja, die Eisdiele in Hagnau ist fantastisch!) und dann ins Zelt kriechen, ein wenig lesen und schlafen. So endete der erst Tourtag mit vielen tollen Eindrücken und einer entspannten Nacht im Zelt.

01.08.2012 Furkajoch - Bregenzer Wald

Furkajoch
Heute entschloss ich mich zu einer Tour durch Vorarlberg. Da ich dort eine Freundin habe, lag ein spontaner Besuch nah. Die Strecke nach Dornbirn war rasch gefahren und wir trafen uns zu einem Vormittagskaffee und entschieden dann, eine Runde gemeinsam zu fahren.

Für mich war das unter verschiedenen Aspekten eine interessante Tour. Zum einen bin ich bis jetzt erst einmal in der Gruppe gefahren und das nicht lang, zum anderen fahre ich tendenziell langsam. Das kommt einerseits durch meine kleine Maschine und andererseits dadurch, dass ich einfach noch nicht so viel Erfahrung habe. Und dann hat für mich persönlich Motorradfahren nicht so viel mit Geschwindigkeit zu tun, als mit reisen und angucken. Ich halte oft und ich will nicht durch eine schöne Landschaft durchrasen. Es ist einfach eine Frage dessen, was man mit seinem Motorrad machen will.

Furkajoch
Ich hatte meine Freundin schon gewarnt, dass a) überholen am Berg nicht unbedingt drin ist mit meiner Maschine und ich b) sowieso eher langsam und halbweg vorschriftsmäßig fahre. Ich bin einfach zu geizig für Strafzettel und die schlimmste Strafe wäre ein temporärer Führerscheinentzug.

Nun ja... Den ersten Teil der Strecke hoch zum Furkajoch konnte ich noch einigermaßen folgen, aber irgendwann wurde mir das einfach zu hektisch und zu schnell. Wir bzw. ich hingen dann noch hinter einem Traktor fest und als ich überholen wollte, kam noch eine andere Truppe Motorradfahrer an und überholte von hinten.

Alle, bis auf einen.

Dornbirn und Bregenzer Wald
Als die Schlange zum stehen kam und ich wieder anfahren wollte, würgte der Fahrer neben mir das Motorrad ab und hatte offenbar große Probleme, am Berg anzufahren. Also noch mehr Verzögerung...

Gut, ich bin keine Heldin auf dem Motorrad, aber am Berg anfahren kann ich jedenfalls... ich war echt versucht, dem Fahrer zuzurufen, dass er auf die Fußbremse gehen soll zum anfahren... und das war kein "Flachlandtiroler"! Meine Freundin war schon etwas genervt, glaube ich... für die Strecke hoch haben wir jedenfalls zu zweit länger gebraucht, als sie allein. Aber wenn ich allein gefahren wäre, hätte es noch länger gedauert... Für mich heißt das einfach, dass ich in Zukunft auch weiterhin alleine fahren werde und mein eigenes Tempo bestimmen.

Abendstimmung mit Zeppelin
Auf dem Furkajoch gelandet, aßen und tranken wir eine Kleinigkeit, bevor es zur (für mich wieder zu schnellen) Abfahrt ging. Ein Mann lief um meine kleine Honda, die zwischen den ganzen dicken Maschinen stand, umgläublich herum. Ich konnte sehen, was er dachte "Was ist DAS denn? Fährt das? Wie kommt das überhaupt hier rauf?"

Ok, hier bin ich dann tatsächlich schneller gefahren (aber immer noch nicht schnell genug..), als ich es sonst tun würde, aber für mich war das kein Genuss. Da wir einen etwas engen Zeitrahmen hatten und sie nicht allein runterfahren wollte, musste ich wohl oder übel mit. Ja, es war trotzdem schön... In Bregenz machte ich einen längeren Stopp, bevor es dann wieder nach Hagnau zurück ging.

Vollmond am Bodensee
Am 1. August ist Nationalfeiertag in der Schweiz. Die Schweizer entzünden auf den Bergen abends Feuer und es gibt überall Feuerwerk. Vom Ufer des Badeplatzes konnte man das prima  beobachten, zudem war noch Vollmond und die Stimmung am See wirklich magisch. Als ich mich dann entschied, wieder zu meinem Zelt zu gehen, war der Badeplatz abgeschlossen, zum Glück war noch jemand da, der mich rausgelassen hat, sonst wäre das wohl eine interessante Nacht geworden...

... Fortsetzung folgt...





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