Samstag, 2. Juni 2012

Erste Tour ins Elsass

Unterhalb vom Col de la Schlucht
Nachdem ich ja schon dauernd im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb herumkurve, war es jetzt mal an der Zeit, die andere Seite vom Rheintal zu erkunden. Das Elsass kenne ich teilweise, aber nur aus der Fahrradperspektive und das ist lange her.

Ich habe mir gestern schnell einen Reiseführer mit Straßenkarte gekauft - und den Reiseführer dann prompt zuhause liegen lassen. Bei Breisach ging es erstmal über den Rhein und dann von Neuf-Brisach Richtung Colmar. Puh, war das ein Durcheinander in der Stadt, Staus, schlecht leserliche Beschilderungen, komische Straßenführung, dichter Verkehr... und ich habe es aber trotzdem geschafft, mich nicht zu verfahren und landete auf der Straße nach Ingersheim von wo aus ich dann weiter Richtung Munster fahren wollte.

Hier liebt man den Bitumenstreifen...
Als erstes fiel mir auf, dass die Ampeln in Frakreich kein Gelb kennen. Es wird sofort Rot oder sofort Grün *schluck* Über eine rote Ampel bin ich drübergefahren, so schnell konnte ich gar nicht reagieren, wie die umsprang. Die Straße nach Munster führte erstmal über eine zweispurige, gut ausgebaute Strecke. Ich fragte mich schon, ob ich nicht irgendwo abbiegen und eine kleine Straße nehmen sollte, damit es nicht zu einfach und langweilig wird. Aber ich bin der Straße dann gefolgt und sie blieb nicht so schön ausgebaut, breit und einfach.

An der Route des Crêtes
Es ging erst durch ein breites Tal und je weiter es in die Berge ging, desto enger wurde das Tal und die Straße. Vor Munster geht es schon einige Kurven hoch. Da ich die Strecke nicht kannte und neben der Fahrerei auch was sehen wollte, war meinTempo eher gemäßigt bis langsam. Darüber hinaus gibt's auf dieser Strecke und dem späteren Streckenverlauf etliche Hundekurven. Ich war heute sehr froh, dass ich nicht schon letztes Jahr in die Vogesen gefahren bin, diese Strecke hätte mich viel Schweiß gekostet und sicherlich an den Rand meines Könnens und vielleicht sogar der Verzweiflung gebracht. Heute ging es halt langsam, aber entspannt voran.

Die Vogesen und der Schwarzwald waren einmal eins, man kann das am Gestein auf beiden Seiten noch prima sehen. Ansonsten muss ich sagen, dass die Vogesen um einiges "alpiner" und wilder erscheinen, als der doch größtenteils sehr liebliche Schwarzwald.

Gérardmer
Mein erster Stopp war auf dem Col de la Schlucht. Ich parkte gleich an der ersten möglichen Stelle, nachdem ich vorher schon an zwei anderen Stellen gehalten hatte, um Bilder zu machen. Auf dem Col selbst sieht man recht wenig, da die Aussichtspunkte alle zugewachsen sind. Was man sieht sind Horden von Motorradfahrern, die sich weiter vorne auf dem anderen Parkplatz versammeln und wohl die eine Bar frequentieren. Die Aussicht von weiter unten aus Richtung Munster kommend ist definitiv lohnenswerter. Nach einem kurzen Stopp entschied ich mich für die Route des Crêtes. Der Name war im letzten Fahrtraining schon gefallen und dass man die nicht unbedingt an einem schönen Sonntag fahren sollte. Heute war aber ein schöner Samstag und der Verkehr hielt sich in Grenzen. Ich habe sowieso sehr oft angehalten, um Bilder zu machen und die großartigen Ausblicke zu genießen. Hier werde ich sicherlich einmal einen Kurzurlaub verbringen und einen Teil der Landschaft per Pedes erschließen.

Grand Ballon D'Alsace
Der Teil der Route des Crêtes, den ich heute gefahren bin, führte an wunderschönen Ausblicken in diverse Täler und auf diverse Seen vorbei. Ich habe auf einem Stück ungefähr alle 700 m gehalten, um zu fotografieren. So einen wunderschönen Sommertag sollte man nicht damit verschwenden, dass man auf so einer Strecke einen Geschwindigkeitsrekord aufstellt. Die meisten anderen Motorradfahrer, die dort unterwegs waren, tat es mir gleich. In der Thermik zwischen den Gipfeln schwebten etliche Paraglider und es gab unglaublich viele Schwalben dort oben - und Insekten. Teilweise trommelte es förmlich aufs Visier ein. So ist mir das im Schwarzwald auch noch nicht aufgefallen.

Grand Ballon
Mein Weg führte nun noch weiter nach oben zum Grand Ballon D'Alsace. Auf der Straße waren neben vielen Motorradgruppen etliche Rennradfahrer unterwegs, so dass man sehr vorsichtig und recht langsam fahren musste. Darüber hinaus wird in Frankreich gerne großzügig mit  Bitumen umgegangen, manche Streckenabschnitte glichen kunstvoller Kalligrafie in Bitumen. Leider ist das nicht sehr schön zu befahren, da diese Streifen bei Nässe und Hitze glatt sind. Letze Woche hatte ich das erste Mal Bekanntschaft mit einem warmen Streifen gemacht und bin ganz schön hin- und hergerutscht. Aber es kommt später noch besser.

Grand Ballon
Auf dem Grand Ballon machte ich eine längere Pause und genoss die Aussicht auf die andere Rheinseite. Leider war es sehr dunstig, so dass man den Schwarzwald mehr erahnen als sehen konnte. Es war trotzdem schön, denn heute war ein unglaublich toller Himmel mit den schönsten Wolkenformationen, Streifen, Tupfen, Kleckse, Tiere... alles dabei. Außerdem konnte man prima die Schwalben beobachten, die in der Thermik über dem Gipfel ihre Flugkünste zur Schau stellten. Nach ungefähr einer Stunde mit Kaffee und Tarte de Myrtille ging es wieder langsam bergab Richtung Thann. Es ging wirklich langsam, zumindest im Teil direkt vor Thann. Denn in Frankreich mag man nicht nur Bitumenstreifen-Kalligrafie, nein, man baut kunstvolle Motorradfahrerfallen.

Mir klang noch vom letzten Training in den Ohren, dass der Trainer "Kopfsteinpflaster in Kurven" erwähnt hatte. Voilá! Griffigster Belag, oh, eine Haarnadelkurve, runterschalten... uuuuupssssss, das kann doch wohl nicht wahr sein? Kopsteinpflaster genau in der Kehre! Und das nicht nur einmal. Zum Glück war es heute trocken, sonst hätte ich mein Bike um diese Kurven herumgetragen. Abgesehen davon war es aber schön zu fahren, die Straße schraubt sich durch den Wald wieder herunter ins Tal.

Blick von Breisach über den Rhein
So richtig viel geplant hatte ich heute dann nicht mehr. Als ich wieder unten war, ging es zurück Richtung Colmar und dann wieder nach Hause gen Schwarzwald. Das nächste Mal werde ich mehr planen und mir viel Zeit für die hübschen, kleinen Orte lassen. Es gibt unglaublich viele quietschbunte Fachwerkhäuser im Elsass. Colmar allein ist schon einen Besuch werte, ebenso das (etwas überlaufene) Ribeauvillé. Aber jetzt weiß ich, wie's "drüben" aussieht und was einen da so in den Bergen erwartet. Diesen wunderschönen Sommertag ließ ich dann bei einem Eisbecher in Breisach ausklingen  und fuhr schnell noch eine kleine Extraverlängerung durch den Kaiserstuhl. Jetzt ist der Tank fast leergefahren und ich werde gleich zu meiner neuen Lektüre greifen: "Abgefahren - in 16 Jahren um die Welt" von Claudia Metz und Klaus Schuberth. Inspiration für große Abenteuer. Vielleicht.

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