Sonntag, 17. Juni 2012

Ein ereignisreiches Wochenende...

Ich schulde Euch noch die Tour vom letzten Sonntag, da ich heute auf ähnlichen Wegen unterwegs war, kann ich das prima verbinden. Aber erstmal zu gestern.

Schiltach im Kinzigtal
Gestern bin ich mit dem Motorrad zur Arbeit gefahren, habe mich erfolgreich durch das Baustellenchaos gekämpft und nach getaner Arbeit konnte ich gleich aufsitzen und losfahren. Morgen sollten meine Packtaschen kommen (Ortlieb Speedbag) und nächste Woche habe ich ausnahmsweise nach langer Zeit mal einen ganzen Samstag Zeit zu fahren.

Der Plan gestern war, zur Nagoldtalsperre zu fahren und dann dort in der Nähe einen Schlafplatz zu organisieren und dann ein erfrischendes Abendbad zu nehmen. Ich bin recht zügig durchgefahren, nur in Vorderlehengericht zwischen Haslach und Schiltach habe ich Pause gemacht im Gasthaus Pflug. Da war ich letzte Saison ein paar Mal und die Dame dort hat sich auch an mich erinnert. Es gibt prima Kuchen da und der Kaffee hat mich bis spät in die Nacht wachgehalten.

Aopthekenmuseum Schiltach
Ich hatte im Internet einen Gasthof Forelle in Schorrental entdeckt, der nett aussah und preiswert war. Den behielt ich mal im Hinterkopf, den ich bin inzwischen ohne Reservierung unterwegs und ohne feste Planung. An der Nagoltalsperre angekommen, bin ich beim Bikertreff "Gaststätte zum Seeheiner" eingekehrt und habe mich auf den Präsentierdrehteller gesetzt, wo man ein paar halbe Blicke aufs Wasser erhaschen kann. Das war ganz spaßig. Es war irre voll dort. Als ich ankam, stand der ganze Parkplatz voller Motorräder. Nach einer Stärkung und dem Blick auf die Uhr beschloss ich, das Schorrental zu suchen, dort meine Sachen abzuwerfen und mit Bikini unter der Montur wieder an der Talsperre einzuschlagen. Leider hatte das Gasthaus Forelle geschlossen und wirkte auch etwas verlassen. Also bin ich wieder zurück nach Erzgrube gefahren, in der Hoffnung, dort was zu finden. Nach einer zweiten Runde ums Wasser und einem kleinen Umweg hat mich dann der Stalldrang übermannt. Irgendwie fand ich die Gegend landschaftlich nicht so wahnsinnig reizvoll und ein netter, kleiner Landgasthof hat mir auch nicht zugewinkt.

Gasthaus Adler in Schiltach - wer kauft's??
Da es noch nicht so spät war und die angesagten Gewitter sich auch nicht zeigten, habe ich in Schiltach einen Zwischenstopp eingelegt und mir die Altstadt angesehen. Sehr schöne Fachwerkhäuser ziehen sich am Hang entlang hoch und die mit Kopfstein gepflasterten Straßen sind ziemlich steil. Die Orte Alpirsbach und Freudenstadt habe ich mir für meine Herbst- und Spätherbsttouren vorgemerkt, wenn es kalt wird und die Tage kurz werden. Das Kinzigtal ist eine Gegend, die ich sehr gerne mag. Es ist sehr lieblich dort und die Kinzig windet sich durch das weite, grüne Tal. Im Mittelalter war die Kinzig ein wichtiger Fluss für die Holzflößerei aus dem Schwarzwald zum Rhein. In vielen Orten wird auf verschiedene Weise an den Holz- und Fischreichtum erinnert. In Schiltach hätte ich mich zu einer Übernachtung hinreißen lassen, wenn der Gasthof "Adler" geöffnet gewesen wäre, aber der steht zum Verkauf, wie schade.

Zwischen Kandern und Steinen
Heute, am Sonntag, habe ich erstmal ausgeschlafen. Es hatte gestern Abend deutlich abgekühlt, auf der Höhe von Haslach musste ich mir die Innenjacke anziehen. Man konnte sehen, dass in der Ortenau Gewitter herunterkamen oder heruntergekommen waren und es wahr auch unglaublich windig und schlagartig kühler.

Suchbild mit Motorrad - Wehra-Tal
Der Sonntagmorgen zeigte sich in Freiburg von der grauen Seite und laut Wetterbericht sollte es im Süden schön, sonnig und warm werden. Also ab in den Süden. Nachdem die Vorhersage am Morgen 9 Grad für den Feldberg meldete, zog ich eine Route weiter unten vor. Ähnlich wie letzten Sonntag ging es über Staufen Richtung Badenweiler und dann weiter nach Kandern. Heute wollte ich jedoch die Strecke nach Steinen nehmen, um später am südlichen Rand des Schwarzwalds Richtung Bodensee zu fahren. Das war der ursprüngliche Plan. Die Strecke nach Steinen hat mich nicht enttäuscht, es ging abwechselnd durch Wald und Wiesen und man hatte schöne Blicke, es roch nach frischem Heu und Akazienblüten und je weiter ich nach Süden kam, desto sonniger und wärmer wurde es. Das war die richtige Entscheidung gewesen!

Wehra-Tal
Ich kurvte weiter über Schopfheim nach Waldshut-Tiengen. Diverse Umleitungen brachten mich auf unbekannte, kleine und kleinste Straßen durch herrlichste Schwarzwaldsommerlandschaft. Das Ganze bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Durch einige Zufälle landete ich auf der Straße durch das Wehratal, die ich vor einigen Wochen das erste Mal gefahren war. Diesmal nahm ich mir die Zeit, zumindest ein  paar Fotos zu machen. An den wirklich beeindruckenden Stellen kann man leider nicht anhalten. Inzwischen habe ich die superkleinen "L-" und "K-"Straßen lieben gelernt. Hier kommt man oft durch die landschaftlich reizvollsten Ecken und wenn nicht gerade eine Umleitung den Verkehr durchschleust, ist man oft weitgehend allein auf weiter Flur.

Bad Säckingen
Eigentlich sollte es jetzt weiter Richtung Bodensee gehen, über Bonndorf und dann Tengen, Engen, Singen. Aber ich vertrödelte viel Zeit auf den Nebenstraßen, fuhr mehr oder weniger freiwillig diverse Umwege und landete erstmal in Bad Säckingen. Im letzten Herbst war ich dort zum ersten Mal mit dem Motorrad gewesen. Die hübsche Altstadt und die historische Holzbrücke waren einen zweiten Besuch wert, außerdem hatte ich Hunger und es war Zeit für eine Pause.

Leider war just heute in Bad Säckingen ein riesiges Fahrradevent. Der ganze Münsterplatz war voll, es gab drittklassige Musik von einem Schrummschrummbuben, der von den Beatles bis Jürgen Drews alles Liedgut vergewaltigte, was man sowieso noch nie leiden konnte.

Holzbrücke Bad Säckingen
Darauf hatte ich nun gar keine Lust und auch nicht auf die ganzen Radfahrer, die sich durch die Fußgänger schoben. Es wurde wohl Werbung für "Helm auf dem Rad" gemacht. Hm. Ich bin ja sehr viele Jahre große Fahrradtouren mit Gepäck gefahren und war oft im Schwarzwald und anderswo unterweg. Immer ohne Helm. Auch heute fahre ich in der Stadt und anderswo ohne Fahrradhelm. Ehrlich gesagt zweifle ich an der Funktionalität und Sicherheit dieser Dinger. Wenn ich sehe, wie Rennradfahrer im Schwarzwald mit 60-70 Sachen die Berge runterfahren, so ein Pappteil auf dem Kopf und sonst nix schützendes an sich dran, wird mir übel. Die ganzen Downhill-Leute tragen Crosshelme und Protektoren, da kann man sich eher eine Schutzwirkung vorstellen. Meine Meinung ist, dass die Helme speziell in der Stadt eine falsche Sicherheit vorgaukeln. Und irgendwie glaub ich, dass mancher Helmträger dem gefürchteten "Hutmann" im Auto gleichgestellt ist. Ich werde auf dem Rad keinen Helm anziehen.

Steina-Tal
Von Bad Säckingen aus schlug ich einen Haken nach Norden und landete im Steina-Tal auf der Straße nach Bonndorf. Das war wieder so ein Zufallstreffer. Wieder ein schönes, wildromantisches Flusstal und eine kleine, kurvige Straße. Irgendwie komme ich auf solchen Straßen immer ins trödeln. Da habe ich gar keine Lust mehr, mich mit Karacho in die Kurven zu schmeißen, sondern ich halte Ausschau nach Haltepunkten und Fotomotiven. Manchmal ist das nicht so einfach, eben weil die Straßen klein und eng sind, dann genieße ich eben die schöne Landschaft. Die Eindrücke müssen schließlich bis zum nächsten Wochenende vorhalten. Ich fahre ja nicht so gerne Samstag und Sonntag, vor allem nicht am Sonntag, aber zur Zeit habe ich keine andere Wahl.

Auf der Höhe von Bonndorf fand ich mich in der perfekten Sommerlandschaft wieder. Überall waren Bauern bei der Heuernte, es roch wunderbar, der Himmel war blau mit ein paar weißen Wolkentupfen, die Straße gut und frei... was will man mehr? Ich bin noch einen Schwenk über Schluchsee gefahren und dann nach Hause über die gute, alte B500. Jetzt sind 600 km mehr auf der Uhr und die 18.000er-Inspektion steht bald an. Diese Saison bin ich dann schon 7.000 km gefahren... und als nächste Herausforderung für den Sommer stehen dann mal die Alpen an. Motorradatlas ist bestellt...

1 Kommentar:

  1. die vielen tollen Fachwerkhäuser.. echt schön.. aber die alte Apotheke würde mich echt mal reizen.. Du machst es richtig, Du siehst tolles vom Land.

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