Sonntag, 6. Mai 2012

Triberg und die 1. Weltgrößte Kuckucksuhr

Triberger Wasserfälle
Heute habe ich meinen Plan in die Tat umgesetzt und bin nach Triberg gefahren.
Puh, unterwegs wurde es immer finsterer, je weiter ich nach oben kam und irgendwann fing es an zu regnen. Erst ein bisschen, aber dann immer stärker. Leider waren die Temperaturen auch nicht gerade freundlich und ich hatte nicht dran gedacht, richtig warme Klamotten einzupacken. Immerhin die Unterziehhandschuhe waren dabei und das Winterfutter für die Jacke. Meine Finger waren aber trotzdem leicht bläulich angelaufen. Ich habe in Furtwangen kurz überlegt, den Schauer abzuwarten, bin dann aber mit zusammengebissenen Zähnen nach Triberg durchgefahren.

Auf dem oberen Parkplatz bei den Wasserfällen herrschten eher suboptimale Bedingungen für das Parken, der Boden war matschig und ich konnte meinen Seitenständer nicht gefahrlos abstellen bzw. wäre mir das Bike früher oder später umgefallen. Nach einigem hin- und herrangieren, bin ich todesmutig über den matschigen Seitenstreifen wieder auf die Straße gefahren und habe gegenüber einfach das Motorrad auf den Gehweg gestellt. Da lief sowieso niemand entlang, und die Straße war komplett unbefahren.

Dann ging es Richtung Wasserfälle. Die Natur ist in Triberg ungefähr 3-4 Wochen später dran, als hier unten. Entsprechend wurden die Laubbäume gerade erst grün, das Licht kam noch durch die Zweige. Auf dem Weg zum Eingang war es ruhig, nur das Wasser rauschte und ein paar Vögel haben gezwitschert. Der Wald hatte irgendwie etwas verzaubertes, überall liegen dick bemooste Felsbrocken, Farne entrollen sich, der Sauerklee blüht. Am oberen Eingang konnte ich dann meinen Helm "parken" und bin runter zu den Wasserfällen gelaufen. Das ist schon beeindruckend, wie das Wasser über die verschiedenen Stufen nach unten fließt. Auf diversen Schautafeln gab es Informationen zum Wasserfall, u. a. dass Triberg bereits im 19. Jahrhundert Strom aus Wasserkraft bezog und es gab Hinweise auf diverse honorige Gäste, die sich die Wasserfälle mal angesehen haben.

Ich dachte mir, dass es schon fast schade ist, wie "ordentlich" die ganzen Wege und Stege sind, ich hätte es gerne etwas "ursprünglicher" gehabt. Früher muss man an einigen Stellen wohl auch näher ans Wasser gekommen sein. Heute gibt es an diversen strategischen Stellen "Poser-Plattformen", auf denen man sich mehr oder weniger dekorativ vor den Wasserfällen fotografieren lassen kann. Wegen des eher schlechten Wetters war wohl recht wenig los.
Ich kann mir gut vorstellen, dass im Sommer dort sonntags die Touristenbusladungen durchgejagt werden. Heute hatte es wirklich etwas beschauliches.

Die Dame am Eingang sagte mir noch, dass heute unten im Ort verkaufsoffener Sonntag und Schinkenfest sei. Man hörte durch den Wald gelegentlich auch Schlagermusik rüberklingen. Ich blieb recht lange und genoss den Anblick des schäumenden Wassers. Weiter unten sprangen zwei Eichhörnchen herum, leider waren die zu schnell für meine Kamera und das nächste Mal werde ich Nüsse mitbringen. Ich bin  mir sicher, dass die zutraulich sind.

Das Wetter hatte unten am Wasserfall dann auch Erbarmen und die Sonne kam raus, jedenfalls lange genug, bis ich wieder oben war. Kaum hatte ich den Helm auf, fing es an zu tröpfeln und dann zu regnen.
Triberg
Weiter unten in Triberg wurde es dann richtig ekelig. Ich bin auf den nächstbesten Parkplatz gefahren und dann in den Ort gelaufen. Erstmal irgendwo aufwärmen, was essen und den Schauer abwarten. Nach einer halben Stunde schien wieder die Sonne und ich habe mich in den Ort aufgemacht.

Triberg ist ziemlich über den Hang verteilt, die Hauptstraße verläuft unten im Tal, aber einige Teile der Ortschaft liegen deutlich weiter oben. Na, und der mittlere Teil der Hauptstraße ist bestimmt von Touristenkitschläden mit Kuckucksuhren und Schwarzwalddevotionalien.

Die absolute Krönung ist das "Haus der 1000 Uhren". Dort turnen auf der Fassaden Die "Tribären" herum, eine überdimensionale Kuckucksuhr befindet sich in der Mitte und spielt eine Melodie, Kitsch vom feinsten! Ich bin nicht ganz sicher, ob es Titisee übertrifft.

Haus der 1000 Uhren
Nachdem ich im Ort ein  wenig herumspaziert war, wollte ich das freundlichere Wetter noch nutzen, um zur "1. Weltgrößten Kuckucksuhr" zu fahren. Wenn schon Kitsch, dann richtig! Für 1,20 € kann man sich das Häuschen angucken, in dessen Inneren sich die Mechanik (alles aus Holz) der Uhr befindet. Zu jeder halben Stunde kuckuckt der Kuckuck. Er klingt aber ziemlich asthmatisch, finde ich.

Nun, nachdem dieses Kitschhighlight auch abgearbeitet war, trat ich den Heimweg an.
Eigentlich wollte ich nicht durchs Prechtal fahren, weil die Straße einfach so miserabel ist, aber gut, ich landete da, also nehmen wir es, wie es kommt. Am Ende wurde ich noch mit großartigen Wolkenspielen und Licht- und Schattenspielen belohnt. Pünktlich beim ersten Tröpfeln stand mein Bike wieder mit Plane drüber im Hof. Putzen müsste ich sie mal wieder... vielleicht morgen, sofern es trockener ist.

Fazit von heute: Motorradfahren im Regen ist halb so schlimm, Kombi, Handschuhe und Stiefel sind dicht und die außen feuchtelige Kombi trocknet im Fahrtwind im Handumdrehen, sobald der Regen aufhört.

1. Weltgrößte Kuckucksuhr
Und: Ich bin ein totaler Schwarzwaldkitschfan, denke über die Anschaffung einer Kuckucksuhr und über die Umgestaltung meiner Küche nach. Könnte man nicht eine machen, wo ein motorradfahrendes Erdmännchen aus dem Türchen kommt und im Kreis fährt?


Kommentare:

  1. Wir fahren seit Jahren nach Schonach in Urlaub, meistens an Pfingsten. Und da müssen wir durch Triberg durch. In den Ferienzeiten ist es da egal bei welchem Wetter brechend voll.
    Wenn du das nächste Mal in der Ecke bist, fahr mal nach Schonach weiter, durch Schonach durch auf die Wilhelmshöhe. Da ist ein tolles Moorgebiet mit dem Blindensee (kann man auch geocachen) und ein uriges Wirtshaus mit echt lecker Essen :O)

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    1. Ja, auf der Wilhelmshöhe bin ich neulich eingekehrt, weil's so arschkalt war :-) Schonach steht schon auf dem Plan, da war ich nämlich auch noch nicht.

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