Sonntag, 20. Mai 2012

Schwarzwaldmagie...

Burgruine Hohengeroldseck
Heute hatte ich gar keinen genauen Plan, nur dass ich nach Norden Richtung Ortenau und dann irgendwann vielleicht nach Osten abbiegen wollte. Der erste Teil meiner Tour führte mich über Burg Landeck und Freiamt weiter nach Norden durch das Schuttertal und dann Richtung Burgruine Hohengeroldseck.

Das Schuttertal war neu für mich, ein sehr schönes, liebliches Tal mit teilweise fast alpinem Flair ist das. Heute war es furchtbar schwül und für den Tagesverlauf waren Gewitter angesagt. Mein Plan war eigentlich, irgendwann nach Osten abzubiegen und irgendwo zu übernachten. Das Wetter sollte mir aber einen Strich durch die Rechnung machen. Heute Abend ist die Liste der "da-muss-ich-nochmal-hin"-Orte um einiges länger geworden. Dieser Tag bescherte mir einige großartige Höhepunkte und ein dickes Gewitter mit Platzregen.

Blick nach Süden
Da ich ja jetzt auf die braunen Schilder achte, bot sich der Abstecher zur Burgruine Hohengeroldseck an.
Es war bereits richtig drückend geworden, was mich aber nicht davon abhielt, die 600 m von meinem Parkplatz zur Burg hochzustapfen. Von der Burg aus hat man einen grandiosen Rundumblick über den Schwarzwald und die Rheinebene bis hin zu den Vogesen. Dadurch, dass die Luft so feucht war, war der Fernblick etwas getrübt, aber dennoch großartig. Es lohnt sich, den Turm hochzulaufen und den Blick zu genießen!

Blick nach Nordosten
Die Burg wurde 1260 auf dem Schönerg als Stammburg der Herren von Geroldseck erbaut. Sie bildete zwischen 1277 und 1634 (Ende der Geroldsecker Herrschaft) den Mittelpunkt der "Oberen Herrschaft" von Hohengeroldseck. 1486 wurde die Burg von Pfalzgraf Philipp erobert, 1688 wurde sie durch französische Truppen zerstört.  Die Ruine ist heute Eigentum der Rechtsnachfolger der Herren von Geroldseck, der Fürsten von der Leyen (Ausgerechnet! Der Name verursacht mir starken Brechreiz...) und wird vom "Verein zur Erhaltung der Burgruine Hohengeroldseck e.V." betreut.

Rathaus Zell a. H.
Nach der schweißtreibenden Rumkraxelei ging es flott weiter über Biberach im Kinzigtal nach Zell am Harmersbach. Hier bin ich letztes Jahr schon einmal durchgekommen, damals ging es durch Baustellen, über Rollsplit und schlechte Straßen. Das schaut jetzt anders aus, die Baustellen sind weg und die Straßen relativ in Ordnung. Mit einem Auge schielte ich Richtung Wetter (sah gut aus) und mit dem anderen nach einer Einkehrmöglichkeit.

Ich entschied mich für Mittagspause in Zell am Harmersbach. Die schöne Altstadt anschauen und ein Eis essen, das war der grobe Plan. Inzwischen war es noch drückender geworden, aber der Himmel sah immer noch ok aus. Zumindest solange ich mit meinem Eisbecher beschäftigt war. Irgendwann wurde es ein bisschen kühler und ich guckte unter dem Sonnenschirm hervor und sah dunkle Wolken aufziehen.
Dunkle Wolken...
Zeit, Land zu gewinnen, ich wollte ja noch weiter.
Als ich dabei war mich anzuziehen, begann es zu tröpfeln.
Ok, dann gehen wir halt ins öffentliche WC, knöpfen das Futter in die Hose und fahren im Regen, was soll's. Während ich am knöpfen war, grollte es draußen.
Hm. War das Donner, oder was anderes?
Als ich wieder rauskam, hatte sich der Himmel deutlich verfinstert und ja, das war Donner!
Also doch besser Zuflucht im Café nehmen.

Kaum saß ich unter der Markise, als der Himmel seine Schleusen auch schon öffnete. Erst ein bisschen, und dann kam ein richtiger Platzregen herunter. Es donnerte, blitzte und schüttete wie verrückt.

Wasserfälle Allerheiligen
Gut, dass ich nicht weitergefahren bin. Als der Regen nachlies und sich das Gewitter verzog, bin ich dann Richtung Bad Peterstal-Griesbach aufgebrochen. Nicht ohne immer wieder ein Auge auf den Himmel zu richten. In die Richtung, in die ich fuhr, sah es nicht sehr vielversprechend aus. Ein Blitz... *einundzwanzig, zweiundzwanzig*... Hat es nun gedonnert, oder war das der Fahrtwind? Vor mir schlich ein Biker mit 40 km/h die Straße entlang und ich fuhr kurzerhand auf den Parkplatz eines Restaurants am Straßenrand. Falls es nun doch gleich wieder losgehen würde, könnte ich nach drinnen flüchten. Nach 5 Minuten und etlichen Motorradfahrern, die von oben kamen, oder nach oben fuhren, fuhr ich auch weiter. Wird schon passen.

Es hat dann auch nicht mehr gewittert oder geregnet.
Ich nahm die Straße nach Allerheiligen, um mir die Wasserfälle anzusehen. Das Schild hatte ich schon auf einer meiner früheren Touren entdeckt. Der Parkplatz war wetterbedingt leer und an dem Wasserfällen war entsprechend wenig los.

Die Straße war schon toll gewesen, kein Verkehr und ein sehr schöner Wald. Es war nur von unten nass, nicht von oben. Der Weg zu den Wasserfällen war fanstatisch. Es war unglaublich grün, der Wald sehr ursprünglich und es war ruhig. Man hörte nur das Rauschen des Wassers. Ein paar vereinzelte Leute kamen mir entgegen, ansonsten gab es nichts. Nur die zauberhafte Stimmung im Wald. Tief eingeschnitten verläuft der Weg entlang der Wasserfälle, die sich über mehrere Stufen herab ergießen.

Nebel stieg aus dem Wald auf, Wassertropfen glitzerten auf Gräsern und Zweigen.
Ein wahrhaftig magischer Ort.
Ich hätte dort Stunden mit fotografieren zubringen können.

Auf dem Weg zur B500
Die Wasserfälle waren lange Zeit völlig unzugägnglich und erst im 19. Jahrhundert mit Hilfe von Leitern und Durchstiegen erreichbar. Na, da hätte ich heute eine Freude gehabt, wenn es keinen richtigen Weg gegeben hätte. Wie eine Bergziege bewege ich mich nicht gerade in den Klamotten, eher wie ein gestrandetes Walross.
Da es in Zell schon 17 Uhr war, bis ich wieder loskam, war es wohl besser weiterzufahren, anstatt hier noch mehr Zeit zu verbringen.

Mein Weg bescherte mir einen weiteren Höhepunkt dieser Tour.
... das rechts ist Schnee, bäh!
Ich fuhr die Schwarzwaldpanoramastraße B500. Unterwegs hatte ich bereits großartige Ausblicke. Den wahren Höhepunkt hätte ich fast verpasst, denn ich war der Meinung, dass ich wohl am Mummelsee schon vorbeigekommen war, wohl ohne ihn zu bemerken. Auf einer Höhe stoppte ich, um Fotos zu machen.

Hoppla, da steht ja "Erlebniswelt Mummelsee".
Hm. Ist schon spät. aber wenn ich hier bin dann...
Also parken, Helm runter, Kamera in den Anschlag bringen und los geht's.

Der Mummelsee ist unglaublich!
Im spiegelglatten Wasser werden Himmel und Bäume reflektiert.
Der Mummelsee
Wenn man länger drauf schaut, wird man ganz wuschig im Kopf, weil das Gehirn nicht mehr auf die Reihe kriegt, was oben und was unten  ist. Müssen wohl die Mummeln sein, die einem dort einen Streich spielen... Hier komme ich definitiv nochmal hin, aber nicht an einem Wochenende und vielleicht auch nicht bei supertollem Wetter.
Die Buden und der Kinderspielplatz verheißen, dass es zu anderen Zeiten dort lebhafter zugeht, als heute.

Heute Abend konnte ich die Ruhe und Magie des Ortes genießen.
Mich in den Matsch knien und Fotos machen, oder ewig lange Wassertropfen fotografieren, die interessante Muster auf dem Wasser erzeugen.

Wasserspiele
Oder mir die unendlich vielen Spiegelungen von Wolken, Bäumen, dem Bootssteg und dem Hotel ansehen.
Es war wirklich einmalig schön dort!


Und der Blick Richtung Süden und über die Rheinebene war atemberaubend. In einigen Tälern stieg noch Nebel auf, die Sonne kam unter den Wolken hervor und die verschiedenen Höhenrücken zeichneten sich im Gegenlicht ab.

Jetzt hieß es aber wirklich Land gewinnen, wenn ich nicht im Dunkeln nach Hause kommen wollte.
Holzauge, sei wachsam!
Die Abzweigung nach Sasbachwalden und Achern bescherte mir ebenfalls noch einige wunderbare Blicke. Das Licht der tiefstehenden Sonne vergoldete die hellgrünen Schwarzwaldhügel und lies alles in einem herrlichen Licht strahlen.

Den Rest der Strecke fuhr ich auf der B3 nach Hause, denn jetzt sollte es doch schnell gehen. Unterwegs gab es noch ein tolles Abendrot und eine sommerlich-lange Dämmerung. Im letzten Licht fuhr ich auf den Hof. Das war wieder ein toller Tag!

1 Kommentar: