Samstag, 1. Oktober 2011

Erste mehrtägige Tour - Bodenseeraum - Allgäu

Nach drei Jahren habe ich mir endlich mal einen Urlaub gegönnt und mir einige Dinge vorgenommen.

Das  letzte Wochenende hatte ich mit meinen netten Dawanda-Kolleginnen in Sachsen-Anhalt auf Kalles Hof verbracht und mich schon etwas regeneriert. Der ursprüngliche Plan war eigentlich, dorthin mit dem Motorrad zu fahren, aber die Aussicht vielleicht 730 km allein im Regen fahren zu müssen, ließ mich dann doch auf die Bahn ausweichen. Allerdings hatte ich mich beim Bahnfahren mehr als dreimal  geärgert, nicht doch das Motorrad genommen zu haben, denn die Hinfahrt dauerte endlos lang aufgrund von Verspätungen und meiner eigenen Schusseligkeit und das Wetter war einfach nur super, sonnig, warm... naja... das nächste Mal dann.

Am Dienstag fuhr ich mit meinem neuen, wasserdichten Rucksack auf dem Rücken (schweineteures Teil... aber egal, ich brauchte sowieso einen neuen) Richtung Bodensee nach Unteruhldingen. Da ich bis spätestens 15 Uhr eingecheckt sein sollte, habe ich auf größere Extravaganzen verzichtet und bin ziemlich direkt durchgefahren.

Die Strecke am Bodensee entlang ist ja landschaftlich wunderschön, aber der Verkehr... gruselig.

Die ersten Kilometer auf der Hausstrecke über St. Peter und St. Märgen machte mir der Rucksack zu schaffen. Ich dachte, dass er mich nicht großartig stören würde (bin auch nicht erst Probe gefahren damit), aber das zusätzliche Gewicht auf dem Rücken machte sich beim Kurvenfahren bemerkbar, ich war irgendwie steif und unsicher und ärgerte mich erstmal über die Investition, ich habe ja noch eine Packrolle mit passenden Strippen zum verzurren.

Beim Rechtsabbiegen speziell nervte mich, dass ich nach hinten eingeschränkte Sicht hatte, aber das ließ sich durch festeres Anlegen des Rucksacks ändern.

In Unteruhldingen angekommen, habe ich mich erstmal "kurz" hingelegt und wollte eigentlich noch nach Ravensburg fahren. Aus "kurz" wurden dann fast 3 Stunden und ich habe mir alternativ das Pfahlbaumuseum angesehen. Die 45-minütige Führung war sehr interessant, vorher habe ich mir noch die Sonderausstellung über das Projekt "Leben in der Steinzeit" angesehen. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Sendungen, sie liefen 2004 im Fernsehen.

Am meisten beeindruckt und nachdenklich gemacht hat mich die Veränderung der Gesellschaft von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit. Mit der Entdeckung der Metallbearbeitung begannen die erste Kämpfe um Rohstoffe und zum ersten Mal wurden Waffen nicht für die Jagd, sondern gegen andere Menschen eingesetzt bzw. zu diesem Zweck hergestellt.

Was mich noch nachdenklich gemacht hat ist, dass der Führer erwähnte, dass die Menschen in der Steinzeit ergebnis- und nicht leistungsorientiert waren. Es war egal, ob Löcher in Steine bohren Tage dauerte, oder das Mahlen von Mehl für eine Mahlzeit 6 Stunden. Am Ende zählte das Ergebnis und wenn die Arbeit getan war, hatte der Mensch frei. Es wurde nicht auf Halde Müll und Mist produziert und ich denke, dass das Leben zwar hart, aber die Menschen zufriedener waren. Materieller Besitz macht nicht glücklich...

Der zweite Tag führte mich in Richtung Österreich, ich war in Dornbirn verabredet und wollte danach ein Stück auf der Deutschen Alpenstraße fahren.

In Österreich ist mir gleich was aufgefallen: Die Ampeln blinken, bevor sie auf Rot springen. Ich habe mich bei der ersten grünen, blinkenden Ampel gefragt, was das jetzt bedeuten soll. Außerdem habe ich die ganze Zeit geschwitzt, dass ich nicht versehentlich auf der Autobahn lande, denn ich wollte für den kurzen Ausflug nicht noch eine Vignette kaufen.

Von Dornbirn aus bin ich ein Stück zurückgefahren, natürlich nicht, ohne mich zu verfahren (trotz Straßenkarte...), irgendwann hatte ich dann endlich das richtige "Loch" gefunden und war auf einer superkleinen, supersteilen Straße in die richtige Richtung. Ehrlich gesagt bin ich wirklich froh, dass ich jetzt schon seit Wochen den Schwarzwald unsicher mache und weiß, was ich bei Steigungen und Gefälle zu tun habe und auch keine Angst mehr vor dem Kurvenfahren bergab habe. Diese kleine, hübsche Straße hatte nämlich 19 % Gefälle und die Steigung am Anfang muss auch in diesem Bereich gewesen sein. Dafür war ich mal wieder allein auf weiter Flur.

Es ging dann weiter auf der L21 durch Orte mit so schönen Namen wie "Hinterschweinhof" und "Vorderschweinhof"... Mein Weg führte mich weiter Richtung Weiler-Simmerberg und dann nach Oberreute und Oberstaufen, am Großen Alpsee vorbei ging es dann nach Immenstadt im Allgäu.

Vor dem Großen Alpsee warnten mich einige andere Motorradfahrer vor einer Radarkontrolle. Aber ich bin ja sowieso eine alte Trödlerin und fuhr nicht mehr als die erlaubten 80 km/h. Zuerst habe ich sowieso nicht kapiert, was die alle von mir wollten ;-)

In Immenstadt bog ich wieder auf kleinere Straßen ab und nahm den Weg nach Missen und Sibratshofen weiter nach Isny. Ich liebe kuriose Ortsnamen, diesmal ging es durch "Großholzleute" und "Kleinholzleute", bis jetzt hatte ich noch keinen Lachanfall auf dem Motorrad, aber kurz davor war es schon ein paar Mal. Gut, meine Mutmaßung ist, dass mit dem "Holz" der Wald gemeint ist und die einen eben mehr und die anderen weniger hatten. Wobei "Leute" auch eine andere Bedeutung haben könnte, das müsste man recherchieren. Lustig ist es auf jeden Fall.

In Isny machte ich dann mal wieder Pause, nicht ohne sinnlose 50 Cent in eine nicht funktioniernende Parkuhr zu werfen, wobei ich an den Loriot-Sketch mit der Politesse denken musste "... die Münze in den für den Münzeinwurf vorgesehenen Münzschlitz..." Isny war der "Wendepunkt" meiner Tour, es ging von dort über Kißleg, Weingarten und Ravensburg wieder zurück an den Bodensee.

Am Donnerstag ging es dann wieder zurück nach Freiburg, leider. Am liebsten hätte ich die ganze Woche dort verbracht.

Leider war es auf der Rückfahrt nicht nur am See auf weiten Strecken neblig. Ich hatte eigentlich vor, ein wenig im Schwäbischen herumzufahren und mir die Landschaft anzusehen, Kloster Beuron zu  besuchen usw. Es war aber viel zu neblig für Landschaft und außerdem unangenehm feuchtkalt, so dass ich auf den Abstecher verzichtete und über Pfullendorf und Meßkirch Richtung Tuttlingen durchfuhr. Das war wirklich schade, aber bei Sichtweiten unter 100 m macht`s nicht wirklich Spaß.

In Donaueschingen machte ich in der Hoffnung, dass sich der Nebel auflösen würde, länger Pause, aber es wurde nicht wirklich besser. Erst ca. 10 km hinter Donaueschingen riss es auf und wurde sonnig.

Und dann... wurde ich mit einer grandiosen Strecke durch ein wunderschönes Tal belohnt! Ich habe keine Ahnung, wie das Tal heißt, die Orte, durch die ich durchkam hießen Zindelstein, Schwarzbuben, Hammereisenbach und Urach. Hier stimmte einfach alles! Sonne, Herbstlaub, Wildbach... und eine - zumindest im ersten Teil - supergute Straße, auf der ich die meiste Zeit völlig allein war. Da muss ich unbedingt nochmal hinfahren!

Freiburg begrüßte mich papstfrei mit strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Als Dank für die schöne Tour habe ich mein Bike geputzt... also ein bisschen ;-)

Ich habe nicht so genau geschaut, wieviele Kilometer das waren, aber so um die 700 dürften es schon gewesen sein.

Diesmal gibt es nur die Karte von der Allgäu-Tour, der Bericht von meiner heutigen Tour durch das Feldberggebiet und die Karte folgen.

Kommentare:

  1. Du kommst ja wirklich rum, tolle Tour und auch das Museum sieht interessant aus!
    Du machst doch auch Steinzeit:
    Der Weg ist das Ziel :)
    Die Ergebnisorientierung dabei ist das heile zurückkommen....
    Pausengrüße :)))

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  2. Das Museum ist total klasse, und schon alleine für sich eine Reise wert. Der See hat`s mir total angetan *seufz*

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  3. großartig und super geschrieben, ich fahre direkt mit---solltest Du das Gefühl haben, während der tour, ein Sozius zu haben-----hehe das bin ich---

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