Freitag, 14. Oktober 2011

Bikerglück im Nordschwarzwald - 286 km

Für heute hatte ich mir eine Tour in Richtung Nordschwarzwald vorgenommen. Wie Ihr ja vor einigen Wochen gelesen habt, war ich in der Gegend schon mal unterwegs, allerdings war die Tour unter verschiedenen Aspekten nicht gerade das, was man gelungen nennt.

Nachdem es die letzten Tage viel geregnet hatte, dachte ich mir, dass ich die kleinen und womöglich vom Laub glitschigen Straßen heute eher meiden wollte und habe mir meine Strecke entsprechen zusammengestellt. Außerdem verhieß der Wetterbericht für die höheren Gebiete des Schwarzwalds Temperaturen im einstelligen Bereich, das wollte ich dann auch nicht unbedingt ausprobieren.

Der erste Teil verlief auf den großen Bundesstraßen über Waldkirch und Elzach in Richtung Freudenstadt.

Da ich erst gegen Mittag und ohne großartiges Essen aufgebrochen war, machte ich relativ bald Rast in Vorderlehengericht bei Schiltach. Im Gasthof "Zum Pflug" war ich in dieser Saison bereits zweimal, einmal auf der heißen Höllentour im August und einmal im September. Beide Male konnte man da prima draußen sitzen. Heute... heute war ich froh, in einen geheizten Raum zu kommen.

Innen im Gasthof ist es richtig urig-gemütlich und die Wirtsleute sind total nett, ich habe schon angekündigt, dass ich spätestens in der nächsten Saison wieder reinschneien werde. Vielleicht ja auch mal mit Verstärkung (*wink* Herr L. aus F.! Diese Saison wird`s nix mehr mit zusammen fahren...).

Als ich mich vor meinem Aufbruch angezogen habe, fühlte ich mich wie ein Astronaut, dick eingepackt und recht unbeweglich, sogar das Fleecetuch war heute statt dem dünnen Tuch dabei. Heute waren sowohl in der Hose, als auch in der Jacke die winddichten Membranen drin und ich bin froh, dass ich sie drin hatte!

Die Sonne ist ja noch recht warm, aber im Schatten wurde es beim fahren frisch und teilweise - vor allem gegen Ende sehr frisch. Ich muss mal gucken, wo meine Angoraunterhose ist (im Ernst!) oder morgen das Wärmefutter einzippen und ich werde mir irgendwo noch nette Thermowäsche kaufen gehen, denn im Frühjahr kann es ja noch empfindlich kühl sein. Wie ich mich kenne, werde ich mich bei den ersten Sonnenstrahlen aufs Motorrad setzen wollen.

Von Schiltach aus ging es weiter Richtung Freudenstadt, der Verkehr war freitagsmäßig nicht gerade wenig. In der Gegend gibt es viel Holzwirtschaft und entsprechend viele LKWs kurven dort herum. Das ist aber alles nicht weiter schlimm, weil die Straßen sehr gut ausgebaut sind und man nicht in jeder Kurve sorgen haben muss, am nächsten LKW zu hängen, der kaum um die Ecke passt.

Ich muss sagen, dass der Norschwarzwald durchaus eine Menge eigener Reize hat und ich mir schon einige Ecken zum genauern "erfahren" für die nächste Saison vorgemerkt habe.

Ja, und heute war noch etwas besonderes.

Ich bin hier losgefahren und schon nach recht kurzer Zeit merkte ich, dass ich zum ersten Mal richtig eins mit dem Bike war.

Ich bin heute gefahren, als ob ich nie etwas anderes gemacht hätte, ohne nachzudenken, alles lief wie von selbst. Schalten ohne Rucken rauf- und runter (und vor allem richtig zackig), Kurven zügig und mit ordentlich Schräglage und ich hatte kein einziges Mal diesen Moment, wo ich dachte "oh, das war vielleicht doch zu schnell/langsam". Ich hatte keine Angst vor Unebenheiten in den Kurven, vor Dreck, Splitt oder sonstwas, es lief einfach.

Ich sage Euch, so euphorisch war ich beim fahren noch nie vorher! Naja, ok, nach meiner ersten Überlandtour in der Fahrschule war es ähnlich, aber da war ich eher froh, dass ich das überlebt hatte ;-)

Hinter Freudenstadt bin ich weiter in Richtung Baiersbronn gefahren, ich dachte kurz drüber nach, heute noch Kulturprogramm mitzunehmen und mir das Kloster anzusehen, der Blick auf die Uhrzeit mahnte aber zum zügigen weiterfahren.

Hinter Beiersbronn bin ich dann durch das Murgtal gefahren und das war einfach nur wunderschön! Schwarzwaldromantik vom feinsten (naja, den Verkehr jetzt mal abgezogen), eine wahnsinnig schöne Landschaft, Herbstlaub, Sonnenschein (zumindest auf der Seite, auf der ich NICHT gefahren bin...)...

Das Murgtal ist relativ breit und recht tief eingeschnitten, links und rechts hat man immer wieder spektakuläre Blicke auf Felsen, den Herbstwald und in das eine oder andere Seitental. Ich kam auch am Straßenschild zur Roten Lache vorbei...

Bis jetzt kenne ich sie nur vom Hörensagen, es soll eine sehr anspruchsvolle Strecke mit den gefürchteten "Hundekurven" sein. Für Nicht-Biker: eine Hundekurve ist eine Kurve, die mittendrin enger wird (zumacht), also einen während dem Durchfahren zu bestimmten Fahrmanövern (drücken) zwingt.

Das heb ich mir mal für die nächste Saison auf.

Das Murgtal ist ein Kurvenparadies der eher gemütlichen Sorte (finde ich zumindest), man kann hier ganz gut flott fahren, die Straße ist relativ gut und auch nicht eng und unübersichtlich.

Allerdings hatte ich heute ab der Mitte meiner Tour ziemliche Probleme mit meiner Kupplungshand. Ich weiß nicht, ob das von den niedrigeren Temperaturen kam, denn meine Hände waren zwar kühl, aber nicht kalt und auch sonst fühlte ich mich ganz wohl in meinen Klamotten. Vorher hatte ich das in der Form noch nie, aber der Körper denkt sich ja immer wieder was neues aus, womit er einen überraschen könnte und noch bin ich nicht bei "jedem Wetter" gefahren.

Gut, in Schnee und Eis lasse ich sogar mein Fahrrad stehen und gehe lieber zu Fuß und mein Moped hat sowieso ein Saisonkennzeichen, aber davon abgesehen bin ich bis jetzt eben nur bei mehr oder weniger warmen Wetter länger unterwegs gewesen. Mal sehen, wie das nächste Saison wird.

Ich habe immer wieder Ausschau gehalten nach einer weiteren Einkehrmöglichkeit, aber irgendwie sprach mich unterwegs nichts richtig an. Also ging es flott weiter Richtung Gaggenau und dann nach Kuppenheim.

Der ursprüngliche Plan war, in der Rheinebene gemütlich weiter Richtung Freiburg zu fahren, aber es war bereits 17 Uhr und ich wollte nicht unbedingt im Dunkeln nach Hause fahren.

Meine Nachtfahrt in der Fahrschule hat mich ein bisschen "traumatisiert". Wir sind damals nach einem Tag, an dem es nur geschüttet hatte, in Richtung St. Peter gefahren, und ich wurde in der Dunkelheit um meine erste Spitzkehre gescheucht und viel gesehen habe ich auch nicht. Die Straße war dreckig und nass und stellenweise hatte es Bodennebel...

Ich habe zwar eine Brille, aber in der Dämmerung und Dunkelheit bin ich selbst auf dem Fahrrad nicht sonderlich schnell. Nun ja, seitdem finde ich den Gedanken im Schein meiner Motorradfunzel auf irgendwelchen obskuren Straßen, die ich nicht kenne, herumzufahren, nicht sonderlich reizvoll.

Ich bin noch ein bisschen Richtung Kehl gefahren, aber irgendwann mit sinkendem Sonnenstand dann auf die B3 in Richtung Heimat gewechselt.

Puh... die Kupplungshand machte mir da immer mehr zu schaffen und bei jedem Verkehrskreisel habe ich mich schon vor dem Hochschalten dahinter gegraust. Auf geraden Strecken baumelte die linke Hand immer mal runter und ich habe versucht, sie zu entspannen und zu dehnen.

Naja... und viel zu wenig gegessen hatte ich auch, was mir leichte Schwächegefühle bescherte, weshalb ich in Friesenheim kurz rechts ranfuhr, um schnell einen nicht allzu leckeren Fruchtriegel in mich zu stopfen und etwas Wasser zu trinken, denn meine Konzentration litt irgendwann ebenfalls unter der Kombination von Unterzuckerung und niedrigen Temperaturen.

Es ist keine gute Idee, 4,5 Stunden am Stück durchzufahren, aber nur die Harten kommen in den Garten, nicht wahr?

Zuhause angekommen hat mich der Tachostand erfreut, denn es fehlen nur noch 51 km, dann steht er auf 10.000 km und ich bin jetzt schon über 4000 km mit meinem Schätzchen gefahren. Damit steht in der neuen Saison recht rasch die 12.000er-Inspektion an. Ich bin wirklich gespannt, wieviele Kilometer es im nächsten Jahr werden und ob man mich in der nächsten Saison noch woanders, als auf dem Motorrad antreffen wird.

Wer selbst nicht fährt, wird sich jetzt vermutlich ein wenig an den Kopf greifen, denn unterwegs habe ich den Tank von meinem Möpi gestreichelt, wie jemand anderes sein Pferd und ihr gesagt, dass ich sie im Winter ganz furchtbar vermissen werde.

Im Lauf der Zeit kommt man sich eben doch sehr nah ;-)

Die Landkarte wie immer: google-maps.

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