Sonntag, 7. April 2019

Ein Fest für alle Sinne - Eine Woche Madeira

Oh, island in the sun
Willed to me by my father's hand
All my days I will sing in praise
Of your forest, waters,
Your shining sand... (Island in the Sun - Harry Belafonte)

15.3.2019 Anreise Freiburg - Funchal

Abendstimmung hinter Funchal
Eins vorweg: Mir ist eine meiner Speicherkarten im Urlaub abgeraucht, 4 Tage Urlaubsbilder sind
weg, unter anderem die von der Delfinsafari. Es mischen sich hier gute Fotos von der DSLR mit schlechten Fotos vom Handy.

Endlich, endlich ist der ersehnte erste Urlaubstag da! Nachdem ich tags zuvor noch Stunden in der Warteschleife meines Reiseanbieters verbracht hatte, um herauszufinden, wie ich meinen Rückflug bestätigen bzw. dafür einchecken kann, war es nun so weit. Meine Rucksäcke hatte ich gepackt, Essen dabei, weil's im Flieger nichts gibt, Bus gebucht, Bude aufgeräumt... Schon die ganzen letzten Tage davor hatte ich mich nicht sonderlich fit gefühlt, müde, energielos. Ich schob das darauf, dass ich seit Januar ein heftiges Dauerprogramm hatte mit vielen Treffen, Kursterminen, massig Sport, Ausbildung und und.

Am Freitag stand ich gut gelaunt auf, frühstückte und tat die letzten Handgriffe. Kaum war ich aus
dem Haus, setzten grausige Kopfschmerzen ein und ich fühlte mich, als ob ich eine Grippe bekommen würde. Na toll, perfektes Timing! Urlaub und krank geht bei mir ja schon fast automatisch Hand in Hand. Bis ich in der überfüllten Bahn bis zum Bahnhof gefahren war, hatten die Kopfschmerzen Migränestärke erreicht und ich konnte kaum noch die Augen offen halten. Zum Glück half mir ein Kaffee etwas und nahm die schlimmsten Schmerzen raus. Im Bus nach Basel fror und schwitzte ich schon abwechselnd, natürlich nichts dabei, kein Ibu, keine Aspirin. Das kann ja heiter werden!

In Basel gehe ich rasch zum Schalter, um meinen Rucksack aufzugeben und dann zum Sicherheitsballett. Das kennt man ja schon: Jacke aus, Hemd aus, Gürtel raus, Stiefel aus, alles aus dem Rucksack kramen, in Bottiche stecken, durch die Sperre gehen.
Ich bin gerade durch, als es hinter mir Unruhe gibt.
Meine Box mit Rohkost?
Mein Bananenbrot?
Nein.

Marina Funchal
Eine Dame bedenkt mich mit strengstem Blick und zieht zwei verschlossene Joghurts aus meinem Beutel "C'est á vous???" Ja, ist mein Joghurt. Man bedeutet mir, dass das gaaaaaanz streng verboten ist! Joghurt ist ja für seine extrem explosiven Qualitäten bekannt! Damit kann man 1a-Bomben bauen! Entweder darf ich jetzt mit allem Kram und Joghurt nochmal rausgehen und den Joghurt vor der Sperre essen, oder er muss vernichtet werden (Massenvernichtungswaffe Joghurt! Molkereien sind eigentlich Horte des Terrors!). Nein, hier drinnen dürfte ich ihn auf gar keinen Fall essen! Ist ja voll gefährlich! Ich könnte explodieren! Das Phänomen der spontanen Menschenexplosion nach Joghurtverzehr ist ja allgemein bekannt.
Oh Mann.
Also weg mit dem Joghurt.
Natürlich werden meine restlichen Essenssachen fünf Mal intensivst gescannt, ob es nicht doch Sprengstoff sein könnte, statt Haferflocken, oder Rohrbomben statt Karotten.
Ich fass es nicht.
Jetzt bin ich also Terroristin!

Blick über Funchal
Im Flieger kuschele ich mich mit meiner Daunenjacke ein und versuche zu schlafen. Mir gelingt das auch ganz gut, als ich mal kurz aufwache und rausgucke, sind wir schon über den spanischen Pyrenäen und mein Kopfweh ist deutlich besser. Auf der Flugzeugtoilette sehe ich im Spiegel, dass ich wirklich krank aussehe. Rote, glasige Augen, fleckige Haut.


Als wir in Funchal landen, fühle ich mich immer noch krank, aber nicht mehr komplett elend. Schon beim Landeanflug bekommt man ein paar erste, schöne Eindrücke der Insel. Jetzt erstmal Gepäck einsammeln. Mein Rucksack liegt am Platz für "odd and oversized luggage" und zwar einfach hingeschmissen. Soviel zu "Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!" Mir fällt auf, dass er komisch riecht, irgendwie krautig.


Prothea
Ich gehe aus der Halle raus und zum Treffpunkt für meinen Transfer. Es ist ein bisschen wie auf Mallorca, alle quatschen einen Deutsch an. Wir werden eingesammelt und ich bekomme den ersten Eindruck der Straßen auf Madeira. Sie sind nie gerade. Sie sind nie eben. Sie gehen übereinander, nebeneinander, kreuz und quer, große Straßen, kleine Straßen, enge Straßen, breite Straßen. Auf der rund 20-minütigen Fahrt kann ich mich bereits etwas entspannen und fühle mich nicht mehr ganz so mistig.

Das Hotel war auch eine gute Wahl. Nach dem Debakel letztes Jahr auf Mallorca hatte ich diesmal
genau auf die Bewertungen im Netz geschaut und da ich mit einem absolutem Frühbucherpreis dabei war, ein 4-Sterne-Hotel genommen. Sowas mache ich ja nie, aber diesmal eben doch. Dort angekomme stiefele ich zur Rezeption, bekomme Zugangskarte, WLAN-Schlüssel und noch ein paar Anweisungen und Informationen.

Malerisches Monte
Das Zimmer ist dann wirklich toll! Ich lebe daheim ja eher bescheiden und im Sommer schlafe ich im Zelt. Hier habe ich ein echt großes Zimmer mit Balkon und einem riesigen Bad für mich allein. Es gibt sogar einen Teekocher und diverse Tees zur Auswahl. Der komische Geruch meines Rucksacks erklärt sich dann auch. Zuhause hatte ich noch eine Creme zusammengerührt aus Aloe und Hanföl. Leider war das Glasgefäß keine gute Idee, das ist nämlich zerbrochen und meine Creme im Waschbeutel verschmiert inklusive Splittern. Naja, was soll's. Ich kann den Geruch von dem Hanfzeug eh nicht gut ab, also weg damit. Vermutlich ist der Drogenhund noch über meinen Rucksack rüber, weshalb er in der Ecke für "odd luggage" lag.

Nach der stundenlangen Anreise möchte ich mich noch etwas bewegen und laufe ein Stück die Promenade entlang Richtung Sonnenuntergang. Es ist angenehm mild und das Laufen tut mir gut. Unterwegs begegenen mir einige Katzen, manche sind scheu, andere kommen fröhlich schwatzend auf mich zugelaufen und lassen sich streicheln. Ich denke mal, dass die meisten Katzen, die ich gesehen habe, wild oder halbwild waren bzw. keinen festen Dosenöffner hatten. Ich habe aber oft gesehen, dass sie gefüttert wurden.

Auf dem Rückweg pfeift eine Frau ein paar Mal und eine rote Katze kommt gelaufen. Die Frau packt aus einer Tüte Futter aus und gibt der Katze davon. Eine Katzeninsel also, wie schön! Ich laufe am Hotel vorbei noch ein Stück weiter, lasse es dann aber gut sein. Ich bin total fertig und will nur noch schlafen. Um 20 Uhr liege ich im Bett und schlafe bis zum nächsten Morgen mehr oder weniger durch.

16.3.2019 Funchal - Monte - Funchal

Monte
Erstkontakt mit dem Frühstücksraum: Ich senke den Altersschnitt um locker 15 Jahre, es gibt alles, wirklich ALLES inkl. glutenfrei und laktosefrei und es ist ganz gut voll hier. Eigentlich merkt man nur im Speisesaal, wie groß das Hotel ist. Ich glaube, es sind 15 Stockwerke in dem einen Gebäude, ich bin im 11. Stock und habe eine ziemlich tolle Sicht Richtung Meer und Funchal.

Nach einem ausgiebigen Frühstück bekomme ich noch ein paar Informationen und Anweisungen von der Reiseleitung und mache ich mich auf den Weg Richtung Funchal. Es ist ein Stück zu laufen, aber die Bewegung, die frische Atlantikluft und die Sonne tun mir gut. Außerdem ist es eine gute Art, ein Feeling für den Ort zu bekommen. Da ich mich nach wie vor nicht wirklich fit fühle, lasse ich es heute langsam angehen und habe mir vorgenommen, mit der Seilbahn nach Monte zu fahren. Unterwegs buche ich für Sonntag gleich noch einen Ausflug aufs Meer inklusive Delfin- und Walbeobachtung.

Über drölfmillionendreihunderfünfundneunzig Stufen musst Du gehn...
Als ich an der Seilbahnstation ankomme, ist da schon eine ganz schöne Schlange. Ich beschließe, nur den Hinweg zu buchen und oben weiter zu entscheiden, wie ich runter komme. Auf der Promenade sind einige Fitnessgeräte aufgebaut, ein bisschen wie ein Mini-Venice-Beach. Eine junge Frau, die aussieht wie aus der Freeletics-Werbung, trainiert mit Personal Trainer. Meine Güte... von dieser Performance bin ich Meilen entfernt! Während ich in der Schlange warte, kommentieren diverse Menschen um mich herum das Geschehen an den Fitnessgeräten. Bei einigen denke ich mir "euch würde mehr Bewegung auch nicht schlecht tun...".

Unten war es ganz schön warm, weshalb ich meine Hosenbeine abgezipppt hatte und nur noch im T-Shirt war. Zum Glück hatte ich einen Pullover dabei. Monte liegt auf 500 Metern und da war es dann schon kühler. Bevor die Seilbahn nach oben schwebt, wird man von einer Dame genötigt, in die Kamera zu lächeln. Die Fotos kann man dann später oben kaufen. Nö. Bei sowas streike ich und mache ein extra unlustiges Gesicht.

Wir schweben langsam nach oben und man hat wirklich tolle Ausblicke über Funchal und in die umliegende Natur. Oben in Monte werde ich dann angesprochen, ob ich das Foto kaufen will. Nö, will ich nicht. Ich will nur meine Jacke anziehen und die Hosenbeine anzippen. Brrrr. Die Windjacke oder die Daunenjacke wäre auch nicht schlecht gewesen. Im Moment hängen einige Wolken vor der Sonne und der Wind ist leicht unangenehm. Ich entscheide mich gegen den Besuch des "Monte Palace Garden", 12.50 muss echt nicht sein.

 Dafür laufe ich etwas in Monte herum, entdecke noch einen kleinen, kostenlosen Garten mit allerlei interessanten tropischen Pflanzen. Dann schaue ich noch den Leuten zu, die sich im Korbschlitten nach unten fahren lassen. Früher (habe ich gelesen) haben sich die Reichen in Hängematten und Sänften nach oben tragen lassen, mit den Korbschlitten hat man Dinge transportiert, oder hat sich ins Tal kutschieren lassen. Ich finde, dass ich noch nicht alt genug für diese Form des Transports bin und belasse es bei Fotos (leider auf der kaputten Karte). Dann gehe ich in Richtung der anderen Seilbahn, die nach unten zum Botanischen Garten führt. Davor mache ich noch Halt in einem Café und trinke Kaffee und Wasser. Ich habe nichts dabei, aber hungrig bin ich nicht, was trinken ist aber keine schlechte Idee. Oben an dem Weg habe ich ein Schild entdeckt "Bom Successo" (Viel Erfolg) und 3,4 km stand drauf. Ich gleiche das mit meiner Wanderkarte ab und entscheide mich, nach unten zu laufen. 3,4 km ist gemütlicher Spaziergang, das sollte zu schaffen sein, auch in leicht unfittem Zustand.

Nachbau der Santa Maria
Nach Kaffee und Wasser laufe ich los. Zuerst geht der Weg recht nett am Hang entlang, ich mache noch einen Abstecher zu einerm Aussichtspunkt an dem ein schlafender Hund liegt. Da man die bekanntlich nicht wecken soll, belasse ich es beim herunterschauen und mache mich wieder auf den Weg zu meinem eigentlichen Pfad. Leider beginnen jetzt Treppen. Ich habe im Lauf des Urlaubs die Treppen echt zu hassen gelernt. Diese Treppen hier sind in seltsamen Abständen, mal steil, mal weniger steil, aber immer so, dass man nie einen natürlichen Gehrhythmus hat. Ich gehe immer mit dem gleichen Bein voraus, oder muss kleine Trippelschritte machen, damit auch mal das andere dran ist. Das wird bald anstrengender als gedacht.

Nationalblume Strelitzie
Als ich weiter unten bin, wird der Weg ebener und führt irgendwann an einer Levada entlang. Man muss aber schon ganz gut aufpassen, wo man hintritt, denn rechts geht es steil runter und zum Teil ist die Mauer schmal. An einer Stelle sind zwei niedliche Zicklein, die immer auf den Weg und vom Weg springen. Die Touristen vor mir und ich machen einige Fotos von dem lustigen Treiben. Irgendwann ist der Weg zuende und ich lande auf einer Straße neben der Bar "Bom Successo". Hier kommt mir jetzt meine Wander-App "komoot" zugute, die ich mir vor einiger Zeit installiert hatte. Ich lasse meine Position suchen und gebe als Ziel Funchal Innenstadt ein. So bin ich noch nie herumgelaufen, aber die App bringt mich rasch durch diverse kleine Gassen und ohne dass ich auf irgendwelchen Straßen herumlaufen muss, nach unten. Bald bin ich am Rand der Altstadt gelandet. Ich finde einen Supermarkt und mache ein paar Einkäufe.

Für heute reicht es mir an Aktivität. Ich laufe noch zum Hotel zurück und lege dort die Beine hoch. Bald bin ich eingeschlafen, obwohl es noch früh am Abend ist, aber was auch immer ich aus Deutschland mitgebracht habe, steckt mir in den Knochen.

17.3.2019 Funchal - Whale Watching - Altstadt Funchal

Nirgendwo ist man vor ihm sicher!
Für heute vormittag habe ich eine Whale Watching-Tour gebucht und freue mich schon wie Schnitzel auf den Ausflug. Ich soll um 10 Uhr da sein, bin aber schon viel früher dort und sitze noch etwas im Hafen herum, schaue einem Schwarm silbriger Fische zu und begebe mich irgendwann zum Schalter meines Anbieters zurück. Dort ist inzwischen eine ziemlich große und laute Gruppe aus Schwaben gelandet. Die Herrschaften diskutieren lautstark über alles und jedes und krakeelen auch ziemlich herum. Sie passen prima zum Eindruck den ich von den Touristen auf Madeira bekomme: Altersschnitt 68 plus. Natürlich alle mit den neuesten Funktionsjacken bekleidet, die Damen tadellos onduliert und die Herren mit Plautze und Glatze. Vielleicht sind sie sogar im gleichen Hotel wie ich. Ja, Madeira kann an einigen Stellen tatsächlich der Vorgeschmack aufs Altenheim sein!

Überhaupt: Touristen. Sehr interessant sind die verschiedenen Nationalitäten. Die Deutschen meist in
der totalen Outdoorausrüstung inklusive Meindl-Stiefel (ok, ich habe auch welche...), Trekkingstöcke (habe ich auch...). Die Briten sieht man in zwei Varianten: Einmal die Sorte im karierten Anzug mit Spazierstock, die Damen im passenden Konstüm oder aber die Sorte, von denen ich annehme, dass sie beim buchen der Reise nur bis "Ma.." gelesen haben und jetzt den Ballermann suchen und die Butzen mit dem billigen Alkohol. Finnen sehen immer aus wie aus einem Kaurismäki-Film: Bleichstengelige Gewächse mit einer klirrenden Supermarkttüte, den Alkohol vom Abend noch im Gesicht (sorry, Finnen...). Franzosen laufen schon mal gerne mittags mit der offenen Rotweinflasche in der Hand durch die Stadt und sind meist recht lautstark. Russen gibt es auch, aber die fielen mir eher nicht so auf, am ehesten noch damit, dass sie ihre Kinder beiderlei Geschlechts gern in glitzernde oder schrille Klamotten stecken. Mädchen sind IMMER rosa gekleidet! In meinem Hotel sind auch recht viele Niederländer, die aber sonst nicht groß auffallen.

Cabo Girão
An den Aufschriften auf Immobiliengeschäften kann man sehr gut sehen, wer hier Klientel ist: Deutsche, Briten, Russen. Zwischendrin versprengt sind ein paar Asiaten, die mit großen Augen über die Insel laufen. Am auffälligsten ist aber, dass die meisten Touristen im Rentenalter sind und viele Angebote auch auf diese Altersgruppe abzielen. Bei Tourismusangeboten: Die gleichen Länder, plus Gesamt-Skandinavien. Übrigens liebe ich die Reisebusse mit finnischer Aufschrift, wenn ich die Worte dieser Sprache lese, muss ich immer lachen. Kleiner Exkurs: Ich habe finnischen EBM für mich entdeckt mit "Oldschool Union", die Sprache und die Musik gehen bestens zusammen.

Parque Santa Katarina
Endlich dürfen wir zum Katamaranboot laufen. Der Weg ist ca. 500 m lang und man muss ein paar Treppen hoch und wieder runter, was von den Schwaben ausführlich kommentiert wird. Dann sind wir auf dem Boot. Ich entscheide mich, oben zu bleiben und setze mich auf einen freien Platz. Zu mir schart sich eine schweizer Reisegesellschaft. Hier die Herrschaften in der Bekleidung ihres Reiseanbieters (WTF?) und auch hier ist das Durchschnittsalter so, dass man Bedenken haben muss, ob sie diese Fahrt überleben. Einzig eine recht korpulente in Glitzershirt bekleidete Dame ist etwas jünger, dafür umso lauter. Das Ganze gleicht irgendwie einer Kaffeefahrt aufs Meer, nach dem Motto "müssen wir auch noch machen und Rheumadecken kaufen!" Eine Liedzeile von Foyer des Arts spukte mir immer wieder im Kopf herum, leider ist mir entfallen, wie das Lied heißt. Die Zeile aber geht so "Es sprach der Zwieback zur Weinbergschnecke, es tut sich was unter der Rheumadecke..."

Wir entdecken bald die erste Gruppe Delfine, es sind die kleinen, schwarz-weiß-gelben
Streifendelfine, die ich auch auf den Azoren gesehen hatte. Hier kommen sie allerdings sehr viel näher ans Boot und sie haben auch niedliche Jungtiere dabei. Nach 10 Minuten verlassen wir diese Gruppe und fahren weiter. Bald entdecken wir eine weitere Gruppe, diesmal sind es "Gemeine Delfine", sie sind etwas größer und teilen sich mit den Möven, die auf dem Wasser schaukeln, die Beute. Die Delfine scheuchen Fische auf und treiben sie zusammen, die Möven sind dann die "faulen" Nutznießer dieser Situation und bekommen ihr Essen quasi mundgerecht serviert.

Bald verlassen wir auch diese Gruppe, da die Besuchszeit auf maximale 10 Minuten begrenzt ist, um die Tiere nicht zu stressen. Die dritte Delfinart, die wir dann noch sehen sind die Großen Tümmler. Die schwimmen eher langsamer und kommen auch sehr nah ans Boot, begleiten uns und man kann sie immer wieder auftauchen sehen. Leider gibt's auch diesmal keine Wale. Was ich bei dem Ausflug noch vermisst habe, waren etwas mehr Erklärungen zu den Tieren. Auf den Azoren war eine Meeresbiologin mit auf dem Schiff und hat sehr viel zu den einzelnen Arten und ihren Gewohnheiten erklärt. Das hat mir hier gefehlt.

Bald drehen wir wieder Richtung Land, machen noch einen Abstecher zum Cabo Girão, der
Curral das Freiras
(angeblich) höchsten Steilklippe der Welt. Der Ort wurde zu einem Aussichtspunkt ausgebaut. Ebenso sieht man eine kleine Seilbahn, die die Faja hinter dem Strand ansteuert. Die Fajas sind unterhalb der Steilklippen gelegene Felder, auf denen Obst und Gemüse angebaut wird. Da es an diesen Stellen oft ein tropisches Mikroklima gibt, wachsen dort auch Mangos und Papaya. Früher konnte man diese Stellen nur mit kleinen Fischerbooten erreichen, oder indem man sich am Seil an der Klippe herabließ, heute erledigt das die Seilbahn. Seilbahnen gibt es übrigens etliche auf Madeira und man darf sie auch alle als Tourist benutzen. Hinter Cabo Girão gib es noch einen gläsernen Aufzug, der Touristen und Bauern nach unten oder oben bringt. Es geht hier auch ein paar hundert Meter runter, also nichts für schwache Nerven.

Gegen 13:30 Uhr legen wir wieder in Funchal an und ich beschließe, die Altstadt ein wenig zu erkunden. Ich laufe durch die Rua Santa Maria mit ihren bunt bemalten Holztüren. Die Malereien reichen von naiv bis sehr kunstvoll. An Motiven ist auch alles dabei von skurril über religiös bis abstrakt. Leider sind auch diese Fotos auf der abgerauchten Karte.

Was mich allerdings ziemlich nervt ist, dass es hier sehr voll ist. In der Straße ist quasi ein Restaurant neben dem anderen und man kann nicht in Ruhe Bilder machen, ohne ständig angesprochen zu werden, ob man nicht etwas essen will. Ich mag das einfach nicht, weshalb ich recht grimmig an einer besonders aufdringlichen Dame vorbei spaziere, die mir dann noch allerlei Kommentare hinterher schickt, die ich ignoriere. Ich mein, wenn ich Bilder machen will, mache ich Bilder, wenn ich essen will, esse ich. Punkt.


Da mir das zunehmende Getümmel auf die Nerven geht, laufe ich weiter Richtung Hotel. An einem Platz, den ich gestern schon gesehen habe, biege ich ab und will mich erst in die erste Bar setzen. Doch ich entscheide mich dagegen, weil es mir doch nicht gefällt und gehe ein paar Schritte weiter zu einem anderen Platz. Dort sieht es gemütlicher aus. Eine Sprachschule macht mit einem lustigen Fake-Donald-Trump-Schild Werbung für Englischkurse. Ich setze mich und sogleich kommt ein Kellner auf mich zugestürmt, ob ich die Karte möchte. Ich erkläre, dass ich nur was trinken und maximal eine Kleinigkeit essen möchte. Er erklärt mir, dass auf den kleinen Auslagekarten keine Preise sind. Also gut. Ich frage nach grünem Tee und er zeigt mir die Teekarte. Ha, perfekt! Sie haben  Cha Goreana von den Azoren. Der Kellner kommt nochmal an meinem Tisch vorbei und spricht mich auf mein neues Tattoo an, ob das frisch sei und dass er es "kooky" findet.
Tja.
I'm a kook, that's why my tattoo is kooky!

Flaschenputzerbaum
Dieser Kellner flirtet ganz ungeniert mit mir und ich finde es lustig. Das passiert mir in Deutschland nie. Über 50 bist du als Frau ja unsichtbar und die meisten deutschen Männer sind sowas von unentspannt und verkrampft. Wobei ich gestehen muss, dass ich ganz gerne unsichtbar bin, weil das einfach entspannend ist. Ja, jedenfalls werde ich hier angeflirtet und finde überhaupt den entspannten Umgang mit und zwischen den Menschen sehr angenehm. Alles läuft hier gemütlicher ab, die Busfahrer halten ein Schwätzchen, wenn der Kollege entgegenkommt, oder an der Baustelle jemand steht, den sie kennen. Im Herbst werde ich einen Crashkurs Portugiesisch belegen, um mein Hörverständnis zu schulen und auch den einen oder anderen Satz sagen zu können. Erschließen kann ich mir beim lesen das Meiste und - wie ich auf Mallorca schon festgestellt habe - bekommt man nochmal einen anderen Zugang, wenn man die Landessprache spricht. Zumindest an der Eisdiele habe ich einfach Spanisch vernuschelt und schon war's Portugiesisch!

Ich bekomme meinen Tee und das Sandwich mit Espada (Degenfisch). Der schmeckt wirklich ausgezeichnet, aber ich könnte kein ganzes Fischgericht essen. Mir ist leider die ganze Woche über entweder übel, oder ich habe keinen Hunger, so dass ich außer Frühstück, etwas Obst und mal einem Eis nicht viel herunterkriege.

Der nette Kellner fragt mich noch, ob ich meinen Urlaub genieße und ob es mir hier gefällt. Ja, klar! Und ich habe den Urlaub echt nötig. Der letzte ist genau ein Jahr her. Die sechs Wochen mit dem gebrochenen Fuß auf Balkonien waren zwar auch entspannend, aber richtiger Urlaub war es trotzdem nicht. In den Weihnachtsferien war ich krank, also...Ja, ich genieße es! Die Sonne und Wärme tun mir gut und die frische Luft.

Nach dem Imbiss laufe ich zurück zum Hotel, nehme diesmal den Weg durch den Parque de Santa Katarina und sitze noch etwas im Gras, bevor ich den restlichen Weg antrete. Auch heute bin ich früh müde und schlafe bald ein.

18.3.2019 Funchal - Curral das Freiras - Funchal

Da ich morgens doch etwas getrödelt habe und den Bus zum Curral das Freiras dadurch um ein paar Minuten verpasst habe, hole ich mir in einem Andenkenladen ein kleines, hübsches in Kork eingebundenes Notizbuch, das mit Schiffen bedruckt ist als mein eigenes Souvenir aus Madeira.

Busfahren auf Madeira ist eine Wissenschaft, da es mehrere Busgesellschaften gibt (Horarios do Funchal, SAM und Rodoeste) und nicht immer ersichtlich ist, von wo die Busse fahren. Grob fahren alle von dem Terminal an der Marina los, aber WO da, das ist immer eine fröhliches Ratespiel.

Heute ist es vergleichsweise einfach, er fährt direkt neben der Seilbahnstation los. Dort ist um 9 noch relativ wenig Trubel, dafür füllt es sich an den Bussen. Ich suche mir erst eine Bank in der Sonne, um mein Reisetagebuch zu füllen, dann im Schatten. Es brennt heute ganz schön runter!

Ungefähr 10 Minuten vor der Abfahrt des Busses stehe ich an der Haltestelle. Dort werden ich von
Curral das Freiras
einem jungen Mann im Fahrraddress und mit Plastiktüte in der Hand angesprochen, ob ich Englisch spreche. Ja, tue ich. Wir kommen rasch in ein Gespräch über das Fahrtziel, Wanderungen, Maderia, Frühling und Wetter. Als wir im Bus sitzen, zeige ich ihm meine Wanderkarte und die "komoot"-App. Er will seine vom Radfahren geschundenen Beine heute etwas schonen und dafür wandern gehen. Es stellt sich heraus, dass er recht unvorbereitet losgezogen ist und angesichts seiner Kleidung denke ich mir, dass eine "hochalpine" Wanderung wohl eher keine gute Idee ist. Ich habe schon ein paar Ziele durchgespielt und bin angesichts der Beurteilung durch die App "schwere Wanderung... alpine Erfahrung nötig..." von einigen Zielen abgekommen. Allein unterwegs zu sein in evtl. schwierigem Gelände und ohne sichere Möglichkeit, auch wieder nach Hause zu kommen, das brauche ich nicht.

Am Eiro do Serrada trennen sich unsere Wege. Ich laufe von dort runter in das Nonnental, leider
erstmal wieder Stufen, Stufen, Stufen. Nicht ganz so nervig wie in Bom Successo, aber nervig genug. Eigentlich hatte ich überlegt, bis nach Camara de Lobos zu laufen und von dort den Bus zu nehmen. Als ich herunter laufe sieht man jedoch schon, dass sich über den Bergen rasch Wolken bilden und das Wetter umschlagen wird. Zudem bin ich schon recht spät dran, so dass es mit dem Weg zeitlich eng werden könnte. Also entschließe ich mich, einfach nach Lombo Chão zu laufen und dann von dort mit dem Bus zurück zu fahren. Bald kommen wieder Stufen nach unten und die Sonne brät auch ganz schön herunter. Nach Lombo Chão ist es zwar nicht weit, aber ich schwitze trotzdem ziemlich.

Sobald man von den touristischen Ecken etwas weg ist, wird es sehr ruhig. Ich laufe wieder über
Cabo Girao am Abend
etliche Stufen nach unten und oben und vorbei an kleinen Feldern. Mir fällt auf, wie ärmlich es hier aussieht. Schon auf den Azoren war mir aufgefallen, wie wenig Geld die Menschen offensichtlich haben und wie billig alles ist. Dort scheint aber niemand Geld zu haben, also ist der Kontrast nicht so stark. Das Preisniveau auf Madeira ist fast gleich mit Deutschland, aber hier scheint wenig bis nichts von dem Geld anzukommen. Mal davon ab, dass es schwierig ist, manches Material in die unwegsameren Ecken zu bringen, fällt mir auf, wieviele Leute zu Fuß unterwegs sind und auch, wieviel Arbeit körperlich verrichtet wird. Und die Häuser werden hier immer ärmlicher. Ich sehe welche, die sicherlich nicht mehr als 40 qm Fläche haben und aus dem zusammengeschustert wurden, was so gerade da war. Mehr als ein Dach über dem Kopf dürfte das nicht sein. Madeira hat eine recht hohe Arbeitslosigkeit (17 % ca.) und eine ziemlich durchwachsene wirtschaftliche Vergangenheit.

Beim runterlaufen denke ich noch "Hoffentlich muss ich das nicht wieder alles zurück!" Ich bin am
Ribeira Brava am Abend
Ende von Lombo Chão angekommen und dort ist auch ein Bushäuschen, wie praktisch! Ah, und der Bus fährt auch in ein paar Minuten, perfekt. Ich sitze kurz da und sehe dann etwas weiter entfernt einen Bus stehen. Ob der noch hier runterfährt...? Eher nicht, oder? Na, es hilft nichts, für einen Sprint ist es zu weit und der Bus fährt jetzt auch. Also muss ich doch alles zurücklaufen. Irgendwo hochzulaufen ist für mich ja kein Problem, aber endlose Stufen zu steigen...? Boah! Ich bin eh nicht ganz fit und die gefühlten 50.000 Stufen nach oben schaffen mich schon ziemlich. An einer Stelle kommt mir ein alter Mann entgegen mit der Sichel über der Schulter. Ich denke noch "puh, der Arme, muss hier IMMER hoch und runter!" Und versuche mit meinem nicht vorhadenen Portugiesisch irgendeine freundliche Botschaft zu verfassen. Da setzt sich der Mann auf einen Stein. Ich sage freundlich "Holá!" (zu mehr reicht es dann doch nicht), er nuschelt irgendwas und ich sage "I don't understand!" und lächle freundlich. Da kommt ein gekrächztes "Money?!?" Öhm. Nö.

Ich gehe weiter und bin sofort in einem Gewissenskonflikt. Hätte ich ihm 5 Euro in die Hand drücken sollen? Hätte ihm das was genützt? Nützen meine 5 Euro überhaupt jemandem? Einem der Bettler, die ich abends an der Avenida Monumental sitzen sehe? Wen soll ich unterstützen und wie? Ich bin gewiss nicht reich, aber ich habe sicherlich mehr als einer dieser Menschen. Dennoch fühlt sich der Gedanke komisch an, ihnen Geld zu geben. Das geht mir hier in Deutschland nicht anders.

Riberia Brava
Mit diesen Gedanken schlage ich mich noch die ganzen restlichen Tag herum. Jetzt geht es erstmal wieder weiter die endlose Stufen nach "Curral das Freiras" hoch und dann hoffen, dass ich nicht ewig auf den Bus warten muss.

Ich komme gegen 16 Uhr an der Haltestelle an, noch 30 Minuten, bis der Bus kommt. Inzwischen ist es ganz grau geworden, es wird jetzt auch kühl und nieselig. Ich denke an den Schweden, hoffentlich ist er nicht mit seinen Turnschuhen irgendwelche Pässe hochgelaufen und steht jetzt im Nebel.

Als der Bus kommt, hat es angefangen zu regnen. Ich bin ganz froh, sitzen zu dürfen. Der Bus tingelt die Straße nach oben und bald stecken wir im Nebel. Der Abzweig zum Eiro do Serrado war schon morgens bei schönem Wetter ziemlich fordernd für Bus und Fahrer, aber jetzt im Nebel... Oben steigen noch weitere Fahrgäste ein, und wir schaukeln durch den noch dichter gewordenen Nebel wieder nach unten. Der Busfahrer hupt an jeder Kurve und Kehre (davon hat es reichlich) und ich fühle mich an Teneriffa erinnert und meine Motorradfahrt durch den Nebelwald. Die Sicht ist größenteils gleich Null und man sieht dem Fahrer die Anspannung an. Richtig interessant wird es, als Busse entgegenkommen, da ist meist recht schnell Einigkeit, wer zurücksetzt und wer wie vorbei fährt.

São Vicente
Nicht so mit den Touristen,
da wird einfach stehengeblieben und gehofft, dass der Bus sich schon irgendwie vorbeiquetschen kann. Mhm ja. Rechts Abgrund, links Felsen, alles klar! Die Hupe belehrt auch die Dickfelligsten, dass sie jetzt aus dem Weg müssen mit ihrer Karre, wenn sie nicht einfach in den Fels gequetscht werden möchten. Nach einer Spitzkehre steht auf einmal links ein Bus, ein Bus kommt von vorn und diverse Autos von hinten und vorne. Nach einiger Rangiererei geht es dann doch recht flott nach unten weiter.

São Vicente
Als wir in Funchal ankommen, regnet es auch dort, mal mehr mal weniger heftig aber auf jeden Fall Jackenwetter. Es ist aber nicht kalt und ich finde die Regenstimmung ganz schön. Auf dem Weg ins Hotel sehe ich an der Promenade zwei Männer seltsame Früchte oder Gemüse verkaufen. Das eine hatte ich schon mal gesehen, Zuckerapfel (später auch gekauft, LECKER!), das andere sieht aus wie eine Mischung aus einer noppigen Gurke und Banane. Keine Ahnung, was das ist. Ich tippe erst auf Bittergurke.

Einige Tage später erfahre ich auf dem "Mercado dos Lavradores", dass es eine Frucht ist und zwar der Fruchtstand der Monstera deliciosa (Fensterblatt). Ich habe sie auch probiert, schmeckt süß irgendwo zwischen Ananas, Banane und ein Hauch Kiwi. Nach diesem feuchten Ende des Tages liege ich bald schon wieder im Bett, schalte mich durch die zig Fernsehprogramme und bleibe noch an einem Bericht über Walhaie auf den Philippinen hängen, bevor ich einschlafe.

19.03.2019 - Funchal - São Vicente - Funchal

São Vicente
Heute möchte ich in den Norden der Insel fahren und nehme den Bus nach São Vicente. Die Busfahrt geht über mehrere Stunden mit Zwischenstopps am Cabo Girão und in Ribeira Brava. Am Cabo machen wir 10 Minuten Pause, so dass ich kurz aus dem Bus springe und ein paar Fotos mache. Auf der Plattform ist schon die Hölle los und die Souvenirläden und Fressbuden lassen ahnen, wie es hier im Sommer aussieht. Vor der Plattform sind Drehkreuze, die jetzt noch offen sind, vermutlich gilt zur Hochsaison: Einer raus, einer rein, nächster sein...

São Vicente
Als ich zum Bus zurücklaufe, steht da eine kleine Menschentraube vor einem Mülleimer an einer Mauer. Dort sind dicke, fette Eidechsen, die ganz offensichtlich gefüttert werden. Auch ein Straßenhund gesellt sich dazu, der jedoch Abstand von den Eidechsen hält. Offenbar wurde er mal gezwickt. Die Eidechsen sind auf jeden Fall wohlgenährt und ich frage mich, wie groß die wohl bei entsprechender Fütterung werden können. Die hier sind schon geschätzte 30 cm lang und die dicksten locker zwei Daumen dick.

Bald geht es weiter durch herrliche Landschaft, Straße hoch, Straße runter. An einer der letzten Stops hat sich jemand hinter mich gesetzt, der dem Poncha wohl schon morgens zugesprochen hat. Jedenfalls hat er eine Fahne und ab und zu singt er irgendwas schräg vor sich hin. Was mir in diesem Urlaub auch auffällt ist, dass Armut aus dem Mund riecht und zwar nach schlechten Zähnen...

In Ribeira Brava machen wir den nächsten Stopp und ich kann ein paar Fotos von der bekannten Kirche machen. Wie auch auf den Azoren sieht man auf Madeira immer wieder kunstvoll gestaltete Pflaster mit schwarzen und weißen Steinen. Von den Azoren weiß ich, dass man die weißen besser meidet, wenn es feucht ist, weil man sonst ziemlich flott auf dem Hintern sitzt, Wanderschuhe hin oder her.

Hinter Ribeira Brava geht es Richtung Berge in die Serra de Água, die Landschaft wird bergiger, grüner und immer beeindruckender. Die Straßen sind richtig toll und ich denke, wie schön das wohl mit dem Motorrad hier wäre. Wobei man immer bedenken muss, dass einem in jede Richtung Busse entgegenkommen können, die Straßenränder moosig sind und man jederzeit mit Wetterwechsel rechnen muss.

São Vicente
Wir nähern uns  nun dem Encumeadapass. Hier steht ein Schild "2,4 km zum Pico Ruivo", das wäre noch was gewesen. Allerdings halten nicht alle Busse auch auf dem Pass, es gibt noch eine Schnellstraße durch einen Tunnel. Naja, das wird nicht mein letzter Urlaub auf Madeira sein!

Als wir den Pass überqueren, ändern sich das Wetter und die Vegetation, es ist jetzt bezogen und die Hänge sind mit dichtem Lorbeerwald bedeckt. Das Grün überall ist überwältigend!

Langsam nähern wir uns wieder der Küste. Am Ortseingang von São Vicente steige ich aus und
beschließe, als erstes zum Meer zu laufen. Hier weht ein ordentlicher Wind und ich muss mir die Regenjacke überziehe, weil auch ab und an ein paar Tropfen in der Luft sind. Vor der Brücke gehe ich auf einen sehr groben Steinstrand, der etwas Balancevermögen benötigt. Hier brandet der Atlantik unbehindert auf die Steine. Man hört den Wind, das Meer und das Kollern der Steine. Ich gehe zurück auf die Brücke und laufe auf die andere Seite, dort finde ich einige Stufen, die ich nach unten gehe, um weitere Fotos zu machen und auf das Meer zu schauen. "Atem der Ewigkeit" schießt mir plötzlich in den Sinn. Das Meer war schon lange vor uns da und wir noch lange nach uns da sein. Ich werde traurig, weil ich mal wieder daran denken muss, wie wenig Respekt wir unserer Welt entgegenbringen. Das Meer ist wie ein atmender, riesiger Organismus, er gehört nicht uns, sondern sich selbst. Wir haben kein Recht, das Meer und seine Bewohner auszubeuten. Je länger ich dort sitze, desto trauriger werde ich, Tränen laufen mir über das Gesicht. Es ist egal. Niemand ist da und niemand kennt mich hier. Ich sitze bestimmt eine Stunde dort und schaue auf das Wasser.

Ich stehe auf und gehe nun in die andere Richtung auf der Straße und dann wieder runter zum Strand, um Fotos zu machen. Meine Kamera hat Ladehemmung und ich ärgere mich, weil ich eine Bildfolge von der Gischt machen wollte und genau da der Auslöser nicht wollte. Ich rufe den Bilderspeicher auf und bekomme "card error". WAS??? Das hatte ich noch nie. Ich versuche, die Karte nochmal zu aktivieren, nichts geht. So ein MIST! Aus irgendeinem Grund hatte ich zuhause kurzerhand alle Speicherkarten in die Tasche geworfen und das kommt mir jetzt zugute. Ich nehme eine frische Karte und mache damit Fotos und hoffe, dass ich die verweigernde Karte irgendwie wieder flott bekomme (leider nicht). Vier Tage Urlaubsbilder sind weg!

Der erste Ärger ist schnell verflogen, ich will die restliche Zeit hier genießen und laufe zu der alten,
gesperrten Küstenstraße. Die Straße ist übersäht mit Steinbrocken, aber irgendwer ist hier in der letzten Zeit auch durchgefahren. Betreten auf eigene Gefahr. Ich entdecke Teppiche von Aeonium in grün und rot, die teilweise suppentellergroß sind. Die Felswände sind überzogen von diesen Pflanzen. Ich laufe weiter, bis ich zu einem Tunnel komme, in dem es tropft und stockdunkel ist. Ich gehe hindurch und habe auf der anderen Seite noch ein paar schöne Blicke. Langsam sollte ich mich in Richtung Ortschaft begeben, wenn ich den Bus noch erreichen will. Sao Vicente selbst ist überschaubar und ich drehe nur eine kurze Runde durch den Ort. Da ich keine Ahnung habe, wo der Bus nachher losfährt, stelle ich mich mal in die Nähe des Tunnels auf den Busparkplatz. Hier kommt auch ein anderer Bus von Rodoeste, der Fahrer hat offenbar Dienstschluß, stellt den Bus ab und steigt in ein anderes Auto ein. An der Tankstelle steht auch ein Bus, ob das meiner ist? Ich bleibe einfach stehen und denke mir "wird schon alles passen". Langsam rückt die Abfahrtszeit näher und ich werde unruhig. Was, wenn er unten an der Straße wegfährt, dann muss ich hier übernachten, was nicht so schlimm wäre, ist ja hübsch hier.

Irgendwann kommt mein Bus und der Fahrer hält, als ich Anstalten mache, dem Bus
hinterherzurennen, weil ich auf der falschen Seite stehe. Alles hat mal wieder geklappt. Durch meine Reisen habe ich gelernt, mit diversen Situationen entspannter umzugehen. Bis jetzt gab es immer eine Lösung, oder das "Problem" hat sich in Luft aufgelöst. Ich sitze im Bus nach Funchal und genieße die Rückfahrt. Entgegen dem Fahrplan fahren wir doch über den Ecumeadapass, aber danach geht es über die Schnellstraße. Kaum sind wir aus den Bergen, scheint auch wieder die Sonne. Es war mal wieder ein wirklich schöner Tag und São Vicente hat mir in seiner gemütlichen Verträumtheit wirklich gut gefallen.

Von der Busstation laufe ich wieder zurück ins Hotel. Ungefähr 500 Meter vor dem Hotel steht eine geparkte Africa Twin. Mit debilem Grinsen mache ich erst ein Handyfoto und dann eins mit der Spiegelreflex. Auch auf Madeira weiß man eben, was gut ist!

20.03.2019 Funchal - São Lourenco - Funchal

Heute geht es auch wieder mit dem Bus los, diesmal eine kürzere, aber nicht weniger spektakuläre Fahrt. Unsere Route führt unter dem Flughafen durch, die Landebahn steht auf etlichen Betonpfeilern im Meer. Der Bus ist auch lustig, auf der einen Seite sind 2 und auf der anderen 3 Sitze nebeneinander. Ich sitze auf so einem Dreierplatz, als irgendwann zwei Österreicherinnen einsteigen. Als erstes stößt mir auf, dass sie die Fahrkarte auf Deutsch kaufen. Ein bisschen Mühe kann man sich doch schon geben und zumindest Englisch sprechen! Dann setzen sie sich neben mich. Innerlich seufze ich gottergeben, da die Damen zudem noch einen furchtbaren Dialekt sprechen und alles und jedes in der Art von "Da schaug a mol oooo, a Baaaam!" kommentieren. Ich fokussiere meine Aufmerksamkeit auf die Fahrt und die Landschaft.

Ilhas Desiertas
São Lourenco ist nach etwas mehr als einer Stunde erreicht. Die 4 Kilometer zu der Spitze raus sollten ja nicht so das Problem sein. Allerdings bläst ein ziemlich ordentlicher Wind und der Weg geht wieder über Stufen rauf und runter. Es gibt aber so viel zu sehen, dass ich sowieso alle paar Meter Fotos mache. Die Landschaft hier erinnert an Schottland oder Irland, es ist relativ karg und von tropischem Grün nichts zu sehen. Umso beeindruckender sind die Farben der Klippen in Kombination mit dem Türkisblau und Dunkelblau des Atlantiks. Richtung Landesinneres hat man spektakuläre Blicke.

An einem Café, von dem aus man noch Bootstouren machen kann, mache ich Pause, trinke einen Kaffee und schaue, wie weit der restliche Weg noch ist. Die ganze Woche fühle ich mich schon nicht wirklich 100% fit und das Laufen ist wesentlich anstrengender als gedacht. Naja, ist nicht mehr weit, das kriege ich auch noch hin. Zu der letzten erwanderbaren Spitze sind es noch 500 Meter, aber steil nach oben.

Ich erklimme die Spitze und oben hat man wirklich tolle Blicke. Ich hole mein Essen und Trinken aus dem Rucksack. Ehe ich mich versehe, klebt eine Eidechse an meiner Tasche und macht Anstalten, reinzukriechen. Ich scheuche sie weg, halte aber meine Hand hin und denke mir, sie kann ja da mal raufklettern. Nein, was macht das Tier? Es beißt mich in den Finger! Vermutlich ist es eine der Brötcheneidechsen in Erwartung von weiterem Futter. Ich gucke ihnen beim sonnen zu und werfe immer wieder Blicke in die Landschaft. Es ist schon relativ gut besucht hier.

Der Rückweg ist dann irgendwie kürzer, obwohl ich wieder im veränderten Licht Fotos mache,
brauche ich gefühlt nur ein Drittel der Zeit. Mir kommt ein Paar mit einer hochschwangeren Frau im Flatterkleidchen und mit Ballerinaschlappen entgegen, perfekt gekleidet... der Weg ist zwar nicht schwierig, aber in den Klamotten würde ich da eher nicht entlang laufen. Unterwegs kommt mir dann noch eine Dame mit Absätzen entgegen. Na dann viel Spaß!

Als ich an der Haltestelle ankomme, steht da schon der Bus und man kann sich an einem Stand Erfrischungen kaufen. Leider sind die österreichischen Damen auch wieder da und kommentieren eifrig "Schaug a mol oooo, a Mistkibl!" Manchmal möchte ich mir wirklich wie Odysseus die Ohren mit Wachs verstopfen, um solches Sirenengesabber nicht hören zu müssen. Im Bus sitzen die Damen nun in männlicher Begleitung hinter mir. In einem Ort steht der Bus an einer Abzweigung neben einer Schneiderei. "Da schaug heah! A Nähmaschin!" Es gibt wirklich Momente, in denen ich mir nichts sehnlicher wünsche, als manchen Menschen eine genagelte Keule über den Kopf zu ziehen.

Nach ungefähr halber Strecke werden wir aus dem Bus gescheucht und müssen in einen anderen umsteigen, der uns dann nach Funchal fährt. In Funchal gönne ich mir dann ein Eis. Ok, 1,80 die Kugel, das ist sportlich, aber egal! Das Mädel an der Theke kämpft mit dem ziemlich festen Eis, ich habe mich für Limao und Pasteis de Nata entschieden. Am Ende halte ich eine Tüte in der Hand, in der locker 4 deutsche Kugeln sind und das Eis ist sowas von lecker, da können die Italiener einpacken!

Hier an der Theke hatte ich einfach ein "dosch" genuschelt, mich an den Namen vom Eis probiert und
bei der Frage nach dem Cornetto "sim" geschmettert. Mir fällt auf, dass ich manche Leute recht gut verstehe, so war neulich im Bus eine Dame, die wohl mit irgendwem daheim telefoniert hat, der oder die irgendwas gifitiges getrunken hatte oder Kind oder Haustier dabei erwischt hatte. Da habe ich sogar ziemlich viel verstanden und dachte ganz oft so etwas wie "aha, das ist die Befehlsform, aha Subjuntivo...". Bei anderen dagegen verstehe ich nur weißes Rauschen.

Was ich ganz interessant finde ist, dass sich Portugiesisch und Russisch manchmal gar nicht so
unterschiedlich anhören, die Nuschelzischlaute sind ähnlich. Gelesen verstehe ich recht viel, und da fällt mir auf, dass Portguiesisch genau in der Schnittmenge zwischen Spanisch, Französisch und Italienisch steht, manches ist wie Italienisch, manches wie Französisch und manches wie Spanisch. Ich bin mal gespannt, wie mein Kopf sich mit der Sprache schlagen wird, oder ob dann alles durcheinander geht. Oft denke ich mir, wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, wäre es, alle Sprachen der Welt zu verstehen und sprechen zu können, einschließlich der Tiersprachen. Allerdings müsste es möglich sein, das nach Wunsch ein- und ausschalten zu können.

21.3.2019 Funchal - Santana - Funchal

Mein letzter voller Tag ist angebrochen, so eine Woche ist doch verdammt schnell rum, zumindest im
Santana - Tiny House Movement
Urlaub. An der Bushaltestelle gibt es dann eine Überraschung, ich treffe den Schweden wieder, der heute mit dem MTB nach ganz oben möchte, aber für einen Teil des Weges den Bus nimmt. Ich sage ihm, dass ich froh bin, ihn heil wiederzusehen, weil ich mir nach der Rückfahrt vom Curral das Freiras doch Gedanken gemacht hatte, ob er noch nach oben gelaufen war und sich vielleicht verirrt hatte.

Er erzählt mir dann, dass er seine Wanderung rasch abgebrochen hat, weil es sehr steil wurde, links Abgrund, rechts Felsen und dann ein Weg kam, wo man über einen schmalen Kamm musste, wo links und rechts nur Seile zum festhalten waren. Er hätte sich da sehr unwohl gefühlt und sich das nicht zugetraut. Ich sage ihm, dass ich in Schottland gelernt hätte, dass ich mich
in solchen Situationen immer sicher fühlte, wenn ich etwas anfassen konnte, Gras, Stein, egal, und mir deshalb Wanderstöcke gekauft hätte. Seitdem wäre das viel besser geworden. "Ah, that's why everybody carries them around! Now I've learned something!" Wir plaudern noch eine ganze Weile sehr nett, in Monte steigt er dann aus und wir verabschieden uns wie alte Freunde "It was a pleasure to meet you! My name is Tommy!" verabschiedet er sich. Ja, auch das ist schön am Alleinreisen, man lernt immer Leute kennen, die auch allein unterwegs sind. Goodbye Tommy, have fun!

Der Bus fährt weiter nach oben, in Ribeira Brava macht er einen kurzen Zwischenstopp. Das ist hier
auch ordentlich voll, obwohl wir erst März und Saisonbeginn haben. Von Ribeira Brava kann man einen kurzen Spaziergang nach Balcoes machen, oder nach oben in die hohen Berge gehen. Auch hier sind Souvenirbuden, Restaurants und und. Bekannt ist Ribeira Brava wohl unter anderem für seine Forellenzucht. Naja, eins weiß ich: In der Hauptsaison werde ich sicherlich nicht nach Madeira fahren!

Hinter Ribeira Brava warten wir noch auf einen zweiten Bus, in dem noch jemand saß, der auch nach Santana wollte. Der Bus heute morgen war so voll, dass ein zweiter eingesetzt wurde, der nur bis Ribeira Brava fuhr.

Hinter Poiso hat man dann spektakuläre Blicke zum Pico Ruivo und Pico de Aireiro. Es ist schon der Wahnsinn, was für eine Vielfalt sich auf dieser kleinen Insel findet! Ich genieße die Ausblicke und die Fahrt bis nach Santana. Schon bevor wir in den Ort fahren, erblicke ich das erste der niedlichen, typischen Häuschen in weiß-blau-rot und mit Strohdach. Schaut total kuschelig aus, sowas hätte ich gern!

Bald ist der Bus in Santana angelangt und ich gehe zu den extra hergerichteten Häuschen. Vor dem einen ist ein Garten, in dem eifrig gearbeitet wird, richtig viel blüht allerdings noch nicht, es ist noch zu früh im Jahr. Die anderen 4 Häuschen beherbergen Läden und ein Postamt. Da schon recht viel Gedränge herrscht, mache ich nur ein paar Fotos. Ich hatte ein Schild "Teleférico Rocha da Navio" entdeckt und dachte mir, dass ich da mal hinschauen könnte. Also mache ich mich auf den Weg und bald liegt der Rummel hinter mir.

Auch hier stehen einige der Häuschen in unterschiedlichem Zustand, man sieht auch welche, die verfallen sind. Die Straße zieht sich ein ganzes Stück nach unten, aber ich habe viel Zeit, ich will erst den späten Bus zurück nehmen. Irgendwann komme ich an einen Parkplatz und laufe an einer mit hübschen Meeresmotiven bemalten Mauer vorbei und nehme dann in Regenbogenfarben gestaltete Treppen (...) nach unten zu der Seilbahn. Erst einmal gucke ich von oben runter und überlege, ob ich laufen soll, bin mir aber nicht sicher, ob das bis unten geht (tut es). Unten sieht man einen großartigen Strand und diverse Felder mit Bananen und Wein.

Weiter hinten sieht man wohl den Rocha de Navio. Als die Seilbahn wieder nach oben kommt, gehe
ich zu der Station, kaufe mein Ticket und steige ein. Die Fahrt lohnt sich, man hat spektakuläre Blicke, unter anderem auf mehrere Wasserfälle und natürlich nach unten. Unten angekommen, werde ich von einem knurrigen Seilbahnmann in Empfang genommen und gehe ein Stück Richtung Meer. Hier gibt es eine Minipromenade und nach links kommt gleich ein Sitzplatz mit Sonnenschirmchen á la Hawaii, wo ich erstmal etwas trinke und den Sonneschutz erneuere. Obwohl wir hier doch schon sehr weit südlich sind, ist die Sonne nicht so aggressiv, wie ich dachte, ich habe keinen einzigen Sonnenbrand und das, obwohl ich mich jetzt nicht so toll eingecremt habe.

Mir kommen zwei andere Leute entgegen, ein Paar, sie schaut recht mißgelaunt und er wirkt auch
nicht sonderlich glücklich. Tja. Wenn ich meine Laune beschreiben sollte würde ich sagen: Mir scheint die Sonne aus dem A... und zwar um die Wette mit der am Himmel. Ist das schön hier! Als ich Richtung Hütten laufe, höre ich ein lautes Platschen und denke "Oh, ein Wal! Jetzt doch!". Ich beeile mich, ans Wasser zu kommen, sehe auch etwas schäumen und klatschen. Bei nährerer Betrachtung ist es dann aber nur das Meer, das sich an einem unter Wasser liegenden Felsen bricht. Wäre ja auch zu schön gewesen! Hier unten steht auch eins der niedlichen Häuschen und man hört die Eidechsen im Strohdach rascheln. Überhaupt ist hier alles voll von den Tierchen, die rasch vor mir weghuschen.

Zwischen den Feldern folge ich den Wegen und nehme den in Richtung Meer. Kurz vor Ende des
Weges kommt links eine lustige Andachtskapelle mit Plastikjesus, Plastikschäfchen, Plastikblümchen, Treibgut, Glitzerengelchen. Alles sehr liebevoll gemacht, aber unendlich kitschig. Hier unten zwischen den Feldern und Hütten kommt so ein bisschen Robinsonfeeling auf, ich fühle mich wie eine Entdeckerin auf einer einsamen Insel. Ich streife noch ein wenig zwischen den Hütten herum und finde einen alten Ziehbrunnen und eine reichlich verwitterte Hinweistafel. Dort steht, man solle sich anschauen, wie der Mensch hier in Harmonie mit der Natur die Erde kultiviert und dass der Weg nach oben zu Fuß ca. 1 Stunde und 15 Minuten dauern würde. Ich habe aber Rückfahrt gebucht und werde nicht hochlaufen.

Nun laufe ich zur anderen Seite, es kommen mir noch zwei andere Leute entgegen, die aber
wesentlich glücklicher aussehen. Am Rand des Steinstrandes sind Steine so aufgeschichtet, dass man relativ einfach und bequem laufen kann. Hier sind die Steine sehr viel größer als in Sao Vicente. Ihr feuchtes Grau lässt sie wie riesige Ansammlungen von Minirobben aussehen, die sich vom Meer bespülen lassen. Ich laufe recht weit nach hinten, entdecke einiges an Plastikmüll, was mich wieder sehr ärgert. Erstmal suche ich mir einen Platz, um auf den Atlantik zu schauen. Das Meer gibt mir aber bald zu verstehen, dass ich hier nicht sitzen soll, es steigt und kommt dann doch recht nah. Also gut, dann gehe ich eben wieder! Es ist inzwischen auch schon so spät, dass ich an die Rückfahrt denken sollte. Ich sammle die Plastikflaschen auf, stecke sie in meinen Rucksack und hoffe, dass oben ein Mülleimer ist, wo ich sie reintun kann.

Der mißgelaunte Seilbahnmann öffnet mir die Gondel und ich schwebe wieder langsam nach oben.
Oben steige ich aus, mache noch ein paar Bilder von oben mit dem jetzt veränderten Licht und stopfe den Plastikmüll in die Tonne. Übrigens habe ich auf Madeira sehr viele Recyclingstationen gesehen, aber leider gibt es - wie überall - auch sehr viel Zeug in Plastik verpackt, Plastiksouvenirs usw. Ich finde, dass man auf allen Inseln zuallererst Plastik ab sofort und gänzlich verbieten sollte. Es ist einfach furchtbar, was wir der Erde und ihren Bewohnern damit antun.

Ich laufe nun zurück nach Santana, denke nach, ob ich noch etwas essen gehen wiil (eher nicht, kein
Hunger). Oben angekommen gehe ich in den Supermarkt-Souvernirladen und kaufe ein paar Blumensamen, da eine Freundin um Blumen aus Madeira gebeten hatte. Ich stehe vor den vollen Regalen mit Souvenirs, unter denen zum Teil "Made in Spain" steht. Außer den Blumensamen kaufe ich hier nichts, auch wenn die vielen Taschen, Geldbeutel und Täschchen aus Kork sehr hübsch sind, ich brauche nichts, also kaufe ich nur die Strelitziensamen.

Die letzte halbe Stunde bis zum Bus verbringe ich unter einer Pergola mit Blauregen, der hier schon am verblühen ist. Dann schaue ich nochmal auf den Busfahrplan und stelle fest, dass der Bus doch woanders abfährt, er kommt jetzt auch und nach einem kurzen Sprint bin ich noch rechtzeitig an der Haltestelle und kann einsteigen.

In Funchal gehe ich zum Mercado dos Lavradores. Einfach mal Fotos machen ist hier schwierig, weil
man - ehe man sich versieht - alles mögliche zum probieren bekommt und dann ratzfatz mit drei Tüten und 50 € weniger in der Tasche da steht. Ich kaufe drei Sorten Maracuja, eine Guave, einen Beutel gemischter furchtbar leckerer Trockenfrüchte und einen Beutel ebenso furchtbar leckeren Ingwer und ergreife die Flucht, bevor ich noch mehr Sachen in die Hand gedrückt bekomme. Hier kann ich auch zum ersten Mal Drachenfrucht und die Fruchtstände der Monstera probieren. Ich gönne es den Leuten hier und weine dem Geld keine Träne nach. Zum Abschluß des Tages hole ich mir wieder ein Eis, das ebenso lecker ist wie die Tage zuvor. Ich laufe gemütlich die Haupteinkaufsstraße entlang, gehe noch ein einen Souvenirladen, wo ich ein paar kleine Mitbringsel kaufe und gehe dann weiter in den Parque de Santa Katarina, um den letzten Abend zu genießen.

Im Hotel angekommen greife ich immer wieder in die Tüte mit den getrockneten Früchten, schlachte den Zuckerapfel und versuche eine Tamarillo. Die schmecken mir nicht so gut, aber der Zuckerapfel ist fein. Ich genieße noch einmal den Blick vom Balkon auf das Meer und bald beginnt meine letzte Nacht auf Madeira.

22.03.2019 - Funchal - Freiburg

Botanischer Garten Funchal
Ich stehe einigermaßen zeitig auf, denn ich möchte die verbleibenden Stunden auf Madeira noch für Botanischen Garten nutzen. Nach dem Frühstück lasse ich meinen Rucksack im Gepäckraum vom Hotel und mache mich diesmal per Bus auf den Weg in die Stadt. Die Haltestelle der Buslinie zum Botanischen Garten habe ich schon gesehen und gehe direkt dort hin. Auf den Bus muss ich noch etwas warten, aber nach 20 Minuten geht es los und wieder nach oben. Der Bus keucht und schnauft die Straßen hoch, bis der Fahrer an einer Stelle anhält und meint "Botanical Garden!"
einen Besuch im

Ok, also raus aus dem Bus. Wo ist der Eingang? Ich laufe die sehr steile Straße nach oben und gehe
durch eine Einfahrt. Nein, hier ist es nicht, hier steht so ein Häuschen mit Telefon, wie man es aus Agentenfilmen der 60er Jahre kennt, nur sitzt hier niemand in Uniform und fragt, wo ich denn hin möchte. Ich muss auch keine Geheimwaffe zücken, um mir Zugang zu verschaffen, denn hier ist der Eingang nicht. Ich bewundere noch einen Avocadobaum und laufe dann wieder runter. Ah, das hätte ich auch einfacher haben können, nur um die Ecke und schon geht's rein. Die sechs Euro Eintritt ist mir das hier wert.

Ich schlendere erst einmal in irgendeine Richtung los, gehe dann nach unten zu den Sukkulenten.
Schwatz-Katz
Dort kommt mir eine äußerst gesprächige Katze entgegen, die sich gern von mir streicheln lässt. Dem Gärtner mit seinen Gerätschaften in der Hand traut sie dagegen weniger, da hüpft sie lieber durch das geöffnete Fenster des Orchideentreibhaus. Bald ist die Katze jedoch wieder draußen und folgt mir, ich streichle sie ausgiebig. Eine Dame, die mich mit der Katze sieht meinte, ich sollte aufpassen, da sie eine wilde Katze ist und ab und zu auch mal kratzt. Ja, kenn ich, Katze eben. Ich verabschiede mich von der Katze und schlendere weiter durch den Garten. Selbst um diese Zeit, wo noch nicht so richtig viel blüht, ist die Vielfalt an Bäumen, Blumen, Kakteen und Orchideen bereits überwältigend. Ich stecke immer wieder die Nase in alle möglichen Blumen, die meisten riechen aber nach nichts.

Der Morgen ist großartig, es ist warm, sonnig und die Blicke nach Funchal zur Marina sind toll. Ich
Bade-Katz
genieße meine letzten Stunden in der Sonne und im Garten und verweile hier und da, mache etliche Fotos, streichle nochmal die Katze, die wieder auf mich zugerannt kommt. Gegen Mittag verabschiede ich mich so langsam. Nun bleibt noch die Frage: runter fahren oder laufen. Ich zücke die App und gebe "Funchal Marina" ein, 2 Kilometer, easy. Erst schickt mich die App etwas im Kreis aber bald komme ich wieder bei Bom Successo raus und von hier weiß ich, wie es nach unten geht.

Ein letztes Mal durch die Altstadt, durch den Park und dann bin ich auch wieder am Hotel. Ich hole meinen Rucksack, verabschiede mich und gehe zur Haltestelle vom Airport-Bus. Da ich einen früheren erwische, habe ich absolut keine Eile mit Check-in und Co und kann die Fahrt entspannt genießen.

Am Flughafen geht es gemütlich weiter, das Gepäck kann ich erst um 16 Uhr aufgeben, so warte ich einfach. Überlege, ob ich das Obst mitnehmen darf, oder man es konfisziert, in den Rucksack will ich es nicht tun, da wird es nur vermanscht. Ich esse meine Sandwiches bevor sie mir jemand wegnehmen will, (Merke: Das Sandwich ist die Rohrbombe des kleinen Mannes!), trinke mein Wasser leer. Irgendwann kann ich den Rucksack aufgeben und zur Sicherheitsschleuse. Vor mir laufen drei gebügelte und ondulierte Damen mit Köfferchen, die dann eifrig alles auspacken. Bei mir ist wieder das Übliche, Zeug auspacken, alles in die Kästen werfen. Als ich mich der Sperre nähere, werde ich angeblafft, ich soll meine Stiefel ausziehen. Ja, ist ja gut. Ich bin jetzt ja Terroristin und vermutlich muss ich mich gleich noch nackig machen.

Das Sicherheitsballett endet diesmal entspannt (Merke: Sandwich vorher essen und Rohrbombe im Magen transportieren!) und netterweise kann man hier nochmal raus auf das Raucherdeck und in der Sonne stehen, den Fliegern zusehen und muss nicht nur in klimatisierter Luft herumhocken.

Der Flug nach Freiburg ist ebenfalls entspannt, wir fliegen in die Nacht. Irgendwann sieht man die portugiesische Küste, über dem spanischen Festland kann man sehen, wo Madrid liegt und bald geht es in den Sinkflug. Als wir in Basel landen kann ich vom Fenster aus sehen, wie mein Rucksack ausgeladen wird. Es regnet auch nicht und die Temperaturen sind nicht eisig. Besser als erwartet also.

Das Gepäck kommt auch rasch, aber da etwas von "Sperrgepäck an Band 5" auf dem Schild steht, laufe ich dort rüber, da ist aber nichts. Irgendwie sagt mein Bauchgefühl, dass mein Rucksack nicht ankommt. Aber doch. Da ist er, er ist vom Band gefallen und setzt in einer Ecke, wo ich auf keinen Fall drankomme. Ich spreche einen Herrn an, der offiziell aussieht und der hüpft mal eben über das Band und holt meinen Rucksack. Jetzt nur noch auf den Bus warten. Es ist inzwischen gegen Mitternacht und mir fallen die Augen immer wieder zu. In Freiburg nehme ich ein Taxi und dann bin ich auch schon daheim. Schnell alles rausschmeißen und dann ab ins Bett.

Adeu Madeira, até breve!