Mittwoch, 23. Mai 2018

DSGVO - meine ganz persönliche Meinung

Wie ihr ja sicher alle wisst, wird ab dem 25. Mai die neue DSGVO um- und durchgesetzt.

Das hat dazu geführt, dass kleine Blogs, kleine Onlineshops, kleine Webseiten, Handwerker, Künstler, kurz alle, die irgendwie im Netz aktiv sind, und sich keine Heerscharen von Anwälten leisten können, völlig am Rad drehen.

Keiner weiß, wie und was man noch darf oder nicht darf und wir wissen, dass sich eine gewisse Zunft schon ihre kleinen, fetten Patschehändchen reibt, denn bald gibt es den fetten Reibach zu verdienen!

Anstatt dass wir produktiv, kreativ und ungestört unserem Tagesgeschäft folgen können, müssen wir uns mit diesem Monstrum beschäftigen, dass ja nur zu unserem Schutz da ist.

Ich habe tatsächlich einen kurzen Moment überlegt, dieses Blog abzuschalten und nur noch als mein persönliches Reise- und anderes Tagebuch zu verwenden. Kommentare ausschalten weil ja die IP getrackt werden könnte. Wer Blogger kennt, weiß, wie lückenhaft die Statistik ist, und um mir noch irgendwelche Adwords oder anderen Krempel hier zu installieren, ist mir meine Zeit zu schade. Denn, was habe ICH davon? Nullkommagarnichts! Um gescheite Statistiken und Tracker nutzen zu können, braucht es schon bisschen mehr, als so ein Einfach-Blog aus der Fertigbox. 

Es kommt nicht von ungefähr, dass ich vor gut 2 Jahren beschlossen habe, meine Shops Shops sein zu lassen, denn um den neuen Säuen, die ständig durchs Netz getrieben wurden folgen zu können, dazu ist mir meine Zeit verdammt nochmal zu schade. Und mein Geld stopfe ich auch nicht irgendwem in den Rachen, der einen Kommafehler in meinen AGBs bemängelt, oder irgendeinen anderen Schwachsinn.

Wenn schon Visitenkarten zu einem potenziellen Risiko für Abmahnungen werden können, frage ich mich (und ich bin damit nicht allein), wo der gesunde Menschenverstand eigentlich geblieben ist? Mir geht diese ganze staatlich verordnete Nannysierung, der scheinbare Schutz von Daten oder unserer "Sicherheit" schon eine ganze Weile zunehmend auf den Sack.

Was ist eigentlich mit der Briefpost, die schon längst nicht mehr manuell sortiert wird?
Wo bleiben denn die Adressen, die dort "erkannt" werden?
Von der Post habe ich noch nix bekommen wegen DSGVO.
Ach, und ich vergaß den Briefträger, der ja potenziell auch gefährlich sein kann, denn wer garantiert mir, dass er nicht just meine Adresse in sein Handy tippt, oder ein Foto davon macht und es in seine Whatsapp-Gruppe postet, auf dass mir Hinz und Kunz ungefragt Post schicken möge. Oder, dass er schaut, von wem ich Post bekomme und mich dann heimlich bei irgendwelchen Newsletter anmeldet, weil es dafür 0,5 Cent gibt.
Na...?
Ach so, es gibt ja das Briefgeheimnis.

LOL.

Ich habe nichts dagegen, dass meine Daten "geschützt" werden und nicht an Hinz und Kunz verkauft, aber - ganz ehrlich - kann ich's kontrollieren? Wer kann mir garantieren, dass nicht der Server von X oder Y gehackt und meine Kreditkartendaten, mein BMI oder mein IQ an die Marsianer, die Vulkanier oder die Klingonen verkauft werden? Niemand!

Interessant finde ich, dass mich eine Mail meiner Tanzlehrerin bzgl. ihres Newsletters erreichte, dass ich aber von amazon nichts bekommen habe. Vielleicht hab ich es auch gelöscht, weil ich da eh so gut wie nichts mehr bestelle und ihre Newsletter sowieso alle abbestellt habe, was ich grundsätzlich immer tue (na gut, nicht bei Mopedkram).

Wenn ich nix brauche, brauche ich auch keine Werbung, die mir sagt, was ich brauchen könnte.
Wenn ich was brauche, dann suche ich danach und kaufe es.
Zack. Fertig.

Leute, wenn ihr eure Daten "sicher" haben wollt, dann schaltet euer Hirn ein!
Schaut, wo ihr euer Zeug im Netz kauft (wenn ihr es da kauft), schaut, wo ihr registriert seid, schaut, welche Kundenkarten ihr habt usw. und dann handelt entsprechend. Für ein paar Punkte und Cents verkaufe ich nicht meine Seele und das solltet ihr auch tun.
Boykott ist eine Lösung!

Montag, 23. April 2018

M. A. D. - Stofforigami gegen Plastiktsunami


Ich war mal ein Bettbezug
Ich habe am Wochenende Stoffe aussortiert und dabei sind mir einige nicht ganz so schöne gebrauchte Stoffreste unter die Finger gekommen, die erstmal in die "Wegschmeißen"-Tüte kamen.

Im Lauf des Tages fiel bei mir aber der Groschen, ich wollte ja schon länger Beutel für loses Obst und Gemüse nähen, um z. B. den Kassiererinnen das Abwiegen an der Supermarktkasse zu erleichtern.

Der eine oder andere Markt hat jetzt auch solche wiederverwendbaren Netzbeutel, die man kaufen und in die man sein Obst oder Gemüse packen kann, aber die kosten was und ich habe ja alles daheim, und während ich so nähte entstand...

M. A. D. 

Einfach zuknoten und nix fällt raus!
M. A. D. steht für "Make a Difference" - und natürlich auch für die englische Vokabel, die übersetzt "wütend" bedeutet. Ich bin nämlich zunehmend wütend über den täglichen Plastiktsunami, der uns überall umgibt.

Wie kann ich M. A. D. sein?

Das ist ganz einfach:

... wenn Du nähen kannst...
  • guck Dir dieses Tutorial an, die Taschen sind einfach und schnell fertig,
  • schau in Deine Restekiste,
  • schneide Deinen Stoff zu und leg los,
  • nähe eins, zwei, drei... ganz viele Origamitaschen,
  • verschenke sie an Deine Nachbarn, Freunde, Familie, verteil sie vor dem Supermarkt...,
  • verbreite die Aktion über Facebook, Twitter, Instagram, Dein Blog oder oder oder..,
  • BENUTZ Deinen Beutel so oft es geht!
 ... wenn Du nicht nähen kannst...
  • kennst Du vielleicht jemanden, der es kann und Dir eine Tasche näht,
  • kannst Du die Aktion über Social Media teilen,
  • kannst Du Deinen Supermarkt/Discounter/Bioladen/Drogeriemarkt mit E-Mails zum Thema "Plastikverpackungen" nerven, lass Dich nicht mit Textbausteinen abspeisen, bleib dran!
  • kannst Du mit anderen über das Thema sprechen,
  • Deine eigene Aktion starten, oder oder oder... ,
  • sei auf Deine Weise kreativ und unbequem!

Verdienst Du was an der Aktion?

Nein.
Ich verdiene nix daran und will auch nix daran verdienen!
Die Aktion ist einzig und allein auf meinem "Mist" gewachsen, da steht sonst niemand dahinter (außer jetzt hoffentlich ihr!).

... eins, zwei, drei... ganz viele!
Ich bitte Euch, diese Aktion nicht kommerziell zu nutzen, d. h. z. B. die Taschen im Rahmen der Aktion zu verkaufen.

Warum?

Nun, es geht hier um Dialog und darum, unsere Konsumgewohnheiten zu hinterfragen und nicht darum, den fetten Reibach zu machen.

Morgen werde ich die ersten Beutel verschenken und bin auf die Reaktionen gespannt.

Ihr könnt Eure eigenen Aktionen unten in den Kommentaren verlinken, wenn ihr wollt.

Montag, 2. April 2018

Herz am Montag aus Valldemossa

Kartause von Valldemossa
Anfang März verbrachte ich eine schöne und sonnige Woche auf Mallorca. Da ich auf den
öffentlichen Nahverkehr angewiesen war, habe ich in erster Linie Tagesausflüge in leicht erreichbare und vom Reiseführer als "besonders schön" oder "sehenswert" eingestufte Orte gemacht.

Ich habe in Port d'Alcudía gewohnt und mich hauptsächlich auf die Tramuntana im Norden konzentriert. So landete ich unter anderem in Valldemossa.

Über Valldemossa wusste ich gar nichts, z. B. dass dort Frédéric Chopin und George Sand einen Winter in der zugigen Kartause verbrachten.

Stilleben mit Blumen
George Sand soll, ob des schlechten Wetters und der unangenehmen Unterbringung erbost, ein lästerliches Werk über Mallorca verfasst haben. Den Mallorquinern war diese Frau einfach zu modern und die beiden fanden nicht das Paradies, das sie sich erträumt hatten. Chopin, der sich auf Mallorca Linderung seiner Tuberkulose erhofft hatte, hätte die Rückreise im Schiff beinahe nicht überlebt.

Das mit der unangenehmen Unterbringungen und den resultierenden Malaisen kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich hatte zwar keine zugige, aber eine kalte und feuchte Bude ohne Heizung und mit einer launischen Dusche.

Nun, das berühmte Paar hat den Ort Valldemossa bekannt gemacht, neben der Kartause gibt es ein Museum, welches den beiden gewidmet ist.


Ich habe in Valldemossa einen schönen, sonnigen Tag verbracht und mich jenseits der Touristenströme gehalten. Mir haben besonders die verwinkelten Gässchen und die Häuser mit ihrem Blumenschmuck gefallen. Der türkisblaue Turm der Karthause ist ebenfalls ein Hingucker. Und eine dicke, plüschige Katze hat dort ihre dicke, plüschige Pfote nebst Krallen in meinen Daumen geschlagen.

Am Ende des Tages habe ich mir noch eine Kachel mitgenommen, auf der "Aquí vive un motero"
(Hier wohnt ein Motorradfahrer) steht. Wenn ich einmal mein Tiny House habe, kommt sie neben die Eingangstür.

Das Windspiel habe ich an einer der Haustüren entdeckt.

Neben den Kacheln mit den Fürbitten der Heiligen Catalina Tomás gab es viele hübsche, kleine Details zu entdecken. Das Dorf wirkt so, als ob man es jeden Tag feucht durchwischen würde. Alles ist sauber, gekehrt, poliert und der Blumenschmuck an den Häusern entspricht ein bisschen den perfekt "geohrten" Kissen  (wer kennt ihn noch? Den Karateschlag in die Mitte vom Sofakissen?) auf dem mit Schondeckchen versehenen Sofa einer Hausfrau aus den 60er Jahren. Home, sweet home, eben.

Mehr Montagsherzen findet ihr bei den Fredissimas.

Freitag, 23. März 2018

Fisch am Freitag aus Port d'Alcúdia

Viel Meer, sehr viel Meer
Meine eifrigen Blogleser wissen, dass ich kürzlich einen Urlaub auf Mallorca verbracht habe. Und was gibt es auf Mallorca?
Genau, es gibt Meer, sehr viel Meer, so außenrum, ist ja eine Insel.
Und was gibt es im Meer?
Genau, da gibt es Boote und mit den Booten kann man auf dem Meer herumfahren und Fische fangen. (Das war der Teil "Bloglesen für Pauschaltouristen").


Port d'Alcúdia liegt im Norden von Mallorca, also weit entfernt vom "Ballermann". In meinem Reiseführer stand übrigens eine Erklärung, wie es zu dem Namen "Ballermann" überhaupt kam.

Mehr Meer
(Jingleinspielung: Titelmelodie der "Sendung mit der Maus") Die Strandbuden an der Playa de Palma haben irgendwann Nummern erhalten und hießen dann "balneario no. uno" etc. Die Ballerbude war "balneario no. seís". Und weil der Deutsche das Wort "balneario" natürlich im volltrunkenen Zustand nicht mehr aussprechen konnte, wurde kurzerhand "Ballermann" draus. Lallermann wäre zwar passender gewesen, ist aber kein deutsches Wort. (Das war der Teil "Die Maus erklärt den Ballermann für Pauschaltouristen aus Deutschland").

Ich war aber nicht am Ballermann, sondern habe mir ganz gezielt einen Ort in Mallorcas Norden ausgesucht, da die Berge dort nahe sind und der Sauftourismus weniger sein soll. Nun ja, Läden mit billigem Alkohol und diverse um dieses Jahreszeit noch geschlossene Saufkneipfen habe ich auch dort gesehen. Am letzten Abend saß ich an der Strandpromenade, um die Abendstimmung noch etwas zu genießen, außerdem hatte ich ein paar Nachtfotos geschossen. Am Strand hat sich dann jemand geräuschvoll erbrochen, was meine abendliche Stimmung etwas getrübt hat. Immerhin, wenn man geschickt ins Meer erbricht, werden die Reste gleich weggespült, das ist dann schon praktisch.

Amüsiermuschel mit Fisch
Und bevor es jetzt noch unappetitlicher wird, möchte ich anmerken, dass mir die Insel sehr gut gefallen hat, der dort stattfindende Pauschal- und Sauftourismus ist jedoch etwas, das mich sehr befremdet hat. Es war sozusagen eine Art europäischer Kulturschock für mich.

Den Fisch habe ich im Sporthafen von Port d'Alcúdia entdeckt, er prangte auf einer der kleinen Amüsiermuscheln (auf Spanisch: mejillónes de diversión) und soll wohl ein Schwertfisch sein. Die Anzahl der Amüsiermuscheln in den Sporthäfen hat mich schon beeindruckt, wobei das hier noch gar nichts gegen Port de Sóller ist, aber dazu gibt's ein anderes Mal mehr.

Hier gibt's nix mehr zu sehen, gehen Sie weiter.

Sonntag, 18. März 2018

Sommer, Palmen, Sonnenschein - Eine Woche Mallorca

...ich wollte doch Sonne!
Während ich diesen Blogartikel schreibe, fällt draußen  gerade wieder Schnee, bäh! Ich bin dieses Jahr noch keinen einzigen Meter mit dem Motorrad gefahren und weil mich im Lauf des Februar mit dem ewigen grauen und ätzenden Wetter langsam der Hüttenkoller ereilte, habe ich spontan eine Woche Mallorca gebucht. Ende Februar erwischte mich dann noch eine heftige Grippe, die mich eine Woche ans Haus fesselte, so dass ich langsam aber sicher immer mißmutiger wurde. Da kam diese kleine Reise gerade recht.

8.3.2018 Anreise Freiburg - Port d'Alcúdia

Zwei Wochen vor meiner Abreise kam eine Mail, dass sich die Flugzeiten verschieben würden. Ich
hatte ja gehofft, vom ersten Tag noch etwas zu haben, denn die ursprüngliche Zeit war mit Ankunft gegen Mittag in Palma angegeben. Aber nichts da, erst am Nachmittag sollte es losgehen. Ich hatte die Anfahrt nach Stuttgart mit dem Bus gebucht und hoffte natürlich, dass damit alles gut klappen würde. In Karlsruhe musste ich umsteigen und das war schon nervig, denn aus den geplanten 45 Minuten draußen im zugigen Bushäuschen sitzen wurde dann über eine Stunde, da mein Anschlußbus Verspätung hatte. Ich war etwas genervt, weil ich Angst hatte, dass die noch nicht 100% abgeklungene Grippe wieder aufflammen würde und wickelte mich in alle möglichen Schichten ein. Zum Glück war es nicht ganz so grauenhaft kalt, wie in der Woche davor.

Der Anschlußbus brachte mich dann doch noch im Zeitrahmen nach Stuttgart-Flughafen und ich
musste erst einmal fragen, wo überhaupt das Terminal ist. Das letzte Mal in Stuttgart war ich 1995. Das war rasch erledigt und am Schalter von "Sunexpress" gab es die nächste Überraschung. Ich hatte mich schon gewundert, warum der Hinflug so lange dauert, normalerweise fliegt man ja deutlich unter 2 Stunden nach Mallorca.

Tja. Der Hinflug machte einen Zwischenstopp in Frankfurt und erst danach sollte es nach Palma gehen. Na toll. Das Boarding war sehr lustig, weil es hieß, man könnte sich einfach frei irgendwo hinsetzen, müsste aber in Frankfurt dann auf den richtigen Platz wechseln. Ich hatte noch nie einen innerdeutschen Flug, fand das auch alles reichlich überflüssig, aber gut, nach einer knappen halben Stunde landeten wir in Frankfurt.

Dort wurden wir aus dem Flieger gescheucht und durften eine knappe halbe Stunde in einem Bus auf dem Rollfeld herumstehen, weil das Flugzeug geputzt und betankt wurde. Meine Hoffnung auf eine Toilette und einen Snack zerschlugen sich damit auch. Im Flieger gab es wohl was zu essen, aber das musste man kaufen und darauf hatte ich keine Lust. Überteuertes Futter aus Pappe und Plastik, nein Danke. Meine eigenen Vorräte waren dann doch nicht so ausreichend, wie ich dachte und ich saß mit leicht knurrendem Magen im Flieger nach Palma. Zum Glück bin ich fast sofort eingeschlafen und habe den Großteil des Fluges verpennt.

Ja, also nun war ich in Palma gelandet, auf Mallorca, in der Hochburg der organisierten Pauschalreise, der deutschen Urlaubskolonie schlechthin. Mal sehen, was mich hier erwarten würde.

In Palma erspähte ich am Gepäckband gleich die Dame, die mich wohl einweisen würde. Sie stand etwas verzweifelt mit ihrem Schild in der Hand und wartete, aber meine Tasche war noch nicht da. Mit der Tasche in der Hand ging ich auf sie zu und sie sprach mich in perfektem Deutsch an, erklärte mir, wo ich hingehen müsste. Das hier war ja echt Reisen für Dummies, denn alle Angaben hatte ich vom Anbieter bereits bekommen...

Am Schalter angekommen sprach ich den Herrn dort gleich auf Spanisch an, was ihn sehr erfreute und auf seine Frage, welche Sprache wir nun sprechen sollten, antwortet ich nur "lo que prefiera", also, was Sie möchten. Das war natürlich Spanisch. Ich muss sagen, dass mir meine Spanischkenntnisse in diesem Urlaub ein paar Türen geöffnet haben und am Ende extrem nützlich waren, aber alles der Reihe nach.

Neben mir wartete noch ein älteres Ehepaar auf den Transfer zum Hotel. Als der Fahrer kam, fragte dieser auf Deutsch, ob wir Deutsch sprechen würden. Die beiden anderen bejahten und ich meinte nur "ich sprech auch Spanisch".

Wir wurden nun einmal quer über die Insel gekarrt, der Fahrer legte spanischen Pop auf und ich hörte bei ein, zwei Liedern auch recht amüsiert dem Text zu. Dann kamen wir in Port d'Alcúdia an und als erstes wurde das Paar an einem 4-Sterne-Hotel abgeladen. Kaum waren die beiden weg, wechselte der Fahrer auf Spanisch. Er war ganz begeistert, dass ich seine Sprache spreche und fragte mich, warum ich Spanisch gelernt hätte und so plauderten wir ein paar Minuten ganz nett. Dann kamen wir an meiner Adresse an, aber da war kein Hotel, er musste erst jemanden fragen, und es stellte sich heraus, dass man das nicht anfahren konnte, weil es in der Fußgängerzone liegt. Nach ein paar Schritten waren wir aber da und ich konnte meine Schlüssel mitnehmen, die in einem Umschlag an der Tür  der Rezeption klebten.

Natürlich war das Zimmer im obersten Stock, wo auch sonst? So machte das erstmal alles einen ganz netten Eindruck, aber als ich die Zimmertür aufschloß, roch es ziemlich muffig in dem Raum. Naja, egal, Fenster auf und gut. Hm. Es war ziemlich frisch, keine Heizung, im Wandschrank befanden sich zum Glück noch zwei Wolldecken, die ich mir aufs Bett legte. Das Bett war nämlich die übliche Geschichte, die man in Frankreich auch findet: dünne Tagesdecke und dann ein Laken. Das Bad machte erstmal einen ganz ordentlichen Eindruck, bis mir auffiel, dass an der Dusche eine Tür fehlte, was am Morgen unweigerlich zu einer Überschwemmung führen würde. Weil ich gesundheitlich immer noch angeschlagen war, zog ich mir sämtliche Merinoschichten und meine Daunenjacke an und kroch so ins Bett. Ich will Euch nicht verschweigen, dass ich ziemlich elend gefroren habe in der ersten Nacht. Das Bett war außerdem auch nicht gerade bequem, sondern ich spürte jede Bettfeder einzeln durch. Ich hatte jetzt nicht das Hilton erwartet, aber ein gemütliches Bett wäre schon schön gewesen!

9.3.2018 - Port d'Alcúdia - S'Albufera

 Nach dieser kalten Nacht freute ich mich auf eine heiße Dusche, die meine Lebensgeister sicherlich wieder wecken würde, ich war nämlich ziemlich gerädert. Ich stellte die Dusche an, ließ sie erstmal etwas laufen, damit sie warm würde. Kaum stellte ich mich drunter, wurde aus dem Wasserstrahl ein Strählchen und dann ein tröpfelndes Rinnsal. Na toll, wie schön, dass ich schon eingeseift bin. Nach einigen Minuten frieren und am Wasserhahn drehen (Auswahl: viel Wasser, kalt, Rinnsal, warm) hatte ich die Seife dann runter und war reichlich genervt. Ich fror und war müde. Frühstück gab es in dem Hostal nicht, aber ich hatte am Abend schon gesehen, dass ganz in der Nähe ein Supermarkt ist. Also erstmal anziehen und raus.

Boah, ne!?! Nix blauer Himmel, es ist grau, neblig und kalt. Das kann ja heiter werden! Im Supermarkt hole ich mir erstmal Wasser, Brot, Käse, Flan de queso (das ist sowas wie Käsekuchen aus dem Becher) und Bananen und setze mich im Hafen auf eine Bank. Nachdem ich etwas gegessen habe, stapfe ich einfach los Richtung Strand. Zumindest etwas sehen und mich bewegen will ich. Ich merke noch deutlich die Reste der Grippe, wirklich fit ist anders. Der Strand von Port d'Alcúdia ist riesig, man kann im Grunde den ganzen Tag nur am Strand entlang laufen. Dass ich nicht fit bin, merke ich auch daran, wie schwer mir das Laufen auf dem Sand fällt. In diesem Moment ärgere ich mich wirklich über alles, über die Grippe, die Unterbringung, den Nebel...

Während ich am Strand entlang laufe, wird es ganz allmählich wärmer und ich habe auch den
Eindruck, dass der Nebel nicht den ganzen Tag da sein wird. Es sind unglaublich viele unglaublich sportliche Menschen unterwegs, joggend, trainierend und ich komme mir richtig doof vor, als ich im Schneckentempo den Strand entlang laufe. Als ich irgendwann auf einer Mole stehe, kommt langsam die Sonne heraus. Ich laufe weiter, über die Straße zum Naturpark S'Albufera.

Hier taucht man in eine andere Welt ein. Ich gehe einen gepflasterten Weg entlang, der parallel zu
Blick Richtung Port d'Alcúdia
einem Kanal verläuft. Die Bäume sind hier auch noch kahl, aber man kann an einigen Stellen den Frühling schon deutlich ahnen. Inzwischen ist es warm geworden und ich kann zumindest die Jacke ausziehen. Ich laufe bis zum Besucherzentrum vor, entdecke Orchideen, Lavendel und blühenden Thymian. Ein Weg führt dann zu einem Haus, von dem aus man Vögel beobachten kann. Wow, da ist ja richtig was los auf dem Gewässer! Frösche quaken und es gibt kleine, mittelgroße und große Vögel aller Art zu sehen. Seidenreiher, diverse Enten, Blesshühner und und und. Ich sitze eine ganze Weile in dem Beobachtungsstand und schaue den Vögeln zu.

Blick auf Menorca
An einer überdachten Bank mache ich Pause. Ich hole mein Essen heraus und die Sonnencreme, denn inzwischen ist der Himmel blau und die Sonne brennt auf meine winterweiße Haut. So langsam bekomme ich gute Laune, endlich ist es warm, endlich blauer Himmel, endlich Sonne und ich bin weit weg vom grauen Deutschland mit dem nichtendenwollenden Winter. Ich laufe ein Stück zurück und lege mich dann auf eine Art hölzerne Terrasse über dem Kanal und lasse mich braten. Dieses Gefühl von Sonne auf der Haut habe ich diesen Winter so vermisst, wie noch nie vorher. Ich war auch noch nie so oft so krank, lustlos, müde, unmotiviert.

Irgendwann im Lauf des Nachmittags laufe ich zurück Richtung Port d'Alcúdia, wieder am Strand entlang. Jetzt sieht das hier schon ganz anders aus. Azurblaues Meer, blauer Himmel und man sieht etwas von der Landschaft, sieht rüber nach Menorca und raus aufs Meer. Ich bin allerdings nur erschöpft, gehe in mein Muffelzimmer zurück, ziehe mir die Daunenjacke an und schlafe.

10.03.2018 Port d'Alcúdia - Alcúdia

Alcúdia
 Am nächsten Morgen bin ich etwas ausgeschlafener, die Nacht war nicht ganz so kalt gewesen. Auf die "Dusche" verzichte ich heute, Waschlappen ins Gesicht muss reichen. Den Besuch im feuchtkalten Bad halte ich so kurz wie möglich und bin schon bald wieder draußen. Erstmal zum Supermarkt, ein paar Vorräte holen und dann laufe ich in die andere Richtung los, nach Alcúdia rüber. Unterwegs merke ich, wie sehr mich das Laufen immer noch anstrengt, irgendwelche Wanderungen kann ich vergessen, dazu reicht meine Kraft einfach nicht.

Heute ist es zum Glück gleich sonnig und ich merke mal wieder, wie sehr mir das Licht und die Wärme gefehlt haben.

In Alcúdia startet heute wohl irgendein Marathon und während ich in der Sonne sitze und meine Mandarinen schäle und frühstücke, laufen mehr oder weniger trainierte Menschen in glänzenden Plastikpellen die Straße auf und ab, dehnen sich, hüpfen. Ich lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen und breche irgendwann Richtung Altstadt auf. Alcúdia hat eine ganz hübsche, verwinkelte Altstadt, eine große Kirche (war leider geschlossen) und eine Stadtmauer. Ich erklimme die Stufen hoch und habe einen großartigen Blick auf die Berge. Inzwischen ist wirklich schönstes Bilderbuchwetter, nicht zu warm, nicht zu kalt. Ich laufe die Stadtmauer entlang und mache Fotos. Dann will ich noch etwas weiter, Richtung Meer, das hier ja nicht so weit weg ist.

Stadtmauer Alcúdia
Überall stehen Streckenposten für den Marathon und langweilen sich. Ich laufe runter Richtung Meer, setze mich auf eine Mole und stecke die Füße ins Wasser. Ganz schön frisch! Aber total klar und sauber und der Blick auf das Tramuntanagebirge ist wirklich großartig.

Hinter mir keuchen inzwischen einzelne und kleinere Grüppchen Marathonläufer vorbei. Der Streckenposten feuert an, jemand macht Fotos. Die meisten der Läufer sehen nicht sehr glücklich aus, bei einem habe ich das Gefühl, dass er bald zusammenbrechen wird, er schnauft wie eine alte Dampflok. Was daran Spaß machen soll, erschließt sich mir absolut nicht.

Ich spaziere noch ein Stück weiter, bis ich an die Straße nach Porto Pollensa komme. Der Ausblick ist schön, aber weiter auf der Straße zu latschen habe ich keine Lust. Nach einem Stückchen am Strand entlang drehe ich um und laufe den gleichen Weg zurück, den ich gekommen bin.

Inzwischen ist der Marathon wohl durch und es liegen überall kleine Plastikflaschen, die die Läufer haben fallen lassen. Ich hoffe, dass jemand die Flaschen aufsammeln wird und sie nicht alle im Meer landen.
Blick auf die Tramuntana

Das war etwas, das mir positiv aufgefallen ist. Überall an den Stränden stehen massig Mülleimer, die ganz offenbar auch regelmäßig geleert und benutzt werden. Die Strände sind supersauber und gepflegt, Hundescheiße hinterlassen kostet 600 € Strafe und das nicht nur am Strand. Die Straßen in den touristischen Ecken sind wie geleckt, da kann man sich hier tatsächlich ein Beispiel nehmen. Ich will aber nicht verschweigen, dass es "hinter den Kulissen" genauso vermüllt ist wie überall. Mallorca versucht ja seit einigen Jahren vom Image des Sauftourismus wegzukommen und mehr Richtung Natur-/Ökotourismus zu gehen. Einerseits hat man das Problem der Besuchermassen, andererseits lebt die Insel vom Tourismus, ohne den sähe es da schon sehr mau aus. Mir fielen auch die regen Bautätigkeiten überall auf.

Ich bin gestern über einen Artikel gestolpert, dass die Stadt Penzance in Cornwall versucht, eine "plastikfreie Gemeinde" zu werden, da sie das Müllproblem täglich am Strand vorfinden.

Ich setze den Begriff deshalb in Anführungszeichen, weil es da in erster Linie um Einwegplastik (Coffee to go, Plastikbesteck etc.) geht, dass man abgeschafft hat bzw. abschaffen will. Es ist ein Anfang, aber ein viel zu kleiner. Plastik ist mir auf Mallorca überall begegnet, am Strand im Gebüsch, in wilden Müllkippen "hinter den Kulissen" und natürlich ist es omnipräsent beim einkaufen.

Immerhin wird man gefragt, ob man eine Tüte will, anstatt ungefragt eine in die Hand gedrückt zu bekommen.  Vor dem Urlaub habe ich recht lange nach Sonnenschutz gesucht, der kein Mikroplastik enthält und idealerweise auch nicht in einer Plastikpackung steckt, bei "monomeer" bin ich dann fündig geworden. Ich war erst etwas skeptisch, weil ich eine sehr helle und empfindliche Haut habe, aber der Stick hat supergut geschützt, wenn auch die Konsistenz teilweise etwas krümelig war. Die Papphülse ist erstmal ungewohnt, funktioniert aber einwandfrei. Das sollte mir für das restliche Jahr reichen.

Blick Richtung Cap Formentor

Als ich wieder in Alcúdia auf dem Hauptplatz ankomme, setze ich mich in den Schatten auf eine Bank. Auf der Bank nebenan ist die asiatische Familie, die allen im Flieger schon negativ aufgefallen war. Die Großmutter hat mir beim Jacke ausziehen beinah ihren Ellbogen ins Gesicht gehauen und der Sohn quetschte sich beim Boarding mit seinem Sohn auf dem Arm durch den engen Flugzeuggang "Entschuldigungentschuldigungentschuldigung" murmelnd, mein rechtes Bein wurde dabei ziemlich gequetscht, weil der Herr nicht abwarten konnte, bis ich in meiner Reihe "eingeparkt" hatte und hat mich einfach beiseite gedrängt. Das hat ein allgemeines Kopfschütteln verursacht. Ich meine, im Flieger hat doch jeder seinen Platz, wo ist denn das Problem? Jedenfalls ist die gesamte Familie nebenan versammelt beim Eis essen und auf dem Handy rumdrücken.
Ich schäle eine Madarine - von denen habe ich am Ende jeden Tag zwischen 2 und 4 Stück gegessen, so lecker, saftig und nicht zu vergleichen mit dem Müll, den man hier kaufen kann. Da höre aus einem Torbogen plötzlich *wrrrröööööööömmmmmmm wrrrrrööööööööömmmmm* und frage mich, welcher Sportwagen da jetzt rauskommt. Nach einigen Momenten erscheint ein silberner Seat im Rückwärtsgang *wrrrröööööööömmmmm wrrrrrööööööööm* und es ist absolut klar, dass er gleich an der rechten Seite des Tors hängenbleiben wird, wenn der Fahrer nicht den Weg korrigiert.
*wrrrrööööööömmmmmm wrrrrröööööömmm KNIRSCH* 
Nächster Versuch, Vorwärtsgang, Stück nach vorne fahren und dann...
*wrrrrööööööömmmmmm wrrrrröööööömmm KNIRSCH*
Versuch Nummer drei.
*wrrrrööööööömmmmmm wrrrrröööööömmm SCHRAPPSCHRAPP*

Der Seat ist aus dem Tor raus, und eine ältere Señora entsteigt dem Wagen mit gestresstem Gesichsausdruck.
Tor zu.
Das nächste Problem ist, dass da überall noch die Absperrungen vom Marathon stehen und sie nicht einfach geradeaus losfahren kann. Also wieder Rückwärtsgang und *wrrrrööööööööömmmm wrrrrrööööööööööööömmmmmmm*.
Hin und her und hin und her mit viel *wrrrrööööööööömmmm wrrrrrööööööööööööömm*
Es kommt, wie es kommen muss, Señora fährt erst gegen das Marathongitter und dann das Marathongitter um.

Inzwischen hat sie einige interessierte Beobachter, unter anderem mich (mir tut sie leid, ich kann den Stress gut nachvollziehen, ich hasse Autofahren). Mit einem *klonk* fällt die Asperrung um und Señora legt wieder den Vorwärtsgang ein, ein netter Mann stellt die Absperrung wieder auf. Rückwärtsgang  *wrrrrööööööööömmmm wrrrrrööööööööööööömmmmmmm*
Ich denke mir "gleich knallts wieder", als Señora zielsicher das Auto gegen den Briefkasten am Nachbarhaus setzt.
Jetzt aber!
Endlich steht das Auto so, dass sie wegfahren kann. Auf der rechten Seite ist der Seat sehr verbeult und verschrammt, das war wohl nicht das erste Mal heute.

Ich laufe nun zurück nach Port d'Alcúdia und überlege, was ich am nächsten Tag machen will. Definitiv nicht so viel auf der Straße herumlatschen! Ich bin sehr neidisch auf die Motorradfahrer, die ich sehe, aber 450 € für drei Tage Africa Twin, das war mir dann doch zuviel des Guten.

Heute will ich noch ein Stück in die andere Richtung der Bucht laufen und sehen, wo man da so hinkommt. Mein Weg ist leider recht bald zuende, denn hier kommt ein militärisches Sperrgebiet und dann wieder die Straße. Ne, muss nicht sein.

Dafür entdecke ich jetzt, was es mit den seltsamen Türmen auf sich hat, die ich von weitem gesehen hatte. Es ist ein altes Heizkraftwerk. Als ich so am Zaun entlang laufe, kommen zwei kleine Jungs auf Fahrrädern die Straße entlang gefahren.

Am ehemaligen Eingang zum Kraftwerk halten sie "entramos!!???!!!", "wollen wir reingehen?" fragt Gordito seinen Freund Nichtganzsogordito und ich grinse mir eins. Zwei kleine Abenteurer auf dem Weg ins Verbotene. Geschafft haben sie es wohl nicht, oder sich doch nicht getraut, denn sie fahren bald wieder an mir vorbei.  Als ich zurücklaufe geht vor mir ein britisches Ehepaar, das darüber diskutiert, ob sie jetzt schon mal hier langgekommen sind, oder nicht und wo nun die richtige Straße ist oder auch nicht. Ich genieße es, dass die Sonne mir in den Nacken brät und dass ich mal nicht ausschließlich vom Sport schwitze. Definitiv Urlaubsfeeling!

 11.03.2018 Port d'Alcúdia - Porto Pollensa

Hinter den Kulissen
Heute will ich mal nicht so viel auf der Straße rumlaufen und überlege mir, den Bus nach Porto
Pollensa zu nehmen. In meinem Reiseführer hieß es, dass diese Bucht besonders windgeschützt sei und man von dort tolle Blicke auf die Tramuntana hätte. Weil ich nicht immer die gleiche Straße entlang nach Alcúdia laufen will, nehme ich heute die Parallelstraße zur Hauptstraße.

Die Richtung passt schon, denke ich.

Porto Pollensa
Ich komme an einem riesigen Lidl-Markt vorbei (bienvenidos al mundo globalizado!), überall gibt es quasi die gleichen Läden wir in Deutschland: Aldi, Lidl, Bauhaus... es ist schon ein komisches Gefühl, in Spanien zu sein, und es ist alles irgendwie sehr deutsch. Bald wird mir klar, dass die Straße nicht die gute Wahl war, denn sie führt in einem Bogen um Port d'Alcúdia herum. Auf zurücklaufen habe ich keine Lust, denn ich wollte ja was anderes sehen.

Bald komme ich in eine etwas abgelegenere Ecke, die dennoch touristisch ist. Ich würde mal sagen, hier ist im Sommer der 3B-Tourist unterwegs und der kommt vermutlich aus Großbritannien. Hier gibt es: Zwei riesige (leere) Apartmentkomplexe (Jupiter y Saturno), ein englisches Pub, einen Laden mit Billigalkohol, eine Pizzeria und ein Tattoostudio (davon gibt es übrigens reichlich!). Rechts befindet sich ein halb abgerissener Zaun, dahinter Gestrüpp und eine wilde Müllkippe. Die Kombination der Geschäfte an der Straße lassen mich grinsen und zugleich schaudern: Hier geht man im Sommer billig Pizza essen, danach besäuft man sich, lässt sich tättowieren und kotzt dann wahlweise ins Gebüsch, oder geht dort poppen. Turismo de emborracharse vom feinsten also.

Hier ist es auch nicht mehr so poliert, wie auf der Strandpromenade. Am Wegrand liegen eine explodierte Puppe, Kleidungsstücke, diverser Müll. Ich laufe auf ein Schild zu, das Richtung Alcúdia zeigt und mache mich auf den Weg. Aus der Idee, heute nicht so viel zu laufen und schon gar nicht auf der Straße ist ein frommer Wunsch geworden. Ich stapfe entlang einer Hauptstraße Richtung Alcúdia, 4 Kilometer. Na, egal, die Sonne scheint und ich halte die Augen offen nach Dingen, die mir am Wegrand auffallen könnten und schaue in die Landschaft.

Irgendwann sind die 4 Kilometer geschafft und ich stehe an der Bushaltestelle in Alcúdia, das war ein Riesenumweg! Als der Bus kommt und ich mich für ein paar Minuten setzen kann, bin ich ziemlich froh. Nach einer Viertelstunde spuckt uns der Bus in Porto Pollensa aus und ich laufe nach vorn ans Meer.

Wie war das mit windgeschützt? Der Wind, der von der Tramuntana herunterweht ist ziemlich kräftig und das Meer aufgewühlt. Ich mache mir eine mentale Notiz, den Sonnenschutz ab und zu erneuern, mit dem Wind merkt man nicht, wie man verbrennt. Immer wieder bleibe ich stehen, mache Fotos, genieße die Sonne, den Wind und die Ausblicke. Ab und zu setze ich mich auf eine Bank, trinke was, Jacke aus, Jacke an. Der Wind treibt den Sand über die Promenade. Ich laufe an der Promenade weiter und hoffe, dass ich ein ganzes Stück aus dem Ort raus zu einem Leuchtturm laufen kann. Leider werde ich wieder enttäuscht, wieder militärisches Sperrgebiet und ich stehe in einem Wohnviertel, von wo aus es nur die Wahl Straße oder Straße gibt. Ich drehe wieder um und gehe zurück.

Der Wind hat inzwischen an Fahrt aufgenommen und je nachdem schleudert er einem den Sand ins
Gesicht. Am Abend werde ich mir unter der Dusche den Sand aus den Ohren puhlen.

Ja, so richtig tagesfüllend ist das hier nicht, aber um irgendwoanders hinzufahren haut es mit den Bussen nicht hin. Ich laufe in die andere Richtung, setze mich ab und zu auf eine Bank, schaue aufs Meer. Der Wind schleudert mir Sand ins Gesicht und es ist auch frisch im Schatten. In der Sonne möchte ich gerade nicht sitzen, weil ich das Gefühl habe, dass ich schon Sonnenbrand habe und knallrot bin (was sich abends nicht bestätigt). Also gehe ich weiter an der Promenade entlang, kaufe mir ein (sauteures aber extrem leckeres) Eis und genieße es einfach nur, am Meer zu sein. Urlaub heißt auch, Zeit vertrödeln, Nichtstun und mal kein großartiges Programm zu haben. So langsam komme ich hier an.

Auf der Promenade kommt mir ein Kind auf einem Fahrrad mit einer großen Plastiktüte in der Hand entgegen, die offenbar vom Wind aus dem Müllbehälter gerissen wurde. Sein Vater sagt ihm, es soll die Tüte in den Mülleimer werfen. Vorbildlich! Auch hier: Mülleimer überall, Hinweise, den Strand sauberzuhalten überall. Ich setze mich auf die Mauer an der Strandpromenade und schaue Leuten zu, die ihre Katamaranboote vorbereiten. Der Wind weht die Umhüllung von einem Sixpack Wasser gegen meinen Fuß. Ich schäle meine Mandarine und beschließe, hier ein paar Sachen einzusammeln, wenn ich weiterlaufe.

Für Bauarbeiten liegen diverse Steinplatten am Strand, alle in Plastikfolie eingehüllt. Ich frage mich, wie man das früher gemacht hat? Die Steine einfach aufgestapelt und fertig, oder? Die Folie wird der Wind früher oder später zerreißen und ins Meer blasen. Mir fällt sowas öfter auf, auch hier. Auf der einen Seite wird unglaublich "umweltbewusst" getan, auf der anderen völlig gedankenlos verpackt, Plastik benutzt, Müll herumgeworfen. Als ich mich nach meinem Urlaub mit Fabricio treffe, sprechen wir auch über dieses Thema. Wie lange gibt es Kunststoffe in so großem Maß? 70 Jahre? Und in so kurzer Zeit haben wir es geschafft, den gesamten Planeten und sämtliche Ökosysteme damit zu versauen. Mich macht es immer wieder traurig. Ich versuche ja, zuhause möglichst plastikarm zu leben und einzukaufen. Es ist unglaublich schwierig bis unmöglich, gerade auch bei Alltagseinkäufen, von Obst, Gemüse, Eiern mal abgesehen. Selbst im Bioladen ist alles voll mit Plastikverpackungen und die gleichen "Convenienceprodukte" werden mehr oder weniger identisch verkauft, nur mit Biolabel. Ok, ich habe es bis jetzt noch nicht in den Unverpacktladen geschafft, was aber auch daran liegt, dass ich so gut wie nie in der Innenstadt bin. Interessanterweise gibt's keinen solchen Laden in unserem "Super-Öko-Vorzeigeviertel" (mit Absicht in ""), aber das ist eine andere Geschichte.

Porto d'Alcúdia
Weil es noch recht lang bis zum nächsten Bus ist, beschließe ich, ein Stück weiterzulaufen. Ich komme an einem Picknickplatz an und entdecke auch ein Schild, das die Richtung zur Bushaltestelle zeigt. Die gehe ich jetzt mal suchen. hm, noch fast eine Stunde bis der Bus kommt, da kann ich auch noch weiter laufen.

Es endet wie die letzten Tage: Ich laufe auf der Straße, erst zur nächsten und dann zur übernächsten Haltestelle. Das waren heute locker 15 Kilometer, soviel zu "nicht so viel laufen". Während ich an der Haltestelle neben einem 4-Sterne-Sporthotel auf den Bus warte, fällt mir auf, dass ich nicht mehr müde bin. Zuhause hat irgendwann nicht mal mehr ein Kaffee am Nachmittag geholfen, um mich wach zu machen.

Palmen im Abendwind
Langsam kehrt meine Energie zurück. Ich weiß nicht, ob ihr das auch kennt, aber wenn ich bei 100%
Fitness bin, fühlt es sich an, als ob ein Dynamo in mir schnurrt. So langsam kommt das Schnurren wieder. Es ist schon Wahnsinn, was die Sonne ausmacht! Diesen Winter habe ich viele meiner Zipperlein darauf geschoben, dass ich jetzt halt über 50 bin, Wechseljahre und so weiter. Hier ist das alles weggeblasen. Die Schlafstörungen sind weg, die Hitzewallungen, die ich nur mit Hilfe von Tabletten im Griff hatte (die ich im Urlaub eh immer vergesse zu nehmen), alles weg.

Der Bus kommt und ich fahre zurück nach Port d'Alcúdia, gehe ins Hostal, lege mich kurz aufs Bett,
um die Füße etwas auszuruhen. Dann kommt mir eine Idee: Ich könnte mal versuchen, ob die Dusche abends funktioniert, wenn nicht so viele andere Leute duschen. Und: Sie tut! Nach der heißen Dusche, die mich vom Sand entledigt, gehe ich noch etwas raus. Der Wind ist hier auch sehr stark und der Sonnenuntergang schafft eine eigentümliche Stimmung. Ich hole mir nochmal Brot, diesmal in einem anderen Supermarkt. Dort kauft eine Horde halbjunger Chinesen Sixpacks Bier. Die Chinesen sehe ich später an der Promenade sitzen, jeder hat ein Sixpack vor sich und jeder drückt auf seinem Handy herum. Superurlaub!


 12.03.2018 Port d'Alcúdia - Port de Sóller

Blick aus dem Fenster des Ferrocarríl
So, heute einmal das Touristenprogramm bitte und zwar ganz! Ich hatte mir für heute rausgesucht, nach Port de Sóller zu fahren.
 Mit den Bussen ist es an und für sich ganz gut auf Mallorca, nur nervig, dass um diese Jahreszeit einige Querverbindungen nicht fahren, so dass von vornherein einige Ziele ausschieden. Für alles musste ich ja erst nach Palma fahren und je nach Uhrzeiten und Anschluß war einiges einfach nicht machbar. Sóller jedoch erschien mir prima als Tagesausflug und ich hatte auch im Reiseführer und im Internet über die kleine Bimmelbahn gelesen (Ferrocarríl de Sóller), die dort hinfährt.

Zwischenstopp in Bunyola
An der Haltestelle in Alcúdia angekommen musste ich feststellen, dass der Fahrplan, den ich mir heruntergeladen hatte, nicht aktuell war und es mit dem Bus eng werden könnte. Ich dachte mir nur, ich lass es drauf ankommen, wenn ich den Zug nicht bekomme, vertreibe ich mir halt so den Tag, oder fahre irgendwoanders hin. Wenn es sein soll, klappt es, wenn nicht, dann nicht. Das Bähnchen fährt im Winterhalbjahr natürlich auch nicht so oft und so lange, wie im Sommer. Auf meiner Karte sah es so aus, als ob die Estación Intermodal und die von der Bahn nicht weit auseinander liegen. Der Bus kam pünktlich in Palma an, nachdem ich erstmal erstaunt war, als er in eine Art Tiefgarage fuhr, die sich dann als Busstation rausstellte. Ich hatte genau 5 Minuten, um die Station zu finden, eine Fahrkarte zu kaufen und in den Zug zu hüpfen. Weil ich keinen Hinweis für die Bahn fand, fragte ich an der Information. Ja, ich müsste nach oben und dann sei da rechts ein Café und dort wäre die Bahn. Ich rannte einmal um das Café herum, bis ich beim zweiten Mal sah, dass da noch ein anderes war und auch ein Schild "Ferrocarríl de Sóller", also nix wie dort hin. Die Bahn stand schon abfahrbereit, ich raste zum Fahrkartenschalter, wo zum Glück niemand sonst anstand, löste das Ticket, stieg in den Zug und schon ging es los. Punktlandung!

Zum greifen nah!
Das Bähnchen ist wirklich urig, alles ist aus Holz, poliert und liebevoll instand gehalten. Weil ich so spät kam, hatte ich leider keinen Fensterplatz, die Bahn war relativ voll. Man kann sich gut vorstellen, wie das im Sommer sein wird, wenn es jetzt schon kuschelig ist. Das Rattatrattat der Schienen versetzt einen sofort in nostalgische Stimmung, während man mitten durch die Straßen Palmas aufs Land schaukelt. Nach einigen Minuten ist der Stadtrand erreicht und die erste Orangen- und Zitronenhaine tauchen auf.

Ich habe den Eindruck, dass sich die Natur seit meiner Ankuft nochmal ordentlich weiterentwickelt hat, überall blühen goldgelbe und hellgelbe Blumen zwischen den Bäumen und irgendwie ist es ingesamt grüner geworden. Aus den Fenstern, die man nach oben schieben kann, um sie zu öffnen, wird eifrig fotografiert und gefilmt. Allmählich kommen die Berge der Tramuntana näher und die Bahn rattert langsam nach oben. In Bunyola gab es einen Fotostopp, dort und bis dahin waren die Ausblicke in die Tramuntana wirklich großartig und ich war ein bisschen traurig, dass ich diesmal nicht so viel entdecken können würde, weil es zeitlich mit den Bussen immer recht knapp war.

Bald erreichten wir Sóller, dort steigt man dann in die Tranvía de Sóller um, man muss ein wenig warten, bis die Straßenbahn kommt und kann sich derweil etwas die Füße vertreten. Natürlich wurde neben mir gemeckert, warum da nicht die Straßenbahn gleich stehen könnte, wenn doch die Bahn dann und dann ankommt. Hallo??? Das Gemecker und Bessergewisse einiger Leute ging mir wirklich auf den Geist (Die Meckerer waren nicht nur Deutsche!), ich hatte auch Momente des Fremdschämens. Wenn deutsche Touristen in den Bus steigen und den Fahrer ganz einfach auf Deutsch anquatschen zum Beispiel. So schwer ist es doch nun wirklich nicht, zwei, drei Sätze auf Spanisch zu lernen und zumindest die Grundzahlen zu kennen, um sein Busticket zu kaufen. Ich kann verstehen, dass man Thai, Chinesisch, oder Vietnamesisch nicht lernen will, aber etwas Spanisch, Englisch, Französisch...? Ich hatte mir auf die Schnelle ein paar Brocken Mallorquín beigebracht, man weiß ja nie. Mallorca gehört zu Spanien und nicht zu Deutschland, auch wenn man angesichts vieler Dinge glauben könnte, dass man nicht in Spanien ist.

Genauso, dass man auf der Strandpromenade von Deutschen auf Deutsch angesprochen wird. Das
nächste Mal spreche ich einfach kein Deutsch, dann sollen sie sich abmühen! Die "allgemein übliche" Sprache in einem fremden Land ist - sofern man die Landessprache nicht kann - Englisch und nicht Deutsch. Willkommen im Pauschaltourismus. Insofern war Mallorca auch ein leichter Kulturschock für mich, ich reise ja sonst anders und bin wesentlich mehr "mittendrin" und versuche, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.

Tranvía de Sóller
Die niedliche, alte Holzstraßenbahn tauchte bald auf und man konnte Platz nehmen. Auf alten Emailleschildern wurde darauf hingewiesen, sich in Fahrtrichtung zu setzen und die Fahrkarten bis zum Ende der Fahrt aufzubewahren. Richtig cool in der Straßenbahn war, dass man die Lehnen der Holzsitze verschieben kann, so dass man auf jeden Fall in Fahrtrichtung sitzen konnte. Die Straßenbahn wird auch von ein Einheimischen genutzt, für Touristen ist der Öffentliche Nahverkehr ziemlich teuer. Ok, das Ticket mit dem Bähnchen und der Straßenbahn war Touriprogramm pur, 32 € hat der Spaß gekostet, aber das meine ich nicht. Die Fahrt von Alcúdia nach Palma und zurück kostet für Otto Normaltouri 10,50 €, auch die anderen Verbindungen sind nicht so wahnsinnig günstig. Für die Einheimischen gibt es die "tarjeta intermodal", die - je nach gewählten Zonen - entweder für die gesamte Insel oder für Teile gilt, aufzahlen müssen sie dann aber nicht den Touristenpreis. Insgesamt muss ich sagen, dass ich Mallorca relativ teuer fand gemessen am spanischen Festland z. B. Mir fiel das vor allem auf, als ich mir spaßeshalber Lederwaren aus Inca angesehen habe. puh, da gibt's in Asturien auch schöne Sachen für die Hälfte von den Preisen. Touristenpreise eben.

Port de Sóller mit Amüsiermuscheln
In Port de Sóller angekommen, lief ich erst einmal ein bisschen im Hafen herum, wollte dann aber zu dem hübschen, schwarz-weiß gestreiften Leuchtturm auf der einen Seite der Bucht laufen. Leider ging das nicht, denn auch hier: Militärzone. Dafür entdeckte ich einen anderen Aussichtspunkt neben einer Kirche und lernte einige sehr gesprächige Katzen kennen, die auf Mauern oder Wegen saßen. Nun gut, dann laufe ich eben mal die andere Seite entlang, immer mit Blick auf die Uhr, denn die letzte Bahn wollte ich nicht verpassen.

Die Sonne war herrlich und immer wieder hielt ich an, um Fotos zu schießen. Bald hatte ich die
Bucht umrundet und beschloß, die Straße in Richtung des anderen Leuchtturms zu laufen. Mal sehen, ob das zeitlich bis ganz nach dort reicht. Ich setze mir in solchen Momenten immer eine bestimmte Zeit, bis zu der ich weiterlaufe und entweder das Ziel ist dann erreicht, oder nicht. In diesem Fall war es weniger weit, als ich gedacht hatte und bald stand ich oben beim Leuchtturm und hatte noch ein paar andere Blicke auf die Bucht. Schade, dass das Restaurant dort oben geschlossen war, dort einen Kaffee zu trinken, wäre sozusagen noch das Sahnehäubchen gewesen.

Als ich zurücklaufe und an einem Strandrestaurant vorbeikomme, merke ich, dass ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten auch wieder richtig Lust auf Essen habe und nicht nur mechanisch irgendwas reinschiebe, weil der Magen knurrt. Am Beginn der Strandpromenade ist ein Eiscafé und ich beschließe, mir da was zu holen. Kaum komme ich an die Theke, reicht mir eine Dame mit den Worten "Möchten Sie das Karamelleis probieren?" einen Löffel rüber. Ich spreche konsequent Spanisch (die Dame ist ganz offensichtlich Deutsche), erst am Ende sage ich auf Deutsch zu ihr "Ich finde es einfach seltsam in Spanien Deutsch zu sprechen!" Das Eis und der Kaffee sind lecker und ich füttere einen Spatzen mit Stückchen von meinem Hörnchen. Er frißt mir aus der Hand, und piept um  Nachschub. Als ich ihm das letzte Stück vom Hörnchen gebe, pickt er etwas daran herum, um dann angehüpft zu kommen und wieder zu piepen. Nein, mein Freund, Du hast gerade was bekommen!

So langsam wandere ich in Richtung Hafen zurück, überlege, ob ich die frühere Straßenbahn nehmen soll, um mir in Sóller noch eine Stunde die Zeit vertreiben. Aber dann ist es am Meer einfach zu schön. Ich gehe in einen kleinen Andenkenladen und kaufe drei Postkarten. Als ich die Verkäuferin auf Spanisch frage, ob sie auch Briefmarken verkauft, strahlt sie über das ganze Gesicht. Wir sind im Nu in einen kleinen Smalltalk vertieft, sie macht mir Komplimente für mein Spanisch und wir mutmaßen, ob nicht die Chinesen schon Mallorca gekauft haben oder bald übernehmen werden.

Ich gehe zum Strand, setze mich an eine Palme gelehnt auf den Sand, schreibe meine Karten und
genieße die Sonne, den Wind und das Nichtstun. Sonst bin ich ja jemand, der immer viel Programm macht und seine Zeit so voll wie möglich mit Unternehmungen stopft. Hier merke ich, wie gut es tut, einfach mal kein Programm zu haben, nichts zu müssen, sondern die Zeit einfach zu vertrödeln, auf das Meer zu schauen, noch ein bisschen in einem anderen Laden zu stöbern und dann gemütlich auf die Straßenbahn zu warten. Einfach nur im Hier und Jetzt zu sein, ohne Termine, ohne Druck, ohne Ziel, herrlich!

Um 16:30 Uhr besteige ich die relativ leere Straßenbahn und fahre zurück nach Sóller. Der Bahnhof
ist in goldenes Abendlicht getaucht, das jetzt schon etwas schräger über die Berge fällt. Ich steige in den Zug, diesmal mit Fensterplatz und schiebe das Fenster nach unten. Diesmal kann ich auch Fotos von der Fahrt machen. Der Zug ruckelt los, ich nehme Abschied von diesem hübschen Ort und freue mich über den perfekten Tag. Unterwegs zuckeln wir wieder durch die Orangen- und Zitronenhaine, durch die blühende Landschaft, die Olivenhaine, die Berge und ich sauge die Eindrücke auf, wie ein Schwamm. Die Abendsonne taucht alles in ein goldenes Licht und so schaukeln wir im gemütlichen Tempo zurück nach Palma.

Dort besteige ich den Bus nach Port d'Alcúdia mit einem dicken Lächeln im Gesicht und der Erinnerung an einen wunderbaren Tag.

13.03.2018 Port d'Alcúdia - Valldemossa

 

Valldemossa
Für heute hatte ich mir Valldemossa vorgenommen, etwas in die Berge fahren und dann mal weitersehen. Morgens bestieg ich den üblichen Bus nach Palma, freute mich unterwegs an dem perfekt blauen Himmel und den tollen Ausblicken auf die Tramuntana. In der Estación Intermodal herrschte an den beiden Steigen für die Busse nach Valldemossa schon großes Gedränge. Wanderer, Tagesausflügler, Rentner, Familien... zuerst kam ein großer Reisebus, an dem sich dann auch alles drängte, bis ein zweiter Stadtbus auftauchte. Ich stand schon in der Schlange für den Reisebus, da ich mich geschickt nach vorne gedrängt hatte. Der Bus wird sicher rammelvoll, dachte ich mir. Ein Teil der Leute stieg jetzt auch in den Stadtbus ein. Ich fand problemlos einen Platz und sah nun amüsiert dem Treiben aus. "Schantalle, Schantalle, hierher, hier ist die Gruppe" (Übersetzung auf Französisch, Englisch, Russisch nach Belieben einsetzen). Natürlich muss eine Gruppe auch immer zusammen sitzen und es ist ein riesiges Problem, mal eine halbe oder eine Stunde neben einer völlig fremden Person zu sitzen, ohne Blick auf Schantalle und die Gruppe! Man könnte ja die Haltestelle verpassen oder andere Katastrophen!

Irgendwann wird es dem Busfahrer zu bunt. Er schnauzt die Zauderer an "Sientense!!!! Aquí hay
asientos!!!!" Er muss ja einen Fahrplan einhalten und wir sind schon einige Minuten drüber, es stehen immer noch Leute vor dem Bus und kaufen Fahrkarten. Irgendwann ist auch das geschafft und wir fahren los.

Auf dem Weg nach Valldemossa sind riesige Gruppen Rennradfahrer unterwegs und die Straße läßt mein Herz höher schlagen, perfektes Motorradterrain! Geduldig schiebt der Bus sich hinter den Radfahrern her, überholt, wo es geht. Es ist wirklich eng hier und ich bewundere die Fahrkünste. Valldemossa ist bald erreicht und der Bus spuckt uns an der Haltestelle aus. Valldemossa - so hatte ich im Reiseführer nachgelesen - ist bekannt, weil dort seinerzeit Frédéric Chopin mit seiner Geliebten George Sand einen unangenehmen Winter in der Kartause von Valldemossa verbrachte. George Sand hat daraufhin wohl ein Lästerbuch über Mallorca im speziellen und Valldemossa im Besonderen geschrieben, das zwar niemand kennt, den Ort aber populär machte. Jeder wollte jetzt natürlich diesen schrecklichen Ort sehen und reiste nach Valldemossa, seitdem ist es touristisch bekannt. So die Legende.

Valldemossa ist wirklich sehr malerisch mit seinen engen, steilen Gässchen, den hübschen Häusern aus hellem Stein und die Lage am Fuß der Tramuntana ist ebenfalls sehr schön. In der Hauptstraße gibt es zur Abwechslung mal nicht nur Kitschsouvenirs, sondern einige hübsche Dinge zu kaufen. Ich denke schon eine Weile darüber nach, welches Andenken ich mir von Mallorca mitnehmen kann. Das Problem ist, dass ich nichts wirklich brauche, Keramikwaren habe ich genug, Taschen brauche ich nicht, genauso wenig Klamotten, Stehrumsel und Abstaubsel will ich nicht. Ich schlendere durch die Gassen, bewundere den Blumenschmuck an den Hauswänden. An praktisch allen Häusern befinden sich auch bunte Kacheln mit Fürbitten an die Heilige Catalina Thomás, die 1531 in diesem Dorf geboren wurde. Ihr Geburtshaus befindet sich in der Carrer de la Rectoria, ebenso gibt es eine Statue auf einem Brunnen.

In einer Gasse steht eine dicke, püschelige Katze und vor mir ein älteres, spanisches Paar. Ich drehe
ihnen den Rücken zu und mache Fotos, unter anderem auch weil ich total grinsen muss. Die Frau flötet in den höchsten Tönen "ja Kätzchen, wo kommst DU denn her? Ja, Dich habe ich ja gar nicht gesehen! Ja, so ein süßes Kätzchen!!!" Als die beiden weitergehen, kann ich natürlich auch nicht widerstehen, zu der Katze zu gehen, die mich anmiaut, mir den Kopf hinstreckt und als ich sie streichle, blitzschnell ihre Krallen in meinen Daumen schlägt. Na Dankeschön! Dann geh mal wieder in Deine Ecke, Du Filzmop, bevor der Zorn der Heiligen Catalina Dich trifft. Oder meiner.

Ich schlendere durch den Ort, als eine Gruppe Jugendlicher auftaucht, die scheinbar hier auf
Klassenfahrt sind und sich langweilen. Sie tragen einen Bluetooth-Lautsprecher herum, als dem - soweit ich es verstehe - spanische Popmusik mit provokanten Texten tönt. Die unterscheiden sich auch nicht, egal, welches Land, denke ich mir. Auf dem Weg durch die Gassen kommt mir ein Motorradfahrer auf einer Transalp entgegen und ich bin nur neidisch! Wie mir mein Motorrad hier fehlt! Ich würde gerne noch etwas außerhalb von Valldemossa spazieren gehen, aber der kleine Weg neben der Straße, den mir ein netter, junger Mann zeigt, endet schon nach wenigen Metern. Straßengetrampel nein Danke! Also wieder zurück in den Ort.

Ich laufe nochmal durch die Hauptstraße, jetzt wild entschlossen, irgendeine Kleinigkeit zu finden, die ich nach Hause mitnehmen kann. In einem Laden werde ich fündig. Ich kaufe eine Keramikkachel auf der "Aquí vive un motero" steht, es ist die letzte. Perfekt! Dann gehe ich zu dem kleinen Café, das etwas abseits vom Getümmel liegt und das ich auf meiner Runde durch das Dorf entdeckt habe. Im Garten sitzt außer mir nur ein deutsches Paar beim essen. Ich bestelle einen Cortado und frage, welche Kuchen sie so haben. Auch hier: Immer, wenn ich Spanisch spreche, strahlen  mich die Leute an. Ich bestelle einen Käsekuchen und sitze noch eine Weile herum. Die Rechnung kommt in einer Fischdose, überhaupt ist das Lokal total witzig und originell dekoriert. Beim bezahlen wechsle ich noch ein paar Worte mit der Bedienung und dann geht es zum Bus zurück. Was ich hier mache, ist schon ein bisschen Alteleuteurlaub...


14.03.2018 Port d'Alcúdia - Deiá

Deiá
Uh, da ist er schon, mein letzter richtiger Tag. Ich habe gar keine Lust auf Deutschland und noch weniger auf das für das Wochenende angesagte Wetter, das heißt nämlich: Schnee! Dabei hatte ich gehofft, bei meiner Rückkehr Conchita aus dem Stall holen zu können, aber nein.

Als ich an diesem Morgen in Alcúdia an der Bushaltestelle stehe, spricht mich ein Mann an. Ich bin in Gedanken vertieft und verstehe erstmal nicht. Dann kommen wir ins Gespräch. Er fragt mich, ob ich auf den Bus nach Palma warte und dass er nach Inca fährt mit dem Bus, der vorher kommt. Diesmal muss ich sagen habe ich etwas Probleme, dem Gespräch zu folgen, denn das hier ist ein Malloquiner. Ich verstehe ungefähr 80% von dem, was er so erzählt, manchmal muss ich auch nachfragen. Ich erzähle ihm von meinen Reisen und dass ich mir auf Mallorca gern ein Motorrad geliehen hätte, aber mir das zu teuer war. Ich zeige ihm ein Foto von Conchita und er ist ziemlich beeindruckt. Er ist Matrose, hat heute seinen freien Tag, er schwärmt mir vom Meer vor und wie toll es dort ist, auch wenn das Wetter schlecht ist. Es ist recht lustig, wie wir uns gegenseitig mit Begeisterung von unseren Leidenschaften erzählen. Dann geht er Zigaretten kaufen und ich schlendere herum und warte weiter auf meinen Bus.

Heute kenne ich das Spiel mit dem Umstieg in Palma schon, es werden zwei Busse kommen, die beide nach Valldemossa bzw. Sóller fahren, der Unterschied ist, dass der eine schneller ist und der andere langsamer. Als ich an den Busstiegen stehe, regen sich hinter mir zwei Briten auf, dass beide Busse die gleiche Nummer (210) haben und wie unübersichtlich das doch sei. "Can't they call one of them 209?" No, they can't, and now deal with it! Wie mir dieses Gemecker auf die Nerven geht! Man kann sich die ganze Welt ja auch auf youtube ansehen, wenn's einem im Ausland nicht passt.

Mallorquinischer Wollpertinger!
Ich nehme heute den langsamen Bus und schaukele gemütlich nach Deiá hoch. Im Bus amüsiert mich die deutsche Übersetzung der Aufforderung, rechtzeitig auf den Stoppknopf zu drücken sehr. Dort steht: Fordern Sie Ihren Fortschritt mit Stop. Das ist irgendwie schon fast philosophisch, die ultimative Langsamkeit des Seins oder so. Der Bus schaukelt vorbei an Valldemossa (iPhones und anderes wird gezückt) und die schmale Straße nach Deiá entlang.

Ich sehe irgendwann Häuser und denke, dass das wohl Deiá sein muss, als jemand den Stoppknopf drückt. Ich steige aus dem Bus, hinter mir ein altes Ehepaar "Ist das Deiá?" "Ich denk schon, ich weiß nicht, ob der Bus nochmal hält." Ein paar Leute springen wieder in den Bus, andere steigen aus, das Paar zögert und schlurft dann über die Straße, dem Schild "Deiá" nach. Als ich dem Weg folge, denke ich mir, dass mich die beiden sicherlich verfluchen, denn Deiá ist noch mehr als einen Kilometer entfernt und sie wirken nicht sehr fit. Auf der anderen Seite, bin ich Fremdenführer, oder was?

Ich laufe an Zitronenbäumen vorbei, an denen die riesigsten Zitronen hängen, die ich je gesehen
habe. Hier haben wohl die dümmsten Bauern die größten Zitronen oder so... Deiá selbst ist zwar hübsch, aber dort sind die touristischen Gehsteige noch hochgeklappt. Davon, dass es ein Künstlerdorf sein soll, sieht man wenig. Die großartige Landschaft außenrum entschädigt jedoch. So, und jetzt kommt die Gretchefragen: Soll ich nach Sóller wandern, oder nicht? Zeitlich würde es wohl so gerade reichen und ich merke, dass ich jetzt wieder die Kraft hätte, so etwas zu schaffen.

Cala Deiá
An dem Leuchtturm bei Sóller war der Weg mit 2 Stunden 45 Minuten angegeben. Ich beschließe, einfach mal loszulaufen, ist ja beschildert. Bald laufe ich über irgendwelche Trampelpfade und über Stock und Stein. Das kann nicht richtig sein. Ehe ich mich versehe, stehe ich in einem Labyrinth aus Trampelpfaden, Steinmauern, Felsen und Gestrüpp. Mist. Es dauert fast eine Stunde, bis ich herausgefunden habe und dann sehe ich das dicke, fette Schild, das den Wanderweg kennzeichnet. Damit hat sich die Frage erledigt, ich laufe nun nur herunter bis zur Cala Deiá. Die Bucht ist malerisch, urige Bootshäuser und ein geschlossenes Restaurant finden sich dort. Das Wasser ist klar, der Strand aber felsig. Nach dem Abenteuer im Gestrüpp brauche ich jetzt erstmal eine Pause. Leider wird die Idylle durch eifriges flexen auf der anderen Seite der Bucht gestört, sonst wäre es hier wirklich sowas wie einsam.

Nachdem ich mich gestärkt habe, möchte ich gerne noch etwas weiter, ich habe ein Häuschen
gesehen und dort hat man vielleicht noch etwas Aussicht. Leider endet der Weg hinter einem Felsen und den Mann, der dort sitzt und der offenbar Einsamkeit sucht, will ich nicht stören. Mir kommt noch ein Paar entgegen, das mich fragt, ob es dort weitergeht, was ich verneine. Inzwischen ist Wind aufgekommen und der Himmel bezieht sich, fast so etwas wie Gewitterstimmung. Ich beschließe, den Bus um 17 Uhr anzupeilen und laufe gemütlich zurück. An einer Abzweigung kommen andere Wanderer über die Straße und eine Frau mit St. Pauli-Shirt fragt mich auf Deutsch in genervtem Ton "Geht es da auch nach Deiá?" Jetzt reicht es mir und ich antworte mit "Keine Ahnung, ich bin zum ersten Mal hier! Aber da ist ein Schild!" (Natürlich ging es da nach Deiá, ich wollte den Weg ja auch nehmen). Genervtes Murmeln. Dann "Ach, da geht es ja doch nach Deiá." Jo, selber lesen macht schlau.

Ich laufe nun diesen anderen Weg hoch und komme an bizarren Olivenbäumen vorbei. Einer sieht aus wie etwas aus einer Geschichte von H. P. Lovecraft (Cthulu fhtagn! Iä Iä Shub Niggurath!) und auch die anderen wirken so, als ob sie nachts etwas anders tun, als in der Gegend rumzustehen.

Es ist ein tolles, verzaubertes Tal und hier bin ich jetzt auch mal für einige Zeit komplett allein. Nach Deiá ist es gar nicht so weit, aber bis ich an der Haltestelle angekommen bin, ist einige Zeit vergangen, weil ich immer wieder stehenbleibe und Fotos mache.

Mir kommt der 16 Uhr-Bus entgegen, also eine Stunde warten.
Egal.
An der Haltestelle steht eine ziemliche Menschentraube, die nach Sóller möchte.

Inzwischen hat der Wind aufgedreht und es ist richtig kalt geworden. Wohl dem, der nicht nur im T-Shirt hier rumhüpft denke ich mir und ziehe meine Daunenjacke aus dem Rucksack, die Windjacke drüber und die Mütze über die Ohren. Mir ist nicht kalt, anderen schon. Vor allem denen, die hier in Shorts stehen. Tja.

Um 17 Uhr kommt der Bus nach Palma und ich hoffe, dass er trotz Berufsverkehr rechtzeitig
Cthulhu fthagn!
ankommt, denn wenn nicht, müsste ich zwei Stunden warten. Es klappt aber alles wie am Schnürchen und ich sitze im Bus nach Port d'Alcúdia. Das Wetter hat wohl beschlossen, mir den Abschied leicht zu machen, es ist total neblig. Von den Bergen sieht man nichts mehr und das Busthermometer zeigt noch 13 Grad. In Port d'Alcúdia hole ich mir noch Reiseverpflegung für den nächsten Tag, einige Kilo der unglaublich leckeren Mandarinen und Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Ich packe meine Tasche, dann ärgert mich die Dusche ein letztes Mal, heute Abend will sie nämlich nicht. Ich rolle mich ins Bett und schlafe bald ein.

15.03.2018 Rückreise nach Freiburg

Weil ich am Abend alles gepackt hatte, ist das Morgenritual recht kurz. Ich schmiere mir Brote für unterwegs, trinke nochmal ordentlich Wasser und packte alles ins Handgepäck, was griffbereit sein musste. Um 10:25 sollte ich abgeholt werden, ich bin sehr gespannt, ob das klappen würde, weil ja die Anfahrt schon spannend war.

Die frühe Uhrzeit ermöglichte mir noch einen kleinen, netten Spaziergang am Strand, bevor mich meine Blase wieder ins Hostal trieb. Heute ist es hier zwar auch grau, aber bei T-Shirttemperaturen, es sollte aber in den nächsten Tagen regnen und etwas schlechter werden. Perfekt für die Heimreise. Gegen kurz nach 10 setzte ich mich auf eine Bank gegenüber vom Hotel und wartete auf den Fahrer. In dem ungemütlichen Zimmer will ich nicht herumlungern. Es wird 10:25, 10:30, 10:35, 10:40. Niemand taucht auf, damit hatte ich schon fast gerechnet. Um 10:45 krame ich den Zettel mit der Telefonnummer heraus und rufe dort an. Ja, also der Fahrer sei schon unterwegs, man wolle ihn kurz anrufen und nachfragen und sich dann wieder bei mir melden. Mein erstes Telefonat auf Spanisch hat schon mal gut geklappt.

Nach ein paar Minuten klingelt mein Handy. Ja, also mein Hotel könnte so nicht angefahren werden und ich sollte doch zur Hauptstraße gehen und dort vor dem Supermarkt warten. Bus Nr. 161 würde mich in 10 Minuten abholen. Na dann. Lustigerweise hatte man am Vortag ein Fax ins Hostal geschickt auf dem stand, dass ich vor dem Hostal warten sollte, was ich ja getan hatte. Gegen 10 nach 11 taucht ein Transporter auf und der Fahrer ist leicht angenervt. Er sei schon zweimal hier vorbeigekommen und hätte mich nicht gesehen. tja, ich habe halt, wie verlangt, vor dem Hostal gewartet und nicht am Supermarkt. Mit leicht schlechtem Gewissen steige ich in den Bus und hoffe, dass niemand wegen mir seinen Flieger verpasst.

Alle scheinen tiefenentspannt zu sein und ich gucke zum letzten Mal auf die Berge, dann fahren wir nach Palma und irgendwann stehen wir vor dem Flughafen. Dort wartet eine Frau bereits auf den Fahrer. Sie hätte sich schon Sorgen gemacht, wo er denn bliebe! Der Fahrer grinst nur und meint, es sei wegen mir gewesen. Daraufhin sage ich, dass man mir gesagt hat, ich solle vor dem Hostal warten. Typisch spanisch kommt: No passa nada! Und beide grinsen mich an.

Am Check-In ist eine Riesenschlange und auf der Anzeigetafel steht "retrassado", also verspätet... oh
je. Hoffentlich klappt das mit meiner Zugverbindung. Ich hatte extra den Bus gecancelt, weil ich mit dem Zug zwei Stunden eher in Freiburg sein würde. Nachdem ich die Sicherheitsschleuse passiert habe, steht auf der Anzeige, dass gegen 13:15 das Gate bekannt gegeben würde. Ich suche mir erstmal eine Bank, packe meine Brote aus und meine wieder gefüllte Wasserflasche mit mallorquinischem Wasser aus dem Hahn. Auf die Abzocke an den Flughäfen stehe ich gar nicht, daher habe ich meine eigene leere Flasche durch die Sicherheitsschleuse gebracht und danach einfach wieder gefüllt. Überhaupt... das nächste Mal werde ich so oder so genug frische Sachen mitnehmen, man bekommt ja nur überteuertes Futter oder Süßkram. Bis Stuttgart wird's schon reichen, denke ich mir. Diesmal weiß ich ja, dass es im Flieger auch nichts zu essen geben wird.

Nun erscheint unser Gate und ich laufe dort hin. Nach einer halben Stunde - eigentlich sollte jetzt das
Boarding sein - kommt die Information, dass wir zu einem anderen Gate gehen sollen. Also gut. Dann sollte eigentlich das Boarding sein und es kommt auch der Aufruf. Die Schlange steht schon in der Gangway zum Flieger, als wir alle wieder zurückgerufen werden. Oh Mann, jetzt reicht es aber langsam mal! Da hätte man den Morgen auch noch anders verbringen können. Einige Minuten später dürfen wir dann doch boarden. Ich sitze diesmal eingekeilt zwischen zwei korpulenten Herren, der eine schläft zum Glück und der andere unterhält sich mit den Sitznachbarn nebenan. Ich schlafe bald ein, denn es ist total warm im Flieger.

Um 16:45 Uhr landen wir in Stuttgart, das schaut gut aus für meinen Zug um 19:11 Uhr! Meine Tasche kommt ziemlich schnell und ich laufe zur S-Bahn. Jetzt noch zum Bahnhof und dann ab in den Zug. Ich erreiche Freiburg pünktlich, nehme ein Taxi nach Hause und um 22 Uhr liege ich nach einer gescheiten, warmen Dusche in meinem eigenen Bett und schlafe.