Dienstag, 31. Oktober 2017

Monatsimpressionen Oktober

Buntes Engen
 Jetzt geht es schon wieder dem Jahresenende entgegen, kaum zu glauben! Der September verwöhnte mich ja nicht gerade mit Sonnenstunden, so dass die Touren mit Conchita gezählt waren. Ich glaube sogar, ich habe nur eine einzige gemacht. Danach wurde es zwar dann etwas besser, aber die Reifen waren so runter, dass ich nicht mehr fahren wollte.

Anfang Oktober hatte meine Werkstatt leider geschlossen, so dass ich ein paar Ausflüge auf Schusters Rappen unternommen habe. Der Wald beginnt bei mir quasi hinterm Haus und ich bin einfach nach Lust und Laune losgelaufen, habe im Unteren Schönberger Hof einen Kaffee getrunken und von da ging es nach Hause.

Arme Socken im Oktober

Am verlängerten ersten Wochenende im Oktober hatte ich die Idee, ich könnte endlich mal meinen
Lachenhäusle
(teuren! also *richtig* teuren!) Merinopullover waschen, weil ich ihn bis dato nur gelüftet habe. Das Waschen war auch nicht das Problem, das habe ich von Hand gemacht. Aber was macht man mit dem tropfnassen Teil? Genau, man wirft es in die Maschine zum schonschleudern. Da meine Maschine im Schleudergang ab und an verweigert, habe ich halt ein paar Schonschleudergänge gemacht. Und dann den Pulli rausgeholt. Ach Du Sch....!!! Woran ich nicht gedacht hatte war, dass sich an den Kapuzenbändeln Metallenden befinden und just diese haben ein paar veritable Laufmaschen in den Pulli gerissen. Natürlich vorne, wo man sie prima sieht. Daraufhin habe ich nach einer Kunststopferei geschaut, eine gefunden und habe meinen massakrierten Pullover hingebracht. Dort winkte man nur ab, das Stopfen würde nicht gehen, und außerdem zu teuer werden, es kostet nämlich 30 €. Pro Loch. Das Wollgeschäft brachte auch keine Lösung, alles zu dickes Garn. Also lief ich ein bisschen herum und überlegte, wie ich an superdünnes Merinogarn kommen könnte. Socken! Ein Merinosocken ist nun massakriert, und ich habe ungefähr 7-8 Stunden mit dem Stopfen verbracht, aber der Pulli ist gerettet und das Gestopfte fällt tatsächlich nicht groß auf. Kostenpunkt: 10 € für zwei Paar Merinosocken, einer ist jetzt Reserve für Sockenlöcher. Und der Pullover wird nie wieder gewaschen oder geschleudert!

Goldscherben bringen (dem Porzellandoktor) Glück

Weil ich diesen Monat mal wieder beim aussortieren und ausmisten und reparieren war, fiel mir der
Über allen Wipfeln herrscht Ruh...
Karton ein, der seit mehreren Jahren erst im Keller, dann auf dem Balkon stand. Dort waren kaputte Teile eines wunderschönen 70-er-Jahre Services drin. Ich hatte es damals für kleines Geld auf ebay gekauft, leider hat die Verkäuferin es mehr als mangelhaft verpackt, so dass einiges kaputt ankam. Also habe ich alles durchgesehen und die am wenigsten kaputten Teile zum Prozellandoktor gebracht. Die zwei Tassen, die ich dort erstmal zum Reparatur gelassen habe, dürfen danach nur noch Menschen benutzen, die keine Grobmotoriker sind. Ich denke, die beiden kaputten Teller werde ich nach der japanischen Kintsugi-Technik selbst flicken, sonst kann ich mir für das Geld ein Geschirr anfertigen lassen... Aber immerhin gut zu wissen, dass man so etwas in professionelle Hände geben kann! Bei der Gelegenheit ist mir dann noch meine Armbanduhr in die Hände gefallen, die seit ein paar Jahren herumliegt. Nach einem Batteriewechsel ist sie auf einmal stehengeblieben und eine neue Batterie hat nicht geholfen. Also kommt auch sie demnächst zur Reparatur.

Endlich nochmal Motorradwetter

Das  zweite Oktoberwochenende bescherte wunderbarstes Herbstwetter bei unglaublichen Temperaturen. Conchita war inzwischen frisch beschuht, hatte eine neue Kette, frisches Öl und eine neue Ventilkopfdeckeldichtung. Und mein Geldbeutel ein riesiges Loch. Zum Glück sind solche größeren Geschichten sehr selten nötig und zum Glück waren es nur die üblichen Verschleißteile. Über die tropfende Benzinpumpe reden wir dann im November.

Entenballett am Aachtopf
Die neuen Reifen habe ich quasi direkt nach der Werkstatt noch schnell eingefahren und am Wochenende waren dann zwei größere Touren geplant. Freitag nach der Arbeit ging es fix hoch nach Bräunlingen, dem gekochten Käsekuchen für diese Saison vermutlich Adieu sagen. Inzwischen kennt man mich im Café schon und ich hatte den Eindruck, dass ich die besonders große Portion mit besonders viel Sauce, Sahne und Früchten bekommen habe. So darf das Wochenende gern beginnen!

Meine Samstagstour führte mich in großen Schlenkern und mit vielen Abstechern über hier und da durch den Südschwarzwald nach Engen. Im Café Huber konnte ich einen hervorragenden Birnenkuchen genießen und mir die Sonne auf den Pelz brennen lassen. Über den Hügel bei Leipferdingen rüber war eine phantastische Sicht auf eine Herbstlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Bunte Blätter, leichter Dunst zwischen den Hügeln des Hegaus und im Hintergrund die Alpengipfel, darüber ein perfekter, blauer Himmel. Auf dem Rückweg gab es auf der B500 Stau, ein Motorradunfall. Die Herren standen etwas bedröppelt am Rand, aber es war wohl nur Blechschaden. Danach habe ich (wie ich es sowieso vorhatte) am Lachenhäusle gestoppt, um den Blick zu genießen. Die abgestorbenen, beigen Stengel der Gräser lagen im sanften Herbstlicht wie ein Pelz auf der Wiese und die Sonne brachte einzelne Laubbäume vor dem Hintergrund der dunklen Tannen zum leuchten.
Taucher im Aachtopf

Für den Sonntag hatte ich mir die Aachquelle bei Stockach vorgenommen. Zum einen ist das eine
schöne Tour und zum anderen gibt es dort unglaublichen Kuchen. Auf dem Hinweg war am Hegaublick bei Engen eine riesige Polizeikontrolle. Die Knieschleiferfraktion wurde herausgewinkt, aber Frauen auf alten Großenduros durften unbehelligt weiterfahren! An der Aachquelle angekommen, war ich mit 20 Sorten Kuchen schon etwas überfordert und habe mich für klassischen Mohnkuchen entschieden. Während ich mir meinen Kuchen am Wasser in der Sonne schmecken ließ, habe ich einem Mann zugesehen, der sich offenbar für einen Tauchgang präparierte. Ich dachte nur bei mir "der braucht ja noch viel länger mit den ganzen Klamotten, als ich!" Bevor er dann komplett abgetaucht war, bin ich schon weitergefahren, um die Sonne noch voll auzukosten. Es war ein Genuß, abseits vom Getümmel auf den kleinen und kleinsten Straßen im Hegau herumzukurven. Unterwegs beschloß ich dann, den "Nordturn" nach Hause zu nehmen und bin auf dem Rückweg über die Baar und Furtwangen Richtung Freiburg gefahren.

Gemischtwarenladen im Restmonat

Die restliche Zeit im Oktober war reichlich gemischt. Es reichte noch für die eine oder andere kleinere Runde. In der Garage gab es Mecker, weil ich vergessen hatte, den Benzinhahn zu schließen und Madame gepfützt hat. Inzwischen ist die neue Pumpe unumgänglich, denn sie braucht jetzt dauerhaft Seni Lady, wenn es nicht untenrum feucht werden soll. Weil sie jetzt auch länger stehen wird, muss alles dicht sein. Aber gut, Madame kommt in die Jahre und wird - wie mein Körper - wartungsintensiver.

Aachquelle
Ansonsten war ich diesen Monat noch im Kino und habe mir den neuen Blade Runner angesehen. Ich muss sagen, dass ich sehr begeistert aus dem Film gekommen bin. Es gibt - neben einer beeindruckend apokalyptischen Bildsprache - einige sehr unerwartete Wendungen im Film. Einzig blöd war nur, dass ich ihn in 3D sehen musste, was mir persönlich nicht viel bringt. Eine Woche zuvor habe ich mir noch einmal den alten Blade Runner von 1982 angesehen. Damals im Kino fand ich ihn öde, aber mit zeitlicher Distanz bin ich sehr begeistert von dem Film, und der Langsamkeit der Handlung. Der neue steht ihm da in nichts nach, auch wenn der Trailer anderes vermuten lässt. Das war eine ganz lustige Nebenbeobachtung. Ich war an einem Samstagnachmittag im Kino und außer einiger weniger "älterer" Leute waren überwiegend Teenager im Kino. Ich habe gemerkt, dass sie Action erwartet hatten und mit der Langsamkeit des Plots nicht wirklich was anfangen konnten.

Die tiefere, philosophische Ebene des Films hat mir gefallen: Was unterscheidet Maschinen von Menschen? Ab wann hört blinder Gehorsam auf und setzen eigene Entscheidungen, moralische Handlungen und so etwas wie Persönlichkeitsentwicklung ein? Dennis Villeneuve zitiert in seiner Bildersprache sowohl den Blade Runner der 80er als auch viele andere Science-Fiction-Filme wie Brazil, Dune und auch Matrix. Bei der Rekonditionierung des Blade Runners musste ich an THX1138 denken, hier wird die "Bet- und Beichtzelle" ersetzt durch einen weißen Raum mit einem Kameraauge. Wenn man so will ist die nur durch Stimme und Kamera sichtbare Präsenz in der Zelle eine Art HAL9000, der hier jedoch keinen Menschen sondern eine "Mitmaschine" beobachtet, testet und vielleicht auch manipulierend eingreift. Konnten sich die Astronauten in 2001 noch mit Mühe der Maschine wiedersetzen, scheinen Menschen in dieser Welt völlig zu fehlen. Hier manipulieren Maschinen andere Maschinen und man weiß eigentlich nie, ob man Replikanten zusieht oder Menschen. Einzig das Hologram Joi ist eindeutig nichtmenschlich.
Squirrel Twin

Langer Rede kurzer Sinn: Schaut ihn Euch an und wenn ihr die Serie "Westworld" in die Finger bekommt, dann schaut auch die an. Hier geht es noch viel weiter mit der Gratwanderung Mensch-Maschine und die Kohlenstofflebensformen sehen ziemlich alt aus...

Am letzten Oktober-Wochenende standen bei mir noch Großputz, Großeinkauf und Großback- und Kochorgie an. Am Halloween-Morgen ist bei mir Frühstück angesagt und ich habe wesentlich mehr Gäste als erwartet und eigentlich auch, als meine Wohnung fassen kann. Aber wir rücken einfach zusammen, so wird's kuschelig.

Mehr Monatsimpressionen gibt es bei den Fredissimas.

Kommentare:

  1. Den neuen Blade Runner kenn ich auch & ... ist schon lustig... denn, den von 1982 habe ich mir -danach- auch nochmal angesehen ;)
    Auf die 2. Staffel von "Westworld" gibbel ich schon hin!

    Ansonsten, weiß ich -JA- jetzt wieder über Deine Freizeitgestaltung - im Oktober - bescheid und denke, mit Deinen aktiven Hummeln im Hintern... kicher... wird der November nicht ruhiger werden.
    Conchita wird a bisl durchschnauffen können ... hehe ;D

    Fröhlichen November-Gruß von Annette

    *TeeundleckeresStückchenHeidelbeerkuchenabstell*

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    1. Im November wird gebacken, gemalt, gelernt, geschrieben und weiter über das Tiny House nachgedacht.

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  2. So ein Monatstagebuch ist schon was Schönes, wa? Ich mach's hauptsächlich mit Bildern, weil ich zum Schreiben zu faul bin, aber ich liebe deine ausführlichen Erzählungen.

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    1. Danke Danke :-) Naja, ich habe nicht jeden Monat Lust und auch nicht immer Fotos. Aber zum nachlesen ist es oft interessant, was alles so los war. Man vergisst ja vieles wieder.

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