Dienstag, 5. September 2017

Through the desert on a horse with a name - Unterwegs in Spanien Teil 3

19.08.2017 - Aínsa - Col de Soulor - Col d'Aubisque - Escarrilla

Morgens am Río Cinca
Am Morgen bin ich wieder ziemlich früh wach, Severine und Matthew schlafen noch, aber ich lasse ihnen eine Nachricht mit meinen Kontaktdaten am Motorrad, bevor ich losfahre. Ich finde es echt toll, wie leicht ich im Urlaub Kontakte knüpfen kann und immer wieder fasziniert es mich, wie das Hobby Motorradfahren die unterschiedlichsten Menschen in Kontakt bringen kann. Nicht immer natürlich, aber zumindest ein Winken oder ein "Hallo" sind meist drin.

Ich fahre hoch in Richtung Bielsa durch den Tunnel nach Frankreich. Es ist angenehm kühl, fast noch frisch und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Die Landschaft sieht aus wie in einem Western und ich genieße es, mehr oder weniger allein auf der Straße zu sein. Vor dem Tunnel ziehe ich mir noch etwas über, denn hier weiter oben ist es doch noch frisch. Gut gelaunt fahre ich in den Tunnel hinein und freue mich schon auf die französische Seite.

Als ich einige Minuten später aus dem Tunnel komme, fahre ich in eine weiße Wand. Nebel! Regen!
Ich überlege kurz, ob ich meine Regensachen hervorkramen soll, noch ist es nur Nebelnässen, aber es ist echt kalt. Die Griffheizung leistet mir gute Dienste, während ich ziemlich langsam die Straße herunterkurve, die Sichtweite liegt irgendwo zwischen 10 und 50 Metern, meine Brille ist angelaufen und ich sehe so oder so: Nichts! An einer Stelle weiter unten halte ich, nehme die Brille herunter, krame die Regenkombi heraus, putze Brille und Visier, wechsle von den Sommerhandschuhen in die Tourenhandschuhe und steige wieder auf. Das kann ja wohl nicht wahr sein!

Ich fahre nach Lourdes, wo ich irgendwo am Standrand in einen Supermarkt gehe, um meine Vorräte aufzustocken. Der Supermarktbäcker hat sehr lecker aussehende belegte Brote und ich nehme mir eins davon mit. Draußen verstaue ich meine Einkäufe und weil ich wirklich Hunger habe, verschlinge ich die Brote direkt auf dem Parkplatz. Ein Paar läuft vorbei und starrt mich unverhohlen an. Tja, so sieht das halt aus, wenn man im Sauwetter unterwegs ist und der Hunger so groß ist, dass ich keine Lust habe, mir irgendein lauschiges Plätzchen zu suchen.

Das Wetter ist grau, grauer, am grauesten, es regnet mal mehr, mal weniger. Den Col de Soulor fahre
ich im Schneckentempo hoch, denn auch hier ist dicke Nebelsuppe, teilweise sehe ich die Kurven erst, wenn ich schon halb drin bin. Irgendwann passiere ich das Schild "Col de Soulor", ein einsamer Rennradfahrer steht in der Brühe und scheint auf seine Truppe zu warten. Ich fahre vorsichtig weiter, erinnere mich noch an die Tunnels mit den Steinböden und den Hinterlassenschaften diverser Tiere. Hier muss man schon bei gutem Wetter aufpassen, nicht in Schafe, Kühe oder Esel zu fahren, aber dann sieht man sie wenigstens. Heute sehe ich: Nichts! Gut, zeitweise ist der Nebel etwas weniger dick und ich ahne zumindest ein Stück der Strecke.

An einer Stelle steht eine Kuh vor einem absoluten Halteverbotsschild, das finde ich so witzig, dass
Ob das Halteverbot auch für Kühe gilt?
ich ein Foto von ihr mache. Ich erinnere mich an ein Restaurant auf der rechten Straßenseite und daran, dass der Aubisque nicht mehr weit sein sollte. Richtig, da taucht der Parkplatz auf. Ich bin jetzt echt fertig, das Gefahre in der Brühe schafft mich ziemlich. Ich stelle Conchita ab und stolpere in die Bar mit Souvenirladen. Dort bestelle ich einen Kaffee und einen katalonischen Minikuchen. Die Pause ist jetzt wirklich mehr als nötig, meine Konzentration  ist am Ende, ich bin verkrampft, kalt und müde. Der Kaffee tut gut und ich sehe mich ein wenig im Souvenirladen um. Weil ich keine Koffer habe, schaue ich, ob sie einen Patch oder so etwas für meine Jacke haben.

Ja, ich weiß, das mutet vielleicht seltsam an, ein bisschen wie die Metallplättchen, die sich die
Col d'Aubisque
Wanderer früher an den Spazierstock genagelt haben. Aber ich habe seit Norwegen angefangen, meine Jacke zu verzieren. Klar, es ist ein bisschen das Zurschaustellen "ich war schon hier und hier und Du?", aber jeder Patch und jeder Pin erinnern mich auch daran, was ich in den letzten Jahren auf Reisen erlebt habe. Nicht zuletzt sind es für mich auch meine mehr oder weniger großen "Erfolge", die ich für mich verbuche.

Ich finde einen Patch vom Col D'Aubisque, den ich mir mitnehme, um ihn zuhause auf die Jacke zu nähen. Dann breche ich auf und beschließe, auf schnellstem Weg wieder ins sonnige Spanien zu fahren.

Ab dem Col de Pourtalet wird das Wetter besser, wärmer und sonniger. Als ich wieder auf der spanischen Seite der Pyrenäen bin, ist es sonnig, windig und der Himmel ist blau. Ich fahre durch Sallent de Gállego bis etwas weiter nach unten. Weil ich dummerweise zu spät entschieden habe, nach Sallent zu fahren und den Campingplatz zu suchen, wende ich im nächsten Ort und fahre wieder zurück. Leider finde ich den Platz nicht und fahre wieder aus Sallent heraus nach Escarilla. Dort ist ein Platz, den ich dann ansteuere.

Da die Schranke geschlossen ist, stelle ich Conchita ab und mache Anstalten, zur Rezeption zu gehen. Da kommt ein Auto und der Fahrer signalisiert, dass er rein möchte und Conchita im Weg steht. Tja... Frau Campinplatz ist rausgekommen und meint, ich sollte Conchita zurückschieben und über den Gehsteig fahren.
Hallo?!?
Ich frage sie, ob sie nicht einfach die Schranke aufmachen kann. Sie meint "No se hace así" (So machen wir das nicht!), öffnet aber trotzdem. Was daran jetzt so wild war, verstehe ich nicht...

Am Empfang steht eine Gruppe älterer Herren, der eine spricht mich an und lobt mein Motorrad. Den Rest der Konversation verstehe ich nur bruchstückhaft, da ich die Worte nicht kenne, irgendwann meint er "No entiendes, que te rigo?" (Verstehst Du nicht, dass ich Dich verarsche?) Und wenn schon. Ich bin fertig, möchte nur mein Zelt aufstellen, duschen, was essen und meine Ruhe haben. Was irgendwer von Conchita oder mir denkt oder auch nicht, ist mir gerade völlig schnurz.

Nach den Eincheckformalitäten suche ich mir einen Platz auf der Zeltwiese. Neben dem
dauerturtelnden (und nachts vielleicht dauerpoppenden) Paar möchte ich nicht zelten. Ich schlage mein Zelt zwischen einem Campervan und anderen Motorradfahrern auf, dusche mich, packe mein Essen und die Straßenkarten in meinen Rucksack. Nach einem Tag im Motorradsattel muss ich mich unbedingt noch bewegen und außerdem will ich mich ein wenig umsehen. Unten im Dorf ist irgendein Fest, wo Musik gespielt und Leute zum tanzen aufgefordert werden. ich laufe erstmal über dem Straße nach oben, um einen besseren Blick auf die Umgebung zu haben. Leider kommt man nicht aus dem Dorf heraus, erst am anderen Ende entdecke ich einen Weg nach oben in einen Park. Dort stehen Tische und Bänke, auf denen ich meine Sachen ausbreite. Ich muss jetzt was essen und außerdem meine Tour für den nächsten Tag planen.

Un atasco differente!
Es ist herrlich hier oben, die Sonne scheint und ich mache noch ein paar Fotos von weiter oben. Unten ist immer noch die Fiesta im Gange. Als ich ins Zelt krieche, ist die Fiesta beendet, allerdings scheint irgendwo ein Musikfest zu sein, jedenfalls tönt die halbe Nacht von weiter unten Musik herüber, man hört Leute klatschen. Besonders schlaffördernd ist das nicht, aber egal, morgen werden es der Kaffee und die Sonne schon richten.

20.08.2017 - Escarrilla - Lumbier

Dieser Morgen beginnt recht gemächlich, ich fahre in das Valle de Anso und bin auf der Straße praktisch komplett allein. Es ist noch früh am Morgen und die Straße scheint auch so nicht sonderlich befahren zu sein. Der Morgen ist wieder strahlend blau und es wird bald auch warm. Zu Beginn des Tals komme ich durch die Desfiladero de Biniés, eine enge Schlucht. Ein Schild erklärt, dass sich in diesem Tal eine größere Geierpopulation befindet, bis zu 100 Paare wurden gezählt. Ich sehe keinen Geier und auch keinen Menschen. Nur einmal kommt mir ein Auto entgegen. So kurve ich weiter nach oben.

Abendstimmung bei Escarrilla
An einer Stelle sehe ich von weitem irgendwelche größeren Tiere über die Straße laufen und
stehenbleiben. Ich denke zuerst an Pferde, aber es sind vier weiße Maultiere, eines trägt eine Glocke um den Hals. Ich bleibe in 100 Metern Entfernung stehen, weil ich sie nicht erschrecken will. Die Maultiere schaue mit gespitzten Ohren, was nun als nächstes geschieht. Ganz offenbar haben sie so etwas noch nicht gesehen und ich kann ihnen ansehen, dass sie darüber nachdenken, worum es sich bei Conchita handelt. So gucken wir uns eine Weile an. Ich fahre ein kleines Stück weiter, sie bleiben einfach stehen und gucken. Ich gucke zurück, stelle Conchita ab und mache Fotos von den vier lustigen Gestalten. Nach einigen Minuten fahre ich vorsichtig an ihnen vorbei.

Escarrilla
Als ich um eine Kurve komme, steht auf der linken Seite ein Motorrad, eine Frau pflückt
Heidelbeeren und ein Mann steht neben dem Bike. Ich halte kurzerhand an, laufe zu ihnen und spreche sie auf Spanisch an. Als ich  näherkomme, sehe ich dass das Motorrad ein österreichisches Kennzeichen hat, also geht es auf Deutsch weiter. Wir tauschen uns kurz über woher und wohin aus, dann fahre ich weiter. So richtig begeistert schienen mir die beiden nicht zu sein, dass eine Wildfremde anhält und sie anquatscht. Danach verfahre ich mich erst einmal und lande in einem Dorf, am Dorfeingang hatten am linken und rechten Straßenrand Motorradfahrer gestanden und über die Straße hinweg ein Schwätzchen mit Zigarettenpause gehalten.

Ich wende unten im Dorf, fahre das Stück zur Abzweigung wieder hoch und nehme jetzt die richtige Straße. Die Straße ist eine ziemlich üble Löcher- und Flickenpiste, wird aber später auf der größeren Straße wieder zum Traumrevier. Spanien ist tatsächlich das absolute Kurvenparadies, es gibt hier alles und nur sehr weniger Strecken, die wirklich gerade verlaufen. Dazu Asphalt mit gutem Grip, atemberaubend schöne und abwechslungsreiche Landschaften, auf den Nebenstrecken praktisch kein Verkehr, einfach nur traumhaft!

Von Tag zu Tag bin ich mehr fasziniert von Spanien, von der Vielfalt der Landschaften, den Bergen, die es wirklich überall zu geben scheint. Das tolle Wetter tut sein übrigens dazu und nicht zu vergessen das leckere Essen, der gute Kaffee. Ich verliebe mich jeden Tag mehr in dieses Land.

Unterwegs trifft man seltsame Gestalten!
Einige Zeit später fahre ich wieder weiter in die Pyrenäen und über den Pass bei Larrau. Dort oben ist es wieder ziemlich neblig und ich mache eine Pause im Café, um mir die weitere Strecke anzusehen. Im Nebel biege ich falsch ab und lande auf einer Straße, wo ich nicht sicher bin, ob man durchkommt, weshalb ich im Tal auf einem Parkplatz wende und wieder zurückfahre. Wie oft kann man sich nochj verfahren? Ich lande auf einer anderen kleinen Straße und fahre einfach zu. Irgendwo wird es schon hingehen und die grobe Richtung passt. Ich passiere viele Rennradfahrer, es ist mal wieder recht feucht und ich bin froh, dass ich auf dem Motorrad sitze und nicht auf einem Fahrrad. Oben auf dem Pass nach gefühlten hunderttausend Kurven mache ich eine Pause. Das ist jetzt wirklich bitter nötig, ich bin zwar nicht so weit vorangekommen, aber die Strecken waren anspruchsvoll. Ich sitze jetzt wieder in der Sonne, esse etwas, schaue den Schafen zu, frage mich, welche Straße das jetzt ist und ob sie weiterführt, oder aufhört. Nachdem nicht ganz wenige Autos von unten kommen, bin ich zuversichtlich.

Valle de Ansó
Nach einer längeren Pause fahre ich weiter nach unten. Bald jedoch stellt sich die Straße als übelste "französisch-offroad"-Piste heraus. Die von mir heißgeliebten Gravillons wurden hier kürzlich großzügig ausgeworfen und das Schild sagt mir, dass ich die nächsten 10 Kilometer damit rechnen darf. Das Schild "Vorsicht Rollsplit" kennt man ja in Deutschland auch, allerdings liegt dann vielleicht mal ein Steinchen auf der Straße oder maximal eine Handvoll am Straßenrand.

Wenn in Frankreich "Gravillons" steht, darf man sich auf handtiefen Rollsplit einstellen, im besten Fall wurde er schon halbwegs festgefahren und ist nur noch ein leichter Belag. Im schlimmsten Fall hat man eine bessere Schotterpiste vor sich. Natürlich eine feine Sache, wenn man eh schon müde ist, die Straße gefühlt nur aus steilen Kehren besteht und kein Ende zu nehmen scheint. Als Anfängerin hätte ich hier wohl am liebsten das Motorrad in den Graben geworfen. So kämpfe ich mich eben nach unten durch, fluchen tue ich trotzdem, mir tun die Hände weh und die Konzentration ist schon seit Stunden nicht mehr wirklich da.

Nach gefühlten Ewigkeiten kommt eine größere Straße und ich merke, wie erschöpft ich bin.
Campingplatz ist hier Fehlanzeige und ich möchte noch ein Stück vorankommen. Das ungeplante Herumgekurve hat dann doch lang gedauert und der Tag ist schon relativ weit fortgeschritten. Ich fahre über Aramits, Mauléon-Licharre, Saint Palais und Saint-Pied-de-Port wieder nach Roncesvalles in Spanien. Kein Campingplatz weit und breit. Das ist einfach ein Naturgesetz: So lange man keinen Campingplatz braucht, gibt es an jeder Ecke einen, ist man müde und fertig, gibt es keinen Camping weit und breit!

Am Puerto de Ibañeta mache ich noch eine kurze Pause, esse einen Notmüsliriegel und fahre weiter.
In Urborro sehe ich den Campingplatz zu spät und fahre daran vorbei. Ich beschließe, nicht zu wenden und schaue auf die Karte.

In Lumbier gibt es laut meiner Karte einen Platz, also fahren wir weiter. Als ich in Lumbier ankomme, falle ich fast aus dem Sattel, so steif und müde bin ich. Einen Platz zu finden, ist zum Glück kein Thema, das Zelt ist fix aufgebaut, ich dusche, packe meinen Kram zusammen und laufe zur Bar. Dort bestelle ich ein Bier, breite meine Karten aus und schreibe Tourtagebuch.

Am Nachbartisch sitzt ein Mann, der mit der Bedienung Smalltalk austauscht. Ich höre nicht weiter
zu. Irgendwann pirscht er sich an mich heran, um mich zu fragen, ob er meinen Aschenbecher haben kann. Ich murmele nur "sí, sí, no lo necesito!" nach einem tiefen Blick in meine Augen zieht er sich wieder an seinen Tisch zurück. No, señor, Du spielst nicht in meiner Liga und ich habe keine Lust, mich mit Dir zu unterhalten, weil ich a) todmüde bin b) in Ruhe mein Bier schlürfen möchte und c) meine Tour für morgen planen... denn... es hat sich eine Überraschung ergeben.

Als ich mittags ausnahmsweise die Statusfunktion von whatsapp benutze, erreicht mich eine Nachricht von der Schwester einer Freundin, wo ich denn sei. Es stellt sich heraus, dass sie und ihr Mann in Getaria an der baskischen Küste zwischen San Sebastián und Bilbao Urlaub machen. Da ich grob in die Richtung fahre, verabreden wir uns für den nächsten Tag. Also ist morgen nicht freestyle angesagt, sondern eine geplante Strecke.

Obacht auf Baskisch
In der Nacht ist es auf dem Platz selbst still, nur außenherum sind wieder Hunde, die die halbe Nacht hindurch im Wechsel kläffen. Dank des Biers schlafe ich aber ziemlich tief und fest. Übrigens: Auch wenn Spanien eher für seine Weine bekannt ist, das Bier ist auch gut! Es gibt auch Mikrobrauereien und ich habe einige Biere der jeweiligen Region probiert. Rotwein vertrage ich leider seit einigen Jahren gar nicht mehr, von den Taninen bekomme ich im besten Fall Ausschlag, im schlimmsten Asthma. Also lieber Bier oder Weiß- bzw. Roséwein.

21.08.2017 Lumbier - Zarautz

Endlich am Meer!
Heute ist meine Strecke komplett durchgeplant. Da ich am Vorabend nach 200 km noch nicht tanken wollte, bin ich heute früh als erstes auf der Suche nach einer Tankstelle, denn Conchitas Tageskilometerzähler steht bei gut 350 km. Bevor ich auf die große Nationalstraße wechsle, sehe ich von weitem schon eine Tankstelle. Leider ist die auf meiner Seite geschlossen, ich muss an einem Kreisverkehr zurückahren, um zu der anderen zu gelangen. In Spanien habe ich an einigen Tankstellen für Stirnrunzeln gesorgt, als ich Conchita selbst betankt habe.

Im Gegensatz zu Deutschland ist es in Spanien nicht unüblich, dass ein Tankwart das Fahrzeug
Hafen von Getaria
betankt, oft bezahlt man dann auch direkt bei ihm. Da ich die Einzige bin, die die Station anfährt, steht der Tankwart schon bereit, ich fummele den Tankrucksack herunter, öffne den Tankdeckel. Señor Gasolinera füllt Conchitas Tank. Leider darf man an der Tankstelle nicht links abbiegen, ich würde das auch gar nicht wagen, denn der Verkehr auf der Nationalstraße ist mörderisch dicht, LKWs, PKWs von beiden Seiten. Wir befinden uns nahe Pamplona und das merkt man auch. Ich biege also erst einmal in die falsche Richtung ab, im Gewirr der Autobahnen und Schnellstraßen ist leider kein Verkehrskreisel, den ich nutzen könnte. Am Ende hat mich die Suche nach einer Tankstelle fast eine Stunde Zeit gekostet.

Ich habe geschrieben, dass ich gegen späteren Nachmittag in Zarautz sein dürfte. Meine Strecke führt über den Puerto Lizarraga mit sehr schönen Ausblicken ins Tal und einer angenehmen Strecke mit wenig Verkehr. Ich mache nur wenige Pausen und lande am frühen Nachmittag an der Küste in Zarrautz. Bei der Streckenplanung musste ich mir die Ortsnamen tatsächlich aufschreiben und ab und zu auch vergleichen. Ich bin im Baskenland und die Namen sind... unaussprechlich! Und vor allem sehen sie auf den ersten Blick ähnlich aus! Azpirotz und Azpeitia, Erratzu und Beartzun, wer kann sich sowas schon merken? Bis ich die Schilder gelesen habe, bin ich schon dran vorbei... Also heute besser mit Analognavi fahren.

Am frühen Nachmittag lande ich in Zarautz, kämpfe mich die Hauptstraße entlang hoch zum "Gran Camping". So große Plätze mag ich eigentlich gar nicht. Als ich oben ankomme, steht da ein Schild "completo" und ich bin leicht angenervt. Allerdings fängt mich gleich jemand ab und bittet mich zur Rezeption. Ok, also alles nur Täuschung! Señor Camping erklärt mir auf Englisch, dass er einem Kollegen Bescheid sagt und der mich dann zu meinem Platz bringen wird. Derweil soll ich draußen warten. Aha. In der prallen Sonne? Nö. Ich stelle mich unter einen Sonnenschirm, was dazu führt, dass die nächsten Ankömmlinge mich ansprechen, obwohl ich ganz offensichtlich untenherum in Motorradkleidung stecke. Señor Camping Nr. 2 meint jetzt, dass ich doch besser in der Rezeption warten soll. Ja, das wollte ich ja auch, aber ihr nicht. Also setze ich mich jetzt nach drinnen, wo es deutlich erträglicher ist.

Altstadt Getaria
Es dauert eine Weile, bis der Kollege mit dem Roller auftaucht und mich aufsammelt. Er zeigt mir die Wiese und meint, ich soll mich einfach da hinstellen, wo ich will. Ich suche mir einen Platz unter eine riesigen Pinie aus, denn in der Sonne möchte ich nicht stehen. Das Schönste an diesem Platz ist tatsächlich seine Lage, ein paar Schritte weiter unten habe ich freien Blick auf den Atlantik. Das ist doch was! Ich baue mein Zelt auf, richte mich häuslich ein und schreibe Vroni eine whatsapp, dass ich losziehe, sobald ich mit allem fertig bin.

Den Bus vom Campingplatz in den Ort verpasse ich knapp, aber das ist nicht schlimm. Ich laufe nach unten und bleibe immer mal wieder stehen, um aufs Meer zu schauen und Fotos zu machen. Unten im Ort finde ich rasche die Haltestelle, allerdings dauert er noch gute 45 Minuten, bis der Bus nach Getaria fährt. Mich nochmal durch die Straße zu kämpfen, Parkplatzssuche, dicke Mopedklamotten, darauf habe ich keine Lust. Außerdem möchte ich heute Abend nicht nur Wasser trinken müssen.

Der Bus kommt und nach ungefähr zehn Minuten komme ich in Getaria an, wo Vroni und Gerd mich empfangen. Das ist schon ein witziger Zufall. Wir laufen ein wenig durch den kleinen Ort, setzen uns auf eine Terrasse, trinken etwas. Danach zeigen mir die beiden noch ihr tolles Hotel, wir kaufen etwas Wasser und führen Mingo, den Hund spazieren. Im Restaurant hat Vroni einen Tisch für später reserviert. Wir genießen die Abendstimmung, laufen im Hafen herum und gucken den Jugendlichen beim Springen von der Hafenmole zu. Dann geht es ins Restaurant.

Zuhause lebe ich weitgehend vegetarisch, aber hier am Meer, da möchte ich Fisch essen! Wir bestellen Calamares a la romana, danach Steinbutt und Dorade, dazu gibt es den Rosé de Casa und Wasser. Während wir auf unser Essen warten, schleppen diverse Angestellte riesige, frische Fische heran. Vor dem Restaurant steht ein riesiger Holzfeuergrill, wo die Fische zubereitet werden. So habe ich das auch noch nicht gesehen. Wenn sie fertig sind, werden sie mit einer Mischung aus geschmolzener Butter, Olivenöl und Knoblauch übergossen. Die Calamares kommen schnell, sind köstlich und eine Portion hätte eigentlich als Vorspeise gereicht.

Bald darauf kommt unser Fisch. Wir schlemmen, trinken, unterhalten uns und der Abend verfliegt nur so. Gegen 23 Uhr verabschiede ich mich von den beiden und besteige ich den Bus nach Zarautz. Nach der Völlerei tut mir der Spaziergang zum Camping sicher gut. Woran ich nicht gedacht habe ist, dass die Straße stockdunkel ist. Meine Stirnlampe liegt im Zelt und ich sehe mit Mühe eine Trampelpfad neben der Straße. Ich habe außerdem ganz schönen einen sitzen und der Weg nach oben ist dann doch eine kleine Herausforderung. Als ich endlich im Zelt liege, ist mir erstmal etwas schwindelig und schlecht, aber das gibt sich zum Glück und bald schlafe ich wie ein Stein.

Fortsetzung folgt...






1 Kommentar:

  1. Höhepunkt des Glückes ist es,
    wenn der Mensch bereit ist,
    das zu sein, was er ist.

    Erasmus von Rotterdam

    ... mit "Patch und Pin" *hehe*
    NATUR, Wetterkapriolen und Begegnungen unterschiedlichster ART ;) *SCHÖN*

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