Sonntag, 10. September 2017

Through the desert on a horse with a name - Unterwegs in Spanien Teil 4

He's the guy who's the talk of the town
with the restless gun
don't shoot broad out to fool him around
keeps the varmints on the run, boy... (
Annibale E I Cantori Moderni - Trinity (Titoli), Django Unchained)

22.8.2017 - Zarautz - Villanañe

Frühstück mit Meerblick
Ich fahre mit dem Motorrad äußerst ungern durch Städte und schon gar nicht, wenn ich danach noch weiter möchte. Also musste ich mir etwas überlegen, um Bilbao großräumig zu umfahren. Ich startete am Morgen recht früh vom Campingplatz in Zarautz, um der Hitze möglichst lange zu entgehen und auch nicht in den Berufsverkehr zu geraten. Die Fahrt von Zumaia nach Zarautz am Vortag hatte mir schon gereicht, denn hier quälte sich alles an der Küste entlang: LKWs, PKWs, Radfahrer, Wohnmobile, die gelegentlichen Jogger und Wanderer... darauf hatte ich gar keine Lust.

Vor Deba stoppe ich an einem Parkplatz, packe mein Frühstück aus und genieße den Meerblick. Ich habe gemerkt, dass es keine gute Idee ist, zu lange mit leerem Magen unterwegs zu sein, denn dann lassen Konzentration und Fahrleistung rapide nach. Und einen raschen Morgenkaffee unterwegs zu trinken, ist auch nie falsch.

Noch ist die Straße leer...
Ich hatte mir die grobe Route angesehen und war auch bis Durango ganz gut im Plan. Danach wurde es wieder etwas chaotisch. Ich wollte nicht dauernd halten, auf die Karte schauen und außerdem wurde es langsam heiß und heißer. Auf dem Weg Richtung Vitoria-Gasteiz machte ich dann eine Pause in einer Truckerbar, um der Hitze zu entkommen, Wasser und Kaffee zu trinken und die Karte zu studieren.

Ein Schiff wird kommen... oder auch zwei...
Ich steige also von Conchita, packe Helm und Karte unter den Arm und gehe in die Bar. Dort werde ich vom Barmann wie ein Alien angesehen, aber Kaffee und Wasser bekomme ich anstandslos. Während ich mit dem Rücken zur Bar die Karte studiere und mich erfrische, höre ich mit halbem Ohr wieder der "chico-chica"-Diskussion hinter mir zu. In Spanien noch mehr als in Frankreich geht man davon aus, dass ich die Sprache eh nicht verstehe und diskutiert deshalb offen darüber, was eine Frau dazu bringen könnte, allein auf dem Motorrad durch Spanien zu reisen. Und - was noch viel schlimmer ist - als Deutsche keine BMW GS zu fahren, das grenzt ja schon an Landesverrat!


Wie Matthew auf dem Camping in Aínsa bereits richtig bemerkte "you are different!" Als ich meine restliche Strecke grob festgelegt habe und auch wieder Lust habe, rauszugehen und weiterzufahren, stehen etwas entfernt von mir zwei Trucker, die sich ebenfalls über mich unterhalten. Die Unterhaltung zwischen - nennen wir sie Manolo und José - läuft in etwa folgendermaßen ab:

Manolo (triumphierend) "Hab ich Dir nicht gesagt, der/die kommt aus Deutschland!" (auf mein Länderkennzeichen ist Loctite gelaufen, als ich die Schrauben befestigt habe, von weitem sieht es wie ein "C" aus, nicht wie ein "D") "No te ha dicho que viene de Alemánia?"
José "Ja, aber der fährt keine GS!" "Sí, pero no es una GS!!"
Manolo (noch triumphierender) "Das ist kein Mann, das ist ein Mädel!" "No es un chico, pero una chica!!"
José (nach Momenten der Sprachlosigkeit) "Aber für sowas brauchste schon Eier, Mann!" "Necesitas cojones por eso, tío!"

Djangooo, have you always been alooone??
Ich habe inzwischen meinen Helm auf und grinse mir eins. Am liebsten würde ich mich umdrehen und mich demonstrativ im Schritt kratzen.

Diese Diskussion gab es übrigens in Variation auf fast jedem Campingplatz oder in fast jeder Bar ab dem Moment, wo mein Helm unten ist. Wenn ich dann auch noch die Jacke ausgezogen hatte, folgte meist Sprach- und Fassungslosigkeit. Hier muss ich tatsächlich anmerken, dass mir das weder in Skandinavien noch in Frankreich in dieser Art passiert ist, aber es stört mich nicht, sondern ich amüsiere mich darüber. Vielleicht sollte ich Conchita doch pink lackieren und mir einen großen Hello-Kitty-Patch auf die Jacke nähen...

Spanisches Campingplatz-Rotkehlchen
Nach dieser Pause kurve ich weiter durch die Gegend und genieße das Landschaftskino. So richtig einen Plan, wie weit ich heute fahren will habe ich nicht. Unter anderem führt mich mein Weg in die Rioja. Hier sieht es aus, wie man sich Spanien vorstellt: Weinberge, Wüste, gnadenlose Sonne, die Landschaft eine Symphonie in Braun- und Ockertönen. Als ich das erste Mal in Spanien war und wir mit dem Opa meiner Freundin aufs Feld gegangen sind, sah ich Pflanzen, die vielleicht hüfthoch über dem Boden wuchsen. Die Blätter kamen mir irgendwie bekannt vor. Als ich meine Freundin fragte, was das denn sei, meinte sie "Das sind Weintrauben!"


In Spanien ist es weniger nötig, die Weinstöcke hochzubinden, damit die Trauben eine optimale Menge an Sonne bekommen und Feuchtigkeit besser abläuft, wie es bei uns der Fall ist. Hier muss man eher zusehen, dass sie nicht verbrennen, von daher wachsen die Reben eher niedrig und auch in der Ebene. Weinberge, wie wir sie hier in Baden-Württemberg kennen, habe ich nicht gesehen. Ich finde es auch spannend, so ein bisschen planlos herumzufahren, denn auf die Weise lerne ich immer etwas über Geographie, so weiß ich jetzt, wo die Rioja ist, allerdings ist es wahnsinnig heiß und windig und ich fühle mich wie Dörrfleisch auf dem Motorrad.

Bei Miranda de Ebro suche ich erst vergeblich die richtige Straße, dafür finde ich einen Supermarkt.
Das passt perfekt, denn ich muss sowieso Pause machen, etwas einkaufen und schauen, wo ich denn nun wirklich hinfahren muss. Die größeren Supermärkte in Spanien sind denen in Frankreich nicht unähnlich. Man bekommt wirklich alles inklusive regionaler Produkte. Was mich allerdings befremdet ist, dass man in der Obst- und Gemüseabteilung angehalten wird, Einmalplastikhandschuhe anzuziehen, wenn man sein Obst oder Gemüse aus der Auslage nimmt. Ich hoffe, dass sich das nicht auch bis nach Deutschland durchsetzt, denn Plastik... Plastik habe ich mehr als genug gesehen in diesem Urlaub.

Herbststimmung in Castilla y León
Es ist mir ganz oft passiert, dass ich irgendwo an einem Aussichtspunkt oder einfach nur am Straßenrand angehalten habe, mich an der Landschaft erfreut und dann fiel mein Blick nach unten auf Müll. Nein, das ist hier in Deutschland auch nicht besser, das hat nichts mit Spanien zu tun, sondern mit der generellen Gedankenlosigkeit. Später, als ich einmal einen Abend an einem Strand verbringe, machte mich der viele Müll überall richtig traurig. Noch im Urlaub habe ich beschlossen, meinen eigenen Umgang mit diesem Material sowie meine Einkaufsstrategien zu überdenken und zu ändern. Aber dazu werde ich einmal gesondert etwas schreiben.

Marismas de Santoña
Nachdem ich meine App konsultiert habe, sehe ich, dass ich mit der Straße, in der sich der
Supermarkt befindet, nicht falsch liege. Ich hatte beim Abbiegen auch ein Hinweisschild für einen Campingplatz gesehen, weil es schon relativ spät ist, hatte ich kurzerhand beschlossen, dort weiterzufahren. Als ich der Straße folgte, stellt sich heraus, dass es die ist, auf die ich sowieso fahren wollte, das ist doch perfekt! Das ist auch etwas, das ich beim Reisen immer mehr lerne: Vertrauen. Vertrauen in mich, in "Zufälle", in den richtigen Zeitpunkt.

Bald biege ich von der größeren, jedoch nicht sehr befahrenen Straße ab, weil ich ein Hinweisschild zu einem Naturschutzgebiet sehe und denke mir "wenn da ein Naturschutzgebiet ist, ist da meist auch ein Campingplatz!" Genauso ist es auch, keine zwei Kilometer später kommt das Schild, dem ich folge und sehr bald kommt auch der Campingplatz in Sicht. Ich gehe zur Rezeption und die sehr nette Frau dort meinte, dass sich nur noch einen Platz neben dem Sanitärgebäude hat, ich sage ihr, dass mir das egal ist. Sie geht voraus und ich folge mit der bepackten Conchita im Schritt-Tempo über den Schotter, was verdammt anstrengend ist.

Ich bin eh schon müde und den bepackten Kahn im Schritt über Schotter  zu schippern, bedeutet nochmal Konzentration, ruhige Gas- und Kupplungshand. Ich lasse sie ein bisschen vorgehen und fahre dann etwas schneller, das ist weniger anstrengend. Mein Stellplatz ist groß und es ist ziemlich wenig los, obwohl der Campingplatz praktisch voll ist. Sie fragt mich noch, ob ich den ganzen Weg aus Deutschland allein gefahren bin, was ich bejahe. Darauf meint sie "que aventura! Te gusta viajar así?!" (Was für ein Abenteuer! Du reist wohl gerne so?). Meine Antwort ist, klar, ich liebe es, so zu reisen, aber "para mí es lo normal", für mich ist das nichts Besonderes. Sie verabschiedet sich und wünscht mir noch eine gute Entspannung.

Als ich mein Zelt aufgeschlagen, mich häuslich eingerichtet und geduscht habe, gehe ich in die Bar. An der Theke sind die Dame von der Rezeption und noch eine andere Frau, die sehr tough wirken. Es läuft spanischer Punkrock aus den 80ern und das Bier ist lecker. Ich setze mich auf die Terrasse, um Tagebuch zu schreiben und die Karte für morgen zu studieren. Morgen möchte ich wieder etwas zielgerichteter fahren, nochmal an die Küste und dann so ganz langsam Richtung Picos de Europa.

23.8.2017 - Villanañe - Cabuérniga

Wie die Tage vorher, bin ich recht früh wach, allerdings merkt man schon, dass die Tage kürzer
werden, vor 7 Uhr ist es noch dunkel. Als ich vom Campingplatz starte, ist es noch kühl und taufeucht.

Ich bin allein auf weiter Flur. Diese Momente genieße ich immer besonders, morgens vor dem ganzen Verkehr allein unterwegs zu sein, der Tag fühlt sich frisch und unverbraucht an, das Licht ist sanft und ich bin halbwegs ausgeschlafen. Ich fahre über einen Pass und der Weg hinab beschert mir wunderschöne Blicke nach Kastillen und León. Man merkt, dass es langsam Herbst wird, der Nebel liegt zwischen den Bergrücken im Tal und alles wirkt wie gemalt. Die Natur schafft immer noch den schönsten Kitsch!

Als ich den Paß hinter mir gelassen habe und ins Tal fahre, wird die Luft immer feuchter und bald
tauche ich in den Nebel ein. Ich fahre eine ganze Weile im Nebel, zwischendrin gibt es immer mal wieder kleine Flecken, die sich auflösen und die Sonne hindurchscheinen lassen. Heute möchte ich wieder ein Stück an der Küste entlangfahren, meine Route wird später wieder ins Landesinnere führen, denn auch nach Santander möchte ich nicht reinfahren.

Richtung Küste es ist heute auch eher trüb, die Fahrt durch die Salzsümpfe von Santoña ist jedoch sehr eindrucksvoll. Gerade eben war ich noch in den Bergen, jetzt bin ich in einer vollkommen anderen Landschaft. Weil wohl gerade Ebbe ist, wirkt die Landschaft noch unwirklicher.

Abgestorbene Reste von Bäumen oder anderen größeren Pflanzen ragen aus dem braun-grünen
Boden. Die Landschaft schillert in den verschiedensten Tönen von Braun über Grün bis Türkis. Ich halte hinter eine Brücke, um die ersten Fotos zu machen. Schaue ich zurück, sehe ich die Berge im Dunst liegen, vor und neben mir schillert der Sumpf.

Ich habe auf dieser Reise oft gedacht, wie unglaublich abwechslungsreich die Landschaften in diesem Teil Spaniens sind. Von grünen, sanften Hügeln, schroffen Bergen, Sümpfen, Steilküsten, Sandstränden, Wüsten, Canyons ist hier alles dabei. An manchen Tagen kann ich die Eindrücke schon fast nicht mehr verarbeiten, es ist einfach zuviel von allem.

Zuviel Schönheit, zuviele Kurven, zuviel Sonne, zuviel Hitze, zuviel Landschaft... an diesen Tagen nehme ich mir vor, im nächsten Urlaub nicht wieder so viel fahren zu wollen. Ich weiß, dass es nicht klappt, denn wenn ich mal unterwegs bin, gibt es kein Halten mehr. An manchen Tagen ist es anstrengend, aber das Landschaftkino lässt mich immer weiter und weiter fahren, ich sauge die Bilder als Vorrat für den Winter in mich auf.

Ein Stückchen hinter der Brücke kommen auf der rechten Seite ein Parkplatz und ein Holzgebäude, von dem aus man wohl Vögel beobachten kann. Ich nehme das als Anlaß, eine Pause zu machen, es ist schon gut Mittag, allmählich kommt etwas
mehr Sonne heraus und ich möchte diesen Küstenabschnitt noch etwas genießen, bevor es wieder ins Landesinnere geht. Nachdem ich kurz in das Gebäude gegangen bin und durch den Schlitz nach draußen geschaut habe, gehe ich wieder nach draußen. Ich setze mich mit meinem Essen auf die Bank, schaue zwei Booten zu, sehe weiter hinten Surfer und genieße, dass es jetzt sonnig wird, aber nicht so heiß ist wie die Tage zuvor. Ein alter Mann läuft an mir vorbei, lächelt und wünscht mir guten Appetit.

Der weitere Weg entlang der Küste ist weniger spannend, es herrscht relativ dichter Verkehr. Ich
folge der Straße bis ich nach Astillero komme, von dort aus folge ich der Straße in Richtiung Vega de Pas.

Es wird rasch kurviger und geht wieder nach oben in die Berge. Nach wie vor ist dieser Tag eher trüb, aber nach der Hitze von gestern finde ich das ziemlich erholsam. Auf dem Weg auf den Pass überhole ich eine Fahrrradfahrerin, die allein und mit Gepäck den Berg hochstrampelt. Ich denke mir, dass sie noch viel tougher ist als ich. Ich brauche nur genug Benzin im Tank und notfalls irgendwo einige Dutzend Kilometer zu fahren, bis ein Campingplatz oder irgendeine Form von "Zivilisation" kommt, ist für mich nicht so schwierig. Oben auf dem Pass genieße ich die Aussicht und weil jetzt doch wieder etwas mehr Sonne hervorschaut, mache ich eine längere Pause. Ich ziehe meine Jacke aus, strecke mich aus und schließe die Augen. Ich bin doch ganz schön fertig von den letzten Tagen denke ich, während ich allmählich wegdöse.

Embalse de Ebro
Nach gefühlten Stunden (in Wirklichkeit waren es vielleicht 20 Minuten...) setze ich mich auf und gucke nochmal ins Tal. Jetzt sollte ich mir mal langsam überlegen, in welche Richtung ich hinter Vega de Pas weiterfahren will. Als ich zu Conchita laufe, kommt die Fahrradfahrerin gerade an.

Ich spreche sie auf Spanisch an, sie schaut etwas ratlos und ich wechsle zu Englisch. Ich sage ihr, dass sie ganz schön schnell war, weil ich sie weiter unten überholt hatte. Danach kommen wir rasch ins Gespräch über woher und wohin. Sie erzählt mir, dass sie im Nachbartal unterwegs war, danach fragte sie mich, wo ich herkomme. Als ich sage, dass ich aus Deutschland bin, meint sie "ach, dann können wir auch Deutsch reden, ich habe so lange nicht mehr Deutsch gesprochen!"

Embalse de Ebro
Sie kommt aus Berlin, lebt in Frankreich und ist jetzt noch ein paar Tage mit dem Rad unterwegs, bevor es zurückgeht. Wir tauschen uns über die unterschiedlichen Arten zu reisen aus und sind einer Meinung, dass das im Auto lange nicht so schön sein kann, wie auf zwei Rädern. Nach einer Viertelstunde verabschieden wir uns, ich steige auf Conchita und fahre weiter nach unten ins Tal.

Als ich einige Zeit später am Embalse de Ebro vorbei fahre, hat sich die Landschaft wieder vollkommen verwandelt. Hier ist es trocken, heiß und es bläst ein böiger Wind. Der Wasserstand ist eher niedrig und am Rand wechselt sich Sandstrand mit sumpfigerem Gelände ab, ein Gemälde in Braun-, Beige- und Blautönen, gefleckt mit gelegentlichem Grünbraun.

Bis Espinilla folge ich der CA-183 und wechsele dann wieder in kurvigeres Geläuf. Auf dem Mirador Pico de Castrón sieht man wieder in den Nebel herab, außerdem steht hier ein Hirsch, der mich an den Hirschsprung im Schwarzwald denken lässt. Als ich ankomme, ist gerade ein spanisches Paar auf einem Motorrad angekommen. Ich habe in solchen Momenten nicht nur hier im Urlaub, sondern auch zuhause öfter den Eindruck, dass sich die Männer gerne mit mir unterhalten würden, ihre weibliche Begleitung sie jedoch davon abhält.

Keine Ahnung, ob das irgendeine Form von Reviermarkierung nach dem Motto "das ist MEINER!" ist, nur weil ich auch Motorrad fahre und mich obendrein noch über die eine oder andere technische Geschichte unterhalten kann. Nun ja. Dann reden wir halt nicht miteinander. Ich mache ein paar Bilder und fahre dann runter ins Tal.

Für heute reicht es jetzt langsam. Nachdem ich über den Puerto de Palombera gekommen bin, steuere ich bei Cabuérniga ich einen Campingplatz an. Ich klingele Señor Campingplatz herbei und wir regeln rasch alle Formalitäten. Hier gefällt es mir wieder sehr gut, es sind nur wenige andere Leute auf dem Platz und er liegt in mitten in der Pampa. Neben meinem Zelt fließt ein kleiner Bach und eine junge Familie lässt ihre Kinder sehr eingeschränkt und stark beaufsichtigt alles ansehen.

Als der kleine Junge einen weißen Belag auf einem Baumstumpf (vermutlich ist es Baumharz) anfassen will sagt die Mutter "Nein, lass das nicht, anfassen! Wir wissen nicht was das ist, vielleicht ist es giftig!"  Ich rolle innerlich mit den Augen und denke daran, was ich als Kind alles in den Mund gesteckt und probiert habe. Einmal habe ich Gras gegessen, weil ich wissen wollte, warum es den Kühen schmeckt und ein anderes Mal Hundetrockenfutter, weil ich wissen wollte, warum das dem Hund schmeckt. Danach war mir beides immer noch nicht klar, aber ich wusste immerhin, dass mir weder Gras noch Hundetrockenfutter schmecken, auch wenn Kühe bzw. der Hund das lecker finden.

Hirschsprung auf Spanisch
Nachdem ich mich häuslich eingerichtet und gegessen habe, mache ich einen kleinen Spaziergang ins Dorf. Hier stehen viele hübsche Steinhäuser mit Holzbalkonen, es gibt auch größere Anwesen, die mit trutzigen Steinmauern umgeben sind und oft ein verziertes Eingangstor mit Kreuzen obendrauf haben.

Irgendwie fühle ich mich an Spaghettiwestern erinnert, man könnte hier meinen, dass sich jeden Moment eines der Tore öffnet und Männer herausgeritten kommen, die schwarze Schnauzbärte haben und mit reich verzierten Hosen und Westen bekleidet sind, auf dem Kopf einen Sombrero und an der Hüfte einen Colt. Vermutlich habe ich nur zuviele Tarrantino-Filme gesehen...

Ich gehe aus dem Dorf heraus, weil ich gerne noch etwas herumlaufen möchte und lande an einer Stelle, an der in Plastik verpackte Silageabfälle abgeladen werden sollen. Hier liegen auch einige Ballen, das Plastik ist zerrissen und ich habe nicht den Eindruck, dass sich irgendwer darum kümmert, dass das Zeug auch wegkommt.

Ich laufe weiter auf dem Weg, entdecke links einen Steinhaufen mit einer Art Kreuz und der Aufschrift "Piedra Particular" - besondere/sonderbare Steine.

Home of Untoter Mariachispieler
Sofort springt mein Gedankenkino an, und ich sehe nächtliche Horden Untoter durch das Dorf torkeln, was dann die hohen Steinmauern und die Tore erklären würde. Selbstverständlich braucht man die Steine, um sie auf die Gräber der Untoten zu legen, damit diese in selbigen drin bleiben.

Während ich mir die tollsten Geschichten ausmale, endet der Weg und es beginnt zu tröpfeln. Also kehre ich um und gehe zurück zum Campingplatz, krieche in mein Zelt mit dem gemütliche plätschernden Bach daneben. Von Untoten Mariachispielern auf abgemagerten Kleppern bleibe ich in der Nacht jedenfalls verschont. Vielleicht hat ja  jemand mir einen "piedra particular" vors Zelt gelegt...

Fortsetzung folgt...

Kommentare:

  1. ... mich hier mal mit´m Frühstücks-Cappuccino hinsetzt,
    um Deine interessanten Reise-Impressionen/Tagebuchaufzeichnungen - genüsslich - zu lesen (ړײ)

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