Montag, 17. Juli 2017

Herz am Montag - Waldbrettspiel im Einsatz

Donautal bei Beuron
Trotz eher suboptiomalen Wetters am Freitag bin ich am späten Nachmittag doch noch aufgebrochen. Ich hatte diesmal überhaupt nichts geplant, sondern wollte einfach dorthin fahren, wo es gerade nicht regnet. Als erstes sah es nach Norden gut aus, aber bei genauerem Hinsehen war es doch grau, weshalb ich Conchitas Nase auf die übliche Hausstrecke die Spirzen hoch drehte. Nach dem Motto "erstmal hoch und schauen, wie es oben aussieht".

Oben beschloss ich dann kurzerhand weiter Richtung Osten zu fahren und mich grob in den Hegau zu orientieren. Ich war ziemlich schnell in Engen, entschied mich aber wieder um, weil ich da schon so oft war... Also Richtung Tuttlingen weiter und ins Donautal, da wird schon ein Camping kommen und wenn nicht, kenne ich in Fridingen ein Bikerhotel. Tja, in Fridingen war das Hotel zu und ich fuhr weiter nach Beuron. Immer noch kein Camping weit und breit, die Sonne nähert sich langsam dem Horizont.

Drehen wir halt wieder und fahren Richtung Westen zurück, notfalls doch wieder heim und morgen frisch erholt los. Immerhin bin ich seit vor 6 auf den Beinen und sitze jetzt auch schon wieder mehrere Stunden im Sattel. Kurz vor Donaueschingen finde ich in Pfohren einen Campingplatz. Das hätte ich auch einfach haben können!

Also jetzt fix das Zelt aufbauen, bisschen was trinken und essen und dann krieche ich auch schon platt in den leider zu dünnen Sommerschlafsack. Mit drei Schichten Merino, Seideninlet, Reisedecke und Mopedjacke ist die Nacht dann doch angenehm und auf dem Zeltplatz kehrt früh Ruhe ein.

Am nächsten Morgen krieche ich zeitig aus dem Schlafsack, dusche ausführlich und sattle Conchita mit ungewissem Ziel. Grob Richtung Donautal und dann mal schauen, das ist der Plan. Oder halt da, wo das Wetter gut aussieht. Es ist recht frisch und der Entschluss, nur mit T-Shirt und den Sommerhandschuhen zu fahren, ist in den ersten Stunden nicht so toll. In Fridingen entdecke ich eine Bäckerei und mache Halt, um zu frühstücken. Ich habe ja schon letztes Jahr im Urlaub beschlossen, kein Kochgeraffel mehr mitzuschleppen und schon gar nicht für ein Wochenende. Einen Kaffee und irgendwas zu essen treibt man immer wo auf.

Also rein in die Bäckerei.
Auf meine Frage, ob sie Frühstück haben, sieht mich die Dame ratlos an und meint, ich könnte mir was aus der Theke bestellen.
Ok.
Ich bestelle einen Milchkaffee und dann hätte ich gerne ein belegtes Baguettebrötchen mit Camembert.
Ja, ne, Camembert ist nicht, ich kann ein Brötchen mit Salami und Camembert haben.
Nein, das möchte ich nicht.
Wir diskutieren hin und her, bis der Dame einfällt, dass sie ja anderen Käse hat, den sie mir aufs Brot legen könnte.
Na bitte, geht doch!

Während ich auf mein Brötchen warte, kommen mehrere Leute in die Bäckerei. Zwei Schweizer Radfahrer bestellen auch Frühstück und ich bin sehr gespannt, was jetzt kommt. Aha, offenbar ist inzwischen der Groschen gefallen und man kann hier also auch Butter bekommen und sich sein Brot selbst machen.... ich kaue derweil auf meiner Laugenstange und trinke meinen Kaffee.

Wegezoll an der historischen Brücke Beuron
Besonders organisiert ist die Dame hinter der Theke nicht, ich sehe imaginäre Schweißperlen auf ihrer Stirn, als der Laden auf einmal schlagartig voller wird. Nun ja, lasse ich sie mal machen und warte mit dem Zahlen, bis sie mit allen fertig ist. Ich habe Zeit, der Samstag ist noch jung, es ist vor neun Uhr. Nachdem der Andrang besiegt ist, zahle ich meine beiden Sachen und fahre weiter.

Es ist immer noch reichlich frisch, dafür habe ich die Straße praktisch für mich allein. Bei dem nicht so optimalen Wetter hält sich der Ausflugsverkehr in Grenzen und so kurve ich fröhlich nach Beuron. Hier war ich vor vielen Jahren schon einmal mit der CBF, allerdings war es da heiß und ich hätte gerne die Füße in die Donau gesteckt. Heute gehe ich hoch zum Kloster. Ich lasse die Stille auf mich wirken und gehe in die Klosterkirche. Meine Spiegelreflex lasse ich hier aus, denn das Geklapper vom Spiegel empfinde ich in der Stille störend. Ich lasse die Stille und Kühle auf mich wirken. Hier ist es noch leer, außer mir sind vielleicht noch drei andere Leute im Raum. Einen Moment, als sich mehrere Leute in der Seitenkappelle zum beten niederlassen, ist es wirklich komplett still. Man hört ganz leise das Zwitschern der Vögel draußen. Ich bin nicht religiös, aber ich mag die Stille in Klöstern und Kirchen, das macht mich immer selbst ganz ruhig und bringt mich "zur Besinnung".

Altstadt Engen
Als ich aus der Kirche komme, ist draußen schon ein ganzer Trupp Leute angekommen, die offenbar zu einer Führung in die Kirche gehen. Da habe ich ja nochmal Glück gehabt!

Ich merke in der letzten Zeit immer mehr, wie sehr ich Stille brauche und wie sehr mich Lärm und zuviele Menschen stressen. Das mit dem Lärm klingt ein bisschen paradox, weil das Motorrad auch laut ist, aber wenn ich drauf sitze, ist der innere Lärm komplett verschwunden.

Von Beuron aus fahre ich kreuz und quer zwischen Donautal und Schwäbischer Alb herum. Ich genieße die weitgehend leeren Strecken, die  schöne Landschaft und halte immer ein Auge auf das Wetter gerichtet.

An einer Stelle kommt ein Schild "In 500 m Samstag/Sonntag für Motorräder gesperrt". Ich denke mir, dass ich das Schild einfach mal nicht sehe, notfalls schiebe ich die Streckenwahl auf mein (nicht vorhandenes) Navi und meine mangelende Ortskenntnis. Passt schon! Naja, ich lande dann wirklich auf einer schönen Strecke und zuckele brav hinter den Autos her. Mal sehen, ob mich jemand anhält, rauswinkt, oder die Rennleitung informiert. Am Ende der Strecke ist genau gar nichts passiert und ich kurve fröhlich weiter der Nase nach.

Auf dem Witthoh
Richtung Albstadt sieht es sehr finster aus, weshalb ich Conchita wieder Richtung Beuron leite. Dort werde ich Pause machen und die Karte konsultieren, wo wir danach hinfahren wollen. In Beuron esse ich die interessantesten vegetarischen Maultaschen meines Lebens (frittiert...) in Kombination mit Kartoffelsalat. Ja, kann man essen, muss man aber nicht. Da ich Hunger habe, esse ich alles ratzeputz auf. Bald sind Conchita und ich wieder unterwegs, diesmal Richtung Hegau.

Der Tag ist noch jung und weiter Richtung Alb sieht das Wetter nicht so prall aus. Gegen späteren Nachmittag sitze ich im Café Huber und lasse mir einen noch warmen Johannisbeerkuchen und einen Chai Latte schmecken. Inzwischen ist auch die Sonne richtig rausgekommen und ich beschließe, nochmal auf den Witthoh zu fahren, um dort ein paar Bilder zu machen. Oben angekommen verspreche ich Conchita, im Herbst nochmal herzukommen und in dem gemütlichen Gasthof zu schlafen, diesmal mit Planung und Organisation!
Donauversickerung

Nach dem Witthoh zirkeln wir weiter auf und ab und ich lenke unsere Tour zur Donauversickerung (richtig heißt es "Donauversinkung") bei Immendingen. Hier bin ich schon ein paar Mal vorbeigekommen, habe aber nie gestoppt.

Heute ändere ich das!

Ich parke Conchita und laufe die paar Schritte nach unten zum Flussbett. "Premium-Weg" steht auf dem Schild, soll heißen, dass hier wirklich jeder runterkommt. Bald stehe ich unten im Flußbett. Das ist schon ein interessantes Gefühl, hier auf dem Grund der Donau zu stehen und keine naßen Füße zu bekommen! Die Donau führt an dieser Stelle hauptsächlich im Winter Wasser. Ein Schild klärt über die Wasserstreitigkeiten zwischen verschiedenen Gemeinden auf. Ich laufe ein ganzes Stück im Flußbett entlang, treffe aber neben üppiger Vegetation hauptsächlich auf gefräßige Mücken.


Der Donau auf den Grund gehen...
Eine kleine Stimme in mir sagte "Wow, Singletrail! Flußdurchfahrt!" Während eine andere der kleinen Stimme auf die Finger klopft und sagt "Gib nicht so an, würdest Du mit der Twin nie machen!". Was ja auch stimmt. Ich genieße die Stimmung und den kleinen Spaziergang. Heute zahlt es sich aus, dass es nicht so heiß ist und ich nicht wie Darth Vader durch die Vegetation stampfe und dabei schnorchend in meinen Helm atme.

An der Stelle der Furt sind ein paar große Steine aufgeschichtet, ich denke, dass sie da sicherlich aus dem oben genannten Grund liegen (wilde Enduristen...). Hier sind einige Schmetterlinge, die an der verbliebenen feuchten Stelle trinken. Ich setze mich in die Sonne und schaue ihnen zu.

Waldbrettspiel beim trinken
Nach einer Weile gesellt sich noch ein größerer, brauner Schmetterling dazu. Weil ausgerechnet jetzt ein Radfahrer durch das Flußbett fährt, fliegen die Schmetterlinge davon. Ich warte eine Weile und halte die Kamera im Anschlag. Der große, braune Schmetterling lässt sich von mir nicht stören und ich kann ihn ganz in Ruhe beim trinken fotografieren. Und wie es so will hat er zwei hübsche Herzen auf seinen Flügeln.

Ich sitze eine ganze Weile hier und schaue den Schmetterlingen zu, genieße die Sonne und dass ich an diesem Tag schon wahnsinnig viel gesehen habe, aber trotzdem noch Zeit zum trödeln ist.

Nach einer Weile beschließe ich, den Tag nun ausklingen zu lassen und fahre zum Campingplatz zurück. Nachdem ich mich halbwegs präsentabel gemacht habe, gehe ich mit meiner Kamera bewaffnet noch eine Weile spazieren.

Es ist doch schon richtig Hochsommer, die Zeit rennt dahin! Das Getreide reift schon und auf einer
Wiese sehe ich eine riesige Gruppe Gänse, die sich zum schlafen versammeln. Die werden hoffentlich noch nicht wegziehen!?! Bald werde ich müde und mit Sonnenuntergang verziehe ich mich in mein Zelt.

Nach einer recht unruhigen und kühlen Nacht packe ich früh meine Sachen und bin schon vor acht Uhr wieder on the road. Ich liebe es, sonntags so früh unterwegs zu sein, denn da sind die Straßen leer, die Luft ist frisch und der Tag fühlt sich herrlich unverbraucht an.

Was tun? Noch ein bisschen herumfahren, oder nach Hause? In Bräunlingen frühstücke ich und ziehe dann noch ein paar Kreise, bevor ich Conchita nach Hause lenke. Um 11:30 bin ich - lange vor den Sonntagsfahrern - zuhause, das Zelt liegt zum trocknen auf dem Balkon und ich koche mir einen Tee, sortiere Fotos und Eindrücke.

Mehr Herzen gibt es bei den Fredissimas.