Donnerstag, 1. Juni 2017

Horizons Unlimited - The only borders are in your mind

Donnerstag 25.05.2017

Dieses Jahr war ich zum zweiten Mal bei Horizons Unlimited, diesmal mit der charmanten
Unterstützung von unserem Stammtischküken Christoph. Am Donnerstag brachen wir von mir zuhause zusammen auf, nachdem ich erst mit der Achmutter und dem Exzenter für die Kette gekämpft hatte, sich dann aber alle praktisch "von selbst" in die richtige Position gebracht hatte.

Für Christoph war an diesem Wochenende quasi "alles" neu: seine erste längere Tour mit jemand anderem, das erste Mal mit der neuen Campingausrüstung und das erste Motorradtreffen. Ich hatte unsere Tour in Anlehnung an das letztes Jahr geplant und führte uns von Freiburg über die französische Grenze Richtung Norden. In Soultz-les-Bains haben wir dann in der Konfiserie "Klugesherz" (heißt wirklich so!) eine Kaffeepause gemacht. Es war schon ganz gut warm geworden und vor uns lang noch etwa genauso viel Strecke.

Um nicht allzu spät in der Pfalz zu landen, fuhren wir rasch weiter und erreichten bald die Gegend um das Deutsche Weintor und wechselten wieder nach Deutschland. Leider hatte ich mich für die Strecke über Annweiler und das Johanniskreuz entschieden. An einem Feiertag bei schönem Wetter war das keine gute Wahl. Der Verkehr war dicht, das Überholen habe ich mir angesichts der (geistigen) Tiefflieger mit ihren PS-starken Mopeds gespart. Ich habe einmal überholt und wurde zugleich noch von hinten von einem anderen Motorradfahrer überholt, dem das wohl nicht schnell genug war. Ein wenig später hatten wir einen Ducati-Fahrer, der sich auf Teufel komm raus an allen vorbeiquetschen musste und kurz vor der Kurve mit Gegenverkehr rauszog. Wir waren uns am Abend einig, dass wir ihn schon haben fliegen sehen. Ich habe in dem Moment das Gas rausgenommen und hatte die Hand schon an der Kupplung. Zum Glück ist nichts passiert. Diese Passage war eigentlich der stressigste Teil unserer Anfahrt.

Nachdem der Nachmittag schon angebrochen war, habe ich kurzerhand an der erstbesten Gaststätte
sehr schöne Campingdeko
angehalten. Das bescherte uns erstmal Grillduft und deutsche Schlager. Allerdings kamen wir mit der Bedienung ins Gespräch, die total nett und lustig war. Es war sofort klar, dass wir nicht von "hier" sind und wir erzählten von Horizons und wo das ist. Als ich dann erwähnte, dass ich dort einen Vortrag halte, wurde er hellhörig.
"Worüber geht der Vortrag?"
"Über mein erstes Jahr auf dem Motorad."
Er winkt den Chef heran.
"Hör mal, die Dame hält Vorträge über Motorradfahren!"
Ich: "öhm, das ist mein erster Vortrag!"
Er (überhört geflissentlich) "Also, wir planen evtl. für nächstes Jahr hier ein Event, hätten Sie Lust, da etwas zu machen??"
Ich (nach kurzem trockenen Überschlucken) "Ja, ok, ich schreibe Ihnen meine Kontaktdaten auf und mein Blog, dann können Sie ja gucken, ob Ihnen das gefällt, was ich mache."

Gestärkt und erfrischt machten wir uns danach auf den restlichen, nur noch kurzen Weg. Da ich den Campingplatz schon kannte, hatte ich gleich die schöne, schattige Ecke weiter unten im Blick, wo ich mit Werner im letzten Jahr gezeltet hatte. Vor uns lag dann noch die heißgeliebte Schotterkurve, die mich beim ersten Mal wieder dazu brachte, erstmal auf die Wiese zu fahren. Nach einem kurzen Nachdenkmoment, ob wir evtl. hier bleiben sollten, oder runterfahren, entschied ich mich für runterfahren.

Kaum waren wir gelandet, füllte sich die Wiese auch schon zusehends. Christoph und ich bauten unsere Zelte auf und halfen einem Nachbarn mit Züricher Kennzeichen, dem das Motorrad umgekippt war. Als wir ihn auf Deutsch ansprachen, ernteten wir einen verständnislosen Blick, Englisch ging dann problemlos. Später stellte sich raus, dass Alex vor 12 Jahren aus Moskau nach Irland gegangen war, einen irischen Pass hatte und nun in Zürich für google arbeitet.

NSA is watching you!
Zwischendrin gingen wir zum Zirkuszelt, um nach dem Orgateam zu suchen, denn ich wusste nicht, wann ich meinen Vortrag nun halten sollte. Als wir dort waren hieß es, wir sollten Jens suchen. Da ich aber keine Ahnung hatte, wie Jens nun aussieht, sind wir erstmal wieder zu den Zelten. Dort lernten wir dann Willi und Uschi aus dem Rheinland kennen, beide in den 60ern und geländeaffin. Uschi hatte eine wunderschöne alte BMW R-80 GS von 1981 und Willi fuhr eine Africa Twin. Willi bot uns gleich protugiesischen Vinho Verde aus der Kühltasche an, ich hielt mich aber damit zurück. Ein bisschen später trafen wir dann auch Jens am Zirkuszelt, der meinen Vortrag dann auf Freitag 18 Uhr setzte.

Als wir zum Campingrestaurant gingen, war da schon einiges an Betrieb. Dieses Jahr lief es allerdings wesentlich besser mit der Organisation. Christoph und ich ließen uns ein kühles Bier schmecken und später versorgten wir seine vom Helm wund gescheuerte Stirn. Danach ging es zum ersten Vortrag von Leonie und Peter, die auf kleinen CRL 250 rund um die Welt gefahren sind. Die beiden waren sehr sympathisch und mich beeindruckte, wie wenige Probleme sie mit den kleinen Einzylindern hatten. Einmal hatte ein Federbein ein Leck, der Rest waren normale Ersatzteilwechsel, ein paar Reifenpannen und die Motoren mussten nach 90.000 km überholt werden, was wiederum nicht außergewöhnlich für Einzylinder ist.

Für mich mit am interessantesten bei den ganzen Vorträgen war, dass sich die Erfahrungen der anderen Reisenden absolut mit meinen deckten. Man trifft überall auf freundliche, hilfsbereite Menschen, wenn man selbst offen und freundlich auf sie zugeht. Manchmal gibt es Sprachbarrieren, aber wenn man sich etwas bemüht, ist auch das kein Problem. Und - wenn sich der eine oder andere immer mal fragt, ob ich keine Angst habe vor Überfall oder beklaut zu werden etc. - den beiden ist auf der ganzen Reise nichts gestohlen worden, sie wurden nicht überfallen, obwohl sie in einigen Ländern unterwegs waren, die nicht als "sicher" gelten. Natürlich sollte man immer seinen gesunden Menschenverstand verwenden, wenn man unterwegs ist.

Da ich durch eine Erkältung angeschlagen war und Christoph die Anfahrt in den Knochen steckte, sind wir danach bald in die Zelte gekrochen.

Freitag 26.5.2017

Schneewittchen must die!
Am Freitagmorgen fühlte ich mich alles andere als fit. Die Nacht hatte ich gefroren und fast nicht geschlafen, Dank Husten und Halsweh. Beim Warten auf das Frühstücksbuffett unterhielten Christoph und ich uns und Christoph sagte am Ende eines Satzes "weisch?". Darauf mischte sich der Mann, der hinter uns an einem Tisch wartete ein und meinte "Ach, DU bist das mit dem Lörracher Kennzeichen!" Christoph und Andy fanden rasch heraus, dass sie beide aus dem gleichen Ort bei Rheinfelden stammen und irgendwo auch gemeinsame Bekannte haben müssten. Beim Frühstück lernten wir dann noch Andys Freundin Christie kennen, die aus Indianapolis stammt. Mit Alex am Frühstückstisch waren wir eine richtig internationale Gruppe.

Da ich mich nicht wirklich toll fühlte, überließ ich Andy und Christie meine Karte und Christoph und ich bleiben auf dem Campingplatz. Ich machte am frühen Nachmittag einen kleinen Spaziergang und versuchte später, Leonie und Peter zu finden, die mir ihren Laptop für meinen Vortrag zur Verfügung stellten. Nach einigem Hin und Her zwischen Zeltplatz oben und unserem Stellplatz entschieden wir uns, zum Vortrag von Leonie und Peter zu gehen, die über ihre Packliste für die dreijährige Motorradtour berichten wollten. Es war eine relativ kleine Runde und vieles, was die beiden vorschlugen, hatte ich schon selbst für meine kürzeren Reisen umgesetzt: pflegeleichte Kleidung, die man gut waschen kann, multifunktionale Kosmetik (Seife statt Duschgel, Shampoobar statt Flasche usw.) etc. Ihre Liste unterschied sich nur in punkto Ersatzteilen, Elektronik und Medikamente.

Nach ihrem Vortrag war ich dann dran... Ich hatte meine Präsentation auf Deutsch vorbereitet, da ich
Pretty in pink
a) aus dem Blog vorlesen wollte und keine Lust hatte, das alles zu übersetzen und b) damit rechnete, dass sowieso wenig und hauptsächlich deutschsprachiges Publikum anwesend sein würde. Im Lauf des Tages hatte ich mich aber darauf eingestellt, notfalls auf Englisch und Deutsch vorzutragen. Ich war furchtbar aufgeregt und als im Publikum bei der Frage, wer kein Deutsch versteht, zwei Hände nach  oben gingen, habe ich auf Englisch gewechselt. Ich habe keine Ahnung mehr, was ich da alles zusammengestammelt habe, ich fand mich selbst furchtbar. Offenbar war das Publikum anderer Meinung und nach dem Vortrag bekam ich einiges Lob. Ich denke darüber nach, für die "Burg" an Fronleichnam auch etwas vorzubereiten, das wäre dann auf Deutsch. Mal sehen, ob ich es tue, oder sein lasse...

Wir waren nach meiner Präsentation etwas essen und unrerhielten uns am Tisch mit Andy, Christie und Alex. Später haben wir dann noch einen Teil der Präsentation von Josephine und Daniel gesehen, die mir persönlich etwas zu professionell war, aber durchaus sympathisch vorgetragen wurde. Interessant fand ich hier, dass Josephine fast die gleichen Worte wie ich benutzte, um zu erzählen, dass und wie das Motorradfahren den Geist entschleunigt und einen mit der Welt verbindet.

Samstag 27.05.2017

Smile and the world smiles back!
Freitagabend dopte Christoph mich wegen meiner hartnäckigen Erkältung mit Ibuprofen 800 und einer ordentlichen Dosis Famous Grouse. So gerüstet war die Nacht zwar wieder ziemlich schlaflos, aber am Samstag fühlte sich die Erkältung weniger schlimm an. Ich hatte schon in der Nacht beschlossen, den Samstag auf gar keinen Fall auf dem Campingplatz zu verbringen, therapeutisches Motorradfahren stand stattdessen auf dem Plan.

Nach dem Frühstück machten Christoph und ich uns auf den Weg und ich führte uns kreuz und quer freestyle durch die Landschaft rund um den Donnersberg, weiter nördlich bis nach Alzey und später durch das Nahetal und die Rheinhessische Schweiz. Es wurde im Lauf des Tages immer heißer und am frühen Nachmittag kehrten wir in Meisenheim in einer Eisdiele ein und machten eine längere Pause. Es gibt so viele wunderschöne, kleine, verträumte Orte dort oben! Allerdings war es so heiß, dass ich auf einen Stadtrundgang verzichtet haben, lieber saßen wir etwas länger im kühleren Café.

Am Nachmittag wollte ich unseren Weg dann nach Potzbach lenken, wo Grit und Frank leben. Ich hatte unseren Besuch angekündigt, allerdings keine Zeit festgelegt. Als Christoph und ich ankamen, war niemand da, wir ließen uns aber in den Garten und setzten uns in den Schatten. Wenig später kam Frank und freute sich, uns zu sehen. Wir tranken Wasser und Kaffee, aber Grit tauchte leider nicht auf, war auch über das Handy nicht zu erreichen. Gegen Abend brachen wir dann auf, denn wir wollten noch etwas essen und evtl. eine weitere Präsentation ansehen, mit den neu gewonnenen Freunden quatschen und das Treffen ausklingen lassen.

Der Unsichtbare
Bei der Fahrt in den nächsten Ort flog mir eine Wespe in das offene Visier und ich wusste, dass es gleich schmerzhaft würde... zwei Stiche später konnte ich endlich anhalten und das Vieh aus dem Helm schütteln. Zum Glück hat sie nicht am Auge gestochen und zum Glück bin ich nicht allergisch auf das Gift. Schön war das trotzdem nicht.

Auf dem Campingplatz nahmen wir mit Bravour die Schotterkurve und machten uns auf den Weg ins Campingrestaurant, um noch eine Kleinigkeit zu uns zu nehmen. Vorher kamen wir noch mit einem anderen Zeltnachbarn ins Gespräch, der eine dicke Harley fuhr. Er meinte zu uns, dass er die Twin seines Kumpels gefahren hatte und die Harley ihm keinen Spaß mehr macht. Sie hätte ihre Zeit gehabt und jetzt wollte er auf eine Africa Twin umsteigen, die Harley wollte er verkaufen.

Wir waren beide geschafft, ich von der Hitze und der Erkältung und Christoph von der Tour und saßen erstmal sehr gemütlich im Restaurant, um die Tage Revue passieren zu lassen. Morgen sollte es schon wieder nach Hause gehen, echt schade!

Nach dem Essen sind wir nochmal zur Scheune gegangen und haben eine Stück des Vortrags von Thomas anzusehen, der aus einem kleinen Dorf bei Freiburg per Motorrad auf Weltreise gegangen ist. Die Scheune war recht voll und wir beide zu müde, um noch alles anzusehen. Wir haben den Abend dann mit dem restlichen Whisky ausklingen lassen und waren gegen Mitternacht in den Zelten.

Sonntag 28.05.2017

Nun hieß es schon wieder Abschied nehmen! Das Frühstück fing heute früher an, wie wir gestern Abend von der Chefin erfahren hatten. Wir hatten mit ihr recht nett geplaudert und sie meinte, dass sie dem Treffen mit Bangen entgegengesehen hätte. Im letzten Jahre war es ziemlich chaotisch zugegangen und diesmal hätte es um einiges besser geklappt. Sie lobte die Teilnehmer und meinte, es sein durchweg angenehmes Publikum gewesen.

Magic Mushroom
Nach dem Frühstück packten wir die restlichen Dinge und sattelten unsere Motorräder. Diesmal hatte ich unsere Route etwas verlegt, um nicht wieder die überfüllte Strecke zwischen Johanniskreuz und Annweiler nehmen zu müssen. Christoph bewunderte das Wochenende über meine Navigationskünste, er meinte, er hätte sich immer professionell angefühlt. Ich hatte zwar zeitweise nicht immer zu 100% eine Ahnung, wo wir uns genau befinden, am Ende landeten wir aber immer auf der richtigen Straße.

Unser Rückweg führte uns unter anderem durch das hübsche Dahner Felsenland und in einer etwas anderen Schleife an die französische Grenze. Bis dahin war das Fahren noch ganz angenehm gewesen, aber nun wurde es zunehmend heiß. Mit 30 km/h durch die Dörfer zu zuckeln war schon Höchststrafe. An einer Stelle standen wir an einem Bahnübergang und ich meinte zu Christoph, dass ich auf dem Parkplatz gegenüber einen Trinkstopp machen wollte. Gesagt, getan. Boah, es war einfach unglaublich heiß! Später kamen wir an einem Thermometer vorbei: 34 Grad...

Hinter Straßburg beschloss ich, für den restlichen Weg auf die Autobahn zu wechseln, weil man da zumindest eine Ahnung von Fahrtwind haben würde. Christoph musste noch weiter nach bad Bellingen fahren und kurz vor Emmendingen trennten sich unsere Wege.

Das war ein tolles Wochenende und ich freue mich schon auf die "Burg" an Fronleichnam. Da sind wir dann zu fünft unterwegs und werden mit Sicherheit eine Menge Spaß haben. Außerdem holen wir den ersten Platz beim Stammtischpokal!



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