Mittwoch, 21. Juni 2017

Burg 2017 - Hochmut kommt vor dem Fall

Inzwischen ist sie schon ein paar Tage her, die "Burg" und natürlich gibt es auch dieses Jahr einiges zu erzählen.

Ich bin von diesesm Wochenende erfrischt und inspiriert nach Hause gekommen. Naja, erfrischt eher an Geist als an Körper, so einige Tage Nachurlaub zum ausschlafen wären irgendwie nicht schlecht und die Hitze im Moment trägt auch nicht gerade zu meiner Höchstform bei.

Donnerstag, 15.06.2017

Bereits einige Tage vor der Burg erreichte mich von Christoph eine whatsapp, dass er schon total aufgeregt wäre und sich freut. Ich fragte daraufhin, ob ich den Baldriantee einpacken sollte, oder ob er es auch ohne hinkriegt. Christoph hatte dann eine Flasche Beruhigungswhisky für uns eingepackt und - soweit ich es beurteilen kann - die Burg ohne größere Schäden an Geist und Körper überstanden.

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal auf der Burg und natürlich auch aufgeregt. Wenn ich so an meinen Anfang mit dem Motorrad zurückdenke, hat sich schon einiges verändert, wenn ich mit anderen Fahrern zusammentreffe. Auf meinen allerersten Touren waren die Zusammentreffen immer mehr der Art, dass man mir ungefragt alle möglichen Tipps gab und ich mich danach noch unsicherer fühlte. Jetzt ist es so, dass ich mich mit anderen Fahrern eher auf Augenhöhe fühle. Ganz zu Beginn meiner Motorradkarriere hätte ich mich gar nicht auf so ein Treffen getraut, ganz allein unter "Profis" zu sein, das machte mir Angst. Aber die Erfahrung relativiert doch vieles und inzwischen fühlt sich so ein Event wie die Burg wie eine Art von "Nachhausekommen" an. Es ist eine andere Welt als der Alltag und tatsächlich stellt sich so etwas wie ein Familiengefühl ein.

Christoph kam am Donnerstag bei mir vorbei und gemeinsam brachen wir auf, um an der Raststätte Renchtal Richard, Stefan und Urs einzusammeln. Ein wenig später gesellte sich noch Thomas zu uns. Bis Kronau fuhren wir auf der Autobahn und den Rest des Weges dann recht zügig und ohne größere Stopps über Land. Hier merke ich schon, dass sich bei mir viel getan hat in den letzten drei Jahren, seit ich Conchita fahre. Ich komme auch mit flotterem Tempo gut zurecht und habe selten das Gefühl, dass es mir jetzt doch zuviel wird oder zu schnell.

Gegen späten Nachmittag erreichten wir die Burg, checkten ein und stellten unsere Zelte auf. Wir hatten diesmal einen Platz relativ nahe am Burgtor, der allerdings reichlich schief war, so dass wir suchen mussten, wo wir die Zelte nun hinstellen. Weil sich Jörg später zu uns gesellen wollte, konnten wir die Parzelle auch nicht mit Franky teilen, der als Nachzügler noch einen Platz für seine Bleibe suchte.

Bald war auch Uli,  unser Teammitglied vom letzten Jahr gefunden und wir saßen rasch mit Essen und Getränk versorgt zusammen und tauschten uns über alles mögliche aus. Weil der Tag nun doch recht lang und die Anreise heiß war, haben wir uns bald in die Zelte verzogen.

Freitag, 16.06.2017

Erstaunlicherweise hatte ich die erste Nacht im Zelt wunderbar geschlafen, was vielleicht auch an Christophs Famous Grouse lag. Allerdings hatten einige Leute sich um 5 Uhr bereits lautstark unterhalten, so dass die Nacht nicht so wahnsinnig lang war.

Gegen 1/2 8 schlurfte ich geduscht und halbwegs wach zum Frühstück, um dort auf Thomas zu treffen, der schon putzmunter war. Die restliche Truppe gesellte sich dann nach und nach dazu und wir trödelten genüßlich herum, um dann gegen 10 Uhr zu viert zur Roadbooktour aufzubrechen.Ich fahre ja ganz gerne vorn und dachte mir, dass ich so nochmal für den "Ernstfall" am Samstag üben könnte. Uli wollte etwas auf eigene Faust unternehmen.

Die Tour war wirklich schön, alles klappte wie am Schnürchen. Da Conchita nach dem letzten Reifenwechsel vorne unter häufiger Luftinkontinenz leidet, haben wir nach ungefähr 50 km einen Tank- und Luftstopp eingelegt. Es war noch relativ früh, und der Einkehrvorschlag - die "Bayerische Schanze" - schon recht nah, weshalb ich in die Runde fragte, ob wir das auslassen sollten. Die einhellige Meinung war "mal anschauen". Unsere Tour führte nun auf einen unbefestigten Wirtschaftsweg, davor musste wir noch einen Hindernisparcours absolvieren. Mitten auf der Einfahrt zu diesem Weg stand eine ziemliche große Gruppe von der Knieschleiferfraktion und einige davon hatten mitten auf dem Weg geparkt. Es gab einige große Augen, als nach und nach lauter alte Africa Twins in den Weg einbogen und weiter hinten beeindruckende Staubfahnen hinter sich herzogen.

Vor uns fuhren zwei andere Twins, der hintere Fahrer wirkte etwas unsicher, weshalb ich Abstand hielt. Der Staub war auch beachtlich und das Visier musste trotz Wärme geschlossen bleiben. Der feine Schotter macht mir nichts aus, ich habe gemerkt, dass ich das ganz gut hinbekomme und auch keine Momente habe, in denen ich auf Conchita erstarre. Außerdem hatte ich frische Reifen drauf, was auch noch etwas ausgemacht haben dürfte. Unterm Strich wäre ich gerne schneller gefahren...

Als wir aus dem Wald herauskamen, wurde hinter mir gehustet, gekeucht und Staub abgeklopft. Wir sahen alle leicht gepudert aus und die Twins waren - wie wie auch - von einer Staubschicht überzogen. Bei der Einkehr in der Bayerischen Schanze konnten wir den Staub aber aus den Kehlen spülen und uns stärken. Irgendwie hatten dann doch alle Hunger, obwohl die Tour noch nicht so lang gewesen war.

Frisch gestärkt ging es dann weiter durch schöne, hügelige Landschaften und verträumte, kleine Dörfer und Ortschaften. Es lief alles super, bis ich an einer Stelle den unteren Teil des Roadbooks aus der Klammer lösen musste, um den weiteren Streckenverlauf lesen zu können. Es war inzwischen einiger Wind aufgekommen und nach zwei heftigen Böen verabschiedete sich das Roadbook auf Nimmerwiedersehen. Zum Glück hatte ich den restlichen Streckenverlauf auf dieser Seite noch halbwegs im Kopf und Thomas hatte ein zweites Roadbook. Er übernahm nun den restlichen Teil der Tour. Unterwegs haben wir noch Jörg "verloren", der zum Kaffee trinken fahren wollte, also kehrten wir zu Dritt zur Burg zurück.

Freitagabend wurde auch das Roadbook für Samstag ausgegeben und ich wollte es diesmal besonders gut machen. Während wir beim Essen saßen, diskutierten wir über einen Namen für unser Team: "Die rasenden Bollenhüte" schied aus, weil Uli ja nicht aus dem Schwarzwald kommt. Mein Vorschlag "Die 4 Apokalyptischen Reiter" wurde mangels Alternativvorschläge angenommen. So zog ich also los, meldete uns für 10.40 Uhr und mit diesem Namen an.

Wenig später gesellten sich Ingolf und Thorsten zu uns, die noch ein Team suchten. Ich verzog mich irgendwann mit Roadbook und Karte in eine ruhige Ecke, um die Strecke einzuzeichnen. Diesmal sollte es ja ganz besonders gut werden...

Der zweite Abend wurde deutlich länger als der erste. Wir saßen am Lagerfeuer mit Christophs Whisky und diskutierten über alles mögliche, bis es irgendwann in die Zelte ging. Ich schlief wie ein Stein, selbst das Geschnarche von drei Seiten hat mir nichts ausgemacht. Famous Grouse ist eben ein supergutes Schlafmittel!

Samstag, 17.06.2017

Nun war der große Tag gekommen, heute ging es um den Stammtischpokal. Ich hatte diesmal vor, alles richtig zu machen und unsere Gruppe würdig anzuführen. Die Strecke war auf meiner Karte eingezeichnet, das Roadbook studiert und wegwehsicher befestigt, kann also nix schiefgehen, dachte ich. Außerdem wollte ich auf keinen Fall meine Jungs enttäuschen.

Nach einem ausführlichen Frühstück und gemütlicher Trödelei ging es um 10.40 dann los. Der erste
Teil war einfach und ich führte uns ganz gut und sicher. Das Falltorhaus verpassten wir dann im ersten Moment, weil ich nicht in den Wald guckte. Alles kein Problem, wenden, zurückfahren, "Polo" zählen. Nach einigen Anläufen und Sucherei hatten wir dann hoffentlich alles gefunden. Ich schrieb unser Ergebnis auf den Zettel, wir warteten, bis die Gruppe vor uns weg war und fuhren weiter.

Ich finde fast immer die Strecken, auf die ich will, aber irgendwie gelingt es mir mit dem Roadbook nicht wirklich. Wir hatten Mühe, die nächste Station zu finden, weil ich mir nicht sicher war, ob wir nun richtig herum in den Ort gekommen waren. Nach etlichen Anläufen scouteten dann Ingolf und Thorsten und wir landeten als letzte auf dem richtigen Parkplatz. Der zweite Weg war richtig gewesen, nur waren wir nicht weit genug gefahren. Thorsten und ich schätzten das Gewicht von verschiedenen Holzstücken und sägte 282 Gramm ab, gefordert waren 250. Naja, nicht so schlecht.

Jetzt ging es weiter zum Bikercafé in Grebenhain, fix stärken. Der Mensch hinter der Theke war reichlich skurril, ebenso bemerkenswert fanden wir, dass ein Teil des Gebäudes und die Verkaufsbude mit Hilfe von Spanngurten zusammengehalten wurden.

Mit Blick auf die Uhr beschloss ich, unseren Weg abzukürzen. Das war dann der Anfang vom Ende, denn wir landeten nicht dort, wo wir hinsollten und wo ich meinte, dass der Parkplatz wäre. Also fix nach Illnhausen zurück. Thorsten führte, weil er ein Navi hatte, das uns nun auf schnellstem Weg dorthin bringen sollte. Als wir den Berg hochfuhren, hupte Christoph auf einmal und setzte sich an die Spitze. Links von uns war der Parkplatz gewesen! Wir wendten unten im Dorf, aber als wir zurückkamen, war niemand mehr da. Also schnellstens zur Burg zurück und aufs Beste hoffen...

Die Truppenmoral war teilweise im Keller und ich fuhr mit im Geiste einzogenen Nacken. Ne, also dieses Jahr wird das nichts werden mit dem Pokal! Hoffentlich belegen wir nicht den schmachvollen letzten Platz, sondern wenigstens den vorletzten...

Auf der Burg angekommen gab ich unsere Unterlagen ab und zog mich um, weil ja noch eine Geschicktlichkeitsaufgabe anstand. Mit einem Ball zwischen den Köpfen mussten drei Bänke überstiegen werden, ein auf dem Boden gemaltes Karo durfte nicht betreten werden und am Ende mussten wir in die Hocke gehen und einen Hullahoop-Reifen über uns drüberheben. Das alles, ohne den Ball fallenzulassen und gegen die Uhr. Gefühlt brauchten Ingolf und ich 10 Minuten, der Ball geriet zweimal außer Kontrolle und Highlanders Ausruf "elfengleich!" brachte uns auch aus dem Tritt. Um mich wohl nicht vollends zu demotivieren, meinte der Rest der Truppe, dass wir recht flott gewesen seien.

Thomas versuchte später noch herauszufinden, welches die Aufgaben und Fragen der letzten STation gewesen seien. Die Aussage, dass die Fragen kaum jemand beantworten konnte, verleiteten mich dazu, uns zumindest im unteren Drittel platziert zu sehen, fehlende Aufgabe hin oder her!

tja, und dann kam die Siegerehrung... Zum Glück musste ich nicht wie Cersei Lannister geschoren, nackt und barfuß von der Dorfstraße bis zum Burghof laufen, hinter mir McGyver, der eine Glocke läutet und "SHAME!" ruft, wobei die restlichen Besucher einschließlich meiner Truppe mich mit faulem Obst bewerfen... schön war es trotzdem nicht! Als ich vorschlug, dass ich im nächsten Jahr die Führung abgebe, bestand meine Truppe darauf, dass ich wieder vorne fahren sollte. Na, es besteht eine realistische Chance, dass ich es beim dritten Mal nicht versaue!

Nach der Siegerehrung wurden bei der Tombola diverse Preise unters Volk gebracht. Ich ergatterte eine Kühltasche, Arbeitshandschuhe und Ohrstöpsel. Den Trostpreis für unsere Gruppe habe ich auch mitgenommen, wir können nächstes Jahr ja nochmal würfeln, ob ich wirklich vorne fahre...

Am Ende der Tombola gab es eine insgesamt große Dichte an Kühltaschen, Handschuhen und Ohrstöpseln. Mit der Kühltasche hatten wir später noch viel Spaß. Franky hatte die Idee, die Tasche umzudrehen und als eine Mischung aus stylischer Baseballcap und Aluhut zu tragen. Man merkt eben, dass Africa Twin Fahrer erfindungsreiche Improvisationstalente sind!

Später am Lagerfeuer wurde der Whisky herumgereicht, es gab noch Chips und diverse Diskussionen über alle möglichen Themen. Franky und ich haben uns später abgeseilt und auf der Bank an der Dorfstraße über das Leben philosophiert, den Autofahrern zugesehen, die reihenweise geblitzt wurden und mit Sicherheit das Dorf gut unterhalten. Spät in der Nacht hieß es dann ab in die Zelte, denn morgen sollte es wieder nach Hause gehen.

Sonntag, 18.06.2017

Och nöööö, ist wirklich schon wieder Sonntag? Heimfahrt? Burg vorbei?

Ich war relativ früh wach und traf daußen auf Christoph, der im Brustton der Überzeugung meinte, wir sollten jetzt frühstücken gehen. Ich hielt ihm mein Handy unter die Nase und meinte "es ist erst 6.34 Uhr, nix Frühstück!" Auf dem Weg zur Toilette arbeitete ich an meinem Wachheitsgrad und Augenöffnungswinkel. So richtig wach war ich nicht, und ich hatte auch nicht so richtig Lust, nach Hause zu fahren. Aber hilft ja nix!

Beim Frühstück sahen wir alle ziemlich zerknittert aus und trödelten herum. So richtig weg und los wollte keiner. Also zurück zu den Zelten, den restlichen Kram aufpacken, Mopeds satteln... Abschied nehmen...

Aber dann gab es noch einen spontanten und ungeplanten Workshop "Reifen flicken", denn die Twin von Troll hatte einen Platten, im Hinterreifen steckte ein Nagel. Ok, spannend, ich bin ja nicht so die Schrauberin und Reifen habe ich nur am Fahrrad gewechselt, wohl aber von der Widerspenstigkeit des Heidenau gehört, vor allem hinten... Ich bin gespannt, wie die Herren das lösen. Als erstes wurde die Twin auf einem Alukoffer aufgebockt, dann war ratzfatz das Hinterrad ausgebaut, das Ritzel unten und die Arbeit begann.

McGyver verteilte großzgüg Spüliwasser, um den Reifen von der Felge zu lösen und zusammen mit Franky wurde per Draufstellen und Reifenheber der Reifen von der Felge gelöst, der Schlauch herausgezogen und geflickt. Als dann alles wieder zusammengebaut war, bat mich Franky um meinen Kompressor. Also Conchita absatteln, Sitz runter, Kompressor rausfummeln.

Der Reifen war fix gefüllt und noch fixer eingebaut und jetzt hieß es wirklich endgültig Abschied nehmen von den alten und neuen Freunden, der Burg...

Christoph und ich machten uns auf den direkten Heimweg über die Autobahn und waren am frühen Nachmittag ohne Verfahren und Zwischenfälle wieder zuhause.

Das war sie also mal wieder, die Burg! Auch wenn es dieses Jahr nur für den ersten Platz von hinten gereicht hat, war es ein tolles, inspirierendes und lustiges Wochenende für mich und ich hoffe auch für alle anderen.

Ich freue mich schon auf die Burg 2018 und übe mich bis dahin im Strecken- und Roadbooklesen!

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