Freitag, 30. Juni 2017

Monatsimpressionen Juni

oh Mann, die Zeit rast wirklich dahin, kann mal jemand auf die Bremse treten?

Am zweiten Juni-Wochenende heirateten Freunde von mir. Ich hatte mich als Hoffotografin angedient und zusätzlich für das Nachtischbuffett Cupcakes gebacken.

Das Backen lässt mich tatsächlich nicht los und ich verbessere mich von Mal zu Mal. Für die Hochzeit hatte ich vier Sorten Cupcakes gebacken: Vanillecupcakes mit Mascarpone-Frosting und Erdbeersauce, Holunder-Limette-Cupcakes, Rosencupcakes und Banencupcakes mit Frischkäsetopping und selbstgemachter Karamellsauce. Weil es an dem Wochenende heiß war, musste ich mir etwas für die Kühlung überlegen, denn die Zeremonie und der Sektempfang würden ja länger dauern, Kühlschrank nicht in Sicht.

Ich habe Donnerstag den Backmarathon eingelegt und Freitag im Akkord Frosting gerührt und Dekoration vorbereitet. Zum Glück hatte ich drei große Tortenboxen und jede Menge Cupcake-Becher bestellt.

Als alles fertig war, lief mein Kühlschrank auf Hochtouren und war gerammelt voll. Am Samstag dann habe ich alles in eine große Plastikkiste gepackt, Eiswürfel drunter, Kühlelemente daneben, einen Karton in eine Tiefkühltasche gepackt und gehofft, dass nichts zerläuft. Die Cupcakes kamen unbeschadet an und die Gäste waren begeistert.

Da ich noch nie auf einer Hochzeit Fotos gemacht hatte, war ich auch etwas aufgeregt. Draußen, vor der Weinerei habe ich einen alten Ledersessel gefunden, in dem ich die Gäste dann mit diversen Accessoires posieren ließ. Ich glaube, dass alle sehr viel Spaß hatten. Es war ein wunderschönes Fest und sowohl Essen als auch Programm ließen nichts zu wünschen übrig. Dem glücklichen Paar wünsche ich eine wundervolle und erfüllte Zukunft, ihr macht das gut!

Das zweite Event war die Burg. Naja, dieses Jahr habe ich uns zielsicher auf den letzten Platz
geführt... scheinbar hat das dem Spaß trotzdem keinen Abbruch getan. Es war ein schönes, inspirierendes und lustiges Wochenende und ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

So langsam rückt der Sommerurlaub näher und ich habe mein Ziel bereits eingekreist. Es wird nach Slowenien geht, die Straßenkarten sind schon bestellt. Vielleicht treffe ich mich unterwegs mit Frau zuse, oder ich gucke mal im Forum, ob irgendwer die gleiche Route hat. Es bereitet mir wirklich viel Spaß, mit anderen zu fahren, auch wenn ich trotzdem zuhause meist allein unterwegs bin.

Jetzt bin ich aber erstmal gespannt, was der Juli so bringen wird.
Mehr Monatsimpressionen gibt es bei den Fredissimas.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Burg 2017 - Hochmut kommt vor dem Fall

Inzwischen ist sie schon ein paar Tage her, die "Burg" und natürlich gibt es auch dieses Jahr einiges zu erzählen.

Ich bin von diesesm Wochenende erfrischt und inspiriert nach Hause gekommen. Naja, erfrischt eher an Geist als an Körper, so einige Tage Nachurlaub zum ausschlafen wären irgendwie nicht schlecht und die Hitze im Moment trägt auch nicht gerade zu meiner Höchstform bei.

Donnerstag, 15.06.2017

Bereits einige Tage vor der Burg erreichte mich von Christoph eine whatsapp, dass er schon total aufgeregt wäre und sich freut. Ich fragte daraufhin, ob ich den Baldriantee einpacken sollte, oder ob er es auch ohne hinkriegt. Christoph hatte dann eine Flasche Beruhigungswhisky für uns eingepackt und - soweit ich es beurteilen kann - die Burg ohne größere Schäden an Geist und Körper überstanden.

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal auf der Burg und natürlich auch aufgeregt. Wenn ich so an meinen Anfang mit dem Motorrad zurückdenke, hat sich schon einiges verändert, wenn ich mit anderen Fahrern zusammentreffe. Auf meinen allerersten Touren waren die Zusammentreffen immer mehr der Art, dass man mir ungefragt alle möglichen Tipps gab und ich mich danach noch unsicherer fühlte. Jetzt ist es so, dass ich mich mit anderen Fahrern eher auf Augenhöhe fühle. Ganz zu Beginn meiner Motorradkarriere hätte ich mich gar nicht auf so ein Treffen getraut, ganz allein unter "Profis" zu sein, das machte mir Angst. Aber die Erfahrung relativiert doch vieles und inzwischen fühlt sich so ein Event wie die Burg wie eine Art von "Nachhausekommen" an. Es ist eine andere Welt als der Alltag und tatsächlich stellt sich so etwas wie ein Familiengefühl ein.

Christoph kam am Donnerstag bei mir vorbei und gemeinsam brachen wir auf, um an der Raststätte Renchtal Richard, Stefan und Urs einzusammeln. Ein wenig später gesellte sich noch Thomas zu uns. Bis Kronau fuhren wir auf der Autobahn und den Rest des Weges dann recht zügig und ohne größere Stopps über Land. Hier merke ich schon, dass sich bei mir viel getan hat in den letzten drei Jahren, seit ich Conchita fahre. Ich komme auch mit flotterem Tempo gut zurecht und habe selten das Gefühl, dass es mir jetzt doch zuviel wird oder zu schnell.

Gegen späten Nachmittag erreichten wir die Burg, checkten ein und stellten unsere Zelte auf. Wir hatten diesmal einen Platz relativ nahe am Burgtor, der allerdings reichlich schief war, so dass wir suchen mussten, wo wir die Zelte nun hinstellen. Weil sich Jörg später zu uns gesellen wollte, konnten wir die Parzelle auch nicht mit Franky teilen, der als Nachzügler noch einen Platz für seine Bleibe suchte.

Bald war auch Uli,  unser Teammitglied vom letzten Jahr gefunden und wir saßen rasch mit Essen und Getränk versorgt zusammen und tauschten uns über alles mögliche aus. Weil der Tag nun doch recht lang und die Anreise heiß war, haben wir uns bald in die Zelte verzogen.

Freitag, 16.06.2017

Erstaunlicherweise hatte ich die erste Nacht im Zelt wunderbar geschlafen, was vielleicht auch an Christophs Famous Grouse lag. Allerdings hatten einige Leute sich um 5 Uhr bereits lautstark unterhalten, so dass die Nacht nicht so wahnsinnig lang war.

Gegen 1/2 8 schlurfte ich geduscht und halbwegs wach zum Frühstück, um dort auf Thomas zu treffen, der schon putzmunter war. Die restliche Truppe gesellte sich dann nach und nach dazu und wir trödelten genüßlich herum, um dann gegen 10 Uhr zu viert zur Roadbooktour aufzubrechen.Ich fahre ja ganz gerne vorn und dachte mir, dass ich so nochmal für den "Ernstfall" am Samstag üben könnte. Uli wollte etwas auf eigene Faust unternehmen.

Die Tour war wirklich schön, alles klappte wie am Schnürchen. Da Conchita nach dem letzten Reifenwechsel vorne unter häufiger Luftinkontinenz leidet, haben wir nach ungefähr 50 km einen Tank- und Luftstopp eingelegt. Es war noch relativ früh, und der Einkehrvorschlag - die "Bayerische Schanze" - schon recht nah, weshalb ich in die Runde fragte, ob wir das auslassen sollten. Die einhellige Meinung war "mal anschauen". Unsere Tour führte nun auf einen unbefestigten Wirtschaftsweg, davor musste wir noch einen Hindernisparcours absolvieren. Mitten auf der Einfahrt zu diesem Weg stand eine ziemliche große Gruppe von der Knieschleiferfraktion und einige davon hatten mitten auf dem Weg geparkt. Es gab einige große Augen, als nach und nach lauter alte Africa Twins in den Weg einbogen und weiter hinten beeindruckende Staubfahnen hinter sich herzogen.

Vor uns fuhren zwei andere Twins, der hintere Fahrer wirkte etwas unsicher, weshalb ich Abstand hielt. Der Staub war auch beachtlich und das Visier musste trotz Wärme geschlossen bleiben. Der feine Schotter macht mir nichts aus, ich habe gemerkt, dass ich das ganz gut hinbekomme und auch keine Momente habe, in denen ich auf Conchita erstarre. Außerdem hatte ich frische Reifen drauf, was auch noch etwas ausgemacht haben dürfte. Unterm Strich wäre ich gerne schneller gefahren...

Als wir aus dem Wald herauskamen, wurde hinter mir gehustet, gekeucht und Staub abgeklopft. Wir sahen alle leicht gepudert aus und die Twins waren - wie wie auch - von einer Staubschicht überzogen. Bei der Einkehr in der Bayerischen Schanze konnten wir den Staub aber aus den Kehlen spülen und uns stärken. Irgendwie hatten dann doch alle Hunger, obwohl die Tour noch nicht so lang gewesen war.

Frisch gestärkt ging es dann weiter durch schöne, hügelige Landschaften und verträumte, kleine Dörfer und Ortschaften. Es lief alles super, bis ich an einer Stelle den unteren Teil des Roadbooks aus der Klammer lösen musste, um den weiteren Streckenverlauf lesen zu können. Es war inzwischen einiger Wind aufgekommen und nach zwei heftigen Böen verabschiedete sich das Roadbook auf Nimmerwiedersehen. Zum Glück hatte ich den restlichen Streckenverlauf auf dieser Seite noch halbwegs im Kopf und Thomas hatte ein zweites Roadbook. Er übernahm nun den restlichen Teil der Tour. Unterwegs haben wir noch Jörg "verloren", der zum Kaffee trinken fahren wollte, also kehrten wir zu Dritt zur Burg zurück.

Freitagabend wurde auch das Roadbook für Samstag ausgegeben und ich wollte es diesmal besonders gut machen. Während wir beim Essen saßen, diskutierten wir über einen Namen für unser Team: "Die rasenden Bollenhüte" schied aus, weil Uli ja nicht aus dem Schwarzwald kommt. Mein Vorschlag "Die 4 Apokalyptischen Reiter" wurde mangels Alternativvorschläge angenommen. So zog ich also los, meldete uns für 10.40 Uhr und mit diesem Namen an.

Wenig später gesellten sich Ingolf und Thorsten zu uns, die noch ein Team suchten. Ich verzog mich irgendwann mit Roadbook und Karte in eine ruhige Ecke, um die Strecke einzuzeichnen. Diesmal sollte es ja ganz besonders gut werden...

Der zweite Abend wurde deutlich länger als der erste. Wir saßen am Lagerfeuer mit Christophs Whisky und diskutierten über alles mögliche, bis es irgendwann in die Zelte ging. Ich schlief wie ein Stein, selbst das Geschnarche von drei Seiten hat mir nichts ausgemacht. Famous Grouse ist eben ein supergutes Schlafmittel!

Samstag, 17.06.2017

Nun war der große Tag gekommen, heute ging es um den Stammtischpokal. Ich hatte diesmal vor, alles richtig zu machen und unsere Gruppe würdig anzuführen. Die Strecke war auf meiner Karte eingezeichnet, das Roadbook studiert und wegwehsicher befestigt, kann also nix schiefgehen, dachte ich. Außerdem wollte ich auf keinen Fall meine Jungs enttäuschen.

Nach einem ausführlichen Frühstück und gemütlicher Trödelei ging es um 10.40 dann los. Der erste
Teil war einfach und ich führte uns ganz gut und sicher. Das Falltorhaus verpassten wir dann im ersten Moment, weil ich nicht in den Wald guckte. Alles kein Problem, wenden, zurückfahren, "Polo" zählen. Nach einigen Anläufen und Sucherei hatten wir dann hoffentlich alles gefunden. Ich schrieb unser Ergebnis auf den Zettel, wir warteten, bis die Gruppe vor uns weg war und fuhren weiter.

Ich finde fast immer die Strecken, auf die ich will, aber irgendwie gelingt es mir mit dem Roadbook nicht wirklich. Wir hatten Mühe, die nächste Station zu finden, weil ich mir nicht sicher war, ob wir nun richtig herum in den Ort gekommen waren. Nach etlichen Anläufen scouteten dann Ingolf und Thorsten und wir landeten als letzte auf dem richtigen Parkplatz. Der zweite Weg war richtig gewesen, nur waren wir nicht weit genug gefahren. Thorsten und ich schätzten das Gewicht von verschiedenen Holzstücken und sägte 282 Gramm ab, gefordert waren 250. Naja, nicht so schlecht.

Jetzt ging es weiter zum Bikercafé in Grebenhain, fix stärken. Der Mensch hinter der Theke war reichlich skurril, ebenso bemerkenswert fanden wir, dass ein Teil des Gebäudes und die Verkaufsbude mit Hilfe von Spanngurten zusammengehalten wurden.

Mit Blick auf die Uhr beschloss ich, unseren Weg abzukürzen. Das war dann der Anfang vom Ende, denn wir landeten nicht dort, wo wir hinsollten und wo ich meinte, dass der Parkplatz wäre. Also fix nach Illnhausen zurück. Thorsten führte, weil er ein Navi hatte, das uns nun auf schnellstem Weg dorthin bringen sollte. Als wir den Berg hochfuhren, hupte Christoph auf einmal und setzte sich an die Spitze. Links von uns war der Parkplatz gewesen! Wir wendten unten im Dorf, aber als wir zurückkamen, war niemand mehr da. Also schnellstens zur Burg zurück und aufs Beste hoffen...

Die Truppenmoral war teilweise im Keller und ich fuhr mit im Geiste einzogenen Nacken. Ne, also dieses Jahr wird das nichts werden mit dem Pokal! Hoffentlich belegen wir nicht den schmachvollen letzten Platz, sondern wenigstens den vorletzten...

Auf der Burg angekommen gab ich unsere Unterlagen ab und zog mich um, weil ja noch eine Geschicktlichkeitsaufgabe anstand. Mit einem Ball zwischen den Köpfen mussten drei Bänke überstiegen werden, ein auf dem Boden gemaltes Karo durfte nicht betreten werden und am Ende mussten wir in die Hocke gehen und einen Hullahoop-Reifen über uns drüberheben. Das alles, ohne den Ball fallenzulassen und gegen die Uhr. Gefühlt brauchten Ingolf und ich 10 Minuten, der Ball geriet zweimal außer Kontrolle und Highlanders Ausruf "elfengleich!" brachte uns auch aus dem Tritt. Um mich wohl nicht vollends zu demotivieren, meinte der Rest der Truppe, dass wir recht flott gewesen seien.

Thomas versuchte später noch herauszufinden, welches die Aufgaben und Fragen der letzten STation gewesen seien. Die Aussage, dass die Fragen kaum jemand beantworten konnte, verleiteten mich dazu, uns zumindest im unteren Drittel platziert zu sehen, fehlende Aufgabe hin oder her!

tja, und dann kam die Siegerehrung... Zum Glück musste ich nicht wie Cersei Lannister geschoren, nackt und barfuß von der Dorfstraße bis zum Burghof laufen, hinter mir McGyver, der eine Glocke läutet und "SHAME!" ruft, wobei die restlichen Besucher einschließlich meiner Truppe mich mit faulem Obst bewerfen... schön war es trotzdem nicht! Als ich vorschlug, dass ich im nächsten Jahr die Führung abgebe, bestand meine Truppe darauf, dass ich wieder vorne fahren sollte. Na, es besteht eine realistische Chance, dass ich es beim dritten Mal nicht versaue!

Nach der Siegerehrung wurden bei der Tombola diverse Preise unters Volk gebracht. Ich ergatterte eine Kühltasche, Arbeitshandschuhe und Ohrstöpsel. Den Trostpreis für unsere Gruppe habe ich auch mitgenommen, wir können nächstes Jahr ja nochmal würfeln, ob ich wirklich vorne fahre...

Am Ende der Tombola gab es eine insgesamt große Dichte an Kühltaschen, Handschuhen und Ohrstöpseln. Mit der Kühltasche hatten wir später noch viel Spaß. Franky hatte die Idee, die Tasche umzudrehen und als eine Mischung aus stylischer Baseballcap und Aluhut zu tragen. Man merkt eben, dass Africa Twin Fahrer erfindungsreiche Improvisationstalente sind!

Später am Lagerfeuer wurde der Whisky herumgereicht, es gab noch Chips und diverse Diskussionen über alle möglichen Themen. Franky und ich haben uns später abgeseilt und auf der Bank an der Dorfstraße über das Leben philosophiert, den Autofahrern zugesehen, die reihenweise geblitzt wurden und mit Sicherheit das Dorf gut unterhalten. Spät in der Nacht hieß es dann ab in die Zelte, denn morgen sollte es wieder nach Hause gehen.

Sonntag, 18.06.2017

Och nöööö, ist wirklich schon wieder Sonntag? Heimfahrt? Burg vorbei?

Ich war relativ früh wach und traf daußen auf Christoph, der im Brustton der Überzeugung meinte, wir sollten jetzt frühstücken gehen. Ich hielt ihm mein Handy unter die Nase und meinte "es ist erst 6.34 Uhr, nix Frühstück!" Auf dem Weg zur Toilette arbeitete ich an meinem Wachheitsgrad und Augenöffnungswinkel. So richtig wach war ich nicht, und ich hatte auch nicht so richtig Lust, nach Hause zu fahren. Aber hilft ja nix!

Beim Frühstück sahen wir alle ziemlich zerknittert aus und trödelten herum. So richtig weg und los wollte keiner. Also zurück zu den Zelten, den restlichen Kram aufpacken, Mopeds satteln... Abschied nehmen...

Aber dann gab es noch einen spontanten und ungeplanten Workshop "Reifen flicken", denn die Twin von Troll hatte einen Platten, im Hinterreifen steckte ein Nagel. Ok, spannend, ich bin ja nicht so die Schrauberin und Reifen habe ich nur am Fahrrad gewechselt, wohl aber von der Widerspenstigkeit des Heidenau gehört, vor allem hinten... Ich bin gespannt, wie die Herren das lösen. Als erstes wurde die Twin auf einem Alukoffer aufgebockt, dann war ratzfatz das Hinterrad ausgebaut, das Ritzel unten und die Arbeit begann.

McGyver verteilte großzgüg Spüliwasser, um den Reifen von der Felge zu lösen und zusammen mit Franky wurde per Draufstellen und Reifenheber der Reifen von der Felge gelöst, der Schlauch herausgezogen und geflickt. Als dann alles wieder zusammengebaut war, bat mich Franky um meinen Kompressor. Also Conchita absatteln, Sitz runter, Kompressor rausfummeln.

Der Reifen war fix gefüllt und noch fixer eingebaut und jetzt hieß es wirklich endgültig Abschied nehmen von den alten und neuen Freunden, der Burg...

Christoph und ich machten uns auf den direkten Heimweg über die Autobahn und waren am frühen Nachmittag ohne Verfahren und Zwischenfälle wieder zuhause.

Das war sie also mal wieder, die Burg! Auch wenn es dieses Jahr nur für den ersten Platz von hinten gereicht hat, war es ein tolles, inspirierendes und lustiges Wochenende für mich und ich hoffe auch für alle anderen.

Ich freue mich schon auf die Burg 2018 und übe mich bis dahin im Strecken- und Roadbooklesen!

Donnerstag, 1. Juni 2017

Horizons Unlimited - The only borders are in your mind

Donnerstag 25.05.2017

Dieses Jahr war ich zum zweiten Mal bei Horizons Unlimited, diesmal mit der charmanten
Unterstützung von unserem Stammtischküken Christoph. Am Donnerstag brachen wir von mir zuhause zusammen auf, nachdem ich erst mit der Achmutter und dem Exzenter für die Kette gekämpft hatte, sich dann aber alle praktisch "von selbst" in die richtige Position gebracht hatte.

Für Christoph war an diesem Wochenende quasi "alles" neu: seine erste längere Tour mit jemand anderem, das erste Mal mit der neuen Campingausrüstung und das erste Motorradtreffen. Ich hatte unsere Tour in Anlehnung an das letztes Jahr geplant und führte uns von Freiburg über die französische Grenze Richtung Norden. In Soultz-les-Bains haben wir dann in der Konfiserie "Klugesherz" (heißt wirklich so!) eine Kaffeepause gemacht. Es war schon ganz gut warm geworden und vor uns lang noch etwa genauso viel Strecke.

Um nicht allzu spät in der Pfalz zu landen, fuhren wir rasch weiter und erreichten bald die Gegend um das Deutsche Weintor und wechselten wieder nach Deutschland. Leider hatte ich mich für die Strecke über Annweiler und das Johanniskreuz entschieden. An einem Feiertag bei schönem Wetter war das keine gute Wahl. Der Verkehr war dicht, das Überholen habe ich mir angesichts der (geistigen) Tiefflieger mit ihren PS-starken Mopeds gespart. Ich habe einmal überholt und wurde zugleich noch von hinten von einem anderen Motorradfahrer überholt, dem das wohl nicht schnell genug war. Ein wenig später hatten wir einen Ducati-Fahrer, der sich auf Teufel komm raus an allen vorbeiquetschen musste und kurz vor der Kurve mit Gegenverkehr rauszog. Wir waren uns am Abend einig, dass wir ihn schon haben fliegen sehen. Ich habe in dem Moment das Gas rausgenommen und hatte die Hand schon an der Kupplung. Zum Glück ist nichts passiert. Diese Passage war eigentlich der stressigste Teil unserer Anfahrt.

Nachdem der Nachmittag schon angebrochen war, habe ich kurzerhand an der erstbesten Gaststätte
sehr schöne Campingdeko
angehalten. Das bescherte uns erstmal Grillduft und deutsche Schlager. Allerdings kamen wir mit der Bedienung ins Gespräch, die total nett und lustig war. Es war sofort klar, dass wir nicht von "hier" sind und wir erzählten von Horizons und wo das ist. Als ich dann erwähnte, dass ich dort einen Vortrag halte, wurde er hellhörig.
"Worüber geht der Vortrag?"
"Über mein erstes Jahr auf dem Motorad."
Er winkt den Chef heran.
"Hör mal, die Dame hält Vorträge über Motorradfahren!"
Ich: "öhm, das ist mein erster Vortrag!"
Er (überhört geflissentlich) "Also, wir planen evtl. für nächstes Jahr hier ein Event, hätten Sie Lust, da etwas zu machen??"
Ich (nach kurzem trockenen Überschlucken) "Ja, ok, ich schreibe Ihnen meine Kontaktdaten auf und mein Blog, dann können Sie ja gucken, ob Ihnen das gefällt, was ich mache."

Gestärkt und erfrischt machten wir uns danach auf den restlichen, nur noch kurzen Weg. Da ich den Campingplatz schon kannte, hatte ich gleich die schöne, schattige Ecke weiter unten im Blick, wo ich mit Werner im letzten Jahr gezeltet hatte. Vor uns lag dann noch die heißgeliebte Schotterkurve, die mich beim ersten Mal wieder dazu brachte, erstmal auf die Wiese zu fahren. Nach einem kurzen Nachdenkmoment, ob wir evtl. hier bleiben sollten, oder runterfahren, entschied ich mich für runterfahren.

Kaum waren wir gelandet, füllte sich die Wiese auch schon zusehends. Christoph und ich bauten unsere Zelte auf und halfen einem Nachbarn mit Züricher Kennzeichen, dem das Motorrad umgekippt war. Als wir ihn auf Deutsch ansprachen, ernteten wir einen verständnislosen Blick, Englisch ging dann problemlos. Später stellte sich raus, dass Alex vor 12 Jahren aus Moskau nach Irland gegangen war, einen irischen Pass hatte und nun in Zürich für google arbeitet.

NSA is watching you!
Zwischendrin gingen wir zum Zirkuszelt, um nach dem Orgateam zu suchen, denn ich wusste nicht, wann ich meinen Vortrag nun halten sollte. Als wir dort waren hieß es, wir sollten Jens suchen. Da ich aber keine Ahnung hatte, wie Jens nun aussieht, sind wir erstmal wieder zu den Zelten. Dort lernten wir dann Willi und Uschi aus dem Rheinland kennen, beide in den 60ern und geländeaffin. Uschi hatte eine wunderschöne alte BMW R-80 GS von 1981 und Willi fuhr eine Africa Twin. Willi bot uns gleich protugiesischen Vinho Verde aus der Kühltasche an, ich hielt mich aber damit zurück. Ein bisschen später trafen wir dann auch Jens am Zirkuszelt, der meinen Vortrag dann auf Freitag 18 Uhr setzte.

Als wir zum Campingrestaurant gingen, war da schon einiges an Betrieb. Dieses Jahr lief es allerdings wesentlich besser mit der Organisation. Christoph und ich ließen uns ein kühles Bier schmecken und später versorgten wir seine vom Helm wund gescheuerte Stirn. Danach ging es zum ersten Vortrag von Leonie und Peter, die auf kleinen CRL 250 rund um die Welt gefahren sind. Die beiden waren sehr sympathisch und mich beeindruckte, wie wenige Probleme sie mit den kleinen Einzylindern hatten. Einmal hatte ein Federbein ein Leck, der Rest waren normale Ersatzteilwechsel, ein paar Reifenpannen und die Motoren mussten nach 90.000 km überholt werden, was wiederum nicht außergewöhnlich für Einzylinder ist.

Für mich mit am interessantesten bei den ganzen Vorträgen war, dass sich die Erfahrungen der anderen Reisenden absolut mit meinen deckten. Man trifft überall auf freundliche, hilfsbereite Menschen, wenn man selbst offen und freundlich auf sie zugeht. Manchmal gibt es Sprachbarrieren, aber wenn man sich etwas bemüht, ist auch das kein Problem. Und - wenn sich der eine oder andere immer mal fragt, ob ich keine Angst habe vor Überfall oder beklaut zu werden etc. - den beiden ist auf der ganzen Reise nichts gestohlen worden, sie wurden nicht überfallen, obwohl sie in einigen Ländern unterwegs waren, die nicht als "sicher" gelten. Natürlich sollte man immer seinen gesunden Menschenverstand verwenden, wenn man unterwegs ist.

Da ich durch eine Erkältung angeschlagen war und Christoph die Anfahrt in den Knochen steckte, sind wir danach bald in die Zelte gekrochen.

Freitag 26.5.2017

Schneewittchen must die!
Am Freitagmorgen fühlte ich mich alles andere als fit. Die Nacht hatte ich gefroren und fast nicht geschlafen, Dank Husten und Halsweh. Beim Warten auf das Frühstücksbuffett unterhielten Christoph und ich uns und Christoph sagte am Ende eines Satzes "weisch?". Darauf mischte sich der Mann, der hinter uns an einem Tisch wartete ein und meinte "Ach, DU bist das mit dem Lörracher Kennzeichen!" Christoph und Andy fanden rasch heraus, dass sie beide aus dem gleichen Ort bei Rheinfelden stammen und irgendwo auch gemeinsame Bekannte haben müssten. Beim Frühstück lernten wir dann noch Andys Freundin Christie kennen, die aus Indianapolis stammt. Mit Alex am Frühstückstisch waren wir eine richtig internationale Gruppe.

Da ich mich nicht wirklich toll fühlte, überließ ich Andy und Christie meine Karte und Christoph und ich bleiben auf dem Campingplatz. Ich machte am frühen Nachmittag einen kleinen Spaziergang und versuchte später, Leonie und Peter zu finden, die mir ihren Laptop für meinen Vortrag zur Verfügung stellten. Nach einigem Hin und Her zwischen Zeltplatz oben und unserem Stellplatz entschieden wir uns, zum Vortrag von Leonie und Peter zu gehen, die über ihre Packliste für die dreijährige Motorradtour berichten wollten. Es war eine relativ kleine Runde und vieles, was die beiden vorschlugen, hatte ich schon selbst für meine kürzeren Reisen umgesetzt: pflegeleichte Kleidung, die man gut waschen kann, multifunktionale Kosmetik (Seife statt Duschgel, Shampoobar statt Flasche usw.) etc. Ihre Liste unterschied sich nur in punkto Ersatzteilen, Elektronik und Medikamente.

Nach ihrem Vortrag war ich dann dran... Ich hatte meine Präsentation auf Deutsch vorbereitet, da ich
Pretty in pink
a) aus dem Blog vorlesen wollte und keine Lust hatte, das alles zu übersetzen und b) damit rechnete, dass sowieso wenig und hauptsächlich deutschsprachiges Publikum anwesend sein würde. Im Lauf des Tages hatte ich mich aber darauf eingestellt, notfalls auf Englisch und Deutsch vorzutragen. Ich war furchtbar aufgeregt und als im Publikum bei der Frage, wer kein Deutsch versteht, zwei Hände nach  oben gingen, habe ich auf Englisch gewechselt. Ich habe keine Ahnung mehr, was ich da alles zusammengestammelt habe, ich fand mich selbst furchtbar. Offenbar war das Publikum anderer Meinung und nach dem Vortrag bekam ich einiges Lob. Ich denke darüber nach, für die "Burg" an Fronleichnam auch etwas vorzubereiten, das wäre dann auf Deutsch. Mal sehen, ob ich es tue, oder sein lasse...

Wir waren nach meiner Präsentation etwas essen und unrerhielten uns am Tisch mit Andy, Christie und Alex. Später haben wir dann noch einen Teil der Präsentation von Josephine und Daniel gesehen, die mir persönlich etwas zu professionell war, aber durchaus sympathisch vorgetragen wurde. Interessant fand ich hier, dass Josephine fast die gleichen Worte wie ich benutzte, um zu erzählen, dass und wie das Motorradfahren den Geist entschleunigt und einen mit der Welt verbindet.

Samstag 27.05.2017

Smile and the world smiles back!
Freitagabend dopte Christoph mich wegen meiner hartnäckigen Erkältung mit Ibuprofen 800 und einer ordentlichen Dosis Famous Grouse. So gerüstet war die Nacht zwar wieder ziemlich schlaflos, aber am Samstag fühlte sich die Erkältung weniger schlimm an. Ich hatte schon in der Nacht beschlossen, den Samstag auf gar keinen Fall auf dem Campingplatz zu verbringen, therapeutisches Motorradfahren stand stattdessen auf dem Plan.

Nach dem Frühstück machten Christoph und ich uns auf den Weg und ich führte uns kreuz und quer freestyle durch die Landschaft rund um den Donnersberg, weiter nördlich bis nach Alzey und später durch das Nahetal und die Rheinhessische Schweiz. Es wurde im Lauf des Tages immer heißer und am frühen Nachmittag kehrten wir in Meisenheim in einer Eisdiele ein und machten eine längere Pause. Es gibt so viele wunderschöne, kleine, verträumte Orte dort oben! Allerdings war es so heiß, dass ich auf einen Stadtrundgang verzichtet haben, lieber saßen wir etwas länger im kühleren Café.

Am Nachmittag wollte ich unseren Weg dann nach Potzbach lenken, wo Grit und Frank leben. Ich hatte unseren Besuch angekündigt, allerdings keine Zeit festgelegt. Als Christoph und ich ankamen, war niemand da, wir ließen uns aber in den Garten und setzten uns in den Schatten. Wenig später kam Frank und freute sich, uns zu sehen. Wir tranken Wasser und Kaffee, aber Grit tauchte leider nicht auf, war auch über das Handy nicht zu erreichen. Gegen Abend brachen wir dann auf, denn wir wollten noch etwas essen und evtl. eine weitere Präsentation ansehen, mit den neu gewonnenen Freunden quatschen und das Treffen ausklingen lassen.

Der Unsichtbare
Bei der Fahrt in den nächsten Ort flog mir eine Wespe in das offene Visier und ich wusste, dass es gleich schmerzhaft würde... zwei Stiche später konnte ich endlich anhalten und das Vieh aus dem Helm schütteln. Zum Glück hat sie nicht am Auge gestochen und zum Glück bin ich nicht allergisch auf das Gift. Schön war das trotzdem nicht.

Auf dem Campingplatz nahmen wir mit Bravour die Schotterkurve und machten uns auf den Weg ins Campingrestaurant, um noch eine Kleinigkeit zu uns zu nehmen. Vorher kamen wir noch mit einem anderen Zeltnachbarn ins Gespräch, der eine dicke Harley fuhr. Er meinte zu uns, dass er die Twin seines Kumpels gefahren hatte und die Harley ihm keinen Spaß mehr macht. Sie hätte ihre Zeit gehabt und jetzt wollte er auf eine Africa Twin umsteigen, die Harley wollte er verkaufen.

Wir waren beide geschafft, ich von der Hitze und der Erkältung und Christoph von der Tour und saßen erstmal sehr gemütlich im Restaurant, um die Tage Revue passieren zu lassen. Morgen sollte es schon wieder nach Hause gehen, echt schade!

Nach dem Essen sind wir nochmal zur Scheune gegangen und haben eine Stück des Vortrags von Thomas anzusehen, der aus einem kleinen Dorf bei Freiburg per Motorrad auf Weltreise gegangen ist. Die Scheune war recht voll und wir beide zu müde, um noch alles anzusehen. Wir haben den Abend dann mit dem restlichen Whisky ausklingen lassen und waren gegen Mitternacht in den Zelten.

Sonntag 28.05.2017

Nun hieß es schon wieder Abschied nehmen! Das Frühstück fing heute früher an, wie wir gestern Abend von der Chefin erfahren hatten. Wir hatten mit ihr recht nett geplaudert und sie meinte, dass sie dem Treffen mit Bangen entgegengesehen hätte. Im letzten Jahre war es ziemlich chaotisch zugegangen und diesmal hätte es um einiges besser geklappt. Sie lobte die Teilnehmer und meinte, es sein durchweg angenehmes Publikum gewesen.

Magic Mushroom
Nach dem Frühstück packten wir die restlichen Dinge und sattelten unsere Motorräder. Diesmal hatte ich unsere Route etwas verlegt, um nicht wieder die überfüllte Strecke zwischen Johanniskreuz und Annweiler nehmen zu müssen. Christoph bewunderte das Wochenende über meine Navigationskünste, er meinte, er hätte sich immer professionell angefühlt. Ich hatte zwar zeitweise nicht immer zu 100% eine Ahnung, wo wir uns genau befinden, am Ende landeten wir aber immer auf der richtigen Straße.

Unser Rückweg führte uns unter anderem durch das hübsche Dahner Felsenland und in einer etwas anderen Schleife an die französische Grenze. Bis dahin war das Fahren noch ganz angenehm gewesen, aber nun wurde es zunehmend heiß. Mit 30 km/h durch die Dörfer zu zuckeln war schon Höchststrafe. An einer Stelle standen wir an einem Bahnübergang und ich meinte zu Christoph, dass ich auf dem Parkplatz gegenüber einen Trinkstopp machen wollte. Gesagt, getan. Boah, es war einfach unglaublich heiß! Später kamen wir an einem Thermometer vorbei: 34 Grad...

Hinter Straßburg beschloss ich, für den restlichen Weg auf die Autobahn zu wechseln, weil man da zumindest eine Ahnung von Fahrtwind haben würde. Christoph musste noch weiter nach bad Bellingen fahren und kurz vor Emmendingen trennten sich unsere Wege.

Das war ein tolles Wochenende und ich freue mich schon auf die "Burg" an Fronleichnam. Da sind wir dann zu fünft unterwegs und werden mit Sicherheit eine Menge Spaß haben. Außerdem holen wir den ersten Platz beim Stammtischpokal!