Mittwoch, 31. Mai 2017

Monatsimpressionen Mai

Ich kann es kaum glauben, dass der Mai schon wieder vorbei ist, gefühlt lag gerade noch Schnee.
Naja, nicht nur gefühlt, im Schwarzwald hat es Anfang Mai noch einen ordentlichen Wintereinbruch gegeben und die erste Maihälfte war das Wetter nicht wirklich stabil.

Mitte Mai hatte ich einen Termin bei der Waldführung im Friedwald Friedenweiler. Inzwischen habe ich einen Termin zum Baum aussuchen ausgemacht. Nein, kein Weihnachtsbaum, sondern "mein" Baum, unter dem mal meine Asche liegen wird. Da Roland bis Anfang Juli wieder motorradtauglich sein sollte, werden wir diesen Terminfür unsere erste Ausfahrt in seinem geschenkten neuen Leben nutzen.

Ich habe einige neue Ecken entdeckt und war unter anderem spontan über Nacht in einem Gasthof auf dem "Witthoh". Der Witthoh ist die Klimascheide zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee. Ich merke immer mehr, dass mich diese Ecke motorradmäßig mehr anzieht, als der häufig überfüllte Schwarzwald.

Ende Mai war ich auf einem "Afrikanischen Abend" in Lörrach und habe mich an mitreißenden Rhythmen berauscht. Wird echt mal wieder Zeit, tanzen zu gehen!

Das Monatshighlight war allerdings das letzte Mai-Wochenende. Ich war zusammen mit unserem "Stammtischküken" Christoph bei Horizons Unlimited in der Pfalz. Dieses Mal war es nochmal besonders, weil ich dort den ersten Vortrag meines Lebens gehalten habe. Weil Horizons ein internationales Treffen ist, sind die Vorträge dort immer auf Englisch... meine Präsentation hatte ich jedoch auf Deutsch vorbereitet, da ich Passagen aus meinem Blog lesen wollte. Nun ja, es kommt ja immer anders und ich habe dann doch Englisch gesprochen und die unübersetzten Passagen vorgelesen.


Für Christoph war es ein ganz besonderes Wochenende, weil er noch nicht sehr viel Tourerfahrung hat und es zudem noch sein erstes Motorradtreffen war. Ich werde demnächst ausführlicher berichten, im Moment machen mir die Hitze und eine Erkältung zu schaffen.

Mehr Monatsimpressionen gibt es - wie immer - bei den Fredissimas.

Montag, 22. Mai 2017

Herz am Montag - Ein Herz für Afrika

Fankani
Herr Zebra ist schon lange afrikabegeistert und trommelt seit mehreren Jahren. Die eine
Trommelgruppe - Fankani - trifft sich dazu immer in Lörrach im "Nellie Nashorn". Werner hatte mir den Flyer für den Afrikanischen Abend schon vor geraumer Zeit in die Hand gedrückt und ich hatte ihn so hingelegt, dass ich auch wirklich dran denke, dort hinzufahren.
Samstag war es dann so weit. Das Wetter, das am Freitag noch mit Regen den Stammtisch vereitelt hatte, war pünktlich zum Freitagabend besser geworden. Samstagmorgen sah dann zwar noch nicht so ganz optimal aus, aber nur einfach nach Lörrach fahren, fand ich dann auch langweilig. Also wurde eine recht ausführliche Tour draus, inklusive (entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten) einer langen Mittagsrast mit leckerer Pizza und später am Nachmittag noch einem Abstecher nach Bad Säckingen.

Kanampor - weiß jemand, wie das Instrument heißt?
Dort saß ich lange am Rhein, sah den Schwänen zu, den Ruderern und einfach nur dem Wasser. Das war herrlich entspannend. Irgendwann genehmigte ich mir noch einen Milchkaffee, in weiser Voraussicht auf einen recht langen Abend.

Im "Nellie Nashorn" angekommen, warf ich erstmal meine Mopedklamotten in Werners Auto, schaute mir das mitgebrachte Kunsthandwerk an und ging dann noch etwas trinken.

Im Nellie Nashorn war ich noch nie. Es ist ein Kulturzentrum, das die unterschiedlichsten Programme anbietet. Die Räumlichkeiten sind sehr hübsch, es gibt einen lauschigen Biergarten und eine nette Kneipe, einen Raum  mit Bühne und wohl noch ein kleines Kino. Es hat mich ein bisschen an früher erinnert, das "Kino im Krawattenhaus" in Fürth.

Gegen 19 Uhr ging es los mit "Fankani", die unter kundiger Anleitung einige Stücke zum Besten gaben. Wir wurden immer wieder aufgefordert, nicht nur herumzustehen, sondern uns zu bewegen, zu klatschen und im Lauf der Zeit wurde das Publikum etwas lockerer.

Nach "Fankani" kam "Kanampor" aus Basel, die - wie ich finde - ein Art afrikanischen Jazz spielten.
Saf Sap
Es wurde sehr viel getrommelt, aber es kam auch ein Instrument zum Einsatz, dessen Name ich nicht kenne. Es sah aus wie eine Art überdimensionales Banjo, wurde aber nicht unter den Arm geklemmt, sondern vor dem Bauch gehalten und dort gezupft (glaube ich). Ein Sänger begleitete die Gruppe und das Ganze war schon sehr tanzbar. Im Lauf des Abends bin ich immer tiefer in diese Musik eingetaucht. Die Trommeln und die Rhythmen waren unglaublich energiegeladen und voller Lebensfreude. Man hat den Musikern auch die Freude am Spiel und der Improvisation angesehen. Es war nicht nur ein Spielen von Musik, sondern ein Spielen miteinander, mit dem Publikum, der Melodie, dem Rhythmus. Auf jeden Fall sehr mitreißend.

Am Ende kamen noch "Saf Sap" (Heißes Blut), die das Blut im Saal wirklich zum kochen brachten. Die Trommler lieferten sich regelrechte "battles", forderten sich gegenseitig auf und heraus und brachten im Publikum fast alle dazu, sich der Musik hinzugeben. Ich habe zwar auch ein paar Bilder gemacht, aber am Ende entschieden, dass es zu schade ist, sich hier nicht völlig reinfallen zu lassen und stattdessen auf dem Smartphone herumzudrücken.

Saf Sap hatten noch einen Tänzer dabei, der mich wirklich schwer beeindruckt hat. Ich habe schon viele Arten von Tanz gesehen, auch selbst schon einiges probiert, aber das war etwas völlig anderes. Der Tänzer bewegte sich, als ob die Schwerkraft um ihn aufgehoben sei und als ob er ungefähr doppelt so viele Gelenke hätte, wie ein normaler Mensch. Das war wirklich eine ungebändigte Kraft und erdige Energie, die da rüberkam. Ich war am Ende des Abends versucht, mich zum Tanzworkshop anzumelden.

Die bezaubernde Nellie steht im Hof und begrüßt die Gäste des Kulturzentrums. Ich werde das ab jetzt mal auf dem Schirm behalten und vielleicht versuche ich mich im Winter dann an afrikanischem Tanz, der fehlt mir noch in meiner Sammlung.

Mehr Montagsherzen gibt es wie immer bei den Fredissimas.

Montag, 15. Mai 2017

Herz am Montag - Ein Herz für die Vergänglichkeit

 Nach Rolands Unfall im April haben sich für mich einige Aufgaben und ein Thema wieder in den Vordergrund gedrängt. Die Aufgaben (sollten eigentlich schon im Winter erledigt sein...) waren, meine Patientenverfügung zu schreiben und mich mit meiner eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen.

Motorradfahren hält Leib und Seele zusammen!
Nun, die Patientenverfügung stellte sich als ziemlicher Klops heraus, denn ich wusste gar nicht, wo ich da anfangen und was dort drinstehen sollte. Meine Nachbarin hatte mir ein Buch ausgeliehen und ich konnte mir einige Beispiele ansehen und mir meine eigenen Gedanken machen.

Aber dann war es das auch erstmal, weil dann der Frühling kam und das Moped auf die Straße wollte. Wenn ich solche Dinge nicht im Winter erledige, liegen sie in der Regel bis zum nächsten Herbst auf Halde. Am 1. April kam das Schicksal in Form von Rolands Unfall und sagte mir "hey, Du bist auch sterblich, Dir kann auch was passieren und dann...? Los, ran an die Patientenverfügung!" Die erste Version davon habe ich jetzt im Kasten und meine "Opfer" sind schon gefragt, bzw. werde ich fragen. Es ist keine leichte Aufgabe und auch keine schöne, aber ich möchte mein Leben nicht in die Hand von Wildfremden geben, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, selbst zu entscheiden.

Eine Regelung für das Verscharren meiner Überreste zu finden, war dagegen ein Kinderspiel. Ich bin schon oft an der Abzweigung nach Kleineisenbach am Friedwald vorbeigekommen und wusste sehr schnell, dass das was für mich ist. Diesen ganzen Friedhofsquark möchte ich nicht, das ist nichts für mich. Aber den Gedanken, einmal an einer meiner Hausstrecken zum Käsekuchen verscharrt zu sein, mitten im Wald unter einem schönen Baum, das gefiel mir. Nun habe ich also für den letzten Samstag einen Termin zur Waldführung belegt. Naja, was soll ich sagen? Erstmal, dass ich total aus der Gruppe rausfiel, altersmäßig (ich war ganz offensichtlich die Jüngste) und auch sonst. Außer mir war natürlich niemand mit dem Motorrad da, aber während wir an der Infotafel standen, kamen etliche Motorradfahrer vorbei und so sollte auch für die restliche Truppe klar geworden sein, weshalb ich hier stehe und mir den Wald angucken möchte.

Einer meiner Lieblings(Park)plätze
Der Friedwaldförster hat mich beeindruckt. Er war wirklich ein "Waldmensch". Als wir im Wald unterwegs waren, habe ich gespürt, wie sehr er damit verbunden ist, wie er tatsächlich so etwas wie Teil des Waldes ist. Der weiche Waldboden sei "wie ein Körper, über den wir laufen" und er sprach auch von einer Kraft, die er nur im Wald spüren kann. Ich konnte das sehr gut nachvollziehen. Am eindrücklichsten hatte ich dieses Gefühl letztes Jahr in Norwegen, als ich am Åselistraumen gehalten habe. Wir waren ungefähr 1,5 Stunden im Wald unterwegs und er hat uns alles erklärt, von der Art der Bäume, über die möglichen Zeremonien, die Bestattung, den Andachtsplatz... mir war ganz schnell klar, was ich möchte und ich werde die nächsten Tage dort anrufen und einen Termin für die Baumwahl ausmachen. Entweder - wenn es das gibt - eine Gruppenbuche oder eine Gruppeneberesche, oder diese eine Weißtanne, die hat mir auch gefallen.

Nach dem Friedwaldbesuch bin ich ziemlich weit herumgefahren, hin und her, auf und ab. Ich dachte mir, wie weit wir als Stadtmenschen doch von der Natur entfernt sind und wie schnell solche Dinge, wie das mit der Kraft im Wald als Spinnereien abgetan werden.

Ich bin wahrlich keine Esoterikerin, aber je älter ich werde und je mehr ich mit Conchita überall unterwegs bin, desto mehr spüre ich diese Verbindung wieder. Schon lustig, denn das Motorrad ist ja nun auch nichts "Natürliches".

Vom Gefühl her kommt es für mich aber einem Reittier am nächsten und die Art, sich in der Natur zu bewegen, ab und zu innezuhalten, anzuhalten, zu gucken, sich irgendwo ins Gras zu setzen, oder sein Zelt aufzuschlagen, das aktiviert und stärkt diese Verbindung in mir. Ich spüre immer wieder, dass ich mich in der "Reiseszene" total wohl fühle und auch zu diesen Menschen dazugehöre. Das ist meine "Familie", auch wenn ich nicht die riesigen Weltreisen gemacht habe, aber der Entdeckergeist, die Neugierde und die Verbindung zur Natur, da finde ich mich wieder. Als Kind und Jugendliche bin ich stundenlang allein durch den Wald gestreift und habe mich dabei wohl gefühlt. Stadt ist ok, aber ich könnte niemals dauerhaft so große Menschenansammlungen wie in Berlin ertragen, das macht mich total kirre. Ich brauche das Gefühl von Platz um mich herum, die Möglichkeit, meinen Blick weit schweifen zu lassen, Einsamkeit, Ruhe. Das ist meine Welt.

Panoramablick vom Berggasthof Witthoh
Nun, nach etlichen Stunden Herumgefahre bis rüber in den Hegau (am Ende lande ich fast immer dort...) haben die Kräfte doch nachgelassen. Ich habe hin und her überlegt, ob ich wo was einkaufe, oder einkehre. Wie immer, wenn ich keine klare Entscheidung treffe, dann trifft sie Conchita für mich. Ich komme um eine Kurve herum und sehe rechts einen Gasthof, zwei Motorräder stehen auch schon da. Also Blinker setzen, auf den Parkplatz fahren. Ich steige ab und trete ein, gehe durch zum Gastraum und sehe... ein überwältigendes Panorama! Die Alpenkette und der Bodensee sowie einige Hegauhügel und die Reichenau liegen vor mir. WOW!

Noch bevor ich mein Essen bestellt habe, meldet sich eine kleine Stimme in mir "Hey!!! Lass uns hier übernachten! Ich will jetzt nicht mehr heimfahren! Da hinten regnet es und wir haben bald 19 Uhr! Au ja, lass uns hier bleiben!!!" Während ich mir mein Essen schmecken lasse, höre ich der Stimme weiter zu, die munter vor sich hinplappert. "Hey!!! Morgen könnten wir dann am Bodensee rumfahren oder in die Berge, oder hier!! Du bist dann wieder wach!!! Guck mal, da hinten Richtung Freiburg regnet es und es wird dunkel!!!"

Bad mit Herz
Als die Bedienung kommt, frage ich, ob sie zufällig ein Zimmer frei hätten, wenn nicht, wäre es auch nicht schlimm. Noch kann ich nach Hause fahren und mit Essen im Bauch ist die Strecke nach Freiburg zu bewältigen. Nach ein paar Minuten bekomme ich ein Zimmer, die Chipkarte für das Zimmer und gehe nach oben.

Ich habe echt alles mögliche erwartet, aber nicht so ein Zimmer für mich allein. Es ist mit Bad fast so groß wie meine Freiburger Wohnung, das Badezimmer ungefähr dreimal so groß wie zuhause und außer einem Schälchen mit Süßigkeiten neben dem Bett gibt es im Bad ein Kosmetikkörbchen und Duschgel in der Dusche. Somit macht es auch nichts, dass ich selbst nicht mal eine Zahnbürste dabei habe.

Immerhin trage ich noch normale Klamotten unter der Kombi und wechsle jetzt in die Turnschuhe, vertrete mir ein bisschen die Beine und mache Fotos. Diesmal ärgere ich mich, dass ich nicht die Spiegelreflex dabei habe, sondern nur die mittelprächtige Kamera von meinem Handy. Egal! Der Abend hinterlässt auch so genug Eindrücke bei mir. Der Himmel bietet von hellblau bis tiefschwarz alles, hier schauert es, dort sind weiße Wolken, da kommen die Alpen hervor und da unten der Bodensee. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wo ich gerade genau bin, aber das ist auch völlig egal. Ich stehe mitten in einer nassen Wiese zwischen Hahnenfuß und Pusteblumen und verbringe einen dieser perfekten, vergänglichen Glücksmomente.

Als ich am näcsten Morgen aufwache und das Fenster öffne, höre ich die Glocken einer kleinen Kirche im Tal und den Kuckuck rufen. Draußen ist es eher grau als blau und teilweise neblig und noch recht frisch. Ich dusche mich und ziehe meine normalen Klamotten an. Im Gastraum erwartet mich - neben einem Rudel Motorradfahrer, die wohl eine geführte Tour machen und eine gute Stunde nach mir eintrafen - ein großartiges Frühstücksbuffett. Von Müsli über Obstsalat, Käse, Wurst, Lachs, Brötchen Croissants, Joghurt, Spiegelei, Marmelade... ist wirklich ALLES da. Ich genieße das Frühstück, die Aussicht ist an diesem Morgen leider eher verhangen, aber ich hatte ja am Abend den Ausblick genießen können.

Ich frühstücke in aller Ruhe, ziehe mich danach um, zahle und sattle Conchita. Ich liebe es, am Wochenende so früh auf der Straße zu sein, denn dann ist nichts los. So gondeln wir von gemütlich bis zügig durch kleine Täler, idyllische Örtchen, ein Stück an der Donau entlang, bei der Donauversickerung vorbei auf und ab. Nach zwei Stunden drehe ich Conchitas Nase Richtung Freiburg und bin gegen Mittag noch vor den ganzen Sonntagsfahrern wieder zuhause.

Mehr Montagsherzen gibt es - wie immer - bei den Fredissimas.