Sonntag, 19. März 2017

Ballast abwerfen

Letzes Jahr im Februar wurde ich 50. Mein Körper muss sich irgendwann danach gedacht haben, dass er jetzt gerne middle age spread ansetzen möchte. Als ich im Juni meinen Bikini hervorzog, dachte ich "oh je, DIE Zeiten sind auch vorbei..."

Ne, keine Sorge, ich schreibe jetzt keinen Diätblog. Mir geht es um was ganz anderes.

Man kann sich dann sagen "ok, ich kauf mir halt die Hosen größer, einen Shapingbadeanzug und dann hab ich eben die Wechseljahresringe, so what!" Man kann aber auch schauen, wo es herkommt, sich selbst den Gefallen tun und achtsamer mit sich umgehen und gegen den inneren Schweinehund kämpfen.

Ich lebe jetzt seit über 7 Jahren allein und leider hat sich meine Ernährung nicht gerade vorteilhaft entwickelt. Kochen tu ich zwar gerne, aber regelmäßig unter der Woche...? Mit knurrendem Magen nach dem Studio...? Spätabends nach Kursen...? Nö. Also schnell ein Brot geschmiert. Ist ja selbst gebacken und ich weiß, was drin ist! Als ich aus Norwegen zurückkam, war es schweineheiß. An meinem letzten Urlaubstag war ich mit Roland bei 42 Grad im Schatten im Schwarzwald unterwegs ... da hatte ich wenig Lust, den Ofen anzuwerfen und Brot zu backen. So ging es los mit der Veränderung, ich habe einfach kein Brot mehr gebacken und geschaut, ob ich es vermisse.

Low carb essen einige Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, mit ziemlich überzeugenden Ergebnissen. Und dann lief mir "30 day shred" von Jillian Michaels über den Weg. Angeblich sollte man da in kürzester Zeit (Tage, nicht Wochen oder Monate) sensationelle Ergebnisse sehen.

Weil ich bei sowas immer skeptisch bin, wollte ich es selbst ausprobieren. Also stand bzw. hüpfte ich eines abends vor dem Laptop herum und quälte mich durch den ersten Level Shred. puh... nach drei Tagen stellte ich fest, dass man doch besser Turnschuhe dazu trägt und nicht barfuß herumspringt. Zwei Wochen nach meinem Urlaub kam unsere Putzfrau im Büro aus dem Urlaub und meinte "gut siehst Du aus, wie Mädchen! Schlank!"

Ich will nicht lügen, die erste Woche low carb war furchtbar! Ich hatte dauernd Hunger, weil mein Körper die Kohlehydrate vermisst hat. Statt Frühstücksbrot gab es jetzt Rührei, Chiapudding mit Obst und ins Büro Magerquark mit Himbeeren und Haferflocken mit Obst, abends Salat oder Suppe, manchmal auch gar nichts. Den Unterschied in punkto Fitness habe ich rasch gemerkt, mein Arbeitsweg geht leicht bergauf, bald habe ich davon nichts mehr gespürt. Auch im Studio fielen mir die Übungen immer leichter, ich konnte die Gewichte raufsetzen. Der lästige Schwimmreifen wurde zusehends kleiner, die Figur straffer, die Laune besser. Bald hielt ich die Übungen in allen drei Leveln problemlos durch.

Inzwischen bin ich fertig mit dem zweiten Durchlauf von "Shred" und an guten Tagen denke am Ende von Level 3 "wie, schon rum?" An schlechteren Tagen bringen mich "travelling pushups" und "Mountainclimber" im Wechsel immer noch an die Grenzen... Ganz nebenbei haben sich die Sprungübungen positiv auf mein linkes Bein ausgewirkt, das ja immer noch nicht bei 100% Kraft angekommen ist. Über Gewichts- und Umfangsverlust kann ich nichts schreiben, da ich keine Waage besitze und nur am Anfang gemessen habe. Circa zwei Hosengrößen kleiner sollte aber überzeugend genug sein, finde ich. Und nein - ich sehe nicht wie ein Magermodel aus und ich esse auch nicht streng low carb. Brötchen, Kuchen etc. habe ich auf das Wochenende beschränkt und werde das auch während der Saison bei allen Verlockungen möglichst durchziehen. Lustigerweise habe ich sowieso immer weniger Bedürfnis danach.

Über Jillian Michaels kann man sich streiten. Ich muss jedoch oft lachen, wenn sie im Brustton der Überzeugung sagt, dass Shred nicht nur körperlich stark macht, sondern auch "fürs Leben". Ich sehe es als eine Form an, auf andere Art nett zu mir zu sein. Es ist nun mal so, dass unsere Körper mit den Jahren "wartungsintensiver" werden und mehr Aufmerksamkeit brauchen. Vielleicht ist dies auch ein schöner Moment, innezuhalten und zu schauen, wo es jetzt langgehen kann, nicht nur figur- und ernährungsmäßig, sondern auch so.

Ballast abwerfen tut immer gut.
Mir jedenfalls.



1 Kommentar:

  1. Das Leben ist wie eine Ballonfahrt.
    Manchmal muss man erst Ballast abwerfen,
    um wieder steigen zu können.

    *YEAHund♥RESchPEKT*

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