Mittwoch, 13. Juli 2016

Wochenendausflug ins Allgäu

Jetzt ist es doch endlich mal etwas sommerlicher geworden und ich habe letzte Woche spontan beschlossen, über das Wochenende wegzufahren. Diesmal zur Abwechslung allein, muss auch mal wieder sein. Die ganze Woche über konnte ich mich nicht recht entscheiden, ob Frankreich, Schweiz oder Allgäu/Vorarlberg. Erst am Donnerstag fiel der Würfel und ich entschied mich, ins Allgäu zu fahren.

Freitag nach der Arbeit bin ich direkt in den Sattel gesprungen, Conchita hatte ich Donnerstag halbwegs geputzt, der Dreck von der Reise an den Iseosee war noch drauf. Und eigentlich wollte ich vorher Öl wechseln und eigentlich kam dann wieder alles anders, weshalb ich mit ungewechseltem Öl losfuhr und einer ungespannten Kette, weil ich die verdammte Achsmutter nicht los bekam. Auch nicht mit beherztem Tritt auf die Ratsche, oder draufstellen auf den Hebel, es war nichts zu machen. Ich hatte ein bisschen schlechtes Gewissen, aber da musste Conchita eben jetzt durch.

Es war ziemlich interessant, einige Streckenteile nochmals zu fahren, die ich 2012 in meinem ersten
Motorradurlaub und mit einem knappen Jahr Fahrerfahrung das erste Mal bereist hatte. Die Kehren auf der Scheidegg entlockten mir nur ein Gähnen und auch sonst... aber zwischen diesen Touren liegen 4 Jahre und ungefähr 70.000 km Fahrpraxis. Ja, unglaublich, dieses Jahr, wenn Conchita ihre ersten 100.000 Kilometer runter hat, werde ich plus/minus gleichziehen.

Freitag bin ich über die Spirzen flott nach oben gekurvt, habe Conchita durch das Jostal gejagt und bin dann in einer Mischung aus großen und kleinen Straßen am Bodensee entlang über Lindau nach Aach in der Nähe von Oberstaufen gefahren. Ich liebe meine Twin, auch wenn ihre gemütlichen 60 PS einen manchmal etwas einschränken, ich würde jederzeit wieder eine kaufen. Naja, eigentlich habe ich sie ja nur gekauft, weil man von einer Twin herunter besonders huldvoll winken kann, auf so einem kleinen Joghurtbecher sieht das  einfach nicht so elegant aus.

Ich hatte mir einen kleinen Campingplatz bei Aach ausgesucht, der sich als richtig tolle Wahl herausstellte. Es stehen zwar fast nur Dauercamper herum, aber die Platzbetreiber sind total nett, die anderen Camper waren alle sehr entspannt und für 2 Nächte habe ich sagenhafte 12 Euro für mich, mein Zelt und mein Motorrad bezahlt.

Freitag habe ich nach meiner Tour nicht mehr viel gemacht, es war sehr anstrengend und schweißtreibend am Bodensee und ich war froh, in Eriskirch im Einkaufszentrum erstmal zwei Flaschen Wasser, etwas fürs Frühstück, ein Eis und einen Kaffee zu holen. Danach ging es mir sehr viel besser. Den restlichen Abend in Aach verbrachte ich nach einem kleinen Spaziergang auf einem Hügel und schaute mir die Wolken an. Nach der heißen Anreise und dem Arbeitstag bin ich rasch in meinem Zelt verschwunden und habe tief und fest geschlafen. Das kürzlich gekaufte Seideninlett war in der Nacht schon fast zu warm im Schlafsack, aber es braucht kaum Platz und wiegt nichts, also rein in die Taschen damit.

In der Nacht zum Samstag und am Samstagmorgen regnete es erst leicht, dann immer mehr. Als ich aus dem Zelt kroch, war es draußen ziemlich finster, mit einigen kleinen Lichtblicken. Leider waren die Lichtblicke nicht da, wo ich meine Tour starten wollte, Richtung Berge sah es eher finster aus. Aber gut, erstmal Brötchen holen und Tee machen, dann weitersehen. Die nette Campingplatzbetreiberin kommentierte das Wetter auch leicht genervt. Ich beschloss, meine Taschen mitzunehmen und warf dort die Regensachen und eine Wasservorrat rein, man weiß ja nie. Gegen 9 Uhr brach ich auf und fuhr einfach Richtung "schwarze Wolken", das würde sich schon auflösen!

Ich fuhr erstmal los über Balderschwang und den Riedbergpass, an dem auch dieses Mal wieder eine Baustelle war. Damals haben mir die Schotterpassagen und der aufgeschnittene Asphalt noch den Schweiß auf die Stirn getrieben, diesmal nervte mich eher ein Bus, der langsam vor mir herkroch und mir seine Abgase ins Gesicht blies. Eigentlich wollte ich nicht über den Oberjochpass fahren, aber dann landete ich doch dort und kroch hinter dem Verkehr her. Irgendwann überholte mich eine ganze Truppe Joghurtbecherfahrer aus Dornbirn, wobei die auch nicht viel früher als ich auf dem Pass waren.

Oberjochpass
Auf dem Parkplatz oben wartete auf die jungen Herrschaften erstmal die Rennleitung, die sich ihre Mopeds genau ansah. Für mich und meine alte Twin interessierte sich dagegen kein Schwein, so dass ich erstmal gemütlich zum Aussichtspunkt gehen, Fotos machen und einen Kaffee trinken konnte.

Als ich zurückkam, waren die jungen Herrschaften immer noch mit Reviermarkieren, Sprüche klopfen und pinkeln beschäftigt. Derweil waren noch zwei junge Enduristen auf dem Pass angekommen, der eine kriegte feuchte Augen, als er mich auf drt Twin vom Pass runterfahren sah. Es gibt eben noch junge Menschen mit Geschmack ;-)

Namloser Tal
Das schöne und ziemliche leere Tannheimer Tal durchquerte ich weiter nach Reute und von dort aus ging es Richtung Namloser Tal. Hier war ich damals nach meiner nassen Abfahrt vom Hahntennjoch vorbeigekommen, diesmal sah es auch nach dort noch finster aus, weshalb ich das Namloser Tal vorzog. Hier war etwas weniger Verkehr, es kamen hauptsächlich Motorradfahrer vorbei, Autos habe ich dort kaum gesehen.

Da ich etwas verplant gefahren war, musste ich den Weg durch Reute zum zweiten Mal fahren, danach ging es sehr zügig das Lechtal entlang bis nach Warth. Der Verkehr war schon Wahnsinn. Ich dachte mir unterwegs, dass Frankreich wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen wäre. Das Wetter hielt sich ganz gut und es wurde tendenziell sonniger und wärmer, nur weiter oben war es mal etwas ungemütlich, so dass ich die Griffheizung kurz einschalten musste. Ich hatte nur die dünnen Sommerhandschuhe dabei und da wird es mitunter schon mal frisch an den Fingern.

Auf meiner Samstagtour habe ich einige andere Twins gesehen, man winkt sich dann immer besonders freudig zu. Oh, eine RD04, ach, eine RD07, und die da hat die Rallyelackierung, die ich so gerne gehabt hätte, wie lackiere ich Conchita eigentlich mal um..? Den einen Twin-Fahrer, der im Lechtal hinter mir herfuhr, konnte ich leider nicht zu einem Wettrennen verleiten. Er hielt sich immer in respektvollem Abstand. Die weiten Kurven brachten mich dazu, den Gashahn etwas weiter aufzureißen, und mich dem Schwung hinzugeben. An Tagen, wo es besonders gut läuft, fühlt sich das wie ein schwereloser Tanz an, so um die Kurven zu fliegen.

In Andelsbuch wartete wieder eine größere Baustelle, hier mit Grobschotterpassagen. Das macht mir
inzwischen richtig Spaß, weniger Spaß machen allerdings die Autofahrer, die mit gefühlten 10 km/h vor einem herkriechen und die Fahrerei anstrengend werden lassen. Der aufgewirbelte Staub in Verbindung mit ziemlich heißen Temperaturen war dann nicht so schön, denn es gab nur die Wahl zwischen zu heiß, aber ohne Staub, oder etwas kühler, dafür Dreck ins Gesicht. Zum Glück war das rasch geschafft und ich fuhr weiter Richtung "Bödele", wo ich mir eine Kaffeepause gönnte und die Aussicht genoss. Da es noch früh am Tag war, entschied ich mich, einen Teil zurück zu fahren und noch eine kleine Straße als Abschluss unter die Räder zu nehmen. Auf das Furkajoch und die Faschina hatte ich bei dem Verkehr dann doch keine Lust mehr.
Bödele

Bei Reuthe gibt es eine Ministraße, die rüber nach Schnepfau führt. Hier hatte ich an ein, zwei Stellen schon
etwas zu tun, Conchita um die wirklich engen Ecken zu bringen. Es gab auch noch Gegenverkehr, weshalb man doch recht konzentriert fahren musste. Alles in allem hatte sich der Abstecher aber gelohnt, denn es gab schöne Ausblicke zu genießen. In Schnepfau unten angekommen kam mir eine riesige Truppe Harleys entgegen, von denen die meisten schon unten im Ort Probleme hatten, das Motorrad um die Ecke zu bekommen. Ich musste aufpassen, dass mir keiner reinfährt und fragte mich, wie die sich auf dieser kleinen Straße überhaupt bewegen könnten. Danach trat ich so langsam den Rückweg an, stoppte aber noch an einem Parkplatz mit sehr schöner Aussicht. Ich musste etwas essen und trinken, die Temperaturen und der heiße Wind hatten meiner Konzentration ziemlich zugesetzt.

Kaum saß ich auf der Bank, kamen auch schon zwei junge Männer in einem Sportwagen und hielten an. Vor
dieser imposanten Kulisse wollten sie sich und das Auto natürlich in Szene setzen. Keine zwei Minuten, nachdem sie weg waren, kam schon das nächste Auto und hielt. Ehrlich gesagt genieße ich die Einsamkeit doch mehr, als so einen Betrieb, aber gut, Samstag bei gutem Wetter ist es einfach überall voll. Ich beschloss nun endgültig zum Campingplatz zurück zu fahren und den Abend ausklingen zu lassen.
35 Sekunden Einsamkeit...

Auf dem Camping angekommen, brauchte ich erstmal eine Dusche und dann wollte ich eigentlich im Campingrestaurant etwas essen, aber da war geschlossen. Also machte ich noch einen kleinen Spaziergang in den Wald. Am Abend vorher hatte ich einen kleinen Bach entdeckt und wollte nun etwas weiter nach oben laufen. Auf dem Weg hoch kamen mir zwei Jungs auf einem Roller entgegen. Ich hatte bei dem Weg schon die ganze Zeit überlegt, ob ich mich sowas mit der Twin trauen würde. Es war teilweise schotterig, teilweise sehr steil und weiter oben gab es Steine und ausgewaschene Passagen. Das hätte ich mir wohl nicht gegeben. Offenbar war die Straße aber ganz offiziell nicht nur ein Wanderweg, denn weiter oben standen einige Wochenendhäuschen und es gab auch einen Bauernhof. Irgendwie mussten die ja da raufgekommen sein.

Angesichts der heftigen Temperaturen in der Sonne kehrte ich dann wieder um und ging den Waldweg nach unten zurück. Ich setzte mich auf eine Bank und genoss den Sonnenuntergang, dachte über die Rückfahrt nach und darüber, dass man nicht weit weg muss, um einen gewissen "Tapetenwechseleffekt" zu haben.

Der Sonntag begann um 6 Uhr mit ausdauerndem Gebimmel der Dorfkirche und um 1/2 7 konnte man
bereits die ersten Motorradfahrer hören. Hätte ich nicht noch meine Rechnung zu begleichen gehabt und Brötchen bestellt, wäre ich vermutlich auch um 1/2 8 auf der Piste gewesen. So ging ich erstmal duschen, packte in Ruhe meine Sachen zusammen und holte irgendwann mein Frühstück ab. Gegen 9 Uhr ging es dann los. Ich wollte mich unterwegs noch mit Werner treffen, der seinem Zebra eine Gabelrevision, neues Öl, einen Satz Heidenaus und frische Kerzen verpasst hatte und Samstagabend noch nicht genau wusste, wann er losfahren würde.

Da am Sonntag der Ausflugsverkehr um den Bodensee ziemlich schlimm sein würde, umfuhr ich die Region großzügig über Ravensburg und Salem. Gegen 12.30 Uhr war ich in Engen. Ich wollte auf alle Fälle noch zu Café Huber, und dort einen Kaffee trinken. Diesmal habe ich einen Eisbecher probiert (Brownie-Becher), der genauso lecker war, wie die Kuchen und konnte erfrischt und gestärkt hach Bräunlingen weiterfahren.

Bavaria Twin
Dort wartete ich auf Werner, der sich die B31 hochgequält hatte und eine gute halbe Stunde nach mir eintraf. Gut gelaunt und gestärkt fuhren wir zusammen weiter nach Sulzburg, um dort einen anderen Stammtischkumpel und seine Freundin auf dem Camping zu besuchen. Auf dem Weg nach unten durch das Münstertal war dann wieder kriechen angesagt, viel Verkehr, ein Bus und die Temperaturen machten das Fahren anstrengend. Auf dem Camping angekommen wurden wir schon erwartet und verbrachten einen netten Spätnachmittag. Werner zeigte mir danach noch einen jüdischen Friedhof bei dem anderen Campingplatz in Sulzburg. Nachdem wir mit vereinten Kräften Conchitas Kette in Werners Hof gespannt hatten, endete meine Tour müde, verschwitzt, aber glücklich zuhause.






Freitag, 8. Juli 2016

Fisch am Freitag aus Peschiera Maraglio

Italienischer Holzfisch
Den Fisch habe ich Euch aus Peschiera Maraglio am Iseosee mitgebracht.

Er stand da einfach so an einem Gitter herum.

Am Iseosee war ich das erste (und letzte) Mal davor ca. 1995 mit dem Fahrrad.

Ich hatte eine Schulfreundin, die am Gardasee lebt und diese hatte kurz zuvor geheiratet. Da unser gemeinsamer (damals noch) Fahrradurlaub bevorstand, sind wir damals kurzerhand über den Reschenpass geradelt, und dann durch Südtirol Richtung Gardasee gefahren.

Lecker Rotkäppchen!
Den Iseosee haben wir damals auf dem Rückweg passiert. Ich erinnere mich noch an unbeleuchtete Tunnels, in denen es leicht bergauf ging und wo wir froh waren, wenn von vorne ein Auto kam, so dass man sah, wohin die Reise geht.

Woran ich mich auch erinnere ist, dass es dort im Gegensatz zum Gardasee nicht voll war, kaum Touristen.

Ich habe irgendwo mein italienisches Sprüchlein heruntergeleiert "che una camera libera?" und dann haben wir irgendein billiges Zimmer irgendwo bezogen.

Schaffe, schaffe...
Abends am Iseosee lag leichter Nebel über dem Wasser und Hunderte von Fledermäusen jagten Insekten auf dem Wasser.

Diesmal war ich mit Werner vom Freiburger Africa -Twin-Stammtisch unterwegs. Wir haben die Installation "Floating Piers" von Christo besucht und sind über das Wasser gelaufen.

Die An- und Abreise nach Italien erfolgte mit unseren Mopeds natürlich etwas komfortabler und - vor allem - wesentlich schneller, als damals mit den Fahrrädern. Aber wir hatten ja auch nur ein Wochenende Zeit.

Mitgebracht - neben einer Fülle von Eindrücken, neuen Lachfalten und einem leicht angedätschten "Geweih" - habe ich auch diese beiden lustigen Pfeilerdekoration am Eingang zu einem Haus. Ich frage mich schon, wie man auf so eine Idee kommt?

Aber gut, wer Campingwagen mit Häuschen umbaut und Blumenkästen an die Fenster hängt, der baut sich vielleicht auch Rotkäppchen und Gartenzwerge auf seinen Eingangsbereich.



Das Foto von Werner habe ich übrigens nur gemacht, damit ihr seht, was auf dem Shirt hinten drauf steht. Ich habe mich darüber an dem Tag köstlich amüsiert... Das Schild vom Fischrestaurant passte gerade zufällig thematisch zu dieser Rubrik, da wollte ich Euch die Legende nicht vorenthalten *gibbel*

Mehr Fisch am Freitag gibt es - wie immer bei Andiva und den Fredissimas.