Dienstag, 31. Mai 2016

Monatsimpressionen Mai

Sirnitz
Der Mai ist gekommeeeeen... und auch schon wieder gegangen!

Besonders wonnig war er ja wettertechnisch nicht so, zumindest waren die Stunden auf Conchitas Rücken gezählt. Ok, realistisch betrachtet bin ich ganz schön viele Kilometer gefahren, kreuz und quer durch den Schwarzwald, den Pfälzer Wald, die Wetterau... aber im Kopf stellt es sich doch anders dar.

Der Mai war für mich der erste von fünf Monaten, in denen ich eine Krankheitsvertretung übernommen habe und daher 100% arbeite. Ich sag Euch... neeeee! Das ist nichts für die Work-Live-Balance! Spart vielleicht den einen oder anderen Liter Sprit, und den einen oder anderen Milimeter Profil, weil man keine Zeit hat für die schnelle Runde am Nachmittag. Die ganzen anderen Hobbies wollen ja auch noch gepflegt werden und der Freizeitstress bekommt auf einmal eine ganz andere Qualität ;-)

Conchita kriegt TÜV

Flower Power!
Am ersten Montag im Mai bin ich nach der Arbeit fix mit Conchita zum TÜV gefahren. Ach ja... TÜV, das ist da, wo Frau immer komplett erblondet, vor allem, wenn das Moped ein paar Minimängel hat und Frau hofft, dass der Prüfer die Mängel nicht bemängelt.

Als da wären: Ein defekter Kupplungsschalter (jaja, ich weiß... ich faule S...) und Bremsscheiben, die nicht 100% rund laufen. Dafür sind die fast nagelneu, ebenso wie die Bremsbeläge! Dank an Heiner und seinen Einsatz nach dem Unfall im April!

Vor mir stehen 3 Autos, es ist warm.
Also erstmal Moped aus, Frau runter, Helm runter, Handschuhe aus, Jacke auf.
Blondestes Gesicht!

Der Prüfer kommt irgendwann zu mir und meint, er fährt Conchita selbst rein. In weiser Voraussicht habe ich schon den Leerlauf drin (defekter Kupplungsschalter = Moped springt nur im Leerlauf an).

Prüfer sitzt auf.
Prüfer drückt auf den Anlasser.
Conchita springt brav sofort an.
Prüfer klappt Seitenständer aus, um Zündkontaktunterbrechung zu testen.
Conchita geht sofort aus.
Test bestanden.

Ich überleg kurz, ob ich den Tipp mit dem Leerlauf geben soll... warte aber in sicherer Entfernung ab.

Alpensicht im Hegau
Prüfer klappt Ständer ein, drückt auf den Anlasser.
Nichts. (Wir erinnern uns, Kupplungsschalter!).
Prüfer fummelt, guckt, wurschtelt.
Prüfer findet den Leerlauf und drückt auf den Anlasser.
Conchita springt sofort an.
Prüfer legt Gang ein und fährt los.

Jetzt kommt die Bremsprobe!
Die Africa Twin ist a) schwer und b) kopflastig.
An dem Tag war sie glaube ich auch randvoll getankt, das macht dann so um die 250 kg Lebendgewicht.

Prüfer steigt in die Eisen.
Conchita tut, was ein Motorrad dann immer tut: Sie geht vorne runter!
250 kg wollen jetzt in der Balance gehalten werden...
Prüfer flucht und wirft Conchita fast weg, weil a) schwer und b) kopflastig.

Ich grinse innerlich, bin aber froh, dass er sie nicht hingeschmissen hat.

Als nächstes darf ich wieder aufsitzen, Blinker, Fernlicht, Lichthupe, Bremslichter, alles super.
Jetzt noch die Abgasmessung.
Ich schwitze etwas und hoffe, dass auch das ohne Probleme verläuft.
Conchita ist Baujahr 1997 und in punkto Abgas und Co hat sich seitdem ja einiges geändert.

Der Prüfer will jetzt noch die Papiere haben und ich frage ihn mit dem schönsten Lächeln und dem blondesten Gesicht, dessen ich fähig bin, ob er auch noch die Reifenfreigabe sehen will, was er verneint.

Reifenfreigabe ist sowas typisch Deutsches.
Detail "Mozart"-Orgel Kirchheimbolanden
Wenn man andere, als in den Papieren eingetragene Reifen fahren will, muss eine Freigabe des Herstellers mitgeführt werden. Natürlich fahre ich völlig andere Reifen, als die, die in den Papieren stehen, weil eben 1997 und so!


Auf dem letzten Stammtisch haben wir schon gewitzelt, dass mancher Koffer am Motorrad vielleicht für die Ordner da ist, in denen die ganzen Eintragungen für Umbauten, Anbauten, Reifen undundund gemacht sind. Weil, es muss ja alles seine Ordnung haben! *seufz*

Nun, es ist gegen Arbeitszeitende des Prüfers, Conchita hat bestanden und ich darf mit einer frischer Plakette los.

Ich nutze den schönen, sonnigen Abend zu einem Abstecher nach Landeck, um den Blick zu genießen und den Anlass gebührend zu feiern.

Horizons Unlimited - Pfrimmtal

Der Mai hatte ja ingesamt 3 lange Wochenenden, zumindet in Baden-Württemberg. Das erste Mai-Wochenende war endlich schönes Wetter angesagt und ich schmiedete Pläne, einen Miniurlaub im Französischen Jura zu verbringen. Als ich in Landeck aufs Handy guckte, hatte ich eine Nachricht von Werner, der fragte, ob ich mit zu HU kommen wollte.

Zuhause angekommen, haben wir das Wochenende schnell klargemacht und es war super. Wir hatten eine Menge Spaß und eine richtig gute Zeit zusammen verbracht.
Den Bericht findet ihr hier.

Pfingsten

Engen im Hegau
Das Pfingtwochenende glänzte dann wieder mit Regen, Regen, Regen. Den Samstag war ich "shoppen", ich brauchte Nachfüllung für meinen Oiler und wollte noch ein, zwei Sachen in punkto Ausrüstung checken. Naja, was soll ich sagen, morgens trocken. Als ich dann nach Hause wollte, fing es natürlich an zu regnen, zu schütten, nur um dann pünktlich vor meiner Haustür wieder aufzuhören. *nerv*

Herr Finanzamt hatte mich auch genervt. Die Herrschaften hatten vorletztes Jahr meine Daten gelöscht, was zur Folge hatte, dass ich letztes Jahr wieder den ganzen Papiermist für "meine neue Selbständigkeit" ausfüllen musste. Jo, alles klar, alles neu, mach ich nur schon seit 2006... nun ja... jedenfalls wollte Herr Finanzamt jetzt meine Gewinnermittlung von 2015 sehen und dafür meine Belege. Das hat mir schon den Samstagabend leicht versaut.

Eine Woche später hatte ich den ganzen Kram dann mit einem Brief zurück.
Dessen Inhalt in etwa: Ich soll keine Belege schicken, sondern alles elektronisch abgeben.
*Kopf Tischkante*

Sonntag fiel mir dann wieder die Decke auf den Kopf. Da es nicht ganz so scheußlich war, war ich nach Einwerfen des Finanzamtskrams (siehe oben) erstmal im Dorfcafé, um mich zu belohnen und meiner schlechten Laune entgegenzuwirken. Dann habe ich eine Performace vom Open Art Festival besucht. Die Performance - "Messer, Gabel, Schere, Licht" - hat mir ganz gut gefallen, es waren einige starke Bilder dabei. Ich denke aber, dass sie in einem dunklen Raum mit entsprechendem Beleuchtungseinsatz besser gewirkt hätte. Und ich hatte am Ende Angst, dass die Performerin sich eine der Scheren irgendwo reinrammt... schade war, dass sich nur eine Handvoll Zuschauer eingefunden hatte. Und auch schade, dass die restlichen Vorführungen immer zu Zeiten waren, an denen ein normaler Mensch arbeiten muss, oder ich keine Zeit hatte. Prinzipiell finde ich die Idee, Kunst sichtbarer zu machen und im Alltagsleben zu integrieren sehr gut. Nur hatte ich - und wohl viele andere auch - gar nichts von dem Festival mitbekommen. Ich habe davon nur dadurch erfahren, weil ich das Programm des E-Werks aufgerufen habe und dort über die Performance gestolpert bin.

Alstadt Engen
Naja, um dem Tag dann den Rest zu geben, war ich noch im Kino in "A bigger splash". Ich gebe zu, ich bin da nur wegen Tilda Swinton rein. So richtig vom Sockel gehauen hat mich der Film nicht. Zusammenfassung: Zwei Frauen, zwei Männer, ein Swimmingpool, ein Toter und ein "happy end". Alles klar?

Da im Kino derzeit auch ein Film über Fritz Lang läuft, den ich mir noch ansehen möchte und zudem auch "M - eine Stadt sucht einen Mörder", habe ich mir kurzerhand noch diesen Film auf youtube angesehen. Er ist wirklich sehr sehr gut gemacht und ein großartiger Peter Lorre spielt die Hauptrolle. Allerdings muss man sich von den heutigen Film- und Sehgewohnheiten komplett verabschieden. Es gibt keine Filmmusik, wenn man mal davon absieht, dass der Mörder immer "In der Halle des Bergkönigs" aus der Peer Gynt Suite Nr. 1 pfeift. Und es gibt auch komplett stille Passagen, was erstmal irritiert, weil man sofort am Ton rumfummelt und glaubt, dass etwas kaputt sein muss. Der Film hat das Serienmörder-Genre auf jeden Fall stark beeinflusst, z. B. musste ich an "Es geschah am hellichten Tag" mit Gert Fröbe und Heinz Rühmann denken. Ich will nicht zuviel verraten, schaut ihn Euch selbst an und bildet Euch eine eigene Meinung. Die Melodie hatte ich danach tagelang im Ohr und mich dabei erwischt, wie ich sie bei jeder Gelegenheit gepfiffen habe...

Den Pfingstmontag habe ich erstmal lange geschlafen, was soll man bei Dauerregen und gefühlten 5 Grad schon machen? Danach stand der Tag im Zeichen der Nostalgie, ich habe mir alte Kinderserien angeschaut: Pan Tau und Die Märchenbraut. Die tschechischen Serien und Filme habe mich immer schon begeistert, der schräge Humor und die liebevoll erzählten Geschichten sind auch heute noch schön anzusehen. Außerdem habe ich weiter an der Planung für meine Geburtstagsfeier gefeilt, Einkaufslisten geschrieben und ein bisschen geschaut, wo ich in Norwegen so rumfahren möchte.

3. Mai-Wochenende - Eine Frau will nach oben!

Das war dann mal richtig nach meinem Geschmack!

Eigentlich war ich Samstag noch auf einer
Auf diesem Bild hat sich ein kleines Motorrad versteckt...
Geburtstagsfeier eingeladen, aber wie das so ist... man verkalkuliert sich mit Zeit und Strecke und schon... kommt man nicht mehr rechtzeitig... Ich bin eine recht große Runde rauf und runter, hin und her gefahren. Endlich war es mal WARM und SOMMERLICH! Endlich ohne lästiges Futter und drölfzig Schichten Klamotten fahren!

Für den Sonntag hatte ich eine Ausfahrt mit einigen Jungs vom Stammtisch geplant. Leider sagte einer nach dem anderen aus den verschiedensten Gründen ab, so dass ich mal wieder allein unterwegs war. Aus unerfindlichen Gründen war ich schon um 10 vor 6 wach und beschloss eine halbe Stunde später, aufzustehen. Draußen war es noch völlig ruhig und um 10 vor 8 hatte ich Freiburg schon hinter mir gelassen und war auf dem Weg nach oben in den Schwarzwald.

Unterwegs meldete sich mein Magen, so dass ich in Bräunlingen einen Zwischenstopp machte, um einen Kaffee zu trinken und etwas zu essen. Auf den Sraßen war ich fast komplett allein, die Luft war noch frisch, aber nicht mehr kalt und das Licht wunderbar. Ich genoß die Sonne und machte mich alsbald weiter auf den Weg zum eigentlich geplanten Ziel: Engen. Schon auf dem Weg nach Bräunlingen hatte man eine großartigen Alpensicht, so dass die Wahl für den Hegau als weiteres Ziel sehr leicht fiel. Gegen 10:30 Uhr kam ich zusammen mit einer Buslandung Touristen in Engen an. Mein bevorzugtes Café Huber hatte leider noch geschlossen, so dass ich heute mal nebenan bei der Konkurrenz war. Bei Käsekuchen und Kaffee ließ es sich unter dem Sonnenschirm aushalten. Mit Blick auf die angekündigten Gewitter wollte ich dann aber rasch weiter und noch ein paar Kilometer abspulen, bevor die ganzen Sonntagsfahrer die Straßen bevölkern würden.

Ich entdeckte einige sehr schöne, kleine Straßen und - ja - man kann sowohl im Schwarzwald, als auch im Hegau an einem supersonnigen Tag ganz allein auf der Straße sein! Mein Weg führte mich weiter in die Kante Waldshut-Tiegen und von dort kreuz und quer Richtung Freiburg. puh, die B500 war ein echter Alptraum! Schön, wenn man die kleinen Wege kennt und schnell wieder von den völlig überfüllten Rennstrecken weg ist! Gegen frühen Nachmittag zeichnete sich dann schon ab, dass es Gewitter geben würde. Auf der Straße Richtung Spirzen konnte man schon schön sehen, dass das schlechte Wetter nicht mehr weit war. Ich war um 15:30 Uhr zuhause, 400 km gefahren Erstmal gepflegt Mittagsschlaf machen!
DAS war ein Wochenende nach meinem Geschmack!

Die "Burg" - Africa-Twin-Treffen auf Burg Lißberg, Wetteraukreis

Ja, was soll ich sagen?
Dank einem großartigen Team haben wir den dritten Platz beim Stammtischpokal belegt!

Die Burg war - trotz des nicht optimalen Wetters - echt toll, und ich werde nächstes Jahr wieder hinfahren.

Den kompletten Bericht inkl. Pleiten, Pech und Pannen lest ihr hier.

Auf Wiedersehen, Mai!
Hallo, Juni!

Mehr Monatsimpressionen gibt es wie immer bei den Fredissimas.


Sonntag, 29. Mai 2016

Meine erste Burg... oder: The winner takes it (nearly) all!


Nein, ich habe keinen Prinzen getroffen, der mir seine Burg geschenkt hat, aber Prinzen werden in diesem Bericht trotzdem eine Rolle spielen *geheimnisvoll tut*

Nachdem ich Conchita jetzt seit fast genau 2 Jahren fahre dachte ich mir, dass es jetzt auch an der Zeit sei, mich todesmutig zum ersten Africa-Twin-Treffen meines Lebens anzumelden. Am 2. April ploppte dann eine Erinnerung auf meinen Bildschirm und *zack* hatte ich mich als Nr. 20 auf der Liste angemeldet. Das letzte Jahr habe ich mit einer Mischung aus Faszination und Stirnrunzeln die Berichte von der Burg gelesen. "Licher" gab es da, das allerorts erwähnt wurde. Es gab Schrauberecken - auch bekannt als Männer-Wellness-Bereich - Bratwurst, Benzingespräche, und ein Rudel Africa-Twin-Fahrer nebst ihren treuen Pferden.

2014 war ich ja schon unter Frau zuses Obhut bei drei Motorrad-Treffen. Jetzt war es aber an der Zeit,
ATs, wohin das Auge blickt...
nicht nur regelmäßig beim Freiburger Stammtisch einzureiten, sondern mich auch einmal auf der Burg blicken zu lassen. Wie immer war gute Vorbereitung alles, weshalb ich am Tag vor Abreise noch durch die Stadt raste, um die passende Motorradkarte von public press zu finden.

Wie Weihnachten kommt die Burg immer so plötzlich... langer Rede kurzer Sinn, ich habe die verdammte Karte nirgendwo bekommen! Als Ersatz hielt dann eine suboptimale Fahrradkarte her, deren Blattschnitt so dämlich war, dass ich zwei hätte kaufen müssen, was ich aber nicht wollte. Dank Werner/Zebra wurde ich an den Stammtisch Rastatt weiter vermittelt und konnte am Abend vorher meine Tourbegleitung und einen Treffpunkt klarmachen. Die genaue Routenplanung entfiel also für mich.

Nach jetzt fast 5 Jahren im Sattel habe ich mehr und mehr Gefallen daran gefunden, mit anderen Leuten zusammen zu fahren. Einerseits hat man in den Pausen jemanden zum quasseln, dann kann man sich gegenseitig andere Strecken und Einkehrmöglichkeiten zeigen und ganz nebenbei hat mein Fahrkönnen sehr profitiert.

Donnerstag, 26.5.

Rapunzel, lass die Mopedkette runter!
Mich hatte Mittwochabend schon das Reisefieber gepackt und ich war am Donnerstagmorgen bereits deutlich vor
7 Uhr wach. Um 1/2 9 wollte ich zuhause weg sein, um mich um spätestens 11:30 in Mingolsheim an der Eisdiele mit Thomas/twintourer zu treffen. Das erste Stück bis Rastatt bin ich auf der Autobahn gefahren, nach ungefähr 70 Minuten hatte ich schon die Nase voll vom Krach unter dem Helm, dem langweiligen Geradeausgefahre und dem bekloppten Verkehr. Die ersten Staus kündigten sich bereits bei Riegel an und um Karlsruhe herum ist es meist auch nicht sonderlich prickelnd. Da es noch sehr früh war, dachte ich mir, dass ich den Rest auch auf der B3 fahren könnte.

Naja, es kam, wie es kamen musste, irgendwie verfuhr ich mich und nachdem ich fast eine Stunde verloren hatten, musste ich dann doch wieder auf die Autobahn zurück. Um kurz nach 11 landete ich in der Eisdiele, ich bekam einen Kaffee spendiert und unterhielt mich ein bisschen mit Thomas und einem Bekannten von ihm. Nachdem die Fronleichnamsprozession uns und die Motorräder mit reichlich Weihrauch eingenebelt hatte, konnte nichts mehr schiefgehen und wir fuhren los, gemütlich über Land, nur das letzte kurze Stück sollte wieder Autobahn sein.

Blick vom Rapunzelturm
Es war ein schönes Gefahre, bis Herr Navigationsgerät uns in einen dicken Stau lotste. Irgendwo in der Prärie bei Michelstadt fand ein "Country Fair" statt und der Rückstau vom Parkplatz war sicherlich 5 km lang. Irgendwann hatte ich das Stop and Go statt und auch keine Lust mehr, mich vom Lüfter anpusten zu lassen, denn inzwischen war es warm geworden. Ich schwitzte so schon genug und die linke Hand wollte Entspannung. Wir drängelten und quetschen uns so gut es ging durch, stoppten an einer Bushaltestelle, um etwas zu trinken, eine Schicht Klamotten abzuwerfen und dann drängelten wir uns weiter vorbei. Nach gefühlten 5 Stunden erreichten wir endlich die Engstelle, durften dort auch noch warten, mussten aufpassen, dass keine Fußgänger vor das Motorrad springen und dann ging es endlich endlich weiter!

Irgendwann am späteren Nachmittag fuhren wir nach Ortenberg. Thomas hatte in sein brandneues Navi "Burggasse" eingegeben, naja und da standen wir jetzt. War aber die falsche Burggasse! Ein paar Kilometer später kam dann aber der Turmvon Burg Lißberg in Sicht, wir rumpelten eine Kopfsteinpflasterstraße hoch und durften uns dann bei den "Burgwächtern" registrieren. Hinter dem Tor wies uns die Crew ein Plätzchen für Zelt und Moped zu. Lutz/Highlander hatte ich letztes Jahr schon im Schwarzwald kennengelernt, als er mit seiner frisch beführerscheinten Tochter auf Tour bei uns im wilden Südwesten war.

Die Zelte waren fix aufgebaut. Da es mein erstes Mal war, bekam ich die wichtigen Dinge gezeigt (wo gibt's was zu essen und zu trinken!) und um 20 Uhr sollten wir uns zur Begrüßung einfinden. Wir versorgten uns mit dem "Honda Teller" bzw. dem "Honda Teller bleifrei" für mich, erholten und stärkten uns, quatschten hier und da mit ein paar anderen Leuten. Natürlich musste auch das Burg-Shirt her, denn man will seine Rudelzugehörigkeit schließlich stolz zeigen!

Bei der Begrüßung am Abend gab's dann die Unterweisung in das Wochendprogramm, als da wären Roadbooktour am Freitag, Diavorträge am Freitag, Stammtisch-Pokal am Samstag. Zwischendrin essen, Lagerfeuer, trinken, quatschen, Eis essen, Sonne genießen, dummes Zeug machen.

Thomas und ich kippten relativ bald in die Zelte, das frühe Aufstehen und die Anreise waren dann doch etwas anstrengend gewesen. Ich schlief trotz dem quatrophonisch-bärhaften Geschnarche rundum wunderbar, da ich diesmal nicht nur Ohrstöpsel trug, sondern auch mein Halstuch über die Augen gezogen hatte. Zu kalt war es auch nicht.

Freitag 27.5.

Irgendwo hinter Burg Schwarzenfels
Freitagmorgen nach dem Frühstück machten wir uns zur Roadbooktour auf. Thomas hatte die Route ins Navi eingegeben und wir brachen trotz leichtem Regen auf, schließlich will man auch was von der Gegend sehen. Thomas' Navi nahm eine etwas andere Route, als uns vorgeschlagen worden war. Das brachte uns unter anderem ein Bad in einer Schafherde mit 1300 Tieren ein. Leider dauert es zu lange, den Fotoapparat aus dem Tankrucksack zu kramen und die Handschuhe auszuziehen. Ich hätte gerne ein Bild gemacht, aber so beschränkte ich mich darauf, den Hunden bei der Arbeit zuzusehen und den Lämmern bei ihren lustigen Hüpfwettbewerben.

An einer Ampel trafen wir dann ein ganze Rudel Twins, das von Highlander geführt wurde. Sie guckten ein bisschen komisch, weil wir eine andere Richtung nahmen als sie. Nachdem, was ich aber von der Route in Erinnerung hatte, sollten wir sie bald wieder einholen. Thomas und ich nahmen unseren anderen Weg und fuhren langsam Richtung Rhön. Der Regen wurde weniger und man sah mehr von der herrlichen Landschaft. Da die Natur etwas weniger weit war, als bei uns, blühten teilweise die Apfelbäume und das Grün war noch etwas frischer. Auf einem Parkplatz hinter Schwarzenfels kam die Truppe von Highlander dann auch um die Ecke. Thomas und ich schlossen uns an und wir fuhren gemeinsam bis zu unserem Einkehrpunkt, dem Kloster Kreuzberg.

Kloster Kreuzberg mit weiß-blauem Himmel
Dank der Burg-Crew hatte man am Freitag auch die Möglichkeit, die neue CRF probezufahren. Allerdings gab es zwei Haken: man hatte nur 20 Minuten Zeit und es war die Automatik-Version mit DECT-Getriebe. Das hat mich beides nicht so gereizt, in Freiburg hätte ich die Möglichkeit, die Schaltversion zu testen und das auch etwas länger. Ob ich das auch tun werde, ist erstmal dahin gestellt. Ich will mich nicht in Versuchung bringen...

Da Sebastian aus der Gruppe von Highlander um 16.40 seinen Termin hatte, brachen sie schon nach ziemlich kurzer Rast auf. Da wir inzwischen mit unserem Quasi-Zeltnachbarn Ulli/sandfloh quatschten und etwas mehr Pause machen wollten, schlossen wir uns einer anderen Gruppe an. Gestärkt und gut gelaunt machten wir uns auf den Rückweg zur Burg.

Auf dem Rückweg durften unsere Twins ein bisschen Dreck unter die Räder bekommen, denn unser Anführer brachte uns auf eine kleine Straße, deren Teerbelag irgendwann zuende war und diversen Pfützen und Matsche wich. Das machte echt Spaß! Ich bin ja immer noch ein absolutes Offroad-Greenhorn, aber Conchita macht das mit Bravour und wenn ich nicht drüber nachdenke, sondern einfach nur fahre, kann ich das auch.

Nach dieser vergnüglichen Ausfahrt ging es ans Abendprogramm. Ich sah mir nach dem Essen erst den Diavortrag von Dirk an, der mit einem Freund auf kleinen Enduros in Sri Lanka unterwegs gewesen war. Die Bilder - zusammen mit dem kurzen Dreckausflug am nachmittag - machten mir unglaublich Lust auf solche Ausflüge.

Nach Dirk kam ein sehr professioneller Vortrag über einen kurzen Herbsturlaub in den Pyrenäen. Natürlich ging es auch hier auf Schotter kreuz und quer durch die Landschaft. Allerdings wurde nicht verschwiegen, dass mancher Schotter-Ausflug auf der Twin eher eine Quälerei war und auch gestandene, große Männer an ihre Grenzen bringt. Ich war mal wieder richtig überwältigt von den Naturschönheiten und natürlich noch mehr angefixt, mich doch mal an einem Einzylinder im Gelände zu versuchen.

Nach einem Ausflug ans Lagerfeuer, wo wir noch einigen lustigen Anekdoten von Horst/McGyver lauschten, ging es dann in die Zelte.

28.5.

Heute sollte es um die Wurst gehen.
We're on a Roadbook to nowhere...
Nein, nicht um Conchita, sondern um den Stammtisch-Pokal.

Stammtischpokal kennt ihr nicht?
Stammtischpokal geht so: Man bekommt ein Roadbook mit einer vorgebenen Strecke, muss an diversen Stationen mehr oder weniger schwierige Aufgaben lösen und am Ende werden Punkte gezählt und der Gewinner bekommt den Pokal. Die anderen... aber lest selbst!

Am Freitagmorgen waren erst nur Thomas und ich ein Team für den Pokal. Ich ging zur Roadbookausgabe, um uns zu registrieren.

Horst: "Habt ihr Euch schon einen lustigen Namen ausgedacht?"
Ich: "nö!"
Horst schaut kurz auf, liest die Aufschrift auf meinem Shirt und meint "Nennt Euch doch 'Scheiß aufs Pferd', oder so!"*
Ich: "Ok, also schreib 'Scheiß aufs Pferd'!"

Startzeit für uns solte 10 Uhr sein, und Horst wollte uns noch ein paar einsame Reiter vermitteln. Außerdem bekam ich ein rohes Ei in die Hand gedrückt, mit der Anweisung, dass dieses bitte gekocht zurück gebracht werden sollte. hm... 

Ich ging zurück zu den Zelten, überbrachte Thomas die frohe Botschaft und meinte, dass wir noch Leute dazubekommen sollten. Kurzerhand gesellten sich dann noch Ulli und Philip zu uns. Die Aufgabe mit dem Ei hatte mich erst auf die Idee gebracht, irgendwas an den Auspuff zu konstruieren, der wird ja gut warm. Nur was? Ulli und Thomas kamen dann auf die Idee, das Ei auf den Krümmer zwischen die Zylinder zu packen. Allerdings musste es irgendwie geschützt sein. Thomas organisierte uns Alufolie aus der Küche und nach einigem diskutieren verstaute Ulli das Ei auf seiner Twin.

Von wegen "Reiskocher"!
Ich war optimistisch, was den Ausgang des Experiments betrifft, die Männer eher skeptisch.

Da ich das Roadbook gleich an mich gerissen hatte, versuchte ich auf meiner Karte auch die Strecke zu finden.
Passt, wird alles super klappen, Himmelsrichtung und so!
Ich bin voll gut im Navigieren!
Wir gewinnen den Pokal!
Ganz sicher!

Um 10 Uhr brachen wir dann am Burgtor auf. Ich glich Tripmaster und Roadbook ab, und die ersten 12 Kilometer klappt das auch hervorragend.

Dann kam eine Gabelung und ich war nicht sicher, ob es rechts oder links weiter ging, entschied mich für links. Mir war schon bald klar, dass wir jetzt frei Schnauze fahren mussten, also versuchte ich, unser erstes Ziel zu finden. Es sollte zu einem Parkplatz am Taufstein gehen, dort würde unsere erste Aufgabe auf uns warten.

Da wir nun durch Schotten fuhren, konnten die durstigen Twins noch gefüllt werden und wir machten uns entspannt auf den weiteren Weg. Bald hatte ich auch den Hoherodskopf entdeckt und dachte mir, dass wir den Taufstein schon finden würden.

Ah, da kam ein Parkplatz!
Aber wo war der verdammte Bismarck-Turm?
Wir fragten ein Paar, das uns dann einen Parkplatz weiter schickte, den wir auch schnell fanden.
Also absatteln, loslaufen.
hm... 500 m waren das aber nicht...
Als wir um eine Ecke kamen, konnten wir einen anderen Parkplatz entdecken, da standen auch schon Twins... naja, der Turm war dann doch schnell gefunden und dort lungerten schon diverse Gruppen herum.

 Wir mussten ziemlich lange warten, denn es hatte sich ein Stau gebildet, da die Gruppen in recht kurzem Abstand losgefahren waren. Das Lösen der Aufgaben nahm aber etwas mehr Zeit in Anspruch, als geplant und so kam es zu einer gewissen Klumpenbildung.

Wir vertrieben uns die Zeit mit Mücken verjagen, dumme Sprüche klopfenund darauf hoffen, dass es nicht gewittern würde.

Unsere erste Aufgabe bestand darin, unter Armins Argusaugen und gegen die Stoppuhr vorsortierte
Buchstaben in die richtige Reihenfolge zu bringen. Gar nicht so einfach, denn Vokale und Konsonanten waren ordentlich aufgereiht nebeneinander. Wir schafften es immerhin von ich glaube 14 Begriffen 9 zu erraten.

Die nächste Aufgabe wartete dann auf dem Turm selbst. Nachdem wir den heldenhaft erklommen hatten, mussten wir Musiktitel und Interpreten erraten, die jeweils nur 10 Sekunden angespielt wurden. Wir schlugen uns wacker und der Publikumsjoker sowie die Hilfe des Crew-Mitglieds brachte uns dann auf das Lösungswort GREBENHAIN.

Tja... mein Team erinnert sich ja, aber ihr, liebe Lesers wisst nichts von den Dingen, die sich nun zutragen würden!

Wir liefen jetzt zurück zum (falschen) Parkplatz. Beim Aufsteigen hatte ich dann einen hyperaktiven Seitenständer und warf mein Moped erstmal um. Da ich das in der Regel jede Saison einmal mache, war es nicht weiter schlimm. Philip half mir und war glaube ich mehr erschrocken, als ich. Ich war überzeugt, dass wir, wenn wir rechts fahren würde, den anderen Parkplatz schon finden, ich den Tripmaster auf Null setzen könnte und wir ganz schnell bei der nächsten Station sein würden.

hm... ja, da sind viele Parkplätze, ich drück einfach mal "Reset".
Passt schon!
Ah, da vorne kommt ja schon das Schild "Lauterbach".
2 km später.
Blick auf das Roadbook.
Scheiße, das steht "LauterTAL".
Parkplatz links ansteuern, umdrehen!
hm, auf der Karte stand irgendwo "Ulrichstein" und daneben dann "LauterTAL".
Rapante, Rapante!
Ja, fahren wir mal da lang.


10 km später... irgendwie... ne... also... irgendwie... hm... anhalten...
Intensives Kartenstudium... jo, eigentlich schon ok... fahren wir mal weiter...

Weitere 10 km später... ne... also... wir halten mal... jetzt darf das Navi von Thomas ran!
Thomas: "Was soll ich eingeben?"
Ich: "LauterTAL, August-Karl-Vieregge-Anlage!"
Thomas gibt ein: "LauterTAL - Am Viereck", denn die Anlage kennt das Navi nicht.

Wir fahren also wieder zurück.

Thomas navigiert uns bis nach Lautertal-Dirlammen.
hm... ne... also.. wir müssen wieder umdrehen, meine Karte sagt was anderes.

Kurz vor der Abzweigung nach "Eichenrod" stoppen wir, diskutieren wieder. Wir sind jetzt bereits 52 km kreuz und quer gefahren und finden unser Ziel einfach nicht...da hilft uns auf einmal ein zufälliger Zeuge unserer Diskussion. Er weist uns den Weg, der sich später als richtig rausstellen sollte, aber vorher... fahren wir erstmal nach der Anweisung und wir kommen an einem Wanderparkplatz vorbei.

ANLAGE stand im Roadbook! Ich glaube, wir hatten alle irgendwas parkähnliches im Kopf, aber auf keinen Fall einen WANDERPARKPLATZ!
Nun, ich steuere uns erstmal vorbei an dem Parkplatz, kurz darauf stoppen wir, diskutieren wieder, fahren zum nächsten Ort.
Die Damen, die wir fragen, schauen uns verwirrt an.
August-Karl-Vieregge-Anlage?
Nie gehört!
Da sagt Thomas auf einmal, er hätte da vorhin doch den Eindruck gehabt, dass dieser Parkplatz was größeres sein könnte.
Also... wenden, Thomas jagt den Berg hoch, wir jagen hinterher.
Stopp.

AUGUST-KARL-VIEREGGE-Anlage steht da dick und fett auf dem Schild!

Nein, nicht springen, Thomas!
Aufgabe zwei: Aus dem Schild "Land- und forstwirtsch. Verkehr frei" sollen möglichst viele Zahlwörter gebildet werden, dabei darf jeder Buchstabe nur einmal benutzt werden. Wir finden auf Anhieb einige, bis dann einer der Jungs die Idee hat, dass wir auch Zahlwörter aus anderen Sprachen nehmen könnten. Von "nur Deutsch" ist keine Rede. Fix sind eine ganze Menge Zahlwörter aufgeschrieben und mit stolzgeschwellter Brust geht es zurück zu den Motorrädern.
Die Zeit ist zwar etwas fortgschritten, aber die nächst Station "Falltorhaus" sollten wir schnell finden.

Da keiner von uns ortskundig ist, geben wir als nächste Station "Alsfeld" ein, denn das steht ja auf dem Roadbook drauf.
Wir jagen nach Alsfeld und dort... finden wir kein Falltorhaus!
Niemand kennt das!

Wir halten auf einem Parkplatz.
Ich bin langsam gefrustet, als Team-Kapitän habe ich versagt, wir werden entehrt zurückkehren und ich werde unter Schimpf und Schande von der Burg gejagt...

Da komme ich auf die Idee, das Falltorhaus zu googeln.
Ach Du Sch... das ist in SCHOTTEN!
Wir sind in die völlig falsche Richtung gefahren!
Naja, Pause können wir knicken, Zeit werden wir nicht schaffen...
Immerhin müssen wir dort keine Aufgabe mehr lösen, denn die haben wir schon am Morgen auf der Burg gelöst: "Wieviele Tiernamen befinden sich in der Stadt mit der Vorwahl 06021?"

Wattebäuschchen... äh Tischtennisbälle werfen
Ich werfe einen Blick aufs Roadbook und meine "lass uns zurückfahren, es gibt noch eine Aufgabe kurz vor der Burg zu lösen".  Thomas gibt "kürzeste Route" ins Navi ein und meint "Das schaffen wir nicht, das Navi sagt 16.32 und um 16.30 müssen wir auf der Burg sein!" Darauf ich: "Ach was, wir fahren jetzt einfach wie die Schweine und dann kommen wir noch rechtzeitig hin!"

Immerhin war ich diesmal klug genug, die Adresse der Firma BETZ zu googeln, denn dort sollen wir vor der Burg hin und eine Aufgabe lösen. Wir wenden und jetzt... fahren wir wirklich wie die wilden Schweine! Zwischen den Dörfern wird am Gashahn gerissen, als gäbe es kein Morgen und so ganz langsam heben sich meine Mundwinkel wieder.

Scheiß auf den Pokal, wir können hier durch eine tolle Landschaft heizen und Spaß haben!

An der Abzweigung zur Burg hält Thomas und meint, dass wir zwar aufgeholt hätten, aber nur noch 7 Minuten Zeit. Ich bin dafür, es einfach zu probieren. Wir können ja eh nix verlieren, weil wir ja schon alles verloren haben!

Wir fahren los und Thomas übersieht fast das Schild, ich hupe und ha! Wir sind gar nicht die Letzten!  Wir stellen die Mopeds ab und müssen unser Ei übergeben. Die Gruppe vor uns hatte die Aufgabe nicht 100% gelöst, das Ei war weich. Überhaupt... einige hatten die Eier beim Metzger kochen lassen, andere in Schotten am Falltorhaus...

Philip packt unser Ei aus, das erstaunlich heiß ist, und uns darauf hoffen lässt, dass es nicht mehr roh sein dürfte. Unser Ei wird aufgeschlagen und.... ES IST PERFEKT HARTGEKOCHT!
Wenn das keine Extrapunkte gibt!!!

Vor uns spielt "Tell's Touareg" eine Runde Bällchen werfen und fangen (die vorletzte Aufgabe) und ich denke mir nur "oh je... fangen, werfen... das konnte ich noch nie richtig!"
Jetzt sind wir dran... der erste Ball kommt, und ich lasse ihn FALLEN.
MIST! Na, aber dann... dann hat der Mopedgott wohl ein Einsehen, denn von da an fängt unser Team JEDEN Ball! Wir bekommen nun Lob, wir seien gleichauf mit dem Stammtisch Remms-Murr.
hach, das motiviert! Jetzt noch fix zur Burg!

Ich brause durch das Tor, weil meine Blase bald platzt und Ulli, der nach mir ankommt, meint, wir müssten noch die Unterlagen abgeben.
Ich schaue in den Tankrucksack.
Mr. Frozen-T-Shirt-Contest!
MIST! Wo sind die verdammten Zettel!!! Verloren??? NEIIIIIIIN! Aber dann fällt mir ein, mal in der Innentasche meiner Jacke nachzusehen, und da sind die Zettel. Ulli bietet mir an, die Unterlagen nach vorne zu bringen, damit ich mich endlich erleichtern kann.
Puh! Naja, mehr als der letzte Platz wird das nicht sein, aber egal.
Ich hole mir ein Eis vom Eiswagen, als ich auf einmal lautes Gröhlen aus dem Burghof höre.
Da muss ich hin!


Ulli sagt mir, dass jetzt die Kapitäne ihre Oberköper entblößen müssen und ein gefrorenes Shirt überziehen. Sie hätten Philip geschickt, weil sie mir das nicht zumuten wollten.
HALLO?
Da habe ich ja wirklich was verpasst, während ich am Eiswagen war! Natürlich hätte ich für mein Team diese Aufgabe übernommen! Hätte sicher noch Bonuspunkte gegeben!

Aber jetzt ist Philip dran und schafft es tatsächlich, als Erster das Shirt überzuziehen. Wir gucken noch den anderen Teams zu, gröhlen, feuern an, lachen.

Weil wir sowieso nichts gewonnen haben, gehen wir erstmal Essen holen und warten gespannt auf die Siegerehrung um 20 Uhr.

Im Pokal mit dem Portal ist der Wein gut und fein!
Die Plätze 13 und 14 gehen an uns vorbei... uff... wenigstens nicht LETZTE geworden!
Platz 11, 10, 9, 8... wir sehen uns an und Thomas meint "Wir waren bestimmt die 13, den hab ich nämlich nicht verstanden!"
Platz 7, 6, 5... ich bekomme feuchte Hände.
Platz 4...
"Platz 3 geht an - also wie kann man auf so einen bekloppten Namen kommen! 'Scheiß aufs Pferd!'"
Wir gröhlen, reißen die Arme hoch, ich reiße meinen Pulli hoch, so dass alle die Aufschrift auf meinem T-Shirt lesen können.Mein Team strahlt und wir nehmen unter Applaus und Gegröhle unseren Preis in Empfang.

Mit allem hatten wir gerechnet, aber nicht mit einem Platz auf dem Treppchen!

Nach der Siegerehrung gehen wir zum feiern ins Zelt. Ich trinke sonst nie Bier, aber an diesem Abend sind es dann zwei Bier und ein Radler. Ich kann zwar nicht sagen, was ich scheußlicher finde, aber unser dritter Platz lässt alles vergessen. Der Regen, der aufs Zelt trommelt ist egal. Wir feiern und freuen uns mit den anderen Gewinnern. Morgen ist alles schon wieder vorbei...

29.05.

Der Sonntag begrüßt uns mir Regen. Ich bin schon vor 6 Uhr wach, packe halbherzig und höre dann auch bald Thomas am Zelt herumkruschteln. Wir gehen frühstücken und es macht sich Abschiedsstimmung breit. Im Frühstücksraum warten wir noch den Regenschauer ab, bevor wir uns verabschieden, Telefonnummern tauschen und auf die Mopeds steigen. Ab auf die Autobahn, nach Hause.

Schön war's, ein super organisiertes Event, ich hatte unglaublich viel Spaß, ein tolles Rallye-Team, verrückte lustige Leute kennengelernt (Hallo Arno/MoreBeer!) und bin mit dem Gefühl nach Hause gefahren, dass ich jetzt "richtig" dazugehöre.

Zuhause werde ich jetzt testen, was man zwischen den Zylindern noch kochen kann, vielleicht kann man sich dann im Urlaub das Kochen auf dem Zeltplatz sparen...

*Tja, und jetzt verrate ich Euch, die nicht auf der Burg dabei waren auch, was auf meinem T-Shirt stand:
Scheiß aufs Pferd, echte Prinzen kommen mit dem Motorrad!
SO ISSES!





Montag, 16. Mai 2016

Herz am Montag - Fachwerkherz aus Kirchheimbolanden

Das letzte - endlich sonnige - Wochenende verbrachte ich zusammen mit einem Kollegen vom Freiburger Africa Twin-Stammtisch bei Horizons Unlimited im Pfrimmtal.


Natürlich nutzten wir das wunderbare Wetter auch zu zwei Touren in die Umgebung rund um den Donnersberg, bis rauf nach Bad Kreuznach und wieder runter ins Pfrimmtal.

Da wir an unserem ersten Tourtag nicht so viel Zeit hatten, verschoben wir die Erkundung der Altstadt von Kirchheimbolanden auf den vortragsfreien Samstag.

Viele schöne Fachwerkhäuser und auch Barockgebäude gibt es in dem Städtchen zu erkunden. Von der Barockorgel nebst kleinem Konzert für uns habe ich ja schon berichtet.

In Kirchheimbolanden sieht man noch die eine oder andere Erinnerung an das Gefecht zwischen den Pfälzischen Freischärlern, die unbenachrichtigt von der Räumung der Pfälzischen Legion den Schloßgarten gegen die Preußen verteidigten.
17 Freischärler fielen in dem Kampf.

Den Namen Kirchheimbolanden bekam die Stadt erst im 19. Jahrhundert, da sie ab dem Zeitpunkt den
Herren von Bolanden unterstand.
Davor hieß sie schlicht und ergreifend Kirchheim.

Bei unserem Rundgang habe ich auf einem der Fachwerkhäuser dann dieses Herz entdeckt.

Was für mich bleibt, ist die Erinnerung an ein inspirierendes, ereignisreiches Wochende voller Sonneschein und schönen Eindrücken. Und dass das Motorradfahren in vielerlei Hinsicht mein Herz öffnet.

Mehr Herzen gibt es wie immer am Montag bei den Fredissimas.


Freitag, 13. Mai 2016

Fisch am Freitag - Campingfisch aus dem Pfrimmtal

Ich habe schon Anfang der Woche von unserem schönen Wochenende bei Horizons Unlimited erzählt.
Der Pfälzer Wald ist ein großartiges Motorradrevier, das sich noch näher zu erkunden lohnt. Kleine und kleinste Sträßchen locken, man fährt durch teilweise sehr idyllische, kleine Orte und kann den einen oder anderen interessanten Blick erhaschen. Sowohl Frankreich, als auch die Moselregion sind nicht weit entfernt.

Es war eine tolle Abwechslung zum Schwarzwald und Werner war ebenso erstaunt, wie ich nach meinem ersten Besuch, wie schön und abwechslungsreich diese Gegend doch ist. Für ein verlängertes Wochenende lohnt sich die Anfahrt dort hin auf jeden Fall, auf mehr oder weniger direktem Wege ist man über Land in gut 4 Stunden dort.

Unser Campingplatz "Naturcamping Pfrimmtal" lag mitten in der "Prärie" an einer kleinen Stichstraße, die durch blühende (und stinkende!) Rapsfelder führte. Nachts konnte man einen tollen Sternenhimmel bewundern, da es wenig Lichtverschmutzung gab.

Das Campingareal ist ziemlich großzügig, die Zeltwiese terrassiert und es gibt auch einen Teich auf dem Platz. Zum baden war's natürlich noch viel zu kalt, das Zelten war ja schon grenzwertig gewesen, zumindest in der ersten Nacht.

Aber wo Wasser ist, da sind die Fische meist nicht weit!

Mehr Fisch am Freitag gibt es wie immer bei Andiva.


Montag, 9. Mai 2016

The only impossible journey is the one you never take... Horizons Unlimited Mai 2016

Vor dem Umzug...
Das vergangene verlängerte Wochenende schrie mit Blick auf das vorhergesagte schöne Wetter geradezu nach einer kleinen Reise.

Eigentlich hatte ich das französische Jura im Blick, bis ich am Dienstagabend eine Nachricht auf meiner Mailbox hatte.

Werner, einer meiner Stammtisch"jungs" fragte an, ob ich nicht mit in die Pfalz wollte zu "Horizons Unlimited".

Der Name des Treffens und die Seite waren mir schon mehrfach untergekommen, als inzwischen passionierte Motorradreisende mit Blick auf "Größeres" (dazu später) landet man früher oder später auf den einschlägigen Seiten.

Langer Rede kurzer Sinn, ich habe spontan meine Pläne über Bord geworfen und zugesagt. Das Programm klang interessant, andere Reisende zu treffen, endlich "anzuzelten" und ein Wochenende mit einem anderen AT-Fahrer verbringen, da muss ich nicht lange nachdenken! Dienstagabend koordinierten wir uns noch kurz, Mittwoch kramte ich meine Karten hervor, plante die Strecke, warf alles in die Packtaschen und freute mich.

Donnerstag

Nach dem Umzug!
Donnerstagmorgen trafen wir uns erst einmal bei Werner, frühstückten zusammen, das  Zebra  wurde fertig gepackt und dann ging es los, über den Rhein. Beim ersten Stopp nach ca. 1,5 Stunden Fahrt auf einem Parkplatz irgendwo in Frankreich meinte Werner, ich sei ja ganz gemütlich unterwegs...

hm ja, hatte er nicht gesagt, er wollte sich noch etwas einfahren...? Na warte, Werner... :-)

Bis über die Grenze und nach Bad Bergzabern brachte ich uns problemlos, dann durfte Herr Navigationsgerät eingreifen, da ich die geplante Straße irgendwie nicht fand - nachher waren wir dann doch schon auf der richtigen... aber gut... Der Weg ist das Ziel und so...

Analognavi an Analogmoped
Es ging nun munter und ohne große Zwischenstopps weiter nach Sippersfeld ins Pfrimmtal. Als wir gegen 17 Uhr den Campingplatz erreichten, war es dort schon ziemlich voll.

Die ersten Minichallenge wartete auch auf mich, nämlich grob geschotterte Wege. Naja, geradeaus, eben und so kein Thema, aber hier ging es ein kurzes Stück steil runter, um eine recht enge Kurve und noch dazu war der Weg ausgefahren. Nach einem kurzen Durchschnaufmoment fuhr ich erst ein Stück in die Wiese und dann um die Ecke. Mich hier gleich hinzulegen, das wollte ich dann doch nicht.

Wie oft gilt: Das Problem sitzt fast immer AUF dem Motorrad! Conchita kann das, sie wurde dafür ja gemacht.

Unser erster Schlafplatz war nicht so toll , wir hatten zwar einen Sanitärtrakt gleich gegenüber, neben uns war aber auch das Lagerfeuer. Wir stellten die Mopeds ab und die Zelte auf.

Da wir noch nicht registriert waren, gingen wir ins das Zelt, in dem später Workshops stattfanden und wo man sich Tag und Nacht Kaffee oder Tee kochen konnte, leider war niemand da. Wir drehten eine Runde über den Platz, schauten uns die Mopeds und Kennzeichen an (weitestes nördlich: Schweden) und beschlossen, erst einmal Essen zu gehen. Mir war
E
Ein Bett im Rapsfeld... ne, stinkt zu sehr!
das Rumgeschleppe von Kochuntensilien für das Wochenende zu blöd gewesen, Kocher und Co waren zuhause geblieben.

Werner hatte seinen Benzinkocher und seine Espressokanne dabei, was die Morgen verschönte. Ich hatte nicht mal eine Tasse mitgenommen, aber meine Wasserflasche leistet auch als Kaffeetasse hervorragende Dienste. Improvisation ist alles!

Beim Restaurant angekommen, herrschte ziemlicher Betrieb... nein, es herrschte pures Chaos! Man hatte 30 Anmeldungen für das Buffett bekommen, 80 Leute waren erschienen, Essen á la carte war gecancelt... Ein nettes Paar aus Wien, an dessen Tisch wir uns dazu setzten, wartete schon sehr lange auf sein Essen.
Werner und ich konnte uns am Salatbuffett bedienen und um 20 Uhr ging es auf zum ersten Vortrag.

Altstadt Kirchheimbolanden
Als ich Mittwoch meine Sachen packte, hatte ich noch überlegt, welche Jacke ich mitnehmen würde. Die Softshelljacke schied aus Volumengründen aus, ich hatte stattdessen meine Daunenjacke eingepackt. Das fand ich Mittwoch fast übertrieben, nach dem Motto "jeder wird dich auslachen mit dem fetten Ding!" In der Scheune wurde es langsam aber sicher immer kälter, schließlich ist es erst Anfang Mai und die letzten Wochen haben sich nicht gerade durch Sommerwetter hervorgetan. Ja, also die Jacke war goldrichtig!

Wir lauschten den Vorträgen von Heike und Filippo, die sich auf dem HU Treffen kennengelernt hatten und 24 Monate um die Welt unterwegs waren. Der Vortrag war wirklich schön, und wir bewunderten nicht  nur die schönen Bilder, sondern auch Filippos Improvisationstalent bei Motorradpannen. Wer weiß schon, dass die Wasserpumpe einer Waschmaschine nach entsprechender Umrüstung auch im Motorrad gute Dienste leistet?

Danach folgte ein Reisebereicht von Nord- nach Südamerika, den Namen des Herrn habe ich leider vergessen. Die Fotos waren sehr schön, insgesamt fanden wir den Reisenden nicht so sympathisch. Mir persönlich war's eine Spur zu weltmännisch und zu sehr "been there, seen that, done that, know it all..."

Gegen 22 Uhr gingen wir dann zu unseren Zelten. Das Feuer brannte schon und versprach keine allzu
ruhige Nacht. Ich habe mir zwar inzwischen angewöhnt, mit Oropax zu schlafen, aber man hört ja trotzdem was durch.

Für mich war die Geräuschkulisse allerdings weniger das Problem. Es war einfach ARSCHKALT! Mein Schlafsack - angeblich bis -5 Grad geeignet - war schon warm, ich trug einige Schichten Merinoklamotten (übrigens eine wirklich gute Investition!) und zwei Paar Socken, aber sobald ich mich auf die Seite drehte, wurde es am Rücken kalt. Irgendwann beschloss ich, dass ich nicht die Heldin spielen muss, angelte meine Daunenjacke aus der Ecke und packte sie mir in den Rücken. Das war schon besser.

Freitag

Mit gefühlten 3 Stunden Schlaf kroch ich am Morgen aus dem Schlafsack. Die heiße Dusche war eine echte Wohltat und die Nachttemperaturen ein allgemeines Thema in der Frauendusche. Ein Tipp kam von Islandreisenden, die meinten, sie hätten sich Babywärmflaschen gekauft und abends in den Schlafsack gepackt. Für mich war das jetzt auch ein Test für den Sommerurlaub, denn ich will ja nach Norwegen... und vermutlich kaufe ich mir trotz allem noch einen Daunenschlafsack und ein Seideninlett.

Nicht ist übler, als nachts von der Kälte geweckt zu werden!
Aber nichts ist auch schöner, als morgens im Zelt von der Sonne geweckt zu werden!

Als ich von der Dusche zurückkam, kochte Werner uns Kaffee, ich hatte Brötchen besorgt, die Werner uns mit Marmelade und Nutella in Ermangelung von anderen Dingen bestrichen hatte. Wir beschlossen - nachdem sowohl unsere Mopeds, als auch die Zelte mit Flugasche bedeckt waren - umzuziehen.

Das Wetter war herrlich, sonnig, warm und wir machten uns für eine kleine Tour fertig. Zum Einen sollte es einen neuen Schlafsack für Werner geben und zum Anderen wollten wir die Gegend etwas erkunden. Werner hatte die letzte Nacht elend gefroren, er hatte nur einen ganz dünnen Sommerschlafsack dabei und in seinen Klamotten geschlafen.

Also fuhren wir auf gut Glück nach Winnweiler zu einem Discounter, der gerade welche im Angebot hatte. Danach ging es nach Kirchheimbolanden auf kleinen Straßen rund um den Donnersberg. Ein wenig hatte ich das Gebiet im letzten Jahr schon mit Frau zuse und den Fredissimas erkunden können. Die Gastgeber unseres letzten Fred-Treffens wohnen ca. 20 km entfernt vom unserem Campingplatz. Leider war bei unserem spontanen ersten Besuch niemand zuhause, so dass wir weiterfuhren. In Kirchheimbolanden entdeckten wir zufällig direkt neben unserem Parkplatz ein sehr schönes Café mit eigener Rösterei. Werner sprach unsere Nachbarn an, wofür der Ort bekannt sei und wir bekamen u. a. erzählt, dass sich in einer Barokkirche eine Orgel befinden würde, auf der bereits Mozart gespielt hat.

Da die ersten Vorträge bereits am frühen Nachmittag starten würden, hatten wir keine Zeit mehr für einen Stadtrundgang, wollten das aber am nächsten Tag nachholen.

Während ich auf dem Workshop von Filippo zum Thema "Elektrikprobleme lösen" war, schaffte Werner sein Zelt und Motorrad eine Etage tiefer.
Ich lauschte mit Begeisterung und Interesse, einige Dinge wusste ich schon, andere noch nicht.

Wir bekamen gezeigt, wie man mit Hilfe einer Prüflampe fehlerhafte Stellen im Kabelbaum finden kann, den Anlasser überbrückt und noch einige andere Dinge. Ich bin ja technikbegeistert, aber in vielen Bereichen fehlt mir einfach das Wissen und Können.

Nach dem Workshop brachte ich mein Zelt ebenfalls nach unten. Als ich Conchita umparken wollte, sprach mit ein anderer AT-Fahrer aus dem Bodenseeraum an. Wir fachsimpelten über die  typischen Fehler und Probleme der AT, wie Benzinpumpe und Regler und ich brachte Conchita danach neben Werners Zebra.

Original Spieltisch der Barockorgel
Abends gab es dann weitere Vorträge. Hier hat uns besonders der Vortrag von Hartmut gefallen, der im Vorruhestand überlegt hat, was er denn nun mit der vielen Zeit anfangen soll. Daraufhin hat er sich sein Motorrad geschnappt und war damit erst in Südamerika unterwegs. Die zweite Reise über 1,5 Jahre hat ihn von Köln nach Tokyo gebracht. Sehr schön zu sehen war, wie jemand ohne irgendwelche Fremdsprachenkenntnisse einfach loszieht, überall Hilfe und Unterstützung findet. Ich denke, wir Deutschen neigen dazu, alles bis ins Detail planen zu wollen, uns auf alles vorzubereiten, um dann möglichst "perfekt" gerüstet losziehen zu können.

Natürlich - eine gewisse Vorbereitung ist für das Reisen in weiter entfernte, exotische oder "gefährliche" Gebiete notwendig. Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich aber auch nur sagen: erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Mit Hartmut haben wir am Samstagabend noch ein wenig geplaudert und fanden ihn beide total klasse, ein ganz normaler Mensch, ohne Allüren und weltmännisches Gehabe. Interessant war auch, dass er erst einmal nicht mehr reisen möchte. Er meinte, er sei vor der Reise hungrig gewesen und jetzt erst einmal satt.

Für mich unruhigen Geist ist dieser Zustand derzeit noch nicht denkbar oder erreicht. Ich stehe gefühlt
Detail an der Schwanen-Apotheke
noch am absoluten Anfang meiner Reisekarriere und kann nur sagen, dass ich umso mehr reisen will, je mehr ich auf Achse bin. Klar, am Ende einer Reise wieder ein gescheites Bett zu haben, in der gewohnten Umgebung zu sein, seine Freunde wiederzusehen, das ist schön. Und man lernt auch das eigene Zuhause ganz anders zu schätzen.

Ich habe gemerkt, dass das Motorradfahren und vor allem das Reisen mit dem Motorrad mich verändert, dass es mich dazu bewegt, meine Grenzen weiter auszutesten, einmal ganz davon abgesehen ist es ein Gefühl der unendlichen Freiheit und jemandem, der nicht selbst fährt ist das so praktisch nicht zu vermitteln.

Der letzte Vortrag am Freitag war von Sjaak Lucassen, einem Niederländer, der mit "unmöglichen" Motorrädern um die Welt reist. Sjaak hatten wir schon am Donnerstag vor seinem Transporter gesehen, wo man auch seine Motorräder bewundern konnte. Ja, nicht jeder, der reist, fährt auch ein Reisemotorrad. Für Sjaak ist nicht das "richtige Motorrad für die Reise" wichtig, sondern "das richtige Motorrad fürs Herz" und das ist in seinem Fall ein Motorrad vom Typ Supersportler. Supersportler wurden ja eigentlich dafür gebaut, besonders schnell über möglichst gute Straßen zu heizen. Nun, Sjaak zeigte, dass man damit sowohl durch die Wüste, als auch durch übelste Schlammlöcher, oder bei extremen Straßenbedingungen fahren kann. Wir waren fasziniert davon, was so ein Motorrad alles aushält. Darüber hinaus hat Sjaak einen absolut trockenen Humor. Nach Sjaaks Vortrag ging es wieder ins Zelt, zu einer diesmal ruhigeren und vor allem nicht ganz so kalten Nacht.

Samstag

Für den Samstag stand bei HU "Ride out" auf dem Plan, wir schlossen uns aber keiner geführten Tour an, sondern machten unsere eigene. Wie schon tags zuvor beschlossen, sollte die erste Station Kirchheimbolanden sein. Nach dem Cafébesuch machten wir einen kleinen Stadtspaziergang und fanden - neben einem Bronze-Wildschwein und diversen hübschen Fachwerkgebäuden auch die Kirche mit der Mozartorgel.

Da es draußen schon ziemlich warm geworden war, waren wir ganz glücklich über die kühle Kirche. Werner meinte zu mir, dass es doch toll wäre, wenn jetzt noch jemand auf der Orgel spielen würde. Zufällig waren eine junge Frau und ihr Partner in der Kirche. Sie zeigte uns dann den Aufgang zu einem Raum, in dem der originale Spieltisch der Orgel steht, auf dem auch W. A. Mozart gespielt hat. Und dann kamen wir noch in den Genuss eines kleinen Konzerts. Der junge Mann probte offenbar für ein Konzert und wir waren wohl gerade im richtigen Moment gekommen, denn nachdem wir die Kirche verließen, haben sie die Tür abgeschlossen.

Nach dieser Station brachte ich uns bis nach Bad Kreuznach, wo wir uns mit einem Falaffel stärkten und eine Erfrischungs-und Trinkpause einlegten. Auf dem Rückweg schauten wir dann noch - leider nur kurz - bei Frau Goldmarie in Potzbach vorbei und machten uns dann auf den Weg zurück zum Camping.
Sjaak berichtete noch einmal, diesmal von seiner geplanten Tour zum Nordpol, wir vertraten uns danach noch etwas die Beine, quatschten mit Hartmut und gingen dann zu unseren Zelten.

Sonntag

Am Sonntag gingen wir es ganz ruhig an. Erst einmal in Ruhe frühstücken, packen, quatschen. Gegen Mittag machten wir uns auf den Rückweg.

Den Elefanten zum Gärtner machen...
Werner stoppte mich in Enkenbach-Alsenborn an einem Kreisverkehr. Dort war ihm auf dem Hinweg ein riesiger Elefant aufgefallen, den ich nicht gesehen hatte. Wenn ich allein fahre, sehe ich offenbar mehr, diesmal war ich so konzentiert auf die Strecke, dass mir diese riesige Skulptur gar nicht aufgefallen war. Sie zeigt Sam, den pflügenden Elefanten.

Sam war wohl zusammen mit einem Artgenossen in einem 1917 gastierenden Zirkus in den Ort gekommen. Da man gerade keine anderen Tiere zum pflügen zur Hand hatte, sollte der Elefant erst den Garten beackern, später das Feld. So ganz unproblematisch lief es wohl nicht ab. Leider haben die beiden Elefanten kein glückliches Ende genommen, sie sind bedingt durch die Nahrungsmitelknappheit verhungert.

Der Heimweg nach Freiburg brachte uns noch durch herrliche Ecken. Die B48, die in Richtung Bad Bergzabern und zur deutsch-französischen Grenze führt, ist wunderschön. Leider schmälerten einige Sonntagsfahrer und diverse Geschwindigkeitsbeschränkungen das Kurvenvergnügen etwas. Es lohnt sich mit Sicherheit, diese Ecke noch ein wenig mehr zu erkunden. Die Straßen um den Donnersberg z. B. waren großartig zu fahren und größtenteils völlig leer und das an einem sonnigen Feiertagswochenende!

Als Abschluss unseres gemeinsamen Wochenendes führte Werner mich noch nach Erstein ins Museum Würth. Derzeit ist dort eine Ausstellung mit Werken von Botero. Darüber werde ich dann aber in einem anderen Kontext gesondert berichten.

Die wichtigsten Botschaften aus dem Wochenende waren für mich, dass Motorradfahren ein Hobby ist, das Menschen aus aller Welt miteinander verbindet und sie zusammenbringt. Außerdem sollte man nicht zuviel planen und denken, sondern lieber machen. Und genau das werde ich tun.

In der zweiten Jahreshälfte steht für mich die Planung für 2018 an.
Ich werde dann 2 Monate wahrscheinlich mit Conchita durch Kanada reisen.

P. S: Werner meinte nach dem zweiten Tag, dass ich rase...