Dienstag, 19. Januar 2016

Vorsätze fürs neue Jahr? Keine!

Dieses Jahr habe ich absolut keine Vorsätze für das neue Jahr.
Gut, zugegebenermaßen gibt es Projekte, Reiseziele, neue Dinge zu probieren, neue Menschen zu treffen. Aber Vorsätze? Vielleicht eher ein Motto: Immer in Bewegung bleiben, geistig, körperlich, sozial...

Das Jahr hat schon großartig begonnen, ich habe mir eine Norwegenreise gegönnt und das Jahr feiernd und tanzend angefangen.

In meiner zweiten freien Woche habe ich eine Kunstausstellung in Karlsruhe besucht und die weiteren Tage damit verbracht, zu lesen ("Das Geisterhaus" auf Spanisch), mich mit Freunden zu treffen,  Kleinigkeiten in der Wohnung zu richten (Puschelteppich im Flur) und ins Kino zu gehen.

Die Ausstellung im ZKM hat mich ziemlich berührt und zum nachdenken gebracht.

Ein Teil (Exo-Evolution) beschäftigt sich mit den Themen Genetik, Gentechnik, Genmanipulation und
auch mit Umweltverschmutzung, in einem weiteren ging es um Datensicherheit, Digitalisierung und Überwachung.

An einer Wand waren wichtige Stationen von der Entdeckung der Vererbungslehre von Mendel bis zur heutigen Gentechnik dargestellt. Parallel dazu verliefen Stränge, bei denen es um den Einsatz der Genetik bei der Zuchtauswahl von Milchkühen am Beispiel von finnischem Milchvieh ging.

Damit einher geht auch das Thema des Verlusts der genetischen Diversität, denn die dominante Hochleistungsmilchviehrasse ist das Holsteinische Rind. Vielleicht ist Euch auch schon aufgefallen, dass die meisten Kühe heute schwarz-weiß gefleckt sind. In meiner Kindheit war das noch anders, da konnte man grob sagen: Norddeutschland schwarz-weiße Kühe, Süddeutschland braune.

Natürlich gab es auch Referenzen zur Eugenik. Wer dachte, dass nur Deutschland in diesem Bereich Dreck am Stecken hatte, wurde eines besseren belehrt. In einigen Ländern Skandinaviens gab es ebenfalls Bestrebungen zur "Reinhaltung" des Volkes durch die Sterilisation von Menschen mit Erbkrankheiten.

"[...] andere skandinavische Staaten folgten in den kommenden Jahren dem 1929 gegebenen Vorbild Dänemarks: Ähnliche eugenische Sterilisationsgesetze traten in Schweden und Norwegen (1934), Finnland (1935), Lettland (1937) und Island (1938) in Kraft. Gerade in den „klassischen“ sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaaten Skandinaviens überlebten diese Gesetze nach dem Krieg. [...] Dort wurden erst in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Sterilisationsgesetze der zwanziger und dreißiger Jahre abgeschafft.
[...] Man muss allerdings[...] berücksichtigen, dass in Schweden nach 1950 der Anteil der freiwilligen Sterilisationen aus medizinischer Indikation stark anstieg, während eugenisch indizierte Unfruchtbarmachungen zurückgingen." Quelle: Wikipedia
Was mich ein bisschen gruseln ließ war, dass es eine Firma gibt, die Ziegen genetisch so manipuliert hat, dass man aus ihrer Milch Spinnenseide herstellen kann.

Weitere Exponate, die mich besonders angesprochen haben waren "Lebewesen der Plastophäre", die in großen Gläser á la Anatomisches Institut ausgestellt waren. Hier hatte sich eine Künstlerin damit beschäftigt, fiktive Wesen, die sich von Plastik ernähren, zu erfinden. Ebenfalls interessant ein Exponat zum Thema "Überwachung".

Hier erhielt eine Petrischale mit Algen dann Licht, wenn man in irgendeiner Form mit einer Gesichtserkennungs-Software interagierte. So befand man sich in einer Art "moralischem Dilemma" zwischen "töten" oder "bei der Überwachung mitmachen". Natürlich haben mich auch diverse interaktive und kinetische Exponate begeistert, z. B. der von mir über alles geliebte "Reactable", mit dem man eine Videoinstallation steuern konnte, oder eine Projektionswand, auf der man selbst als eine Art geklonter Schatten erschien und sich je nach Abstand wieder auflöste. Nach vier Stunden drohte mir allerdings der Schädel zu platzen, meine Aufnahmekapazitäten waren am Limit.

Im Kino habe ich mir "Das brandneue Testament" von Jaco van Dormael angeschaut. Als ich das Plakat
das erste Mal sah, dachte ich mir "Was ist denn das für ein Quatsch?", einige Tage las ich dann die Filmkritik und dachte "den musst Du sehen!". Gott ist ein fieser, kettenrauchender Tyrann, der in Brüssel lebt und neben J. C. eine Tochter namens Ea und eine Frau hat. Er tyrannisiert seine Familie genauso, wie er die Menschen tyrannisiert, indem er z. B. Gebote zum Thema "Marmeladenbrot" (fällt immer mit der Marmeladenseite nach unten!), "Kassenschlange" (Deine ist IMMER die langsame!) oder "Liebe" (die Frau, die Du liebst, wird NIE bei Dir bleiben!) erfindet und auch sonst einfach nur ein Ekelpaket ist, das Frau und Tochter schlägt und mies behandelt.

Tochter Ea hackt eines Tages Papas Computer, gibt die Sterbedaten der Menschen preis und haut ab. Auf der Suche nach 6 weiteren Evangelisten lernt sie eine Menge mehr oder weniger schräger Vögel kennen, vermittelt die richtigen Partner und lernt eine Menge über die Menschen. Selbstverständlich versucht Gott ihr zu folgen und all das zu verhindern, doch leider leider... bekommt er am Ende eine gerechte Strafe. Mehr will ich nicht verraten, schaut ihn selbst an! Was mich an diesem Film besonders berührt hat, war die Sache mit den Todesdaten. Was würdet ihr tun, wenn ihr euere genaue verbleibende Lebenszeit kennen würdet?

Da ich zur Zeit mit der Straßenbahn fahre, habe ich zufällig ein Veranstaltungsplakat für "Art's Birthday" im E-Werk entdeckt, das an einer Haltestelle hing. Dort war ich am vergangen Samstag zusammen mit Frau zuse und einer anderen Freundin. Die Veranstaltung bestand aus verschiedenen, kleinen Events, die verteilt im Haus stattfanden.

Zu Beginn war es recht leer, aber im Lauf des Abends konnte man kaum noch treten. Wir schauten uns "Tschäng-in-the-box" an, danach gingen wir zu den "Glöcknern". Die Performance der beiden hat uns alle drei extrem begeistert. Nicht nur war es ein klangliches Erlebnis, sondern auch die Freude und Energie der Glöckner rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Wir sahen uns danach die Show einer "Uteruskünstlerin" mit einem sehr beeindruckenden Kostüm featuring Eileiter an und gingen danach zu einem Iraner, dessen Musik auf der Laute elektronisch verfremdet wurde. Danach brauchten wir erst einmal eine Pause und setzten uns in die Bar, wo wir dann bis 22.50 Uhr auf den Konzertbeginn von "Mouse on Mars" warteten.


Das ist sicherlich eine Musik, die ich niemals als "Konserve" anhören werde. Live war es jedoch beeindruckend und je länger das Konzert dauerte, desto tranciger und tanzbarer wurde die Musik. Gegen 0.30 Uhr ging es dann müde, aber glücklich nach Hause.

Ich habe gemerkt, wie gut mir diese ganzen Aktivitäten tun und werde den Winter über weiterhin die Augen offen halten. Zeit, mal wieder andere Testballons zu starten und mich wieder mehr unters Volk zu mischen!
 


Montag, 18. Januar 2016

Herz am Montag - Ein Herz für den Winter

Seit meinem Norwegenurlaub habe ich mich in den Winter verliebt.

Ich fnde ihn schön! Die Kälte, der Schnee... ok, nicht morgens, wenn ich Schneedienst habe.

Seit zwei Jahren gönne ich mir im Winter eine Monatskarte und der Kampf mit dem Fahrrad durch Schnee, Eis und Kälte ist Geschichte.
Vielleicht hat mich das versöhnt?

Heute gegen Mittag schaute die Sonne plötzlich hervor, so dass ich mich nach draußen auf den Weg machte. Leider war in den Bergen selbst schlechtes Wetter, die Skier müssen also noch etwas warten.

Einige hundert Meter später fing es erst an zu grieseln, dann heftig zu schneien. Nun, weiter oder zurück? Ich entschied für weiter und wurde reich belohnt. Aus dem Wald gekommen, zeigte sich langsam die Sonne durch die grauen Wolken.

Ich lief und lief...

An einer Kreuzung stand dann dieses Häuschen und darauf gemalt ein Herz.

Wie schön und passend!

Weitere Herzen gibt's wie immer bei den Fredissimas.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Langlaufurlaub in Norwegen - Teil 2

28.12.2015 Skikurs Teil 1

Morgenstimmung bei -17 Grad
Heute sollte es auf die Loipe gehen. Ich habe vor ziemlich genau 4 Jahren schon mal einen Langlaufkurs gemacht und damals schon beschlossen, dass das keine einmalige Sache sein sollte. Leider kam mir dann die Ischiasgeschichte dazwischen und ich konnte mehrere Jahre keine längeren Strecken humpelfrei laufen, geschweige denn, mich vom Boden abstoßen, springen oder rennen. Das ist jetzt halbwegs im Griff, also wollte ich mein Glück versuchen. Da der Schnee im Schwarzwald ausgeblieben war, konnte ich meine Ausrüstung nicht testen, was sich als nicht so ideal herausstellte.

Erstmal ging es gemütlich los. Bei -17 Grad, Sonnenschein und Knirscheschnee steigt die Stimmung schon von ganz allein. Da mein Kurs erst gegen 11 Uhr beginnen sollte, hatte ich noch genug Zeit, ein paar Fotos zu schießen und mich über die wunderbare Schnee- und Winterstimmung zu freuen. Hier gefällt es mir!

Gegen 11 Uhr versammelten sich die Anfänger dann an der Skihütte und es ging zur Loipe. Die Loipen fangen wirklich direkt hinter den Hütten an, man kann also quasi vom Frühstückstisch in den Schnee.

Unter Werners kundiger Anleitung lernten wir erst einmal das richtige Fallen und Aufstehen mit den Skier an den Füßen. Werners gregor-samsaeske Performance war großartig, wie ein Käfer lag er auf dem Rücken mit den Skiern in der Luft. So sollten wir es ihm der Reihe nach auch nachmachen. Gut, Schnee ist weich, hinfallen nicht so schlimm, aufstehen schon eine andere Geschichte. Wir lernten, wie wir uns günstig positionieren, damit die Skier nicht gleich wieder davonrutschen. Danach ging es mit einem Ski am Fuß in eine Loipenspur zum "Rollerfahren". Hier fühlte es sich schon nicht so toll an mit dem Bein und auch der Ski war irgendwie störrisch, aber gut, probieren wir weiter. Bald durften wir mit zwei Skier an den Füßen laufen, aber ohne Stöcke. tja... vor 4 Jahren ging das irgendwie besser... probieren wir es mit den Stöcken... hm.... auch nicht toll...

Bald durften wir eine etwas längere Strecke laufen und sollten das Abfahren und ein wenig das Bremsen probieren. Auch hier habe ich mich nicht mit Ruhm bekleckert, es lief einfach nicht gut. Aber egal, Spaß macht es trotzdem und man schwitzt ganz ordentlich, denn jeden Hang, den es runtergeht, darf man nachher aus eigener Kraft wieder hochlaufen. Die Techniken waren mir noch aus dem letzten Kurs vertraut, bremsen ging auch, den Schneepflug kenne ich vom Abfahrtslauf und das Aussteigen aus der Loipe vom letzten Kurs. Es ging alles, zwar etwas wackelig, aber trotzdem.

Nach 2 Stunden entließ uns Werner in die Mittagspause, er meinte noch weise, dass wir uns ausruhen sollten. Wir waren alle hochmotiviert, aber in der Hütte angekommen, merkte ich doch, dass ich mich ganz schon verausgabt hatte. In der trockenen Luft sollte man genug trinken und auch nicht unterschätzen, dass man ganz schön viel Energie verbraucht.

Am frühen Nachmittag ging es nochmal für eine Stunde auf die Loipe und alle jammerten leicht, dass sie doch etwas ko seien. Sobald wir aber auf der Loipe standen, war das gleich wieder vergessen. Werner hatte es einfach drauf, uns zu motivieren und es machte einen Riesenspaß, auch wenn man ab und zu im Schnee landete. Beim Einsetzen der Dämmerung machten wir uns auf den Weg zurück zu unseren Hütten, die Mägen knurrten jetzt auch hörbar.

Meine Mitbewohner trudelten der Reihe nach ein, zwei wollten in die Sauna. Da ich immer noch ziemlich erkältet war, habe ich das ausgelassen und mich mit Martin unterhalten, der Marathons läuft und unter anderem beim New York Marathon dabei war. Irgendwann war Essenszeit, d.h. kochen mit Corinna und Ulrich, Martin aß in der Fjellstue. Wie schon am Abend zuvor amüsierten wir uns prächtig, tauschten uns über Kunst, Musik und Literatur aus, erzählten Schwänke aus dem Leben und hatten eine Menge Spaß.

Die Vorratsbeschaffung und das "Einkaufen" waren hervorragend organisiert. Am ersten Tag erhielt jede Hütte eine Kiste mit Grundnahrungsmitteln, dazu gab es noch einen "Einkaufszettel", auf dem wir eintragen konnten, was wir sonst noch brauchen. Kiste und Zettel mussten wir dann gegen 16 Uhr abgeben und konnten sie später gefüllt wieder abholen. Auch für Vegetarier oder Allergiker war bestens gesorgt mit glutenfreiem Brot, Sojamilch usw.

Nach einem schönen Skitag und einem entspannten Abend ging es dann irgendwann ins Bett. Ich war immer noch verschnupft und hustete, Corinna hatte aber Ohrstöpsel und ich störte sie nicht allzu sehr. Die Ruhe dort war auch unglaublich. Es gibt zwar eine Straße in der Nähe, aber da fährt gefühlt alle 3 Stunden mal ein Auto durch, ansonsten: Stille!

 29.12.2015 Skikurs Teil 2

Üver Nacht war es etwas wärmer geworden und hatte auch leicht geschneit. Dafür war es heute trüb und die Luft feucht, so dass man von den umliegenden Bergen wenig bis gar nichts sah. Dazu wehte ein leichter Wind, der weiter oben wohl durchaus unangenehm war.

Nach einem gemütlichen Frühstück ging es für mich heute um kurz nach 10 auf die Loipe. Wir bekamen noch ein bisschen Theorie zum Thema Wachsen und dann ging es los. Ich hinkte der Gruppe hinterher und fand es schon etwas frustig, dass ich so langsam bin und nie recht ins Tempo reinkomme. Das hatte ich alles anders in Erinnerung...

Heute durften wir weiter fahren und so langsam aber sicher steigerte sich auch der Anspruch der Loipe.

Wir wurden erst an ein nicht ganz so steiles Stück geführt, wo nochmals bremsen und abfahren geübt wurde. Gegen Mittag waren alle schon einigermaßen müde und jeder um die Mittagspause froh, die heute aber auch kürzer ausfiel. Ich hätte mich in der Hütte am liebsten hingelegt, aber das wäre keine gute Idee gewesen, man kommt danach so schlecht wieder hoch...

Martin war noch in der Hütte und wir quatschten ein bisschen über Langlauf und Erfahrungen in der Natur, Norwegen und alle möglichen anderen Themen. Danach ging es für mich weiter. Das Wetter war noch etwas schlechter geworden, es grieselte vor sich hin. Wir wurden von Werner jetzt zu einem steileren Hang gescheucht, wo wir von ganz oben runterfahren und bremsen sollten. Das ging dann doch recht gut, was mich zu dem Spruch verleitete, dass
ich nur runterfahren und bremsen kann, nicht aber in der Ebene laufen. Werners Schneepflugvariation, bei der man den Ski mal nach links und mal nach rechts steuerte, war jedenfalls kein Thema für mich.

Am Ende überlegte ich sogar, ob ich nicht doch nochmal auch Abfahrtslauf versuche, weil das runterfahren so viel Spaß machte. Gegen Ende der Lektion schwanden dann doch bei allen langsam die Kräfte, Werner hatte uns gefühlte 50 Mal rauf- und runterlaufen lassen. So langsam wurde es dämmerig und wir traten den Heimweg an. Es ist ganz schön anstrengend, in dem Dämmerlicht die Loipe zu sehen!

Müde, aber glücklich ging es zurück in die Hütten, wo wir am gemeinsamen Abendprogramm packten. Corinna hatte heute den Ofen angemacht, es wurde aber rasch viel zu warm, so dass wir die Fenster und die Terrassentür aufrissen. Die Jungs waren heute später dran bzw. in der Sauna, was sie später zu der Annahme verleitete, wir hätten nur über Männer geredet. NIIIIEEEEEEEMAAAAALSSSSSS! Nach einem weiteren entspannten und lustigen Abend ging es irgendwann gegen Mitternacht ins Bett.

Wenn es so früh dunkel wird, verliert man ganz schnell jegliches Zeitgefühl. Gerade am nachmittag hat  man oft den Eindruck, dass es schon viel später sein müsste, während der Abend nach dem Abendessen dann irgendwie furchtbar schnell vorbei ist. Das Schöne an der Dunkelheit ist, dass man recht viel Zeit kommunikativ verbringt. Umso schöner ist es, wenn man sich mit der restlichen "Besatzung" so gut versteht. Am ersten Abend war ich etwas ko nach so viel ungewohnter Interaktion, aber gegen Ende von meinem Urlaub schaute ich mit Wehmut auf den Abschied von meiner "WG".

30.12.2015 Minitour nach Kamben


Meine Mitschüler im Skikurs und meine Hütten-WG hatte mich bearbeitet, dass ich doch mit der
Kambenhotel
Anfängertour mitgehen sollte. Ich wollte ja nicht, weil ich eben immer hinterherhinkte. Aber gut, mussten sie mich eben heute ertragen...

Es ging gemütlich los und wir bewegten uns auf den Loipen, die wir schon vom Kurs her kannten. Heute sollte es aber auch über den Übungshügel rüber gehen. Werner warnte uns schon vor, dass die Loipe in einigen Teilen mehr oder weniger vereist sein würde und auch nicht einfach zu gehen. Im Zweifelsfall sollten wir abschnallen und laufen. Nein! Ich würde den Hügel runterfahren und zwar ohne Sturz!

Mit etwas Gewackel schaffte ich es auch, allerdings war das nächste Stück, das sehr wellig und teilweise auch eisig war, dann doch eher zum "abschnallen", die meisten von uns schulterten die Skier, denn man durfte beim fahren nicht steckenbleiben und das ging nur, wenn man entsprechend Schwung hatte, was wiederum nicht so einfach war, wenn der Schnee stoppte, oder die Skier unkontrolliert über das Eis flutschten. Dann lieber laufen!

Es ist übrigens keine "Schande", an schwierigen Stellen abzuschnallen und zu Fuß rauf- oder
runterzulaufen. Die schmalen Langlaufskier haben keine Stahlkanten wie Abfahrtsskier und sind bei Eis oder anderen schwierigen Verhältnissen nicht so einfach zu kontrollieren, und wenn man Anfänger ist schon gar nicht. Also runter damit!

Nach einer guten Stunde kamen wir im Kambenhotel an. Leider habe ich von innen keine Fotos gemacht, denn die Deko hier war echt toll! Überall Omamöbel, plüschige Sessel, Trollfiguren, Bilder mit Trollen an der Wand... wirklich urgemütlich!

Eine Sache, die mir auch gut gefallen hat ist, dass man beim betreten von Häusern oder Hütten immer die
Schuhe auszieht, so dass kein Matsch und Modder ins Haus geschleppt wird. In Kamben stand im Eingang gleich noch eine große Truhe mit Pantoffeln, so dass man keine kalte Füße bekam und sich gleich ein bisschen wie "zuhause" gefühlt hat. Mit einer heißen Schokolade bewaffnet saßen wir im Aufenthaltsraum, genossen die Aussicht, unterhielten uns und freuten uns darüber, dass es zu schneien begann. Nach einer guten halben Stunde Pause ging es dann auf dem gleichen Weg wieder zurück, den wir gekommen waren. Immerhin ein Lob bekam ich von einer Mitläuferin, sie meinte, ich sei technisch total gut, aber eben langsam. Ja. Seufz.

Zuhause angekommen hatte ich ein wenig Zeit allein und schaffte es, immerhin ein paar Seiten zu lesen. Ich hatte mir vier Bücher auf den Reader geladen, aber am Ende vom Urlaub war kein einziges durchgelesen. Wir hatten ja immer eine Menge zu quatschen und bald trudelte die restliche Hütten-WG wieder ein. Wir tranken Tee, quatschten, überlegten, was wir kochen wollten. Außerdem sollte heute Abend noch eine Versammlung stattfinden wegen der Silversterfeier. Ausgemacht war, dass jede Hütte etwas für das Buffet vorbereiten sollte. Wir einigten uns auf eine Tortilla.

In der Fjellstue wurden die Vorschläge der einzelnen Hütten eingetragen, außerdem wollte die Küche noch einiges beisteuern und es wurden noch Helfer für alle möglichen Aktionen wie Räumen und Deko gesucht. Ich war sehr gespannt, wie die Feier dann wohl ablaufen würde. Silvesterfeiern sind ja nicht so unbedingt mein Ding, das vorletzte Silvester habe ich aus reinem Protest auf dem Sofa verbracht und gelesen, um dann um Mitternacht ins Bett zu gehen.

31.12.2015 Minitour nach Oset und Silvester

Stabkirche Oset
Heute wollte ich mein Glück allein probieren. Schon auf den ersten Metern der Loipe hatte ich das Gefühl, dass ich heute nur "herumstapfen" kann. Der Schnee pappte irgendwie. Oder war es doch meine mangelnde Technik? Egal, ich wollte heute gucken, was geht und was nicht geht und zwar allein.

Beim bergab fahren hatte ich dann schon den Eindruck, dass ich kaum voran kam. So gestaltete sich der recht kurze Weg nach Oset auch mühsam. Unterwegs traf ich noch auf einen fluchenden Mitschüler aus dem Kurs, der - wie sich später herausstellte - wegen Rückenproblemen aufgeben musste.

Ich kämpfte mich taper nach Oset durch, die Loipe war teilweise richtig schlecht mit Pflanzen, die aus
dem Schnee guckten, irgendwelchen Matschlöchern, in die man nicht reinfahren sollte und und und. Da mein Bein mir jetzt auch zu schaffen machte, beschlosse ich, die Tour in Oset zu beenden und wieder nach Hause zu fahren.

In Oset gibt es eine kleine Stabkirche. Vom Aussehen sollte man sich nicht täuschen lassen, sie wurde erst in den 1970er-Jahren gebaut. Die Stabkirchen sind eine skandinavische Besonderheit, sie sind komplett aus Holz gebaut und einige der norwegischen Stabkirchen sollen der Form nach an ein umgedrehtes Wikingerschiff erinnern. Die Stabkirche in Gol wurde durch eine Kopie ersetzt, nachdem das Original 1884 nach Oslo versetzt wurde und dort Teil eines Museums ist.

Vorbereitungen...
Nach diesem kurzen Skiausflug beschloss ich, nochmal zu Fuß loszugehen und Fotos zu machen. Die Strecke nach Oset war so wesentlich schneller bewältigt, als auf Skiern.

Danach machte ich mich in der Hütte an die Zubereitung der Tortilla. Martin hatte mir beim schälen geholfen, den Rest machte ich dann allein. Wir ruhten uns alle in Vorbereitung auf die Silvesternacht noch etwas aus, hingen auf dem Sofa ab, oder legten uns nochmal etwas hin. Danach war dann duschen und umziehen angesagt und um kurz nach 19 Uhr ging es rüber in die Fjellstue. Dort waren die Vorbereitungen für das Buffet schon in vollem Gange, viele leckere Dinge standen schon bereit und fix war die restliche Meute aus den anderen Hütten zum essen angetreten.

Pünktlich um 19.30 wurde das Buffet gestürmt und als ich zum zweiten Mal losging, war schon ziemlich
Zu späterer Stunde...
viel weg. Auch das Nachtischbuffet ließ nichts zu wünschen übrig. Wir guckten dann noch einen Animationsfilm von einem Patenkind einer Mitreisenden und danach das obligatorische "Dinner for One". Ulrich und ich lachten uns kringelig über Sir Pommeroy, Mr. Winterbottom und Admiral von Schneider. Irgendwie ist es auch beim gefühlten tausendsten Mal noch lustig, wenn Freddie Frinton "I now declare this bazaar open!" lallt, oder die Blumenvase austrinkt. Da wir eh einen Faible für britischen Humor teilten, gab es zu diversen Gelegenheiten immer eine Menge zu lachen.

Nach "Dinner for One" wurde Musik aufgelegt und es wurde ratzfatz voll auf der Tanzfläche. Bis Mitternacht habe ich fast nonstop getanzt, irgendwann ohne Schuhe und ohne Socken. Die Stimmung war sehr ausgelassen, obwohl nur wenig getrunken wurde. Um Mitternacht ging es dann raus, wir prosteten uns gegenseitig zu und bewunderten das Feuerwerk. Ich hatte gar nicht mit Feuerwerk gerechnet, da wir ja doch relativ in der Pampa waren, aber rundum wurde doch fleißig geballert. Kaum waren wir wieder drinnen, ging es zurück auf die Tanzfläche. Bis nach 3 Uhr haben wir wie die Verrückten getanzt und uns amüsiert. Selbst die Rausschmeißerlieder haben nicht funktioniert... Das war echt eine tolle Feier! So kann ein neues Jahr gerne beginnen.

1.1.2016 Pappschnee satt

 Corinna und ich waren erstaunlicherweise schon sehr früh wach. Ich sprang schon um 8 unter die Dusche
das pappt!
und zog mich an. Nach dem Frühstück war dann aber doch noch ein zweites Nickerchen angesagt. Draußen  schneite es und sah eher trüb aus, eine Tour für 12 Uhr war noch angesagt, nach dem gestrigen Erlebnis  mit dem krampfenden Bein wollte ich mir das aber nicht geben.

Wir frühstückten gemütlich und ausführlich und Ulrich brach später zur Tour auf. Corinna und ich wollten jeder für sich etwas machen. Ich brach alleine auf und schon auf den ersten Metern pappte der Schnee unter den Skiern. Es ging eigentlich nur, wenn jemand direkt vor mir gelaufen war. An der Kreuzung versuchte ich, geradeaus weiterzulaufen, um zu gucken, wo es dort hinging. Nach wennigen Metern musste ich aufgeben, die Ski ließen sich gar nicht bewegen, es wäre auf Spaziergang mit Ski an den Füßen rausgelaufen. Also drehte ich um.

An der Kreuzung traf ich dann einige andere Mitreisende, die ebenfalls über den pappigen Schnee fluchten und wie ich den Heimweg antraten. Selbst bei leicht abschüssigem Gelände kam man kaum voran. Auf dem Weg zur Hüttte kam mir Corinna entgegen und wir tauschten spaßeshalber die Ski.

aaaaaahhhhhhhhhrrrggghhhhhhh! Ich hatte mich völlig umsonst gequält, Corinnas Skier liefen viel besser, als meine und ich musste nicht mehr mühsam herumstapfen. Das hätte ich gleich mal versuchen sollen... nun ja, jetzt kaufe ich mir erstmal Wachs und probiere mein Glück nochmal im Schwarzwald.

In der Hüttte unterhielt ich mich mit Martin, der ebenfalls sein Glück im Pappschnee versuchen wollte. Für mich war es das, ich schnappte mir mein Buch und las etwas. Da der Tag eh schon spät begonnen hatte, kehrte die restliche Besatzung auch bald mit unterschiedlichen Erfahrungen und Eindrücken zurück. So langsam machte sich Abschiedsstimmung breit. Wir kochten noch einmal zusammen, tranken Wein und Rum und keiner wollte recht ins Bett, obwohl die letzte Nacht kurz gewesen war. Um 1 Uhr ging es dann doch ins Bett, für Corinna und mich sollte der Tag vor 7 beginnen.

2.1.2016 Rückfahrt von Örterstölen nach Oslo 

Deko auf der Color Magic
Heute sollte es wieder Richtung Heimat gehen. Corinna und ich waren schon früh auf, packten die letzten Sachen und legten Hand an die letzten Putzaktionen. Martin und Ulrich kamen auch noch aus den Betten gekrochen, um uns zu verabschieden. Die Glücklichen hatten bis zum 6. Januar gebucht und noch ein paar Tage mehr.

Für uns hieß es nun auf zum Bus, Werner holte uns ab und trug unsere Skier zum Bus. Dort verabschiedeten wir uns von der restlichen Crew und stiegen in den Bus. Diesmal sollten die Straßenverhältnisse besser sein, als bei der Hinfahrt. Wir fuhren in die beginnende Dämmerung und holten noch die Mitreisenden aus dem Kambenhotel ab. Corinna und ich waren uns einig, dass wir auf keinen Fall Busfahrer in Norwegen sein wollten! Die Straßen waren zwar immer gestreut und halbwegs geräumt, aber rückwärts aus einer engen Einfahrt raus und nicht in die Schneehaufen oder den Graben fahren... naja...

Speisesaal fürs Buffet
Diesmal konnte man auch mehr von der Landschaft und den Bergen erkennen, obwohl es immer noch
sehr diesig war. Hier Seen, da Berge, dort Wald, wunderschön sah das aus und bestärkte mich immer mehr in der Entscheidung, Conchita im Sommer nach Norden zu treiben. Wir wurden auch darauf aufmerksam gemacht, dass wir nach Elchen Ausschau halten sollten, da die Dämmerung ihr Frühstückszeit ist.

Ich hielt die Augen offen und guckte in den Wald, auf Ebenen, kein Elch weit und breit zu sehen. Na, schade! Als wir eine besonders enge Kehre langsam herunterfuhren war im Wald auf einmal ein großer, dunkler Schatten. ELCHALARM! YEAH! Das war dann echt noch die Krönung des Urlaubs, ich hatte nicht damit gerechnet.

Bye-bye Oslofjord!
So langsam näherten wir uns Oslo und kurz vor der Stadt gab es noch einen Stau. Wir rutschten etwas unruhig auf den Sitzen herum, da um 13.15 Uhr das Boarding beginnen sollte, das Gepäck noch umgeladen werden musste und und und...

Am Fährterminal angekommen bekamen wir die Boardingkarten, das Gepäck wurde wieder in den Transporter umgeladen, jetzt ging es wirklich wieder nach Hause. Beim Boarden stellte sich raus, dass Corinna und ich in einer Kabine sein würden. Wir richteten uns häuslich ein und machten uns dann auf die Suche nach etwas zu essen.

Welcher Film ist das?
Danach ging es hoch auf Deck 15, Observation Lounge. Das hatte ich bei der Hinfahrt versäumt. Man sitzt dort mit Rundumblick auf das Meer und sieht, wohin das Schiff fährt. Außerdem gab es einen unglaublich leckeren Schoko-Nusskuchen zu essen! Danach brauchte ich kein Abendessen mehr, die gefühlten 50.000 Kalorien sollten bis morgen reichen.

Wir quatschten mit einem Reisenden, der mit einer anderen Gruppe unterwegs gewesen war und genossen die Blicke auf den Oslofjord, die Dämmerung und die Abendstimmung. Allerdingds wurde es langsam frisch, das Metall der Fensterrahmen strahlte ziemliche Kälte ab. Wir zogen in die Bibliothek um, quatschten weiter, danach ging es in den Duty Free Shop.

Ich wollte eigentlich Ziegenkäse kaufen, aber der war leider aus. Ich hatte in der einen Raststätte ein Brötchen mit dem Käse gehabt und fand ihn ganz lecker. tja, andere hatten ihn wohl auch lecker gefunden... also kaufte ich einige Packungen Lakritze (ich wusste nicht, dass die in Skandinavien so populär sind), Gummitiere und später gönnte ich mir noch ein Paar wunderschöne und warme Handschuhe von NORWEAR. Die habe ich hier schon auf dem Rad getragen und muss sagen, dass sie *wirklich* tierisch warm sind! So ein schöner Norweger-Pullover hätte mir auch gefallen, aber über 200 €... öhm, nö... Gegen 22 Uhr ging ich in die Kabine, um zu schlafen. Diesmal war der Seegang etwas deutlicher zu spüren, aber nicht unangenehm. Geschlafen habe ich allerdings nicht so gut, wie auf der Hinfahrt.

3.1.2016 Ankunft in Kiel und Heimreise

Kieler Leuchtturm
Der Morgen begann ebenso ungemütlich, wie der letzte. Es stürmte und war dunkel. Corinna wollte den Kieler Leuchtturm begrüßen und nach dem Frühstück trafen wir uns wieder in der Observation Lounge. So langsam wurde es heller und man konnte sehen, wie die Gischt über das Wasser trieb. Einige einsame Möwen zogen ihre Runden und etliche Schiffe waren unterwegs.

Corinna erklärte die Funktion der Fahrwassertonnen und warum sie rot oder grün leuchten und auf welcher Seite man dann daran vorbeifahren muss. Ich freute mich über das Meer und die Schiffe, die aus dem Dunst auftauchten und darüber, dass ich jetzt schon zum zweiten Mal auf so einem tollen Fährschiff unterwegs war.

Gegen 9.30 Uhr wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir unser Gepäck einsammeln sollten und so langsam ging es Richtung Ausgang. Die Fähre legte pünktlich um 10 Uhr an und wir waren rasch von Bord, sammelten das Gepäck ein und verabschiedeten uns von einander.

Ich ging zusammen mit Ralph, der im Kambenhotel war, zum Bahnhof und wir konnten mit Mühe noch ein Plätzchen im zug ergattern. Eigentlich hatte ich einen Platz für einen späteren Zug gebucht, da ich nicht absehen konnte, ob wir pünktlich sein würden, und wie lang das Ausladen usw. dauert. Jetzt kann ich sagen, dass das alles fix geht und werde beim nächsten Mal den früheren Zug buchen.

Ja, das war er gewesen, mein Norwegenurlaub. Und wie ihr gelesen habt, wird es nicht der letzte sein. Am liebsten würde ich im Februar/März gleich wieder losziehen, aber die nächsten Weihnachtsferien kommen bestimmt!

Ha dett!








Montag, 4. Januar 2016

Im Schnee ins neue Jahr - Langlauf in Norwegen Teil 1

Vollmond über dem Kieler Hafen.
Seit gestern bin ich zurück von meinem  Norwegen-Urlaub.
Und ich habe mich verliebt!
In den Winter, den Wintersport, in den Schnee, in das, was ich von dem Land gesehen habe.

25.12.2015 Anreise nach Kiel


Am 25.12. bin ich ziemlich erkältet Richtung Kiel aufgebrochen. Schon im Zug lernte ich zwei meiner Mitreisenden kennen, sie sprachen mich an, weil ich an meinem Gepäck die gelben Anhänger der "Vagabunden" befestigt hatte.  Beim einsteigen in den Zug gab es ziemlich irritierte Blicke, mein Nebenmann fragte, ob ich vom Skifahren käme. Man fährt hier ja eher nach Süden, wenn man Wintersport betreiben will.

Was ich unterwegs schon über das Skigebiet, die Hütten und das Drumrum erfuhr, stimmte mich freudig, denn es klang toll. Wie ich später feststellen würde, waren die meisten in Örterstölen und Kamben "Wiederholungstäter" und ich habe rasch verstanden, warum das so ist. Nun sollte mich aber erst der Zug nach Kiel bringen, wo ich am Abend mit der "Wilden Webe" verabredet war. In Kiel gelandet war das Hotel rasch gefunden und ich traf einen weiteren Mitreisenden aus Jena. Mein Zimmer war prima, ich hatte Blick auf den Hafen und konnte den spektakulären Mondaufgang genießen. Die Wilde Webe wollte mich am Hotel abholen und wir wollten in eine Kneipe gehen, um dort etwas zu essen und zu quatschen. Wir brachen zum Club 68 auf und verbrachten dort unter angeregten Gesprächen und mit leckerem Spinat einige schöne Stunden. Leider trieb meine Erkältung mich dann ins Bett und wir verabschiedeten uns am Hotel.

26.12.2015 Fähre Kiel - Oslo


Auf dem Weg zur Fähre
Die Nacht war zum Glück sehr erholsam, da es im Hotel totenstill war und ich trotz Schniefnase
erstaunlich gut schlafen konnte. Morgens unterhielt ich mich beim Frühstück ein wenig mit meinem Mitreisenden aus Jena und brach gegen 11 Uhr zum Oslo-Kai auf. Das Wetter war grausig, Regen, Sturm und frühlingshafte Temperaturen. Ich schwitzte in meinem Anorak und unter der Last des fetten Rucksacks, zum Glück war es nicht weit zum Fährterminal.

Dort angekommen hatte ich bald Gesellschaft von weiteren Mitreisenden und wir quatschten munter drauflos, freuten uns auf die Reise und tauschten uns über alle möglichen Themen aus. Gegen 12 Uhr machten wir uns dann zum Treffpunkt auf dem Parkplatz vor der Fähre auf. Dort sollten wir unser großes Gepäck und die Skier loswerden, die Boardingcard (jepp, heißt beim Schiff auch so) und weitere Infos bekommen. Unter anderem die Namen der restlichen Hütten-WG. Ich hatte ein kleines Experiment gestartet und auf ein Einzelzimmer verzichtet, mal sehen, wer da dann so mit mir klarkommen müsste!

Mit Boardingcard, Ausweis und dem Tagesrucksack mit den Utensilien für die Nacht ging es dann zum
Promenadendeck auf der Color Magic
Checkin aufs Schiff. Als ich das Schiff betrat war ich echt überwältigt! Ich bin schon auf Fähren unterwegs gewesen, die größte ging von Italien nach Korsika und war ein elender Rostpott gegen diese Glitzerprinzessin.

Die Fähren von Color Line sind nagelneu, haben 15 Decks, eine Shopping Mall, ein Kino, eine Disco, ein Spa, ein Casino, diverse Pubs und Restaurants, eine Showbühne und und und... Ich war in einer Viererkabine mit drei anderen Frauen. Die Kabinen sind recht beengt, vor allem, wenn alle Betten ausgeklappt sind, ist kein Platz mehr für irgendwelche Turnübungen, das Bad ist ebenfalls klein, aber zweckmäßig und alles ist neu und tipptopp sauber und gepflegt.

Ich richtete mich halbwegs häuslich in meiner Kabine ein und machte mich dann auf die Suche nach etwas essbarem. Man konnte sich zu einem sündteuren Buffett anmelden, Pizza essen, oder irgendwelche anderen Kleinigkeiten. Vor der Pizzeria war eine Riesenschlange, so dass ich ziellos weiter an Bord herumlief, mir die Menschen ansah und versuchte, nicht die Orientierung zu verlieren.

Unterwegs traf ich dann wieder einen Mitreisenden und wir landeten in der Show, bestellten Bier bzw.
Wir laufen aus Kiel aus...
alkoholfreien Cocktail (lecker!) und ein Latte-Macchiato.Glas voll mit Erdnüssen. Ich mag ja keine Musicals, aber mal in so einem plüschigen Nachtclub zu sitzen und sich berieseln zu lassen, das hatte was. Wir unterhielten uns nebenbei über tanzen und es stellte sich raus, dass ich mit dem Bruder meines Nachtclubbegleiters vor vielen Jahren einen Workshop Contact Improvisation gemacht hatte. Wir amüsierten uns prächtig, schlürften unsere Getränke und knabberten Erdnüsse. Die Show hatte als Thema so etwas wie "Die Liebe reist um die Welt".

Wikingerabwurframpe
Die Tänzerinnen und Tänzer waren recht motiviert, allerdings waren die Stimmen der Männer eher dünn und Tom Jones ist schon eine ambitionierte Vorlage... uns gefiel aber, dass alle offenbar sehr viel Spaß an der Aufführung hatten. Nach einer Stunde wurden wir dann aus dem Club geworfen und mussten wieder gucken, was wir als nächstes tun wollen. So verging die Zeit dann doch recht schnell.

Auf dem Weg zum Buffett konnte man sehr chice Menschen sehen. Die Fährfahrten werden im Winter als Minikreuzfahrten angeboten und viele hatten die Weihnachtstage wohl dafür genutzt. Jedenfalls ließen sich die Outdoorurlauber deutlich von den Kreuzfahreren unterscheiden.

Übrigens merkt man von dem Seegang auf den Schiffen sehr wenig. Die Schiffe haben alle Stabilisatoren, die den Großteil des Schwankens auffangen. Die Nacht war trotz ziemlichem Sturm recht ruhig und bis auf ein paar Rummsgeräusche und ein ganz leichtes Schaukeln habe ich nichts bemerkt.

27.12.2015 Ankunft in Oslo und Weiterfahrt nach Örterstölen

Schneegestöber am Oslofjord
Am nächsten Morgen ging es nach der Dusche erstmal auf die Suche nach Frühstück. Auch hier hat man die Wahl zwischen Buffett oder man holt sich etwas im Café. Ich habe mich für die zweite Version entschieden. Da es noch dunkel war, konnte man nur ahnen, dass das Wetter umgeschlagen war, denn an Deck lag eine mehrere Zentimeter dicke Schicht Schnee. Bei der ersten Dämmerung ging ich nach draußen und ließ mir den Wind um die Nase wehen, genoss den Schnee und die Kälte.

Das ist schon verrückt, hier zuhause hasse ich es, wenn es unten schneit und das nasskalte Schmuddelwetter mag ich auch nicht. Hier war ich fast nicht von Deck zu kriegen und fotografierte eifrig, was man hinter dem Schmuddelvorhang vom Oslofjord sehen konnte. Jetzt war ich wirklich im Winter gelandet!

Wie wir später erfuhren, war es noch wenige Tage zuvor in unserem Skigebiet grün gewesen und die Schneelage war nicht allzu berauschend mit einer dicken Eisschicht unter dem dünnen Schneebelag. Jedenfalls freute ich mich über frische Seeluft, Kälte und der Jahreszeit angemessenem Wetter.

An Bord machte sich allmählich auch eine gewisse Aufbruchsstimmung bemerkbar und gegen 10 Uhr
Oslofjord
gingen wir dann in Oslo von Bord. Unser Gepäck wurde in einen größeren Reisebus umgeladen und wir machten uns auf den Weg nach Örterstölen.

Unterwegs wurde rasch klar, dass die angepeilte Fahrzeit von 3 Stunden nicht zu halten war. Der Bus kam nur langsam auf den vereisten Straßen und im Schneegestöber voran. Uns störte das nicht, wir unterhielten uns prima und ich spürte auf den kleinen Bergstraßen ein gewisses Jucken in der rechten Hand. Hier wollte ich gerne einmal selbst entlang fahren!

Nach für den Busfahrer recht mühsamen 3 Stunden machten wir eine Kaffeepause in einem Motel. Die Norweger haben ein echtes Faible für
Zwischenstopp zum Schneeketten anlegen
Gemütlichkeit und Dekokram. Die Häuser sind alle aus Holz gebaut, innen meist mit schlichten Holzmöbeln eingerichtet, aber alles ist liebevoll dekoriert. Kleine Trollfiguren, gestrickte Tierchen, alte Möbel, kuschelige Sofas und eine Menge ausgestopfter Tiere finden sich überall. An den Wänden hängen häufig ebenfalls Bilder mit Trollen, die man oft erst auf den zweiten Blick als solche erkennt. Wenn es draußen so kalt und unwirtlich ist, muss es drinnen gemütlich sein!

Eine weitere "Besonderheit" ist, dass man in Norwegen gerne Kakao trinkt und Waffeln isst. Die gibt es entweder pur, oder mit Marmeladen/Fruchtsaucen und Römme (eine Art fester Süßrahm). Alles ist recht süß, aber auch das kann man bei den Temperaturen recht gut vertragen.

So muss Winter aussehen!
Ich wurde im Urlaub oft gefragt, wie ich eigentlich auf Norwegen gekommen bin.
tja, Norwegen - überhaupt Skandinavien - steht auf meiner "da-muss-ich-hin"-Liste, neben einem ganzen Haufen anderer Länder.

Schon letztes Jahr ertappte ich mich im dabei, dass ich über eine Winterreise nach Skandinavien  nachdachte, nach dem Motto "Wenn schon kalt, dann richtig!"

Beim weiteren Nachdenken fiel mir dann ein Buch ein, das ich als Kind oft gelesen habe und das mich schwer beeindruckt hat. Es heißt "Der Zug der Rentiere" von Allen Roy Evans. Ich weiß, dass ich diese Geschichte verschlungen habe. Im Fernsehen lief zu der Zeit außerdem die Serie "Mathis - ein Junge aus Norwegen", die ich ebenso begeistert gesehen habe. Seit ich Motorrad fahre, meldet sich mein "Abenteurer-Gen" immer stärker und ich merke auf jeder Reise, wie sehr ich es liebe, unterwegs zu sein, neue Länder zu erkunden und ein "anderes" Leben zu führen. Als Kind habe ich schon sämtliche Abenteuerbücher, -serien und -berichte verschlungen und mich in die Weiten des Wilden Westens oder in den Hohen Norden geträumt.

Als wir in Örterstölen ankamen, war es bereits dunkel. Die Sonne geht derzeit gegen 9:15 Uhr auf und
Versuch einer Nachtaufnahme...
gegen 15:30 Uhr unter, und es wird sehr schnell dunkel! Wenn man auf Tour ist, sollte man zusehen, dann wieder zuhause zu sein, oder aber eine leistungsfähige Stirnlampe zu haben...

Nun sollte ich also meine Hütten-WG kennenlernen... in der Hütte angekommen, begrüßte uns schon Corinna, die zusammen mit Martin bereits einen Tag früher angereist war. Wir richteten uns häuslich ein und gingen danach zur Infoveranstaltung in die Fjellstue rüber. Örterstölen ist ein Hüttendorf mit einer angeschlossenen Fjellstue, also einer Art "Stube", wo gegessen und zusammen gesessen wird. Es gibt auch noch Apartments und wahlweise kann man sich als Selbstkocher einbuchen, oder das Rundumsorglos-Paket bekommen und sich abends bekochen lassen. Nach den Infos für die nächsten Tage zum Skikurs, zu Touren und zur Silvesterparty gingen wir zurück zu unseren Hütten.

Das Essen ist echt toll organisiert, jede Hütte bekommt erstmal eine Kiste mit Grundnahrungsmitteln. Dazu gibt es noch eine Art "Einkaufszettel", den man nachmittags in der Fjellstue zusammen  mit der Kiste abgibt, die man dann später gefüllt wieder abholt. Drei von uns kochten selbst, einer ging in die Fjellstue zum essen. Der erste Abend verlief richtig prima, wir waren irgendwie gleich vertraut miteinander und hatten eine Menge Spaß. So ging dann der erste gemeinsame Abend zuende und ich kroch in mein Bett in Erwartung auf einen tollen ersten Skitag.

Fortsetzung folgt...