Montag, 21. September 2015

Jubiläen

Ich hatte mein Blog in den letzten Wochen geschlossen, da es mir komisch und falsch vorkam, angesichts der
aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa über solche Dinge wie meine Touren oder Minimalismus zu schreiben. Ich konnte es nicht.

Inzwischen hat sich "da draußen" viel verändert, aber ich möchte auf diesem Blog weder die gesellschaftliche, noch die politische Lage in unserem Land oder Gesamteuropa, oder der Welt kommentieren. Erstens fühle ich mich damit überfordert und zweitens ist dies kein politisches oder gesellschaftskritisches Blog, sondern eine Art öffentliches Tagebuch, meine eigene Internet-Prostitutionszone sozusagen.

In den letzten knapp zwei Monaten waren ein paar "Jubiläen" der besonderen Art: Anfang August 2011 habe ich meinen Führerschein bestanden, also fahre ich jetzt seit vier Jahren Motorrad. Ziemlich zeitgleich mit Conchitas 80.000 km auf dem Tacho habe ich auch meine eigenen 80.000 km absolviert. Es gibt Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass ich souverän und supergut mit Conchi umgehe, an anderen fühle ich mich wie ein Anfänger und es gibt eine Menge Dinge, die mir immer noch den kalten Schweiß auf die Stirn treiben: Conchi auf einer Schräge wenden, Conchi auf Schotter eng wenden, wenn sie ins Kippen kommt (unlängst in Konstanz passiert), weil das Bein doch etwas zu kurz ist und ich ihre 250 kg (plus/minus) zu spüren kriege, an sehr steilen Passagen anfahren und abbiegen und dabei vielleicht noch gucken müssen, ob das linke Bein auf den Boden reicht, während man mit dem rechten auf der Hinterradbremse steht, Conchi rückwärts eine steile Auffahrt runterbringen...

Meinen Plan, mit dem Offroaden zu beginnen, habe ich erst einmal etwas nach hinten geschoben. So richtig traue ich mich mit Conchi nicht an das Thema ran. Ok, den einen oder anderen Feldweg oder geschotterten Weg traue ich mir zu. Im neuen Jahr muss ich mal in mich gehen, wie ich das Thema weiter beackere, denn es reizt mich immer noch ungemein. Bei jedem Waldweg drehe ich den Kopf, ob da vielleicht mal kein "Durchfahrt verboten"-Schild steht. Wenn mein Sparschwein es hergeben sollte, gibt es im neuen Jahr wieder ein zweites Motorrad und zwar eins, das leichter und absolut "drecktauglich" ist. Leider ist der Lottogewinn bisher ausgeblieben, trotz meines hervorragenden Mietzie-Karmas ;-)

Mit dem Ausmisten geht es jetzt in kleineren Schritten weiter, denn der größte Batzen ist und bleibt mein Lager. Leider ist der Abverkauf mehr als mühsam, noch bin ich aber nicht bereit, alles zum "Geiz-ist-geil"-Preis von 1,99 € rauszuwerfen. Noch kann ich meine Arbeit nicht einfach so loslassen. Aber irgendwann wird auch das nur noch "Krempel" sein, den ich fröhlich aus der Wohnung entferne.

Bücher scheinen irgendwie bei den meisten Leuten ein "No Go" zu sein, was den Verkauf oder ein anderweitiges Entsorgen betrifft.

Mir wurde eingebläut, dass man Bücher nicht wegwirft und gut behandelt.

Ehrlich gesagt... für mich macht es keinen Unterschied, ob ich einen Katalog ins Altpapier werfen, oder ein Buch, das keiner will und das ich bestimmt nicht mehr lesen werde. Es ist "nur" bedrucktes Papier.

Ich hänge nicht daran.
Wenn ich es nochmal lesen möchte, hole ich mir eine ebook-Version davon.


Genauso zwei Sätze Silberlöffel, die in meiner Schublade herumlagen.
Was soll ich damit?
Es gibt keine Erben, die sich um den Krempel dann irgendwann kümmern müssen. Ich benutze keine Silberlöffel und finde sie sowieso unpraktisch: Kann man nicht in die Spülmaschine werfen, laufen an und was essen kann man damit auch nicht, weil es ekelig schmeckt.
Also wurden sie verkauft.

Ich merke, dass meine Einstellung vielen Dingen gegenüber immer pragmatischer wird: Brauch ich das, oder nicht? Und entsprechend wird es dann behandelt. Man liest ja immer wieder darüber, dass Menschen sich leichter und freier fühlen, wenn sie sich von ihrem Besitz verabschieden.

Ich kann das ganz genauso unterschreiben.

Der Wert meines Lebens bemisst sich nicht in den Gegenständen, die ich besitze, sondern an den Erinnerungen und Erfahrungen, die ich gemacht habe.