Donnerstag, 13. August 2015

Minimalismus - Vorratshaltung adé?

Ja, ich bin noch dran. Im Moment geht es aber eher langsam voran, es ist Sommer und bei schönem Wetter bin ich draußen.

Frisch ausgemistet ist meine Abstellkammer. Ich habe festgestellt, dass ich die Stringlights aus meiner alten Wohnung nicht mehr aufhängen möchte.  Drei komplette Sätze standen herum, die habe ich kürzlich verschenkt. Das Wohnzimmer hat nach wie vor keine Deckenlampe, aber bis jetzt habe ich das nicht vermisst. Ein paar andere Dinge aus der Kammer habe ich weggeworfen. Ebenso frisch sortiert ist mein Schrank unter der Spüle. Für das Einsortieren in Schränken oder Schubladen nehme ich gerne irgendwelche Verpackungen z. B. von Obst. Da kann man prima Kleinzeug drin verstauen, das sonst in der Schublade herumfliegt. Meine Topfdeckel habe ich so auch in den Griff bekommen. Das Wohnzimmer ist seit letzter Woche umgeräumt, die Aufteilung mit den Regalen hat mir nicht gefallen. Jetzt sieht alles viel offener und größer aus. Die offenen Regale stören nicht, alles, was "unordentlich" aussehen könnte, ist hinter den Rollos oder dem Sofa verschwunden und ich bin erstaunt, wieviel Platz in den Regalen noch ist. Irgendwann kann hoffentlich das erste wieder weg.

Wohnzimmer vorher
Ich mache mir immer wieder mal Gedanken und gehe durch, wo mich noch etwas stört und ich Dinge
beiseitigen möchte.

Das waren z. B. die angebrochenen Flaschen Alkohol in meinem Vorratsschrank. Die ziehe ich schon seit Ewigkeiten herum. Früher wollte ich unbedingt mal eine Bar haben. Ich wollte wie in diesen Filmen aus den 40ern und 50ern fragen könnten "möchtest Du einen Drink?" :-D Inzwischen denke ich mir, dass ich das Zeug besser frisch kaufe, wenn ich denn eine Cocktailparty machen sollte und dann auch nur möglichst kleine Mengen.

Wohnzimmer nachher
Die passenden Gläser sind schon lange weg, aus dem gleichen Grund: viel zu selten benutzt. Der Glenmorangie z. B. war nach mehreren Jahren komplett ausgeraucht und taugt maximal noch zum kochen oder flambieren. Wenn mir mal wieder nach Single Malt sein sollte, hole ich mir lieber kleine Mengen bei "vom Fass", dann ist er auch schnell weg und frisch.

Säfte trinke ich eigentlich nicht, die Reste im Schrank sind noch von meiner Einweihungsparty im Juni und werden nun nach und nach aufgebraucht. In meinem Kühlschrank liegen noch zwei Flaschen Tannenzäpfle, ebenfalls übrig von der Party. Aber Herr Yeti wollte ja dieses Jahr nochmal reinschauen, vielleicht kommt auch vorher jemand, der ein Bier möchte. Ansonsten überlege ich mir, ob man irgendwas damit backen oder kochen kann, für meine Haare brauche ich es nicht unbedingt.

Im Moment bin ich leicht besessen vom Thema Lebensmittelverschwendung/Lebensmittelindustrie und
möchte meine Vorräte aufbrauchen, soweit möglich/sinnvoll und dann neu gucken, was ich wirklich brauche. Ok, ganz klare Sache: Mehl, Sonnenblumenkerne, Leinsamenschrot und Hefe für mein Brot. Das Backen ist etwas, das ich unter Kontrolle halten muss, denn ich backe furchtbar gerne und irgendwann wird es wieder mit den Plätzchen losgehen. Ich habe so viele tolle Inspirationen gesehen, aber das ganze Zubehör, Lebensmittelfarben usw. hm... da muss ich in mich gehen.

Angeregt durch "Taste the waste" möchte ich meine Lebensmittelquellen und meinen Lebensmittelkonsum überdenken. Zugegebenermaßen kaufe ich viel Zeug beim Discounter und praktisch nichts mehr auf dem Markt. Das hat ein bisschen mit dem Umzug zu tun und auch ein bisschen mit Planung/Faulheit. Weggeworfen wird hier allerdings wenig, da ich oft einkaufe und dann meist nur das Nötigste.

Wohnzimmer vorher
Derzeit bin ich auch noch dabei, meine Finanzen zu checken. Ich mache diesen Monat ein Experiment und zahle nur noch bar. Ok, Ausnahme: Meine neue Spülmaschine. Die alte ist nach 13 Jahren pünktlich am Tag vor meiner Einweihungsfeier kaputt gegangen und ich hasse es, von Hand zu spülen, als Kind musste ich das immer oder (noch schlimmer) abtrocknen. In der alten Wohnung mit dem unmöglichen 5-Liter-Boiler war Handspülen sowieso indiskutabel. Jetzt könnte ich zwar, aber ich möchte nicht. Meine Wäsche wasche ich ja auch nicht mit der Hand (mein Standardargument!). Bis jetzt sieht es gut aus, ich bin voll im Budget, trotz sehr vieler Motorradkilometer in den letzten knapp 2 Wochen. Sprit dürfte der größte Kostenfaktor bei mir sein, aber Sprit = Spaß!

Ich frage mich gerade auch, warum wir von allem immer so viel kaufen, auch wenn es unwahrscheinlich ist,
dass morgen die Zombieapokalypse über uns hereinbricht und wir uns nicht mehr aus dem Haus wagen können. Was ist das für eine Angst, die uns treibt? Denn ich bin mir sicher, dass es Angst ist.

Ich merke selbst, wie ich angesichts der noch 1/4 vollen Waschmitteldose denke "ooooh, Du musst Waschmittel kaufen!" Nö, muss ich nicht. Erst, wenn die letzte Maschine durch ist. Schließlich muss ich dafür nur den Berg runter oder bringe es auf dem Heimweg mit, und muss nicht 50 oder 500 km durch die Prärie fahren oder reiten oder laufen. Wenn man in der Stadt wohnt und der nächste Laden um die Ecke ist, braucht man sich eigentlich wenig Gedanken machen, dass irgendetwas ausgeht, finde ich. Und wenn, dann ist eben improvisieren dran.

Wohnzimmer nachher
Ich denke, dass neben dem Ausmisten von Dingen auch ein anderer Prozess in Gang kommt. Ich habe begonnen, mich von einigen meiner alten Muster zu verabschieden bzw. diese zu überdenken, aufmerksamer meinen Gewohnheiten gegenüber zu sein. In meinem kleinen silbernen Notizbuch landen regelmäßig neue Ideen, Gedanken, Inspirationen. Ebenso schön ist es aber, dort Punkte auszustreichen, oder - noch besser - "erledigte" Seiten rauszureißen.

In diesem Sinne: Ich geh mal gucken und aufschreiben!

Mittwoch, 12. August 2015

Urlaub 2015 mit Zelt, Motorrad und Herrn Yeti - letzter Teil

21.07.2015 Mens - Villard de Lans

 

Somewhere over the Rainbow...
Heute hieß es mal wieder aufpacken und loslegen, wir wollten noch einen kleinen Abstecher ins nahe
gelegene Vercors machen. Nach dem Frühstück ging es gut gelaunt los. Herr Yeti meinte nur, dass wir aufpassen müssten, dass uns nicht das "schwarze Loch Grenoble" einsaugt und wir dann stundenlang in der Peripherie herumirren und nicht wieder raus finden.

Es war schon sehr heiß, als wir am frühen Vormittag aufbrachen. Erst ging alles wunderbar, bis wir immer näher an das schwarze Loch kamen.

Manchmal ist die Navigation wirklich nicht einfach, wenn alle möglichen Ortschaften angezeigt werden, die
Gorges de la Bourne
man entweder nicht auf der Karte findet, oder auf der Karte Orte sind, die nicht auf den Schildern stehen, oder - auch gerne genommen - einfach eine Straße eingezeichnet ist, wo dann keine weit und breit zu sehen ist und das auf einer aktuellen Straßenkarte sogar vom Januar 2015.

Sehr schön ist auch das Spiel "heute würfeln wir die Straßenbezeichnungen neu aus" und das geht so: Du suchst eine bestimmte Straße, z. B. die D49. Auf Deiner Karte steht sie zumindest als D49 drauf. Irgendwann stellst Du fest, dass die D49 zwischenzeitlich in D372 umbenannt wurde, denn das ist die, auf der Du gerade fährst. Ich bin froh, dass es nicht nur mir so ging mit den Nummern, denn ich hatte da schon ein paar Mal an meinen Navigations- und Kartenlesefähigkeiten gezweifelt. Offenbar werden die Nummern nach Lust, Laune, Mondzyklus und Jahreszeit vergeben, oder von der Nummernfee aus dem Behälter gezogen (Mal ganz nebenbei: Wer erinnert sich noch an Herrn Spahrbier?).

Herr Yeti suchte jedenfalls nach der richtigen Straße, die irgendwann links abgehen sollte. Im Zuckel-Stop-and-Go-Tempo ging es über die Straßen. Es wurde heiß und heißer und wir schwitzten besser als in jeder finnischen Sauna. Nach einer Exkursion durch ein Industriegebiet nebst Einkaufstempeln mussten wir erst einmal eine Pause im Schatten einiger Bäume einlegen, denn inzwischen hatte bei uns beiden der schon der Zustand der Vormumifizierung eingesetzt. Eine Viertelstunde und 1,5 Liter Wasser später haben wir dann einen neuen Versuch gewagt und sind an einer größeren Straße links abgebogen. Und siehe da, auf einmal gab es auch ein Schild nach Villard de Lans. Mann, waren wir froh, aus dem Gewühle rauszukommen und wieder schneller fahren zu können. In Villard de Lans war dann der Empfang vom Camping noch zu. Wir nutzten die Zeit schon einmal, um den Platz zu inspizieren und einen schönnen Stellplatz für unsere Zelte auszusuchen. Den fanden wir hinter einer kleinen Brücke auf einer Wiese, es gab sogar Schatten! Zwei Wurfzelte standen oder eher lungerten auf der Wiese, das eine davon befand sich schon in einem Zustand mittelschwerer Eindellung. Und uns fielen noch etliche Löcher auf, die wohl von buddelnden Tieren verursacht worden waren.

Pünktlich um 14 Uhr öffnete dann die Rezeption und wir nannten unseren Wunschplatz. Herr Yeti fragte mich danach nochmal skeptisch, ob es auch *wirklich* der Platz sei, den wir ausgesucht hätten. Das bewog mich dazu, ihm das französische Zählsystem zu erklären. Ich glaube, er hat sich nichts davon gemerkt, sondern kommentierte meine Erklärung nur mit "aha". Für diejenigen von Euch, die nicht Französisch sprechen nur soviel: ab 70 wird "komisch gezählt", nämlich "60 plus 10, 60 plus 11..." und so weiter, bis man dann zur Achtzig kommt, die "4 x 20" heißt und wem das immer noch nicht reicht, der soll noch wissen, dass es ab 90 ebenso lustig weitergeht mit "4 x 20 plus 10". Also, wir hatten den Platz und konnten unsere Zelte aufbauen. Für den Schatten waren wir extrem dankbar. Nach dem Zeltaufbau lungerten wir mehr oder weniger halblebig herum und irgendwann sind wir wohl eingeschlafen. Die Fahrerei in der Bruthitze war wesentlich anstrengender, als jede Bergstraße.

Nach 2 Stunden Lümmelei entschlossen wir uns zu einem Besuch im  Ort. In der Zwischenzeit machte das Vercors als potenzielles Regenloch schon seinem Namen Ehre. Der Himmel war in den zwei Stunden von strahlend blau zu ziemlich grau gewechselt und wir zippten vorsichtshalber die Zelte zu. Im Dorf angekommen waren Plakate aufgehängt und zwei Bühnen aufgebaut, es sollte gratis Konzerte geben. Herr Yeti schob mich zu den Herren am Mischpult, ich sollte fragen, wann es losgeht. Da noch etwas Zeit war, suchten wir uns ein Café und landeten in einer Bar direkt am Platz, von wo aus man das Gesamtgeschehen gut überblicken konnte.

Die Dame, die dann auf der Bühne sang, klang ziemlich demotiviert, die Musiker waren besser. In der Bar selbst herrschte buntes Treiben und wir bekamen so langsam Hunger. Als dann die ersten Tische aufgedeckt wurden, haben wir erstmal abgewartet, was die anderen Leute so bekommen. Davor hatte es reihum nur Crepes oder Eisbecher gegeben.

Hamburger scheinen in Frankreich ein großer Trend zu sein, jedenfalls stehen sie so ziemlich auf jeder Karte drauf und wurden in allen Variationen geordert. Der "vegetarische Burger" aus Thunfischfleisch machte uns klar, dass es schwierig werden könnte. Herr Yeti orderte einen Salade de chèvre chaud und ich einen anderen, aber bitte ohne Schinken. Als die Salate kamen, staunte ich nicht schlecht. Entweder hatte ich anderes Fleisch übersehen, oder der Koch hatte aus Mitleid Salami statt Schinken auf den Teller gepackt. Nachdem ich die Salamischeiben beiseite geschoben hatte, konnte man den Rest auch essen. Ein kleiner Hund am Nebentisch freute sich über die Salami, die mir "aus Versehen" vom Teller fiel.

In der Zwischenzeit hatte es zu gewittern begonnen und der Regen wechselte von Niesel bis stärker und wieder zurück. Da wir sowieso todmüde waren, machten wir uns auf den Heimweg und schliefen auch mehr oder weniger sofort ein.

22.7. Villard de Lans - Gorges de la Bourne - Combe Laval - Mens


Heute sollte es nochmal eine entspannte Rundtour geben. Nach dem Gewitter am Vortag und dem Regen in der Nacht hingen die beiden Wurfzelte auf unserer Zeltwiese ziemlich durch, vor allem das eine sah nach einer Ruine aus. Scheinbar lebte aber doch jemand in den Zelten und lagerte in dem kleineren der beiden irgendwelche Dinge.

Da wir es versäumt hatten, am Camping Frühstücksgebäck zu bestellen, fuhren wir direkt hoch in den Ort, um dort zu frühstücken. Herr Yeti war nicht so wahnsinnig erfolgreich in Sachen Croissants, da wir schon recht spät dran waren, dafür brachte er drei kleine und zwei große Pains au chocolat von zwei Bäckern mit. Wir setzten uns in die Bar vom Vortag, bestellten Kaffee und packten die Backwaren aus. Das ist etwas, das ich nicht wusste, denn bei uns ist das ja völlig unüblich. Sofern das Café oder die Bar selbst kein Frühstück anbietet, kann man ungeniert mitgebrachte Sachen essen. Sehr praktisch!

Bei strahlendem Sonnenschein ging es in die Gorges de la Bourne, nach dem Regen der vergangenen Nacht lag allerlei Zeug auf der Straße, aber die kühle, frische Luft tat gut. Wir fuhren gemütlich durch die Schlucht, machten sehr viele Bilder und ich überlegte immer wieder, ob man nicht doch mal die Füße in den Bach halten sollte. Am Ende haben wir das dann doch nicht getan und in Ponte-en-Royans machten wir eine kleine Pause, denn es war mal wieder richtig warm geworden und die Kehlen trocken und staubig. Unterwegs hat Herr Yeti dann noch eindrucksvoll gepost und den Brunftruf des EDLEN YETI ausgestoßen, so dass auch dieses Revier anständig markiert war und paarungsbereite Weibchen im Umkreis sich an der richtigen Stelle einfinden konnten.

Combe Laval
Als nächstes sollte es zur Combe Laval gehen. Auf dem Col de la Machine machten wir unsere Passbilder und Herr Yeti unterhielt sich noch kurz mit zwei BMW-Fahrern aus Bad Tölz, die bei irgendeiner Challenge vom Alpentourer mitmachten und alle möglichen Pässe und Sehenswürdigkeiten abfahren mussten.

Die Combe Laval gilt als eine "der schönsten Alpenstraßen Frankreichs". Naja. Schön ist sie schon, aber die eigentliche beeindruckende Strecke ist nur ein paar Kilometer lang und in wenigen Minuten durchfahren, wenn man nicht alle 50 m anhält. Meine Meinung: Wenn man in der Gegend ist, anschauen, extra hinfahren würde ich nicht.

Auf dem Col de la Machine sah es dann schon wieder nach Regen aus und donnerte auch. Wir fackelten
nicht lange und traten über den Col de Carri den Heimweg an.

Nach der ernüchternden Salaterfahrung vom Vortag sollte es wieder Campingküche geben. Herr Yeti meinte, wir sollten in den Nachbarort fahren, da er dort einen großen Supermarkt gesehen hatte. Leider hatte der Supermarkt sich gut versteckt und als wir schon fast wieder in Grenoble waren, haben wir dann gedreht und mit dem "Netto" im nächsten Ort vorlieb genommen.

Blick zur Combe Laval
Auf dem Camping machten wir uns dann an die Zubereitung von einem leckeren Kartoffelsalat. Wir kochten und schnippelten und der Himmel wurde dunkler und dunkler... bei den ersten Regentropfen rettete ich die Schüssel erstmal ins Trockene. Ein wenig später begann es dann zu regnen und zu gewittern.

Während Herr Yeti noch die gekochten Eier pellte, saßen wir bereits in meinem Zelt und konnten die Eier zum abschrecken in den Regen schieben. Gegessen haben wir dann in meinem Zelt und danach eine Verdauungspause eingelegt, während sich das Gewitter draußen austobte. Ein paar Mal schlug es ganz in der Nähe von uns ein und es kühlte sich auch merklich ab, aber im Zelt war es kuschelig und wir hörten dem Gewitter zu, unterhielten uns, dösten...

Combe Laval
Nach etwa zwei Stunden war der Spuk dann vorbei und wir beschlossen, ins Dorf zu gehen, uns in die Bar zu setzen und zu gucken, was so im Dorf los ist. Da inzwischen die Sonne rausgekommen war, machten wir noch eine kleine Fotosafari durch Villard de Lans. Auffällig war, dass es unglaublich viele Klamottenläden gab, der Ort ist jetzt nicht so riesig, aber jeder zweite Laden verkaufte Klamotten. Nach ein paar Bierchen bzw. Wein ging es dann wieder zurück zum Camping und ab ins Zelt.


23.7.2015 - Villard de Lans - Die - Villard de Lans

Es hatte die Nacht über immer wieder geregnet und der Morgen startete erst einmal nicht so vielversprechend. Wir machten uns auf ins Dorf, um zu frühstücken und zu gucken, wie der Tag sich wohl weiter entwickeln würde. Irgendwann im Lauf des Vormittags riss der Himmel auf und wir stiegen wieder in unsere Kombis. Diesmal sollte es einen kleinen Ausfug nach Die in die Provence geben. Ursprünglich hatten wir überlegt, noch in die provenzalischen Alpen zu fahren, aber Temperaturen von über 40 Grad klangen wenig verlockend.

Combe Laval
Aus dem angenehm kühlen Villard de Lans ging es durch "Heidiland" in Richtung Col de Rousset. Leider war ich an diesem Morgen so gar nicht fit und hinkte Herrn Yeti hinterher. Irgendwann musste ich anhalten, weil mir ziemlich übel und schwummerig war. Etwas essen und trinken und eine Verschnaufpause haben dann alles wieder gerichtet, ich fuhr vor und wir kamen rasch zur Abzweigung zum Col. Am Kreisverkehr war ich nicht sicher, wo es lang ging, wir fuhren dann noch einen Abstecher zum Place de Beurre.

Dort kann man noch einmal prima die Aussicht genießen, die Straße endet jedoch auf einem Parkplatz. Wir machten uns nach einem Fotostopp wieder auf den Weg zum Kreisverkehr, um den Col de Rousset zu bezwingen. Kaum kam man aus dem Tunnel heraus, begrüßten einen heftige Windböen und es war gefühlte 15 Grad wärmer. Wir fuhren ein Stück den Pass herunter und an einer Kehre machten wir kurz halt, um Fotos zu machen.

Combe Laval
Dort hatte sich eine holländische Großfamilie eingefunden, die in wechselnder Besetzung und unter großem Hallo die Familie vor dem gigantischen Hintergrund der Berge zu fotografieren. Ich bat Herrn Yeti beim Start etwas energischer am Gasgriff zu drehen, damit wir auch zur allgemeinen Beschallung beitragen konnten. Die KTM von Herrn Yeti stahl in punkto Krach Conchita locker die Show. Wenn wir nebeneinander an der Ampel standen, konnte ich mein Motorrad fast nicht hören. Herr Yeti meinte "Deine surrt ja nur!" und lachte sich jedes Mal kaputt, wenn ich auch am Gasgriff drehte.

Auf dem Weg nach unten fuhr ich wieder vor, wegen der Windböen war ich lieber vorsichtig und fuhr in sehr gemäßigtem Tempo nach unten. Je weiter wir nach unten kamen, desto wärmer wurde es. In Die war es dann locker mal 10-15 Grad wärmer als in Villard de Lans. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen in einem Café und machten eine Pause.

Villard de Lans
In Die bin ich vor Ewigkeiten auch mit dem Rad durchgekommen, allerdings sicherlich nicht über den Col du Rousset gefahren. Wir kauften im Supermarkt noch rasch ein wenig Verpflegung und machten uns auf den Rückweg. Hier ließ ich Herrn Yeti spielen, er fährt ja sowieso viel schneller und sicherer als ich und hat die besseren Karten beim überholen. Oben auf dem Col trafen wir uns dann wieder. Der Wind dort war so stark, dass man aufpassen musste, wo und wie man sein Motorrad parkt. Ein Pärchen mit eine vollverkleideten und bis zum Rand bepackten Aprilia hatte Mühe, die Maschine überhaupt abzustellen. Wir wunderten uns, wie man mit einem so abenteuerlich bepackten Motorrad überhaupt fahren kann. Der Fahrer konnte kaum über seinen Tankrucksack gucken und auf den Topcase waren noch diverse Dinge oben draufgeschnallt.

Auf dem Weg nach Villard de Lans sollte ich wieder vorfahren und außerdem nach einem Picknickplätzchen gucken.

Leider entdeckte ich alle Plätze immer erst viel zu spät und wir waren schon fast daheim, als Herr Yeti vorfuhr und dann an einem richtig schönen Plätzchen hielt. Hier war ein Bach und Schatten und wir aßen das mitgebrachte Olivenbrot und den Käse fix auf.

Vom Camping ging es dann wieder ins Dorf, wir wollte heute noch einmal Essen gehen. Da es noch recht früh war, statten wir der Bar noch einen Besuch ab. Hier wurden wir heute schon als Stammgäste betrachtet und man stellte uns neben Bier und Wein ein Schälchen Knabberzeug hin, das wir dann gegen gefräßige Spatzen verteidigen mussten.

Als unsere Mägen langsam zu knurren begannen, machten wir uns auf die Suche nach einer Pizzeria. Am Vortrag hatten wir etliche Restaurants gesehen, nur, wo waren die geblieben? Wir gingen an einem Pizzamitnahmedingens vorbei und an einem Restaurant, das sein Essen auf Fotos ausstellte. Die Fotos sahen nur sehr wenig einladend aus... auf Chinamann hatten wir beide keine Lust und am Ende landeten wir dann in einer Pizzeria, die wir zuerst als inakzeptabel abgetan hatten. Die Pizzas waren dann aber erstaunlich gut und die Mägen mehr als gefüllt.

Villard de Lans
Heute sollte es auch wieder ein Konzert geben und wir stellten uns erwartungsvoll an die Bühne.

Unter großem Tamtam wurde ein Dan Dickson angekündigt. Soweit ich es verstanden hatte, hatte er in den Hilton Hotels gespielt, weil Herr Oberhilton seine Musik so toll fand. Dan Dickson hatte mehrere Jahre in den USA zugebracht und die amerikanische Lebensart auf seine Gene tätowieren lassen. Er sollte Stücke von namhaften Countrysängern zum besten geben.

Unter Jubelstürmen erschien ein in einer braunen Westernjacke gewandeter Herr mit einem riesigen beigen Cowboyhut und  Cowboystiefeln und stimmte ein Countrystück an.

Herr Yeti meinte "Ich weiß nicht, ob ich DAS aushalte!" Als das zweite Stück - Ghostriders in the sky von Johnny Cash - angestimmt wurde und der Herr eine ebenso eigenwillige Interpretation anstimmte, wie die Nokinoki-Brothers vom ersten Campingplatz, ergriffen wir die Flucht. Unter "jipiiii heyyyyy jippii hooohooo" galoppierten wir den Berg hinab zum Campingplatz und beschlossen, es für heute gut sein zu lassen.

24.7.2015 Villard de Lans - L'Ile-sur-le-Doubs


Villard de Lans
Die letzte Nacht war für mich ziemlich nervend gewesen.

Wir hatten ja schon am ersten Tag die Wühllöcher auf der Zeltwiese entdeckt und auch sehen können, dass täglich woanders gewühlt wurde.

Diese Nacht hatte etwas unter meinem Zelt gewühlt. Genauer gesagt UNTER MEINEM KOPF!

Ich wurde nachts irgendwann von merkwürdigem Getrampel wacht und dachte, dass irgendwas NEBEN dem Zelt vorbeigelaufen sein musste.
Egal.
Schlafen.

RASCHEL.
Stille. Kurz vom einschlafen...
Ohrwurm kommt angekrochen "jippiiiiheyyyyyy jippiiiihoooooo"
RASCHELTRAMPEL.
Stille. Kurz vom einschlafen....
Ohrwurm kommt angekrochen "jippiiiiheyyyyyy jippiiiihoooooo"
RASCHELTRAMPELSCHARRRASCHEL
Stille.
Eingeschlafen.
RASCHELLLLLLLSCHARRRRRRRR

So langsam ging mir das gewaltig auf die Nerven.

Ich hob meine Matte leicht hoch und schlug mit der flachen Hand auf den Boden. ups, da war ein Loch, wo gestern noch keins wahr. WÜHLVIECHER waren unterwegs. Nach einem weiteren energischen Schlag auf den Boden hoffte ich, dass nun Ruhe ist und war kurz vorm... RASCHELLLLSCHARRSCHARRRWÜHLRASCHELLLL...

Jetzt REICHT'S!

Ich hob die Matte hoch und sah etwas unter dem Zeltboden durchhuschen. Leider schlug ich nicht rechtzeitig zu und das WÜHLVIEH war wieder weg. Matte runter, Kissen drauf, Schlafsack drüber, einschl.... RASCHEEEEELLLLLLLLLRASCHELLLLLLLLL.... oh Mann! Es war inzwischen hell geworden und ich beschloss, die Nacht für beendet zu erklären. Gerädert kroch ich aus meinem Zelt.

Villard de Lans

Herr Yeti war auch schon wach und amüsierte sich darüber, dass WÜHLVIECHER meine Nachtruhe gestört hatten. Er hatte sich schon gefragt, ob ich Alpträume hätte, weil er mich immer grummeln und auf den Boden schlagen hörte. Neben der beständigen Störung meiner Nachtruhe hatte ich noch Angst gehabt, dass das WÜHLVIEH vielleicht auch ein NAGEVIEH sein könnte, das mir ein Loch in den Zeltboden kaut und das ich am Ende noch aus meinem Zelt werfen durfte. Zum Glück war das nicht der Fall.


Nach dieser für mich nicht so richtig entspannten Nacht sollte es heute so langsam in Richtung "Heimat"
gehen. Wir packten unsere Zelte und alles andere gemütlich zusammen und machten uns wieder auf den Weg gen Norden.

Place de Beurre
Weil wir beide noch nichts gegessen hatten und auch die Vorräte an anderen Dingen zuende waren, hielten wir an einem Supermarkt an. Das Motorrad von Herr Yeti hatte im Urlaub bereits die mitgebrachte Literflasche Öl leergeschlürft und er brauchte noch Nachschub. Da die KTM nur vollsynthetisches Öl frisst, Conchita aber teilsynthetisches, konnte ich ihm auch nicht mit meinem Vorrat aushelfen. Conchita hatte sich gerade mal einen winzigen Schluck genehmigt und ich hätte noch fast einen halben Liter übrig gehabt. Im Supermarkt konnten wir problemlos Nachschub organisieren. Auf dem Parkplatz fütterte Herr Yeti erstmal sein Motorrad und dann sich selbst. Ich hatte inzwischen schon das Gebäck gegessen, denn Conchita brauchte keine großartige Zuwendung und ich konnte mich erstmal um meine eigenen Bedürfnisse kümmern.

Wir fuhren nun recht flott in Richtung Norden und machten nur kurz in einem Ort Halt, um Brot und Käse zu essen und etwas zu trinken. Neugierige Kühe schauten uns dabei zu.

Col du Rousset
Heute sollte aber nicht nur die Nacht der Wühlviecher sein, heute war auch der Tag der frankreichweiten Gravillionverteilung.

Auf diversen Streckenabschnitten durften wir uns mit dem Mistzeug herumärgern, das teilweise in dicken Schichten auf der Straße lag. Stollenreifen hin oder her, um die Kurven ist das kein Spaß und gegen Ende des Urlaubs wollte sich keiner von uns auf die Schnauze legen, also galt es, vorsichtig zu sein. Und immer, wenn wir dachten, jetzt ist der Scheiß vorbei, kam nach ein paar Kilometern erneut das heißgeliebte Schild und danach wieder eine dicke Schicht.

In Deutschland steht das Schild "Rollsplitt" ja schon an der Straße, wenn auch nur drei Körnchen *irgendwann* auf der Straße lagen, in Frankreich habe ich das Schild hassen gelernt, denn da bedeutet es, dass mindestens eine großzügige Schicht auf der Straße liegt, gerne auch mal 5-10 Zentimeter dick.

Bei der Fahrt in einen Ort kamen wir an einem Unfall vorbei. Jemand war mit seinem Auto frontal in eine Mauer gekracht, Notarzt und Feuerwehr standen am Unfallort. Dahinter befand ich ein Kreisverkehr und wir hörten bereits die Sirene eines nahenden Polizeiautos und blieben an der Einfahrt in den Kreisel stehen. Nicht so eine Dame, die einfach unbedarft reinfuhr und dann in der Mitte volle Kanne seitlich in das Polizeiauto krachte. Fein, noch ein Unfall! Kopfschüttelnd fuhren wir weiter.

Nach etlichen Runden Gravillions haben wir dann vor uns den Gravillion-Wagen gesehen, der diese
Col du Rousset
großzügig auf der Straße verteilte, wir zogen glücklich vorbei. Ein Stück später stoppte Herr Yeti.

Er war sich nicht sicher, ob wir auf der richtigen Straße sind. Ich drängte ihn, einfach weiterzufahren, da von hinten wieder der Gravilliontruck kam. Nach einigem Hin und Her fuhren wir auch weiter, ich konnte im Rückspiegel sehen, wie der Truck in eine Seitenstraße einbog. Dort war der dritte Unfall des Tages gewesen, ein Wasseranhänger hinter einem Traktor wa rumgekippt. Hilfe war aber schon auf dem Weg und wir hätten da sowieso wenig ausrichten können.

Unsere Hoffnung, dass wir nun keine Gravillions mehr haben würde, bewahrheitete sich leider nicht. Immer wieder gab es mehr oder weniger lange Stücke, was das Vorankommen mühsam machte. Herrn Yeti hatte nun offenbar der Stalldrang gepackt. Er fragte mich, ob ich noch fit sei und so fuhren wir an St. Claude vorbei bis nach L'Isle-sur-le-Doubs.

Hier schlugen wir unsere Zelte auf, schlenderten etwas durch den Ort und setzten uns dann in die Pizzeria.
Col du Rousset
Ich konnte es kaum glauben, dass unsere gemeinsame Zeit schon fast zuende war!

Später auf dem Camping freundete ich mich dann noch mit einer der Campingkatzen an, die mir nach ein paar Streicheleinheiten sofort auf den Schoß sprang und mir unmissverständlich zu verstehen gab, dass sie mehr davon erwartete.

Da es eine Langhaarkatze war, hatte ich in kurzer Zeit ebenfalls ein Fell. Herr Yeti guckte sich das Ganze mit einer Mischung aus Skepsis und Eifersucht an, obwohl er letztere vehement abstritt, war sein Blick auf die Katze finster. Irgendwann entledigte ich mich meiner neuen Freundin, enthaarte mich und wir machten uns auf zu den Zelten. Es war noch nicht so spät, aber der Himmel verfinsterte sich und man hörte es grummeln. Wir saßen noch eine Weile in meinem Zelt und unterhielten uns, dann kroch wieder jeder in seinen Schlafsack. In der Nacht hörte man den Regen aufs Zelt trommeln.

25.7.2015 - L'Isle-sur-le-Doubs - Freiburg


Col du Rousset
Unser letzter Morgen begrüßte uns mit jeder Menge Wind und einem sehr grauen Himmel. In der Überzeugung, dass es schon mindestens 8 uhr sein musste (mein Handy hatte ich irgendwann nicht mehr geladen und keine Ahnung, wie spät es sein könnte) schlurfte ich mit meinem Waschzeug zu den Sanitäranlagen. Das sah nach einem feuchten Tag aus heute, noch war es trocken... Herr Yeti schnarchte noch in seinem Zelt und es waren auch so wenig Leute unterwegs.

Ich duschte in Ruhe und machte mich dann ans packen. Als Herr Yeti sich immer noch nicht rührte, ging ich an sein Zelt und steckte den Kopf rein.

Herr Yeti hielt mir sein Handy unter die Nase und meinte "Es ist noch nicht mal SIEBEN UHR!"
oha.
Meinen Hinweis, dass es sicherlich feucht werden würde heute, nahm er zur Kenntnis und kroch auch aus dem Schlafsack. Ich hatte schon relativ weit gepackt, als er vom duschen zurück kam und ebenso meine Kette gefettet und das Öl gecheckt. Da Herr Yeti noch gar nicht mit packen begonnen hatte, schickte er mich zum Bäcker, ich sollte unser Frühstück besorgen.

L'Isle-sur-le-Doubs
Die Bäckerei hatte auch geöffnet und ich bekam noch ofenwarme, buttertriefende Croissants und Pains au
chocolat für einen Spottpreis. Derweil hatte Herr Yeti auch schon fast alles verstaut und wir kauten im stehen unser Frühstück. Kurz danach ging es auch schon los. Ich brachte uns über Belfort in Richtung Mulhouse. Der Wind war inzwischen sehr aufgefrischt und wir mussten kämpfen, die Motorräder im Griff zu behalten.

30 km vor Freiburg tankten wir und fuhren zurück auf die Autobahn. Da Herr Yeti seine DB-Killer entfernt und wegen fehlendem Werkzeug und einer verlorenen Schraube nicht wieder eingebaut hatte, wollte er lieber nicht über die Dörfer fahren.

furry friend
Ich führte uns bis zu meiner Wohnung und hoffte, dass Herr Yeti wegen des Windes eher nicht weiterfahren wollte. Gerne hätte ich ihm noch mehr von meiner Heimat gezeigt, denn dazu waren wir noch nicht gekommen. Leider hatte Herr Yeti andere Pläne und verabschiedete sich von mir, um den Heimweg nach Gelsenkirchen anzutreten.

Mich packte derweil der Blues, Urlaub vorbei, Herr Yeti weg...

Erst am später Nachmittag hatte Herr Yeti es auch bis nach Hause geschafft. Unterwegs muss der Sturm furchtbar gewesen sein, er war teilweise nur mit 80 km/h vorangekommen und konnte nicht einmal Pause machen, weil er das Motorrad nicht abstellen konnte.

Jetzt war er wirklich rum,  unser erster gemeinsamer Urlaub, aber der nächste ist schon in Planung.Schön war's!

Sonntag, 9. August 2015

Urlaub 2015 mit Zelt, Motorrad und Herrn Yeti - Teil 3

18.07.2015 Lanslebourg - Mens


Die Wetterprognose für die Alpen versprach in den nächsten Tagen einiges an Schauern und Gewittern.
Deshalb entschieden wir, dass wir erst einmal aus den Bergen rausfahren wollten, und uns einen Platz suchen, von wo aus man sowohl in die Alpen, als auch woanders hin kann.

Wir packten relativ rasch und das Frühstück gab es im Stehen, denn der Himmel war sehr bezogen und wir hatten keine Lust auf Regen oder Gewitter unterwegs. Die beiden Freiburger waren auch wach und packten bereits. Beim verabschieden meinte ich, dass sie ruhig auf einen Kaffee vorbeikommen könnten und nannte ihnen meine Adresse. Darauf fragte mich der Vater nach Details zum Haus und ob ich einen großen Holzbalkon mit einer Wahnsinnsaussicht hätte... ja, habe ich... es stellte sich heraus, dass sein Schwager mit Frau vor Jahren in meiner Wohnung gewohnt hatte. Die Welt ist wirklich klein!

Zwei Episoden vom Vortag habe ich noch vergessen: Zum Einen Herrn Polarbär, seines Zeichens SUV-Besitzer und Wohnwagenmann. Herr Polarbär liebte es, sein Gefährt ca. 10 cm vor und zurück zu setzen. Bei einem seiner Versuche hat es mal etwas geknirscht, was ihn dazu veranlasste, noch mehr Gas zu geben. ups, Campingstuhl überfahren! Na, macht nichts! Wir fahren jetzt nochmal ein bisschen 10 cm vor und zurück und gucken dann. Irgendwann konnten wir ihn noch dabei beobachten, wie er seinen Wohnwagen an irgendwelchen Abschleppseilen herumzog. Was der Sinn dieser Aktion sein sollte, blieb im Dunkeln, es war aber auf jeden Fall unterhaltsam.

Herr Yeti hat an einem Morgen leider das Zusammenfalten des Wurfzelts der Familie nebenan verpasst. Ich hatte schon gewettet, dass sie es nicht wieder zusammengefaltet bekommen.

Erstmal wurde sowieso ausgeräumt und alles wieder im Auto verstaut. Dann kam der erste Faltgang, der noch einfach war. Und dann... Ratlosigkeit... wie kriegen wir das Ding wieder in den kleinen Beutel rein?? Nach gefühlten 500 Versuchen gesellte sich eine Dame dazu, die die Hilfe ihres Mannes anbot. Am Ende haben sie das Zelt dann zu sechst gebändigt bekommen. Ich habe mich bemüht, nicht rüberzustarren und nicht zu lachen. War nicht leicht! :-D

Aus Lanslebourg ging es erstmal das Tal herunter und dann sollte es weiter zum Col de la Croix de Fer
Col de la Croix de Fer
gehen. Da Samstag war, gab es furchtbar viel Verkehr auf den Straßen und es waren große Gruppen Rennradfahrer unterwegs, sicherlich einige auch auf den Spuren der Tour de France, die in Kürze durch diese Gegend kommen sollte. In etlichen Orten fanden wir Dekorationen und Schilder vor, die die Fahrer der Tour bereits begrüßten.

Col de la Croix de Fer
Sehr witzig war ein Teddybär auf einem Stuhl, den jemand an einem Gartenzaun befestigt hatte. Nun hieß es aber erst einmal den richtigen Einstieg zu finden und dann ging es den Pass hoch. Die Straße war sehr klein und eng, was an und für sich kein Problem ist, nur leider haben wir sie mit so ziemlich allem, was Räder hat teilen müssen: Caravans, Autos, Rennradfahrergruppen, Motorradfahrer, andere Fahrradfahrer... man kam nie auch nur annähernd in einen Fahrfluss rein, da man maximal in den dritten Gang schalten konnte, dann kam schon wieder jemand, hinter dem man festhing, oder eine Kehre. Oben angekommen waren wir beide leicht angenervt und etwas ko. Die Ausblicke entschädigten aber für alle Fahrstrapazen.

sehr schöne Fensterdeko!
Vom Col de la Croix de Fer fuhren wir nun herunter, ich sollte wegen Fotostopps vorfahren und Herr Yeti
meinte, wir könnten noch fix auf den Glandon, weil der um die Ecke liegt. Ich bog ab, oben war recht viel Getümmel, also fuhr ich ein Stück weiter und fragte mich, warum Herr Yeti nun nicht nachkommt. Herr Yeti stieg vom Moped und winkte wild, also wendete ich Conchita und fuhr zurück. Aha, ok, es sollte nur das Passbild geben und nicht vom Glandon runtergehen, ich wollte schon weiter durchstarten... nach dem Fotostopp fuhr ich wieder vor und vom Pass herunter. An der Abzweigung stand jemand mit seiner  Africa Twin. Oft, wenn ich andere Twin-Fahrer sehe, oder sie mich, wird ganz besonders euphorisch gewinkt. Wenn ich hier in Freiburg eine Twin sehe, frage ich mich immer gleich, ob es jemand ist, den ich kenne, oder der im Forum aktiv ist. Ganz so selten sind sie ja doch nicht.

Am Col du Ornon machten wir eine dringend nötige Pause, ich fuhr fast an Herrn Yeti vorbei, der an einem Parkplatz gehalten hatte. Das Wenden fiel mir sehr schwer, weil ich schon ziemlich am Limit meiner Kräfte war und dringend eine Pause nötig hatte. Im Gegensatz zu Herrn Yeti muss ich relativ häufig eine Kleinigkeit essen, sonst werde ich zittrig und unkonzentriert und blöderweise kann das von einem Moment auf den nächsten kommen. Das Frühstück war schon länger her und Herr Yeti hatte noch gar nichts gegessen, da ihm die Käsepizza von gestern nachts schwer im Magen gelegen war. Ich knabberte rasche einiges Studentenfutter und wir tranken beide ziemlich viel Wasser. Danach konnte es entspannt nach Mens weitergehen.

In Mens angekommen, ging es nach dem üblichen Check-In und Zeltaufbau erstmal einkaufen. Heute war wieder Campingküche dran. Leider war die Auswahl an frischen Dingen und auch die Auswahl an Käse eher schlecht. Also eigentlich gab es schon einiges in der Kühltheke, aber das sah ziemlich gammelig aus. Beim Blick auf die Pilze meinte Herr Yeti, dass die wie "aus dem A... gezogen" aussehen würden. Schon seltsam, dass in einem doch relativ großen Supermarkt so wenig Produktpflege betrieben wird. Pilze im Endstadium der Verschleimung will doch niemand essen, ebenso wenig angematschte Zucchini oder halbvertrocknete Frühlingszwiebeln.

Wir schafften es trotz allem, eine halbwegs akzeptable Auswahl für einen Salat zu besorgen und machten uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Später gab es dann noch ein paar Bierchen und Sirop de Menthe im Dorf. Herr Yeti bekam ein lokales Bier in einem Glas mit einem lustig grinsenden Tierchen drauf serviert.

Das Bier heißt "La belette" (das Mauswiesel) und ebenso ein Tierchen grinste vom Glas. Mein Einwand, dass das Bier sicherlich aus Wieselpipi oder gepressten Mauswieseln hergestellt würde, ließ Herr Yeti aber nicht gelten.


19.07.2015 Mens - Col de la Croix Haute - Col de Menée - Mens

 

Heute sollte es eine kleine Roundtour durch mittelhohes Gebiet und über zwei Cols geben. Wir brachen schon recht zeitig auf, da die Temperaturen im Tal sehr rasch stiegen. Außerdem hatte ein übereifriger Laubbläser schon kurz nach dem Morgengrauen sein Gerät angeworfen und uns geweckt. Ebenso der freundliche Nachbar, der um 6 Uhr sein Auto 50 cm nach vorne oder hinten setzte und die Rentnergang, welche morgens gerne lautstark mit Geschirr klapperte, erübrigten jeglichen Wecker. Dafür gab es nachts einen richtig tollen Sternenhimmel inklusive Milchstraße.

Auf den Mopeds ging es nun raus aus Mens und zum Col de la Croix Haute. Herr Yeti dachte sich immer irgendwelche Dinge aus, was die Namen oder Hinweise auf Schildern bedeuten sollten. So wurde aus dem Col de Grimone der "Grünkohlpass" oder aus "sortie de camions" "Sortiere die Chamäleons". Wir fuhren eine schöne, entspannte Runde und machten Pause in Châtillon-en-Diois. Herr Yeti war sich nicht ganz sicher, ob er hier nicht schon mal gewesen war. Er meinte, wenn es am Ortsausgang ein Weingut und eine Pizzeria gäbe, würde er den Ort kennen. Nach einer Kaffeepause im Straßencafé fuhren wir das kurze Stück und siehe da, beides lag am Ortsausgang.

neugierige Kuh
Herr Yeti war hier wohl mal an einem Sonntag angekommen, hungrig und ko und hatte nur ein altes Baguette bekommen können. Später allerdings hatte er eine Frau auf einem Rad gesehen, die Pizzakartons transportierte und war der Sache auf den Grund gegangen. Am Ende des Tages gab es für ihn dann noch Pizza, aber ohne die angebotenen Schnecken. Ich meinte zu ihm, dass ich mir so eine Schneckenpizza schon schön vorstelle. Wenn sie serviert wird, ploppen aus dem Käse auf einmal lauter Fühler und winken. Das fand Herr Yeti aber wenig attraktiv.

Von Châtillon-en-Diois fuhren wir noch über den Col de Menée und dann zurück zum Camping. Da es noch früh am nachmittag war, nutzten wir heute auch den kostenlosen Eintritt ins Schwimmbad nebenan. Hier gab es ein Kuriosum, man durfte nicht mit Schuhen in den Schwimmbadbereich. Am Eingang stapelten sich diverse Schuhe und man musste dann über die glühend heißen Waschbetonplatten zum Becken stolpern. Immerhin war das Wasser angenehm frisch, wenn auch für meinen Geschmack zu sehr gechlort. Nach einer kurzen Erfrischungsrunde setzten wir uns in die Campingbar und überlegten, was es heute zu essen geben sollte, während die Badeklamotten an uns trockneten.

Der Einkauf im Supermarkt gestaltete sich mal wieder relativ ernüchternd, aber auch heute mussten wir nicht hungern. Der lokale Bäcker dagegen war richtig super. Die Frühstückscroissants und Pains au chocolat waren Klasse und an einem Morgen entdeckten wir noch eine Art Olivenbrezel, die hervorragend schmeckte und sehr saftig war. Die kleinen Brote mit Sesam und Mohn waren ebenfalls äußerst lecker und passten zum mitgenommenen Käse super dazu.

Den Abend verbrachten wir dann ebenfalls auf der Terrasse der Campingbar und irgendwann ging's dann wieder ab ins Zelt.

Im Gegensatz zu meinem letzten Urlaub, wo ich immer auf Achse war und nur in Gavarnie länger geblieben bin, haben wir diesmal immer mehrere Nächte an einem Ort verbracht und sind Tagestouren gefahren. Das war sehr angenehm, da zum einen das tägliche Packen entfiel und man zum anderen nicht immer mit Gepäck fahren musste.

Das Gepäck stört zwar nicht so wahnsinnig, aber ohne Taschen ist man doch schmaler und wendiger und das Mopedballett (im Sprung über die Sitzbank grätschen) entfällt ebenfalls.Bei Stopps in Ortschaften muss man weniger Sorgen um seine Sachen haben. Bis jetzt ist nie etwas weggekommen, wahrscheinlich sieht das Zeug schon viel zu abgeranzt aus. Conchita hatte auf den Tagestouren immer die Aufgabe, unsere Einkäufe und das Wasser zu transportieren. Mein kleiner Faltrucksack hat dafür hervorragende Dienste geleistet und die kleinen Rok-Straps von Herrn Yeti auch. Ich finde es schon praktisch, dass mein Motorrad einen Gepäckträger hat, gerade für solche Aktionen.

 

20.07.2015 Mens - Col du Noyer - Mens

 

An diesem Morgen wachten wir wieder bei strahlendem Sonnenschein auf. Die letzten Tage hatte es am nachmittag immer mal gegrummelt, aber keine Gewitter gegeben. Es sah nach einem weiteren heißen Tag aus und wir brachen nach dem Frühstück auf. Heute sollte es eine Runde über den Col du Noyer geben und von da im Bogen wieder zum Camping zurück.

Schon nach den ersten Kilometern gab es richtige Highlights, die Bergmassive rundum luden zu einem Fotostopp ein. Herr Yeti nötigte mich dazu, auf die Strohballen zu klettern, die herumlagen. Leider fand ich keinen richtigen Aufstieg, während Herr Yeti
ziegengleich auf den Ballen hüpfte und meinte, ich sollte es ihm gleich tun.

Da ich seit der Ischiasgeschichte 2012 nicht mehr richtig springen kann, war das wenig hilfreich für mich. Bald waren wir auf einer kleinen Straße und stoppten kurz an einem Bergbach, um dort Bilder zu machen. Dann fuhren wir nach einem kleinen Abstecher zu einem Wanderparkplatz weiter in Richtung Dévoluy.  Es ging durch eine wunderbare Berglandschaft nach oben und zum Col du Noyer.

An der Straße zum Col kamen bei einem Fotostopp zwei kläffende Hunde angelaufen, die aber zum Glück hinter einem Zaun waren. Als wir weiterfuhren, konnte ich es mir nicht entgehen lassen, das Visier zu öffnen und die Kläffer anzukläffen, der Erfolg war durchschlagend! Die Straße zum Col war klasse, kein Verkehr, relativ guter Belag und gute Sicht auf alles. Oben machten wir dann eine kurze Kaffeepause, bevor es wieder ins Tal und im Bogen zum Camping gehen sollte.

Der Heimweg hatte dann noch eine Überraschung parat. An einer Stelle wurden wir auf eine minikleine Straße umgeleitet. Kurz davor hatte ich noch gedacht "wenn ich jetzt allein hier wäre, wäre ich da hoch, um zu gucken, wo es da langgeht." Und schon waren wir auf der Straße gelandet. Es stellte sich heraus, dass hier einiges fahrerisches Können gefragt war, denn die Straße war klein, kurvig und die Spitzkehren wirklich spitz.

Auf dem Weg zum Col du Noyer
Herr Yeti meinte später, dass er sich etwas weniger PS gewünscht hätte und mit der Ninja auf der Straße gar keine Chance gehabt hätte, überhaupt in einem Zug um die Kehre zu kommen.

Ich hatte wenig Mühe, nur damit, dass Herr Yeti manchmal etwas ungünstig in der Kehre unterwegs war, so dass ich meinen Schwung abbremsen musste. Auf kleinen und kleinsten Straßen ist Conchita trotz ihres Gewichts erstaunlich wendig und lässt sich einfach um die Ecken scheuchen. Beim wenden und vor allem beim wenden auf Schotter oder unbefestigten oder auch leicht schrägen Stellen habe ich allerdings so meine Probleme, das Gewicht zu halten und die Kupplung mit Gefühl kommen zu lassen.

So hat jeder sein Päckchen zu tragen...

Nach dieser ungeplanten Anstrengung ging es durch malerische kleine Bergdörfer weiter zum Camping. Dann erstmal raus aus den Klamotten, rein ins Wasser! An manchen Tagen musste ich Herrn Yeti aus der Jacke helfen, weil ihm das Leder auf der Haut klebte. Bei mir klebte das Hosenfutter und der Dunst, der mir entgegenschlug war ebenfalls wenig einladend. Zum Glück konnten wir uns im Schwimmbad erfrischen und ließen den Abend nach unserem Essen an der Campingbar ausklingen.

... Fortsetzung folgt...



 














Mittwoch, 5. August 2015

Urlaub 2015 - Mit Zelt, Motorrad und Herrn Yeti - Teil 2

15.7.2015 - Lac de Annecy - Lac du Bourget/Abbaye de Hautecombe - Lac de Annecy

 

Heute sollte es eine kleine, entspannte Roundtour zum Lac du Bourget geben. Herr Yeti führte uns vom Camping erst einmal zu einer kleinen Siedlung, wo wir dann auf einmal vor einem Durchfahrt-Verboten-Schild standen. Allerdings stand noch etwas in der Art "Durchfahrt von 7 bis 9 verboten" drunter, und da es nach 9 war, sind wir einfach hochgefahren. Das stellte sich dann als die richtige Straße heraus und schwupp ging es durch die Hügel nach oben und zum nächsten See nach Aix-les-Bains.

Bei einem Blick auf die Karte fiel mir auf, dass ich hier schon mal mit dem Rad durchgekommen sein musste.
 
... ganz hinten irgendwo ist der Mont Blanc versteckt...
Der Ort "Chindrieux" war mir noch in Erinnerung. Bei der Schinderei bergauf war das damals unser running gag "diese Straße ist ganz schön schindriöö".

Überhaupt kannte ich ein paar der Ecken, durch die wir dieses Jahr durchkamen, von diversen Radtouren in den 90ern. Wenn ich mir das heute so ansehe, was wir da damals abgestrampelt haben kann ich nur sagen, dass ich froh bin, das nicht mehr tun zu müssen. Ich weiß noch, dass mir damals die Motorradfahrer in den Alpen extrem auf den Geist gingen, immer in Rudeln unterwegs und immer der Krach! Heute ist es umgekehrt, mich nerven die Rennradfahrer, die gerne in Rudeln die ganze Straßenbreite blockieren, einem in Spitzkehren fast vors Moped fahren, oder bei Abfahrten versuchen, sich in den Windschatten eines Motorrads zu hängen. Das ist meiner Meinung nach eine der schlechtesten Ideen, die ein Rennradfahrer haben kann, vor allem, wenn er in meinem toten Winkel fährt.

Lac du Bourget mit Aix-les-Bains
Ich weiß, wie anstrengend es ist, so einen Pass hochzufahren und dass man auf keinen Fall aus dem Tritt kommen will, aber trotzdem... ein bisschen gegenseitige Rücksicht wäre doch ganz schön. In Frankreich stehen an einschlägigen Straßen gerne Schilder mit Hinweisen auf den Mindestabstand zu Fahrradfahrern und "Nous partageons la route" (Wir teilen uns die Straße). Klappen tut das oft nicht wirklich gut, aber das tut es auch ohne die entsprechenden Schilder hier ebenfalls nicht.

Unterwegs machten wir einen kleinen Schlenker zu einem Aussichtspunkt, wo man auf der einen Seite den Mont Blanc und auf der anderen Seite den Lac du
Bourget bewundern konnte. Leider war es zur Seeseite recht dunstig, dafür strahlte der Mont Blanc umso mehr. Wir genossen die Wärme und die tolle Aussicht und gönnten uns Kaffee und Cola. Es war einfach nur herrlich, warm, sonnig, wir beide gut gelaunt, entspannt und fröhlich. So sollte Urlaub sein!

Mont Blanc macht seinem Namen Ehre
Vom Aussichtspunkt machten wir uns dann auf den Weg nach unten zum See, nach Aix-les-Bains. Am Hafen von Aix-les-Bains, konnten wir eine Babyente bei ihren unglaublichen Tauchgängen beobachten und mussten uns einen gelangweilten, verspielten Hund vom Leib halten. Bald ging es weiter zur Abbaye de Hautecombe.

Vorher warfen wir noch einen Blick auf den Kunsthandwerksmarkt, dessen Stände in der prallen Sonne lagen. Ob sich das dort wohl lohnt? Wir sind im Urlaub an dem einen oder anderen Geschäft vorbeigekommen, wo schöne Keramik und anderes ausgestellt war. Leider (oder zum Glück..) kann man auf dem Motorrad nur schlecht etwas mitnehmen, der Platz ist ja meist schon optimal mit anderen Dingen gefüllt.


An der Abtei angekommen parkten wir im Schatten der riesigen Kastanienbäume und gingen in den Hof hinein. Leider kann man nur die Kirche besichtigen und das mit einer "geführten Tour". Am Ticketschalter habe ich verstanden, ob wir eine geführte Tour machen wollen, oder nicht. Gesagt wurde aber, dass wir eine geführte Tour machen müssen, wenn wir da rein wollen. Na gut, dann machen wir das halt. Mit dem nächsten Schwall ging es in die Kirche hinein, wir bekamen eine Art Handy in die Hand gedrückt, das man auf seine Sprache einstellen musste. Wie das gehen sollte, haben wir dann durch Versuch und Irrtum rausgefunden, die Anweisung war auf Französisch und ging  mir zu schnell. Leider habe ich meins aus Versehen wieder verstellt und als die Führung losging, musste ich mir ein anderes Gerät geben lassen, weil ich es nicht mehr schaffte, meins umzustellen, da es sich bereits synchronisiert hatte.

Hafen von Aix-les-Bains
Die Führung sollte uns bis an den Rand mit Kultur füllen... reihum wurden die Sehenswürdigkeiten der Kirche angeleuchtet und erklärt. Dazwischen folgte salbungsvolle Musik. Leider waren die Erklärungen oft recht dürftig, nach dem Motto "Dieses wirklich ausgewöhnliche Gemälde..." Warum es nun ausgewöhnlich sein sollte, blieb im Dunkeln. Ich erinnere mich nur noch daran, dass in dem Kloster etliche Frauen, Männer und Familien leben, die ihr Leben der Spiritualität widmen. In der Klosterkirche selbst gibt es diverse Altarnischen und Skulpturen zu bewundern, die entweder Stifter oder wichtige Persönlichkeiten abbilden. Herr Yeti amüsierte sich darüber, dass auf Frauengräbern im Mittelalter Windhunde als Symbol der Treue abgebildet waren und später amüsierten wir uns beide darüber, dass eine Figur "Karl, den kleinen Großen" darstellte. Herr Yeti meinte, dass das auch von ihm stammen könnte.

Der mysteriöse Yeti vom Lac de Annecy...
Nachdem unsere Köpfe mit so viel Kultur gefüllt worden waren, dass diese rasch wieder aus den Ohren lief,
machten wir es uns auf einer Mauer im Schatten der Kastanien bequem, um unser mitgebrachtes Baguette und Käse zu essen und reichlich zu trinken. Leider wurde man dort von gefräßigen Ameisen belagert, mein Hinweis, dass Herr Yeti auf die Fühler zielen müsse, weil sie dann hilflos seien, hat leider wenig gebracht. Herr Yeti weigerte sich, auf die hilflosen Tiere zu schießen und schnippte sie lieber von seiner Jacke. Den Helm am Boden zu lagern, war ebenfalls eine schlechte Idee, da man diesen danach auf vagabundierende Ameisen untersuchen musste. Nichts ist schlimmer, als irgendein (echtes oder eingebildetes) Vieh im Ohr zu haben, während man fährt, sich nicht im Ohr puhlen und schon gar und nicht anhalten kann. Ok, die Steigerung ist noch die Wespe unterm Visier...

Nach dem Besuch der Abtei machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Camping. Dort angekommen, gab es das übliche Programm: Kombi runter, Badeklamotten anziehen und ab in den See. Inzwischen war eine recht große Gruppe Jugendlicher auf Fahrrädern angekommen. Herr Yeti hätte einen fast überfahren, der allzu sorglos über den Platz bretterte. Wir hofften beide, dass die Kids in der Nacht ruhig sein würden und dass wir am morgen rechtzeitig zu den Duschen kämen, denn davon gab es nur zwei und mit Blick auf die große Anzahl Mädchen konnte man sich schon gut vorstellen, dass das am nächsten Morgen ein Problem werden könnte.

Aber erst einmal genossen wir das Bad im See. Ich schwimme gerne, aber Schwimmbäder und Chlorwasser kann ich nicht leiden, da ist so ein Bad in einem natürlichen Gewässer schon was tolles. Einzig der Ein- und Ausstieg ins Wasser war für mich schmerzhaft, das Ufer ist recht steinig und man muss aufpassen, dass man nicht ausrutscht. Herr Yeti hatte mit seinen Spiderman-Schuhen dagegen keine Probleme und kam einfach rein und raus. Das nächste Mal nehme ich auch solche Sandalen mit anstatt der Stoffturnschuhe, in die man mit feuchten Füßen auch nur schwer wieder reinkam.

Conchita bepackt und unterwegs zum Iseran
An unseren letzten Abend am Lac de Annecy wollten wir noch einmal essen gehen. Bis dato hatten wir uns mit der Trinkerei ziemlich zurückgehalten.

Normalerweise trinke ich am Abend vor einer Tour möglichst gar nicht oder maximal ein Glas. Heute Abend ließen wir es uns aber gut gehen. Wir gingen schon leicht vorgeglüht zum Restaurant, dann gab es noch eine Flasche leckeren Rosé zum Essen und danach kam Herr Yeti noch auf die Idee, dass ich nach einem lokalen Digestiv fragen könnte. Wir bekamen eine Art Grappa serviert, recht großzügig eingeschenkt. Mein Protest hat nichts genützt, Herr Yeti bestellte einfach zwei Grappas und sich später noch einen. Auf dem Heimweg stützten wir uns gegenseitig und unter Gekicher und Gealber ging es zum Campingplatz und ab ins Zelt.

16.7.2015 - Lac de Annecy - Col de Iseran - Lanslebourg


Es gibt den Yeti doch! (Beweisfoto)
Oh je... das konnte heute ja heiter werden. Ich war als erste von uns beiden wach und kroch reichlich
verkatert aus dem Zelt. Kreislauf? Fehlanzeige. Herr Yeti regte sich auch schon, war aber ebenso halblebig. Ich beauftragte ihn mit dem Einkauf unseres Frühstücks, weil ich erstmal duschen wollte. Nach Dusche und Frühstück ging es ans packen, heute wollten wir weiter ein Stück über die Route des Grandes Alpes und nach Lanclebourg. Ade, kleiner Campingplatz und schöner See!

Den ersten Teil der Strecke waren wir vorgestern schon einmal gefahren, aber ich hatte heute Mühe voranzukommen und Herr Yeti war schon weit voraus. An so einem Tag bin ich sehr froh, dass ich so eine gutmütige, unkomplizierte Maschine fahre, die Fahrfehler nicht übel nimmt. Am Barrage de Roselend wartete Herr Yeti schon auf mich, ich bat um eine Trinkpause und einen Kaffee.

Herr Yeti gestand, dass er auch ein paar Probleme hatte und sich einmal bei ein paar Wechselkurven derb verbremst hätte. Mir war eher nach Achterbahn zumute, immer kurz vorm umkippen und leicht übel. Zum Glück brachte der Kaffee meinen Kreislauf wieder auf Trab und im Lauf der nächsten Stunde ging es immer besser.

Auf dem Iseran
Darüber hinaus war ich von den großartigen Ausblicken rundum abgelenkt. Die Straße zum Iseran hoch fand ich nicht so wild, sie ist zwar recht eng, teilweise auch schlecht, aber man kann trotz allem gut fahren. Netterweise war auch relativ wenig Verkehr, so dass man sich nicht ständig an Caravans und Radfahrern vorbeiquälen musste. Auf dem Col angekommen gab es das übliche Passbild, ich kaufte pflichtschuldig drei Postkarten inklusive Briefmarken und nach einer ausführlichen Fotosession fuhren wir weiter nach unten.

Passbild!
Herr Yeti hatte für uns den Campingplatz in Lanslebourg ausgesucht. Der Platz selbst ist zwar nicht so schön, dafür sind die Sanitäranlagen modern und man ist gleich im Dorf. Ich kümmerte mich um den Check-In und dann bauten wir unsere Zelte auf. Danach ging es ins Dorf, um die  Einkaufsmöglichkeiten zu checken und gemütlich etwas zu trinken.

Nach dem letzten Abend hatte ich mir geschworen, den restlichen Urlaub mit Alkohol kürzer zu treten und bestellte mir einen Sirop de Menthe, Herr Yeti schlürfte ein kühles Bier und wir genossen die Wärme und den schönen Nachmittag. Auf dem Rückweg kauften wir für unsere Campingküche ein. Heute sollte es Bohneneintopf geben. Der lokale Supermarkt hatte alles im Angebot und wir machten uns auf den Rückweg. Während Herr Yeti kochte, wusch ich ein paar Klamotten durch. Der warme Wind würde sie rasch trockenblasen.
Französischer Knickohrhund

Als ich zurückkam, gesellten sich zwei spanische Motorradfahrer zu uns. Leider waren sie wenig kommunikativ, ich hätte ganz gerne etwas Spanisch gesprochen. Etwas später kamen zwei weitere Motorradfahrer auf Enduros an. Sie stellten ihre Zelte jedoch ein Stück von uns entfernt auf.

Als wir später zur Terrasse des Campingrestaurants gingen, sahen wir, dass sie Freiburger Kennzeichen
hatten und sprachen sie an. Vater und Sohn waren unterwegs zu den alten Passkammstraßen und wollten zusammen die Route des Grandes Alpes fahren. 

Im Campingrestaurant sollte es heute ein Konzert geben und wir waren gespannt, was uns dort erwarten
Irgendwo da hinten ist der Iseran
würde. Nach "Nokinoki" waren wir schon auf einiges gefasst. Die aufgebauten Instrumente gaben Anlass zur Hoffnung, dass nicht nur irgendwelche Songs nachgespielt würden.

Sehr lustig waren die vier Hunde, die sich auf der Terrasse herumtrieben und immer auf der Suche nach Streicheleinheiten und/oder etwas zu essen waren. Bei einigen Gästen konnten sie etwas abstauben, die beiden Freiburger, die sich ihre riesigen Hamburger schmecken ließen, hatten Mühe, sich die Bande vom Leib zu halten. Da die Hunde wirklich wohlerzogen waren und ihren Besitzern aufs Wort gehorchten (die Hunde waren allesamt taub), gab es viel zu lachen.

Lanslebourg - Kirche
Die Band spielte sich derweil ein, es wurde langsam dämmrig. Nach einer relativ langen Bandprobe mussten
sich die Musiker erst einmal stärken. Natürlich mischten die Hunde eifrig mit, ein besonders freches Exemplar hätte sich um ein Haar eine große Portion Fleisch mit Pommes vom Tisch geholt, konnte aber noch rechtzeitig verscheucht werden. Gegen 22.30 Uhr ging dann das Konzert los, das zwar nur wenig Publikum angelockt hatte, welches aber umso euphorischer feierte und tanzte. Wir wurden langsam müde und machten uns auf den Weg zu unseren Zelten. Das Restkonzert und die Hunde konnte man die halbe Nacht noch hören, was unserem Schlaf aber keinen Abbruch tat.

17.7.2015 - Lanslebourg - Mont Cenis - Susa - Lanslebourg

Lanslebourg
Heute früh wachten wir frisch und munter auf, ich besorgte uns das Frühstück und es konnte fix auf die
Mopeds gehen. Eine Minitour zum Cappucino trinken in Italien stand auf dem Plan. Vom Camping ging es hoch Richtung Mont Cenis. Die Straße schraubt sich gemächlich den Berg hoch und man hat genügend schöne Ausblicke ins Tal. Da wird relativ früh dran waren, hielt sich der Verkehr in Grenzen. Nach einer unerwartet kurzen Fahrt waren wir schon oben angekommen. Herr Yeti versprach mir weiter hinten an der Strecke noch einen schönen Stausee und weiter unten hinter der Staumauer ein halb verfallenes Dorf.

Eintracht...
Die Barrage du Mont Cenis ist eigentlich eine Unverschämtheit. Der Bach, der hier einmal entlang floss, versorgte u. a. die italienische Seite mit Wasser. Kurz vor der Grenze haben die Franzosen dann mal fix eine Staumauer errichtet und der anderen Seite das Wasser abgegraben. Rundum gab es hier schöne Aussichtspunkte und wir hielten öfter an, um Bilder zu machen. An einem großen Parkplatz unterhalb der Mauer stoppten wir und statteten dem verfallenen Dorf einen Besuch ab. Neben einem recht neu gebauten Haus im Schatten der Staumauer (ich hätte da klaustrophobische Anfälle) befindet sich laut Schild "das einzige Dorf, das von der Errichtung der Staumauer nicht betroffen war". Gut bekommen ist es ihm nicht, nur noch eins der Häuser ist bewohnt, der Rest verfällt vor sich hin. Am Ende unserer Besichtigungsrunde habe ich kurz gestutzt und mich gefragt, wer seine Vogelscheuche hier auf den Boden gelegt hat. Auf den zweiten Blick handelte es sich um einen Mann, der sich in seiner Unterhose auf dem Gras sonnte und sich die Sonne mit einem Strohhut aus dem Gesicht hielt.

Abendstimmung in Lanslebourg
Auf dem Parkplatz trafen wir die beiden Freiburger wieder, die ebenfalls unterwegs nach Susa waren, von
wo aus sie zur Assietta-Passkamstraße aufbrechen wollten. Wir nahmen die Straße nach Susa und Herr Yeti fuhr mir davon, weil ich lieber brav sein wollte und Bedenken hatte, von irgendeinem versteckten Carbinieri abkassiert zu werden. In Susa trafen wir die beiden Enduristen wieder, wir gingen aber in ein anderes Café.

Barrage du Mont Cenis
Es war schon mächtig warm und die Wolken am Himmel verhießen nichts Gutes, so dass wir nach dem Kaffee rasch den Rückweg antraten. Nach oben fuhr Herr Yeti dann furchtbar brav und ich wunderte mich schon, schob es aber auf die Schilder, die überall vor automatischen Geschwindigkeitskontrollen warnten.

So hingen wir hinter irgendwelchen lahmen Autofahrern, bis endlich die französische Grenze kam und wir vorbeizogen. Herr Yeti hielt an einem Parkplatz, winkte und rief "Verkehrskontrolle! Haben Sie genug Alkohol und Drogen zu sich genommen?" Herr Yeti meinte, er sei jetzt mal brav gefahren, weil ich das so gesagt hätte. Gut so! :-D

Verlassenes Dorf
Der Rückweg über den Mont Cenis zum Camping gestaltete sich problemlos, allerdings wollte Herr Yeti noch tanken und fuhr an einer Abzweigung, wo ich mir unsicher war, wieder vor. Wir fanden dann ein paar Kilometer weiter eine Tankstelle und konnten zurück zum Camping fahren. Inzwischen grummelte und grollte es draußen schon und begann auch bald zu regnen. Wir verzogen uns in den Aufenthaltsraum, luden die Handies und liehen ein französisches Scrabble aus.

Über die Spielregeln waren wir uns nicht so ganz einig, ich legte einige Wörter, die Herr Yeti nicht kannte und wir hatten beide große Probleme, die riesige Anzahl Vokale unterzubringen, Konsonanten sind in der französischen Ausgabe eher dünn gesäht. In einer Runde hatte ich W, X, Y und Z gezogen... Derweil schüttete es draußen fröhlich weiter. Als der Regen etwas nachließ, gingen wir zu den Zelten, uns etwas mehr überziehen, da es inzwischen auch abgekühlt hatte.

Die beiden Freiburger waren derweil auch zurück, nass und mit nur einem Motorrad. Das Motorrad vom Sohn mochte keinen Regen und hat kurz vor dem Pass gestreikt. Sie hatten es dort stehen lassen müssen und wollten es später mit Hilfe eines Holländers auf dessen Anhänger holen. Jetzt war aber erstmal Stärkung angesagt.

Wir gingen nach oben ins Campingrestaurant, das sehr gemütlich war. Von unten hatten es wie ein Matratzenlager ausgesehen, oben standen aber einige Tische, die sich auch rasch füllten. Wir setzten uns zu den Freiburger und sie zeigten uns ein Video von einem Sturz und der Bergung der KTM des Vaters. Der Tankrucksack, den sie von der Maschine genommen hatten, rollte derweil fröhlich in Richtung Tal. Das Video erheiterte auch die beiden Tischnachbarn, zwei Studenten aus London, die mit den Rädern von London über Paris nach Pisa wollten.

Bei Wein, Bier und Pizza erzählten wir uns alle möglichen Dinge und die beiden hatten es auf einmal eilig. Sie wollten unbedingt noch im Hellen hoch und das Motorrad bergen. Zu unserem Erstaunen kam plötzlich der Koch nach oben und sprach die beiden auf Deutsch an, er hätte einen Transporter mit einer Rampe und könnte ihnen helfen. Die beiden hatten es jetzt eilig wegzukommen und fuhren mit dem Koch zusammen zum Pass.

Wir beide saßen noch eine Weile und unterhielten uns, irgendwann gingen wir nach unten, unsere restlichen Getränke zahlen und zu den Zelten. Derweil waren die beiden Freiburger mitsamt dem streikenden Motorrad zurück. Der Vater erzählte uns, dass der Koch aus Straßburg sei, seine Mutter wäre aus Rust. Er würde seit 30 Jahren dort oben leben und sich etwas um kulturelle Veranstaltungen kümmern.

Schon ganz schön verrückt, da trifft man etliche Kilometer von zuhause entfernt auf lauter Leute von "daheim"!

Fortsetzung folgt...