Samstag, 11. April 2015

Lebensabschnittspartner

Das Wetter schrie gestern nach einer ausführlichen Tour, aber Conchita hat gerade leider einen sehr abgefahrenen Vorderreifen, der erst nächste Woche gewechselt wird.

Also bin ich Freitag gleich mit der CBF zur Arbeit (das erste Mal in diesem Jahr!) und nach der Arbeit direkt in den Sattel gesprungen. Es ging erstmal hoch Richtung St. Peter und dann weiter zum Thurner mit einem kleinen Stopp am üblichen Wanderparkplatz vor St. Märgen. Danach bin ich das Jostal runtergefahren und habe der Kleinen mal richtig die Sporen gegeben.

Es ist schon ein komisches Gefühl, nach etlichen Monaten auf das kleine Motorrad umzusteigen und nur noch 500 Kubik zu haben, es erdet ungemein und beim rangieren fühlt es sich wie ein Kinderfahrrad an :-)

Hafen Konstanz
In Neustadt stand dann an der Ampel "meine" Twin hinter mir und ich habe immer geguckt, ob sie mir auch
nachfährt. Bis Eisenbach ist sie mir gefolgt, aber immer mit ziemlichem Abstand. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass sie irgendwann mal an mir vorbeizieht. Aber nein... na gut.

Bei Vöhrenbach bin ich dann im Café Waldrast eingekehrt und habe mich an dem einen der zwei Tische mit
Hafen Konstanz
Kaffee und Kuchen gestärkt. Und mich wieder herrlich über den "Eisneger" auf der Eiskarte amüsiert. Muss ich mal bestellen. Ansonsten war es dort heute nicht so gemütlich, da die Terrassenstühle und -tische gerade per Kärcher gereinigt wurden, was einen ziemlichen Krach gemacht hat. Also ging es flott weiter, diesmal ein Stück zurück über Bubenbach und dann Richtung Bonndorf.

Ich bin dann mal eben geschwind durch die Wutachschlucht gekurvt, an lahmarschigen Benzfahrern vorbeigezogen und als ich in Bonndorf war, habe ich den Entschluss gefasst, mindestens bis nach Engen zu fahren, um zu gucken, ob das Café Huber noch steht. Bei Singen dachte ich mir dann aber, dass ich gleich das "Jetzt-ist-Frühling"-Ritual machen könnte und nach Konstanz zum Eis essen fahren. Gegen 17 Uhr war ich in Konstanz, ging erstmal runter zum Hafen, um die Berge zu bewundern, die leider ziemlich im Dunst steckten.

Danach ging es fix in die Eisdiele und nach dem üblichen (riesigen! hatte den nicht so groß in Erinnerung) Amarenabecher "chez León" wieder nach Freiburg. Da hat sich dann schon die Müdigkeit etwas bemerkbar gemacht.

Bis zur Abzweigung Hinterzarten ging's die B 31 entlang. Bei manchen Autofahrern scheint es sich noch nicht rumgesprochen zu haben, dass man LKWs auch überholen darf und die B 31 durchaus höhere Geschwindigkeiten als 80 km/h erlaubt. Weil es langsam dämmerte, habe ich der Kleinen nochmal die Sporen gegeben, nachdem ich sie hinter Singen mal kurz mit 160 km/h über die Bahn gejagt habe. Ich wollte sichergehen, dass alles in Ordnung ist.

Denn... nächsten Samstag geht der Lebensabschnitt mit der CBF zuende. Ich habe sie heute verkauft und das war vermutlich ihre letzte größere Tour mit mir im Sattel.

Wie auf einer Postkarte!
Am Ende der gestrigen Tour wurde ich auf dem Thurner noch mit einem großartigen Sonnenuntergang belohnt. An der einen Bushaltestelle stand schon ein Auto mit Münchner Kennzeichen und man genoss wie ich das großartige Panorama. Morgen und nächste Woche werde ich eventuell noch ein paar kleine Ausfahrten machen, aber danach gibt es nur noch Conchita.

Mein liebes Mädel, mach es gut und bereite Deinem neuen Besitzer genauso viel Freude, wie Du sie mir bereitet hast! Ich freue mich sehr, dass Du in gute Hände kommst und nicht verschlissen wirst.



Sonntag, 5. April 2015

Prinzessin auf der Schneeburg

Ruine Schneeburg am Schönberg
Jetzt ist er schon länger geschafft, der Umzug. Ich war auch geschafft, denn ein paar Tage vorher ereilte mich der diesjährige Rotz DeLuxe in der Großpackung.

Ich sag Euch, der Umzugs-Samstag, der Sonntag und der (freie) Montag waren kein Ponyschlecken! Dank unter anderem der zupackenden und nimmermüden Hilfe von Frau zuse stand bis Sonntagabend zumindest die Küche halbwegs. Am Samstagabend haben wir dem Herrn im Baumarkt wohl so leid getan, dass er uns die Arbeitsplatte doch noch schnell geschnitten hat, die wäre sonst erst Dienstag fertig gewesen.

Eins weiß ich gewiss: Falls ich in diesem Leben nochmal Küchenschränke kaufen sollte, werde ich das im
Küchenstudio tun, denn da ist hochschleppen und aufbauen mit im Preis drin. Und man hat auch gleich die passende Anzahl Schubladen (*hüstel*). Die Schubladen haben mich um gefühlte 25 Jahre altern lassen. Ich sag nur "Die 50.000 Todesschrauben des Dr. Fu Manchu". Man kann die Teilchen so oder so aufbauen, oder auch ganz anders! Mit dickem Kopp macht man dann noch Fehler hier und da, die Schrauben verkeilen sich... aber wir wissen jetzt, wie man mit einem Griff die Blenden wieder abkriegt, nicht wahr, Frau zuse? Und der dritte Küchenschrank und die sechste Schublade waren dann auch voll einfach *hust*

Hinterm Haus geht's in die Natur
Aber jetzt ist der Stress erstmal vorbei, bis auf ein paar kleinere Baustellen hier und da ist es hier  richtig gemütlich geworden.

Die liebsten Menschen in meinem Leben haben mich schon alle besucht, besonders gefreut hat mich der Besuch von Herrn Yeti. Leider war das Wetter alles andere als schön, so dass wir es uns in erster Linie auf meinem Sofa gemütlich gemacht haben.

Zu Besuch beim Nachbarn
Hier ist es wie auf dem Land: Morgens kräht der Hahn, die Vögel zwitschern und die Stadt ist meilenweit entfernt.In Wirklichkeit sind es 2,5 km ins Zentrum und das nächste Viertel mit Einkaufsmöglichkeiten ist 700 m weg. Davon merkt man hier oben aber nichts.

Zur Zeit gucke ich den Kiwis am Balkongeländer beim wachsen zu und den Vögeln, die im Nachbargarten oder auf meinem Balkongeländer sitzen. Gerade eben war nebenan ein Buntspecht zu Gast und die Meisen nisten beim Nachbarn im alten Apfelbaum. Es ist unglaublich schön hier und ich habe das beste aus beiden Welten: Ich wohne quasi auf dem Land, aber trotzdem stadtnah.

Nach 5 Jahren in meiner alten Wohnung ist mir erst einmal klar geworden, womit ich mich dort alles arrangiert habe: Die dunklen Räume, das zugige, kalte Bad und die eisige Toilette, die Feuchtigkeit, und überhaupt die Kälte im Winter... Im ersten Winter in meiner alten Wohnung hatte ich beim kochen Nebel in der Küche. Ich saß mit 3 Pullovern beim Frühstück, weil es keine Heizung gab und die Temperaturen sich gerne im einstelligen Bereich bewegten (4-8 Grad). Wenn man Salzpackungen offen stehen ließ, hatten diese bald eine schmucke Außenkruste. Im Winter war es in meinem Kühlschrank wärmer, als in der Küche selbst. Abends kroch ich manchmal in ein klammes Bett, und um zu duschen, musste man erstmal den Infrarotheizkörper eine Stunde laufen lassen, damit es halbwegs warm war. Den seltsamen Heizlüfter konnte man vergessen, der hat einen nur seitlich am Waschbecken geröstet, hinten in der Dusche war es trotzdem eisig. Unter der Dusche selbst gab es die Wahl zwischen zwei Modi: Hummer oder Pinguin. Will heißen, bei lebendigem Leib gekocht werden, oder die kalte Dusche. KLACK - heiß! Ein bisschen zu weit ins Kalte gedreht und KLACK! - Dusche kalt. Wenn es gestürmt hat, bekam man zusätzlich noch eine Luftdusche ins Kreuz. Und den Gang zur Toilette hat man sich gerne bis zuletzt aufgespart, denn da war es im wahrsten Sinne des Wortes arschkalt. Abgehärtet bin ich jetzt auf jeden Fall.

An meinem ersten Abend in meiner neuen Wohnung habe ich das Bad gaaaaaanz warm gemacht und mich
Blick zum Kandel
dann  bestimmt 20 Minuten unter die Dusche gestellt, aus der ein gleichmäßig warmer Strahl kam. Da war es auch egal, dass das Bad noch völlig verdreckt war und die restliche Wohnung wie nach einem Bombenangriff aussah! Das war Luxus!Es ist immer noch ungewohnt für mich, dass ich nur an einem Thermostat drehen muss, um die Temperatur auf eine angenehme Höhe zu bringen. Ich sitze hier auch immer noch mit meinen zwei Paar Socken und der Kuscheldecke. Einfach Gewohnheit.

So ganz langsam kommt auch die Motorradsaison in Gang, Conchita hat schon knapp 1000 km mehr auf der Uhr, aber für eine richtig große Tour hat es noch nicht gereicht. Neulich habe ich bei einer kleinen Runde zufällig gemerkt, dass meine TÜV-Plakette weg ist, in Kombination mit einem recht abgefahrenen Vorderreifen bin ich am letzten Stau dann nur bis einige Autos hinter das Polizeiauto, das in der Schlange stand, gefahren. Muss ja nicht sein ;-) Herr Yeti und ich fiebern schon der ersten gemeinsamen Tour entgegen. Auf Conchita wollte er sich nicht setzen, das ist "nicht meine Liga" war sein Kommentar. Nun ja, ich mag mir den Rücken auch nicht auf einem unbequemen Supersportler verrenken :-D