Montag, 21. Dezember 2015

Ende in Sicht

Jetzt ist es bald so weit, das alte Jahr geht zuende, die Saison endet irgendwie gar nicht und ich werde mit neuen Plänen ins neue Jahr starten.

Die letzten Wochen war hier Frühlingswetter, und ich nutzte die Zeit, um einige ziemlich ausführliche Runden zu drehen. Es ist das erste Mal, seit ich fahre, dass ich im Dezember nicht im Flachland, sondern mehrfach im Schwarzwald auf halber Höhe unterwegs war.

Vorletzte Woche gab es eine schöne Runde in Richtung Villingen-Schwenningen. Danach war allerdings erstmal ein gründliches Entsalzen von Conchita angesagt. Die Bremsschreiben hatte ich wohl nicht gründlich genug geputzt, denn die waren zwei Tage später total rostig. Conchita musste wegen einer Garagenreinigung zwei Nächte auf der Straße verbringen, bevor sie wieder auf ihren kuscheligen Standplatz konnte. Derzeit teilt sie sich den Platz mit der BMW K100 von meinem Kollegen. Die Garagenreinigung hatte ihn vor eine etwas größere Aufgabe gestellt, da die BMW nur Saisonkennzeichen bis Ende November hat, die Batterie draußen ist und sie nun irgendwie die Rampe hoch nach draußen befördert werden musste. Er hat es aber heldenhaft ohne meine Hilfe geschafft und auch die BMW darf jetzt wieder kuscheln.

Gestern bin ich über die Sirnitz gefahren, die Straße war die ganze Saison über zu. Die ersten Kilometer waren aber enttäuschend, da ich dachte, die Straße wäre jetzt gerichtet.

Nein, immer noch Löcher und Flicken, allerdings sind die oberen 2/3 frisch geteert und traumhaft zu fahren. Gestern habe ich es sehr gemütlich angehen lassen, aber im Frühjahr kann man da schon mal flotter durchbraten. Entsprechend viel war dann auch an anderen Motorradfahrern unterwegs.

Danach bin ich einen Bogen Richtung Wiesental gefahren und irgendwann ins Kleine Wiesental abgebogen, dort genussvoll durchgeschwungen und dann wollte ich mir noch die Hochblauenstraße anschauen. Die war auch den größten Teil der Saison gesperrt. Allerdings ist sie eher enttäuschend, denn nur der östliche Teil ist frisch geteert, der Rest befindet sich in dem gleichen mehr oder weniger furchtbaren Zustand, wie die letzten Jahre. Angesichts des Verkehrs, der mir entgegenkam, habe ich mir den Abstecher auf den Blauengipfel gespart und bin dann flott nach Hause gefahren.
Es war wirklich herrlich!

In ein paar Tagen werde ich mich auf den Weg nach Norwegen machen. Davor gibt es noch ein Treffen mit einer Dawandakollegin, die ich sehr bewundere und auf die ich ebenso neugierig bin. Und am 2. Weihnachtsfeiertag geht es auf die Fähre nach Oslo. Ich bin so gespannt, wie das alles wird, welche Menschen mit mir die Hütte teilen werden, wie der Langlaufkurs wird und und und. Wenn es finanziell drin ist, fahre ich nächsten Winter zur Abwechslung dann wieder auf die Kanaren, Teneriffa hat mir ausnehmend gut gefallen und vielleicht nehme ich noch La Gomera mit.


Für das neue Jahr habe ich ein größeres Projekt in den Blick gefasst. Allzuviel will ich hier noch nicht schreiben, wenn es tatsächlich ins laufen kommt, werde ich Euch hier berichten. Es ist das Ergebnis dessen, dass ich mich schon länger mit "alternativen Lebensformen" und dem Thema "wie will ich im Alter leben" (ja, ich werde 50 *gulp*) beschäftige.

Bis jetzt waren die Reaktionen sehr positiv, wenn ich meine grobe Idee geschildert habe. Mal sehen, ob und wie es sich realisieren lassen wird. Selbstverständlich werde ich meinen Wechsel in das neue Lebensjahrzehnt mit einer krachenden Party mit allem Pipapo und einem Haufen Leute feiern. Zeit und Ort stehen schon fest, die Einladung folgt im neuen Jahr, jetzt geht sie eh nur im Vorweihnachtschaos unter.

Alles in allem war auch dieses Jahr klasse, beruflich wie privat und eine grandiose Moped-Saison mit gut 27.000 km mehr auf der Uhr. Laut meiner Werkstatt war ich die Einzige, die diese Saison einen zweiten Satz Reifen gebraucht hat. Gut, dass die Scouts kein Vermögen kosten und man hinten satte 14 mm Profil bekommt. So macht (dauernd, immerzu, ständig!) Moped fahren Spaß :-D

Ich habe mich motorradmäßig
weiterentwickelt (am meisten Dank der Vogesen-Ausfahrt mit dem AT-Stammtisch), meine Sprachkurse machen großen Spaß und ich habe Lust, neue Dinge zu probieren, neue Länder zu bereisen, neue Leute kennenzulernen, meine eigenen Grenzen weiter zu erkunden und auf gar keinen Fall stehenzubleiben. Selbst auf meine Shops habe ich seit einiger Zeit wieder Lust.


Seit letztem Jahr hat sich mein Freundes- und Bekanntenkreis fast schon explosionsartig erweitert. Ich finde es toll, mit so vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt sein zu können und in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich bei Freunden willkommen zu sein.

Die Tradition der "Sonntagsfrühstücke" habe ich wieder aufleben lassen, das letzte Mal war die Hütte voll und es gab sehr viele angeregte und interessante Gespräche, alte Freundschaften wurden aufgefrischt und neue geschmiedet. So darf's im neuen Jahr gerne weitergehen!

Ich danke allen Menschen, die mir nahe standen (...) und stehen für dieses wunderbare Jahr!
Ganz besonders danke ich Frau zuse, die mich immer wieder zum lachen bringt und die immer noch mit mir fahren will, obwohl Conchita auf jeder gemeinsamen Tour gemuckt hat.
Weiterer besonderer Dank geht an Grit und Frank für das großartige Fredtreffen und die schöne Geburtstagsfeier.
Ich danke Anne-Marie für unseren immer wieder bereichernden therapeutischen E-Mailverkehr.
Ich danke der Elfenfamilie in Münster für Eure ungebrochene Freundschaft seit jetzt bald 8 Jahren.
Ich danke wemauchimmer dafür, dass mein bester und langjährigster Freund seinen schlimmen Brandunfall lebendig überstanden hat.
Ich danke meinen Freundinnen Carmen und Katharina für die langjährigen Freundschaften, die uns durch Dick und Dünn verbinden.
Ich danke dem AT-Stammtisch für immer wieder nette und lustige Abende, die schöne Ausfahrt nach Frankreich und Heiner fürs löten vom Reglerstecker und dem Anschließen von Griffheizung und Bordsteckdose und dafür, dass er einen ganzen Samstag mit mir in der Garage gestanden und erklärt hat :-D
Ich danke den Fredissimas für ihren Humor, ihre virtuellen Ohren und ihre großartige gar nicht virtuelle Freundschaft!

Und last not least danke ich meiner wunderschönen Conchita, die mich so brav durch die Lande trägt und ohne größere Ausfälle für mich da war und ist. Außer, wenn die Polschraube gerade losvibriert ist... oder das Reifenventil klemmt...

So, und jetzt langt es erstmal!
*eine ganz große Tüte Dank für alle anderen aufstellt*
 
Ich wünsche Euch allen frohe und ruhige Weihnachten, wie ihr sie am liebsten verbringt und einen guten Rutsch in 2016. Allen Mopedfahrern, die hier mitlesten noch eine weiterhin unfallfreie Restsaison 2015, immer genug Sprit im Tank und den AT-Fahrern da draußen noch ein paar Meter Schotter unter den Reifen.


Donnerstag, 3. Dezember 2015

Halli-Galli-Zeit

Es ist mal wieder allgemeine Halli-Galli-Zeit da draußen. Shopping und so... und auf der Plattform, auf der ich seit 2008 verkaufe, geht es auch rund.

Aber der Reihe nach. 2008 habe ich meine ersten Shops auf Dawanda eröffnet. Damals war die Plattform noch übersichtlich, die Waren handgemacht und alle waren mit Euphorie und Enthusiasmus dabei.

Dann kamen nach und nach die ersten Änderungen und Neuerungen: Einführung von Einstellgebühren, Werbewerkzeuge und diverses Schnicketiundschnacketi, das kein Mensch braucht (erinnert sich noch jemand an diesen Herzchengenerator mit den "beliebten" Produkten?) alles zu Lasten der Stabilität und Usability der Plattform.

Just heute - mitten in der umsatzstärksten Zeit des Jahres - wurden wieder Neuerungen eingeführt, deren Sinn und Zweck sich niemandem erschließt.

Ich bin zum Glück seit Sommer 2013 in der Lage, meine Shops nicht mehr im Haupterwerb betreiben zu müssen. Allerdings sind nicht nur Performance und Usability Reizthemen, sondern damit verbunden auch diverses in der Firmenpolitik, wie z. B. ungerechte Aufteilung der Einstellgebühren, "Vintage"-Ramsch, unkontrollierte Überflutung der Seite mit Massenwaren, Rabttschlachten im 6-Wochen-Takt, Suchwortspamming und und und.

Ich habe nach fast 8 Jahren meine Konsequenz daraus gezogen und werde meine Shops auf dieser Plattform schließen und meinen Schwerpunkt auf die amerikanische Plattform etsy verlegen. Dort bin ich seit 2013. Auch diese Plattform ist nicht das "Gelobte Land", ich fühle mich dort aber wesentlich wohler, ernst genommen und besser betreut. Zumindest habe ich das Gefühl, dass ich dort als Verkäufer nicht nur Melkkuh bin, sondern man mir Tipps und Hilfen an die Hand gibt, um meine Shops nach vorne zu bringen.

Darüber hinaus gibt es dort keine konzertierten Rabattschlachten und auch die "Geiz ist geil"-Mentalität scheint mir weitaus weniger verbreitet zu sein. Mal abgesehen davon, dass meine Verkäufe in erster Linie nach Übersee gehen und es ein tolles Gefühl ist zu wissen, dass meine Kissen in amerikanischen Kinderzimmern stehen, oder eine meiner Taschen in Haifa spazierengeführt wird.

Was den Geschenkeirrsinn betrifft, habe ich mich dieses Jahr noch mehr rausgenommen. Ich möchte keine Geschenke und ich werde auch nur sehr wenige machen. Ab nächstem Jahr werde ich es wohl ganz einstellen, mich in den Weihnachtsirrsinn einzuklinken.

Dieses und die nächsten Jahre möchte ich den Menschen, die mir nahestehen in erster Linie eins schenken: Meine Zeit.

Und Plätzchen ;-)

Donnerstag, 12. November 2015

Don't be a MAYBE

Mir geht seit ein paar Tagen durch den Kopf, dass ich mit "vielleicht" nicht gut leben kann. Ich brauche Klarheit in meinem Leben, klare Entscheidungen PRO oder CONTRA, der berühmte "goldene Mittelweg" und anderes Herumgeeiere sind nichts für mich.

In den letzten 6 Jahren sind mir einige "vielleicht"-Menschen begegnet. Klar, wenn man jemanden neu kennenlernt und "vielleicht" auf der Suche nach jemandem ist, möchte man sich "vielleicht" noch andere Optionen offenhalten.

"Vielleicht" heißt aber auch, dass ich mich eben nur "vielleicht" mit meinem Gegenüber auseinandersetze, weil das ja "vielleicht" die falsche Entscheidung sein könnte.

Wie Buridans Esel stehen die "Vielleichts" zwischen zwei (oder mehr) Heuballen und können sich nicht entscheiden.
Der hier?
Oder "vielleicht" lieber jener?

Am Ende des Tages wird der Esel nur eins erreicht haben: Er hat immer noch Hunger und er ist obendrein noch unglücklich. Aber morgen, morgen wird bestimmt der richtige Heuballen vor ihm liegen, oder die einzig wahre Karotte! Gewiss, so muss es sein, so wurde es ihm gesagt und das glaubt er.

Kürzlich las ich einen Artikel darüber, dass uns endlose Auswahl nicht glücklich macht. Wenn wir zwischen wenigen Optionen wählen können, fühlen wir uns mit der getroffenen Entscheidung wesentlich glücklicher.

Also gilt es "vielleicht" die überflüssigen "Vielleichts" aus dem Leben zu streichen?
Die Auswahl auf wenige Optionen zu reduzieren, PRO und CONTRA pragmatisch abzuwägen?

Ich weiß, das klingt schrecklich rational und vernünftig und gar nicht nach Spaß und Erfüllung.
Wo bleibt denn da das GROßE GEFÜHL?
Die wundervolle, romantische Beziehung, in der man gemeinsam in den Sonnenuntergang reitet?

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Nebenan steht Müllers Esel.

Müllers Esel ist ein fröhlicher Geselle, Hunger hat er selten. Wenn Müller ihm zwei Heuballen hinlegt, schaut sich der Esel beide an und beißt einfach in IRGENDEINEN.
Sie riechen ja gleich, sind gleich groß, sehen gleich aus.
Zumindest auf den ersten Blick.

Müllers Esel juckt das wenig, er hat Hunger und das Heu ist lecker.
Morgen kann er ja zur Abwechslung den linken statt den rechten Ballen versuchen, oder das Bündel Karotten, das da auch liegt.
Müllers Esel schläft abends satt und glücklich ein, denn Müllers Esel weiß, wer er ist (ein Esel), was er will (Heuballen) und wie er satt wird (sich für einen Ballen entscheiden und den fressen).

Selbstzweifel hat er manchmal auch und an einigen Tagen ist es wirklich schwierig zu entscheiden, ob jener Heuballen nicht vielleicht doch leckerer gewesen wäre, als dieser.

Meist gelangt Müllers Esel aber zu der Einsicht, dass er von diesem Heuballen satt geworden ist und jener ihn folglich nicht weiter interessiert, er hat sich numal entschieden und lebt mit den Konsequenzen seiner Entscheidung, mal mehr mal weniger glücklich.

Die scheinbar unendliche Entscheidungsfreiheit unserer Zeit ist aus meiner Sicht nichts anderes als eine Form der dauerhaften Selbstblockade. Der Zustand dieses dauerhaften "Vielleichts" ist ein Zustand des maximalen Unglücklichseins.

Ich schreibe mit Absicht von "Entscheidungsfreiheit" und nicht von "Wahlfreiheit". "Entscheidungsfreiheit" ist hier analog zu lesen zu "Meinungsfreiheit" im ironischen Sinne von "von einer eigenen Meinung frei sein".

Ist eine Entscheidung falsch, kann ich dennoch jederzeit eine andere treffen.

Ich muss nicht von einem Heuballen zum nächsten rasen, ich kann verweilen, kann die Heuballen betrachten, abwägen, mich entscheiden.

Und wenn nicht der optimale Ballen dabei war, so what?

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Das GROßE GEFÜHL entsteht nicht aus "Vielleicht".

Es entsteht, weil wir Entscheidungen fällen, die nicht immer bequem sind, Entscheidungen, die Mut brauchen, Entscheidungen, die manchmal verrückt sind.

Es entsteht aus der Exklusivität der getroffenen Entscheidung heraus, nicht aus "vielleicht", auch wenn diese am Ende des Tages "vielleicht" doch nicht richtig war.

Freitag, 6. November 2015

Von der Unlust am Konsum

In den letzten Wochen musste ich mich darum kümmern, mir eine neue Jeans zu kaufen. Zwei Paar Jeans sind noch ok, das dritte Paar war inzwischen doch in einem eher bedauernswerten Zustand.
Also musste Nachschub her und ich "durfte" mal wieder shoppen gehen.

Seit ich mit dem Ausmisten begonnen habe und mich intensiver mit Minimalismus auseinandersetze, ist mir die Lust am Einkaufen komplett vergangen.

Der Kauf meiner Winterstiefel hat mehrere Monate gedauert, denn ich wollte ein Paar haben, dass a) wasserdicht ist, b) leicht, c) ohne Absatz, und d) mit anständigem Profil. Allzu sehr nach "Wander- oder Omaschuhen" sollte es auch nicht aussehen. Inzwischen sind sie da, bequem, warm, leicht und es sind... Armeestiefel geworden. Das mit den Jeans war einfacher, ich hoffe nur, dass es die Marke in den nächsten Jahren immer noch geben wird, denn da weiß ich: Ich muss nicht 10 Paar probieren, sondern nur meine Größe raussuchen und dann passt die Hose auch.

Danach bin ich noch ein bisschen in der Stadt herumgestreift und absichtlich in Läden gegangen, in die ich sonst nie gehe. Ich hätte nämlich gerne einen schlichten Wollpulli, aber bitte keinen Sack, nicht kratzig, keinen Riesenausschnitt und nix mit Blümchen, Glitzer oder irgendeinem anderen dämlichen Tanderadei.
Anständige Qualität sollte er auch haben.
Nach dem dritten Laden hatte ich bereits keine Lust mehr.
In einem ertappte ich mich bei dem Gedanken "DAS sollen Frauen chic finden??? booaaaaah, ist das Zeug HÄSSLICH!"

Inzwischen bin ich so weit, dass ich wirklich jeden "Konsumanfall" aussitze.

Was mich gerade interessiert, oder ich gerne hätte, wandert erstmal in mein silbernes Notizbuch.

Dort notiere ich auch Geschenkideen für Freunde, interessante Bücher, Themen, Inspirationen oder kritzele schnell mal eine Skizze für ein neues Bild hinein. Ich kann stolz behaupten, dass mich "ungezielter" Konsum (Shopping) überhaupt nicht mehr interessiert und ich in keinem Laden schwach werde (ok, vielleicht beim Motorradhändler...).

Vor ein paar Tagen habe ich meinen Winterurlaub gebucht, es geht per Fähre Kiel-Oslo nach Norwegen und dann weiter in die Prärie auf eine Skihütte mit lauter fremden Leuten. Ich dachte mir, wenn schon Winter und Ski, dann RICHTIG Winter! Nach Skandinavien wollte ich sowieso mal und mir ist gerade wieder nach "Abenteuern".

Langlauf habe ich 2012 schon einmal versucht und es hat mir supergut gefallen. Leider ging dann über 2 Jahre wegen einem zickenden Ischiasnerv und Lähmungserscheinungen im Fuß nichts mehr, aber jetzt ist das halbwegs überstanden und ich gucke mal, was so geht.

Was meine Hobbies betrifft, bin ich immer recht konstant. Meist bleibe ich sehr lange bei einer Sache, die mir Freude bereitet und investiere dann auch gerne in Kleidung oder Ausrüstung, wenn nötig. Die daraus resultierenden Erlebnisse und die Freude sind etwas, das nicht kaputtgeht und von dem ich lange etwas haben werde.

Was das Thema "Konsumverzicht" oder auch "Konsumfasten" betrifft, habe ich für mich entschieden, dass ich solche "Auszeiten" nicht mehr brauche.

Ich denke, ich habe das auch so gut im Griff.


Samstag, 31. Oktober 2015

Monatsimpressionen Oktober 2015

Seltener Oktobersonnenschein
puh, schon wieder Oktober zuende?

Der Oktober war für mich ein Monat, wo mein Leben ungeahnte neue Entwicklungen nimmt. Er ist mal wieder ein Monat des Abschieds.

Diesmal nicht für einen Menschen in meinem Leben, sondern von einem Menschen in meinem Leben.

Auch hier hat sich der Oktober nicht gerade von seiner goldenen Seite gezeigt, einige Highlights gab es aber trotzdem.

Ich war in der letzten Zeit öfter die Runde über Bräunlingen und Bonndorf in den Hegau unterwegs. Viele neue, kleine Straßen habe ich entdeckt, und war am 3.Oktober, wo sich alles im Schwarzwald drängelte, oft allein auf weiter Flur. So macht Motorradfahren Spaß!
Meine ersten Semmelknödel

Ansonsten habe ich seit meiner Kindheit zum ersten Mal wieder Pilze gesammelt, allerdings unter kundiger Anleitung.

Die Pilze haben wir dann zusammen mit meinen ersten Semmelknödeln zubereitet und gegessen.

Ich wusste damals noch nicht, dass das eine meiner "Henkersmahlzeiten" sein würde, aber so ist das Leben nun mal. Voller Überraschungen und nicht immer sind sie schön.

Überrascht wurde ich positiv mit 2 Paketen, die ich vor meiner Tür fand, aber darüber werde ich gesondert berichten.

gekochter Käsekuchen in Bräunlingen - sehr lecker!
So, und jetzt warte ich noch ein wenig, dass der Nebel sich ein wenig lichtet und dann darf Conchita nochmal eine Runde raus und die Welt erkunden.

Mehr Monatsimpressionen gibt es bei den fredissimas.

Montag, 21. September 2015

Jubiläen

Ich hatte mein Blog in den letzten Wochen geschlossen, da es mir komisch und falsch vorkam, angesichts der
aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa über solche Dinge wie meine Touren oder Minimalismus zu schreiben. Ich konnte es nicht.

Inzwischen hat sich "da draußen" viel verändert, aber ich möchte auf diesem Blog weder die gesellschaftliche, noch die politische Lage in unserem Land oder Gesamteuropa, oder der Welt kommentieren. Erstens fühle ich mich damit überfordert und zweitens ist dies kein politisches oder gesellschaftskritisches Blog, sondern eine Art öffentliches Tagebuch, meine eigene Internet-Prostitutionszone sozusagen.

In den letzten knapp zwei Monaten waren ein paar "Jubiläen" der besonderen Art: Anfang August 2011 habe ich meinen Führerschein bestanden, also fahre ich jetzt seit vier Jahren Motorrad. Ziemlich zeitgleich mit Conchitas 80.000 km auf dem Tacho habe ich auch meine eigenen 80.000 km absolviert. Es gibt Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass ich souverän und supergut mit Conchi umgehe, an anderen fühle ich mich wie ein Anfänger und es gibt eine Menge Dinge, die mir immer noch den kalten Schweiß auf die Stirn treiben: Conchi auf einer Schräge wenden, Conchi auf Schotter eng wenden, wenn sie ins Kippen kommt (unlängst in Konstanz passiert), weil das Bein doch etwas zu kurz ist und ich ihre 250 kg (plus/minus) zu spüren kriege, an sehr steilen Passagen anfahren und abbiegen und dabei vielleicht noch gucken müssen, ob das linke Bein auf den Boden reicht, während man mit dem rechten auf der Hinterradbremse steht, Conchi rückwärts eine steile Auffahrt runterbringen...

Meinen Plan, mit dem Offroaden zu beginnen, habe ich erst einmal etwas nach hinten geschoben. So richtig traue ich mich mit Conchi nicht an das Thema ran. Ok, den einen oder anderen Feldweg oder geschotterten Weg traue ich mir zu. Im neuen Jahr muss ich mal in mich gehen, wie ich das Thema weiter beackere, denn es reizt mich immer noch ungemein. Bei jedem Waldweg drehe ich den Kopf, ob da vielleicht mal kein "Durchfahrt verboten"-Schild steht. Wenn mein Sparschwein es hergeben sollte, gibt es im neuen Jahr wieder ein zweites Motorrad und zwar eins, das leichter und absolut "drecktauglich" ist. Leider ist der Lottogewinn bisher ausgeblieben, trotz meines hervorragenden Mietzie-Karmas ;-)

Mit dem Ausmisten geht es jetzt in kleineren Schritten weiter, denn der größte Batzen ist und bleibt mein Lager. Leider ist der Abverkauf mehr als mühsam, noch bin ich aber nicht bereit, alles zum "Geiz-ist-geil"-Preis von 1,99 € rauszuwerfen. Noch kann ich meine Arbeit nicht einfach so loslassen. Aber irgendwann wird auch das nur noch "Krempel" sein, den ich fröhlich aus der Wohnung entferne.

Bücher scheinen irgendwie bei den meisten Leuten ein "No Go" zu sein, was den Verkauf oder ein anderweitiges Entsorgen betrifft.

Mir wurde eingebläut, dass man Bücher nicht wegwirft und gut behandelt.

Ehrlich gesagt... für mich macht es keinen Unterschied, ob ich einen Katalog ins Altpapier werfen, oder ein Buch, das keiner will und das ich bestimmt nicht mehr lesen werde. Es ist "nur" bedrucktes Papier.

Ich hänge nicht daran.
Wenn ich es nochmal lesen möchte, hole ich mir eine ebook-Version davon.


Genauso zwei Sätze Silberlöffel, die in meiner Schublade herumlagen.
Was soll ich damit?
Es gibt keine Erben, die sich um den Krempel dann irgendwann kümmern müssen. Ich benutze keine Silberlöffel und finde sie sowieso unpraktisch: Kann man nicht in die Spülmaschine werfen, laufen an und was essen kann man damit auch nicht, weil es ekelig schmeckt.
Also wurden sie verkauft.

Ich merke, dass meine Einstellung vielen Dingen gegenüber immer pragmatischer wird: Brauch ich das, oder nicht? Und entsprechend wird es dann behandelt. Man liest ja immer wieder darüber, dass Menschen sich leichter und freier fühlen, wenn sie sich von ihrem Besitz verabschieden.

Ich kann das ganz genauso unterschreiben.

Der Wert meines Lebens bemisst sich nicht in den Gegenständen, die ich besitze, sondern an den Erinnerungen und Erfahrungen, die ich gemacht habe.

Donnerstag, 13. August 2015

Minimalismus - Vorratshaltung adé?

Ja, ich bin noch dran. Im Moment geht es aber eher langsam voran, es ist Sommer und bei schönem Wetter bin ich draußen.

Frisch ausgemistet ist meine Abstellkammer. Ich habe festgestellt, dass ich die Stringlights aus meiner alten Wohnung nicht mehr aufhängen möchte.  Drei komplette Sätze standen herum, die habe ich kürzlich verschenkt. Das Wohnzimmer hat nach wie vor keine Deckenlampe, aber bis jetzt habe ich das nicht vermisst. Ein paar andere Dinge aus der Kammer habe ich weggeworfen. Ebenso frisch sortiert ist mein Schrank unter der Spüle. Für das Einsortieren in Schränken oder Schubladen nehme ich gerne irgendwelche Verpackungen z. B. von Obst. Da kann man prima Kleinzeug drin verstauen, das sonst in der Schublade herumfliegt. Meine Topfdeckel habe ich so auch in den Griff bekommen. Das Wohnzimmer ist seit letzter Woche umgeräumt, die Aufteilung mit den Regalen hat mir nicht gefallen. Jetzt sieht alles viel offener und größer aus. Die offenen Regale stören nicht, alles, was "unordentlich" aussehen könnte, ist hinter den Rollos oder dem Sofa verschwunden und ich bin erstaunt, wieviel Platz in den Regalen noch ist. Irgendwann kann hoffentlich das erste wieder weg.

Wohnzimmer vorher
Ich mache mir immer wieder mal Gedanken und gehe durch, wo mich noch etwas stört und ich Dinge
beiseitigen möchte.

Das waren z. B. die angebrochenen Flaschen Alkohol in meinem Vorratsschrank. Die ziehe ich schon seit Ewigkeiten herum. Früher wollte ich unbedingt mal eine Bar haben. Ich wollte wie in diesen Filmen aus den 40ern und 50ern fragen könnten "möchtest Du einen Drink?" :-D Inzwischen denke ich mir, dass ich das Zeug besser frisch kaufe, wenn ich denn eine Cocktailparty machen sollte und dann auch nur möglichst kleine Mengen.

Wohnzimmer nachher
Die passenden Gläser sind schon lange weg, aus dem gleichen Grund: viel zu selten benutzt. Der Glenmorangie z. B. war nach mehreren Jahren komplett ausgeraucht und taugt maximal noch zum kochen oder flambieren. Wenn mir mal wieder nach Single Malt sein sollte, hole ich mir lieber kleine Mengen bei "vom Fass", dann ist er auch schnell weg und frisch.

Säfte trinke ich eigentlich nicht, die Reste im Schrank sind noch von meiner Einweihungsparty im Juni und werden nun nach und nach aufgebraucht. In meinem Kühlschrank liegen noch zwei Flaschen Tannenzäpfle, ebenfalls übrig von der Party. Aber Herr Yeti wollte ja dieses Jahr nochmal reinschauen, vielleicht kommt auch vorher jemand, der ein Bier möchte. Ansonsten überlege ich mir, ob man irgendwas damit backen oder kochen kann, für meine Haare brauche ich es nicht unbedingt.

Im Moment bin ich leicht besessen vom Thema Lebensmittelverschwendung/Lebensmittelindustrie und
möchte meine Vorräte aufbrauchen, soweit möglich/sinnvoll und dann neu gucken, was ich wirklich brauche. Ok, ganz klare Sache: Mehl, Sonnenblumenkerne, Leinsamenschrot und Hefe für mein Brot. Das Backen ist etwas, das ich unter Kontrolle halten muss, denn ich backe furchtbar gerne und irgendwann wird es wieder mit den Plätzchen losgehen. Ich habe so viele tolle Inspirationen gesehen, aber das ganze Zubehör, Lebensmittelfarben usw. hm... da muss ich in mich gehen.

Angeregt durch "Taste the waste" möchte ich meine Lebensmittelquellen und meinen Lebensmittelkonsum überdenken. Zugegebenermaßen kaufe ich viel Zeug beim Discounter und praktisch nichts mehr auf dem Markt. Das hat ein bisschen mit dem Umzug zu tun und auch ein bisschen mit Planung/Faulheit. Weggeworfen wird hier allerdings wenig, da ich oft einkaufe und dann meist nur das Nötigste.

Wohnzimmer vorher
Derzeit bin ich auch noch dabei, meine Finanzen zu checken. Ich mache diesen Monat ein Experiment und zahle nur noch bar. Ok, Ausnahme: Meine neue Spülmaschine. Die alte ist nach 13 Jahren pünktlich am Tag vor meiner Einweihungsfeier kaputt gegangen und ich hasse es, von Hand zu spülen, als Kind musste ich das immer oder (noch schlimmer) abtrocknen. In der alten Wohnung mit dem unmöglichen 5-Liter-Boiler war Handspülen sowieso indiskutabel. Jetzt könnte ich zwar, aber ich möchte nicht. Meine Wäsche wasche ich ja auch nicht mit der Hand (mein Standardargument!). Bis jetzt sieht es gut aus, ich bin voll im Budget, trotz sehr vieler Motorradkilometer in den letzten knapp 2 Wochen. Sprit dürfte der größte Kostenfaktor bei mir sein, aber Sprit = Spaß!

Ich frage mich gerade auch, warum wir von allem immer so viel kaufen, auch wenn es unwahrscheinlich ist,
dass morgen die Zombieapokalypse über uns hereinbricht und wir uns nicht mehr aus dem Haus wagen können. Was ist das für eine Angst, die uns treibt? Denn ich bin mir sicher, dass es Angst ist.

Ich merke selbst, wie ich angesichts der noch 1/4 vollen Waschmitteldose denke "ooooh, Du musst Waschmittel kaufen!" Nö, muss ich nicht. Erst, wenn die letzte Maschine durch ist. Schließlich muss ich dafür nur den Berg runter oder bringe es auf dem Heimweg mit, und muss nicht 50 oder 500 km durch die Prärie fahren oder reiten oder laufen. Wenn man in der Stadt wohnt und der nächste Laden um die Ecke ist, braucht man sich eigentlich wenig Gedanken machen, dass irgendetwas ausgeht, finde ich. Und wenn, dann ist eben improvisieren dran.

Wohnzimmer nachher
Ich denke, dass neben dem Ausmisten von Dingen auch ein anderer Prozess in Gang kommt. Ich habe begonnen, mich von einigen meiner alten Muster zu verabschieden bzw. diese zu überdenken, aufmerksamer meinen Gewohnheiten gegenüber zu sein. In meinem kleinen silbernen Notizbuch landen regelmäßig neue Ideen, Gedanken, Inspirationen. Ebenso schön ist es aber, dort Punkte auszustreichen, oder - noch besser - "erledigte" Seiten rauszureißen.

In diesem Sinne: Ich geh mal gucken und aufschreiben!

Mittwoch, 12. August 2015

Urlaub 2015 mit Zelt, Motorrad und Herrn Yeti - letzter Teil

21.07.2015 Mens - Villard de Lans

 

Somewhere over the Rainbow...
Heute hieß es mal wieder aufpacken und loslegen, wir wollten noch einen kleinen Abstecher ins nahe
gelegene Vercors machen. Nach dem Frühstück ging es gut gelaunt los. Herr Yeti meinte nur, dass wir aufpassen müssten, dass uns nicht das "schwarze Loch Grenoble" einsaugt und wir dann stundenlang in der Peripherie herumirren und nicht wieder raus finden.

Es war schon sehr heiß, als wir am frühen Vormittag aufbrachen. Erst ging alles wunderbar, bis wir immer näher an das schwarze Loch kamen.

Manchmal ist die Navigation wirklich nicht einfach, wenn alle möglichen Ortschaften angezeigt werden, die
Gorges de la Bourne
man entweder nicht auf der Karte findet, oder auf der Karte Orte sind, die nicht auf den Schildern stehen, oder - auch gerne genommen - einfach eine Straße eingezeichnet ist, wo dann keine weit und breit zu sehen ist und das auf einer aktuellen Straßenkarte sogar vom Januar 2015.

Sehr schön ist auch das Spiel "heute würfeln wir die Straßenbezeichnungen neu aus" und das geht so: Du suchst eine bestimmte Straße, z. B. die D49. Auf Deiner Karte steht sie zumindest als D49 drauf. Irgendwann stellst Du fest, dass die D49 zwischenzeitlich in D372 umbenannt wurde, denn das ist die, auf der Du gerade fährst. Ich bin froh, dass es nicht nur mir so ging mit den Nummern, denn ich hatte da schon ein paar Mal an meinen Navigations- und Kartenlesefähigkeiten gezweifelt. Offenbar werden die Nummern nach Lust, Laune, Mondzyklus und Jahreszeit vergeben, oder von der Nummernfee aus dem Behälter gezogen (Mal ganz nebenbei: Wer erinnert sich noch an Herrn Spahrbier?).

Herr Yeti suchte jedenfalls nach der richtigen Straße, die irgendwann links abgehen sollte. Im Zuckel-Stop-and-Go-Tempo ging es über die Straßen. Es wurde heiß und heißer und wir schwitzten besser als in jeder finnischen Sauna. Nach einer Exkursion durch ein Industriegebiet nebst Einkaufstempeln mussten wir erst einmal eine Pause im Schatten einiger Bäume einlegen, denn inzwischen hatte bei uns beiden der schon der Zustand der Vormumifizierung eingesetzt. Eine Viertelstunde und 1,5 Liter Wasser später haben wir dann einen neuen Versuch gewagt und sind an einer größeren Straße links abgebogen. Und siehe da, auf einmal gab es auch ein Schild nach Villard de Lans. Mann, waren wir froh, aus dem Gewühle rauszukommen und wieder schneller fahren zu können. In Villard de Lans war dann der Empfang vom Camping noch zu. Wir nutzten die Zeit schon einmal, um den Platz zu inspizieren und einen schönnen Stellplatz für unsere Zelte auszusuchen. Den fanden wir hinter einer kleinen Brücke auf einer Wiese, es gab sogar Schatten! Zwei Wurfzelte standen oder eher lungerten auf der Wiese, das eine davon befand sich schon in einem Zustand mittelschwerer Eindellung. Und uns fielen noch etliche Löcher auf, die wohl von buddelnden Tieren verursacht worden waren.

Pünktlich um 14 Uhr öffnete dann die Rezeption und wir nannten unseren Wunschplatz. Herr Yeti fragte mich danach nochmal skeptisch, ob es auch *wirklich* der Platz sei, den wir ausgesucht hätten. Das bewog mich dazu, ihm das französische Zählsystem zu erklären. Ich glaube, er hat sich nichts davon gemerkt, sondern kommentierte meine Erklärung nur mit "aha". Für diejenigen von Euch, die nicht Französisch sprechen nur soviel: ab 70 wird "komisch gezählt", nämlich "60 plus 10, 60 plus 11..." und so weiter, bis man dann zur Achtzig kommt, die "4 x 20" heißt und wem das immer noch nicht reicht, der soll noch wissen, dass es ab 90 ebenso lustig weitergeht mit "4 x 20 plus 10". Also, wir hatten den Platz und konnten unsere Zelte aufbauen. Für den Schatten waren wir extrem dankbar. Nach dem Zeltaufbau lungerten wir mehr oder weniger halblebig herum und irgendwann sind wir wohl eingeschlafen. Die Fahrerei in der Bruthitze war wesentlich anstrengender, als jede Bergstraße.

Nach 2 Stunden Lümmelei entschlossen wir uns zu einem Besuch im  Ort. In der Zwischenzeit machte das Vercors als potenzielles Regenloch schon seinem Namen Ehre. Der Himmel war in den zwei Stunden von strahlend blau zu ziemlich grau gewechselt und wir zippten vorsichtshalber die Zelte zu. Im Dorf angekommen waren Plakate aufgehängt und zwei Bühnen aufgebaut, es sollte gratis Konzerte geben. Herr Yeti schob mich zu den Herren am Mischpult, ich sollte fragen, wann es losgeht. Da noch etwas Zeit war, suchten wir uns ein Café und landeten in einer Bar direkt am Platz, von wo aus man das Gesamtgeschehen gut überblicken konnte.

Die Dame, die dann auf der Bühne sang, klang ziemlich demotiviert, die Musiker waren besser. In der Bar selbst herrschte buntes Treiben und wir bekamen so langsam Hunger. Als dann die ersten Tische aufgedeckt wurden, haben wir erstmal abgewartet, was die anderen Leute so bekommen. Davor hatte es reihum nur Crepes oder Eisbecher gegeben.

Hamburger scheinen in Frankreich ein großer Trend zu sein, jedenfalls stehen sie so ziemlich auf jeder Karte drauf und wurden in allen Variationen geordert. Der "vegetarische Burger" aus Thunfischfleisch machte uns klar, dass es schwierig werden könnte. Herr Yeti orderte einen Salade de chèvre chaud und ich einen anderen, aber bitte ohne Schinken. Als die Salate kamen, staunte ich nicht schlecht. Entweder hatte ich anderes Fleisch übersehen, oder der Koch hatte aus Mitleid Salami statt Schinken auf den Teller gepackt. Nachdem ich die Salamischeiben beiseite geschoben hatte, konnte man den Rest auch essen. Ein kleiner Hund am Nebentisch freute sich über die Salami, die mir "aus Versehen" vom Teller fiel.

In der Zwischenzeit hatte es zu gewittern begonnen und der Regen wechselte von Niesel bis stärker und wieder zurück. Da wir sowieso todmüde waren, machten wir uns auf den Heimweg und schliefen auch mehr oder weniger sofort ein.

22.7. Villard de Lans - Gorges de la Bourne - Combe Laval - Mens


Heute sollte es nochmal eine entspannte Rundtour geben. Nach dem Gewitter am Vortag und dem Regen in der Nacht hingen die beiden Wurfzelte auf unserer Zeltwiese ziemlich durch, vor allem das eine sah nach einer Ruine aus. Scheinbar lebte aber doch jemand in den Zelten und lagerte in dem kleineren der beiden irgendwelche Dinge.

Da wir es versäumt hatten, am Camping Frühstücksgebäck zu bestellen, fuhren wir direkt hoch in den Ort, um dort zu frühstücken. Herr Yeti war nicht so wahnsinnig erfolgreich in Sachen Croissants, da wir schon recht spät dran waren, dafür brachte er drei kleine und zwei große Pains au chocolat von zwei Bäckern mit. Wir setzten uns in die Bar vom Vortag, bestellten Kaffee und packten die Backwaren aus. Das ist etwas, das ich nicht wusste, denn bei uns ist das ja völlig unüblich. Sofern das Café oder die Bar selbst kein Frühstück anbietet, kann man ungeniert mitgebrachte Sachen essen. Sehr praktisch!

Bei strahlendem Sonnenschein ging es in die Gorges de la Bourne, nach dem Regen der vergangenen Nacht lag allerlei Zeug auf der Straße, aber die kühle, frische Luft tat gut. Wir fuhren gemütlich durch die Schlucht, machten sehr viele Bilder und ich überlegte immer wieder, ob man nicht doch mal die Füße in den Bach halten sollte. Am Ende haben wir das dann doch nicht getan und in Ponte-en-Royans machten wir eine kleine Pause, denn es war mal wieder richtig warm geworden und die Kehlen trocken und staubig. Unterwegs hat Herr Yeti dann noch eindrucksvoll gepost und den Brunftruf des EDLEN YETI ausgestoßen, so dass auch dieses Revier anständig markiert war und paarungsbereite Weibchen im Umkreis sich an der richtigen Stelle einfinden konnten.

Combe Laval
Als nächstes sollte es zur Combe Laval gehen. Auf dem Col de la Machine machten wir unsere Passbilder und Herr Yeti unterhielt sich noch kurz mit zwei BMW-Fahrern aus Bad Tölz, die bei irgendeiner Challenge vom Alpentourer mitmachten und alle möglichen Pässe und Sehenswürdigkeiten abfahren mussten.

Die Combe Laval gilt als eine "der schönsten Alpenstraßen Frankreichs". Naja. Schön ist sie schon, aber die eigentliche beeindruckende Strecke ist nur ein paar Kilometer lang und in wenigen Minuten durchfahren, wenn man nicht alle 50 m anhält. Meine Meinung: Wenn man in der Gegend ist, anschauen, extra hinfahren würde ich nicht.

Auf dem Col de la Machine sah es dann schon wieder nach Regen aus und donnerte auch. Wir fackelten
nicht lange und traten über den Col de Carri den Heimweg an.

Nach der ernüchternden Salaterfahrung vom Vortag sollte es wieder Campingküche geben. Herr Yeti meinte, wir sollten in den Nachbarort fahren, da er dort einen großen Supermarkt gesehen hatte. Leider hatte der Supermarkt sich gut versteckt und als wir schon fast wieder in Grenoble waren, haben wir dann gedreht und mit dem "Netto" im nächsten Ort vorlieb genommen.

Blick zur Combe Laval
Auf dem Camping machten wir uns dann an die Zubereitung von einem leckeren Kartoffelsalat. Wir kochten und schnippelten und der Himmel wurde dunkler und dunkler... bei den ersten Regentropfen rettete ich die Schüssel erstmal ins Trockene. Ein wenig später begann es dann zu regnen und zu gewittern.

Während Herr Yeti noch die gekochten Eier pellte, saßen wir bereits in meinem Zelt und konnten die Eier zum abschrecken in den Regen schieben. Gegessen haben wir dann in meinem Zelt und danach eine Verdauungspause eingelegt, während sich das Gewitter draußen austobte. Ein paar Mal schlug es ganz in der Nähe von uns ein und es kühlte sich auch merklich ab, aber im Zelt war es kuschelig und wir hörten dem Gewitter zu, unterhielten uns, dösten...

Combe Laval
Nach etwa zwei Stunden war der Spuk dann vorbei und wir beschlossen, ins Dorf zu gehen, uns in die Bar zu setzen und zu gucken, was so im Dorf los ist. Da inzwischen die Sonne rausgekommen war, machten wir noch eine kleine Fotosafari durch Villard de Lans. Auffällig war, dass es unglaublich viele Klamottenläden gab, der Ort ist jetzt nicht so riesig, aber jeder zweite Laden verkaufte Klamotten. Nach ein paar Bierchen bzw. Wein ging es dann wieder zurück zum Camping und ab ins Zelt.


23.7.2015 - Villard de Lans - Die - Villard de Lans

Es hatte die Nacht über immer wieder geregnet und der Morgen startete erst einmal nicht so vielversprechend. Wir machten uns auf ins Dorf, um zu frühstücken und zu gucken, wie der Tag sich wohl weiter entwickeln würde. Irgendwann im Lauf des Vormittags riss der Himmel auf und wir stiegen wieder in unsere Kombis. Diesmal sollte es einen kleinen Ausfug nach Die in die Provence geben. Ursprünglich hatten wir überlegt, noch in die provenzalischen Alpen zu fahren, aber Temperaturen von über 40 Grad klangen wenig verlockend.

Combe Laval
Aus dem angenehm kühlen Villard de Lans ging es durch "Heidiland" in Richtung Col de Rousset. Leider war ich an diesem Morgen so gar nicht fit und hinkte Herrn Yeti hinterher. Irgendwann musste ich anhalten, weil mir ziemlich übel und schwummerig war. Etwas essen und trinken und eine Verschnaufpause haben dann alles wieder gerichtet, ich fuhr vor und wir kamen rasch zur Abzweigung zum Col. Am Kreisverkehr war ich nicht sicher, wo es lang ging, wir fuhren dann noch einen Abstecher zum Place de Beurre.

Dort kann man noch einmal prima die Aussicht genießen, die Straße endet jedoch auf einem Parkplatz. Wir machten uns nach einem Fotostopp wieder auf den Weg zum Kreisverkehr, um den Col de Rousset zu bezwingen. Kaum kam man aus dem Tunnel heraus, begrüßten einen heftige Windböen und es war gefühlte 15 Grad wärmer. Wir fuhren ein Stück den Pass herunter und an einer Kehre machten wir kurz halt, um Fotos zu machen.

Combe Laval
Dort hatte sich eine holländische Großfamilie eingefunden, die in wechselnder Besetzung und unter großem Hallo die Familie vor dem gigantischen Hintergrund der Berge zu fotografieren. Ich bat Herrn Yeti beim Start etwas energischer am Gasgriff zu drehen, damit wir auch zur allgemeinen Beschallung beitragen konnten. Die KTM von Herrn Yeti stahl in punkto Krach Conchita locker die Show. Wenn wir nebeneinander an der Ampel standen, konnte ich mein Motorrad fast nicht hören. Herr Yeti meinte "Deine surrt ja nur!" und lachte sich jedes Mal kaputt, wenn ich auch am Gasgriff drehte.

Auf dem Weg nach unten fuhr ich wieder vor, wegen der Windböen war ich lieber vorsichtig und fuhr in sehr gemäßigtem Tempo nach unten. Je weiter wir nach unten kamen, desto wärmer wurde es. In Die war es dann locker mal 10-15 Grad wärmer als in Villard de Lans. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen in einem Café und machten eine Pause.

Villard de Lans
In Die bin ich vor Ewigkeiten auch mit dem Rad durchgekommen, allerdings sicherlich nicht über den Col du Rousset gefahren. Wir kauften im Supermarkt noch rasch ein wenig Verpflegung und machten uns auf den Rückweg. Hier ließ ich Herrn Yeti spielen, er fährt ja sowieso viel schneller und sicherer als ich und hat die besseren Karten beim überholen. Oben auf dem Col trafen wir uns dann wieder. Der Wind dort war so stark, dass man aufpassen musste, wo und wie man sein Motorrad parkt. Ein Pärchen mit eine vollverkleideten und bis zum Rand bepackten Aprilia hatte Mühe, die Maschine überhaupt abzustellen. Wir wunderten uns, wie man mit einem so abenteuerlich bepackten Motorrad überhaupt fahren kann. Der Fahrer konnte kaum über seinen Tankrucksack gucken und auf den Topcase waren noch diverse Dinge oben draufgeschnallt.

Auf dem Weg nach Villard de Lans sollte ich wieder vorfahren und außerdem nach einem Picknickplätzchen gucken.

Leider entdeckte ich alle Plätze immer erst viel zu spät und wir waren schon fast daheim, als Herr Yeti vorfuhr und dann an einem richtig schönen Plätzchen hielt. Hier war ein Bach und Schatten und wir aßen das mitgebrachte Olivenbrot und den Käse fix auf.

Vom Camping ging es dann wieder ins Dorf, wir wollte heute noch einmal Essen gehen. Da es noch recht früh war, statten wir der Bar noch einen Besuch ab. Hier wurden wir heute schon als Stammgäste betrachtet und man stellte uns neben Bier und Wein ein Schälchen Knabberzeug hin, das wir dann gegen gefräßige Spatzen verteidigen mussten.

Als unsere Mägen langsam zu knurren begannen, machten wir uns auf die Suche nach einer Pizzeria. Am Vortrag hatten wir etliche Restaurants gesehen, nur, wo waren die geblieben? Wir gingen an einem Pizzamitnahmedingens vorbei und an einem Restaurant, das sein Essen auf Fotos ausstellte. Die Fotos sahen nur sehr wenig einladend aus... auf Chinamann hatten wir beide keine Lust und am Ende landeten wir dann in einer Pizzeria, die wir zuerst als inakzeptabel abgetan hatten. Die Pizzas waren dann aber erstaunlich gut und die Mägen mehr als gefüllt.

Villard de Lans
Heute sollte es auch wieder ein Konzert geben und wir stellten uns erwartungsvoll an die Bühne.

Unter großem Tamtam wurde ein Dan Dickson angekündigt. Soweit ich es verstanden hatte, hatte er in den Hilton Hotels gespielt, weil Herr Oberhilton seine Musik so toll fand. Dan Dickson hatte mehrere Jahre in den USA zugebracht und die amerikanische Lebensart auf seine Gene tätowieren lassen. Er sollte Stücke von namhaften Countrysängern zum besten geben.

Unter Jubelstürmen erschien ein in einer braunen Westernjacke gewandeter Herr mit einem riesigen beigen Cowboyhut und  Cowboystiefeln und stimmte ein Countrystück an.

Herr Yeti meinte "Ich weiß nicht, ob ich DAS aushalte!" Als das zweite Stück - Ghostriders in the sky von Johnny Cash - angestimmt wurde und der Herr eine ebenso eigenwillige Interpretation anstimmte, wie die Nokinoki-Brothers vom ersten Campingplatz, ergriffen wir die Flucht. Unter "jipiiii heyyyyy jippii hooohooo" galoppierten wir den Berg hinab zum Campingplatz und beschlossen, es für heute gut sein zu lassen.

24.7.2015 Villard de Lans - L'Ile-sur-le-Doubs


Villard de Lans
Die letzte Nacht war für mich ziemlich nervend gewesen.

Wir hatten ja schon am ersten Tag die Wühllöcher auf der Zeltwiese entdeckt und auch sehen können, dass täglich woanders gewühlt wurde.

Diese Nacht hatte etwas unter meinem Zelt gewühlt. Genauer gesagt UNTER MEINEM KOPF!

Ich wurde nachts irgendwann von merkwürdigem Getrampel wacht und dachte, dass irgendwas NEBEN dem Zelt vorbeigelaufen sein musste.
Egal.
Schlafen.

RASCHEL.
Stille. Kurz vom einschlafen...
Ohrwurm kommt angekrochen "jippiiiiheyyyyyy jippiiiihoooooo"
RASCHELTRAMPEL.
Stille. Kurz vom einschlafen....
Ohrwurm kommt angekrochen "jippiiiiheyyyyyy jippiiiihoooooo"
RASCHELTRAMPELSCHARRRASCHEL
Stille.
Eingeschlafen.
RASCHELLLLLLLSCHARRRRRRRR

So langsam ging mir das gewaltig auf die Nerven.

Ich hob meine Matte leicht hoch und schlug mit der flachen Hand auf den Boden. ups, da war ein Loch, wo gestern noch keins wahr. WÜHLVIECHER waren unterwegs. Nach einem weiteren energischen Schlag auf den Boden hoffte ich, dass nun Ruhe ist und war kurz vorm... RASCHELLLLSCHARRSCHARRRWÜHLRASCHELLLL...

Jetzt REICHT'S!

Ich hob die Matte hoch und sah etwas unter dem Zeltboden durchhuschen. Leider schlug ich nicht rechtzeitig zu und das WÜHLVIEH war wieder weg. Matte runter, Kissen drauf, Schlafsack drüber, einschl.... RASCHEEEEELLLLLLLLLRASCHELLLLLLLLL.... oh Mann! Es war inzwischen hell geworden und ich beschloss, die Nacht für beendet zu erklären. Gerädert kroch ich aus meinem Zelt.

Villard de Lans

Herr Yeti war auch schon wach und amüsierte sich darüber, dass WÜHLVIECHER meine Nachtruhe gestört hatten. Er hatte sich schon gefragt, ob ich Alpträume hätte, weil er mich immer grummeln und auf den Boden schlagen hörte. Neben der beständigen Störung meiner Nachtruhe hatte ich noch Angst gehabt, dass das WÜHLVIEH vielleicht auch ein NAGEVIEH sein könnte, das mir ein Loch in den Zeltboden kaut und das ich am Ende noch aus meinem Zelt werfen durfte. Zum Glück war das nicht der Fall.


Nach dieser für mich nicht so richtig entspannten Nacht sollte es heute so langsam in Richtung "Heimat"
gehen. Wir packten unsere Zelte und alles andere gemütlich zusammen und machten uns wieder auf den Weg gen Norden.

Place de Beurre
Weil wir beide noch nichts gegessen hatten und auch die Vorräte an anderen Dingen zuende waren, hielten wir an einem Supermarkt an. Das Motorrad von Herr Yeti hatte im Urlaub bereits die mitgebrachte Literflasche Öl leergeschlürft und er brauchte noch Nachschub. Da die KTM nur vollsynthetisches Öl frisst, Conchita aber teilsynthetisches, konnte ich ihm auch nicht mit meinem Vorrat aushelfen. Conchita hatte sich gerade mal einen winzigen Schluck genehmigt und ich hätte noch fast einen halben Liter übrig gehabt. Im Supermarkt konnten wir problemlos Nachschub organisieren. Auf dem Parkplatz fütterte Herr Yeti erstmal sein Motorrad und dann sich selbst. Ich hatte inzwischen schon das Gebäck gegessen, denn Conchita brauchte keine großartige Zuwendung und ich konnte mich erstmal um meine eigenen Bedürfnisse kümmern.

Wir fuhren nun recht flott in Richtung Norden und machten nur kurz in einem Ort Halt, um Brot und Käse zu essen und etwas zu trinken. Neugierige Kühe schauten uns dabei zu.

Col du Rousset
Heute sollte aber nicht nur die Nacht der Wühlviecher sein, heute war auch der Tag der frankreichweiten Gravillionverteilung.

Auf diversen Streckenabschnitten durften wir uns mit dem Mistzeug herumärgern, das teilweise in dicken Schichten auf der Straße lag. Stollenreifen hin oder her, um die Kurven ist das kein Spaß und gegen Ende des Urlaubs wollte sich keiner von uns auf die Schnauze legen, also galt es, vorsichtig zu sein. Und immer, wenn wir dachten, jetzt ist der Scheiß vorbei, kam nach ein paar Kilometern erneut das heißgeliebte Schild und danach wieder eine dicke Schicht.

In Deutschland steht das Schild "Rollsplitt" ja schon an der Straße, wenn auch nur drei Körnchen *irgendwann* auf der Straße lagen, in Frankreich habe ich das Schild hassen gelernt, denn da bedeutet es, dass mindestens eine großzügige Schicht auf der Straße liegt, gerne auch mal 5-10 Zentimeter dick.

Bei der Fahrt in einen Ort kamen wir an einem Unfall vorbei. Jemand war mit seinem Auto frontal in eine Mauer gekracht, Notarzt und Feuerwehr standen am Unfallort. Dahinter befand ich ein Kreisverkehr und wir hörten bereits die Sirene eines nahenden Polizeiautos und blieben an der Einfahrt in den Kreisel stehen. Nicht so eine Dame, die einfach unbedarft reinfuhr und dann in der Mitte volle Kanne seitlich in das Polizeiauto krachte. Fein, noch ein Unfall! Kopfschüttelnd fuhren wir weiter.

Nach etlichen Runden Gravillions haben wir dann vor uns den Gravillion-Wagen gesehen, der diese
Col du Rousset
großzügig auf der Straße verteilte, wir zogen glücklich vorbei. Ein Stück später stoppte Herr Yeti.

Er war sich nicht sicher, ob wir auf der richtigen Straße sind. Ich drängte ihn, einfach weiterzufahren, da von hinten wieder der Gravilliontruck kam. Nach einigem Hin und Her fuhren wir auch weiter, ich konnte im Rückspiegel sehen, wie der Truck in eine Seitenstraße einbog. Dort war der dritte Unfall des Tages gewesen, ein Wasseranhänger hinter einem Traktor wa rumgekippt. Hilfe war aber schon auf dem Weg und wir hätten da sowieso wenig ausrichten können.

Unsere Hoffnung, dass wir nun keine Gravillions mehr haben würde, bewahrheitete sich leider nicht. Immer wieder gab es mehr oder weniger lange Stücke, was das Vorankommen mühsam machte. Herrn Yeti hatte nun offenbar der Stalldrang gepackt. Er fragte mich, ob ich noch fit sei und so fuhren wir an St. Claude vorbei bis nach L'Isle-sur-le-Doubs.

Hier schlugen wir unsere Zelte auf, schlenderten etwas durch den Ort und setzten uns dann in die Pizzeria.
Col du Rousset
Ich konnte es kaum glauben, dass unsere gemeinsame Zeit schon fast zuende war!

Später auf dem Camping freundete ich mich dann noch mit einer der Campingkatzen an, die mir nach ein paar Streicheleinheiten sofort auf den Schoß sprang und mir unmissverständlich zu verstehen gab, dass sie mehr davon erwartete.

Da es eine Langhaarkatze war, hatte ich in kurzer Zeit ebenfalls ein Fell. Herr Yeti guckte sich das Ganze mit einer Mischung aus Skepsis und Eifersucht an, obwohl er letztere vehement abstritt, war sein Blick auf die Katze finster. Irgendwann entledigte ich mich meiner neuen Freundin, enthaarte mich und wir machten uns auf zu den Zelten. Es war noch nicht so spät, aber der Himmel verfinsterte sich und man hörte es grummeln. Wir saßen noch eine Weile in meinem Zelt und unterhielten uns, dann kroch wieder jeder in seinen Schlafsack. In der Nacht hörte man den Regen aufs Zelt trommeln.

25.7.2015 - L'Isle-sur-le-Doubs - Freiburg


Col du Rousset
Unser letzter Morgen begrüßte uns mit jeder Menge Wind und einem sehr grauen Himmel. In der Überzeugung, dass es schon mindestens 8 uhr sein musste (mein Handy hatte ich irgendwann nicht mehr geladen und keine Ahnung, wie spät es sein könnte) schlurfte ich mit meinem Waschzeug zu den Sanitäranlagen. Das sah nach einem feuchten Tag aus heute, noch war es trocken... Herr Yeti schnarchte noch in seinem Zelt und es waren auch so wenig Leute unterwegs.

Ich duschte in Ruhe und machte mich dann ans packen. Als Herr Yeti sich immer noch nicht rührte, ging ich an sein Zelt und steckte den Kopf rein.

Herr Yeti hielt mir sein Handy unter die Nase und meinte "Es ist noch nicht mal SIEBEN UHR!"
oha.
Meinen Hinweis, dass es sicherlich feucht werden würde heute, nahm er zur Kenntnis und kroch auch aus dem Schlafsack. Ich hatte schon relativ weit gepackt, als er vom duschen zurück kam und ebenso meine Kette gefettet und das Öl gecheckt. Da Herr Yeti noch gar nicht mit packen begonnen hatte, schickte er mich zum Bäcker, ich sollte unser Frühstück besorgen.

L'Isle-sur-le-Doubs
Die Bäckerei hatte auch geöffnet und ich bekam noch ofenwarme, buttertriefende Croissants und Pains au
chocolat für einen Spottpreis. Derweil hatte Herr Yeti auch schon fast alles verstaut und wir kauten im stehen unser Frühstück. Kurz danach ging es auch schon los. Ich brachte uns über Belfort in Richtung Mulhouse. Der Wind war inzwischen sehr aufgefrischt und wir mussten kämpfen, die Motorräder im Griff zu behalten.

30 km vor Freiburg tankten wir und fuhren zurück auf die Autobahn. Da Herr Yeti seine DB-Killer entfernt und wegen fehlendem Werkzeug und einer verlorenen Schraube nicht wieder eingebaut hatte, wollte er lieber nicht über die Dörfer fahren.

furry friend
Ich führte uns bis zu meiner Wohnung und hoffte, dass Herr Yeti wegen des Windes eher nicht weiterfahren wollte. Gerne hätte ich ihm noch mehr von meiner Heimat gezeigt, denn dazu waren wir noch nicht gekommen. Leider hatte Herr Yeti andere Pläne und verabschiedete sich von mir, um den Heimweg nach Gelsenkirchen anzutreten.

Mich packte derweil der Blues, Urlaub vorbei, Herr Yeti weg...

Erst am später Nachmittag hatte Herr Yeti es auch bis nach Hause geschafft. Unterwegs muss der Sturm furchtbar gewesen sein, er war teilweise nur mit 80 km/h vorangekommen und konnte nicht einmal Pause machen, weil er das Motorrad nicht abstellen konnte.

Jetzt war er wirklich rum,  unser erster gemeinsamer Urlaub, aber der nächste ist schon in Planung.Schön war's!

Sonntag, 9. August 2015

Urlaub 2015 mit Zelt, Motorrad und Herrn Yeti - Teil 3

18.07.2015 Lanslebourg - Mens


Die Wetterprognose für die Alpen versprach in den nächsten Tagen einiges an Schauern und Gewittern.
Deshalb entschieden wir, dass wir erst einmal aus den Bergen rausfahren wollten, und uns einen Platz suchen, von wo aus man sowohl in die Alpen, als auch woanders hin kann.

Wir packten relativ rasch und das Frühstück gab es im Stehen, denn der Himmel war sehr bezogen und wir hatten keine Lust auf Regen oder Gewitter unterwegs. Die beiden Freiburger waren auch wach und packten bereits. Beim verabschieden meinte ich, dass sie ruhig auf einen Kaffee vorbeikommen könnten und nannte ihnen meine Adresse. Darauf fragte mich der Vater nach Details zum Haus und ob ich einen großen Holzbalkon mit einer Wahnsinnsaussicht hätte... ja, habe ich... es stellte sich heraus, dass sein Schwager mit Frau vor Jahren in meiner Wohnung gewohnt hatte. Die Welt ist wirklich klein!

Zwei Episoden vom Vortag habe ich noch vergessen: Zum Einen Herrn Polarbär, seines Zeichens SUV-Besitzer und Wohnwagenmann. Herr Polarbär liebte es, sein Gefährt ca. 10 cm vor und zurück zu setzen. Bei einem seiner Versuche hat es mal etwas geknirscht, was ihn dazu veranlasste, noch mehr Gas zu geben. ups, Campingstuhl überfahren! Na, macht nichts! Wir fahren jetzt nochmal ein bisschen 10 cm vor und zurück und gucken dann. Irgendwann konnten wir ihn noch dabei beobachten, wie er seinen Wohnwagen an irgendwelchen Abschleppseilen herumzog. Was der Sinn dieser Aktion sein sollte, blieb im Dunkeln, es war aber auf jeden Fall unterhaltsam.

Herr Yeti hat an einem Morgen leider das Zusammenfalten des Wurfzelts der Familie nebenan verpasst. Ich hatte schon gewettet, dass sie es nicht wieder zusammengefaltet bekommen.

Erstmal wurde sowieso ausgeräumt und alles wieder im Auto verstaut. Dann kam der erste Faltgang, der noch einfach war. Und dann... Ratlosigkeit... wie kriegen wir das Ding wieder in den kleinen Beutel rein?? Nach gefühlten 500 Versuchen gesellte sich eine Dame dazu, die die Hilfe ihres Mannes anbot. Am Ende haben sie das Zelt dann zu sechst gebändigt bekommen. Ich habe mich bemüht, nicht rüberzustarren und nicht zu lachen. War nicht leicht! :-D

Aus Lanslebourg ging es erstmal das Tal herunter und dann sollte es weiter zum Col de la Croix de Fer
Col de la Croix de Fer
gehen. Da Samstag war, gab es furchtbar viel Verkehr auf den Straßen und es waren große Gruppen Rennradfahrer unterwegs, sicherlich einige auch auf den Spuren der Tour de France, die in Kürze durch diese Gegend kommen sollte. In etlichen Orten fanden wir Dekorationen und Schilder vor, die die Fahrer der Tour bereits begrüßten.

Col de la Croix de Fer
Sehr witzig war ein Teddybär auf einem Stuhl, den jemand an einem Gartenzaun befestigt hatte. Nun hieß es aber erst einmal den richtigen Einstieg zu finden und dann ging es den Pass hoch. Die Straße war sehr klein und eng, was an und für sich kein Problem ist, nur leider haben wir sie mit so ziemlich allem, was Räder hat teilen müssen: Caravans, Autos, Rennradfahrergruppen, Motorradfahrer, andere Fahrradfahrer... man kam nie auch nur annähernd in einen Fahrfluss rein, da man maximal in den dritten Gang schalten konnte, dann kam schon wieder jemand, hinter dem man festhing, oder eine Kehre. Oben angekommen waren wir beide leicht angenervt und etwas ko. Die Ausblicke entschädigten aber für alle Fahrstrapazen.

sehr schöne Fensterdeko!
Vom Col de la Croix de Fer fuhren wir nun herunter, ich sollte wegen Fotostopps vorfahren und Herr Yeti
meinte, wir könnten noch fix auf den Glandon, weil der um die Ecke liegt. Ich bog ab, oben war recht viel Getümmel, also fuhr ich ein Stück weiter und fragte mich, warum Herr Yeti nun nicht nachkommt. Herr Yeti stieg vom Moped und winkte wild, also wendete ich Conchita und fuhr zurück. Aha, ok, es sollte nur das Passbild geben und nicht vom Glandon runtergehen, ich wollte schon weiter durchstarten... nach dem Fotostopp fuhr ich wieder vor und vom Pass herunter. An der Abzweigung stand jemand mit seiner  Africa Twin. Oft, wenn ich andere Twin-Fahrer sehe, oder sie mich, wird ganz besonders euphorisch gewinkt. Wenn ich hier in Freiburg eine Twin sehe, frage ich mich immer gleich, ob es jemand ist, den ich kenne, oder der im Forum aktiv ist. Ganz so selten sind sie ja doch nicht.

Am Col du Ornon machten wir eine dringend nötige Pause, ich fuhr fast an Herrn Yeti vorbei, der an einem Parkplatz gehalten hatte. Das Wenden fiel mir sehr schwer, weil ich schon ziemlich am Limit meiner Kräfte war und dringend eine Pause nötig hatte. Im Gegensatz zu Herrn Yeti muss ich relativ häufig eine Kleinigkeit essen, sonst werde ich zittrig und unkonzentriert und blöderweise kann das von einem Moment auf den nächsten kommen. Das Frühstück war schon länger her und Herr Yeti hatte noch gar nichts gegessen, da ihm die Käsepizza von gestern nachts schwer im Magen gelegen war. Ich knabberte rasche einiges Studentenfutter und wir tranken beide ziemlich viel Wasser. Danach konnte es entspannt nach Mens weitergehen.

In Mens angekommen, ging es nach dem üblichen Check-In und Zeltaufbau erstmal einkaufen. Heute war wieder Campingküche dran. Leider war die Auswahl an frischen Dingen und auch die Auswahl an Käse eher schlecht. Also eigentlich gab es schon einiges in der Kühltheke, aber das sah ziemlich gammelig aus. Beim Blick auf die Pilze meinte Herr Yeti, dass die wie "aus dem A... gezogen" aussehen würden. Schon seltsam, dass in einem doch relativ großen Supermarkt so wenig Produktpflege betrieben wird. Pilze im Endstadium der Verschleimung will doch niemand essen, ebenso wenig angematschte Zucchini oder halbvertrocknete Frühlingszwiebeln.

Wir schafften es trotz allem, eine halbwegs akzeptable Auswahl für einen Salat zu besorgen und machten uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Später gab es dann noch ein paar Bierchen und Sirop de Menthe im Dorf. Herr Yeti bekam ein lokales Bier in einem Glas mit einem lustig grinsenden Tierchen drauf serviert.

Das Bier heißt "La belette" (das Mauswiesel) und ebenso ein Tierchen grinste vom Glas. Mein Einwand, dass das Bier sicherlich aus Wieselpipi oder gepressten Mauswieseln hergestellt würde, ließ Herr Yeti aber nicht gelten.


19.07.2015 Mens - Col de la Croix Haute - Col de Menée - Mens

 

Heute sollte es eine kleine Roundtour durch mittelhohes Gebiet und über zwei Cols geben. Wir brachen schon recht zeitig auf, da die Temperaturen im Tal sehr rasch stiegen. Außerdem hatte ein übereifriger Laubbläser schon kurz nach dem Morgengrauen sein Gerät angeworfen und uns geweckt. Ebenso der freundliche Nachbar, der um 6 Uhr sein Auto 50 cm nach vorne oder hinten setzte und die Rentnergang, welche morgens gerne lautstark mit Geschirr klapperte, erübrigten jeglichen Wecker. Dafür gab es nachts einen richtig tollen Sternenhimmel inklusive Milchstraße.

Auf den Mopeds ging es nun raus aus Mens und zum Col de la Croix Haute. Herr Yeti dachte sich immer irgendwelche Dinge aus, was die Namen oder Hinweise auf Schildern bedeuten sollten. So wurde aus dem Col de Grimone der "Grünkohlpass" oder aus "sortie de camions" "Sortiere die Chamäleons". Wir fuhren eine schöne, entspannte Runde und machten Pause in Châtillon-en-Diois. Herr Yeti war sich nicht ganz sicher, ob er hier nicht schon mal gewesen war. Er meinte, wenn es am Ortsausgang ein Weingut und eine Pizzeria gäbe, würde er den Ort kennen. Nach einer Kaffeepause im Straßencafé fuhren wir das kurze Stück und siehe da, beides lag am Ortsausgang.

neugierige Kuh
Herr Yeti war hier wohl mal an einem Sonntag angekommen, hungrig und ko und hatte nur ein altes Baguette bekommen können. Später allerdings hatte er eine Frau auf einem Rad gesehen, die Pizzakartons transportierte und war der Sache auf den Grund gegangen. Am Ende des Tages gab es für ihn dann noch Pizza, aber ohne die angebotenen Schnecken. Ich meinte zu ihm, dass ich mir so eine Schneckenpizza schon schön vorstelle. Wenn sie serviert wird, ploppen aus dem Käse auf einmal lauter Fühler und winken. Das fand Herr Yeti aber wenig attraktiv.

Von Châtillon-en-Diois fuhren wir noch über den Col de Menée und dann zurück zum Camping. Da es noch früh am nachmittag war, nutzten wir heute auch den kostenlosen Eintritt ins Schwimmbad nebenan. Hier gab es ein Kuriosum, man durfte nicht mit Schuhen in den Schwimmbadbereich. Am Eingang stapelten sich diverse Schuhe und man musste dann über die glühend heißen Waschbetonplatten zum Becken stolpern. Immerhin war das Wasser angenehm frisch, wenn auch für meinen Geschmack zu sehr gechlort. Nach einer kurzen Erfrischungsrunde setzten wir uns in die Campingbar und überlegten, was es heute zu essen geben sollte, während die Badeklamotten an uns trockneten.

Der Einkauf im Supermarkt gestaltete sich mal wieder relativ ernüchternd, aber auch heute mussten wir nicht hungern. Der lokale Bäcker dagegen war richtig super. Die Frühstückscroissants und Pains au chocolat waren Klasse und an einem Morgen entdeckten wir noch eine Art Olivenbrezel, die hervorragend schmeckte und sehr saftig war. Die kleinen Brote mit Sesam und Mohn waren ebenfalls äußerst lecker und passten zum mitgenommenen Käse super dazu.

Den Abend verbrachten wir dann ebenfalls auf der Terrasse der Campingbar und irgendwann ging's dann wieder ab ins Zelt.

Im Gegensatz zu meinem letzten Urlaub, wo ich immer auf Achse war und nur in Gavarnie länger geblieben bin, haben wir diesmal immer mehrere Nächte an einem Ort verbracht und sind Tagestouren gefahren. Das war sehr angenehm, da zum einen das tägliche Packen entfiel und man zum anderen nicht immer mit Gepäck fahren musste.

Das Gepäck stört zwar nicht so wahnsinnig, aber ohne Taschen ist man doch schmaler und wendiger und das Mopedballett (im Sprung über die Sitzbank grätschen) entfällt ebenfalls.Bei Stopps in Ortschaften muss man weniger Sorgen um seine Sachen haben. Bis jetzt ist nie etwas weggekommen, wahrscheinlich sieht das Zeug schon viel zu abgeranzt aus. Conchita hatte auf den Tagestouren immer die Aufgabe, unsere Einkäufe und das Wasser zu transportieren. Mein kleiner Faltrucksack hat dafür hervorragende Dienste geleistet und die kleinen Rok-Straps von Herrn Yeti auch. Ich finde es schon praktisch, dass mein Motorrad einen Gepäckträger hat, gerade für solche Aktionen.

 

20.07.2015 Mens - Col du Noyer - Mens

 

An diesem Morgen wachten wir wieder bei strahlendem Sonnenschein auf. Die letzten Tage hatte es am nachmittag immer mal gegrummelt, aber keine Gewitter gegeben. Es sah nach einem weiteren heißen Tag aus und wir brachen nach dem Frühstück auf. Heute sollte es eine Runde über den Col du Noyer geben und von da im Bogen wieder zum Camping zurück.

Schon nach den ersten Kilometern gab es richtige Highlights, die Bergmassive rundum luden zu einem Fotostopp ein. Herr Yeti nötigte mich dazu, auf die Strohballen zu klettern, die herumlagen. Leider fand ich keinen richtigen Aufstieg, während Herr Yeti
ziegengleich auf den Ballen hüpfte und meinte, ich sollte es ihm gleich tun.

Da ich seit der Ischiasgeschichte 2012 nicht mehr richtig springen kann, war das wenig hilfreich für mich. Bald waren wir auf einer kleinen Straße und stoppten kurz an einem Bergbach, um dort Bilder zu machen. Dann fuhren wir nach einem kleinen Abstecher zu einem Wanderparkplatz weiter in Richtung Dévoluy.  Es ging durch eine wunderbare Berglandschaft nach oben und zum Col du Noyer.

An der Straße zum Col kamen bei einem Fotostopp zwei kläffende Hunde angelaufen, die aber zum Glück hinter einem Zaun waren. Als wir weiterfuhren, konnte ich es mir nicht entgehen lassen, das Visier zu öffnen und die Kläffer anzukläffen, der Erfolg war durchschlagend! Die Straße zum Col war klasse, kein Verkehr, relativ guter Belag und gute Sicht auf alles. Oben machten wir dann eine kurze Kaffeepause, bevor es wieder ins Tal und im Bogen zum Camping gehen sollte.

Der Heimweg hatte dann noch eine Überraschung parat. An einer Stelle wurden wir auf eine minikleine Straße umgeleitet. Kurz davor hatte ich noch gedacht "wenn ich jetzt allein hier wäre, wäre ich da hoch, um zu gucken, wo es da langgeht." Und schon waren wir auf der Straße gelandet. Es stellte sich heraus, dass hier einiges fahrerisches Können gefragt war, denn die Straße war klein, kurvig und die Spitzkehren wirklich spitz.

Auf dem Weg zum Col du Noyer
Herr Yeti meinte später, dass er sich etwas weniger PS gewünscht hätte und mit der Ninja auf der Straße gar keine Chance gehabt hätte, überhaupt in einem Zug um die Kehre zu kommen.

Ich hatte wenig Mühe, nur damit, dass Herr Yeti manchmal etwas ungünstig in der Kehre unterwegs war, so dass ich meinen Schwung abbremsen musste. Auf kleinen und kleinsten Straßen ist Conchita trotz ihres Gewichts erstaunlich wendig und lässt sich einfach um die Ecken scheuchen. Beim wenden und vor allem beim wenden auf Schotter oder unbefestigten oder auch leicht schrägen Stellen habe ich allerdings so meine Probleme, das Gewicht zu halten und die Kupplung mit Gefühl kommen zu lassen.

So hat jeder sein Päckchen zu tragen...

Nach dieser ungeplanten Anstrengung ging es durch malerische kleine Bergdörfer weiter zum Camping. Dann erstmal raus aus den Klamotten, rein ins Wasser! An manchen Tagen musste ich Herrn Yeti aus der Jacke helfen, weil ihm das Leder auf der Haut klebte. Bei mir klebte das Hosenfutter und der Dunst, der mir entgegenschlug war ebenfalls wenig einladend. Zum Glück konnten wir uns im Schwimmbad erfrischen und ließen den Abend nach unserem Essen an der Campingbar ausklingen.

... Fortsetzung folgt...