Montag, 10. November 2014

Herz am Montag - Papierherzen

Schloss Lembeck
Das erste Novemberwochenende wärmte mich von innen und von außen.  Und das liegt nicht daran, dass ich Glühwein getrunken hätte, denn dafür war es viel zu warm.

Leider war's nichts mit Motorradfahren. Ich hatte ein vom Umtausch ausgeschlossenes Bahnticket und die Aussicht im ungünstigsten Fall 5 Stunden bei Regen und einstelligen Temperaturen auf der Autobahn zu verbringen, war dann doch nicht so prickelnd. Nach diversen Überlegungen beschlossen wir, Moped Moped sein zu lassen und entschieden uns für ein Alternativprogramm.

Pott-Humor...
Nachdem ich Freitagabend die Gelegenheit hatte, mich im Gelsenkirchner Nachtleben umzusehen, wollten wir den herrlich sonnigen Samstag zu einem Ausflug nach Holland nutzen.

Ungefähr 10 Kilometer vor der Grenze wurde uns klar, dass sehr viele andere Leute die gleiche Idee hatten, und wir kehrten um.

Nach einem kleinen Trip mit Kaffeestop im Münsterland in Schloss Lembeck, ging es nach Westerholt.

Alt-Westerholt
Wir spazierten bei schon fast sommerlichen Temperaturen durch den Wald, vorbei an fliegenden Golfbällen, denen diverse Schilder gewidmet waren.

Außerdem sah ich zu ersten Mal in meinem Leben eine Golfballwaschanlage.

Das sieht in etwa wie ein Hydrant mit zwei Armen aus. Die schmutzigen Golfbälle werden in eine Wasserröhe gesteckt, von Bürsten geschrubbelt und kommen dann blitzblank wieder heraus. Golf ist eine Sportart, die sich mir genauso wenig erschließt wie Cricket oder Angeln...

Zuhause gab es dann zur Belohung Rotwein, Ziegenkäse und Baguette. In der Sonne kam schon fast so etwas wie Frankreichfeeling auf.

Der Sonntag war nicht minder strahlend und wir machten einen schönen Spaziergang in der näheren Umgebung. Auf einer Holzbrücke lagen dann diese Papierherzen zwischen Herbstblättern.

Messerscharf geschlossen: Hier war wohl eine Hochzeitsgesellschaft gewesen.

Der Anblick der leicht vermanschten Papierherzen, die traurig auf der feuchten Holzbrücke klebten stimmte ein wenig melancholisch, genauso wie der unvermeidliche Abschied am Sonntagnachmittag ...

Dienstag, 4. November 2014

Minimalismus aus meiner völlig subjektiven Sicht

Das Thema Minimalismus scheint ja derzeit überall hip, angesagt und präsent zu sein. Als ich vor einiger Zeit (ich weiß nicht mehr, ob es 2011 oder 2012 war) anfing, Dinge zu reduzieren, geschah das mehr aus einem inneren Drang heraus, als daraus, dass mich irgendein Trend inspiriert hätte.

In diesen letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass ich immer mehr zu mir selbst finde. Unter den Schichten von äußerem und innerem Krempel das finde, was ich wirklich bin. Seit langem fasziniert mich z. B. traditionelle japanische Architektur. Die Ästhetik eines Raums, in dem praktisch nichts steht und alles hinter Shoji-Wänden verschwindet. Man holt nur das hervor, was gerade benötigt wird. Toll!

Materielle Dinge haben mich seit jeher wenig interessiert.
Statussymbole oder irgendwelche Sachen zu besitzen, nur weil man die jetzt gerade haben muss, war immer irrelevant für mich. Ich hatte nie ein Auto, ich brauche keinen Flachbildfernseher und auch nicht den neuesten Laptop oder das neueste Motorrad mit Koffern, Navi und wasweißich. Ok, ich habe mir vor ca. einem Monat aus persönlichen Gründen ein Smartphone gekauft, aber sicherlich nicht, weil man das jetzt haben muss. Mein altes Handy wird wohl mit in den nächsten Mopedurlaub fahren, da es nicht so empfindlich ist und man es nicht ständig laden muss.

Ich komme aus einer Familie, in der nicht gerade mit Geld um sich geworfen wurde, schlicht und ergreifend weil keins da war, das man hätte werfen können. In der Grundschule trug ich heruntergereichte oder selbstgemachte Kleidung, was damals aber schon nicht mehr "hip" war. Man bekam EIN neues Oberteil oder EINE neue Hose oder EINE Winterjacke, nicht fünf, sieben oder fünfundzwanzig. Kleidung war teuer und man achtete auf seine Sachen, Kaputtes wurde geflickt oder zu etwas anderem umgearbeitet. Erst wenn gar nichts mehr ging, wurde weggeworfen nd neu gekauft.

All das, was jetzt auf einmal "nachhaltig" oder "Upcycling" heißt, hat man damals schon gemacht. Da hieß es noch "aus alt mach neu" und war völlig normal.

Einer meiner frühen Leitsprüche war "Häng Dein Herz nicht an irdische Güter!"
Dazu kehre ich gerade wieder zurück.

Man kann prima mit wenig auskommen und es ist tatsächlich so, dass man sich um weniger kümmern muss, wenn man weniger hat. Weniger muss repariert, aufgeräumt oder geputzt werden. Man muss um weniger Dinge Angst haben, die kaputtgehen oder gestohlen werden könnten.

Die äußere Ordnung bringt mich immer näher an meinen eigenen "Kern", an die wichtigen Themen in meinem Leben. Da hin, dass ich überlege, wo ich etwas investiere, seien es Gefühle, Zeit oder Geld.

Mit einem von Dingen unverstellten Blick fällt es mir leichter, meine wesentlichen Themen zu erkennen.

Geld investiere ich am sinnvollsten in mich selbst: Reisen, Sprachkurse, Sportkurse, Tanzkurse, leckeres Essen... das sind Erinnerungen, die keinen Platz brauchen, für die ich keine Steuern bezahlen muss und die mir niemand wegnehmen kann.

Es wird zunehmend schwieriger, Dinge zum wegwerfen zu finden. Gut, kleinere oder größere "Projekte" stehen noch an. Jetzt im Winterhalbjahr werde ich die ganzen Kartons mit Urlaubs- und anderen Fotos durchgehen, die besten und liebsten wandern in ein Album, der Rest kommt weg. Was man 20 und mehr Jahre nicht mehr anfasst, fasst man auch nach 21 oder 22 Jahren nicht mehr an.

Ich miste nicht aus, weil es gerade trendy ist oder ich "nachhaltiger" oder "ökologischer" leben möchte.

Und ich gehöre auch nicht zu den Zahlenfetischisten, die meinen, dass man erst ein "richtiger" Minimalist ist, wenn man nur noch 100 Dinge besitzt.

Dies hier ist MEIN eigener Weg, auf dem ich mir von niemandem vorschreiben lasse, was falsch oder richtig ist, was ich wie zu tun oder sein zu lassen habe.

Für mich ist das hier ein innerer und äußerer Prozess, eine Grenzerfahrung.

Ich las einmal den Satz "Wo die Angst ist, da geht es lang."
Wenn wir (innere und äußere) Barrieren überwinden, kommen wir weiter.

Ob ich dadurch meinen ökologischen Fußabdruck verbessere oder aus der Perspektive von anderen Menschen zu einem "besseren Menschen" werde, ist mir dabei herzlich egal.

Es sind meine Entscheidungen, meine Erfahrungen und es ist mein Leben.