Montag, 29. September 2014

Herz am Montag mit Pyramidenenergie aus Gelsenkirchen


Panoramafoto von Herrn S. aus G.





Ich war ja schon im Frühjahr öfter mal im Pott unterwegs, auf seine Weise ist das eine interessante Ecke. Natürlich landschaftlich nicht zu vergleichen mit dem Schwarzwald und schon gar nicht mit den Motorradrevieren, die wir hier um die Ecke liegen haben.

.. und das da bin ich!
Nach dem geplatzten gemeinsamen Urlaub habe ich in der zweiten Woche unterwegs beschlossen, meinem
Nichtmitfahrer einen Besuch abzustatten und bin nach der Rückkehr aus den Pyrenäen nach Gelsenkirchen gefahren.

Ich bekam ein exklusives Sightseeing auf der Halde. Rundum gab es diverse Industriedenkmäler zu bewundern und ich hatte die Gelegenheit, mich mit frischer Pyramidenenergie zu stärken.

Pyramidenenergie kennt ihr nicht?
Ich werde hier nichts verraten nur soviel: Das wird DER neue Trend! Wenn man weiß, wie und wo, kann man ALLES damit aufladen *schwört*

Das, wo ich da stehe, ist übrigens Kunst. Das sind zwei riesige Scheinwerfer (fast hätte ich Schweinwerfer geschrieben!), die des Nachts leuchten. Selbstverständlich werden sie von reinster Pyramidenenergie gespeist, nix Strom oder so! Allerdings mussten wir von den Einhörnern als Geschäftspartner Abstand nehmen, da diese sich nicht als zuverlässige Kooperationspartner herausgestellt haben. Da bleiben wir doch lieber bei den Erdmännchen, die sind bodenständiger! Mehr will ich hier nicht verraten, sonst kopiert noch jemand unser Geschäftsmodell.

Langer Rede kurzer Sinn: Die ganzen Herzen unterstreichen nur das generelle Thema des Wochenendes und ich fahre bald wieder hin... mehr verrate ich nicht :-))

Samstag, 27. September 2014

Rückreise - von Gavarnie nach Freiburg

5.9.2015 von Gavarnie nach Ainsa

Col d'Aspin
Ab heute hieß es wieder: Der Weg ist das Ziel! Nach 3 Nächten auf dem wunderschönen Campingplatz in Gedre sollte es heute weiter nach Spanien gehen. Eigentlich wollte ich noch in den Parque Ordessa y Monte Perdido, und eigentlich hatte ich noch über einen Besuch in San Sebastián nachgedacht, aber das passte nun doch nicht mehr ins Programm und hetzen wollte ich auch nicht.
Col d'Aspin

Bei meinem Aufbruch waren die Berge noch im Nebel, unten im Tal schien jedoch die Sonne. Der Weg nach Ainsa führte mich wieder durch großartige Landschaften. Leider hatte ich sehr lange einen LKW vor mir, den ich auf der engen und unübersichtlichen Straße nicht überholen konnte. Da es Conchita bei dem Gezuckel bergauf langsam warm wurde, hielt ich an einem Parkplatz an, um einen Fotostopp zu machen, Conchita eine Pause zu gönnen und etwas zu trinken.

Als ich auf dem Parkplatz stand, hörte ich von unten ein bekanntes Motorengeräusch. Da kam eine Twin hochgefahren! Der Fahrer  - ein Franzose - und ich winkten und nickten uns zu.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Sonst sah man unterwegs neben diversen Straßenmaschinen die üblichen mit Alukoffern bepackten BMWs. Auf den Campingplätzen habe ich nur eine kleine Handvoll anderer Motorradfahrer gesehen, meistens war ich die Einzige. Auch so hielt es sich mit größeren "Rudeln" in Grenzen. Die meisten waren zu zweit oder dritt unterwegs, ab und an hier und da auch Einzelreisende. Alleinreisende Frauen habe ich keine getroffen.

Drüben in Spanien roch es gleich anders.
Ich kann das nicht beschreiben, es riecht einfach nach Spanien!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Hier war es noch ein bisschen wärmer als auf der französischen Seite, aber die dunklen Wolken am Himmel verhießen nichts gutes. Bei Bielsa geriet ich in einen heftigen Regenschauer. Kurz zuvor war ich noch an einem Campingplatz vorbeigekommen, hatte mich aber dagegen entschieden, jetzt schon mein Nachtlager aufzuschlagen. Also hieß es jetzt: Weiterfahren! Ungefähr 10 Kilometer später konnte man schon sehen, dass der Regen bald aufhören würde, da hinten zeigte sich schon die Sonne. Ich fuhr weiter in Richtung Ainsa, in den Ort hinein, drehte eine kurze Runde und entschied mich, erst einmal zu tanken und dann zu dem Campingplatz zurückzufahren, den ich von der Straße aus gesehen hatte.

puh, jetzt war ich in einem Land, in  dem ich mich wesentlich besser verständlich machen kann!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Ich habe einen besonderen Bezug zu Spanien. Als junge Frau mit 18/19 war ich zweimal die gesamten Sommerferien in einem kleinen Dorf in Zentralspanien. Eine Schulfreundin hatte mich eingeladen, mit ihr das Dorf ihres Vaters zu besuchen. Damals - 1984 bzw. 1985 - waren Flüge noch unerschwinglich. Wenn man nach Spanien reiste, tat man das mit dem Bus, oder wie wir mit der Bahn. Auch die Bahn war nicht so schnell wie heute, ICEs gab es noch nicht. Heute würde es mich grausen, 28 Stunden in Zügen verbringen zu müssen. Damals war es ein großes Abenteuer! Der erste Urlaub ohne Eltern und ohne Aufsicht, wir wohnten in der Eigentumswohnung des Vaters meiner Freundin und aßen bei ihren Großeltern.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Die Bahnfahrt war grauenhaft. In Paris mussten wir umsteigen und den Bahnhof wechseln. 
Natürlich msste man die Währungen der verschiedenen Länder mit sich führen, den Euro gab es noch lange nicht. In Paris hetzten wir durch die endlosen Gänge der Metro, schleppten uns halbtot an unseren Koffern.

Endlich angekommen, quetschten wir uns in einen Großraumzug und versuchten zu schlafen. Meine Freundin machte mich vorher noch auf einen großen, rehäugigen Mann aufmerksam und meinte "Guck, das ist ein Spanier!" Ah!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Nach unendlichen Stunden landeten wir an der spanisch-französischen Grenze, wo erneutes umsteigen angesagt war, da Spanien eine andere Gleisbreite als Frankreich hatte.

Außerdem musste man an einem Grenzhäuschen vorbei, wo man einen Stempel in den noch jungfräulichen Personalausweis bekam. Und dann ging es in den "Talgo" nach Madrid. Ich erinnere mich, dass wir das Abteil mit einem Portugiesen teilten, und uns auf Englisch und Französisch austauschten. Weitere endlose Stunden später waren wir endlich in Atocha. Der Onkel meiner Freundin holte uns ab, wir fuhren mit der Metro irgendwo quer durch Madrid.
Unterwegs in den spanischen Pyrenäen

Es war heiß, stickig und wir waren völlig übernächtigt. Bei ihm angekommen gab es dann unglaublich leckere in Olivenöl gebratene Schnitzel und wir konnten ein wenig ausruhen, bevor es in den Bus nach Cebreros ging.

Als wir in Cebreros ankamen, waren Fiestas.
Das war etwas völlig neues für mich!
Tagsüber schlief man mehr oder weniger und nachts wurde gefeiert und getrunken.

Ich kann mich noch erinnern, dass wir den Alkohol überhaupt nicht gewohnt waren. Zu jedem Mittag- und Abendessen gab es Rotwein, der mit Gazeosa (Limo) verdünnt wurde. Die erste Woche waren wir nach jedem Essen betrunken, aber die Leber wächst ja bekanntlich mit ihren Aufgaben. Die erste Woche kam mir wirklich alles sehr Spanisch vor, da ich kein Wort verstand. Im Lauf der Zeit lernte ich einiges zu verstehen und nach drei Wochen die ersten Sätze zu sprechen.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Wir lernten unglaublich viele junge Leute kennen. Ein Abend ist mir noch in besonderer Erinnerung, da
unterhielten wir uns wirklich kreuz und quer in allen möglichen Sprachen mit allen möglichen jungen Leuten.

Es war toll, denn wir wurden dauernd angesprochen, eingeladen und hatten unglaublich viel Spaß. Damals habe ich mein Herz an Spanien verloren und immer wieder Anläufe genommen, die Sprache richtig zu lernen.

Jetzt habe ich das dritte Jahr Unterricht und es geht richtig gut. Und natürlich ist die Motivation groß, das Land jetzt noch mehr zu erkunden. Auf dem Plan stehen - neben dem nächsten Urlaub auf der spanischen Seite der Pyrenäen - ein Besuch in Barcelona und irgendwann ein Motoradtrip durch die Extremadura.

Maledetta
In Spanien auf dem Campingplatz fiel mir dann der andere Zeitrythmus auf. In Frankreich ist nach 22 Uhr bzw. 23 Uhr Schicht im Schacht, dafür darf man theoretisch ab 7 Uhr morgens bereits herumlärmen. Nicht so in Spanien. Hier ist erst ab Mitternacht Ruhe angesagt, dafür dann bis 8 Uhr morgens. Ich war glaube ich die einzige Deutsche auf dem Campingplatz, einen anderen Motorradfahrer habe ich noch entdeckt. Ansonsten war es hier ruhig und auch recht leer.

Beim Zeltaufbau war es unglaublich schwül und der Himmel pechschwarz, weshalb ich mich sehr beeilte. Das Gewitter ist dann aber doch vorbeigezogen. Mit Einbruch der Dunkelheit verzog ich mich wieder ins Zelt, um bis zum nächsten Morgen tief und fest zu schlafen.

6.9.2014 Ainsa - Enveitg

Unterwegs zum Port de la Bonaigua
Heute sollte meine Fahrt auf der N260 teilweise auf den Spuren meiner Tour vom letzten Jahr verlaufen.

Der Morgen begrüßte mich sonnig und mit einer fantastischen Stimmung. Leichter Nebel lag in den weiten Tälern, darüber blauer Himmel, eine fast leere Straße, Herz, was willst Du mehr! Ein paar Rennradfahrer teilten sich die breite Straße mit mir.

Die N 260 ist eine Art "Panoramastraße" und führt durch spektakuläre Landschaften. Mal geht es auf einer schon fast autobahnartigen Straße durch weite Täler, an der nächsten Biegung wird die Straße auf ein mal eng, schlängelt sich durch eine Schlucht, es geht mal hoch, mal runter. Aber überall ist es einfach nur wunderschön!

Port de la Bonaigua
In der wunderbar warmen Sonne war das Fahren Freude pur. Es war, als ob ein gradioser Film an einem vorbeizieht, ein Highlight nach dem anderen.

Leider habe ich es auch dieses Jahr nicht geschafft, in den Parque Ordessa y Monte Perdido zu fahren. Aber gut... die Pyrenäen liegen dort auch noch nächstes Jahr.

Ich überlegte kurz, ob ich heute Nacht eventuell in der Kajakschule vom letzten Jahr übernachten sollte, entschied mich aber dafür, den Tag einfach zu nehmen, wie er kommt und kein festes Etappenziel zu planen.

Pallaresa Noguera
Gegen Mittag passierte ich den Port de la Bonaigua, diesmal von der anderen Seite als im Jahr zuvor. Herrlich war es hier auch diesmal, aber schneefrei.  Auf dem Parkplatz wäre ich vor Begeisterung fast in den See gefahren, sah aber noch rechtzeitig, dass der Parkplatz zuende war und wendete Conchita.

Das Wenden hatte ich nach den zwei Ausrutschern und mit dem jetzt doch sehr verbogenen Kupplungshebel zu hassen gelernt.

Feinfühlig einkuppeln ging jetzt nicht mehr, also vermied ich wenden sofern möglich ganz. Hier hatte ich jedoch reichlich Platz.

Unterwegs auf der N260
Eine Herde Pferde lief erst über die Straße, dann über den Parkplatz und überall lagen und standen Kühe.

Als ich letztes Jahr Anfang Mai dort war, waren noch keine Tiere auf der Weide. In der warmen Sonne konnte man prima verweilen und Bilder machen.

Gegen Nachmittag wurde es etwas wolkiger und ein unfreiwilliger Schlenker führte mich dann doch nach und durch Andorra.

Puh... Andorra... ist seltsam.

Col de Puymorènes
Es könnte wunderschön sein, aber entlang der Hauptstraße quält sich der Verkehr, und ein hässlicher Betonbau jagt den nächsten. Eigentlich sieht es hier aus wie eine riesige Shoppingmall. Von Lebensmitteln über Luxusartikel und Konsumgüter der verschiedensten Art gibt es hier alles zu kaufen.
Außer einem Tank voll billigem Sprit habe ich nichts mitgenommen.

Obwohl ich hätte einkaufen müssen, hatte ich keine Lust, in einem der riesigen Supermärkte auf die Jagd nach den von mir benötigten Lebensmitteln zu gehen.

Abendstimmung in Enveitg
Irgendwann landete ich auf dem Pas de la Casa.

Das ist schon beeindruckend dort, aber nach der nervigen Fahrerei wollte ich nur noch runter und weg. Nach einigem Gezuckel ging es dann noch über den Col de Puymorèns und langsam dachte ich daran, mir einen Campingplatz zu suchen. Langsam wurde ich müde, der Himmel zog sich zu und es war Zeit, den Tag ausklingen zu lassen.

Gegen frühen Abend landete ich in Enveitg, einem Ort an der Grenze zu Spanien.
Am Empfang war ich mir
Abendstimmung in Enveitg
erst nicht sicher, ob ich nun Spanisch oder Französisch sprechen muss, da der Herr am Empfang mit der Frau vor mir flüssig Spanisch sprach. Sein Französisch klang irgendwie komisch für meine Ohren. Aber ich habe mich verständlich machen können und ihn auch verstanden.

Ich bekam einen Platz gezeigt, den Code für den supermodernen Sanitärbereich zugewiesen und baute mein Zelt auf.

Da mein Magen jetzt schon deutlich knurrte, machte ich mich auf die Suche nach einem Laden. Ich hatte
mehrere Leute mit Plastiktüten auf den Campingplatz kommen sehen, was mich zuversichtlich stimmte. 5 Minute vor dem offiziellen Ladenschluss des kleinen Dorfsupermarkts stand ich im Laden und konnte mich für den Abend und den kommenden Morgen versorgen. Das war knapp gewesen!

Wir warten auf die Zombie-Apokalypse...
Nachdem das übliche Baguette verdrückt war, zog ich los, um die Abendstimmung einzufangen.

Der Himmel war spektakulär. Riesige Wolken quollen an den Bergen hoch und wurden vom
Sonnenuntergang in die wildesten Farben getaucht.

Bei meiner Dorfrunde kam mir noch eine skurile ältere Frau entgegen, die einen mit Plastiktütenstreifen geschmückten Wanderstab und einen Hund mit sich führte.

Sie sprach mich erst auf Französisch an, danach sprachen wir Spanisch.

Dawn of the dead :-D
Sie fragte, wofür ich Fotos machen würde und in einem wüsten Mix aus Spanisch und Französisch erklärte sie mir, dass in der Nähe tolle Thermalquellen seien und man diverse Badeorte besuchen könnte.

Nach diesem kurzen Austausch setzte ich mich auf eine Bank und sah zu, wie es dunkel wurde, die Fledermäuse um die Laternen kreisten und ein Gewitter in der Ferne die Wolken zum leuchten brachte.

Wieder war ein schöner Tag zuende und wieder ging es ins Zelt.

7.9.2014 Enveitg - Villégly

Meine heutige Route führte mich heute langsam aus den Pyrenäen heraus und weiter in Richtung Norden.
Unterwegs auf der N260
Doch zuerst sollte es bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen weiter auf der N260 entlang gehen.

Da heute Sonntag war, waren die Straße entsprechend voll. Bis Font Romeu hatte ich allerdings Glück und konnte die Kurven mit flottem Tempo auskosten. Hier waren auch viele ander Motorradfahrer unterwegs, gerne in größeren Gruppen.

Nach einer Frühstückspause unten im Tal wurde es dann voller und auf der Straße nach Prades war nur noch ein langsames Vorankommen möglich. Ich rege mich in solchen Momenten nicht großartig auf, denn im Schneckentempo hat man mehr Zeit, sich die Landschaft anzugucken und ggf. mal eben auf einem Parkplatz anzuhalten.

Hinter Prades wollte ich sowieso auf eine kleine Straße einbiegen, um wieder etwas Abwechslung in die
Fahrerei zu bringen.

Das war eine gute Entscheidung! Die kleine Straße zog sich wellig, eng und kurvig zwischen den Bergen nach oben und führte mich durch hübsche Orte wie Molitg-les-Bains und später auf den Col du Jau. Hier war man weitgehend ungestört und der Gegenverkehr hielt sich auch in Grenzen. Gemütlichstes Tempo war angesagt, da man selten weiter als 500 Meter bis zur nächsten Ecke sehen konnte.

Ich konnte viele Ausblicke genießen und fragte mich die ganze Zeit, wieviele Steinpilze es wohl in den
Wäldern geben musst. Ganz oft kamen Leute mit mehr oder weniger großen und mehr oder weniger gefüllten Körben aus den Wäldern. Pilze sammeln scheint eine reine Sonntagsbeschäftigung zu sein. Leider habe ich in dem Bereich sehr viel vergessen und würde mich heute nicht mehr trauen, welche zu sammeln. Als Kind gehörte es im Herbst dazu, täglich "in die Pilze" zu gehen und oft kamen dabei große Spankörbe voll zusammen, die dann meist geputzt und getrocknet wurden. Gelegentlich wurden welche eingelegt. Die habe ich aber genauso wie den ekelhaften "Kürbis süß-sauer" gehasst und niemals gegessen. Heute könnte ich wirklich maximal drei bis vier Sorten unterscheiden und ich wüsste nicht mal, wo ich hier schauen sollte. Gute Pilzstellen werden ja nicht verraten.

Auf dem Weg nach unten fuhr ich durch den Canigou. Hier war es sehr heiß, aber landschaftlich wieder
unglaublich beeindruckend. Eng eingeschnittene Täler mit bewaldeten Felsen und Wildbächen prägen die Landschaft. An einem Bach habe ich mich kurz erfrischt, die angezeigte Höhle jedoch nicht entdeckt. Es war nicht klar, ob man am Ufer hätte langlaufen müssen, oder ein anderer Weg dorthin führt. Angesichts der schweißtreibenden Temperaturen beschränkte ich mich auf eine Trinkpause und fuhr weiter.

Bald fuhr ich wieder über freies Land. Hier war es mit einem Mal extrem windig und sehr heiß. Da es am

Unterwegs in den Canigou
Morgen noch nach Regen ausgesehen hatte, hatte ich das Regenfutter in der Hose gelassen und nicht ausgezogen. Bei 33 Grad im Schatten keine weise Idee. Das ist übrigens das Einzige, das ich nicht mehr tun werde: Auf Touren mit dem Regenfutter in der Hose fahren. Das kommt nur noch rein, wenn ich bei kühlen Temperaturen unterwegs bin. Ansonsten wird jetzt eine Regenhose gekauft, damit entfällt auch der lästige Strip, um das Futter bei Regen in die Hose zu zippen. In der Jacke stört mich das Futter nicht, aber wenn es an den nackten Beinen klebt, ist das einfach nur widerlich.

In der Hitze und im Wind fühlte ich mich rasch wie ein Stück Dörrfleisch. Die Sonne brannte durch das
Col Du Jau
Visier, wenn man es offen ließ, blies jede Menge Staub herein. Und eigentlich wollte ich nicht nach Carcassonne. Zumindest nicht nochmal in die Cité, ich fand, dass ein Besuch reichte. Also quälte ich mich durch den Sonntagsverkehr und die Hitze weiter. Irgendwann wollte ich dann nur noch einen Campingplatz, etwas trinken und nicht mehr fahren müssen.

Wie es aber so ist: Wenn man KEINEN Campingplatz sucht, stehen ÜBERALL Schilder und gefühlt alle 500 Meter könnte man auswählen. Aber wehe, man sucht einen Campingplatz, dann findet man garantiert nichts! In einem kleinen Ort folgte ich dem Schild, das einen Campingplatz anzeigte. Leider gab es nur genau dieses EINE Schild, so dass ich nach einer Runde durch den Ort aufgab und weiterfuhr. Endlich, ich befand mich schon im Zustand von seit mehreren Jahren gelagertem Bündnerfleisch - sah ich ein Schild, dem ich folgte. Ich landete rasch auf dem Campingplatz in Villégly. Hier durfte ich auch wieder mit freier Platzwahl mein Zelt aufstellen, die Anmelde- und Zahlungsformalitäten würde ich am nächsten Morgen erledigen können, so wurde mir zugesagt.

Als allererstes habe ich eine Flasche eiskaltes Wasser aus dem Getränkeautomaten gezogen, um als nächstes
Im Canigou
aus den Stiefeln zu steigen. Ich hatte in diesem Moment den Eindruck, dass sämtliches Leben im Umkreis von 100 Metern verstarb. Ich spare Euch die Details, aber stellt Euch einfach vor, ihr tragt im Sommer bei 33 Grad für 5 Stunden Moonboots. Alternativ kann man auch an Harzer Roller denken, den jemand einen halben Tag in der Sonne liegengelassen hat. 

Heute hatte ich kein Bedürfnis danach, noch die Umgebung zu erkunden. Ich setzte mich auf eine Bank, las mein Buch weiter und schrieb mit meinem Nichtmitfahrer, der stets auf dem aktuellen Tourstand gehalten werden wolllte. Gegen Dämmerung ging es wieder ins Zelt. Inzwischen hatte es sich zugezogen und grollte ein wenig, so dass ich auf etwas Abkühlung für den nächsten Tag hoffen konnte.

8.9.2014 Villégly - Le Vigan

Meine heutige Tour sollte mich in die Cevennen führen, die ich mir als Abschlusshighlight meines Urlaubs
ausgesucht hatte. Ich war ja letztes Jahr bereits dort durchgekommen und war begeistert. Leider hatte das Wetter nicht mitgespielt und der Ausflug auf den Mont Aigual wurde wegen Nebel gestrichen. Kalt war es auch gewesen.

Heute morgen begrüßte mich ein bezogener Himmel und drückende Schwüle. Es würde also ein weiterer Tag in der Saunahose und den Käsestiefeln werden. Das Zelt war rasch abgebaut und ich machte mich wieder auf den Weg. Nebel und feuchte Schwüle lagen über der Landschaft. Nur sehr ab und zu konnte man die Sonne sehen.

Ich kurvte auf diversen Straßen in Richtung Clermont-L'Heurault. Hier war schon der Herbst angekommen,
Unterwegs im Heurault
die ersten Blätter färbten sich bunt und die Sonne stahl sich immer wieder durch den Hochnebel. In Bedarieux ging ich kurz einkaufen. Als ich aus dem Supermarkt kam, war die Luft so schwül und stickig, dass man kaum noch atmen konnte. Der Himmel inzwischen pechschwarz bezogen. Das verhieß nichts Gutes. Noch auf dem Parkplatz fing es kurz aber heftig zu regnen an. Ich stellte mich unter, verstaute meine Einkäufe und studierte die weitere Route. Bis in die Cevennen wollte ich heute auf jeden Fall kommen, Gewitter oder nicht.

Auf der Nationalstraße in Richtung Lodève verhieß der Himmel immer weniger Gutes. Ich fand die Ausfahrt nach Le Vigan und bog auf die kleinere Straße ab. Nach ein paar Kilometern begann es zu regnen. Erst ein bisschen, dann stärker und dann schüttete es wie aus Kübeln. Ich fuhr wieder auf die Nationalstraße zurück und ein wenig weiter, nahm ein
paar Ausfahrten später jedoch einen beherzten zweiten Anlauf, da es jetzt ein wenig heller aussah.

Ja, es war auch heller, nur nicht dort, wo ich hinfuhr. Dräuend hingen die Wolken in den Bergen. Es begann zu nieseln, zu regnen, zu schütten im munteren Wechsel. Ich beschloss, mich davon nicht stören zu lassen, immerhin war es nicht kalt und die Straßen gut zu befahren.

Nach einer guten Stunde waren meine Handschuhe komplett durchweicht und der Regen war zu einem Wolkenbruch geworden. Zu allem Überfluss begann es auch noch zu donnern und zu blitzen. Natürlich weit und breit keine Möglichkeit, sich unterzustellen. Ich beschloss, diese Nacht in einem Hotel zu verbringen und begann Ausschau zu halten. In einem Ort kam dann die Rettung: Ein großes Hotel stand an der Straße. Der
Regen ließ ein wenig nach und ich stellte Conchita ab. Leider hatte das Hotel just heute seinen Ruhetag und war geschlossen. In das Bushäuschen gegenüber wollte ich mich auch nicht setzen. Da der Regen gerade aufgehört hatte, beschloss ich einfach weiterzufahren. Umkehren wäre keine Option gewesen, da ich bereits einen Großteil der Strecke zu meinem Etappenziel zurückgelegt hatte.

Es begann nun wieder zu regnen. Bald schüttete es wieder und zum Regen gesellte sich ein heftiges Gewitter, das ich zu ignorieren versuchte. Inzwischen war mir alles egal, IRGENDEIN Übernachtungsplatz musste her, egal was!

In Molières-Cavaillac kurz vor Le Vigan bog ich auf einen Campingplatz ein. Hier stand das Wasser bereits
in riesigen Pfützen in der Auffahrt. Ein paar Zelte und Campingwagen verloren sich auf dem Platz. Das Gewitter tobte inzwischen und der Himmel hatte seine Schleusen auf volle Leistung gestellt. Ich sah einen großen Holzpavillion. Hier würde ich mein Zelt aufbauen! Ich hätte es zu diesem Zeitpunkt auch in den Sanitärbereich gestellt, alles war Recht, nur raus aus diesem Gewitter!

Am Empfang war niemand zu sehen, aber als ich mich gerade daran machen wollte, Conchita abzuladen, kam ein kleiner, alter Mann mit einem Regenschirm angelaufen. Er war ziemlich überrascht und erstaunt, eine Frau allein mit Motorrad und Zelt bei diesem Wetter zu treffen und bot mir an, das Zelt unter dem Pavillion aufzubauen. Gesagt, getan. Ich ging nun nach vorne zur Anmeldung, wo seine Frau bereits auf mich wartete.

Die Beiden waren einfach nur süß! Ich schätze sie auf Ende 60 bis Mitte 70. Monsieur war schwerhörig, was
die Verständigung zwischen ihm und mir mit meinem schlechten Französisch nicht ganz einfach machte. Madame war sehr besorgt, ob ich nicht völlig durchweicht sei und mir nicht kalt wäre. Ich öffnete meine Jacke und zeigte auf das Gorextexfutter, das beruhigte beide. Nun wollten sie wissen, wie ich denn morgen weiterfahren wollte und meinten, es sei kein gutes Wetter angesagt. Ich versuchte ihnen zu erklären, dass ich auf dem Rückweg sei und nicht mehr allzuviel Zeit zum bleiben hätte und bei jedem Wetter weiterfahren würde. Madame meinte daraufhin, dass ich erstmal heiß duschen sollte, damit ich mich nicht erkälte. Ich folgte ihrem Rat.

Während ich unter der Dusche stand, legte das Gewitter noch ein paar Gänge mehr ein. Es donnerte unablässig, der Regen rauschte auf das Dach und zwischendrin fiel immer mal wieder das Licht aus. Gut, dass ich nicht noch weitergefahren war!

Als ich aus der Dusche kam, hatte Monsieur mir einen Tisch und einen Stuhl gebracht, damit ich nicht auf
Am nächsten Morgen
dem Boden sitzen musste. Mein Zelt stand trocken und mir war nach der Dusche angenehm warm. Während das Gewitter weitertobte, aß ich mein leider etwas angeweichtes Brot, las in meinem Buch weiter und war fasziniert von dem Unwetter, das um mich herum tobte. Nach 3 Stunden hörte es auf zu regnen und so etwas wie Sonnenschein kam heraus. Das stimmte mich für den nächsten Tag schon etwas positiver. Die Vorstellung, wieder in so einem Unwetter fahren zu müssen, war nicht sehr angenehm.

Als es dunkel wurde, kam Madame nochmal vorbei, fragte, ob ich Licht hätte, mir warm genug sei und ich noch etwas bräuchte. Mir ging es gut, ich war warm, trocken, das Zelt stand nicht in der Matsche und eine kleine Lampe hatte ich auch dabei, beruhigte ich Madame.

Da heute alles leicht feuchtelig war, wickelte ich mich für die Nacht besonders gut in meinen Schlafsack ein. In meinem Zelt war es warm und trocken und ich schlief zufrieden und tief.

9.9.2014 - Le Vigan - Vilette d'Anthon

Heute sollte der vorletzte Tourtag sein. Der Morgen startete mit Nebel. Ich war ein bisschen genervt, denn
Unterwegs zum Mont Aigual
im letzten Jahr hatte mir den Nebel ebenfalls die Tour auf den Mont Aigual verleidet. Musste das diesmal wieder sein?

Nach einem Tankstopp in Le Vigan folgte ich den Schildern zum Mont Aigual. Es ging tatsächlich erst einmal mehrere Kilometer durch Nebel, lästiges Gewische auf dem Visier inklusive. Ungefähr 5 Kilometer hinter Le Vigan wurde es auf einmal heller und plötzlich fuhr ich im schönsten Sonnenschein. So früh am Morgen hatte ich die Straße mehr oder weniger für mich allein und konnte immer wieder ungestört Ausblicke genießen. In den Cevennen war es wirklich herbstlich! Während weiter im Süden das Laub noch grün gewesen war, zeigte sich hier schon einige Herbstfärbung.

An einem Aussichtspunkt machte ich Halt. Die Sonne schien vom makellos blauen Himmel und man konnte
Unterwegs zum Mont Aigual
sehen, wie sich der Nebel im Tal allmählich auflöste. Ich genoss die morgendliche Stille, die großartige Aussicht, sah den Schwalben zu, die hier kreisten und trocknete meine Jacke in der Sonne. Für eine gute halbe Stunde war ich völlig allein.

Dann hörte ich ein vertrautes Geräusch, kurz darauf hielten drei Motorräder an. Wie sich rasch herausstellte, handelte es sich um drei Herren aus dem Ruhrgebiet, die wie ich auf dem Heimweg waren. Wir tauschten uns über den Vortag und die nasse Anreise aus. Der eine erzählte mir, dass sie an einem Hotel gehalten hätten, ihnen aber die drei Zimmer vor der Nase weggeschnappt worden seien. Der Hotelbesitzer hätte dann bei einem anderen Hotel angerufen und drei Zimmer für sie klargemacht. Daraufhin meinte ich nur trocken "Ich war gestern auf dem Camping." Was dem Herrn ein fassungsloses "Ach Du Scheiße!" entlockte.
Die beiden anderen bestaunten derweil meine bepackte Conchita.

Die Gruppe machte sich dann vor mir auf den weiteren Weg zum Mont Aigual. Einige Minuten später folgte
Auf dem Mont Aigual
ich ihnen, um den ersten bald einzuholen. Da fuhr aber jemand langsam! Bei der nächsten Gelegenheit zog ich an ihm vorbei und hängte mich an die beiden anderen, die deutlich flotter fuhren. Wir hatten unseren Spaß bei der Fahrt auf den Mont Aigual, zogen an einem Bus vorbei und ich versuchte, die Herren vor mir herzuscheuchen, da ich das Tempo immer noch recht gemütlich fand. Oben auf dem Gipfel gab es dann nochmal eine großes Hallo. Jeder machte Fotos und ich gab ihnen ein paar Tipps für den Schwarzwald, durch den sie auf dem Rückweg fahren wollten.

"Sag mal, fährst Du eigentlich nach Navi oder nach Karte?"
"Ich fahre nach Himmelsrichtung und nach Schnauze. Verfahren gehört dazu, der Weg ist das Ziel!" lautete meine Antwort.
Weitere Fassungslosigkeit.

Und jetzt war mein Ehrgeiz angestachelt!
Auf dem Mont Aigual
Die Herren fuhren alle topmoderne Motorräder mit allem Schnick und Schnack. Das war der Moment um zu zeigen, was eine 17 Jahre alte Africa Twin mit einer alleinreisenden Frau alles kann. Diesmal schwang ich mich als Erste in den Sattel und gab Conchita die Sporen. Nach zwei Wochen mit jedem Tag im Sattel war ich inzwischen eins geworden mit meinem Pferd und konnte doch ein ordentliches Tempo vorgeben. An einem Aussichtspunkt, wo ich Fotos machte, holten die Herren mich wieder ein. Rasch folgte ich der Gruppe, überholte erst Mr. Langsam und scheuchte dann die anderen vor mir her. Ich konnte sehen, wie sie immer wieder in den Rückspiegel schauten, ob sie mich denn nun abschütteln würden.

Als sie einen Fotostopp machten, war ich wieder an der Reihe, vorbeizuziehen. Ich hatte einen Riesenspaß
Mont Aigual
dabei und hätte gerne gewusst, was sie sich dachten.


Bei Florac trennten sich unsere Wege, da ich in die Gorges du Tarn fuhr und sie weiter in Richtung Ardèche.

Es war inzwischen wieder richtig warm geworden und in der Gorges du Tarn auch einiges los. Heute wollte ich hier jedoch nur durchfahren und verzichtete auf einen Stopp in St. Enimie. An einem Aussichtspunkt standen wieder einige Motorrafahrer. Ein Paar und eine Frau mit einer 250er. Als sie vom Aussichtspunkt zurückliefen, und ich gerade meine Kamera auspackte, wünschten sie mir eine gute Fahrt. Den beiden Frauen sah ich die Bewunderung an.

Ich bilde mir ja nicht sonderlich viel auf meine Fahrkünste ein, aber Conchita und ich waren wirklich immer
Unterwegs in den Cevennen
wieder eine kleine Sensation. Klar, eine Twin ist kein kleines "Frauenmoped" und sowieso ein Hingucker. Es fasziniert mich aber trotzdem immer wieder, wie sehr ich überall auffalle und wie leicht man mit den Leuten ins Gespräch kommt, wenn es auch aufgrund meiner schlechten Französischkenntnisse mühsam ist.

Als ich aus der Gorges du Tarn herausfuhr, begann sich das Wetter wieder zu verschlechtern. Ich näherte mich Le-Puy-en-Vellay. Diesmal regnete es hier auch wieder. Ich bin inzwischen davon überzeugt,  dass der Ort in Wirklichkeit "La-Pluie-en-Velay" heißt... Hier wollte ich dann doch weiter. Heute sollte es noch mindestens bis nach Lyon gehen, dann würde ich die restliche Etappe locker an einem Tag schaffen können.

Es regnete und regnete. Hinter Lyon machte ich an einer Raststätte Halt und holte mir einen Kaffee. In der
Unterwegs in den Cevennen
einen Richtung lag eine schwarze Gewitterfront, in der anderen schien die Sonne. Ein prächtiger Regenbogen spannte sich über die Autobahn. Jetzt würde es wohl wirklich auf ein Hotel rauslaufen, dachte ich mir. Es war schon relativ spät und ich müde. Leider wollte der Regen so gar nicht recht aufhören, weshalb ich bald weiterfuhr. Irgendwann hatte ich die Nase voll und fuhr von der Autobahn ab und wieder der Nase nach. Um die richige Richtung würde ich mich morgen kümmern!

Der Gedanke, meine letzte Nacht im Hotel zu verbringen, stimmte mich dann doch etwas wehmütig.

Ich wollte so gerne nochmal zelten! Der Wettergott hatte ein Einsehen und bescherte mir ca. 20 Kilometer
Gorges du Tarn
hinter Lyon Sonnenschein und einen Campingplatz.

Nachdem mich mehrere gefräßige Mücken bereits erwischt hatten, bevor ich auch nur an einsprühen denken konnte, wühlte ich erstmal das Spray hervor und nebelte mich, das Zelt, den Schlafsack und meine Umgebung großzügig ein. Danach war das Zelt rasch aufgebaut. Auf dem Handy hatte ich einen besorgten Anruf verpasst und schreib erstmal zurück, dass ich noch beim Aufbau sei und mich bald melden würde. Jetzt erstmal raus aus den Klamotten, Sanitärbereich suchen und den Abend einläuten!

Hier war es nochmal schön warm und sonnig. Ich freute mich auf  meine letzte Nacht im Zelt, aber zugleich auch auf die nächste Nacht, die ich zuhause in meinem Bett verbringen würde.

10.09.2014 - Vilette d'Anthon - Freiburg

Mein letzter Morgen begann neblig und leicht schwül. Heute Abend würde ich wieder in meinem Bett
Gorges du Tarn
schlafen und vorher ein Bad in meiner Wanne genießen. Die Vorfreude auf zuhause war nun doch groß, zumal im Anschluss an meine Motorradtour noch eine weitere, spannende Reise anstand.

Den ganzen Vormittag fuhr ich durch mal mehr und mal weniger dichten Nebel, ab und zu tröpfelte es auch, was mit den Abschied von der Straße erleichterte. Erst auf der Höhe von Besancon zeigte sich ganz langsam die Sonne und der blaue Himmel kam durch. Immer mehr vertraute Ortschaften tauchten auf den Straßenschildern auf, Vessoul, Mulhouse, Strasbourg, Nancy, Épinal, Freiburg...

Am späten Nachmittag war ich wieder zuhause. Schnell war alles abgepackt, die erste Wäsche lief, das Zelt lag zum trocknen in der Sonne und ich schälte mich aus den Motorradklamotten. Toll war's gewesen!

Ich möchte nicht eine Minute dieser Tour missen und das Ziel für den nächsten großen Urlaub im neuen Jahr steht bereits fest: Die atlantischen Pyrenäen!
Vorausgesetzt, mein Nächstesjahrmitfahrer möchte auch dort hin :-)








Samstag, 20. September 2014

Höhepunkte - des Urlaubs dritter Teil

2.9.2014 Campan - Gedre "Pain du Sucre"

Pain du Sucre
Heute sollte es zu meinem "Etappenziel" nach Gavarnie gehen. Ich machte mich recht früh am Morgen auf den Weg in Richtung Gavarnie. Das Wetter war perfekt, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und äußerst angenehme Temperaturen.


Da die an und für sich gut ausgebaute und schön kurvige Strecke leider sehr befahren ist, hält sich das Reisetempo in Grenzen. In einigen Ortschaften muss man im Verkehrswirrwar ziemlich aufpassen, wer gerade wo und warum Vorfahrt hat. Oftmals darf man auch nur mit 30 km/h durchfahren und/oder muss noch die mehr oder weniger großen Trüppchen Rennradfahrer überholen, die sich hier ebenfalls bewegen. Die großartigen Blicke, die sich einem bieten, entschädigen jedoch für jedes Hinterhergezockel hinter Wohnmobilen oder LKWs.
Blick zur anderen Seite...


Gegen Mittag erreichte ich den Campingplatz "Pain du Sucre". Da am Empfang niemand war, suchte ich mir einen Platz für mein Zelt. Hinter dem Kinderspielplatz schien mir der richtige Ort zu sein, geschützt und mit einem großartigen Blick.


Ich fuhr mit Conchita auf die Wiese, stoppte aber, da ein kleiner Graben zwischen mir und meinem Zeltplatz lag und ich keine Lust auf meinen ersten Offoradparcours hatte, da ich mir fest vorgenommen hatte, Conchita in diesem Urlaub NICHT abzulegen. Also rauf und wenden. Eh ich mich versah, war das Vorderrad auf dem nassen Gras weggerutscht und Conchita hatte sich auf die Seite gelegt. Hochkriegen? Keine Chance! Ich lief nach vorne auf den Campingplatz und sprach dort einen jungen Mann an, der sofort aufsprang, mich fragte, ob mit mir alles ok sei und mir half, Conchita wieder auf ihre zwei Räder zu stellen. Es war etwas Benzin aus dem Vergaser gelaufen und ich bekam sie erst nach ein paar Versuchen wieder an. Im Notfall hätte ich sogar ein Überbrückungskabel dabei gehabt, falls ich die Batterie "leergeorgelt" hätte. Das war aber nicht nötig.
Conchita durfte dann auf dem Parkplatz stehen und ich trug meine Ausrüstung nun zu meinem ausgewählten
Zu Fuß unterwegs...
Platz, baute das Zelt auf und beschloss, mich hier für mehrere Tage häuslich niederzulassen.
Am nachmittag ging ich zu Fuß auf Erkundungstour und fand recht bald einen Fußweg in Richtung Gavarnie. Da ich weder etwas zu essen noch etwas zu trinken dabei hatte, nahm ich mir vor, nicht allzu weit zu gehen. Der Weg wurde rasch zu einem verschlungenen Pfad, der mal mehr mal weniger steil oberhalb von einem Bergbach entlang führte. Auf dem Weg selbst lagen jede Menge Hinterlassenschaften von Eseln oder Pferden, gesehen habe ich aber keine. An einer Stelle, wo man ein Stück Felsen hätte runterklettern müssen, habe ich dann beschlossen, dass es für heute genug Abenteuer gewesen sei und kehrte wieder um. Inzwischen war auch der Empfang besetzt und neben den ganzen Anmeldeformalitäten erstand ich noch eine Waschmarke und bestellte Gebäck für den nächsten Morgen. Ich hatte nur Wäsche für ca. 1 Woche mit, wobei ich abends meist das gleiche Shirt und sowieso immer die gleiche Hose trug.
Zum Motorradfahren gab es 2 Funktionsshirts mit kurzen und eins ohne Ärmel. Es hat sich damals bei den Radtouren schon bewährt, nicht mit Baumwollshirts zu fahren. Die werden nach kürzester Zeit stinkig, feucht und fühlen sich widerlich an. Die Funktionsshirts habe ich jeweils recht lange getragen, es hat sich keiner beschwert. Aber gut, es war ja auch keiner da, der sich hätte beschweren können...
An Kleidung hatte ich sowieso nur sehr wenig dabei und ich wäre sogar mit noch weniger ausgekommen. Man
Abendstimmung
steckt tagsüber in der Kombi und für abends gibt es meine Zip-Off-Wanderhose, die ggf. nach einer Wäsche schnell trocken ist. Kurz vor meinem Urlaub hatte ich noch einen sehr schönen Fleece-Kapuzenpulli erstanden, der sowohl an kühlen Abenden als auch bei kühleren Temperaturen auf dem Motorrad gute Dienste geleistet hat. Da man auf fast allen Campingplätzen waschen kann, sollte man sich nicht mit allzuviel unnötigem Zeug belasten. Socken sind nach einem Tag in den Endurostiefeln sowieso ekelig, über Nacht rausgehängt, kann man sie trotzdem prima nochmal tragen, weil die Stiefel ja auch nicht lecker riechen und es nicht wirklich einen Grund gibt, mit duftenden Socken in stinkende Stiefel zu steigen.
Nach einem besonders heißen Tourtag schrieb ich abends einmal "Der Moment, wenn man aus den Stiefeln
Pyrenäenglühen...
steigt und jegliches Leben im Umkreis von 100 m erlischt!"
Das trifft es ziemlich gut!
Nach dem Waschprogramm ging es noch ins Campingrestaurant, wo ich eine sehr leckere Pizza mit 4 lokalen Käsesorten hatte, das dazu bestellte Wasser wurde mir mit dem Hinweis, dass man in den Berge sei nicht berechnet. Mein Teewasser und das Wasser zum Zähne putzen habe ich immer aus dem Bergbach geholt, der unterhalb von dem Campingplatz entlang lief. Ich habe meine Wasserflaschen öfter in irgendwelchen Bächen oder Wasserfällen aufgefüllt, wenn schon, denn schon!
Nach diesem eher entspannten Tag wollte ich am nächsten Morgen dann den Cirque de Gavarnie und den Cirque de Troumouse erkunden. Mit Einbruch der Dunkelheit ging es wieder ab in den Schlafsack.

3.9. Gedre - Cirque de Gavarnie und Cirque de Troumouse

Cirque de Gavarnie


Heute sollte ein Tag der Höhepunkte werden. Da ich nichts aufpacken oder abbauen musste, startete ich schon sehr zeitig in Richtung Gavarnie. Ich hatte mir auf dem Campingplatz noch einen Aufkleber besorgt, mit dem man kostenlos hätte parken können, da ich aber sowieso erst hochfahren wollte, erübrigte sich das Parken sowieso. Es war ungefähr 1/2 10 Uhr, als ich nach oben fuhr und noch recht wenig los. Ich konnte mir gut vorstellen, wie es hier aussehen würde, wenn Hochsaison ist.
Die Straße nach oben in den Cirque ist schön zu fahren, allerdings tut man gut daran, langsam zu fahren, denn überall weiden Kühe und Schafe. Nach ein paar Biegungen huschte etwas vor meinem Motorrad über die Straße. Ich erschrak erst einmal und schaute dann genauer hin. 
Es war ein Murmeltier! Ich habe noch nie so viele Murmeltiere so nah gesehen wie dort! Scheinbar waren sie
Cirque de Gavarnie
alle mit ihren Morgenaktivitäten beschäftigt, wirklich überall saßen welche und erledigten irgendwelche wichtigen Murmeltierdinge wie fressen und pfeifen oder pfeifen und fressen. Leider habe ich keine Fotos gemacht. Die Herrschaften sahen auf jeden Fall ziemlich wohlgenährt aus und ihre Pelze glänzten golden in der Sonne. Wenn sie über die Straße wollte, entsprach das Tempo eher einem gemütlichen Hoppeln als einem hektischen Huschen. Offenbar wissen sie, dass die Leute auf der Straße aufpassen und sie nichts zu befürchten haben. Oder sie waren einfach schon träg und fett gefressen für den kommenden Winter und hatten Probleme, den schleifenden Bauch vom Asphalt zu bekommen. Das ist eine reine Mutmaßung, da ich kein Murmeltier von unten betrachten durfte.
Neben Murmeltieren tummelten sich immer wieder Kühe und Schafe auf der Straße und das beliebte
Cirque de Gavarnie
"Bauernglatteis" war auch häufig anzutreffen. Aber hier fährt man nicht hoch, um schnell durchzurasen.
Oben angekommen, stellte ich Conchita hinter einem Reisebus ab. Kaum stand sie, kamen schon zwei ältere Franzosen angelaufen, die sich für mein Motorrad begeisterten. Als ich den Helm abnahm, gab es ein großes Hallo. Der eine gab mir zu Verstehen, dass er mich vom Fleck weg heiraten würde, aber bitteschön IHN und nicht seinen Kumpel, weil der zu groß sei! Ich musste sehr lachen. Die Herrschaften waren alle gut Ende 60 bis Anfang 70 und kriegten sich fast nicht mehr ein, dass ich hier mit einer so großen Maschine allein unterwegs bin. Ehe ich mich versah, hatte ich eine Traube von 10 Männern um mich versammelt, die abwechselnd Conchita und die mutige Frau aus Freiburg bewunderten. Trotz meinem schlechten Französisch konnte ich erklären, wie alt Conchita ist, wieviel PS sie hat, wie lange ich den Führerschein habe und dass ich fast immer alleine reise.
Vom Parkplatz aus lief ich einen der Schotterwege hoch, die man theoretisch auch mit dem Motorrad
Cirque de Gavarnie
hochfahren könnte. Es gibt in den Bergen immer wieder Grobschotterpisten, die zu den Skiliften führen und die nicht offiziell gesperrt sind. Probieren wollte ich das nicht allein und schon gar nicht hier. Hier wollte ich hochlaufen und das Panorama genießen und nicht mir Sorgen machen, ob und wie ich Conchita irgendwo im Gelände gewendet bekommen würde.
Es war schon sehr warm und die Sonne brannte mir wirklich auf den Pelz. Zum Glück hatte ich heute daran gedacht, mich rechtzeitig einzucremen. Ich habe sehr helle Haut und verbrenne entsprechend schnell, selbst wenn schon etwas Grundfarbe vorhanden ist.
Ich lief immer weiter den Schotterweg entlang und irgendwann noch hoch auf einen Hügel, wo sich eine Tafel
Cirque de Gavarnie
mit den Bergen der Umgebung befand. Über mir kreiste ein sehr großer Vogel. Mein Fernglas hatte ich auf diese Tour zwar eingepackt, aber es lag friedlich unten im Zelt. Also musste der Zoom meiner Kamera herhalten, um die Vermutung zu bestätigen, dass es sich hier um einen Geier handeln muss.
Auf und unterhalb des Aussichtspunktes setzte ich mich immer wieder hin, um die großartigen Ausblicke zu genießen. Man kann von hier aus diverse Wanderungen und Spaziergänge von einfach bis anspruchsvoll machen. Auf jeden Fall sollte man sich Zeit lassen, um diese wirklich majestätische Umgebung auf sich wirken zu lassen!
Gegen frühen Nachmittag machte ich mich auf den Weg nach unten, da ich noch mehr erkunden wollte. In
Hol's der Geier!
Gavarnie machte ich kurz Halt, um einen Kaffee zu trinken, etwas zu essen und die vier Postkarten zu schreiben, die ich mangels Briefmaren nach Deutschland gefahren habe. Dann ging es auf zum Cirque de Troumouse.
Hier verläuft der untere Teil der Straße erst recht unspektakulär, bis man zu der Stelle kommt, ab der dann eine kleine Maut (Motorrad 2 €) fällig wird. Eine schläfrige Dame drückte mir einen Flyer in die Hand und schon ging es los. Die Straße in den eigentlichen Cirque fand ich teilweise anspruchsvoll, da man hier nur im 1. oder 2. Gang hochfahren kann, die Kehren sehr eng sind und man auf Tiere und Gegenverkehr achten muss. Außerdem gilt auch hier: Durchrasen wäre die reinste Verschwendung!
Man könnte alle paar Meter stehenbleiben und Bilder machen, so grandios ist die Landschaft auch hier.
Cirque de Gavarnie
Wasserfälle, Berggipfel, darüber blauer Himmel. Stehenbleiben sollte man nur, wenn man sicher ist, dass von vorne oder hinten nichts kommt, denn die Straße ist sehr eng, die Kehren teilweise unübersichtlich und auch hier laufen Tiere herum. Auf halber Höhe passiert man ein Gasthaus, in dem es auch Zimmer gibt. Ich habe schon darüber nachgedacht, das nächste Mal dort für ein paar Tage mein Camp aufzuschlagen und die Gegend zu Fuß zu erkunden. Jetzt jedoch fuhr ich langsam immer weiter nach oben, bis ich am Ende einen Parkplatz erreichte, wo Conchita dann ausruhen durfte.
Inzwischen war es ordentlich warm geworden und mir lief der Schweiß ziemlich herunter, als ich mich auf den Weg zu einem Aussichtspunkt machte. In relativer
Cirque de Troumouse
Nähe zum Parkplatz steht eine Marienstatue. Was es mit der genau auf sich hat, weiß ich nicht, ist aber ein schönes Fotomotiv.
Hier oben blühte noch der Eisenhut, der in großen Teppichen wächst. Die Kühe scheinen ihn auch zu mögen, die Pflanzen waren zumindest teilweise an- oder abgefressen. Auch im Cirque de Troumouse erwartet einen spektakuläre Landschaft. Das Ganze ist aber etwas "intimer" als in Gavarnie. Als ich ankam, wirkte es so, als ob sich gerade alle auf den Flächen für ihr Mittagspicknick verteilt hätten. Auf jeden Fall keine schlechte Idee bei dem herrlichen Wetter und in der wunderschönen Landschaft.
Cirque de Troumouse
Nach einer kleinen Runde steckte ich meine Füße in den kalten Bergbach und füllte später auch meine Flasche wieder. Mein Outfit erregte bei den ganzen leicht bekleideten Wanderern natrürlich auch wieder Aufsehen. Ich muss aber sagen, dass man mal abgesehen davon dass sie furchtbar warm sind, in den Endurostiefeln sehr gut laufen kann. Im Gegensatz zu meinen Tourenstiefeln haben sie ja richtiges Profil und man rutscht damit auf unwegsameren Wegen nicht aus. Die Textilkombi ist auch bei höheren Temperaturen noch angenehm zu tragen, nur die Jacke herumzuschleppen ist lästig.
Gegen späteren Nachmittag machte ich mich auf den Weg nach unten. Auf halbem Weg gab es dann noch einen Erfrischungsstopp an dem Berggasthof und ich
Erfrischung gefällig?
konnte das Panorama nochmals bewundern. Das war ein beeindruckender Tourtag gewesen. Jetzt stand noch der Einkauf für den nächsten Tag ein. Da es nur diese eine Straße nach oben und unten gibt, musste ich mich durch den inzwischen recht dichten Verkehr zum nächsten Supermarkt quälen. Unten angekommen war es richtig heiß und stickig, das habe ich aber erst gemerkt, als ich aus dem klimatisierten Supermarkt wieder draußen war.
Auf dem Weg zurück habe ich irgendwie eine falsche Abzweigung genommen und musste wenden. An einer recht breiten Stelle der Straße hielt ich an, um Conchita umzudrehen. Leider war der Asphalt neu und rutschig und eh ich mich versah, lag ich wieder am Boden. Ich hatte Glück, denn ein Auto hielt sofort und ein Rennradfahrer ebenfalls. Ich konnte die besorgten Helfer beruhigen, dass mir nichts passiert war und gemeinsam schoben wir Conchita an die Seite. 
Cirque de Troumouse
Leider war mein Kupplungshebel jetzt ziemlich verbogen, was die nächsten Tourtage anstrengend machte und mir auch jedes Mal bei heiklen Manöver den Schweiß auf die Stirn trieb. Stichwort: Gefühlvoll kuppeln. Hier war jetzt eher kraftvolles Zupacken angesagt. Zum Glück sind meine Hände und Arme inzwischen so trainiert, dass ich trotzdem keine größeren Beschwerden bekam. Der Zeigefinger und der Mittelfinger meiner linken Hand sind jetzt allerdings sehr gut trainiert.
Nach diesem kleinen Schrecken fuhr ich zurück zum Campingplatz, um dort einen gemütlichen Abend zu verbringen, das schwindende Licht auf den Bergen zu genießen und über den nächsten Tag nachzudenken.

4.9.2014 Gedre - Col d'Aubisque

In der Nacht hatte es ein wenige getröpfelt und das eine oder andere Gewitter musste in der Ferne
Val d'Azun
niedergegangen sein. Als ich aus dem Zelt schaute, war es feucht und weiter unten im Tal lag Nebel. Die Berggipfel hüllten sich heute in Wolken. Da hatte ich ja wirklich Glück gehabt!
Allerdings bedeutete das für meinen Ausflug heute auch, dass ich möglicherweise nicht ganz so schöne und unverhangene Blicke haben würde. Nach einem gemütlichen Frühstück zog der Nebel herein und ich wartete ein bisschen, bis er sich aufgelöst hatte. Über Nacht war die Luft auf einmal kühler und herbstlicher geworden. Die meisten Campingplätze in den Bergen schließen am 15. September, ich hatte auch Schilder gesehen, die zum Almabtrieb am 13. und 14. September einluden. Hier würde es dann wohl bald ungemütlich werden.
Val d'Azun
Noch war aber davon nichts zu spüren, bei milden Temperaturen startete ich den Tag und fuhr erst einmal nach unten in Richtung Argelès-Gazost und dann ins Val d'Azun. Ich wiederhole mich ungern, aber auch hier ist es unglaublich schön! Eigentlich sollte man sich für so eine Tour viel kleinere Ausschnitte vornehmen, denn überall gibt es Seitentäler und Seitentäler der Seitentäler, die man auch erkunden könnte. Um nur Kilometer zu machen, ist es hier viel zu schön!
Ich überholte weiter unten lahme Wohnmobile und machte einen kurzen Stopp für das zweite Frühstück, bevor es weiter nach oben ging. Auch hier waren überall Rennradfahrer in mehr oder weniger großen Trüppchen unterwegs. Die Straße ist prima zu fahren, kurvig und in gutem Zustand, so dass die Fahrerei auch großen Spaß macht.
Auf dem Col du Solour hielt ich an, um den Rundumblick zu genießen und Bilder zu machen. Die reinste Postkartenidylle war das hier! Blauer Himmel mit dekorativen Wölkchen, Berge und davor dekorativ verteilt Kühe und Schafe. Hier lief auch eine größere Herde Pferde herum, denen man interessanterweise auch Glocken umgebunde hatte. Die Pferde ließen sich weder von Radfahrern noch von Autos in irgendeiner Weise aus der Ruhe bringen und trotteten einfach gemütlich über die Straße. An der Auffahrt zur Straße Richtung Col d'Aubisque warnt ein Schild vor weiteren Tieren auf der Straße und ermahnt zu niedrigem Tempo.
Nach dem recht flott befahrbaren ersten Teil folgt nun eine kleine Straße, die sich 1,5-spurig am Berg
Col du Solour
entlangzieht. Wie klein die Straße ist, kann man auch schon an dem Schild sehen, dass am Beginn aufgestellt wurde: Die großen Busse des öffentlichen Nahverkehrs dürfen jeweils immer nur zu bestimmten Zeiten in die eine oder andere Richtung fahren. Ausweichen ist hier nicht möglich. Folgt man der Straße, gelangt man zum Valle d'Ossau.
An einem Parkplatz hielt ich hier an, um wieder einmal die großartigen Ausblicke zu genießen, etwas zu essen und zu trinken und Fotos zu machen. Ein belgisches Paar, das mit seinem Wohnmobil ebenfalls dort hielt, füllte seine Kanister mit Wasser aus dem Wasserfall neben der Straße. 
Als ich später meine Flasche füllen wollte, war mir das dann zu mühsam, in Stiefeln herunterzuklettern. Die
Col du Solour
Frau, die das mitbekommen hatte, kam auf mich zu und bot mir an, die Flasche für mich zu füllen. Das Angebot nahm ich gerne an. Es ist nochmal etwas besonderes, wenn man nicht nur durch die Berge fährt, sondern auch das Wasser trinkt.
Die Straße geht nun weiter sehr eng am Berg entlang und in einem Tunnel habe ich kurz geschwitzt. Die Straße besteht aus undefinierbaren Steinplatten, überall läuft Wasser herunter und es ist dunkel. Zum Glück war der Tunnel nur kurz.


Ich hatte keine Lust, schon wieder irgendwo auszurutschen und am Ende den Kupplungshebel abzubrechen. An Ersatzteilen hatte ich ja einiges dabei, aber natürlich keinen Kupplungshebel. Das nächste Mal werde ich das ändern!
Valle d'Ossau
Als ich um die Ecke bog, wurde das Wetter schlechter, es war auf einmal grau. Auf dem Col d'Aubisque sah man außer Fahrradfahrern, Motorradfahrern und den Souvenirständen nicht wirklich viel. Deshalb fuhr ich nach einem kurzen Stopp einfach ein Stück weiter. Ein Stück unterhalb des Gipfels war es dann besser und ich hielt auf dem Parkplatz eines Restaurants, setzte mich auf eine Mauer und wartete darauf, dass unterschiedliche Berge aus den Wolken hervorkommen würden. 
Während ich wartete, kamen zwei junge Männer den Berg herausgekeucht, sie waren mit großen Rucksäcken und Campingsachen bepackt und suchten wohl eine Möglichkeit, per Anhalter weiterzukommen. Während ich dort saß, versuchten sie vergeblich, ein Auto zu stoppen. Niemand wollte sie mitnehmen.
Unterhalb vom Col d'Aubisque
Theoretisch wäre auf Conchita Platz gewesen, aber so ohne Ausrüstung...
Da sich abzeichnete, dass die Berge heute lieber im Nebel stecken wollten, trat ich langsam den Weg nach unten an. In gemütlichem Trödeltempo folgte ich der Straße, die mich dann in Richtung Lourdes brachte. Unterwegs dachte ich noch einen Moment darüber nach, ob ich mir das nicht ansehen wollte. Zufällgi führte die Straße an der Pilgerstätte vorbei und ich konnte von Ferne die Menschenmassen bewundern, die sich auf dem Gelände drängten. Das war eine einfache Entscheidung: Weiterfahren!


Der Verkehr durch Lourdes war furchtbar, ständig rote Ampeln, es war heiß, stickig und vor mir ein Autofahrer, der offenbar grundsätzlich nicht schneller als maximal 30 km/h fuhr. Ich war wirklich froh, als ich aus der Stadt draußen war! Nach einem kurzen Besuch im Supermarkt ging es zurück auf den Campingplatz.


In der Zwischenzeit fällte ich die Entscheidung, meinen Besuch in Spanien zu verkürzen und ein bisschen früher nach Freiburg zurückzukehren, da ich die Zeit nutzen wollte, um meinem Mitfahrer einen Besuch abzustatten und das seit Monaten immer wieder geplatzte Kennenlerntreffen endlich nachzuholen.

Die Pyrenäen würden mir das sicherlich verzeihen!

Fortsetzung folgt...