Mittwoch, 29. Januar 2014

Gönn dir was...?

Heute mittag hat mich eine Kollegin, der ich gerade bei der Organisation einer Veranstaltung helfe gefragt, womit man mir eine Freude machen könnte, ob ich mehr der Schokoladen- oder der Weintyp sei... nachdem sie mein Zögern bemerkte, meinte sie "... oder keines von beiden?" Was ich bejahte. Darauf fragte sie mich, womit ich mir mein Leben versüßen würde.

Als ich gerade mein Mittagessen zubereitete, kam mir ihre Frage wieder in den Sinn.

Gestern Abend hatte ich im Internet nach warmen Handschuhen für den morgendlichen Weg mit dem Rad zur Arbeit geschaut. Auf der Seite gab es etliche runtergesetzte Sachen, die mir gefielen. Fenster um Fenster blieben im Hintergrund geöffnet. Ach, diese lange Yogajacke könnte mir schon gefallen und so eine federleichte Daunenjacke oder ein neuer Anorak oder eine chice Trainingshose... oder... oder... Irgendwann im Laufe des guckens führte ich ein interessantes Gespräch mit mir selbst. Und es endete, wie es fast immer endet: Ich kaufte nichts.

Weil ich nicht wirklich etwas von diesen Dingen brauche. Ich habe warme Handschuhe und die paar kalten Tage werden die auch noch halten. An extrem kalten Tagen trage ich meine Motorradhandschuhe. An meinem Anorak muss ich den Reißverschluss austauschen, der funktioniert nicht mehr 100%, das Ding ist hässlich, aber warm und er ist vielleicht an 10 Tagen im Jahr im Einsatz.

Ja, also, WAS gönne ich mir nun?

 Ich muss über die Frage lachen. Ich gönne mir nämlich eine Menge: Eine Teilzeitstelle mit Nachmittagsfreizeit, einen Spanischkurs, Tanztraining, 2 x die Woche Fitness-Studio, ab und zu gibt es Sonntags Brötchen und Croissants vom Bäcker (normalerweise backe ich selbst).

Wohnzimmer vorher

Und ich gönne mir mehr Zeit am Morgen.
Seit dieser Woche stehe ich um 6 Uhr auf.
Es kostet nicht einmal so viel Überwindung, wie ich dachte.
Heute Morgen stand ich am Küchenfenster und sah der beginnenden Dämmerung zu. Der Morgenstern und eine Mondsichel standen am Himmel und der Horizont färbte sich unglaublich türkis. Später, als ich losfuhr, waren kleine rosarote Wolken am Himmel. Ich habe Zeit, mir das anzusehen.

Heute Mittag habe ich mir dann eine halbe Stunde geheizte Küche gegönnt.
Meine Küche hat keine Heizung und an kalten Tagen bräuchte ich nicht einmal einen Kühlschrank, weil die Raumtemperatur dann zwischen 10 und 14 Grad beträgt. Umso schöner ist es zu spüren, wie die kleine Infrarotheizung den Raum im Handumdrehen angenehm aufwärmt, so dass ich gemütlich kochen und essen kann.

Und spätestens in 4 Wochen - je nach Temperaturentwicklung auch früher - gönne ich mir diverse ausgedehnte Motorradtouren, genieße die erwachende Landschaft, trinke Kaffee und esse Kuchen in kleinen Oma-Cafés, sitze in lauschigen Biergärten, krieche durch das Unterholz, um interessante Fotos zu machen, übernachte im Zelt und sehe den Sternenhimmel...


Wohnzimmer nachher
Übrigens ist mein Wohnzimmer inzwischen fertig umgeräumt, ein paar Kleinigkeiten muss ich noch optimieren, wie z. B. die Lampen umhängen. Und es haben schon wieder etliche Dinge neue BesitzerInnen gefunden.

Erst gestern stellte ich morgens eine "Zu verschenken"-Kiste vor das Haus und mittags war nur noch ein Gegenstand drin. Für den hat sich heute jemand gemeldet. Nachher sind Bücher dran. Für die habe ich sogar eine besondere Idee, aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal.


Freitag, 10. Januar 2014

Mein 365-Tage-Projekt

Eigentlich bin ich an diesem Projekt schon länger und immer wieder dran.
Aber dieses Jahr möchte ich es einen großen Schritt weiter bringen.

Nein, heute geht's mal nicht ums Motorrad, sondern um (m)einen Lebensstil.
Minimalismus.

Als ich mit dem Ausmisten, Umstellen und Aufräumen anfing, hatte ich noch nicht mitbekommen, dass das ein neuer Trend ist. Menschen, die sich mit weniger statt mehr begnügen, die im Extremfall nur noch 100 (oder so) Gegenstände besitzen. Menschen, die ihr Leben auf die wichtigen Dinge reduzieren.
Lustig, dass ich damit jetzt im Trend liege.

Aber was heißt das eigentlich, minimalistisch zu leben?
Reduzieren?
Sich aufs wesentliche konzentrieren?
Wer danach im Internet sucht, wird viele Antworten finden.

Meine eigenen Antworten sind diese:

Dinge, die ich nicht mehr benötige, verschenken oder verkaufen.
Wenn es um Neuanschaffungen geht, frage ich mich jetzt immer "Brauche ich das wirklich, oder will ich das (warum auch immer) nur haben?". Wenn etwas Neues kommt, fliegt etwas Altes raus.

Es wird Platz frei.
 Ich habe es schon geschafft, ein Bücherregal abzubauen.
Wobei ich gestehen muss, dass ein Karton mit den nicht verkauften Büchern jetzt im Keller steht. Ich werde ihn aber demnächst verschenken. Alles, was jetzt noch im Keller ist (außer solchen Dingen wie Werkzeug, Renovierutensilien oder meiner Campingausrüstung) wird früher oder später rausfliegen. Wenn ich hier mal ausziehe, möchte ich idealerweise maximal 10-20 Kartons haben, die herumgetragen werden müssen.

Gerade haben 5 Paar Schuhe und 2 Jacken den Besitzer gewechselt.
Ich bin froh, wenn sie morgen auf die Reise gehen!

Beim einkaufen kaufe ich keine großen Vorräte mehr, sondern nur Dinge für ein paar Tage. Dadurch werfe ich praktisch nichts mehr weg. Der Zeitaufwand für die kleinen Einkäufe, die ich meist auf dem Heimweg erledige, ist gering. In 10 Minuten bin ich meist aus dem Laden draußen. Ich komme inzwischen mit sehr wenig Geld aus. Ach ja, und seit einem Jahr backe ich mein Brot selbst. Das Vorbereiten dauert keine 5 Minuten und ich weiß, welche Zutaten drin sind.


Darüber hinaus entrümpele ich meine Woche. Ich versuche, so wenig wie möglich nur als Ritzenfüller im Internet zu surfen und auf facebook herumzuhängen. Lieber mal wieder ein Buch in die Hand nehmen. Wobei... die Bücher in diesem Jahr einem ebook-Reader weichen werden. Ich möchte nämlich nicht wieder 20 Buchkartons Treppen runter- und raufschleppen! Wenn ich ein Buch bekomme, wird ein anderes verschenkt oder verkauft.


Manche Nächte lag ich wach und hatte das Gefühl, dass mich die vielen Dinge erdrücken. Mein Arbeitszimmer wird noch eine sehr große Herausforderung. Ich möchte mein Lager verkleinern. In 5 Jahren sammelt sich viel an. Produkte, Material, Maschinen... 
Meine Zeit ist endlich.
Vor über 4 Jahren hat sich mein Leben einschneidend geändert.
Es gab viele dunkle Momente und viel Zeit zum nachdenken. Es hat gedauert, bis wieder so lief, wie ich das haben wollte. Ich habe viel gelernt. Das Schönste dabei war, dass ich wunderbar allein sein kann, ohne dass mir etwas fehlt. Und dann kam der Moment, wo ich vor meinem Bücherregal stand und dachte "Die Bücher ziehst Du nicht nochmal um!" Alles aus dem Studium, das inzwischen auch schon mehr als 13 Jahre zurückliegt, flog raus. Es ging weiter mit dem Umgestalten und reparieren von Dingen. Schubladen ausmisten. Sachen bei ebay einstellen. Für das Geld aus den Verkäufen habe ich mein Wohnzimmer teilweise renoviert, ein paar Schubladen für mein Schallplatten- und CD-Regal besorgt und schon war das nächste Regal leerer geworden.

Ich bin gespannt, wie mein Projekt weitergeht und ob ich es in diesem Jahr wirklich schaffe, Keller und Kleiderschrank weitgehend leer zu bekommen. Endziel: Kleiderschrank abbauen und Klamottenregal um 30-50% reduzieren.


Es gefällt mir wirklich gut, immer weniger Ecken zu haben, in denen Sachen vor sich hinstauben, die nicht benutzt werden. Jedes Ding, das wir haben, möchte Aufmerksamkeit, ist in unseren Gedanken präsent. Je weniger Dinge ich besitze, desto weniger Gedanken muss ich an die Dinge verschwenden.
Es fühlt sich gut an zu sagen "Das brauche ich nicht (mehr)!"



Und was macht man mit der gewonnenen Zeit?
Motorrad fahren, was sonst!