Freitag, 26. Dezember 2014

Mein 365-Tage-Projekt - Stand der Dinge

Sieht klasse aus, oder?
Ich habe das Jahr über vor allem im Frühjahr und jetzt im Spätherbst und Winter weiter ausgemistet. Es ist leerer geworden in meiner Wohnung, aber immer noch nicht so leer, wie ich es gerne hätte.

Mein letztes Projekt, die Renovierung meines Schlafzimmers, ist fertig. Die Wände sind frisch gestrichen, naja, zumindest die vor und die hinter dem Bett. Wer mein minikleines Schlafzimmer kennt, wird wissen, dass das nur mit akrobatischer Höchleistung möglich war, ohne mich oder das Bett in Dispersionsfarbe zu tränken. Ich hätte nie gedacht, dass anthrazitfarbene Wände in echt so toll aussehen, nachdem man das ja ständig irgendwo im Netz sieht. Mein kleines Schlafzimmer wirkt interessanterweise jetzt viel größer. Ich möchte nun noch das Metallregal durch ein Holzregal ersetzen, aber das hängt noch davon ab, ob der hiesige Holzladen auch liefert. Mit dem Rad kann ich die Sachen nicht transportieren und mit Conchita auch nicht ;-)

Wohnzimmer mit Weihnachtspost
Vor drei Wochen habe ich am Samstag eine Art Hofflohmarkt gemacht und bin durch Inserate auf ebay Kleinanzeigen ziemlich viele Sachen losgeworden. Leider gehen meist nur Dinge weg, die zu verschenken sind oder unter 5 € kosten. So steht hier doch noch einiges herum.

Die Verschenkkiste erfreut sich aber immer wieder großer Beliebtheit und diverser Dekokram ist  verschwunden. Vor ein paar Tagen habe ich meinen Keller aufgeräumt und dabei einige Dinge entsorgt bzw. von dort in den Schuppen gebracht, wo sie ihr weiteres Schicksal erwarten. Schön wäre, wenn im Keller irgendwann nur noch meine Unterlagen, meine Winterjacken, Werkzeug und meine Campingsausrüstung wären. Bis jetzt ist da noch allerlei anderer Kruschtel, unter anderem Regalböden, die ich nicht mehr brauche, die aber ohne die entsprechenden Seitenteile nicht nutzbar sind. Folglich stehen sie noch eine Weile herum, denn die Seitenteile sind noch in Gebrauch, siehe oben.

Obere Reihe: ThelittleCanoe, Trash Code Universe, industrial fairytale, tigrowna, inko, Tassenbrödel
untere Reihe: Trash Code Universe, inko, Trash Code Universe


Im Wohnzimmer sind die von mir "umgezogenen" Kunstleder-Poufs verschwunden, ebenso die beiden Plastiktische. Ich werfe schon seit einiger Zeit alles Plastikzeug
FriendPrices
aus der Wohnung raus und ersetze es durch Holz.

So z. B. in der Küche: Plastikschneidematten raus, zwei schöne Holzbrettchen rein. Statt der Poufs gibt es im Wohnzimmer einen zweiten Sessel (Flohmarktfund aus dem Haus gegenüber) und einen kleinen Tisch. Das Zimmer hat wieder eine "Mitte". Außerdem habe ich im Lauf des Jahres einige neue Drucke gekauft, die das Wohnzimmer bzw. das Schlafzimmer schmücken.

Und ich habe ein Faible für diese Ikea-Kunstfelle entwickelt. Die Dinger sind einfach unglaublich toll, warm, kuschelig und es mussten nur ein paar Polyester dafür sterben.

Wenn es in dieser Wohnung etwas braucht, dann Wärme und Kuscheligkeit! In der Küche steckt der Bistrotisch jetzt dauerhaft unter einer Retrotischdecke und das Metalltablett, auf dem meinWasserkocher und die Tees standen habe ich durch ein Bambustablett ersetzt. Ich gehe regelmäßig in einen bestimmten Secondhandladen bei mir in der Nähe und mit etwas Glück finde ich da immer wieder schöne Dinge für sehr kleines Geld. So z. B. eine wunderschöne 50er-Jahre-Vase, Holzkerzenhalter, eine Holzschachtel oder Keramik für meine Stifte auf dem Schreibtisch.


Helen Dardik, ThelittleCanoe, Trash Code Universe, The Wheatfield
... und die Pixxelkette war ein Geschenk von Hasenfratze :-)


Ich habe neulich foodsharing.de entdeckt. Dort kann man nicht mehr benötigte oder übrige Lebensmittel anbieten oder mitnehmen. Nach Parties ist meist ja einiges übrig, weshalb ich diese Möglichkeit nutzen werde, um jemandem eine Freude zu machen. Heute habe ich eine Flasche Pitú und eine Flasche Streitberger Bitter weggeben. Ich persönlich würde dort nur verschlossene und nicht angebrochene Lebensmittel anbieten oder auch abholen, alles andere finde ich eher heikel.

Die ganze Verschenk- und Tauschkultur macht mir zunehmend Spaß. So landen nur wenige Sachen im Müll (hoffe ich zumindest) und ab und an kommt noch ein bisschen Taschengeld rein.

Meinen Urlaub habe ich bis jetzt wirklich gut genutzt und statt an den Feiertagen unter dem Baum zu sitzen oder mich über die angefressenen Speckringe zu ärgern, habe ich ausgemistet, geräumt, gepackt, geputzt, sortiert.Weihnachten beschränkte sich auf einen wirklich kurzen Familienbesuch und gemeinsames Kaffeetrinken bei Freunden. Für das nächste Jahr habe ich mir aber vorgenommen, über Weihnachten wegzufahren, um dem Rummel möglichst zu entkommen. Mal sehen, was sich da so ergeben wird.

Für das kommende Jahr habe ich mir zumindest erst einmal für den Januar eine "buy-nothing"-Aktion überlegt. Nein, ich werde nicht hungern. Damit ist gemeint, dass ich keine Konsumartikel kaufen möchte. Dinge wie Essen, Verbrauchsmaterial (Öl und Benzin z. B.) oder Dinge, die ersetzt werden müssen, weil etwas kaputt geht, sind davon ausgenommen. Ich habe die letzten Tage nämlich im Zug der Renovier- und Umgestaltungsaktion einiges eingekauft und da muss jetzt ein Gegengewicht her. Im Januar wird erstmal nichts gekauft. Ok, wenn ich mir meine schwarze Jeans so ansehe... aber ich habe noch zwei andere, das muss erstmal reichen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein konsumarmes 2015 :-)





Sonntag, 21. Dezember 2014

Reich beschenkt

Cirque de Tromouse
Dieses Jahr bin ich reich beschenkt worden.

Ich meine damit gar nicht die Weihnachtsgeschenke, sondern was mir dieses Jahr alles geschenkt hat.

Dieses Jahr habe ich eine Menge neuer Leute kennengelernt, zwei davon sind mir ganz besonders wichtig geworden und eine habe ich noch darüber hinaus sehr lieb gewonnen...

Frau zuse habe ich im Frühjahr über Dawanda kennengelernt und wir haben einiges miteinander erlebt. Unter anderem die diversen Abenteuer, Pleiten und Pannen mit meiner frisch gekauften Twin.

Motocross Schweighausen
Claudi hat bei der peinlichen Batteriegeschichte mit angepackt und war dabei, als Conchita der Meinung war, sie müsste nach dem Touratech-Event liegenbleiben. Im Mai waren wir zusammen auf einer Bikerparty, im Juni beim Touratech-Event, beim Motocross in Schweighausen und im Juli beim United Cycle Run.

Zwischendurch gab es die eine oder andere Runde mit Bauch-Beine-Po-Programm, sprich Kaffee trinken und Tortenschlacht. Ich freue mich schon auf weitere Runden, die wir hoffentlich bald wieder zusammen drehen können, und die mich dann in etwas unbefestigtere Gefilde bringen werden.

Herrn Yeti habe ich im Juni übers Internet kennengelernt. Ich suchte Mitfahrer für meine Pyrenäen-Tour im August und wir hatten rasch einen guten Draht zu einander. Zur gemeinsamen Urlaubs-Tour sollte es dann aus diversen Gründen nicht kommen, aber es kam zu anderen Dingen :-) Die erste gemeinsame Runde steht noch aus, meine gemütliche Twin wird sicherlich nicht mit einem Supersportler mithalten können. Dafür wird der Supersportler sicherlich viel Freude an unbefestigten Wegen haben... Ich freue mich auf eine Menge gemeinsamer Runden und Unternehmungen ob mit oder ohne Motorrad und eine hoffentlich lange gemeinsame Zeit. Herr Yeti, Sie sind total bekloppt! Weiter so!

Ruhrmuseum Essen
Nicht zu vergessen ist das wunderbare Fred-Treffen im Juni. Unsere Treffen sind ein fester Bestandteil  Jahres geworden und ich war bei fast allen dabei.

Überhaupt bin ich immer wieder überrascht und dankbar, welche tollen Menschen ich im Lauf der Jahre übers Internet und speziell Dawanda kennengelernt habe. Unter anderem auch die herrlich-chaotische und liebe Elfenfamilie in Münster.

Hab ich was vergessen?
Ja!
Meine beiden Mopeds.

CBF500, 2012 in den Alpen
Die kleine CBF, die 2,5 Jahre treu und brav gelaufen ist und jetzt leider nur noch herumsteht. Ich werde mich zwar schweren Herzens, aber dennoch von ihr trennen. 50.000 km hat sie mich ohne Murren durch die Lande getragen, ist immer angesprungen und nie liegengeblieben. Wir haben eine Menge zusammen erlebt.

Jetzt habe ich Conchita, die große, schwere Africa Twin. Neben den Anfangsmacken hatte ich ziemlichen Respekt vor ihrer Höhe und ihrem Gewicht. Im Pyrenäenurlaub sind wir ein richtig gutes Team geworden und ich fahre sie total gerne. Auch wenn man manchmal aufpassen muss, wo man sie abstellt und ob die Straße vielleicht zur einen oder anderen Seite abschüssig sein könnte.

In der nächsten Saison wird Conchita zeigen dürfen, was sie auf unbefestigteren Wegen so drauf hat. Und ich natürlich auch... hält sich noch schwer in Grenzen, aber ich traue mir inzwischen wesentlich mehr zu und habe viel weniger Angst vor schlechten Wegen oder unwegsamen, engen Straßen.

Ich wünsche Euch schöne Endjahresfeierlichkeiten und einen guten Start ins Jahr 2015.

 




Montag, 8. Dezember 2014

Advent, Advent, die Zeit, sie rennt...

Zeche Zollverein, Essen
Auf einmal ist es jetzt Dezember geworden und Weihnachten rückt immer näher.

Ich war Ende November noch einmal im Pott und wir hatten - Dank meines hervorragenden Schwarzwaldkarmas - wieder einen sehr sonnigen Samstag.

Den Tag nutzten wir für einen Besuch auf der Zeche Zollverein in Essen und im Ruhrmuseum.
Ich bin immer wieder beeindruckt und merke, wie wenig ich von der Gegend da oben weiß. Im Kopf habe ich die Bilder von den kohlestaubüberzogenen Kumpels, von smogversuchten Städten und generell ist in meinen Bildern alles grau, wenn ich an den Pott denke.

Was mir z. B. nicht klar war ist, dass Zollverein erst 1993 geschlossen wurde. Irgendwie habe ich das alles mit den 80ern verbunden. Mit einem Einheimischen unterwegs zu sein, dessen Vater und Großvater im Bergbau gearbeitet haben, ist noch einmal doppelt so interessant.


Panorama auf der Panoramaplattform







Auf der Panoramaplattform hatte man zwar keine so supergute Sicht, aber ausreichend, um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Notiz an meine Vermieterin...
Ich komme selbst aus einem Ballungsraum (Nürnberg-Fürth-Erlangen) und bin froh, der eng besiedelten Landschaft entflohen zu sein. Klar, die Industriedenkmäler haben ihren eigenen Reiz und Charme, aber überall um mich herum nur Stadt zu haben, finde ich grausig. Ich komme mir immer wie auf einem anderen Planeten vor, wenn ich in Gelsenkirchen bin.


Heute morgen dachte ich auf dem Hinweg zur Arbeit, dass ich hier nur 5 bis 15 Minuten je nach Richtung fahren muss, um mitten in der Natur zu sein. Und wenn ich mir bestimmte Ecken aussuche, treffe ich den ganzen Tag niemanden. Selbst auf den Straßen kann es mitunter recht einsam werden, je nach Jahres- und Tageszeit.

Neben meinem Pottbesuch und den damit verbundenen Freuden sind in den letzten Wochen einige Entscheidungen gefallen. Eine davon ist, dass ich mich von meinen Onlineshops größtenteils trennen werde.

Den Gedanken daran trage ich schon seit über 2 Jahren mit mir herum und ich habe immer wieder Aktionen gestartet, meine Produkte reduziert und anders loszuwerden. Vor Weihnachten habe ich mich deshalb auch an der verhassten Rabattschlacht auf Dawanda beteiligt. Im neuen Jahr werde ich mich in großem Stil von meinem Material trennen und nur noch ein kleines, übersichtliches Lager halten. Meine  Interessen verlagern sich derzeit in Richtung Druck und Malerei und ich möchte keine neuen Dinge anschleppen, bevor die alten nicht weg sind.

Darüber hinaus denke ich über eine räumliche Veränderung nach. Wenn ich kein großartiges Lager mehr haben muss, erübrigt sich das dritte Zimmer in meiner Wohnung.

Klar, der Wohnungsmarkt in Freiburg ist derzeit mehr als abartig und ich muss auch nicht aus meiner Wohnung raus.

Mein Spruch der Woche!
Aber nach knapp 5 Jahren mit Stromheizung, kalten Räumen im Winter, einer eisigen Toilette und einer Küche ohne Heizung wäre ein bisschen Komfort ganz schön und niedrigere Kosten auch. Also halte ich die Augen offen, vielleicht findet sich ja etwas. Ein bisschen wehmütig ist mir schon bei dem Gedanken, aus meiner jetzigen Wohnung auszuziehen, da sie durchaus einen gewissen Charme hat. Aber gut, wie meist wird sich hier das Richtige ergeben, wenn die Zeit gekommen ist.

Bis dahin miste ich weiter fleißig aus, reduziere, gestalte um und mache es mir in meinem Palast der Winde gemütlich.

Und was Weihnachten betrifft: Dieses Jahr gibt's Geschenke aus der Küche und selbstgemachte Karten. Auf die Hektik und die Menschenmassen in der Stadt habe ich absolut keine Lust. Das hat mir letzten Mittwoch schon gereicht, als ich einen Zahnarzttermin mit diversen Besorgungen kombiniert habe. Ne, diesen Zirkus muss ich nicht mitmachen!


Montag, 10. November 2014

Herz am Montag - Papierherzen

Schloss Lembeck
Das erste Novemberwochenende wärmte mich von innen und von außen.  Und das liegt nicht daran, dass ich Glühwein getrunken hätte, denn dafür war es viel zu warm.

Leider war's nichts mit Motorradfahren. Ich hatte ein vom Umtausch ausgeschlossenes Bahnticket und die Aussicht im ungünstigsten Fall 5 Stunden bei Regen und einstelligen Temperaturen auf der Autobahn zu verbringen, war dann doch nicht so prickelnd. Nach diversen Überlegungen beschlossen wir, Moped Moped sein zu lassen und entschieden uns für ein Alternativprogramm.

Pott-Humor...
Nachdem ich Freitagabend die Gelegenheit hatte, mich im Gelsenkirchner Nachtleben umzusehen, wollten wir den herrlich sonnigen Samstag zu einem Ausflug nach Holland nutzen.

Ungefähr 10 Kilometer vor der Grenze wurde uns klar, dass sehr viele andere Leute die gleiche Idee hatten, und wir kehrten um.

Nach einem kleinen Trip mit Kaffeestop im Münsterland in Schloss Lembeck, ging es nach Westerholt.

Alt-Westerholt
Wir spazierten bei schon fast sommerlichen Temperaturen durch den Wald, vorbei an fliegenden Golfbällen, denen diverse Schilder gewidmet waren.

Außerdem sah ich zu ersten Mal in meinem Leben eine Golfballwaschanlage.

Das sieht in etwa wie ein Hydrant mit zwei Armen aus. Die schmutzigen Golfbälle werden in eine Wasserröhe gesteckt, von Bürsten geschrubbelt und kommen dann blitzblank wieder heraus. Golf ist eine Sportart, die sich mir genauso wenig erschließt wie Cricket oder Angeln...

Zuhause gab es dann zur Belohung Rotwein, Ziegenkäse und Baguette. In der Sonne kam schon fast so etwas wie Frankreichfeeling auf.

Der Sonntag war nicht minder strahlend und wir machten einen schönen Spaziergang in der näheren Umgebung. Auf einer Holzbrücke lagen dann diese Papierherzen zwischen Herbstblättern.

Messerscharf geschlossen: Hier war wohl eine Hochzeitsgesellschaft gewesen.

Der Anblick der leicht vermanschten Papierherzen, die traurig auf der feuchten Holzbrücke klebten stimmte ein wenig melancholisch, genauso wie der unvermeidliche Abschied am Sonntagnachmittag ...

Dienstag, 4. November 2014

Minimalismus aus meiner völlig subjektiven Sicht

Das Thema Minimalismus scheint ja derzeit überall hip, angesagt und präsent zu sein. Als ich vor einiger Zeit (ich weiß nicht mehr, ob es 2011 oder 2012 war) anfing, Dinge zu reduzieren, geschah das mehr aus einem inneren Drang heraus, als daraus, dass mich irgendein Trend inspiriert hätte.

In diesen letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass ich immer mehr zu mir selbst finde. Unter den Schichten von äußerem und innerem Krempel das finde, was ich wirklich bin. Seit langem fasziniert mich z. B. traditionelle japanische Architektur. Die Ästhetik eines Raums, in dem praktisch nichts steht und alles hinter Shoji-Wänden verschwindet. Man holt nur das hervor, was gerade benötigt wird. Toll!

Materielle Dinge haben mich seit jeher wenig interessiert.
Statussymbole oder irgendwelche Sachen zu besitzen, nur weil man die jetzt gerade haben muss, war immer irrelevant für mich. Ich hatte nie ein Auto, ich brauche keinen Flachbildfernseher und auch nicht den neuesten Laptop oder das neueste Motorrad mit Koffern, Navi und wasweißich. Ok, ich habe mir vor ca. einem Monat aus persönlichen Gründen ein Smartphone gekauft, aber sicherlich nicht, weil man das jetzt haben muss. Mein altes Handy wird wohl mit in den nächsten Mopedurlaub fahren, da es nicht so empfindlich ist und man es nicht ständig laden muss.

Ich komme aus einer Familie, in der nicht gerade mit Geld um sich geworfen wurde, schlicht und ergreifend weil keins da war, das man hätte werfen können. In der Grundschule trug ich heruntergereichte oder selbstgemachte Kleidung, was damals aber schon nicht mehr "hip" war. Man bekam EIN neues Oberteil oder EINE neue Hose oder EINE Winterjacke, nicht fünf, sieben oder fünfundzwanzig. Kleidung war teuer und man achtete auf seine Sachen, Kaputtes wurde geflickt oder zu etwas anderem umgearbeitet. Erst wenn gar nichts mehr ging, wurde weggeworfen nd neu gekauft.

All das, was jetzt auf einmal "nachhaltig" oder "Upcycling" heißt, hat man damals schon gemacht. Da hieß es noch "aus alt mach neu" und war völlig normal.

Einer meiner frühen Leitsprüche war "Häng Dein Herz nicht an irdische Güter!"
Dazu kehre ich gerade wieder zurück.

Man kann prima mit wenig auskommen und es ist tatsächlich so, dass man sich um weniger kümmern muss, wenn man weniger hat. Weniger muss repariert, aufgeräumt oder geputzt werden. Man muss um weniger Dinge Angst haben, die kaputtgehen oder gestohlen werden könnten.

Die äußere Ordnung bringt mich immer näher an meinen eigenen "Kern", an die wichtigen Themen in meinem Leben. Da hin, dass ich überlege, wo ich etwas investiere, seien es Gefühle, Zeit oder Geld.

Mit einem von Dingen unverstellten Blick fällt es mir leichter, meine wesentlichen Themen zu erkennen.

Geld investiere ich am sinnvollsten in mich selbst: Reisen, Sprachkurse, Sportkurse, Tanzkurse, leckeres Essen... das sind Erinnerungen, die keinen Platz brauchen, für die ich keine Steuern bezahlen muss und die mir niemand wegnehmen kann.

Es wird zunehmend schwieriger, Dinge zum wegwerfen zu finden. Gut, kleinere oder größere "Projekte" stehen noch an. Jetzt im Winterhalbjahr werde ich die ganzen Kartons mit Urlaubs- und anderen Fotos durchgehen, die besten und liebsten wandern in ein Album, der Rest kommt weg. Was man 20 und mehr Jahre nicht mehr anfasst, fasst man auch nach 21 oder 22 Jahren nicht mehr an.

Ich miste nicht aus, weil es gerade trendy ist oder ich "nachhaltiger" oder "ökologischer" leben möchte.

Und ich gehöre auch nicht zu den Zahlenfetischisten, die meinen, dass man erst ein "richtiger" Minimalist ist, wenn man nur noch 100 Dinge besitzt.

Dies hier ist MEIN eigener Weg, auf dem ich mir von niemandem vorschreiben lasse, was falsch oder richtig ist, was ich wie zu tun oder sein zu lassen habe.

Für mich ist das hier ein innerer und äußerer Prozess, eine Grenzerfahrung.

Ich las einmal den Satz "Wo die Angst ist, da geht es lang."
Wenn wir (innere und äußere) Barrieren überwinden, kommen wir weiter.

Ob ich dadurch meinen ökologischen Fußabdruck verbessere oder aus der Perspektive von anderen Menschen zu einem "besseren Menschen" werde, ist mir dabei herzlich egal.

Es sind meine Entscheidungen, meine Erfahrungen und es ist mein Leben.

Montag, 27. Oktober 2014

Herz am Montag - Mein 365-Tage-Projekt - die Fortsetzung

Küche mit neuem Fell
Ich habe schon länger nichts mehr zu diesem Thema geschrieben und den Sommer über auch wenig dafür getan, denn im Sommer steht im Zweifelsfall immer das Motorradfahren im Vordergrund. Wer möchte schon bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen staubige Keller ausmisten, oder Klamotten sortieren? Ich jedenfalls nicht.

Mit den jetzt kürzeren Tagen und längeren Abenden kommt da eher wieder Lust auf.

Letzten Freitag habe ich mal wieder einiges angepackt.

Klaustrophobie war gestern...
Im Bad habe ich die lästige zweite Handtuchstange hinter der Tür abgeschraubt - jetzt geht die Tür endlich richtig auf (dafür sind zwei Löcher in der Wand...) - , mein Korkbord für das bisschen Schmuck, das ich noch habe, gepimpt und danach zwei Aufhängungen für meine Sonnenbrillen (die noch reduziert werden müssen) aus zwei Ministativen gebastelt, die ich beim aufräumen in einer Schublade gefunden habe.

Da ich mir vor ein paar Wochen ein paar Rollen Masking Tape und Washi Tape zum verzieren meiner Post gekauft habe, mussten die Lichtschalter im Flur, in der Küche, der Toilette und im Bad herhalten. Sie sind alle reichlich vergilbt und hässlich, also kann ein bisschen Farbe nicht schaden. Die roten Herzchen zusammen mit den bunten Häuschen finde ich auf jeden Fall gelungen und einen Hingucker.

In der Küche gibt es auch Änderungen. Die letzten schwarzen Teller sind rausgeflogen und ich habe die Sitzkissen, die immer gerne runtergerutscht sind, und auch so nicht so wahnsinnig praktisch waren, gegen kuschelige Kunstfelle getauscht. Ich finde, das sieht viel aufgeräumter aus und es ist prima warm im Rücken. Ich ertrappe mich zur Zeit dabei, dass ich viel lieber in der Küche auf einem Stuhl als im Wohnzimmer auf dem Sofa sitze.

Na, wo sind die Herzen???
Samstag habe ich dann angefangen, die ganzen Regale zu putzen. Ein paar Kochbücher habe ich dabei gleich noch aussortiert. Auf der Suche nach Inspirationen hole ich mir die meisten Anregungen aus dem Internet, also weg mit den Büchern, die sowieso nur einstauben.

Nebenbei fiel mir auf, wie schmutzig die Stringlights sind und wie wenig die vielen lustigen Anhänger beachtet werden, die ich im Lauf der Jahre geschenkt bekommen habe. Also flugs alles runtergenommen, abgewischt und neu aufgehängt.

Bei der Gelegenheit sind gleich noch ein paar abgelaufene Lebensmittel aus dem Regal geflogen, viel war es nicht, denn ich achte schon länger darauf, keine großen Vorräte anzulegen bzw. vorhandene Vorräte aufzubrauchen und dann lieber frisch und "projektbezogen" einzukaufen. Das spart wirklich eine Menge Geld!

Als ich vor knapp 5 Jahren hier eingezogen bin, war ich noch auf "kochen für zwei" getaktet und habe immer
Herzchen und Häuschen - ich find's toll
viel zuviel gekauft, vor allem Gemüse ist mir regelmäßig vergammelt. Ich brauche nicht so viel zu essen und frische Sachen sind am besten, wenn sie frisch sind!

Inzwischen ist auch in meinem Klamottenregal noch etwas Platz frei geworden, aber weniger durch rauswerfen, als durch Umorganisieren. Meine kurzärmeligen Shirts stecken nun gerollt und nach Farben gruppiert in einem Plastikbehälter, die langärmeligen habe ich zu den farblich passenden anderen Oberteilen gehängt.

Bei der Gelegenheit habe ich gleich beschlossen, nicht mehr so langweilig rumzulaufen. Meist besteht meine Alltagskleidung aus Jeans plus irgendeinem Pulli oder Shirt. Letzte Woche habe ich gleich mein
Such das Herz :-D
schrillstes Oberteil - ein pinkfarbener Sweatmantel mit türkisen Akzenten - angezogen und prompt diverse Komplimente bekommen. Die Sachen, die ich jetzt noch besitze, sind alles Teile, die ich gerne mag und die größtenteils auch nicht 0815 sind.

Vielleicht trenne ich mich noch von 2 Paar schwarzen Armeehosen, die leider nicht 100%-ig gut sitzen und die ich deshalb nur selten trage, obwohl ich Armeehosen sehr gerne mag, schon allein wegen der vielen praktischen Taschen.

Da ich jetzt auch nicht mehr viele Schuhe habe, konnten zwei Schuhregale weg. Die Obstkisten werde ich vielleicht noch etwas verschönern, aber im Moment stört mich nicht wie sie aussehen, da sie sowieso hinter einem Vorhang stehen. Das übrige Wandregal, das mir im Arbeitszimmer immer wieder von der bröseligen Wand kam, könnte hier noch gute Dienste leisten, sofern es denn da hinpasst.

Als nächstes ist dann mein "Keller" dran. Da steht noch einiges, das weg kann. Einige vergessene,
In der Küche befindet sich die Hello-Kitty-Andachtskapelle
aussortierte Dinge, die ich "mal eben" dort geparkt habe. Dafür werde ich wohl den Sperrmüll bemühen.

Und... mein Arbeitszimmer... da habe ich immerhin das Stoffregal umgeräumt und mein Regal mit der geschnittenen Meterware sortiert und ausgemistet. Die Restekisten könnten noch aussortiert werden, denn vor allem kleine Stoffstücke brauche ich nicht wirklich und vielleicht mag sie ja jemand zum basteln haben.

Mit den Beständen für meine Shops werde ich wohl bald kurzen Prozess machen und viele Dinge reduziert anbieten. Es hat einfach keinen Sinn, das alles zu lagern. Ich weiß sowieso noch nicht, ob und wie ich damit weitermachen werde. Fest steht nur, dass es weniger werden muss.

Und wovon habt ihr Euch dieses Jahr schon getrennt?

Montag, 20. Oktober 2014

Herz am Montag aus Bad Säckingen

Aussicht am Hegaublick
So langsam ist das Ende der Saison absehbar, umso kostbarer sind die Sonnenstunden der letzten Wochenenden. Die letzten zwei Tage waren fast sommerlich warm.

Ich habe mir sogar ein bisschen Sonnenbrand geholt, einen der letzten Eisbecher gegessen, in der Sonne gelegen und in den blauen Himmel geschaut.

Diese Saison war wirklich außergewöhnlich ereignis- und erlebnisreich für mich. Noch nie bin ich so oft und viel gereist wie in diesem Jahr.

Ich bin mehrfach quer durch Deutschland gefahren, hatte einen unglaublich tollen Urlaub und bin um etliche Kilometer Fahrerfahrung reicher, so um die 22.000 dürften bis jetzt zusammengekommen sein. Conchita hat sich von der unzuverlässigen Zicke zu einer treuen Weggefährtin entwickelt und es steht für mich auch fest, dass ich das kleine Äffchen im Frühjahr verkaufen werde.
Zwei Motorräder sind eins zuviel.
Vielleicht.

Das war aber noch lange nicht alles.
Der Trompeter von Säckingen

Ich habe sehr viele neue Menschen kennengelernt, von denen zwei ganz bestimmte hoffentlich noch lange ein Teil meins Lebens sein werden. Es war trotz des durchwachsenen Sommers ein sonniges Jahr für mich oder sagen wir, es war eine sonnige Saison, das Jahr ist noch nicht vorbei.

Auf meiner heutigen Tour habe ich seit langer Zeit mal wieder in Bad Säckingen Pause gemacht. Auf dem Weg am Rhein entlang zurück in die Stadt habe ich am Aufgang zu der historischen Holzbrücke etliche Liebesschlösser entdeckt.

Wenn ich ehrlich bin, finde ich diese neue "Tradition" ziemlich daneben. Ein Schloss als Symbol für Liebe und
Freundschaft? Ich finde nicht, dass das etwas ist, das hinter Schloss und Riegel gehört. Bei diesen Schlössern muss ich irgendwie sofort an Keuschheitsgürtel denken, da meint ja auch jemand, dass etwas ihm gehört, das dann hinter Schloss und Riegel vor fremdem Zugriff bewahrt werden müsste. Meine Vorstellung von Liebe ist das nicht.

Dieses Schloss hier fiel aber mir ins Auge. Da wurden keine Namen eingraviert oder aufgemalt, vielleicht hat sich irgendwer selbst ein Liebesschloss geschenkt, um die Liebe zu sich selbst hinter Schloss und Riegel zu bringen? Wer weiß...

P. S: Beim genaueren Hinsehen habe ich doch sowas wie eine Namensgravur und eine Jahreszahl (2012) entdeckt. Scheint da also schon länger zu hängen...

Freitag, 3. Oktober 2014

Fisch am Freitag - Unsichtbare Spekulationsfische aus Palinges

Am ersten Abend meines zweiten Urlaubsstarts landete ich in Palinges im Burgund.

Hier gab es nicht wirklich viel zu sehen oder zu erkunden, See, Camping, drei Häuser, zehn Bäume und jede Menge Kühe, die für die Hintergrundbemuhung sorgten.

Mein Campingplatz lag an dem kleinen See, den ich nach dem Zeltaufbau und der abendlichen Selbstfütterung umrundete.

Dabei habe ich ziemlich widersprüchliche Dinge entdeckt.

Zum einen ist "pêche interdit", das heißt das Angeln ist verboten.

Ich habe auch keine Angler gesehen oder Fische, gebadet hat auch niemand, was nun Anlass zu wilden Spekulationen geben könnte:
Ist der See verseucht?
Gibt es ein Monster, das Angler frisst?
Gibt es gar keine Fische in dem See oder nur welche aus Plastik?

Geht man ein wenig weiter, kommt man an eine Stelle, an der sich das nebenstehende Schild befindet.

Hier darf man dann wohl angeln, allerdings sollte man sein Angelgerät nicht mit allzuviel Schmackes auswerfen, damit es sich nicht in der über dem See verlaufenden Stromtrasse verheddert und den Angler nebst Fisch röstet.

Oder vielleicht sogar - noch schlimmer - den ganzen See tauchsiedergleich zum kochen bringt.

Wie würden die Römer sagen?
Die spinnen, die Gallier!

Mehr Fisch am Freitag gibt's wie immer bei Andiva.



Montag, 29. September 2014

Herz am Montag mit Pyramidenenergie aus Gelsenkirchen


Panoramafoto von Herrn S. aus G.





Ich war ja schon im Frühjahr öfter mal im Pott unterwegs, auf seine Weise ist das eine interessante Ecke. Natürlich landschaftlich nicht zu vergleichen mit dem Schwarzwald und schon gar nicht mit den Motorradrevieren, die wir hier um die Ecke liegen haben.

.. und das da bin ich!
Nach dem geplatzten gemeinsamen Urlaub habe ich in der zweiten Woche unterwegs beschlossen, meinem
Nichtmitfahrer einen Besuch abzustatten und bin nach der Rückkehr aus den Pyrenäen nach Gelsenkirchen gefahren.

Ich bekam ein exklusives Sightseeing auf der Halde. Rundum gab es diverse Industriedenkmäler zu bewundern und ich hatte die Gelegenheit, mich mit frischer Pyramidenenergie zu stärken.

Pyramidenenergie kennt ihr nicht?
Ich werde hier nichts verraten nur soviel: Das wird DER neue Trend! Wenn man weiß, wie und wo, kann man ALLES damit aufladen *schwört*

Das, wo ich da stehe, ist übrigens Kunst. Das sind zwei riesige Scheinwerfer (fast hätte ich Schweinwerfer geschrieben!), die des Nachts leuchten. Selbstverständlich werden sie von reinster Pyramidenenergie gespeist, nix Strom oder so! Allerdings mussten wir von den Einhörnern als Geschäftspartner Abstand nehmen, da diese sich nicht als zuverlässige Kooperationspartner herausgestellt haben. Da bleiben wir doch lieber bei den Erdmännchen, die sind bodenständiger! Mehr will ich hier nicht verraten, sonst kopiert noch jemand unser Geschäftsmodell.

Langer Rede kurzer Sinn: Die ganzen Herzen unterstreichen nur das generelle Thema des Wochenendes und ich fahre bald wieder hin... mehr verrate ich nicht :-))

Samstag, 27. September 2014

Rückreise - von Gavarnie nach Freiburg

5.9.2015 von Gavarnie nach Ainsa

Col d'Aspin
Ab heute hieß es wieder: Der Weg ist das Ziel! Nach 3 Nächten auf dem wunderschönen Campingplatz in Gedre sollte es heute weiter nach Spanien gehen. Eigentlich wollte ich noch in den Parque Ordessa y Monte Perdido, und eigentlich hatte ich noch über einen Besuch in San Sebastián nachgedacht, aber das passte nun doch nicht mehr ins Programm und hetzen wollte ich auch nicht.
Col d'Aspin

Bei meinem Aufbruch waren die Berge noch im Nebel, unten im Tal schien jedoch die Sonne. Der Weg nach Ainsa führte mich wieder durch großartige Landschaften. Leider hatte ich sehr lange einen LKW vor mir, den ich auf der engen und unübersichtlichen Straße nicht überholen konnte. Da es Conchita bei dem Gezuckel bergauf langsam warm wurde, hielt ich an einem Parkplatz an, um einen Fotostopp zu machen, Conchita eine Pause zu gönnen und etwas zu trinken.

Als ich auf dem Parkplatz stand, hörte ich von unten ein bekanntes Motorengeräusch. Da kam eine Twin hochgefahren! Der Fahrer  - ein Franzose - und ich winkten und nickten uns zu.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Sonst sah man unterwegs neben diversen Straßenmaschinen die üblichen mit Alukoffern bepackten BMWs. Auf den Campingplätzen habe ich nur eine kleine Handvoll anderer Motorradfahrer gesehen, meistens war ich die Einzige. Auch so hielt es sich mit größeren "Rudeln" in Grenzen. Die meisten waren zu zweit oder dritt unterwegs, ab und an hier und da auch Einzelreisende. Alleinreisende Frauen habe ich keine getroffen.

Drüben in Spanien roch es gleich anders.
Ich kann das nicht beschreiben, es riecht einfach nach Spanien!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Hier war es noch ein bisschen wärmer als auf der französischen Seite, aber die dunklen Wolken am Himmel verhießen nichts gutes. Bei Bielsa geriet ich in einen heftigen Regenschauer. Kurz zuvor war ich noch an einem Campingplatz vorbeigekommen, hatte mich aber dagegen entschieden, jetzt schon mein Nachtlager aufzuschlagen. Also hieß es jetzt: Weiterfahren! Ungefähr 10 Kilometer später konnte man schon sehen, dass der Regen bald aufhören würde, da hinten zeigte sich schon die Sonne. Ich fuhr weiter in Richtung Ainsa, in den Ort hinein, drehte eine kurze Runde und entschied mich, erst einmal zu tanken und dann zu dem Campingplatz zurückzufahren, den ich von der Straße aus gesehen hatte.

puh, jetzt war ich in einem Land, in  dem ich mich wesentlich besser verständlich machen kann!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Ich habe einen besonderen Bezug zu Spanien. Als junge Frau mit 18/19 war ich zweimal die gesamten Sommerferien in einem kleinen Dorf in Zentralspanien. Eine Schulfreundin hatte mich eingeladen, mit ihr das Dorf ihres Vaters zu besuchen. Damals - 1984 bzw. 1985 - waren Flüge noch unerschwinglich. Wenn man nach Spanien reiste, tat man das mit dem Bus, oder wie wir mit der Bahn. Auch die Bahn war nicht so schnell wie heute, ICEs gab es noch nicht. Heute würde es mich grausen, 28 Stunden in Zügen verbringen zu müssen. Damals war es ein großes Abenteuer! Der erste Urlaub ohne Eltern und ohne Aufsicht, wir wohnten in der Eigentumswohnung des Vaters meiner Freundin und aßen bei ihren Großeltern.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Die Bahnfahrt war grauenhaft. In Paris mussten wir umsteigen und den Bahnhof wechseln. 
Natürlich msste man die Währungen der verschiedenen Länder mit sich führen, den Euro gab es noch lange nicht. In Paris hetzten wir durch die endlosen Gänge der Metro, schleppten uns halbtot an unseren Koffern.

Endlich angekommen, quetschten wir uns in einen Großraumzug und versuchten zu schlafen. Meine Freundin machte mich vorher noch auf einen großen, rehäugigen Mann aufmerksam und meinte "Guck, das ist ein Spanier!" Ah!

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Nach unendlichen Stunden landeten wir an der spanisch-französischen Grenze, wo erneutes umsteigen angesagt war, da Spanien eine andere Gleisbreite als Frankreich hatte.

Außerdem musste man an einem Grenzhäuschen vorbei, wo man einen Stempel in den noch jungfräulichen Personalausweis bekam. Und dann ging es in den "Talgo" nach Madrid. Ich erinnere mich, dass wir das Abteil mit einem Portugiesen teilten, und uns auf Englisch und Französisch austauschten. Weitere endlose Stunden später waren wir endlich in Atocha. Der Onkel meiner Freundin holte uns ab, wir fuhren mit der Metro irgendwo quer durch Madrid.
Unterwegs in den spanischen Pyrenäen

Es war heiß, stickig und wir waren völlig übernächtigt. Bei ihm angekommen gab es dann unglaublich leckere in Olivenöl gebratene Schnitzel und wir konnten ein wenig ausruhen, bevor es in den Bus nach Cebreros ging.

Als wir in Cebreros ankamen, waren Fiestas.
Das war etwas völlig neues für mich!
Tagsüber schlief man mehr oder weniger und nachts wurde gefeiert und getrunken.

Ich kann mich noch erinnern, dass wir den Alkohol überhaupt nicht gewohnt waren. Zu jedem Mittag- und Abendessen gab es Rotwein, der mit Gazeosa (Limo) verdünnt wurde. Die erste Woche waren wir nach jedem Essen betrunken, aber die Leber wächst ja bekanntlich mit ihren Aufgaben. Die erste Woche kam mir wirklich alles sehr Spanisch vor, da ich kein Wort verstand. Im Lauf der Zeit lernte ich einiges zu verstehen und nach drei Wochen die ersten Sätze zu sprechen.

Unterwegs in den spanischen Pyrenäen
Wir lernten unglaublich viele junge Leute kennen. Ein Abend ist mir noch in besonderer Erinnerung, da
unterhielten wir uns wirklich kreuz und quer in allen möglichen Sprachen mit allen möglichen jungen Leuten.

Es war toll, denn wir wurden dauernd angesprochen, eingeladen und hatten unglaublich viel Spaß. Damals habe ich mein Herz an Spanien verloren und immer wieder Anläufe genommen, die Sprache richtig zu lernen.

Jetzt habe ich das dritte Jahr Unterricht und es geht richtig gut. Und natürlich ist die Motivation groß, das Land jetzt noch mehr zu erkunden. Auf dem Plan stehen - neben dem nächsten Urlaub auf der spanischen Seite der Pyrenäen - ein Besuch in Barcelona und irgendwann ein Motoradtrip durch die Extremadura.

Maledetta
In Spanien auf dem Campingplatz fiel mir dann der andere Zeitrythmus auf. In Frankreich ist nach 22 Uhr bzw. 23 Uhr Schicht im Schacht, dafür darf man theoretisch ab 7 Uhr morgens bereits herumlärmen. Nicht so in Spanien. Hier ist erst ab Mitternacht Ruhe angesagt, dafür dann bis 8 Uhr morgens. Ich war glaube ich die einzige Deutsche auf dem Campingplatz, einen anderen Motorradfahrer habe ich noch entdeckt. Ansonsten war es hier ruhig und auch recht leer.

Beim Zeltaufbau war es unglaublich schwül und der Himmel pechschwarz, weshalb ich mich sehr beeilte. Das Gewitter ist dann aber doch vorbeigezogen. Mit Einbruch der Dunkelheit verzog ich mich wieder ins Zelt, um bis zum nächsten Morgen tief und fest zu schlafen.

6.9.2014 Ainsa - Enveitg

Unterwegs zum Port de la Bonaigua
Heute sollte meine Fahrt auf der N260 teilweise auf den Spuren meiner Tour vom letzten Jahr verlaufen.

Der Morgen begrüßte mich sonnig und mit einer fantastischen Stimmung. Leichter Nebel lag in den weiten Tälern, darüber blauer Himmel, eine fast leere Straße, Herz, was willst Du mehr! Ein paar Rennradfahrer teilten sich die breite Straße mit mir.

Die N 260 ist eine Art "Panoramastraße" und führt durch spektakuläre Landschaften. Mal geht es auf einer schon fast autobahnartigen Straße durch weite Täler, an der nächsten Biegung wird die Straße auf ein mal eng, schlängelt sich durch eine Schlucht, es geht mal hoch, mal runter. Aber überall ist es einfach nur wunderschön!

Port de la Bonaigua
In der wunderbar warmen Sonne war das Fahren Freude pur. Es war, als ob ein gradioser Film an einem vorbeizieht, ein Highlight nach dem anderen.

Leider habe ich es auch dieses Jahr nicht geschafft, in den Parque Ordessa y Monte Perdido zu fahren. Aber gut... die Pyrenäen liegen dort auch noch nächstes Jahr.

Ich überlegte kurz, ob ich heute Nacht eventuell in der Kajakschule vom letzten Jahr übernachten sollte, entschied mich aber dafür, den Tag einfach zu nehmen, wie er kommt und kein festes Etappenziel zu planen.

Pallaresa Noguera
Gegen Mittag passierte ich den Port de la Bonaigua, diesmal von der anderen Seite als im Jahr zuvor. Herrlich war es hier auch diesmal, aber schneefrei.  Auf dem Parkplatz wäre ich vor Begeisterung fast in den See gefahren, sah aber noch rechtzeitig, dass der Parkplatz zuende war und wendete Conchita.

Das Wenden hatte ich nach den zwei Ausrutschern und mit dem jetzt doch sehr verbogenen Kupplungshebel zu hassen gelernt.

Feinfühlig einkuppeln ging jetzt nicht mehr, also vermied ich wenden sofern möglich ganz. Hier hatte ich jedoch reichlich Platz.

Unterwegs auf der N260
Eine Herde Pferde lief erst über die Straße, dann über den Parkplatz und überall lagen und standen Kühe.

Als ich letztes Jahr Anfang Mai dort war, waren noch keine Tiere auf der Weide. In der warmen Sonne konnte man prima verweilen und Bilder machen.

Gegen Nachmittag wurde es etwas wolkiger und ein unfreiwilliger Schlenker führte mich dann doch nach und durch Andorra.

Puh... Andorra... ist seltsam.

Col de Puymorènes
Es könnte wunderschön sein, aber entlang der Hauptstraße quält sich der Verkehr, und ein hässlicher Betonbau jagt den nächsten. Eigentlich sieht es hier aus wie eine riesige Shoppingmall. Von Lebensmitteln über Luxusartikel und Konsumgüter der verschiedensten Art gibt es hier alles zu kaufen.
Außer einem Tank voll billigem Sprit habe ich nichts mitgenommen.

Obwohl ich hätte einkaufen müssen, hatte ich keine Lust, in einem der riesigen Supermärkte auf die Jagd nach den von mir benötigten Lebensmitteln zu gehen.

Abendstimmung in Enveitg
Irgendwann landete ich auf dem Pas de la Casa.

Das ist schon beeindruckend dort, aber nach der nervigen Fahrerei wollte ich nur noch runter und weg. Nach einigem Gezuckel ging es dann noch über den Col de Puymorèns und langsam dachte ich daran, mir einen Campingplatz zu suchen. Langsam wurde ich müde, der Himmel zog sich zu und es war Zeit, den Tag ausklingen zu lassen.

Gegen frühen Abend landete ich in Enveitg, einem Ort an der Grenze zu Spanien.
Am Empfang war ich mir
Abendstimmung in Enveitg
erst nicht sicher, ob ich nun Spanisch oder Französisch sprechen muss, da der Herr am Empfang mit der Frau vor mir flüssig Spanisch sprach. Sein Französisch klang irgendwie komisch für meine Ohren. Aber ich habe mich verständlich machen können und ihn auch verstanden.

Ich bekam einen Platz gezeigt, den Code für den supermodernen Sanitärbereich zugewiesen und baute mein Zelt auf.

Da mein Magen jetzt schon deutlich knurrte, machte ich mich auf die Suche nach einem Laden. Ich hatte
mehrere Leute mit Plastiktüten auf den Campingplatz kommen sehen, was mich zuversichtlich stimmte. 5 Minute vor dem offiziellen Ladenschluss des kleinen Dorfsupermarkts stand ich im Laden und konnte mich für den Abend und den kommenden Morgen versorgen. Das war knapp gewesen!

Wir warten auf die Zombie-Apokalypse...
Nachdem das übliche Baguette verdrückt war, zog ich los, um die Abendstimmung einzufangen.

Der Himmel war spektakulär. Riesige Wolken quollen an den Bergen hoch und wurden vom
Sonnenuntergang in die wildesten Farben getaucht.

Bei meiner Dorfrunde kam mir noch eine skurile ältere Frau entgegen, die einen mit Plastiktütenstreifen geschmückten Wanderstab und einen Hund mit sich führte.

Sie sprach mich erst auf Französisch an, danach sprachen wir Spanisch.

Dawn of the dead :-D
Sie fragte, wofür ich Fotos machen würde und in einem wüsten Mix aus Spanisch und Französisch erklärte sie mir, dass in der Nähe tolle Thermalquellen seien und man diverse Badeorte besuchen könnte.

Nach diesem kurzen Austausch setzte ich mich auf eine Bank und sah zu, wie es dunkel wurde, die Fledermäuse um die Laternen kreisten und ein Gewitter in der Ferne die Wolken zum leuchten brachte.

Wieder war ein schöner Tag zuende und wieder ging es ins Zelt.

7.9.2014 Enveitg - Villégly

Meine heutige Route führte mich heute langsam aus den Pyrenäen heraus und weiter in Richtung Norden.
Unterwegs auf der N260
Doch zuerst sollte es bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen weiter auf der N260 entlang gehen.

Da heute Sonntag war, waren die Straße entsprechend voll. Bis Font Romeu hatte ich allerdings Glück und konnte die Kurven mit flottem Tempo auskosten. Hier waren auch viele ander Motorradfahrer unterwegs, gerne in größeren Gruppen.

Nach einer Frühstückspause unten im Tal wurde es dann voller und auf der Straße nach Prades war nur noch ein langsames Vorankommen möglich. Ich rege mich in solchen Momenten nicht großartig auf, denn im Schneckentempo hat man mehr Zeit, sich die Landschaft anzugucken und ggf. mal eben auf einem Parkplatz anzuhalten.

Hinter Prades wollte ich sowieso auf eine kleine Straße einbiegen, um wieder etwas Abwechslung in die
Fahrerei zu bringen.

Das war eine gute Entscheidung! Die kleine Straße zog sich wellig, eng und kurvig zwischen den Bergen nach oben und führte mich durch hübsche Orte wie Molitg-les-Bains und später auf den Col du Jau. Hier war man weitgehend ungestört und der Gegenverkehr hielt sich auch in Grenzen. Gemütlichstes Tempo war angesagt, da man selten weiter als 500 Meter bis zur nächsten Ecke sehen konnte.

Ich konnte viele Ausblicke genießen und fragte mich die ganze Zeit, wieviele Steinpilze es wohl in den
Wäldern geben musst. Ganz oft kamen Leute mit mehr oder weniger großen und mehr oder weniger gefüllten Körben aus den Wäldern. Pilze sammeln scheint eine reine Sonntagsbeschäftigung zu sein. Leider habe ich in dem Bereich sehr viel vergessen und würde mich heute nicht mehr trauen, welche zu sammeln. Als Kind gehörte es im Herbst dazu, täglich "in die Pilze" zu gehen und oft kamen dabei große Spankörbe voll zusammen, die dann meist geputzt und getrocknet wurden. Gelegentlich wurden welche eingelegt. Die habe ich aber genauso wie den ekelhaften "Kürbis süß-sauer" gehasst und niemals gegessen. Heute könnte ich wirklich maximal drei bis vier Sorten unterscheiden und ich wüsste nicht mal, wo ich hier schauen sollte. Gute Pilzstellen werden ja nicht verraten.

Auf dem Weg nach unten fuhr ich durch den Canigou. Hier war es sehr heiß, aber landschaftlich wieder
unglaublich beeindruckend. Eng eingeschnittene Täler mit bewaldeten Felsen und Wildbächen prägen die Landschaft. An einem Bach habe ich mich kurz erfrischt, die angezeigte Höhle jedoch nicht entdeckt. Es war nicht klar, ob man am Ufer hätte langlaufen müssen, oder ein anderer Weg dorthin führt. Angesichts der schweißtreibenden Temperaturen beschränkte ich mich auf eine Trinkpause und fuhr weiter.

Bald fuhr ich wieder über freies Land. Hier war es mit einem Mal extrem windig und sehr heiß. Da es am

Unterwegs in den Canigou
Morgen noch nach Regen ausgesehen hatte, hatte ich das Regenfutter in der Hose gelassen und nicht ausgezogen. Bei 33 Grad im Schatten keine weise Idee. Das ist übrigens das Einzige, das ich nicht mehr tun werde: Auf Touren mit dem Regenfutter in der Hose fahren. Das kommt nur noch rein, wenn ich bei kühlen Temperaturen unterwegs bin. Ansonsten wird jetzt eine Regenhose gekauft, damit entfällt auch der lästige Strip, um das Futter bei Regen in die Hose zu zippen. In der Jacke stört mich das Futter nicht, aber wenn es an den nackten Beinen klebt, ist das einfach nur widerlich.

In der Hitze und im Wind fühlte ich mich rasch wie ein Stück Dörrfleisch. Die Sonne brannte durch das
Col Du Jau
Visier, wenn man es offen ließ, blies jede Menge Staub herein. Und eigentlich wollte ich nicht nach Carcassonne. Zumindest nicht nochmal in die Cité, ich fand, dass ein Besuch reichte. Also quälte ich mich durch den Sonntagsverkehr und die Hitze weiter. Irgendwann wollte ich dann nur noch einen Campingplatz, etwas trinken und nicht mehr fahren müssen.

Wie es aber so ist: Wenn man KEINEN Campingplatz sucht, stehen ÜBERALL Schilder und gefühlt alle 500 Meter könnte man auswählen. Aber wehe, man sucht einen Campingplatz, dann findet man garantiert nichts! In einem kleinen Ort folgte ich dem Schild, das einen Campingplatz anzeigte. Leider gab es nur genau dieses EINE Schild, so dass ich nach einer Runde durch den Ort aufgab und weiterfuhr. Endlich, ich befand mich schon im Zustand von seit mehreren Jahren gelagertem Bündnerfleisch - sah ich ein Schild, dem ich folgte. Ich landete rasch auf dem Campingplatz in Villégly. Hier durfte ich auch wieder mit freier Platzwahl mein Zelt aufstellen, die Anmelde- und Zahlungsformalitäten würde ich am nächsten Morgen erledigen können, so wurde mir zugesagt.

Als allererstes habe ich eine Flasche eiskaltes Wasser aus dem Getränkeautomaten gezogen, um als nächstes
Im Canigou
aus den Stiefeln zu steigen. Ich hatte in diesem Moment den Eindruck, dass sämtliches Leben im Umkreis von 100 Metern verstarb. Ich spare Euch die Details, aber stellt Euch einfach vor, ihr tragt im Sommer bei 33 Grad für 5 Stunden Moonboots. Alternativ kann man auch an Harzer Roller denken, den jemand einen halben Tag in der Sonne liegengelassen hat. 

Heute hatte ich kein Bedürfnis danach, noch die Umgebung zu erkunden. Ich setzte mich auf eine Bank, las mein Buch weiter und schrieb mit meinem Nichtmitfahrer, der stets auf dem aktuellen Tourstand gehalten werden wolllte. Gegen Dämmerung ging es wieder ins Zelt. Inzwischen hatte es sich zugezogen und grollte ein wenig, so dass ich auf etwas Abkühlung für den nächsten Tag hoffen konnte.

8.9.2014 Villégly - Le Vigan

Meine heutige Tour sollte mich in die Cevennen führen, die ich mir als Abschlusshighlight meines Urlaubs
ausgesucht hatte. Ich war ja letztes Jahr bereits dort durchgekommen und war begeistert. Leider hatte das Wetter nicht mitgespielt und der Ausflug auf den Mont Aigual wurde wegen Nebel gestrichen. Kalt war es auch gewesen.

Heute morgen begrüßte mich ein bezogener Himmel und drückende Schwüle. Es würde also ein weiterer Tag in der Saunahose und den Käsestiefeln werden. Das Zelt war rasch abgebaut und ich machte mich wieder auf den Weg. Nebel und feuchte Schwüle lagen über der Landschaft. Nur sehr ab und zu konnte man die Sonne sehen.

Ich kurvte auf diversen Straßen in Richtung Clermont-L'Heurault. Hier war schon der Herbst angekommen,
Unterwegs im Heurault
die ersten Blätter färbten sich bunt und die Sonne stahl sich immer wieder durch den Hochnebel. In Bedarieux ging ich kurz einkaufen. Als ich aus dem Supermarkt kam, war die Luft so schwül und stickig, dass man kaum noch atmen konnte. Der Himmel inzwischen pechschwarz bezogen. Das verhieß nichts Gutes. Noch auf dem Parkplatz fing es kurz aber heftig zu regnen an. Ich stellte mich unter, verstaute meine Einkäufe und studierte die weitere Route. Bis in die Cevennen wollte ich heute auf jeden Fall kommen, Gewitter oder nicht.

Auf der Nationalstraße in Richtung Lodève verhieß der Himmel immer weniger Gutes. Ich fand die Ausfahrt nach Le Vigan und bog auf die kleinere Straße ab. Nach ein paar Kilometern begann es zu regnen. Erst ein bisschen, dann stärker und dann schüttete es wie aus Kübeln. Ich fuhr wieder auf die Nationalstraße zurück und ein wenig weiter, nahm ein
paar Ausfahrten später jedoch einen beherzten zweiten Anlauf, da es jetzt ein wenig heller aussah.

Ja, es war auch heller, nur nicht dort, wo ich hinfuhr. Dräuend hingen die Wolken in den Bergen. Es begann zu nieseln, zu regnen, zu schütten im munteren Wechsel. Ich beschloss, mich davon nicht stören zu lassen, immerhin war es nicht kalt und die Straßen gut zu befahren.

Nach einer guten Stunde waren meine Handschuhe komplett durchweicht und der Regen war zu einem Wolkenbruch geworden. Zu allem Überfluss begann es auch noch zu donnern und zu blitzen. Natürlich weit und breit keine Möglichkeit, sich unterzustellen. Ich beschloss, diese Nacht in einem Hotel zu verbringen und begann Ausschau zu halten. In einem Ort kam dann die Rettung: Ein großes Hotel stand an der Straße. Der
Regen ließ ein wenig nach und ich stellte Conchita ab. Leider hatte das Hotel just heute seinen Ruhetag und war geschlossen. In das Bushäuschen gegenüber wollte ich mich auch nicht setzen. Da der Regen gerade aufgehört hatte, beschloss ich einfach weiterzufahren. Umkehren wäre keine Option gewesen, da ich bereits einen Großteil der Strecke zu meinem Etappenziel zurückgelegt hatte.

Es begann nun wieder zu regnen. Bald schüttete es wieder und zum Regen gesellte sich ein heftiges Gewitter, das ich zu ignorieren versuchte. Inzwischen war mir alles egal, IRGENDEIN Übernachtungsplatz musste her, egal was!

In Molières-Cavaillac kurz vor Le Vigan bog ich auf einen Campingplatz ein. Hier stand das Wasser bereits
in riesigen Pfützen in der Auffahrt. Ein paar Zelte und Campingwagen verloren sich auf dem Platz. Das Gewitter tobte inzwischen und der Himmel hatte seine Schleusen auf volle Leistung gestellt. Ich sah einen großen Holzpavillion. Hier würde ich mein Zelt aufbauen! Ich hätte es zu diesem Zeitpunkt auch in den Sanitärbereich gestellt, alles war Recht, nur raus aus diesem Gewitter!

Am Empfang war niemand zu sehen, aber als ich mich gerade daran machen wollte, Conchita abzuladen, kam ein kleiner, alter Mann mit einem Regenschirm angelaufen. Er war ziemlich überrascht und erstaunt, eine Frau allein mit Motorrad und Zelt bei diesem Wetter zu treffen und bot mir an, das Zelt unter dem Pavillion aufzubauen. Gesagt, getan. Ich ging nun nach vorne zur Anmeldung, wo seine Frau bereits auf mich wartete.

Die Beiden waren einfach nur süß! Ich schätze sie auf Ende 60 bis Mitte 70. Monsieur war schwerhörig, was
die Verständigung zwischen ihm und mir mit meinem schlechten Französisch nicht ganz einfach machte. Madame war sehr besorgt, ob ich nicht völlig durchweicht sei und mir nicht kalt wäre. Ich öffnete meine Jacke und zeigte auf das Gorextexfutter, das beruhigte beide. Nun wollten sie wissen, wie ich denn morgen weiterfahren wollte und meinten, es sei kein gutes Wetter angesagt. Ich versuchte ihnen zu erklären, dass ich auf dem Rückweg sei und nicht mehr allzuviel Zeit zum bleiben hätte und bei jedem Wetter weiterfahren würde. Madame meinte daraufhin, dass ich erstmal heiß duschen sollte, damit ich mich nicht erkälte. Ich folgte ihrem Rat.

Während ich unter der Dusche stand, legte das Gewitter noch ein paar Gänge mehr ein. Es donnerte unablässig, der Regen rauschte auf das Dach und zwischendrin fiel immer mal wieder das Licht aus. Gut, dass ich nicht noch weitergefahren war!

Als ich aus der Dusche kam, hatte Monsieur mir einen Tisch und einen Stuhl gebracht, damit ich nicht auf
Am nächsten Morgen
dem Boden sitzen musste. Mein Zelt stand trocken und mir war nach der Dusche angenehm warm. Während das Gewitter weitertobte, aß ich mein leider etwas angeweichtes Brot, las in meinem Buch weiter und war fasziniert von dem Unwetter, das um mich herum tobte. Nach 3 Stunden hörte es auf zu regnen und so etwas wie Sonnenschein kam heraus. Das stimmte mich für den nächsten Tag schon etwas positiver. Die Vorstellung, wieder in so einem Unwetter fahren zu müssen, war nicht sehr angenehm.

Als es dunkel wurde, kam Madame nochmal vorbei, fragte, ob ich Licht hätte, mir warm genug sei und ich noch etwas bräuchte. Mir ging es gut, ich war warm, trocken, das Zelt stand nicht in der Matsche und eine kleine Lampe hatte ich auch dabei, beruhigte ich Madame.

Da heute alles leicht feuchtelig war, wickelte ich mich für die Nacht besonders gut in meinen Schlafsack ein. In meinem Zelt war es warm und trocken und ich schlief zufrieden und tief.

9.9.2014 - Le Vigan - Vilette d'Anthon

Heute sollte der vorletzte Tourtag sein. Der Morgen startete mit Nebel. Ich war ein bisschen genervt, denn
Unterwegs zum Mont Aigual
im letzten Jahr hatte mir den Nebel ebenfalls die Tour auf den Mont Aigual verleidet. Musste das diesmal wieder sein?

Nach einem Tankstopp in Le Vigan folgte ich den Schildern zum Mont Aigual. Es ging tatsächlich erst einmal mehrere Kilometer durch Nebel, lästiges Gewische auf dem Visier inklusive. Ungefähr 5 Kilometer hinter Le Vigan wurde es auf einmal heller und plötzlich fuhr ich im schönsten Sonnenschein. So früh am Morgen hatte ich die Straße mehr oder weniger für mich allein und konnte immer wieder ungestört Ausblicke genießen. In den Cevennen war es wirklich herbstlich! Während weiter im Süden das Laub noch grün gewesen war, zeigte sich hier schon einige Herbstfärbung.

An einem Aussichtspunkt machte ich Halt. Die Sonne schien vom makellos blauen Himmel und man konnte
Unterwegs zum Mont Aigual
sehen, wie sich der Nebel im Tal allmählich auflöste. Ich genoss die morgendliche Stille, die großartige Aussicht, sah den Schwalben zu, die hier kreisten und trocknete meine Jacke in der Sonne. Für eine gute halbe Stunde war ich völlig allein.

Dann hörte ich ein vertrautes Geräusch, kurz darauf hielten drei Motorräder an. Wie sich rasch herausstellte, handelte es sich um drei Herren aus dem Ruhrgebiet, die wie ich auf dem Heimweg waren. Wir tauschten uns über den Vortag und die nasse Anreise aus. Der eine erzählte mir, dass sie an einem Hotel gehalten hätten, ihnen aber die drei Zimmer vor der Nase weggeschnappt worden seien. Der Hotelbesitzer hätte dann bei einem anderen Hotel angerufen und drei Zimmer für sie klargemacht. Daraufhin meinte ich nur trocken "Ich war gestern auf dem Camping." Was dem Herrn ein fassungsloses "Ach Du Scheiße!" entlockte.
Die beiden anderen bestaunten derweil meine bepackte Conchita.

Die Gruppe machte sich dann vor mir auf den weiteren Weg zum Mont Aigual. Einige Minuten später folgte
Auf dem Mont Aigual
ich ihnen, um den ersten bald einzuholen. Da fuhr aber jemand langsam! Bei der nächsten Gelegenheit zog ich an ihm vorbei und hängte mich an die beiden anderen, die deutlich flotter fuhren. Wir hatten unseren Spaß bei der Fahrt auf den Mont Aigual, zogen an einem Bus vorbei und ich versuchte, die Herren vor mir herzuscheuchen, da ich das Tempo immer noch recht gemütlich fand. Oben auf dem Gipfel gab es dann nochmal eine großes Hallo. Jeder machte Fotos und ich gab ihnen ein paar Tipps für den Schwarzwald, durch den sie auf dem Rückweg fahren wollten.

"Sag mal, fährst Du eigentlich nach Navi oder nach Karte?"
"Ich fahre nach Himmelsrichtung und nach Schnauze. Verfahren gehört dazu, der Weg ist das Ziel!" lautete meine Antwort.
Weitere Fassungslosigkeit.

Und jetzt war mein Ehrgeiz angestachelt!
Auf dem Mont Aigual
Die Herren fuhren alle topmoderne Motorräder mit allem Schnick und Schnack. Das war der Moment um zu zeigen, was eine 17 Jahre alte Africa Twin mit einer alleinreisenden Frau alles kann. Diesmal schwang ich mich als Erste in den Sattel und gab Conchita die Sporen. Nach zwei Wochen mit jedem Tag im Sattel war ich inzwischen eins geworden mit meinem Pferd und konnte doch ein ordentliches Tempo vorgeben. An einem Aussichtspunkt, wo ich Fotos machte, holten die Herren mich wieder ein. Rasch folgte ich der Gruppe, überholte erst Mr. Langsam und scheuchte dann die anderen vor mir her. Ich konnte sehen, wie sie immer wieder in den Rückspiegel schauten, ob sie mich denn nun abschütteln würden.

Als sie einen Fotostopp machten, war ich wieder an der Reihe, vorbeizuziehen. Ich hatte einen Riesenspaß
Mont Aigual
dabei und hätte gerne gewusst, was sie sich dachten.


Bei Florac trennten sich unsere Wege, da ich in die Gorges du Tarn fuhr und sie weiter in Richtung Ardèche.

Es war inzwischen wieder richtig warm geworden und in der Gorges du Tarn auch einiges los. Heute wollte ich hier jedoch nur durchfahren und verzichtete auf einen Stopp in St. Enimie. An einem Aussichtspunkt standen wieder einige Motorrafahrer. Ein Paar und eine Frau mit einer 250er. Als sie vom Aussichtspunkt zurückliefen, und ich gerade meine Kamera auspackte, wünschten sie mir eine gute Fahrt. Den beiden Frauen sah ich die Bewunderung an.

Ich bilde mir ja nicht sonderlich viel auf meine Fahrkünste ein, aber Conchita und ich waren wirklich immer
Unterwegs in den Cevennen
wieder eine kleine Sensation. Klar, eine Twin ist kein kleines "Frauenmoped" und sowieso ein Hingucker. Es fasziniert mich aber trotzdem immer wieder, wie sehr ich überall auffalle und wie leicht man mit den Leuten ins Gespräch kommt, wenn es auch aufgrund meiner schlechten Französischkenntnisse mühsam ist.

Als ich aus der Gorges du Tarn herausfuhr, begann sich das Wetter wieder zu verschlechtern. Ich näherte mich Le-Puy-en-Vellay. Diesmal regnete es hier auch wieder. Ich bin inzwischen davon überzeugt,  dass der Ort in Wirklichkeit "La-Pluie-en-Velay" heißt... Hier wollte ich dann doch weiter. Heute sollte es noch mindestens bis nach Lyon gehen, dann würde ich die restliche Etappe locker an einem Tag schaffen können.

Es regnete und regnete. Hinter Lyon machte ich an einer Raststätte Halt und holte mir einen Kaffee. In der
Unterwegs in den Cevennen
einen Richtung lag eine schwarze Gewitterfront, in der anderen schien die Sonne. Ein prächtiger Regenbogen spannte sich über die Autobahn. Jetzt würde es wohl wirklich auf ein Hotel rauslaufen, dachte ich mir. Es war schon relativ spät und ich müde. Leider wollte der Regen so gar nicht recht aufhören, weshalb ich bald weiterfuhr. Irgendwann hatte ich die Nase voll und fuhr von der Autobahn ab und wieder der Nase nach. Um die richige Richtung würde ich mich morgen kümmern!

Der Gedanke, meine letzte Nacht im Hotel zu verbringen, stimmte mich dann doch etwas wehmütig.

Ich wollte so gerne nochmal zelten! Der Wettergott hatte ein Einsehen und bescherte mir ca. 20 Kilometer
Gorges du Tarn
hinter Lyon Sonnenschein und einen Campingplatz.

Nachdem mich mehrere gefräßige Mücken bereits erwischt hatten, bevor ich auch nur an einsprühen denken konnte, wühlte ich erstmal das Spray hervor und nebelte mich, das Zelt, den Schlafsack und meine Umgebung großzügig ein. Danach war das Zelt rasch aufgebaut. Auf dem Handy hatte ich einen besorgten Anruf verpasst und schreib erstmal zurück, dass ich noch beim Aufbau sei und mich bald melden würde. Jetzt erstmal raus aus den Klamotten, Sanitärbereich suchen und den Abend einläuten!

Hier war es nochmal schön warm und sonnig. Ich freute mich auf  meine letzte Nacht im Zelt, aber zugleich auch auf die nächste Nacht, die ich zuhause in meinem Bett verbringen würde.

10.09.2014 - Vilette d'Anthon - Freiburg

Mein letzter Morgen begann neblig und leicht schwül. Heute Abend würde ich wieder in meinem Bett
Gorges du Tarn
schlafen und vorher ein Bad in meiner Wanne genießen. Die Vorfreude auf zuhause war nun doch groß, zumal im Anschluss an meine Motorradtour noch eine weitere, spannende Reise anstand.

Den ganzen Vormittag fuhr ich durch mal mehr und mal weniger dichten Nebel, ab und zu tröpfelte es auch, was mit den Abschied von der Straße erleichterte. Erst auf der Höhe von Besancon zeigte sich ganz langsam die Sonne und der blaue Himmel kam durch. Immer mehr vertraute Ortschaften tauchten auf den Straßenschildern auf, Vessoul, Mulhouse, Strasbourg, Nancy, Épinal, Freiburg...

Am späten Nachmittag war ich wieder zuhause. Schnell war alles abgepackt, die erste Wäsche lief, das Zelt lag zum trocknen in der Sonne und ich schälte mich aus den Motorradklamotten. Toll war's gewesen!

Ich möchte nicht eine Minute dieser Tour missen und das Ziel für den nächsten großen Urlaub im neuen Jahr steht bereits fest: Die atlantischen Pyrenäen!
Vorausgesetzt, mein Nächstesjahrmitfahrer möchte auch dort hin :-)