Sonntag, 22. September 2013

Das Stück zum Glück...

Die Glücksdrossel
... das mir 2 Jahre lang gefehlt hat, waren die restlichen Zentimeter, die man den Gasgriff aufreißen kann, wenn die Drossel weg ist...

Aber fangen wir von vorne an. Ich habe 2011 den Stufenführerschein gemacht, weil ich vorher noch nie auf einem Motorrad saß und mich einfach nicht getraut habe, gleich auf eine große Maschine zu steigen. Also wurde die Prüfung auf der Kleinen 500er abgelegt und genauso eine habe ich dann auch gekauft. Fertig gedrosselt, fast neu und sofort startklar.

Vierwaldstätter See Samstag
In 2 Jahren habe ich gelernt, hinter langsamen Autos herzuzuckeln, oder alternativ auf einen Parkplatz zu fahren, um die Schnarachnasen Land gewinnen zu lassen. Am Berg überholen ging eigentlich gar nicht, denn bis meine Kleine auf 100 war, das hat gedauert. Zum überholen brauchte ich eine lange Gerade und die Hoffnung, dass die Lücke groß genug ist. Im ersten Jahr war das alles noch ok, denn ich hatte genug damit zu tun, routinierter und sicherer zu fahren, alles war neu und aufregend. Im zweiten Jahr ging es mir dann langsam aber sicher auf den Geist, nicht mal eben den Gashahn aufreißen zu können, um an den ganzen lahmen Enten vorbeizuziehen.

Vierwaldstätter See Sonntag
Ich habe gelernt, mit der Beschränkung zu leben. Das Motorrad hat auch so schon viel Spaß gemacht und das Fahren sowieso.

Mitte September war es dann so weit, TÜV, neue Reifen und endlich die Drossel raus, alles in einem Aufwasch erledigt. Dann war erstmal warten angesagt. War das Wetter Anfang September noch toll und sommerlich genug, um bei einem Ausflug nach Luzern noch im Vierwaldstätter See schwimmen zu können, zeigte sich ausgerechnet jetzt der Herbst von seiner ekelhaften Seite.

Gestern war es dann endlich so weit. Wetter schön, ich war zu einem Sektempfang eingeladen und konnte jetzt zum ersten Mal mein "neues" Motorrad ausprobieren.

Die erste Stunde fuhr ich wie auf rohen Eiern, die neuen Reifen waren noch nicht eingefahren und die neue Power meiner Maschine machte mir auch ein bisschen Angst.

Meine Kleine war nicht wiederzuerkennen.

Wo ich vorher dem Drehzahlmesser dabei zugesehen habe, wie der Zeiger mühsam über die 4.000 gekrochen ist und dabei das Gefühl hatte, dass mir gleich alle Ventile um die Ohren fliegen würden, genügt jetzt ein kurzer Dreh im 2. Gang und das Moped ist auf 8.500 Touren und die Tachonadel steht fast auf 100.

Ettenheim
Der Motor schnurrt geschmeidig und die Reifen (Michelin Pilot Road 3) sind ein Traum! Sie kleben wirklich wie Pattex auf der Straße. Nicht einmal hatte ich das Gefühl, dass irgendwas rutscht oder hoppelt. Selbst auf schlechten Strecken fährt mein Moped komplett spurtreu und in den Kurven habe ich das Gefühl, dass sie sich förmlich auf dem Asphalt festsaugt.

Ich habe mich heute ein paar Mal dabei ertappt, dass ich sehr viel schneller war, als ich dachte. Der Motor läuft jetzt so rund und stimmig, dass man gar nicht merkt, wie schnell man auf 100 (und drüber) ist.

Ich hatte in einem Forum davon gelesen, dass die Maschine zwischen 8.000 und 9.000 Umdrehungen nochmal einen "Schub" bekommen würde und konnte mir nichts drunter vorstellen.
Den Schub habe ich heute erlebt.
WAHNSINN!

So schade, dass sich die Saison schon ihrem Ende zuneigt, denn ich entdecke gerade wieder alles neu.

Alpenblick - immer wieder toll!
Bald heißt es wieder das Moped schrubben, ölen, wachsen und dann steht sie wieder die meiste Zeit in der Garage herum. Ach ja, es gibt noch eine Neuerung. Vor ein paar Wochen habe ich die Ortlieb-Motorradtaschen von jemandem zum halben Preis bekommen, sie sind so gut wie neu. Sie sind superpraktisch, jetzt kann ich alle Wechselklamotten in die Taschen stopfen, brauche keinen Rucksack mehr und notfalls kann da sogar die ganze Kombi nebst Stiefeln drin verschwinden.

Da kann die nächste Saison dann gerne kommen. Ich habe den Winter über genug Zeit, meine nächste große Tour zu planen und vorzubereiten.

Wenn es klappt, geht es nach... Na, das verrate ich dann, wenn es so weit ist. Bis dahin wünsche ich mir und Euch noch eine möglichst lange, sonnige und unfallfreie Restsaison 2013.

Mittwoch, 4. September 2013

Unterwegs mit Bike und Zelt III - Lindau - Vorarlberg - Schwäbische Alb

Erstmal Kaffee!
Letzte Woche hatte ich eine Woche "Zwangsurlaub", in der Abteilung war niemand und ich wäre nur dumm herumgesessen. Leider spielte das Wetter prompt in der ersten Wochenhälfte nicht mit, es wurde schlechter. Immer mit einem Auge auf den Wetterbericht schielend verbrachte ich die kostbaren Tage mit dem liegengebliebenen Haushalt, Besuchen, einer Fotosession und diversen Frühstücken und Kaffeeklatsch mit Freundinnen.

Donnerstag sollte es dann endlich wieder besser sein. Eigentlich war geplant, ein paar Tage mit meinem Freund in die Schweiz zu fahren. Leider kündigte sich just für Freitag ein wichtiger Termin an, so dass ich allein loszog. Mein ursprünglicher Plan war nach Bad Urach zu fahren und von dort aus Touren in der Schwäbischen Alb zu machen, vielleicht noch ein bisschen Thermalbad und ein bisschen wandern. Es kam dann aber alles ganz anders.

Hegaublick
Mittwochabend chattete ich mit einer lieben Freundin aus Oberammergau und wir beschlossen spontan,
uns am Donnerstag in Lindau zu treffen. Von dort könnte ich genauso gut Touren Richtung Schwäbische Alb oder auch anderswohin machen. Einen Campinplatz hat sie mir gleich auch noch empfohlen, nämlich den "Park-Camping" direkt am See. Donnerstagmorgen packte ich das Bike und startete gegen 10 in Richtung Lindau. Die Packerei nervt mich irgendwie von Mal zu Mal mehr. Es müssen jetzt wirklich Packtaschen her! Irgendwas drückt sonst immer in den Rücken, und/oder beschneidet meine Beinfreiheit, weil ich beengt sitze. Ein Blick auf das Reifenprofil sagte mir, dass DAS auch knapp werden könnte. Aber ich spielte einfach auf Risiko und auf trockenes Wetter.

Bei herrlichstem Sonnenschein war es hier unten in Freiburg morgens schon recht warm, als ich über den
Schwarzwald fuhr, war ich um Thermoshirt + Jackenfutter sehr froh. Es war schon recht frisch da oben. Angesichts diverser Baustellen kam ich im ersten Stück nicht so zügig voran, aber als dann der Hegaublick auftauchte, war es erst 11.30. Dieses Mal bin ich tatsächlich dort eingekehrt. An einem Donnerstagmorgen ist noch kein Motorradcorso, es waren nur eine Handvoll Leute da und auf der Terrasse war ich praktisch allein. Die Hügel des Hegau schimmerten durch den Morgendunst.

Nach dem Kaffee ging es flott weiter in Richtung Lindau, teilweise bin ich Autobahn gefahren, denn
diesmal ging es ja drum, einigermaßen zügig am vereinbarten Treffpunkt zu sein. Gegen 13.30 war ich dann in Lindau, fand sofort den Campingplatz und konnte mich auf der Zeltwiese heimisch einrichten. Kurz danach wurde ich auch schon abgeholt und wir starteten erst nach Bregenz, drehten dort eine Fotorunde um den Hafen, aßen Eis und fuhren dann wieder nach Lindau. Bis jetzt bin ich durch Lindau nur durchgefahren und war nie auf der Insel. Es ist wunderschön dort! Lauter kleine und kleinste Lädchen laden zum bummeln und verweilen ein und es gibt eine Menge zu sehen und zu entdecken. Der malerische Hafen, die verwinkelten Gässchen, und all die hübschen Häuschen. Leider gab es an diesem Tag keine gute Fernsicht, so dass man die Berge am gegenüberliegenden Ufer nur ahnen konnte.

Hochtannbergpass
Gegen Abend hieß es dann Abschied nehmen. Andi fuhr zurück nach Oberammergau und setzte mich an
der Seeufer und sah der Sonne beim untergehen zu. Später gab's noch eine Weinschorle im Campingrestaurant und dann ging's auch schon ins Bett.

Der nächste Morgen begrüßte mich mit strahlend blauem Himmel. Mit Milchkaffee und Croissant bewaffnet setzte ich mich ans Ufer und genoss die Morgensonne. Heute sollte es in die Berge gehen. Ich wollte eine große Runde rund ums Allgäu und nach Vorarlberg machen. In Balderschwang ist zur Zeit aber die weitere Strecke gesperrt, so dass ich bis Hittisau zurückfuhr, um dann auf den Hochtannbergpass zu fahren.

Es war einfach nur fantastisch! Herrlichstes Wetter, angenehme Temperaturen, weitgehend freie Straßen...
oben auf dem Pass erwartete mich Kuh-Idylle und Berge, die fast schon künstlich grün aussahen. Kurz dahinter entdeckte ich, dass da jetzt der Flexenpass kam. Hier geht es dann talwärts durch Gallerien. Derzeit wird in den Gallerien gebaut, so dass man nur recht langsam und vorsichtig durchfahren kann. Es liegt immer mal Dreck auf der Straße, oder der Asphalt ist aufgeschnitten.

Durch atemberaubend schöne Landschaft ging es nun Richtung Arlberg und weiter zum Faschinajoch.

Auf dem Weg zur Faschina
Die Straße zur Faschina ist teilweise recht schlecht, auch eng und steil in einigen Passagen, aber die
Aussicht oben lohnt sich. Ich war wirklich schwer beeindruckt von der landschaftlichen Schönheit um mich herum. Da die Zeit nun schon etwas fortgeschritten war, beschloss ich auf das naheliegende Furkajoch zu fahren und von dort wieder Richtung Lindau abzufahren. Kurz unter dem Gipfel fuhren bei einer Fotopause zwei Motorräder an mir vorbei, bei denen ich mir dachte "Die kenn ich doch!" Und richtig, oben auf dem Gipfel traf ich zwei Bekannte aus Vorarlberg bei ihrer Abendrunde. Nach einer Trink- und Quatschpause ging es recht flott nach unten Richtung Feldkirch. Beim dortigen Motorradclub machten wir Halt.

Etwas später verließen wir zwei Frauen die Männerrunde für ihren Clubabend und fuhren noch etwas
Furka
essen. In Dornbirn trennten sich unsere Wege und für mich ging es zurück auf den Campingplatz. Jetzt war es schon ordentlich frisch, die Sonne war weg und man konnten den Herbst spüren. Mit gut gefülltem Bauch rollte ich mich in meinen warmen Schlafsack und schlief erstmal nicht ein. Nebenan unterhielten sich noch recht lautstark ein paar Leute und am frühen Morgen weckte mich das Gewinsel und Gekläffe vom Hund der Zeltnachbarn. Der war wohl der Meinung, dass man um 6.30 aufstehen könnte *gähn*

Mit Blick auf das für Sonntag angekündigte schlechtere Wetter fuhr ich relativ bald los. Mein Weg führte
Pfullendorf
mich über Pfullendorf nach Zwiefalten. In Pfullendorf machte ich etwas länger Halt, da ich mir das Städtchen schon länger ansehen wollte. Auch hier stehen hübsche Fachwerkhäuser und es geht bergauf-bergab die Sträßchen in der Altstadt entlang. Als ich bei meinem Motorrad stand und mich startklar machen wollte, kam ein älterer Mann die Straße entlang. Es entwickelte sich ein typisches Benzingespräch: welche Maschine das sei, woher, wohin, welche Touren... Meinem Gesprächspartner stand die Sehnsucht nach einem Motorrad ins Gesicht geschrieben, da er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren kann. Er erzählte mir einige Geschichten aus seiner Motorradvergangenheit und war beeindruckt, dass ich so große Touren, wie meinen Frankreich-Spanien-Urlaub alleine gefahren bin. Einen Moment war ich versucht, ihm die Schlüssel und den Helm in die Hand zu drücken und ihm eine Runde anzubieten. Ich weiß nicht, was ich machen werde, wenn ich mal nicht mehr fahren kann... besser nicht dran denken...

Von Pfullendorf ging es weiter nach Zwiefalten. Dort war der reinste Motorradcorso durch den Ort.
Zwiefalten
Dahinter geht es in das Lautertal, das ich letztes Jahr auch schon einmal entlang gefahren bin. Nach einer verdienten Pause bei Kaffee und rekordverdächtig preiswertem (und guten!) Mandarinen-Schmandkuchen ging es weiter Richtung Bad Urach. Ein paar Umwege machte ich diesmal auch, erst einmal verlockte mich das Schild "Dobeltal" und danach gab es lustige Ortsnamen wie "Upflamör", denen ich einfach nachgefahren bin. In Bad Urach war ich dann schon recht müde und schlenderte nur einmal durch den Ort. Auch hier war die Mischung auf dem lokalen Marktplatz lustig: Senioren neben Bikern, Rollatoren neben Harleys... Ich wollte jetzt aber nach Hause, da sich das Wetter sichtlich eintrübte und ich keine Lust auf eine längere Regenfahrt hatte.

Leider habe ich die Strecke unterschätzt und war wirklich froh, als irgendwann das Schild "Villingen-
Bad Urach - man beachte die Motorräder in der Mitte...
Schwenningen" und später der Hinweis auf Freiburg auftauchten. Geregnet hat es dann auch noch, aber nicht schlimm. Noch im hellen kehrte ich ziemlich ko nach Hause. Ein Blick auf die Reifen sagte mir, dass es gerade noch so gereicht hat. Jetzt muss ich bis zum 10. warten, da habe ich einen Termin beim TÜV, das Bike wird entdrosselt und neue Reifen kommen drauf. Mal sehen, wie sie sich dann fährt...