Sonntag, 18. August 2013

Unterwegs mit Bike und Zelt II - Deutsche Fachwerkstraße und Zollernalbkreis

Home, sweet Home
Kennt Ihr das auch? Kaum seid Ihr an Eurem Ziel angekommen, fragt Ihr Euch, ob der Hahn von der Waschmaschine zu ist, oder ob Ihr alle Fenster geschlossen habt. So ging es mir am Freitagabend. Ich mache immer eine Runde durch die Wohnung und gucke, ob alles zu ist. Diesmal wurde ich beim aufpacken jedoch von meiner Vermieterin gestört, und da diese Störungen immer länger dauern, hatte ich es eilig, aus dem Haus zu kommen.

Das Problem war kein Wasserhahn, sondern ein Fenster. Und zwar das von meinem Arbeitszimmer, das man - wenn es offen ist - prima als Einstieg benutzen könnte. So lag ich also Freitagabend in meinem Schlafsack und überlegte ernsthaft, ob ich Samstag nicht erst schnell wieder nach Freiburg fahren sollte, nach dem Fenster gucken. Irgendwann habe ich beschlossen, Fenster Fenster sein zu lassen, zu holen gibt es bei mir sowieso nichts. Alle Wertsachen habe ich bei mir und die wichtigste Wertsache befindet sich sowieso die meiste Zeit unter meinem Hintern.

Dornstetten - Marktplatz
Als Übernachtungsort hatte ich mir diesmal Dornstetten im Nordschwarzwald am Rand zur Schwäbischen Alb ausgesucht. Das Städtchen sah schon mal vielversprechend aus und der Campingplatz "Königskanzel" ebenfalls.

Ich kam nach einer relativ zügigen Fahrt am frühen Abend dort an, baute das Zelt auf und setzte mich in die Abendsonne auf eine Wiese. Diesmal hatte ich mehr Verpflegung mitgenommen, als bei der letzten Tour und ging mit gefülltem Magen schlafen. Ich habe schon lange nicht mehr so tief und so lange geschlafen, wie in dieser Nacht. Statt Kissen hatte ich einfach den Dry-Sack gefüllt mit meinen Klamotten unter den Kopf geschoben. T-Shirt drüber, fertig.

Dornstetten - Zehntscheuer
Am Samstag schälte ich mich dann gegen 1/2 9 aus dem Zelt, holte meine Brötchen ab, machte Frühstück und plante die Tour. Der erste Stop sollte Dornstetten sein.

Dornstetten ist ein hübsches, mittelalterliches Städtchen, das besonders für sein Rundfachwerk bekannt ist. Nach einer Runde durch das noch völlig menschenleere Örtchen genehmigte ich mit einen Kaffee auf dem Marktplatz. Irgendwie fällt für mich auf meinen Touren der Alltag in kürzester Zeit von mir ab. Die kleinen Wochenend-Auszeiten wirken Wunder. Mit Blick auf das Rundfachwerk der Häuser gegenüber kam ich ins Grübeln. Ich fragte mich, warum wir Fachwerkhäuser so schön finden und mir fiel die ästhetische Theorie "Analysis of Beauty" von William Hogarth ein. Hogarth schreibt dort unter anderem, dass die S-Linie die schönste Linie sei, da sie das Auge anregt und am ehesten Lebendigkeit und Bewegung ausdrückt. Die unregelmäßige Regelmäßigkeit des Holzes gepaart mit der Symetrie der Fachwerkmuster erfreut also unser Auge und das Rundfachwerk dann folglich ganz besonders...



Der nächste Gedanke der sich mir aufdrängte war, ob unsere heutige Zweck-Architektur ein Ausdruck unserer langweiligen, getakteten Leben ist. Fachwerkarchitektur war ja sicherlich auch ein Ausdruck des Könnens der Handwerker. Und natürlich ein Ausdruck der finanziellen Möglichkeiten des Bauherrn... Es ist eine Gemütlichkeit und Ruhe, die diese Häuser trotz (oder wegen?) ihrer Unregelmäßigkeit und ihrer Bodenständigkeit ausdrücken.

Bei dem Gedanken an die Taktung unseres Lebens fragte ich mich, wann das eigentlich genau begonnen hatte. Mit der Erfindung von Chronometern? Oder tatsächlich erst durch die Produktionsgesellschaft? Müßiggang hat heutzutage ja den Ruch der Faulheit. Wir sollen immer verfügbar sein, immer produktiv, immer wach und immer leistungsbereit. An so einem wunderbaren Samstag wie gestern fiel es mir sehr leicht, mich dem Müßiggang hinzugeben. Heute ging es nicht darum, eine weite Strecke zu fahren, sondern das Schöne am Weg zu genießen.

Puppenhäuschen ;-)
Der nächste Besuch galt Nagold. Hier war noch Wochenmarkt und entsprechend voll waren die Gassen. Inzwischen war es doch recht heiß geworden und neben Sonnencreme für die Nase und Wasser für die Kehle wollte der Magen noch gefüllt werden. Und zwar mit einem schönen Eis. Bewaffnet mit der Eistüte ging es auf die Suche nach einer schattigen Bank, was gar nicht so einfach war. Als ich dann eine gefunden hatte, war dort gegenüber noch eine Eisdiele. Ich hätte also alles auf einmal haben können. Aber egal, Schatten ist Schatten. Und das Eis war auch gut.

Die Beschreibung der Deutschen Fachwerkstraße dass hier "Die Orte wie Perlen an einer Schnur" aufgereiht liegen, ist nicht übertrieben. Man könnte eigentlich in jedem kleineren oder größeren Ort anhalten, einen Bummel machen und sich alles ansehen. So viele hübsche Häuschen, so viele winkelige Gassen.

Die sind besonders süß!
Nach einer Runde durch den Ort bei inzwischen ganz ordentlichen Temperaturen zog es mich wieder aufs Motorrad. Zumindest ein bisschen kühler ist es beim fahren ja doch. Ich hätte gerne eine Kühlhose im Sommer... Für die Jacke habe ich eine gute Lösung gefunden, die passt in den Rucksack komplett rein. Dafür merkt man umso mehr, wie die Hose am Bein klebt und der Schweiß in die Stiefel rinnt... Irgendwann in den nächsten Wochen gibt es eine Anprobe für die Motorradtaschen von Ortlieb. Da könnte man dann ggf. die Hose + Stiefel reinstopfen und in Short und Sandalen umsteigen. Die Klamotten sind beim Stadtbummel im Sommer schon eine Plage.

Im Nagoldtal war es dann angenehm, teilweise auch schattig und der Fahrtwind kühlte mich wieder auf eine angenehme Betriebstemperatur herunter. Weiter ging es nach Calw.

Calw
Dort war ich vor Ewigkeiten mit 18 oder so einmal gewesen. Die Schwester einer Freundin war
Reformfachverkäuferin und lud uns zur Besichtigung von Welda in Schwäbisch Gmünd ein. Von dort fuhren wir weiter nach Calw. Ich hatte noch dunkle Erinnerungen an Fachwerkhäuser und eine Fahrt durch den Schwarzwald. Lang lang ist's her... Heute begrüßte mich Calw bei strahlend blauem Himmel gleich am Ortseingang mit niedlich, krummen Fachwerkhäuschen. In Richtung Marktplatz wurde es prachtvoller und großzügiger. Hier gab es keine engen Gässchen, hier war alles viel weitläufiger.

Bei meinem Bummel durch die Stadt und dem Thema "Müßiggang" kam mir die Idee, dass ich Postkarten kaufen und verschicken könnte. Ich hasse es, im Urlaub Karten zu verschicken, da mir das als recht sinnlose Zeitverschwendung erscheint. Da möchte ich lieber Nichtstun, oder irgendwo sitzen, oder Motorrad fahren und nicht mühsam meine Erlebnisse auf eine Karte kritzeln müssen. Aber so eine schöne, kitschige Schwarzwald-Postkarte, darauf hatte ich jetzt Lust.

Ist das nicht niedlich?
Flugs zwei Karten nebst zugehörigen Briefmarken gekauft und geschrieben. Das nächste Mal nehme
ich mein Adressbuch mit, dann kann ich noch mehr Leute mit Karten beglücken.

Inzwischen war der Nachmittag vorangeschritten und ich wollte noch ein wenig weiter meine Runde vollenden.

Kloster Hirsau lag am Weg, also machte ich noch einen Abstecher dort hin. Was mir gestern auf meinen Spaziergängen durch die verschiedenen Orte auffiel war, wie leer es dort überall war. Es ist Hauptsaison und in Bayern und Baden-Württemberg sind noch Ferien.

In der Klosteranlage war es ebenfalls fast menschenleer, zumindest bis auf die Kirche, denn dort war gerade eine Hochzeit. Die Schloßruine wird derzeit saniert und man
Kloster Hirsau
kann dort nicht hinein. Ein bisschen schade war auch, dass ziemliche hässliche Bestuhlung für die Freiluftbühne aufgebaut war. Klar, an so einem Ort schaut man sich gerne ein Schauspiel an. Ich war vor etlichen Jahre auf einer Aufführung von "Der Ackermann und der Tod" auf dem Alten Friedhof in Freiburg. Einen besseren Ort hätte man sich dafür nicht aussuchen können!

Die Sonne brannte mittlerweile unbarmherzig vom strahlend blauen Himmel und mir rann der Schweiß in Strömen. Hätte ich diesmal nur meine Badesachen dabei, dann hätte ich nachher noch an der Nagoldtalsperre ein erfrischendes Bad nehmen können. Hatte ich aber nicht. Also weiter schwitzen.

Kloster Hirsau
Vor der Sperre hatte ich noch einen kleinen Schwenk durch den Wald gedreht und war auf das Gasthaus Kröpfmühle gestoßen. Im schattigen Biergarten konnte ich ein bisschen abkühlen und mich stärken. Danach ging es weiter zur Nagoldtalsperre. Naja, selbst mit Badesachen hätte ich mir's überlegt, das Wasser roch nicht so richtig lecker.

Meine letzte Station an diesem Abend war Horb am Neckar. In der immer noch beachtlichen Wärme schleppte ich mich die etlichen Treppen nach oben, um einen Blick über die Stadt zu haben und noch ein paar Bilder machen zu können. Die Sonne stand schon tief, als ich wieder zu meinem Zelt zurückkam.
Jetzt noch rasch duschen, ein bisschen was essen und dann in den Schlafsack kriechen.

Horb am Neckar
Die Nacht war dann nicht ganz so erholsam, weil irgendetwas an meiner Mülltüte, die vor dem Zelt
lag herumraschelte und dann noch meinen Aluteekessel umwarf. Selbst ein "kssscht" hat nicht viel geholfen. Ich schätze mal, dass es ein Igel war, der sich an der leeren Brötchentüte zu schaffen machte. Außer ein paar Krümeln wird er nichts gefunden haben.

Fortsetzung folgt...


Sonntag, 4. August 2013

Unterwegs mit Bike und Zelt - Wolftal Nordschwarzwald

Allerheiligen
Wie ich schon angekündigt hatte, wollte ich diese Saison den Nordschwarzwald genauer erkunden. Nach dem wunderbaren (und auf der Höhe auch kühlen) letzten Wochenende mit Mann und Bus, Baden im Wasserfall Allerheiligen, im Sankenbachsee, einer gewittrigen Übernachtung an der Schwarzenbachtalsperre und Wolkenbruch auf dem Rückweg am Mummelsee war es dieses Wochenende an der Zeit, mal wieder das Bike zu satteln und loszuziehen.

Da gerade überall Hochsaison ist, habe ich vorsichtshalber meinen potenziellen Übernachtungsort angeschrieben. Ich hatte mir den Campingplatz "Alisehof" im Wolftal bei Schapbach ausgesucht. Die Fotos und die Lage hatten mich überzeugt. Die Antwort kam fix, ich sollte einfach vorbeikommen.

Also am Freitag nach der Arbeit erstmal etwas abwarten, bis die schlimmste Brathitze vorbei war. Dann das Bike bepacken und los geht's.

Spuren im Matsch
Da ich seit der letzten Tankfüllung nur zwei kleinere Touren gefahren war und mich auf meine Tankanzeige (3,2 Liter Reserve = ca. 70km bei gemässigter Fahrweise) immer verlassen konnte, fuhr ich ungetankt los. Sobald ich die Höhe Richtung Thurner halbwegs erklommen hatte, wurde es schon etwas kühler. Richtung Furtwangen und Triberg war es im Schatten richtig schön kühl.

So gondelte ich fröhlich vor mich hin, genoss den Fahrtwind und die Landschaft. Vorbei an der "Weltgrößten Kuckucksuhr", vorbei an diversen Tankstellen. Na, irgendwann wird das gelbe Lichtlein schon leuchten.

Als ich von der Höhe langsam runter Richtung Kinzigtal fuhr, hätte man sich wunderbar eine Föhnfrisur auf dem Bike machen können. Der Wind war heiß, glühend der Asphalt, heiß war's unterm Helm. Also mal anhalten und bisschen Wasser trinken, weiter.
Ah, da vorne kommt schon das Schild Oberwolfach.

Plötzlich fängt die Maschine an zu rucken.
Einmal, zweimal... ich gebe Gas... nichts passiert... nur die Öllampe leuchtet auf.
Öl? Kann nicht sein! Ich habe nur am Anfang einmal Öl nachfüllen müssen, außerdem war die Maschine gerade erst beim Kundendienst.
Was ist nur los...?
Blöderweise bleibe ich in der Glutsonne mitten auf einer Brücke stehen.
Zum Glück jedoch nicht im Tunnel 100 m weiter vorne, die Straße ist stark befahren, vor allem von LKWs.

Naja, gut, wofür hat man einen Schutzbrief.
Schnell die Karte von der Versicherung rausgekramt. "Die Rufnummer hat sich geändert... Bitte wählen Sie..." Ok, dann versuchen wir eben fix die Nummer vom ADAC. "Ihr Guthaben reicht nicht aus..." Hä? Hab ich doch auch gerade aufgeladen. Definitiv noch Guthaben drauf. (Wie ich erst später merke, ist das Netz dort schlecht bis nicht vorhanden.)
Blick von der Otmarshütte

Also, Stift rauswühlen, neue Nummer der Versicherung notieren.
Die Sonne brennt gnadenlos.
An mir donnern etliche LKWs vorbei.
Zum Glück habe ich eine Warnblinkanlage an meinem Motorrad.

Während ich noch nach dem Stift krame, hält ein Motorradfahrer an.


"Kein Sprit mehr?"
"Ich weiß nicht, sie hat Öl angezeigt."
"Dann wird's wohl Öl sein."
"Kann nicht sein, sie war gerade erst im Kundendienst. Aber ich schaue mal wegen dem Sprit, sie hat nichts angezeigt."

Tank auf.
Gähnende Leere.

"Ist mir auch schon passiert. Ich bin auch so ein Reserverfahrer, deshalb haben mir meine Freunde diesen Kanister geschenkt. Da passen 2 Liter rein."

Ich wühle einen 5-Euro-Schein aus dem Geldbeutel, während der andere Fahrer den Sprit in meinen Tank kippt.

Rundblick von der Hirsch-Hütte
Ich starte die Maschine.
Nix.
Nochmal.
Mit dem gewohnten Bellen springt der Motor an.

"Sie haben mir wirklich den Tag gerettet! Ich kaufe mir jetzt auch so einen Kanister."


Ich winke zum Abschied und bin dem anderen Fahrer endlos dankbar, es gibt sie also wirklich, die Solidarität unter Motorradfahrern. Falls Sie das lesen sollten: Ich kaufe mir nächste Woche gleich so einen Kanister und der nächste liegengebliebene Fahrer kriegt den Sprit von mir!

Überglücklich und dankbar steuere ich Oberwolfach an und die nächste Tankstelle ist mein! Jetzt kann das Wochenende unbeschwert beginnen.

Hirsch-Hütte
Ich fahre auf den Parkplatz vom Alisehof und gehe zur Anmeldung. Es sieht schon von außen alles sehr nett und familiär aus. Vor mir ist eine stark geschminkte Dame um die 60, die wohl mit ihrem Campingbus gekommen ist.  Bzw. ist vermutlich der Mann gefahren und sie kümmert sich jetzt um das Administrative.

"Also, ich hätte gerne einen schattigen Platz, und keine Kinder und keine Holländer. Ich habe nichts gegen die, aber trotzdem..." Ich verdrehe innerlich die Augen, während ich meine Anmeldung ausfülle.

Ronald vom Alisehof zeigt mir jetzt meinen Platz, schattig und ruhig, direkt am Bach und zwischen lauter Dauercampern. Hier lässt es sich aushalten. Ich schlage mein Zelt auf, ziehe mich um und gehe zum zahlen nach unten, reserviere meine Brötchen für Samstag und Sonntag. Danach gehe ich unter die Dusche, meine Klamotten sind völlig verschwitzt, selbst hier hat es noch deutlich über 30 Grad. Es ist alles sehr heimelig und sauber, man hat nicht diese komischen "Nurvonoben"-Duschen, mit denen man irgendwie nie richtig sauber wird, sondern es gibt eine anständige Schlauchdusche und alles ist tipptopp sauber.

Glaswaldsee
Frisch gewaschen trage ich mein Abendessen zu einem Tisch und mache es mir gemütlich. Danach noch ein kleiner Spaziergang Richtung Schapbach. Leider sind die Mücken und Bremsen sehr gefräßig, was mich davor abhält, längere Streifzüge durch den Wald zu machen. Allmählich wird es auch dunkel.

Ich lege mich erst so in die Wiese vor meinem Zelt, dann hole ich meine Isomatte raus. Irgendwann auch noch den Schlafsack. Fledermäuse kommen in der Dämmerung hervor, um Insekten zu jagen. Es kommen immer mehr Sterne raus und ich merke, wie mir die Augen zufallen. Ich krieche ins Zelt.

Was ist denn DAS? Lauter komische fadenscheinig wirkende Stellen an der Zeltwand.
Mein müdes Gehirn braucht einen Moment, bis es zu der Schlussfolgerung kommt, dass das keine fadenscheinigen Stellen sind, sondern Glühwürmchen. Etliche glühende Punkte und glühende Inseln leuchten auf meinem Zelt. Das letzte Mal habe ich als Kind welche gesehen. Wie schön!

Nach einer nicht so bequemen und unruhigen Nacht (Merke: bei einer selbstaufblasenden Matte immer das "deflate"-Ventil richtig schließen!) wache ich am Samstag etwas gerädert auf. Die Sonne vertreibt jedoch die Müdigkeit und gestärkt ziehe ich nach dem Frühstück los in Richtung Glaswaldsee.

Glaswaldsee
7,5 km, Pipifax! Beherzt stürme ich die erste Anhöhe hoch. Nach ungefähr 20 Minuten beginnt mir der Schweiß herunterzulaufen. Es ist wirklich heiß. Um nicht zu sagen, sehr heiß. Und der Weg ist verdammt steil. Je weiter es nach oben geht, desto steiler wird es und desto mehr schwitze ich. Ich bleibe immer wieder stehen, um zu trinken und zu verschnaufen, die aufdringlichen Mücken und Bremsen halten mich allerdings auf Trab. Als ich nach gefühlten 5 Kilometern endlich am Waldrand eine Bank sehe, lasse ich mich erstmal drauf fallen. Hier habe ich jetzt auch wieder Netz und die Welt empfängt mich mit etlichen besorgten SMS und einer Nachricht auf der Mailbox. Ja, ich lebe noch und nein, das Bike ist nicht kaputt.

Ich genieße die Aussicht auf eine ungemähte Bergwiese mit etlichen Schmetterlingen. So viele Schmetterlinge, wie an diesem Wochenende, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Auf jeder Blume scheint einer zu sitzen. Die meisten sind Tagpfauenaugen, der eine oder andere Admiral und der eine oder andere Braune Waldvogel ist auch dabei. Hier weht jetzt ein angenehmer Wind und ich hoffe, dass ich das meiste der Höhe jetzt hinter mir habe. Ich laufe ein Stück weiter hoch und komme zur Otmarhütte. Dort kann ich meine Wasserflasche füllen und habe einen ersten wunderschönen Blick ins Tal.

Noch 6 Kilometer bis zum See! Das kann ja fast nicht sein... Der Weg geht jetzt wieder durch den Wald
Hässlich, aber bequem!
und ist weniger steil. Irgendwann wird es etwas unwegsamer. Ich nasche Himbeeren von den Büschen am Weg und krame bei der nächsten Gelegenheit meine Sonnencreme hervor. Inzwischen bin ich patschnass geschwitzt und muss mich erstmal trocknen, bevor sich Sonnencreme und Schweiß zu einer schmierigen Schicht auf meiner Haut vermischen können. Hier sind die Insekten nicht ganz so gefräßig und ich kaue auf einer Scheibe Brot herum, während ich mir mit der Motorradkarte Kühlung zufächle.

Weit geht's in der Sonne. An einer Wegkreuzung ist auf einmal meine gelbe Raute weg. Es gibt jetzt eine blaue. Ich laufe eine Stück weiter hoch, weil dort eine kleine Hütte steht und hoffe auf einen Wegweiser. Es gibt keinen, dafür aber eine phantastische Aussicht und ein bisschen Schatten.

Ich entscheide mich, nach unten zu laufen und meinem Gefühl zu folgen, in welche Richtung der See liegen müsste. Die mühsam erklommenen Höhenmeter (bei der Hütte waren es 910 m) geht es jetzt wieder runter. Ich beschließe, keinesweg wieder nach oben zu gehen, auch wenn das der falsche Weg ist. Naja, der See liegt ja unten in einer Senke, wird schon stimmen.

Glaswaldsee
Es geht durch den kühlen Wald und irgendwann treffe ich tatsächlich einen Mann, der seinen Holzstapel auffüllt und frage nach dem Glaswaldsee. Es ist tatsächlich der richtige Weg (ha!) und ich bin nur noch einen knappen Kilometer entfernt. Allmählich wird der Weg belebter, in den 2 Stunden vorher hatte ich praktisch niemanden getroffen.

Die letzten Meter zum See geht es dann wieder steil nach oben, ich schwitze wie ein Tier und spüre jetzt auch mein "schlechtes" Bein. Vor einem Jahr hatte ich vermutlich einen Bandscheibenvorfall und seitdem hinke ich links, mal mehr mal weniger stark. Längere Wanderungen mit Gepäck sind seitdem nur mit Stöcken möglich. Ich hasse das Geräusch, das sie auf Asphalt machen, aber sie erleichtern mir das Gehen sehr und ich lasse mir das Wandern nicht von so einem Mist verderben!

Ich komme an der Staumauer am See an, hier ist einiges los. Obwohl offiziell Baden verboten ist, suchen hier etliche Leute Erfrischung. Ich suche mir ein schattiges Plätzchen und genieße den Blick auf den See.

Der Glaswaldsee ist ein Karsee und ist einer der ersten Schwarzwaldseen, die trigonometrisch vermessen und kartiert wurden. Der Glaswald hat seinen Namen von den Glasflaschen, die hier früher für das Heilwasser aus Bad Peterstal hergestellt wurden.

Dicke Libellen brummen um mich herum. Leider gelingt es mir nie, ein gescheites Foto zu machen, da sie immer dann, wenn ich die Kamera in der Hand habe, eilig hin- und herflitzen. Sobald ich die Kamera ausmache und weglege, kommt garantiert wieder eine vorbei, um eine gefühlte Minute vor mir herumzuschweben. Die Viecher machen sich lustig über mich, da bin ich sicher! Ihr Geräusch ist wirklich beeindruckend und wenn zwei von ihnen sich jagen und ihre Flügel sich berühren, scheppert es richtig. Im Wasser schwimmt eine Schlange vorbei, vermutlich eine Ringelnatter, sie ist zu weit weg und zu schnell, um genaue Merkmale zu erkennen.

Libelle macht sich lustig!
Ich gehe einmal um den See herum und beginne mit dem Blick auf die Wettervorhersage meinen Abstieg ins Tal. War es noch schön kühl, fast schon frisch am See, glüht die Sonne jetzt umso unbarmherziger herunter. Ich bin dankbar um jeden Schatten. Der Bach neben der Straße sieht sehr verlockend aus und an einer Stelle halte ich dann auch mal die Füße hinein. Bald bin ich im Tal und auf dem Wolftalweg, der zum Glück fast nur im Schatten verläuft. Auf einer Bank mache ich nochmals Halt und ruhe mich etwas aus. Diese Wanderung war doch anstrengender, als gedacht!

Auf dem Campingplatz ist heute Sommerfest mit Bewirtung und Musik, mir ist aber eher nach Ruhe.
Wolftal
Nach der Dusche laufe ich nochmal ein Stück Richtung Schapbach, heute Abend sind die Mücken nicht ganz so nervig, aber ich bin furchtbar müde, mir fallen fast die Augen zu. Noch bevor es ganz dunkel ist, bin ich schon im Zelt und versuche zu schlafen. Ich träume lauter wirres Zeug und wache am Sonntag recht früh auf. 7 Uhr! Bah! Da schlafe ich  noch eine Runde!

Irgendwann treibt es mich doch aus dem Zelt, ich hole meine Brötchentüte ab und setze mich heute zum Frühstücken aufs Motorrad. Die Wiese ist nass von Tau, ebenso mein Zelt. Eigentlich wollte ich noch Richtung Freudenstadt, aber die Schwüle und die dunklen Wolken treiben mich nach Hause. Kurz vor Waldkirch komme ich dann tatsächlich ins Gewitter, fahre aber beherzt nach Hause, denn da schaut es schon nach Sonne aus.

Das war mal wieder ein tolles Wochenende!
Jetzt muss ich erstmal Schlaf nachholen.