Samstag, 22. Juni 2013

Best of Lieblingsplätze

Infarno Allerheiligen
Ich bin ein bisschen blogfaul geworden, was aber auch daran liegt, dass ich dieses Jahr wetterbedingt nicht so viele neue Touren fahren konnte. Wenn es denn mal schön war, habe ich alte Lieblingsplätze besucht, und wollte Euch nicht mit den ewig gleichen Touren langweilen.

Inzwischen habe ich einge (etliche) Lieblingsplätze und -touren, die öfter mal jenseits der "üblichen" Motorradstrecken liegen. Ich mag am Wochenende nicht die Straße mit Wohnmobilen und Rudeln anderer Fahrer teilen, deshalb suche ich mir hier andere Strecken aus. Erst heute habe ich zufällig ein paar neue Ecken entdeckt und bin auf dem Rückweg zum 2. Mal eine andere Strecke nach Freiburg runtergefahren, als ich sonst fahre. Anstatt den üblichen Weg über St. Märgen und St. Peter bin ich heute über Wagensteig und Buchenbach (L128) gefahren. Diese Strecke hatte ich am Anfang meiner Motorradkarriere einmal probiert, als "miserabel" abgehakt und danach gemieden.

Wasserfälle Allerheiligen
Vor einigen Wochen bin ich jedoch mit dem Auto dort runtergefahren und fand es wunderschön. Genauer gesagt wurde ich gefahren, denn meine Autofahrkünste sind nach 27 Jahren Pause und einer kleinen Übungsrunde am Ostersonntag noch lange nicht straßentauglich. Ich fühle mich nach wie vor auf 2 Rädern wesentlich sicherer, als auf vier. Miserabel ist die Straße aber immer noch und beim runterfahren tat mir meine Kupplungshand sehr weh. Ich merke, dass ich dieses Jahr wirklich noch nicht so viel gefahren bin... ok, so an die 6.000 km ;-)

Meine letzten Touren führten mich unter anderem zu den Wasserfällen Allerheiligen. Ich habe immer noch das Gefühl, dass das ein totaler Geheimtipp ist, inzwischen war ich drei- oder viermal dort, und jedes Mal war es mehr oder weniger menschenleer. Die Tour damals war einige Tage nach den verheerenden Niederschlägen, von denen man in erster Linie in der Ebene etwas sehen konnte. Es sah aus, als ob auf den Feldern Reis angebaut würde.

Sasbachwalden
Der Weg hoch zu den Wasserfällen sah aus wie immer. An ein paar Stellen konnte man sehen, dass recht viel Wasser den Berg heruntergekommen war, aber im Tal sah es wesentlich schlimmer aus. Noch die Warnung "Fahr vorsichtig, es kann Schlamm und Geröll auf den Straßen liegen!" war ich erstaunt, dass außer ein paar Steinkrümeln hier und da nichts schlimmeres los war.

Entweder war es dort wirklich nicht so dicke gekommen, oder alle Schäden waren schon weggeräumt. Jedenfalls war der Tag perfekt um ihn auf dem Motorrad zu genießen. An den Wasserfällen saß ich ganz oben auf einer Bank und schaute lange in das unglaubliche Grün der Blätter und Farne.

Sasbachwalden
Auf dem Rückweg machte ich dann noch einen Schlenker nach Sasbachwalden. Da war ich auch schon oft auf dem Rückweg durchgefahren, hatte mir aber bis jetzt nicht die Zeit genommen, das Fachwerkdorf genauer anzusehen. Sasbachwalden nennt sich zu Recht das "Blumen- und Weindorf", neben und vor den hübschen Fachwerkhäusern sind jede Menge liebevoll angelegte Blumengärten, die an diesem Tag in voller Blüte standen. Heiß war es an diesem Abend auch, man hatte das erste Mal das Gefühl, dass der Sommer endlich da ist. Eine der seltenen Touren, wo ich unter der Kombi geschwitzt habe.

Das wechselhafte Wetter hielt mich dann erst wieder einige Tage vom fahren ab. Als eine der nächsten "Mal-eben-schnell"-Touren vor dem abendlichen Spanischkurs war ein Ausflug zur Linachtalsperre. Letztes Jahr im Juni hatte dort alles wunderschön geblüht und ich wollte mal nachsehen, wie es jetzt dort aussieht. Im späten Frühjahr war ich erstaunt gewesen, wie grau und winterlich es hier oben noch war, als in Freiburg schon alles in voller Blüte stand. Kalt war es auch gewesen.

Ich hatte mich schon darauf gefasst gemacht, dass dieses Jahr alles später dran sein würde, aber dass erst so wenig blüht, hat mich dann schon erstaunt. Am Ufer waren irgendwelche Mäh- und Aufräumarbeiten im Gange, so dass ich gar nicht so schön allein war, wie die Male vorher. Unterhalb der ehemaligen Gaststätte gibt es jetzt einen richtig tollen Grillplatz mit Schwenkrost.

Nach einer ausgiebigen Dösrunde auf einer Bank in der Sonne ging es dann wieder Richtung Freiburg. Weil die Zeit noch nicht so knapp bemessen war, bin ich noch schnell einen Abstecher zur Hexenlochmühle gefahren, um mich dort mit Kaffee und Kuchen zu stärken.

Blick von der Hohkönigsburg
Die Mopedrunden sind immer meine "Ich-gönn-mir-was"-Runden, Kaffee oder Eis gehört dazu. Was andere Frauen in Klamotten investieren, stecke ich vermutlich in meinen Tank. Ich habe mal überlegt, was ich mir dieses Jahr an Kleidung gekauft habe: Ein zweites Paar Goretexhandschuhe. Inzwischen habe ich eine ganz schöne Sammlung, aber frau muss schließlich für jedes Wetter und jede Temperatur was passendes parat haben.

Vorletzte Woche war eine besondere Tour dran. Im gemischten Doppel (Auto vs. Moped) ging es mit einer Freundin zusammen ins Elsass zur Hohkönigsburg. Am Wochenende davor war ich mit Freunden in der Nähe vorbeigekommen, als wir auf dem Rückweg vom Sonisphere-Festival in Amnéville waren. Vor ewigen Jahren bin ich den Weg mal mit dem Fahrrad hochgefahren. Heute bin ich viel zu bequem für so etwas geworden, Fahrrad fahre ich nur noch in der Stadt, Radtouren sind mir ein Gräuel. Vermutlich habe ich davon in den 90ern eine Überdosis abbekommen.

Die Hohkönigsburg ist ein richtiges Kitschbauwerk. Sie wurde im 19. Jahrhundert nach den Vorgaben von Kaiser Wilhelm II. restauriert. Die Mauern waren nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg noch recht gut erhalten und mit einem damals einmalig großem technischen Aufwand machte man sich ans Werk.
"Das Ziel Wilhelm II.  ist nicht die Burg als kaiserliche Residenz zu restaurieren, sondern sie als Museum des deutschen Rittertums und Mittelalters zu eröffnen. In der Tat hat der Kaiser nie in der Hohkönigsburg geschlafen. Die restaurierte Burg soll aber auch ein Symbol der seit 1871 deutschen Herrschaft im Elsass werden, und die Hohenzollern als legitime Nachfolger der Hohenstaufen und der Habsburger rechtfertigen. Deshalb verfolgt der Kaiser mit Aufmerksamkeit den Fortgang der Restauration  und besichtigt einmal im Jahr die Baustelle." (offizielle Webseite der Haut-Koenigsbourg)
Col de la Schlucht
Von der Restaurierung kann man halten, was man möchte. Hübsch anzusehen ist sie auf jeden Fall und man hat (theoretisch) einen tollen Blick über die Rheinebene zum Schwarzwald. An diesem Tag war es leider recht dunstig und man sah mit etwas Phantasie gerade bis zum Kaiserstuhl. Nachdem wir unsere Runde durch die Burg gedreht und eine Kaffeepause eingelegt hatte, trennten sich unsere Wege. Ich wollte die Zeit nutzen, und noch eine Tour durch die Vogesen fahren. Der Col du Bonhomme und der Col de la Schlucht lagen auf dem Weg nach Hause.

Unterwegs war ich mal wieder froh, mehr Wechselklamotten dabei zu haben, denn es war recht bedeckt und die Temperaturen oben in den Bergen frisch. Die Vogesen sind toll, viel wilder und ursprünglicher als der Schwarzwald. Ein neuer Punkt auf meiner "To-Do-Liste" ist, ein paar Tage dort wandern zu gehen. Mal sehen, wann das reinpasst und wann das Wetter entsprechend mitspielt. Ach ja, ich habe in Frankreich extrem leckeren Joghurt entdeckt, er ist aus Schafsmilch (brébis) und unten ist Kastaniencreme... Ich sollte mal wieder über die Grenze fahren...

Blick ins Schweizer Jura
Heute war dann eine Bodenseetour dran. Selbstverständlich nicht auf dem kürzesten, sondern auf dem schönsten Weg. Anstatt über das Münstertal Richtung Süden zu fahren, nahm ich den Weg über Kandern. Da die Straße gerade gesperrt ist, bescherte mir die Umleitung einen Ausflug auf der  (immer noch miserablen) Hochblauenstraße und danach durch das Kleine Wiesental.

Eigentlich wollte ich eine ganz bestimmte Strecke fahren, landete dann jedoch in der Schweiz auf der Strecke nach Schaffhausen. Auf den Rheinfall hatte ich nicht wirklich Lust und nahm irgendwann eine Abzweigung Richtung Freiburg und dann über Tengen weiter Richtung Singen und dann nach Konstanz. Unterwegs gab es ein paar tolle Blicke Richtung Schweizer Jura. Überhaupt war bestes Motorradwetter, nicht zu warm, nicht zu kalt, blauer Himmel mit dekorativen Wolken.

Konstanzer Hafen mit Imperia
Den erhofften Alpenblick hatte ich leider nicht. Im Konstanzer Hafen konnte man die Berge durch den Dunst erahnen. Der See war ganz schön voll und durch den recht kräftigen Wind ziemlich aufgewühlt.

Nach etlichen Stunden Fahrerei und mit nur einem mäßig nahrhaften Frühstück im Bauch, war es Zeit für einen Eisbecher, den hatte ich mir verdient! Nach dem Besuch im Hafen bin ich noch etwas durch die Altstadt geschlendert, um dann den Heimweg anzutreten.

Konstanz gefällt mir immer wieder sehr gut. Ich war in den letzten Jahren oft dort, hatte sogar mal überlegt, dort hinzuziehen. Im Sommer ist es wirklich toll, aber ich wurde von mehreren Seiten gewarnt, dass im Winter dickster Nebel herrschen würde. Den haben wir in Freiburg auch, aber da kann man dann wenigstens nach oben fliehen.

Heute Nacht werde ich sicherlich wie ein Stein schlafen. Es waren gute 8 Stunden im Sattel und ungefähr 450 km. Am Ende bescherte mir die Umleitung an der B31 noch den oben erwähnten Weg nach Buchenbach. Wenn die Kupplungshand nicht so weh getan hätte, wäre es schöner gewesen. Aber ich habe ganz nebenbei noch einen anderen Weg hoch zum Thurner entdeckt, den ich demnächst nehmen werde. Jetzt hoffe ich auf schönes Wetter in den nächsten 3 Wochen, ich würde gerne übers Wochenende oder unter der Woche noch ein paar Tage am Stück mit Zelt und Moped verreisen, bevor mein neuer Job losgeht.

Jetzt bringe ich noch schnell das Moped ins Bett und dann gehe ich selber schlafen.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Ich habe keine Lust mehr...

... nein, keine Angst, ich meine nicht das Mopedfahren. Ohne das bin ich nur ein halber Mensch und mir wird jetzt schon weh ums Herz, wenn ich daran denke, dass das kleine Mopedherz meiner Maschine irgendwann nicht mehr schlagen wird.

Heute geht es um etwas anderes, das rein gar nichts damit zu tun hat, ich mir aber dennoch von der Seele schreiben will.

Ich habe nämlich keine Lust mehr auf den "Arbeitsmarkt".
Heute kam die x-te Absage für einen Job, ich suche seit über einem Jahr eine Stelle, die es mir ermöglicht, selbständig zu sein.

Ja, ihr lest richtig.
Eine Stelle, die es mir ermöglicht, mir die Selbständigkeit zu leisten.
Und auszubauen.
Selbständig sein ist nämlich teuer.
Ich möchte hier aber gar nicht darüber jammern.
Nein.
Im Gegenteil.
Die Absage heute hat mir den letzten Kick gegeben, den ich brauche. Ab jetzt geht es nur noch um mich!

Ich werde KEINE EINZIGE Bewerbung mehr schreiben und mein Hirnschmalz und meine Arbeitskraft nur noch mir selbst zur Verfügung stellen.

Na, und Euch, in Form meiner Produkte und Dienstleistungen.

Ich habe keine Lust mehr, mir anhören zu müssen, dass ich überqualifiziert bin.
Ich habe keine Lust mehr, mich zu rechtfertigen, warum ich mich auf Stelle X beworben habe (für die ich überqualifiziert bin...).
Ich habe keine Lust mehr, nicht einmal eine automatisierte E-Mail als Eingangsbestätigung meiner Unterlagen zu bekommen und dafür meine Daten in ein schwarzes Mail-Nirvana zu schicken.
Ich habe keine Lust mehr, mich den ewig gleichen Fragen nach meinen Stärken und Schwächen zu stellen.
Ich habe keine Lust mehr, aus dem Raster zu fallen, weil ich 47 und damit quasi schon geistig behindert bin.
Ich habe keine Lust mehr, ein braves, funktionierendes Mitglied dieser Gesellschaft zu sein.

Nein, darauf habe ich keine Lust mehr.

Arbeitsmarkt, ich pfeife auf Dich!

P.S: Demnächst gibt's auch mal wieder ein paar kleinere Tourberichte und Anekdoten.