Freitag, 31. Mai 2013

Tour de France (et d'Espagne) - Teil 3

13.5.2013 Sort - Valle d'Aran

Heute sollte es mal etwas gemütlicher werden nach den Strapazen der letzten Tage. Ich hatte mir eine Tour durch das Valle d'Aran vorgenommen.

Bei strahlendem Sonnenschein und mit einem anständigen Frühstück im Bauch ging es los auf der C13 Richtung Vielha. Das Tal ist weit und lieblich, man kann gemütlich vor sich hintrödeln, anhalten, Fotos machen und ich konnte die Sonne genießen. In den 2 Tagen nach/in Sort hatte ich das beste Wetter auf der gesamten Tour. Hier war es sonnig, angenehm warm und vor allem trocken.

Allerdings hatte ich am Morgen erfahren, dass sich
Auf dem Weg auf den Port de la Bonaigua
ein Wetterwechsel anbahnen würde, es sollte bis auf 1500 m schneien, gewittern und überhaupt ungemütlich werden. Meine ursprünglichen Pläne, weiter Richtung Ordessa und Monte Perdido zu fahren und vielleicht noch auf dem Weg nach unten einen der Pässe in Andorra mitzunehmen, waren somit gestorben. Jetzt aber konnte ich erst einmal die großartige Landschaft und das wunderbare Wetter genießen. Die Straße ist in gutem Zustand und führt aus dem Tal über einige Serpentinen hoch zum  Port de la Bonaigua. Der Port de la Bonaigua ist mit 2072 m der höchste Pass Kataloniens. Der Bonaigua verbindet das Val d’Aran mit dem Pallars Sobirà, er ist einer der wenigen apshaltierten Übergänge Spaniens, die oberhalb von 2000 m liegen. 

Hier oben lag auch noch Schnee und die Temperaturen waren deutlich frischer. Außer einer kleinen Gruppe französischer Motorradfahrer war praktisch kein Mensch unterwegs auf der Straße. Mein Motorrad hat hier zum ersten Mal Schnee gesehen, die Straßen waren zwar frei, aber links und rechts lag doch noch einiges. Es ist überwältigend, in dieser Landschaft zu stehen. Auch die Wechsel zwischen Frühling/Sommer im Tal und quasi noch Winter auf dem Berg hinterlassen einen tiefen Eindruck.

Bis Vielha ließ ich mir Zeit mit meiner Tour. Ich folgte der Straße weiter bis Pont de Suert. Im Lauf der Zeit kamen mir Zweifel. Hatte ich das wirklich richtig verstanden, dass der Wetterwechsel morgen sein würde? Sollte es nicht vielmehr heute nachmittag schon gewittern und regnen? Ich war mir nicht mehr sicher. Nun gut, heute sollte es ja nur eine kleine Tour werden und ich würde relativ rasch wieder in meiner Unterkunft sein. In Pont de Suert sah ich dann von allen Seiten dickere Wolken heranrauschen, die an den Berghängen aufquollen. Im Schwarzwald verheißen solche Wolken nichts Gutes, nämlich Gewitter.

Endlich wieder draußen aus dem Tunnel!
Es gab also nur eine Möglichkeit: fahren! Da ich das Wetter gar nicht einschätzen konnte, habe ich mich im 2. Teil der Tour leider sehr beeilt und bin wenig stehengeblieben, um Bilder zu machen. Hinter Vielha hatte ich noch ein leicht klaustrophobisches Tunelerlebnis. Die Straße führt hier durch den Tunel de Vielha, der über 5 km lang ist. Ich hatte darüber schon gelesen.

Nach ca. der Hälfte der Strecke hatte ich das Gefühl, dass der Tunnel noch endlos weitergeht und ich nie wieder ans Tageslicht kommen würde. Irgendwie musste ich an die Geschichte "Der Tunnel" von Dürrenmatt denken, in der ein Zug ins Nichts rast. Nach endlosen Minuten tauchte dann doch das berühmte Licht am Ende des Tunnels auf und ich war wieder draußen. Heute bin ich wirklich froh, dass ich solche Erlebnisse nicht mehr mit dem Fahrrad habe. 1995 fuhr ich durch einen unbeleuchteten Tunnel in der Nähe des Iseo-Sees, zudem noch bergauf. Mit den Fahrradfunzeln sieht man in so einem Tunnel gar nichts, wir waren immer froh, wenn jemand entgegenkam, und man zumindest die nächsten 50 m sehen konnte.

 Nachdem ich in meiner Unterkunft wieder angekommen war, fragte ich nochmal nach, ob es nötig sei, heute schon nach unten zu fahren, oder erst morgen. Mir wurde versichert, dass es morgen reichen würde. Die Wolken brachten tatsächlich keinen Regen, und nach kurzem Nachdenken packte ich mich mitsamt meinem Buch in den Garten und ließ mir den restlichen Tag die Sonne auf den Pelz scheinen.

14.5.2013 Sort - Collioures

Adiós montaña! 
Am Morgen begrüßte mich wieder die Sonne und es tat mir schon leid, die Berge verlassen zu müssen. Der erste Teil meiner Tour führte mich auf der gleichen Straße, wie bei der Anreise nach La Seu d'Urgell. Unterwegs konnte ich an dem einen großartigen Aussichtspunkt an der N260 schon sehen, dass die Luft nun deutlich feuchter geworden war. Vor 2 Tagen hatte man hier noch großartige Fernsicht, heute waren die weiter entfernten Berge bereits leicht verschleiert. Es war jedoch immer noch angenehm warm und sonnig und ich genoß, im trockenen und ohne dicke Schichten zu fahren.

Auf dem Rückweg nach La Seu d'Urgell fuhr ich wieder durch das wunderschöne Hochtal und konnte an einem Aussichtspunkt auf einer Übersichtstafel nachlesen, welche Vögel sich in der Gegend tummeln. Zuvor hatte ich an einer Stelle einige sehr große Vögel gesehen, das mussten dann wohl Geier sein.

Von La Seu d'Urgell folgte ich der Straße in Richtung Alp, um dort über die N260 und N152 über Ribes de Freser nach Ripoll zu gelangen. Die kleinen Bergstraßen sind fantastisch!

Leider begann sich das Wetter nun recht rasch zu verschlechtern und mit dem Gedanken an Gewitter unterwegs mitten in der Pampa hielt ich meine Stopps kurz. Irgendwann auf der Höhe begann es dann auch zu tröpfeln. Mein Plan war in Hoffnung auf besseres Wetter, an die Küste zu fahren und etwas Zeit am Meer zu verbringen.

In Ripoll begann es dann auch zu regnen und ich
Da hinten ist das Mittelmeer. Vielleicht.
überlegte kurz, ob ich dort bleiben, oder weiterfahren sollte. Als Option für den nächsten Tag hätte sich dann z. B. ein Ausflug nach Figueras ins Dalí-Museum angeboten. Allerdings fand ich die Vorstellung auch nicht so reizvoll, dort tropfnass anzukommen. Ich entschied mich dafür, weiter in Richtung Meer zu fahren. Das Wetter sah von weitem nicht gerade vielversprechend aus, aber immerhin war es einige Grade wärmer, als in Frankreich. Außerdem würde ich an der Küste sicherlich einfach ein Hostel oder eine andere preiswerte Unterkunft finden.

In Roses schaute ich mich zum ersten Mal nach einer Unterkunft um, fand den Ort aber nicht so
prickelnd und fuhr weiter auf einer kleinen Landstraße in Richtung Cadaqués. Die Straße war wunderschön und bei gutem Wetter hätte man sicherlich schöne Ausblicke gehabt. Allerdings wurde ich langsam müde, meine Hände fingen an weh zu tun und ich wollte mich endlich ausruhen. Nach einer kurzen Runde durch Cadaquéz ging es aber erstmal weiter an der Küste entlang Richtung französische Grenze.

Küstenstraße N260 Richtung Frankreich/Cebére
Langsam wurde es wieder etwas trockener und die Sonne zeigte sich hier und da. In Port de la Selva sah ich direkt am Meer ein Hostel. DAS ist es, dachte ich mir und fuhr in die Einfahrt. Leider kam mir gleich eine ältere Dame entgegen, die mir mitteilte, dass das Hostel erst am 26. öffnen würde. Also ging es weiter. Die Küstenstraße ist wirklich sehr schön, größtenteils auch gut befahrbar und man hat immer wieder Ausblicke auf das Meer. Leider wurde ich immer müder und sehnte mich nach Entspannung. Ich fuhr in mehrere Orte, die teilweise halbverlassen wirkten. Hotels und Hostels gab es hier genug, ja, nur hatten alle geschlossen.

Hafen von Collioure
Ich ärgerte mich schon ein wenig, dass ich die Straße nicht so richtig genießen konnte, weil mir inzwischen alles mögliche weh tat und ich immer müder wurde. In Collioure wurde ich dann endlich fündig, in einem Hotel direkt am Meer. Preiswert war das nicht, müssen wohl die Meerkosten gewesen sein.

Jedenfalls war der Ort hübsch und ich konnte nach der üblichen Dusche noch ein bisschen am Wasser spazierengehen. In Collioure wehte allerdings ein derart starker Wind, dass ich bei der Fahrt in den Ort schon ein paar Mal von Böen beiseite gedrückt wurde und das Motorrad sehr gut im Griff halten musste. Unten im Ort war der Wind so stark, dass ich tatsächlich Bedenken hatte, dass mein Motorrad am nächsten Morgen noch stehen würde.

Collioure bei Nacht
Collioure ist ein altes Fischerdorf mit zwei durch eine alte Königsburg getrennte Hafenbuchten, begrenzt durch seine weit ins Meer vorgeschobene malerische Wehrkirche, deren Turm früher ein Leuchtturm war. Bis zum Sonnenuntergang genoss ich die Stimmung und die Farben am Meer.

Auf dem Dach neben meinem Zimmer lachten die Möven und von unten roch es nach gebratenem Fisch. Mein letzter Blick an diesem Abend galt meinem Motorrad und dem französischen Wetterbericht.



15.5.2013 Collioure - Lodève

Collioure am morgen
Angesichts des miserablen Wetterberichts (Regen hier, Regen da und auch dort: Regen) beschloss ich schweren Herzens, den Pyrenäen komplett den Rücken zu kehren und mich langsam wieder in Richtung Heimat zu begeben. Allerdings wollte ich flexibel handhaben, was mein jeweiliges Tagesziel sein sollte und einen Versuch wollte ich noch wagen, falls das Wetter sich doch positiv entwickeln sollte.

Von Collioure ging es erst einmal Richtung Amélie-les-Bains. Falls es doch besser werden sollte, könnte ich wieder hoch in die Berge fahren, falls es schlechter würde, würde ich runter fahren.

Da das Wetter weiterhin nichts Gutes verhieß, beschloss ich, den Weg nach Norden anzutreten. In Amélie-les-Bains lockte eine kleine Landstraße zu einem Ausflug.

Die D618 zieht sich am Berghang entlang durch viele kleine und kleinste Kurven. Schnell vorankommen kann man hier nicht, aber ich war weitgehend allein. Leider regnete es immer wieder und war auch ziemlich frisch. Einige der kleinen Orte, durch die ich kam, wirkten so, als ob die Menschen dort nur ihre Ferienhäuser oder -wohunungen halten. Alles ist recht idyllisch, aber menschenleer.

Bis Estagel folgte ich der kleinen Straße. Gegen Ende begegnete ich noch ein paar Transportern und einigen Rennradfahrern, die auf dieser abgelegenen Strecke trainierten. Man hatte immer wieder Ausblick auf die Berge und irgendwann stand eine Ziegenherde mitten auf der Straße. Zeit, eine kurze Pause zu machen, und den Tieren beim grasen zuzusehen.

Hinter Estagel ging es über Ille-sur-Têt weiter durch die Corbières, die Vorgebirge der Pyrenäen.
In den Corbières wird viel Wein angebaut und die Landschaft ist nun eher lieblich-hügelig. Viel los war hier auch nicht und ich konnte die Landschaft im
Irgendwo in den Corbières
trockenen genießen. Allerdings wurde die Fahrerei auf diesen kleinen und kleinsten Straßen irgendwann anstrengend, die Hände begannen wieder zu schmerzen und so langsam wurde es Zeit, sich Gedanken über das Tagesziel zu machen. Hinter Portel-les-Corbières wechselte ich auf eine größere Nationalstraße Richtung Narbonne und dann weiter nach Béziers.

In Béziers verfuhr ich mich erst einmal, bis ich die richtige Straße fand. Ich mag das Gewühle in den Städten nicht, finde es immer anstrengend, mich auf den Verkehr und meine Streckenführung zu konzentieren. Derzeit denke ich ernsthafter über ein Motorrad-Navi nach. Meistens finde ich meine Strecke auf Anhieb, aber manchmal habe ich schon die eine oder andere Runde gedreht, die überflüssig war. Zum Glück gibt es in Frankreich viele Kreisverkehre, so dass man meist recht schnell wieder umdrehen kann.

Regen dräut schon wieder
So langsam wurde es wieder feucht und feuchter und ich beschloss, Lodéve zu meinem heutigen Ziel zu machen. Der Ort sah einigermaßen groß aus und lag nah an den Cevennen, so dass ich am nächsten Tag - je nach Wetter - entweder wieder in die Berge, oder weiter Richtung Freiburg fahren könnte. Bis ich in Lodève ankam, war der Regen stärker geworden . Nach einer Runde durch den Ort fand ich dann ein Zimmer im Hotel Creux Blanche.

Ich war in einigen Hotels, wo man sehen konnte, dass dort nichts los ist, so auch hier. Dennoch wurde nach meiner Frage nach einem Zimmer in fast jedem Hotel erstmal so getan, als ob man gucken müsste, ob noch etwas frei wäre. Es wurde in Büchern geblättert, gefragt, ob ich reserviert hätte, oder die (vielen) Schlüssel angeschaut, als ob das Brett leer wäre. Während meiner Tour habe ich mich  bei den meisten Hotels gefragt, wie und ob sie sich überhaupt rentieren bzw. ob es reicht, dass sie während der Sommermonate vielleicht ausgebucht sind.

Immerhin konnte mein Motorrad hier trocken stehen, das Zimmer war groß und die Dusche heiß. Das Bad erinnerte mich allerdings an die Beamstation der alten Star-Trek-Serie. Es kam aber trotzdem nur Wasser raus. In Lodève habe ich mir dann im Fernsehen einen schmalzigen Film mit Gerard Depardieu angeschaut, bei dem man nicht so viele verstehen musste. Außerdem kamen 2 Folgen Simpsons, die auf Französisch auch sehr lustig waren. Nach diesem Kulturprogramm und dem Blick auf die Wettervorhersage (Regen, Regen, und zur Abwechslung wieder: Regen) schlief ich tief und fest.

16.5.2013 Lodève - Florac

Als ich am nächsten Tag aufstand, war es - oh Wunder - trocken und sonnig draußen. Damit stand fest, dass ich noch eine Runde durch die Berge drehen würde. In Lodève fand ich eine vermeintlich richtige Straße, als ich dem Schild "Le Puech" folgte. Kleine und kleinste Sträßchen zogen sich hier den Berg hoch, ich fuhr einfach nach Intuition und nach dem Motto "Irgendwann kommt immer eine größere Straße".

In einem Weiler sprang mir ein kläffender Hund vor das Motorrad. Ich hatte die schon ganz vergessen. Auf meinen Fahrradtouren durch Frankreich waren diese gelangweilten Hofhunde eine richtige Pest gewesen.

Während ich mit dem Motorrad recht fix vorbeifahren kann und ja im Zweifelsfalls relativ biss-sicher geschützt bin, ist man auf dem Rad komplett ausgeliefert. Nicht nur ist man langsam, sondern man hat nackte Beine, die sich als Hundefrühstück oder -mittagessen geradezu anbieten. Damals ist uns nie etwas schlimmes passiert, allerdings hat ein Hund auf der Tour durch Irland eine Packtasche zerbissen, die wir dann notdürftig flicken mussten. Diesmal bin ich einfach nur erschrocken, und dann schnell an dem Köter vorbeigefahren. Weitere Begegnungen dieser Art blieben mir zum Glück erspart.

Irgendwann im Lauf meiner Tour wurde mir klar, dass ich in die falsche Richtung fuhr. Da heute die Sonne wunderbar schien, war mir das egal. Die Fahrerei auf diesen Ministraßen, die kleine und kleinste Weiler miteinander verbinden, bescherte mir viele unglaublich schöne Ausblicke, unter anderem auf den Lac du Salagou. Ich beschloss, heute so lange wie möglich in den Bergen herumzufahren und die Landschaft zu genießen. Irgendwann landete ich auf der Straße nach Bédarieux und fuhr von dort weiter Richtung Clermont-l'Hérault.

Irgendwo in den Cevennen 
Mein heutiges Tagesziel sollte Florac in den Cevennen werden. Natürlich wollte ich soviel Landschaft, wie möglich am Wegesrand "mitnehmen" und hielt mich weitgehend auf den kleinen und kleinsten Nebenstraßen. In Clermont folgte ich der Straße nach Ganges und dort weiter über Le Vigan in Richtung Mont Aigoual. Die Cevennen habe ich mir als ein Ziel für eine eigene Tour gemerkt.

Die Landschaft dort ist so vielfältig und ansprechend und darüber hinaus scheint es relativ wenig Tourismus zu geben, jedenfalls war es zur Zeit meines Besuchs ziemlich menschenleer dort. In den letzten Jahren bin ich ein wenig hektik- und menschenmassenscheu geworden. Mit dem Motorrad erkunde ich vorzugsweise Gegenden, die nicht überlaufen und gerne auch abgelegen sind. Es gibt fast nichts schöneres, als auf einer kleinen Landstraße allein zu sein und überall stehenbleiben zu können, um Bilder zu machen, oder auch mal vom Motorrad zu steigen und ein Stück einem Bachlauf oder einem Weg zu folgen.
Eigentlich wollte ich noch hoch zum Mont Aigoual, an der Gabelung konnte man jedoch schon ahnen, dass es a) feucht und b) neblig sein würde, so dass mir der Weg auf den Gipfel nichts außer nassen Klamotten bescheren würde. Ich nahm also nun die Straße nach Meyrueis. Hier ging es kurvig und teilweise auch auf schlechtem und sehr schlechtem Straßenbelag durch den Nebel. Zwischendrin musste ich mal wieder anhalten, um die steifgefrorenen Finger am Motor aufzuwärmen. Der Nebel gab der Landschaft etwas verzaubertes und oft hatte man den Eindruck, ganz allein  auf der Welt zu sein. Trotz Feuchtigkeit und Kälte genoss ich diese Strecke sehr.

Abîme de Bramabiau
Der letzte Abschnitt zwischen Meyrueis und Florac sollte meine Fahrkünste und meine Kondition nochmal ziemlich strapazieren. Landschaftlich ist diese Strecke wunderschön. Die Straße befindet sich leider in einem katastrophalen Zustand. An diesem Tag habe ich ein neues französisches Wort gelernt: gravillon. Gravillon ist nichts anderes als gemeiner Rollsplit. Davon gab es auf dieser Straße mehr als genug, gerne wurde er großzügig in Kurven und Kehren verteilt, so dass ich gezwungen war, hier im Schritt-Tempo um die Ecken zu kriechen. Je näher ich an Florac kam, desto schlechter wurde nun auch wieder das Wetter. Es regnete immer wieder mehr oder weniger stark, so dass ich glücklich war, direkt am Ortseingang ein Hotel zu finden, in dem ich die Nacht verbrachte.

Mein Plan, später noch eine kleine Spazierrunde durch den Ort zu drehen, erledigte sich nach dem Duschen, draußen schüttete es wieder wie aus Kübeln. Zuhause habe ich keinen Fernseher, hier im Urlaub zappte ich mich fröhlich durch die Kanäle, und sah mir auf arte einen Bericht über Korsika an (Notiz an mich: da unbedngt auch mal Motorrad fahren) und später noch 2 Folgen Simpsons. Irgendwo kam dann auch ein Wetterbericht, der weiterhin einen Mix aus Regen und Regen ankündigte.



17.5.2013 Florac - Lons-Le-Saunier

Morgenstimmung in den Cevennen
Heute wollte ich eigentlich bis nach Hause kommen. Am Morgen war es wieder relativ trocken und der erste Teil der Strecke von Florac nach Alès bot wieder einige landschaftliche und stimmungsvolle Highlights. Der Morgennebel, der aus einem Tal aufstieg, wunderbar kurvige und gut ausgebaute Straßen und später sogar immer mehr Sonnenschein lockten, die Strecke zu verlegen und noch einen Schwenk in die Ardèche einzubauen.

Ich folgte der Straße nach Alès und später ging es weiter in Richtung Saint-Ambroix und dann nach Vallon-Pont-d'Arc. Da das Wetter doch besser, als angekündigt aussah, ließ ich mir auf meiner Strecke Zeit. Irgendwo unterwegs kaufte ich in einem Supermarkt noch Käse aus den Cevennen und der Ardèche als Mitbringsel für die
Daheimgebliebenen. Außerdem entdeckte ich Joghurt mit Kastaniencreme, der sich später in einer Pause als unglaublich lecker herausstellte. Der Joghurt allein war schon ein Gedicht, mit der Creme unten drunter unwiderstehlich. Ich musste mich beherrschen, nicht alle 4 Näpfe leerzufuttern. Vorher hatte ich mir schon öfter ein Mousse aus Kastaniencreme gegönnt, wo man am liebsten die Packung komplett eingeatmet hätte.

In punkto Verpflegung war ich angesichts der ziemlichen teuren Übernachtungen sehr geizig gewesen und hatte mich neben dem Frühstück hauptsächlich von Obst, Brot und Käse ernährt, was aber nicht unbedingt schlecht ist.

Gorges de l'Ardèche
Kurz hinter dem Beginn der Gorges de l'Ardèche suchte ich mir erst einmal einen Pausenplatz, um mich für die Fahrt zu stärken und die Tour genießen zu können. In der kurzen Zeit hatte ich so viele Eindrücke bekommen und mich so strapaziert, dass es sich jetzt nach 8 Tagen anfühlte, als sei ich seit Wochen unterwegs.

An einem Parkplatz mit dem nebenstehenden Aussichtspunkt hielt ich neben einer Gruppe von Motorradfahrern an. Als ich mir Fahrer und Motorräder ansah, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Hier war wohl eine organisierte Tour unterwegs, und Mann (es warenn ausschließlich Männer 50+) fuhr entweder die GS800 oder die GS1200. Selbstverständlich mit den passenden BMW- oder Touratech-Alukoffern. Nicht zu vergessen:
Warnweste und Oberlippenbart. Ein einzelner französischer Fahrer fuhr von diesem Parkplatz ebenfalls auf seiner BMW mit Koffern und Warnweste los, es war vielleicht sogar eine Airbag-Warnweste.

Ich freute mich über mein kleines, silbernes Motorrad mit Packrolle und ohne Schnickschnack, darüber, keine Neonweste zu tragen (ich habe eine, die
habe ich während der ersten 3 Monate auch getragen) und keine hässlichen Koffer an meinem Bike zu haben. Ich liebäugele zwar mit einer Reiseenduro, aber eine BMW wird es ganz gewiss nicht werden, vielleicht wird es der Crossrunner von Honda, entschieden habe ich mich aber noch nicht. Für mich sind BMW-Maschinen Altmänner-Bikes. Motorradfahren ist gefährlich, ganz gewiss, aber ich muss nicht so tun, als ob ich auf einem Auto mit 2 Rädern sitze. "Abenteuer" sieht jedenfalls für mich anders aus.

Mitten auf der Strecke zeichnete sich ab, dass ich wieder in den Regen geraten würde. Irgendwann donnerte es und ich dachte mir, dass es keine schlechte Idee wäre, zumindest dem Gewitter auszuweichen. Als es schon zu tröpfeln begann, entdeckte ich ein Schild, das auf eine Höhle mit einem Besucherzentrum hinwies. Noch 1 km, das war machbar. Kaum hatte ich geparkt und meinen Tankrucksack vom Motorrad genommen, begann es schon zu regnen. Als ich im Eingang es Besucherzentrums stand, schüttete es bereits wie aus Eimern und das Gewitter kam auch näher. Zum Glück war der Spuk nach einer Viertelstunde vorbei und ich konnte weiterfahren.

Die Gorges de l'Ardèche sind ein beliebtes Kajak-Revier und an diversen Aussichtspunkten konnte man von oben die Kajakfahrer sehen und hören. Ich habe Kajakfahren noch nie versucht, aber nachdem ich in diesem Urlaub durch verschiedene Orte gekommen bin, wo man das probieren kann, denke ich darüber nach, das auch mal zu testen. Es ermöglicht einem ja wieder neue Wege zu entdecken, auf denen man normalerweise nicht unterwegs ist. Die Ardèche sollte mein letztes Highlight der Tour werden und danach sollte es der Einfachheit halber auf der Autobahn zurück gehen.

In Frankreich sind die Autobahnen mautpflichtig, man fährt irgendwo durch eine Mautstation, zieht sein Ticket und dann geht es los.

Natürlich ist alles erstmal mit Fummelei verbunden: Motorrad in den Leerlauf, Helm aufklappen, Handschuhe aus, darauf achten, dass keiner runterfällt, Ticket ziehen, Ticket in den Tankrucksack stopfen, Handschuhe an, Helm zu, losfahren. Bis Lyon ging es wunderbar flott und auch trocken voran. Dann kam irgendwo ein Hinweis, dass hinter Ausfahrt Soundso ein 14 km langer Stau sei. Bei Ausfahrt Soundso fuhr ich also von der Autobahn runter und zum - wie ich dachte - richtigen Zahlhäuschen. Man konnte wählen zwischen Bargeld und Karte, da ich nicht mehr so viel Bargeld im Säckel hatte und auch nicht so genau wusste, was der Spaß denn nun kosten sollte, entschied ich mich für die Karte.

Also wieder: Motorrad in den Leerlauf, Handschuhe aus, Geldbeutel rausfummeln, Karte rausfummeln, Ticket rein, Karte rein... Moment: KEINE EC-Karten??? Und jetzt?? Nachdem die Karte zweimal ausgespuckt wurde, habe ich den "Assistence"-Knopf gedrückt und eine Frauenstimme sagte mir, ich solle es doch mit einer anderen Karte versuchen. Ich habe aber keine, rief ich der Dame zu. Nach ein paar Minuten kam dann ein freundlicher Herr, der meine 6,60 Euro einsammelte.
Ok, das nächste Mal also: Bargeld!

Da ich nun mal wieder keine Ahnung hatte, wo ich genau war und wohin ich fahren musste, fuhr ich einfach aufs Geratewohl weiter. Irgendwo würde schon eine Möglichkeit zum anhalten kommen. Irgendwann fiel mir auf, dass diverse Autos immer wieder die Lichthupe betätigten. Nach einiger Zeit fiel mir dann ein, dass da wohl eine Geschwindigkeitskontrolle sein würde. Also, schön brav fahren, eher noch langsamer, als man darf. Und da war sie auch schon und es war auch klar, dass ich als Motorradfahrer dort rausgewunken würde.

Motorrad aus.
Helm auf.
*Schwall französischer Worte, die ich nicht verstehe*
*freundiches Lächeln*
*nochmals Schwall französischer Worte*
Ich: "Je n'ai pas compris!" *freundliches Lächeln*
Der französische Polizist merkt jetzt erst, dass eine Frau unter dem Helm steckt, kann man auch nicht erkennen, denn ich trage Sonnenbrille und Halstuch bis zur Nase.
"You don't speak French?"
"No, not really!" (Von ein paar Brocken für den täglichen Gebrauch mal abgesehen).
"Your licence and the papers for this bike."
*Handschuhe aus, Geldbeutel rausfummel, Papiere aus dem Geldbeutel fummel und überreich*
*Polizeibeamter geht einmal um das Motorrad, gibt mir die Papiere zurück*
Ich nutze den Moment um ihn zu fragen, wo ich denn jetzt überhaupt bin und wo ich hin muss.
Er "Where do you want to go?"
Ich "Home!"
*lacht*
Ich muss umdrehen und in St. Priest wieder auf die Autobahn auffahren.
Da die Straße sehr befahren ist, stellt sich sein Kollege tatsächlich auf die Fahrbahn und stoppt den Verkehr, so dass ich wenden und problemlos weiterfahren kann. Ich winke freundlich und fahre los. Das war meine erste Verkehrskontrolle bis jetzt. Nett waren sie, die französischen Polizisten.

Den Stau habe ich nun wohl umfahren, denn es geht zügig weiter nach Norden. Allerdings wird es jetzt immer wieder mal feucht und nieselt oder regnet. Zwischendurch muss ich mehr anziehen und Handschuhe wechseln, denn Regen plus höhere Geschwindigkeit heißt: frieren!

Alles geht gut bis Bourg-en-Bresse. Eine Wolkenwand verheißt nichts Gutes. Und da kommt er auch schon, der Wolkenbruch! Es schüttet wie aus Eimern und ich nehme die nächste Raststätte, um abzufahren, da ich nun überhaupt nichts mehr sehen kann. Kurz zurvor war ich beim überholen schon mal etwas auf einem der hässlichen Bitumenstreifen gerutscht. Ich stolpere völlig durchnässt in die Raststätte, erstmal Jacke runter. Um mich bildet sich innerhalb von Sekunden eine Pfütze. Ich hole mir einen Espresso und telefoniere mit zuhause. Eigentlich wollte ich das heute durchziehen, inzwischen ist es aber schon 19.30 Uhr und der Regen sieht nicht so aus, als ob er bald aufhören würde.

Von Bourg-en-Bresse schaffe ich es noch bis Lons-le-Saunier. Diesmal will der Autobahnautomat mein Ticket erstmal nicht. Nach mehreren genervten Versuchen, die wohl zu lange dauern, bis ich Handschuhe unten und Geldbeutel draußen habe, drücke ich mal wieder auf den "Assistence"-Knopf. Ich bin müde, nass und hungrig und möchte nur noch heiß duschen und schlafen! Irgendwann ruft eine genervte Frauenstimme "attendez! attendez!", während ich auf dem Kasten herumhämmere und versuche, mein Geld einzuwerfen. Es reicht für heute!

Nach einiger Kurverei durch den Ort (wo ist ein Hotel, wenn man mal eins braucht!?) werde ich am Bahnhof fündig und halte am Hôtel Gambetta. Von außen sieht es ziemlich heruntergekommen aus, mir ist es aber egal, ich würde jetzt auch ein Stundenhotel buchen, Hauptsache trocken und warm! Innen werde ich positiv überrascht, man empfängt mich sehr freundlich, die Lobby ist modern und geschmackvoll und das Motorrad kann ich in der Garage abstellen. Ich gehe durch einen ziemlich angejahrten Treppenaufgang zu meinem Zimmer, und werde wieder positiv überrascht. Ein superbequemes King-Size-Bett, ein wunderschönes Bad, alles leicht retromäßig angehaucht. Nach der obligatorischen heißen Dusche mache ich es mir auf dem Bett bequem und schalte den Fernseher ein. Soviel Platz und Komfort habe ich zuhause nicht.

18.5.2013 Lons-le-Saunier - Freiburg

Doubs-Tal
Am nächsten Morgen empfängt mich strahlender Sonnenschein. Das Frühstück im Hotel ist eines der besten auf dieser Tour. Ein riesiger Brotkorb, Joghurts und diverse Aufstriche füllen den leeren Magen. Mit Blick auf das tolle Wetter beschließe ich, Autobahn Autobahn sein zu lassen und die letzten Kilometer lieber auf der Landstraße zu fahren.

Warum war an den anderen Tage nicht solches Wetter? Es geht durch Hügel und Felder, durch kleine Ortschaften, der Raps blüht, die Sonne scheint. Allmählich spüre ich doch Stalldrang. Als die ersten Schilder mit "Mulhouse" auftauchen, möchte ich nicht mehr anhalten. Ich will nach Hause, aus den Klamotten, was essen und mich in die Sonne setzen.

Ca. 20 km vor Freiburg (ich fahre jetzt Autobahn) fangen Hände und Knie an unglaublich zu schmerzen. Ich rutsche auf der Sitzbank herum, strecke mich, drücke mich gegen die Packrolle. Nichts hilft, ich muss anhalten, absteigen, eine Runde um das Motorrad laufen, mich strecken. Es waren noch 275 km von Lons-le-Saunier nach Freiburg, wenn ich die Strecke gestern durchgefahren wäre, wäre es wieder so eine grausame Ochsentour wie am ersten Tag geworden.

Fazit dieser Tour: 3500 km in 9 Tagen und unglaublich viele Eindrücke! Der Urlaub war trotz des eher schlechten Wetters wunderschön und ich würde jederzeit wieder so eine Tour fahren, allerdings mit besserer Vorbereitung in punkto Übernachtungen und mit weniger langen Strecken.














Donnerstag, 30. Mai 2013

Tour de France (et d'Espagne) - Teil 2

11.5.2013 - Fortsetzung

Von dem Kalvarienberg aus machte ich mich weiter auf den Weg zur Cité. Die Cité diente u. a. als Vorlage für Walt Disneys Dornröschen. Die Anlage wurde im 19. Jahrhundert wieder restauriert, nachdem man sie davor lange dem Verfall preisgegeben hatte. Die neckischen Dächer auf den Türmen stammen auch aus dieser Zeit.

Als ich die Anlage besuchte, blies ein unglaublich starker Wind, der einem immer wieder mal eine Ladung Staub ins Gesicht warf. Überhaupt war die gesamte Tour ziemlich windig. An einigen Stellen war der Wind so heftig, dass ich mich mit beiden Beinen in den Boden stemmen musste, um nicht umgeworfen zu werden.

Von der Festung konnte ich dann den ersten Blick auf die Pyrenäen erhaschen. Weiß sah es da oben aus und die Berge wirkten aus der Distanz schon gewaltig.

Man kann prima ein paar Stunden in der Cité verbringen, neben den üblichen Touristenkitsch- und Souvenirläden gibt es Cafés und Restaurants, man kann die Burganlage selbst besichtigen, oder in den Gassen herumbummeln. Ingesamt ist es natürlich schon sehr touristisch und ich kann mir vorstellen, dass man sich in den Gassen zur Hochsaison schier zertrampelt.

Jetzt, Anfang Mai war es schon gut besucht, aber noch nicht gestopft voll. Unten auf den kostenlosen Parkplätzen war es recht voll und auch etliche Motorräder standen auf dem Platz herum.

Nach ungefähr 3 Stunden Bummel und Fotosafari war ich ziemlich ko, eine Pause auf einer Parkbank stellte die Lebensgeister einigermaßen her.

Der erste Blick auf die Pyrenäen
Eigentlich wollte ich an diesem Tag noch bis in die Pyrenäen hineinfahren. Die lange Anfahrt und der auch nicht ganz unstrapaziöse Vortag steckten mir noch in den Knochen, so dass ich in Quillam beschloss, den Tag passenderweise im "Hotel Terminus" zu beenden. Dort plätscherte ein Springbrunnen lautstark vor meinem Zimmerfenster, der um 22.30 abgestellt wurde, so dass es von einem Moment auf den anderen still wurde. Ich denke, ich bin kurz danach auch eingeschlafen.

12.5.2013 Quillam - Sort

Die heutige Tour sollte mich nun endgültig in die Pyrenäen bringen. In Sort hatte ich ein Bett in der "Escola de Piragüismo" (Kajakschule) gebucht, um meinen Geldbeutel ein wenig zu schonen. 2 Nächte wollte ich dort bleiben und die Gegend genauer erkunden.

Hinter Quillam ging es in die Gorges del'Aude, eine miserable dafür aber weitgehend einsame Straßen schraubte sich langsam höher. An zwei Stellen war ein Bach übergelaufen, so dass ich durch relativ hohes Wasser fahren musste. Ich hoffte, dass es nicht so hoch sein würde, dass Wasser in den Motor läuft. An einer der beiden Stellen plumpste mein Motorrad noch recht unsanft in ein Schlagloch, das sich im Wasser verbarg. Das war dann der Abenteuerteil der heutigen Strecke. Man fährt hier im unteren Teil durch Orte, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie überhaupt dauerhaft bewohnt sind. Im Winter muss es hier sehr kalt und einsam sein.

Kalt und einsam war es aber auch an diesem Tag. Die Straße zog sich im Schatten höher und höher und irgendwann war dann auch klar, warum es kalt ist: 1200 Höhenmeter sind erreicht.
Es war mal wieder Zeit, die Unterziehhandschuhe auszupacken und die Jacke fester zuzuschnüren. Weiter oben kam dann das Straßenschild für Schneekettenpflicht und dann endlich das nebenstehende Schild. Jetzt war ich wirklich da!

Ich war in den letzten Jahren viel in den Bergen unterwegs, im lieblichen Schwarzwald, im Schweizer Jura und in den Alpen.

Die Pyrenäen sind allerdings eine wirkliche Steigerung. Hier ist es viel wilder und ursprünglicher, als in den Alpen. Viele kleinere Straßen sind eine echte Herausforderung, da sie schlecht, steil und gerne auch dick mit Rollsplit bedeckt sind, besonders gerne in den Kehren. Landschaftlich gibt es so viel zu sehen, dass man oft alle paar Meter anhalten und fotografieren möchte.

Ich habe öfter mal Vögel kreisen sehen. Teilweise waren es große Vögel, sehr große Vögel! Später, bei meiner Abfahrt aus den Pyrenäen kam ich an einem
Schild vorbei, das die verschiedenen Vogelarten als Silhouetten zeigte. Ich bin mir sehr sicher, dass ich Adler gesehen habe und ziemlich sicher, dass es sich bei den sehr großen Vögeln um Geier gehandelt hat. Es soll in den Pyrenäen auch Bären geben, aber auf die Begegnung verzichte ich dann doch gern.

Die Gorges del'Aude mündet weiter oben in einem Hochtal. Man kommt durch diverse Skiorte, die jetzt im Mai mangels Schnee komplett verlassen waren. Die Straße ist nun ausgebaut und gut in Schuss, man kommt rasch voran. Angesichts der gigantischen Natur wäre es eine Verschwendung, hier einfach durchzurasen. Ich folgte der Straße weiter nach Font-Romeu und dann über Odeillo nach Bourg-Madame. Die Nähe zur spanischen Grenze kann man daran erkennen, dass die Schilder nun zweisprachig sind, links stehen die Schilder auf Katalán und rechts auf Französisch. Hier oben war der Frühling noch ziemlich am Anfang, die Bäume wurde nur langsam grün und die Wiesen waren mit blühendem Löwenzahn bedeckt.

Ich folgte der Strecke weiter nach La Seu d'Urgell und machte noch einen kuzen Tankbesuch in Andorra. Wie in meinem einen Reiseführer schon stand, scheint das Land nur aus Tankstellen, Shoppingmalls und Fastfoodrestaurants zu bestehen, zumindest an der Hauptstrecke. Darüber hinaus rasen Andorraner grundsätzlich und ich schätze mal, dass 4/5 Landrover oder so etwas ähnliches fahren. In Andorra La Vella gönnte ich mir noch Kaffee und Hörnchen und genoss die nun recht kräftige und warme Sonne. Sehr lustig fand ich ein Schild auf dem "Reservat Moto" stand. Hier also, gibt es endlich ein Reservat für Motorräder! Ah! Natürlich bedeutete das Schild nichts anderes, als "Reserviert für Motorräder". Überhaupt war es spaßig, die ganzen Schilder auf Katalán zu sehen. Man versteht es schon einigermaßen geschrieben, aber gesprochen ist eine andere Kiste. Zum Glück sprechen fast alle dort auch Spanisch.

Ein phantastischer Aussichtspunkt an der N260
Nach diesem kurzen Ausflug steuerte ich dann mein Ziel an, Sort. Durch Sort fließt der Noguera Pallaresa, hier gibt es alles, was irgendwie mit Wassersport- und abenteuer zu tun hat: Kajak, Kanu, Rafting... Es dauerte ein bisschen, bis ich meine Unterkunft fand, zum Glück hatte ich die Kilometerbezeichnung und neben dem Roten Kreuz fand ich dann auch die leicht versteckte Einfahrt zur Escola.

Nachdem ich mein Motorrad geparkt hatte, ging es auf die Suche nach demjenigen, mit dem ich gemailt hatte. Es saßen 2 Leute herum, die aber irgendwie wie Gäste wirkten. Am Eingang stand ein Schild mit einer Telefonnummer, die man anrufen sollte. Puh, erster Tag in Spanien und gleich auf Spanisch telefonieren... es hob jedoch niemand ab.

Nachdem ich noch ein wenig herumgeirrt war, kam einer der beiden Männer auf mich zu. Ich sagte, dass ich reserviert hätte und es stellte sich heraus, dass ich das ganze Haus für mich haben würde. Er zeigte mir mein Zimmer und erklärte mir, dass er noch Sachen fürs Frühstück hinstellen würde usw. Derweil könnte ich mich dort breitmachen. Nachdem ich ausgepackt, geduscht und mich umgezogen hatte, stand in der Küche schon alles mögliche für mich zum Essen bereit. Ich drehte noch eine Runde durch den Ort, ließ mir die Sonne auf den Pelz scheinen, die hier in Spanien endlich auch warm war und ruhte meine müden Knochen aus.

...noch mehr Katalán
Zurück in der Unterkunft war ich dann tatsächlich allein, ich setzte mich in den Garten und nahm mir meine Lektüre vor, die ich für den Urlaub eingepackt hatte: Zone One, ein Zombie-Apokalypse-Buch.

Als ich abends im Schlafsaal in mein Bett kroch, dachte ich mir, dass ich wirklich das perfekte Buch für diesen Aufenthalt dabei hätte... geschlafen habe ich allerdings wunderbar und Zombies haben sich auch nicht blicken lassen. Und am nächsten Morgen strahlte bereits die Sonne vom blauen Himmel, als ich mich an den Frühstückstisch setzte.

... to be continued...


Mittwoch, 22. Mai 2013

Tour de France (et d'Espagne) - Teil 1


Schon seit Ewigkeiten stehen die Pyrenäen auf der Liste der "Muss-ich-unbedingt-mal-besuchen"-Orte. Da mir der Pfingstochse ein wenig Freizeit beschert hat, und ich angesichts des schauderlichen Wetters Fernweh verspürte, habe ich kurzerhand eine Tour in den Süden geplant. So richtig viel gefahren bin ich dieses Jahr noch nicht, und der Hunger nach ausgedehnten Stunden im Sattel war groß.

Zur Vorbereitung habe ich mir diverses Kartenmaterial besorgt, u. a. Karten für Languedoc-Roussillon und die Französische Atlantikküste, sowie die "Reise-Knowhow"-Karte Pyrenäen und noch zwei weitere Karten mit größeren Maßstäben. Dazu noch Motorradkarten für Südfrankreich und zwei Reiseführer, den von Reise Knowhow und "Lust auf Pyrenäen". Zwei kleine, handliche Wörterbücher fanden noch den Weg in den Tankrucksack. Ich spreche zwar sowohl Französisch, als auch Spanisch, aber speziell bei Französisch sind meine Kenntnisse sehr begrenzt. Jaja, jede Menge Material, aber ich hatte nur wenig davon dabei. In erster Linie wollte ich verschiedene Infos zum vor- und nachbereiten und mir durch das Lesen die Vorfreude versüßen.

Letzten Donnerstag (9.5.) ging es dann los. Am Tag vorher kriegte mein Moped noch einen neuen Vorderreifen und eine Inspektion spendiert. Aus der Erfahrung des letzten Urlaubs wusste ich, dass ich mit sehr wenigen Sachen auskommen würde. Den Großteil der Zeit steckt man eh in der Kombi, also braucht man auch nicht allzuviele andere Klamotten mitnehmen. Glücklicherweise habe ich nicht gezeltet, wie ich ursprünglich vorhatte. Ein Blick auf die Nachttemperaturen in den Hochlagen der Pyrenäen hat mich eines besseren belehrt. Bei -5 Grad und weniger wollte ich dann doch nicht draußen schlafen, so sehr ich die Unabhängigkeit eines "Stoffhauses auf Rädern" schätze.

9.5.2013 Freiburg - Le Puy-en-Velay 

... here comes the rain again...
Die Latte für den ersten Tourtag hatte ich recht hoch gelegt, bis nach Le Puy-en-Velay in der Auvergne sollte die erste Etappe führen.

Laut google-maps so knappe 600 km, das ist an einem Tag doch machbar, dachte ich. Und weil Autobahn so langweilig ist, fahren wir schön über Land und gucken uns noch alles möglich an, was am Weg liegt. Bei leicht bedecktem Himmel ging es am Vormittag los, immer schön auf den kleinen Straßen und auf den Nationalstraßen. Gefühlt legte ich ganz gut Weg zurück, und da ich eine Unterkunft reserviert hatte, wollte ich auch unbedingt bis dorthin kommen. Nun ja, unterwegs kam schon mal der eine oder andere Gedanke auf, dass es schade ist, hier so durchzurasen. Das Doubs-Tal und diverse andere schöne Streckenabschnitte lockten schon, etwas länger zu verweilen. Aber nichts da, fahren! Als dann so langsam das Zentralmassiv in den Blick rückte, zog es sich immer weiter zu.

Die Hoffnung, dass ich nicht da hinfahren würde, wo es so düster aussieht, zerstob mit den ersten Tropfen auf dem Visier. Aber gut, wird schon nicht so schlimm werden, ich habe mittlerweile ein weiteres Paar Goretex-Handschuhe, die dicken Winterhandschuhe hatte ich auch dabei, würde ich bestimmt nicht brauchen, ich fahre ja in den Süden, naja, vielleicht mal oben in den Bergen.... Es tropfte, es tropfte mehr, es begann zu regnen. Kein Problem, es ist ja noch hell und ich komme sicherlich noch im Hellen an mein Ziel. Es regnet stärker. Zum Glück bin ich dick angezogen, denn es wird jetzt auch frisch.

Es wird jetzt hügeliger, die Straßen kurviger.Theoretisch ist es hier landschaftlich schön. Wenn man was sehen könnte.
Es regnet. Ohne Unterbrechung.
Hm. Man könnte auch Autobahn.
Ach, ist ja nicht mehr so weit, so in 2 Stunden bin ich sicherlich da.

Es wird kalt.
Es wird langsam dämmerig.
Es regnet.
Ein Hase hoppelt ca. 10 m vor mir gemütlich über die Straße.
Die Straße ist kurvig.
Ich bin müde.
Die Hände tun weh.

Aber ich hab ja die Unterkunft reserviert und es ist bestimmt nicht mehr so weit. Bald kommt eine heiße Dusche und ein warmes Bett. In Ambert sind es nur noch so 20 km und die Straße ist gerade, alles easy!

Es wird dunkel. Ambert kommt und kommt nicht in Sicht.
Schilder mit "Wildwechsel" stehen an der Straße. Es geht durch den Wald. Unter dem Visier murmele ich unablässig vor mich hin "Keine Viecher bitte! Keine Viecher!" Nach gefühlten 10 Stunden auf dieser Strecke kommt endlich Ambert. Und dort das Schild nach Le Puy-en-Velay.
72 km! Ich falle fast aus dem Sattel.
Aber gut, Zähne zusammen und durch. Kälteschauer laufen mir über den Rücken, die Hände sind Eiszapfen, am Hintern wird es langsam feucht. Seit Stunden sind mir der Nutzen von Handprotektoren und Griffheizung vollkommen klar. Viel lieber hätte ich jetzt aber ein warmes Bett und eine heiße Dusche.

Nach weiteren gefühlten 10 Stunden komme ich endlich an. Natürlich habe ich keine Ahnung, wo ich jetzt hinfahren muss, um zu meiner Unterkunft zu kommen. Es ist mir auch egal, ich will nur noch zwei Dinge: heiß duschen und schlafen! Ich steuere das nächstbeste Hotel an, steige steifgefroren vom Motorrad. Klatschnass, wie das Gespenst von Canterville betrete ich die Hotellobby und frage nach einem Zimmer. Die Dame an der Rezeption hat ein Zimmer für mich und fragt, ob ich von weit her komme. "Oui, de Fribourg en Allemagne!" Ja, das ist wirklich weit weg! Denn laut meinem Tacho waren das nicht knapp 600 km, sondern schlappe 730 km.

Ich lasse mein Bike einfach draußen stehen, schleppe meine Taschen in den Aufzug und gehe auf mein Zimmer. Nasse Sachen aufhängen, heiß duschen und dann schlafen! Endlich!

10.5.2013 Le Puy-en-Velay - Réalmont

Am nächsten Morgen klingelt um 8 Uhr der Wecker. Ich bin sowieso schon früher wach und habe bereits einen Blick nach draußen geworfen. Es regnet immer noch. Ingeheim taufe ich den Ort von "Le Puy-en-Velay" in "La Pluie-en-Velay" um.

Ich belade das Bike und stelle fest, dass mein Schlüssel klemmt. Im Geiste sehe ich mich schon mit abgebrochenem Schlüssel irgendwo auf einer einsamen Bergstraße in einer Gegend, deren Dialekt ich nicht verstehe, stehen. Mit ein bisschen Gefummel lässt sich das Zündschloss dann doch bewegen. Da ich dieses Problem noch nie hatte, schiebe ich es auf das intensive Bad, das mein Bike am Vortag bekommen hat. Der Regen ist nicht mehr so schlimm. Ich fahre aus Le Puy los in Richtung Mende. Für heute steht die Gorges du Tarn auf dem Programm und danach geht es weiter Richtung Carcassone.

mystère dans le brouillard...
Es ist unangenehm frisch und vor allem sehr feucht. Weiter hinter Le Puy wechselt das Wetter von Regen zu Nebel.

Ich fahre an einem Parkplatz kurz raus, um ein Foto von der Suppe zu machen. Dort steht ein anderer Motorradfahrer, und wickelt sich in weitere Klamottenschichten. Spontan fällt mir der Song "mystère dans le brouillard" von Liaisons Dangereuses ein. Der Nebel ist teilweise so dicht, dass man vielleicht noch 20 m weit sieht. Auf dem Thermometer in einem Ort werden kuschelige 5 Grad angezeigt. Ich halte auf einem Parkplatz, ziehe meine Handschuhe an, und wärme meine Hände am Motorblock auf. Das Bike kommt gerade so auf Betriebstemperatur und es ist immer noch mehr oder weniger nebelig und ich bin froh, dass ich meine dicken Klamotten dabei un vor allem an habe.

Bei Pradelles wird es endlich etwas heller und der Nebel lichtet sich. So langsam kann man etwas von der Landschaft erkennen. Je weiter ich fahre, desto heller und freundlicher wird das Wetter. Inzwischen befinde ich mich mitten in einem Tal, ein Wildbach fließt an der Straße und die Wiesen sind mit Schlüsselblumen bedeckt. Der Frühling ist hier wohl erst kürzlich angekommen, die Bäume sind teilweise noch kahl, oder haben nur kleine Blätter. Es ist auch nach wie vor frisch, aber immerhin regnet es nicht mehr, oder ist neblig.

Blick nach St. Énemie
Je näher ich an die Gorges du Tarn komme, desto mehr Motorradfahrer begegnen mir und desto wilder und schöner wird die Landschaft. Ich folge dem Schild und lande irgendwann an einer Kreuzung, fahre einfach rechts weiter. Nach einer engen Kehre und mehreren engen Kurven wird die Landschaft auf einmal weit.

Die Sonne scheint und kein Mensch weit und breit auf der Straße. Ich trödele gemütlich vor mich hin, genieße die Sonne, frage mich aber insgeheim, ob DAS die richtige Straße ist. bald stehe ich auf einer Anhöhe mit Blick ins Tal. Es ist die richtige Straße! Unten kann man schon den Tarn sehen und vor mir die kleine, enge, kurvige Straße, die ins Tal führt. Immer noch ist es weitgehend menschenleer. Im letzten Drittel der Strecke ins Tal steht ein Trupp Motorradfahrer an einer Kehre. Kurz dahinter eine hübsche Ölspur und dann sehe ich auch schon die ersten Häuser von St. Énemie und gleich darauf Rudel von Motorradfahrern, fahrend, parkend, im Café, auf dem Parkplatz, überall.

 Ich parke ganz unten am Fluss und genieße die Aussicht und die Sonne, schlendere ein wenig durch den Ort, bis mich der Hunger in die Pizzeria an der Brücke treibt. Hier kann man bestens den Motorradcorso über die Brücke und durch den Ort beobachten, sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und seine Pizza genießen.

Gestärkt mache ich mich auf den Weg weiter in Richtung Millau. Die Gorges du Tarn wechselt hinter St. Énemie zwischen eng und schluchtartig zu weiter. Ab und an ragen Felsen in die Straße und zwingen zu gemäßigtem Tempo. Angesichts der fantastischen Landschaft sollte man sich hier sowieso Zeit lassen. Die Gorges allein wäre schon eine Tagestour wert, denn eigentlich kann man alle paar Meter anhalten und fotografieren. Kurz vor dem Ende der Gorges am  Pas de Soucis kann man einen kleinen Felsen erklimmen und hat eine fantastische Sicht auf den Fluss.

Vergessene Orte...
Weiter geht es durch Millau in Richtung Albí. Eigentlich wollte ich heute noch bis Carcassone kommen, aber der Weg ist bekanntlich das Ziel und  so trödele ich gemächlich weiter, genieße das schöne Wetter und komme gegen 21 Uhr müde, aber glücklich in Réalmont an. Ich mache mich auf die Suche nach einem Zimmer und lande im Hotel Noelle (die Akzente bitte dazudenken...). Als ich reinkomme, fällt mein Blick zuerst in den Speisesaal aus dem gedämpfte Klaviermusik kommt. Schweigend sitzen hier ältere Herrschaften über ihr Essen gebeugt, es sieht nach Silberbesteck und 5-Gänge-Menüs aus.

Mit meinen verdreckten, verschwitzten Klamotten
fühle ich mich leicht fehl am Platze, aber da kommt auch schon der Besitzer.

Ich leiere mein französisches Sprüchlein herunter und ja, man hat ein Zimmer für mich. Es geht die auf Hochglanz polierte Holztreppe hoch und über Perserteppiche Richtung mein Zimmer. Ja, ok, das nehme ich, sieht nach einer entspannten Nacht aus.

Ich gehe los, meine Maschine abladen. Als ich wieder reinkomme, sagt mir Mr. Noelle, dass er noch ein anderes, ruhigeres Zimmer für mich hat. Soll mir auch Recht sein. Die Nacht verbringe ich auf üppigen Polstern gebettet in einem plüschigen Zimmer, eigenes Bad mit Luxusdusche und Toilette inklusive. Ist schon ein komisches Gefühl, wenn das Hotelzimmer inkl. Bad fast so groß wie die Wohnung zuhause ist...

11.5.2013 Réalmont - Quillam

Am nächsten Morgen erwartet mich dann der ebenfalls plüschige Speisesaal, ich kann den Kamin mit Familienwappen und das Silber im Regal bewundern. Mr. Noelle serviert mir ein üppiges Frühstück mit Croissants, Baguette, Pain au Chocolat, Joghurt und einen Eimer Tee dazu. Frisch gestärkt und ausgeruht geht es zur nächsten Etappe. Heute möchte ich ein  gutes Stück weiter in Richtung Pyrenäen kommen.

Der erste größere Stopp heute wird Carcassonne sein. Wer sich wundert, warum ich nicht mehr Städte/Orte ansehe: Ich habe mein gesamtes Gepäck auf dem Motorrad. Nicht dass da viel zu klauen wäre, wer unbedingt eine Packrolle mit mehr oder weniger sauberen Klamotten möchte, bitteschön. Ärgerlich wäre es trotzdem. Naja, und dann sind da die Klamotten und seit letztem August noch mein Ischias-Hinkebein. Beides macht es nicht sonderlich angenehm, längere Ausflüge zu Fuß zu machen, vor
Maison de la Montagne Noire (zu verkaufen!)
allem, wenn es noch irgendwo bergauf geht. Außerdem mag ich das Gewühl in den Städten nicht, wenn ich keine Ahnung habe, wo ich jetzt hinfahren muss, wo ein Parkplatz sein könnte etc. Am liebsten fahre ich über Land, halte irgendwo, trinke vielleicht mal einen Kaffee und dann geht es weiter. Und - nein - Topcase oder gar Koffer kommen mir nicht ans Motorrad. Zu diesem Thema wird es später in der Ardéche noch eine kleine Anekdote geben.

Es geht durch die wunderbar verlassene Montagne Noire, durch zauberhaft schönen Wald. Aber es ist mal wieder frisch, um nicht zu sagen kalt. So langsam halte ich das sonnige, warme Südfrankreich für ein Land, das es nur irgendwo in einem Paralleliuniversum gibt. Eigentlich hatte ich gehofft, hier leicht bekleidet herumfahren zu können, aber ich bin eingewickelt in mehrere Lagen, Kombi inkl. Goretexfutter, Unterziehhandschuhe... Ich nehme spontan eine Abzweigung von der Hauptstrecke und lande an einem Stausee. Die wenigen Leute dort wirken erstaunt, dass sich jemand hier hin verirrt. Es wäre schön dort, wenn es nur nicht so lausig kalt wäre. Ein eisiger Wind pfeift und ich wärme meine Hände mal wieder am Motor auf, ein Ritual, das ich in diesem Urlaub noch öfter durchführen werde.

Langsam nähere ich mich Carcasonne und ebenso langsam wird es wärmer. Ich fahre in die Stadt und parke auf einem riesigen Parkplatz, weil ich denke, dass ich schon in der Cité angekommen bin. Die Mauer entpuppt sich jedoch als Zugang zu einem der zahlreichen Kalvarienberge. Dieser spezielle Kalvarienberg strahlt mit seinen leicht makaberen Figuren und den ziemlich vergammelten, verfallenen Stationen einen morbiden Charme aus. Ich drehe eine Runde, entdecke in einer Ecke noch halbvergessene, enthauptete Statuen und eine Art Krypta mit einer Jesusfigur drin. Hier könnte man prima einen Vampir- oder anderen Gruselfilm drehen...

... to be continued...