Dienstag, 31. Dezember 2013

Rückblick 2013

Heiligabend im Schwarzwald...
So, jetzt isses quasi vorbei, das Jahr 2013.

Für mich war es ein Jahr mit neuen Herausforderungen, die ich nicht alle gemeister habe. Die erste war der Enduro-Kurs im April. So richtig mithalten konnte ich da nicht, einerseits war ich viel zu unsicher mit der ungewohnten Maschine und andererseits bin ich tendenziell nicht gerade ein Draufgänger beim Motorradfahren. Es reizt mich aber immer noch, allerdings dann gerne erstmal nur Maschine leihen, mich damit vertraut machen und wenn ich mich sicher fühle, damit ins Gelände. Anders macht's für mich keinen Sinn.

Die nächste Herausforderung war dann mein Urlaub im Mai, über 3.000 km in 9 Tagen runtergerissen. Es war toll, aber auch sehr anstrengend. Das Wetter hat nicht so mitgespielt, wie ich das gerne gehabt hätte. Die Anfahrt war die größte Strapaze, die ich bis jetzt auf dem Motorrad erlebt habe. Über 700 km Landstraße, davon am Ende gute 2-3 Stunden in Kälte und strömendem Regen. Dennoch möchte ich keinen einzigen der Tourtage vermissen. Ich bin mir noch nicht sicher, wohin es im nächsten Urlaub geht, ob nach Süden oder nach Norden. Schottland wäre mal wieder was, vielleicht geht's aber noch weiter hoch, nach Skandinavien, da war ich noch nie. Alles hängt natürlich auch davon ab, wann ich fahren werde.

Seit mehreren Monaten liebäugle ich mit der Anschaffung eines zweiten Bikes, eine Reiseenduro soll es werden. Bis jetzt saß ich mal auf einer Africa Twin, die mir aber zu gammelig war, in der engeren Wahl stehen noch die Transalp oder eine Varadero. Entschieden habe ich mich aber noch nicht und meine Kleine will ich auch nicht hergeben. Ich hoffe, dass sie mich noch viele Kilometer weiter treu begleiten wird, mit guter Pflege und etwas Glück stehen die Chancen gut dafür.

Mit dem Motorrad die Welt zu erkunden ist eine wirkliche Bereicherung für mein Leben geworden. Auch im näheren Umfeld gab es dieses Jahr einiges zu entdecken und die Wochenenndausflüge  mit Zelt waren toll. An unserer Betriebsweihnachtsfeier habe ich beim Schrottwichteln was ziemlich tolles bekommen, eine Erlebnis-Box Schwarzwald. Ungefähr die Hälfte der Ausflugsziele da drin kenne ich noch nicht.

Derzeit freue ich mich darüber, dass das Wetter es ermöglicht hat, an Heiligabend noch eine Runde zu drehen und wenn es weiterhin so mild bleibt, werde ich diese Woche sicherlich nochmal das Motorrad aus der Garage holen und ein paar kleine Runden fahren. An Heiligabend waren ziemlich viele andere unterwegs, ich habe in knapp 2 Stunden bestimmt 3 Dutzend Fahrer gesehen.

Es war mal wieder ein schönes Jahr mit vielen tollen Erlebnissen, spontanen Besuchen und großartigen Touren. Ich freue mich aufs nächste und wünsche Euch allen eine unfallfreie neue Saison.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Saisonende 2013

Alpensicht vom Blauen Mitte Oktober
Jetzt hat sich der Oktober doch noch von der freundlichen und warmen - sogar sehr warmen! - Seite gezeigt und ich habe die Zeit genutzt und bin einige Touren gefahren.

So langsam zeichnet sich jetzt doch das endgültige Ende der Saison (oder zumindest der regelmäßigen Touren) ab und Freitagabend wird mein Moped dann wieder in die (verhasste, unpraktische) Garage kommen.

Das Wochenende soll dann schon ungemütlich und nass werden, da muss sie nicht mehr draußen herumstehen. Geputzt und poliert ist sie schon, fehlt noch Reifendruck
Roche du Diable - Elsass
erhöhen und volltanken.

Das Fazit dieses Jahres ist: war ne komische Saison, irgendwie fühle ich mich um mindestens 3-4 Monate betrogen. Zu lange kalt, zu nass, zu früh wieder kalt... nicht missen möchte ich aber meinen tollen Urlaub.

Für das nächste Jahr habe ich grobe Pläne, wo es hingehen soll. Entscheiden wird das in erster Linie der Geldbeutel. Und dann steht die große Frage an: Zweitmotorrad, oder nicht? Wenn ja, welches?
Bei Tengen - Blick auf den Bodesee
Ich liebäugle mit einer Reise-Enduro (aber keine BMW!). Nur, wohin mit der? In der Garage ist derzeit kein Platz für ein zweites Bike... Ich habe mich heute dabei ertappt, dass ich mich beim Gedanken an ein Zweitmoped mies fühle. Wie jemand, der seinen Partner betrügt...

Motorradfahren ist schon eine sehr emotional Geschichte und für einen Außenstehenden sicherlich schwer nachzuvollziehen, was die Faszination ausmacht. Ich möchte nicht mehr ohne sein.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Saisonende kündigt sich an...

Auf dem Blauen-Gipfel
Was gibt er zur Zeit schöneres, als an einem freien Tag aufzuwachen und festzustellen, dass entgegen der Wettervorhersage die Sonne scheint. Strahlend blauer Himmel begrüßte uns heute früh und der Entschluss, die Sonne noch einmal zu nutzen, war schnell gefasst.

Auf dem Kandel
Nachdem von Woche zu Woche die Chancen auf eine längere Wochenendtour am besten noch mit Zelt
schwinden, nutze ich jetzt jeden Sonnenstrahl, um noch eine Runde zu drehen. Heute kam mir dann, dass es jetzt so langsam Zeit wird, sich von den höher gelegenen Lieblingsplätzen zu verabschieden. Auf dem Feldberg liegt sein ein paar Tagen schon wieder Schnee. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dort oben nur 2 Wochen kein Schnee lag. Bis in den Juni war es kalt und ekelhaft gewesen. Dieses Jahr habe ich sowieso das Gefühl, um einen Teil des Jahres betrogen worden zu sein. Regen, Kälte, Grau... und jetzt soll das schon wieder losgehen?

Mont St. Odile
Sehr viel neues habe ich in den letzten Wochen nicht entdeckt, aber die Liste der zu besuchenden Orte
wird mal wieder länger. In der nächsten Saison werde ich auf die Suche nach den kleinen und kleinsten Straßen gehen, auf denen ich noch nicht unterwegs war. Und dann steht natürlich auch die Urlaubsplanung an, da wird dann aber in erster Linie der Geldbeutel entscheiden, wo die Reise hingeht.

Jetzt hoffe ich erst einmal darauf, dass doch noch eine Wochenendtour möglich ist. Ich würde gerne die andere Rheinseite noch etwas genauer erkunden. Nachdem wir letzte Woche am Feiertag in Frankreich unterwegs waren und dabei zufällig interessante Straßen entdeckt haben, habe ich mir die Vogesen auf meine To-Do-Liste gesetzt. Interessanterweise war es dort drüben in den mittleren und höheren Lagen schon deutlich herbstlicher als hier im Schwarzwald. Die kleinen und kleinsten Sträßchen sind teilweise wenig befahren und locken für Touren. Die Geschichte mit den Pass-Sperrungen für Motorräder scheint ja zumindest erstmal vom Tisch zu sein.

Blick zur Schwäbischen Alb
Heute ließ das Licht der tiefstehenden Oktobersonne erahnen, wie ein Goldener Oktober aussehen könnte. Dieses Jahr war es mir einfach zu grau, zu nass und zu kalt, es sind aber trotzdem gute 12.000 km mehr auf der Uhr. In der nächsten Saison werden mein Baby und ich dann sicherlich die 50.000 km zusammen schaffen. Und mal sehen, welche Ziele ich mir für das nächste Jahr setze. Hab da was in Rottweil entdeckt... Supermoto... im Winter in der Halle...

Hoffen wir erstmal auf einen sonnigeren Restoktober und dann darf mein Bike wieder von der Straße träumen gehen.

Sonntag, 22. September 2013

Das Stück zum Glück...

Die Glücksdrossel
... das mir 2 Jahre lang gefehlt hat, waren die restlichen Zentimeter, die man den Gasgriff aufreißen kann, wenn die Drossel weg ist...

Aber fangen wir von vorne an. Ich habe 2011 den Stufenführerschein gemacht, weil ich vorher noch nie auf einem Motorrad saß und mich einfach nicht getraut habe, gleich auf eine große Maschine zu steigen. Also wurde die Prüfung auf der Kleinen 500er abgelegt und genauso eine habe ich dann auch gekauft. Fertig gedrosselt, fast neu und sofort startklar.

Vierwaldstätter See Samstag
In 2 Jahren habe ich gelernt, hinter langsamen Autos herzuzuckeln, oder alternativ auf einen Parkplatz zu fahren, um die Schnarachnasen Land gewinnen zu lassen. Am Berg überholen ging eigentlich gar nicht, denn bis meine Kleine auf 100 war, das hat gedauert. Zum überholen brauchte ich eine lange Gerade und die Hoffnung, dass die Lücke groß genug ist. Im ersten Jahr war das alles noch ok, denn ich hatte genug damit zu tun, routinierter und sicherer zu fahren, alles war neu und aufregend. Im zweiten Jahr ging es mir dann langsam aber sicher auf den Geist, nicht mal eben den Gashahn aufreißen zu können, um an den ganzen lahmen Enten vorbeizuziehen.

Vierwaldstätter See Sonntag
Ich habe gelernt, mit der Beschränkung zu leben. Das Motorrad hat auch so schon viel Spaß gemacht und das Fahren sowieso.

Mitte September war es dann so weit, TÜV, neue Reifen und endlich die Drossel raus, alles in einem Aufwasch erledigt. Dann war erstmal warten angesagt. War das Wetter Anfang September noch toll und sommerlich genug, um bei einem Ausflug nach Luzern noch im Vierwaldstätter See schwimmen zu können, zeigte sich ausgerechnet jetzt der Herbst von seiner ekelhaften Seite.

Gestern war es dann endlich so weit. Wetter schön, ich war zu einem Sektempfang eingeladen und konnte jetzt zum ersten Mal mein "neues" Motorrad ausprobieren.

Die erste Stunde fuhr ich wie auf rohen Eiern, die neuen Reifen waren noch nicht eingefahren und die neue Power meiner Maschine machte mir auch ein bisschen Angst.

Meine Kleine war nicht wiederzuerkennen.

Wo ich vorher dem Drehzahlmesser dabei zugesehen habe, wie der Zeiger mühsam über die 4.000 gekrochen ist und dabei das Gefühl hatte, dass mir gleich alle Ventile um die Ohren fliegen würden, genügt jetzt ein kurzer Dreh im 2. Gang und das Moped ist auf 8.500 Touren und die Tachonadel steht fast auf 100.

Ettenheim
Der Motor schnurrt geschmeidig und die Reifen (Michelin Pilot Road 3) sind ein Traum! Sie kleben wirklich wie Pattex auf der Straße. Nicht einmal hatte ich das Gefühl, dass irgendwas rutscht oder hoppelt. Selbst auf schlechten Strecken fährt mein Moped komplett spurtreu und in den Kurven habe ich das Gefühl, dass sie sich förmlich auf dem Asphalt festsaugt.

Ich habe mich heute ein paar Mal dabei ertappt, dass ich sehr viel schneller war, als ich dachte. Der Motor läuft jetzt so rund und stimmig, dass man gar nicht merkt, wie schnell man auf 100 (und drüber) ist.

Ich hatte in einem Forum davon gelesen, dass die Maschine zwischen 8.000 und 9.000 Umdrehungen nochmal einen "Schub" bekommen würde und konnte mir nichts drunter vorstellen.
Den Schub habe ich heute erlebt.
WAHNSINN!

So schade, dass sich die Saison schon ihrem Ende zuneigt, denn ich entdecke gerade wieder alles neu.

Alpenblick - immer wieder toll!
Bald heißt es wieder das Moped schrubben, ölen, wachsen und dann steht sie wieder die meiste Zeit in der Garage herum. Ach ja, es gibt noch eine Neuerung. Vor ein paar Wochen habe ich die Ortlieb-Motorradtaschen von jemandem zum halben Preis bekommen, sie sind so gut wie neu. Sie sind superpraktisch, jetzt kann ich alle Wechselklamotten in die Taschen stopfen, brauche keinen Rucksack mehr und notfalls kann da sogar die ganze Kombi nebst Stiefeln drin verschwinden.

Da kann die nächste Saison dann gerne kommen. Ich habe den Winter über genug Zeit, meine nächste große Tour zu planen und vorzubereiten.

Wenn es klappt, geht es nach... Na, das verrate ich dann, wenn es so weit ist. Bis dahin wünsche ich mir und Euch noch eine möglichst lange, sonnige und unfallfreie Restsaison 2013.

Mittwoch, 4. September 2013

Unterwegs mit Bike und Zelt III - Lindau - Vorarlberg - Schwäbische Alb

Erstmal Kaffee!
Letzte Woche hatte ich eine Woche "Zwangsurlaub", in der Abteilung war niemand und ich wäre nur dumm herumgesessen. Leider spielte das Wetter prompt in der ersten Wochenhälfte nicht mit, es wurde schlechter. Immer mit einem Auge auf den Wetterbericht schielend verbrachte ich die kostbaren Tage mit dem liegengebliebenen Haushalt, Besuchen, einer Fotosession und diversen Frühstücken und Kaffeeklatsch mit Freundinnen.

Donnerstag sollte es dann endlich wieder besser sein. Eigentlich war geplant, ein paar Tage mit meinem Freund in die Schweiz zu fahren. Leider kündigte sich just für Freitag ein wichtiger Termin an, so dass ich allein loszog. Mein ursprünglicher Plan war nach Bad Urach zu fahren und von dort aus Touren in der Schwäbischen Alb zu machen, vielleicht noch ein bisschen Thermalbad und ein bisschen wandern. Es kam dann aber alles ganz anders.

Hegaublick
Mittwochabend chattete ich mit einer lieben Freundin aus Oberammergau und wir beschlossen spontan,
uns am Donnerstag in Lindau zu treffen. Von dort könnte ich genauso gut Touren Richtung Schwäbische Alb oder auch anderswohin machen. Einen Campinplatz hat sie mir gleich auch noch empfohlen, nämlich den "Park-Camping" direkt am See. Donnerstagmorgen packte ich das Bike und startete gegen 10 in Richtung Lindau. Die Packerei nervt mich irgendwie von Mal zu Mal mehr. Es müssen jetzt wirklich Packtaschen her! Irgendwas drückt sonst immer in den Rücken, und/oder beschneidet meine Beinfreiheit, weil ich beengt sitze. Ein Blick auf das Reifenprofil sagte mir, dass DAS auch knapp werden könnte. Aber ich spielte einfach auf Risiko und auf trockenes Wetter.

Bei herrlichstem Sonnenschein war es hier unten in Freiburg morgens schon recht warm, als ich über den
Schwarzwald fuhr, war ich um Thermoshirt + Jackenfutter sehr froh. Es war schon recht frisch da oben. Angesichts diverser Baustellen kam ich im ersten Stück nicht so zügig voran, aber als dann der Hegaublick auftauchte, war es erst 11.30. Dieses Mal bin ich tatsächlich dort eingekehrt. An einem Donnerstagmorgen ist noch kein Motorradcorso, es waren nur eine Handvoll Leute da und auf der Terrasse war ich praktisch allein. Die Hügel des Hegau schimmerten durch den Morgendunst.

Nach dem Kaffee ging es flott weiter in Richtung Lindau, teilweise bin ich Autobahn gefahren, denn
diesmal ging es ja drum, einigermaßen zügig am vereinbarten Treffpunkt zu sein. Gegen 13.30 war ich dann in Lindau, fand sofort den Campingplatz und konnte mich auf der Zeltwiese heimisch einrichten. Kurz danach wurde ich auch schon abgeholt und wir starteten erst nach Bregenz, drehten dort eine Fotorunde um den Hafen, aßen Eis und fuhren dann wieder nach Lindau. Bis jetzt bin ich durch Lindau nur durchgefahren und war nie auf der Insel. Es ist wunderschön dort! Lauter kleine und kleinste Lädchen laden zum bummeln und verweilen ein und es gibt eine Menge zu sehen und zu entdecken. Der malerische Hafen, die verwinkelten Gässchen, und all die hübschen Häuschen. Leider gab es an diesem Tag keine gute Fernsicht, so dass man die Berge am gegenüberliegenden Ufer nur ahnen konnte.

Hochtannbergpass
Gegen Abend hieß es dann Abschied nehmen. Andi fuhr zurück nach Oberammergau und setzte mich an
der Seeufer und sah der Sonne beim untergehen zu. Später gab's noch eine Weinschorle im Campingrestaurant und dann ging's auch schon ins Bett.

Der nächste Morgen begrüßte mich mit strahlend blauem Himmel. Mit Milchkaffee und Croissant bewaffnet setzte ich mich ans Ufer und genoss die Morgensonne. Heute sollte es in die Berge gehen. Ich wollte eine große Runde rund ums Allgäu und nach Vorarlberg machen. In Balderschwang ist zur Zeit aber die weitere Strecke gesperrt, so dass ich bis Hittisau zurückfuhr, um dann auf den Hochtannbergpass zu fahren.

Es war einfach nur fantastisch! Herrlichstes Wetter, angenehme Temperaturen, weitgehend freie Straßen...
oben auf dem Pass erwartete mich Kuh-Idylle und Berge, die fast schon künstlich grün aussahen. Kurz dahinter entdeckte ich, dass da jetzt der Flexenpass kam. Hier geht es dann talwärts durch Gallerien. Derzeit wird in den Gallerien gebaut, so dass man nur recht langsam und vorsichtig durchfahren kann. Es liegt immer mal Dreck auf der Straße, oder der Asphalt ist aufgeschnitten.

Durch atemberaubend schöne Landschaft ging es nun Richtung Arlberg und weiter zum Faschinajoch.

Auf dem Weg zur Faschina
Die Straße zur Faschina ist teilweise recht schlecht, auch eng und steil in einigen Passagen, aber die
Aussicht oben lohnt sich. Ich war wirklich schwer beeindruckt von der landschaftlichen Schönheit um mich herum. Da die Zeit nun schon etwas fortgeschritten war, beschloss ich auf das naheliegende Furkajoch zu fahren und von dort wieder Richtung Lindau abzufahren. Kurz unter dem Gipfel fuhren bei einer Fotopause zwei Motorräder an mir vorbei, bei denen ich mir dachte "Die kenn ich doch!" Und richtig, oben auf dem Gipfel traf ich zwei Bekannte aus Vorarlberg bei ihrer Abendrunde. Nach einer Trink- und Quatschpause ging es recht flott nach unten Richtung Feldkirch. Beim dortigen Motorradclub machten wir Halt.

Etwas später verließen wir zwei Frauen die Männerrunde für ihren Clubabend und fuhren noch etwas
Furka
essen. In Dornbirn trennten sich unsere Wege und für mich ging es zurück auf den Campingplatz. Jetzt war es schon ordentlich frisch, die Sonne war weg und man konnten den Herbst spüren. Mit gut gefülltem Bauch rollte ich mich in meinen warmen Schlafsack und schlief erstmal nicht ein. Nebenan unterhielten sich noch recht lautstark ein paar Leute und am frühen Morgen weckte mich das Gewinsel und Gekläffe vom Hund der Zeltnachbarn. Der war wohl der Meinung, dass man um 6.30 aufstehen könnte *gähn*

Mit Blick auf das für Sonntag angekündigte schlechtere Wetter fuhr ich relativ bald los. Mein Weg führte
Pfullendorf
mich über Pfullendorf nach Zwiefalten. In Pfullendorf machte ich etwas länger Halt, da ich mir das Städtchen schon länger ansehen wollte. Auch hier stehen hübsche Fachwerkhäuser und es geht bergauf-bergab die Sträßchen in der Altstadt entlang. Als ich bei meinem Motorrad stand und mich startklar machen wollte, kam ein älterer Mann die Straße entlang. Es entwickelte sich ein typisches Benzingespräch: welche Maschine das sei, woher, wohin, welche Touren... Meinem Gesprächspartner stand die Sehnsucht nach einem Motorrad ins Gesicht geschrieben, da er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren kann. Er erzählte mir einige Geschichten aus seiner Motorradvergangenheit und war beeindruckt, dass ich so große Touren, wie meinen Frankreich-Spanien-Urlaub alleine gefahren bin. Einen Moment war ich versucht, ihm die Schlüssel und den Helm in die Hand zu drücken und ihm eine Runde anzubieten. Ich weiß nicht, was ich machen werde, wenn ich mal nicht mehr fahren kann... besser nicht dran denken...

Von Pfullendorf ging es weiter nach Zwiefalten. Dort war der reinste Motorradcorso durch den Ort.
Zwiefalten
Dahinter geht es in das Lautertal, das ich letztes Jahr auch schon einmal entlang gefahren bin. Nach einer verdienten Pause bei Kaffee und rekordverdächtig preiswertem (und guten!) Mandarinen-Schmandkuchen ging es weiter Richtung Bad Urach. Ein paar Umwege machte ich diesmal auch, erst einmal verlockte mich das Schild "Dobeltal" und danach gab es lustige Ortsnamen wie "Upflamör", denen ich einfach nachgefahren bin. In Bad Urach war ich dann schon recht müde und schlenderte nur einmal durch den Ort. Auch hier war die Mischung auf dem lokalen Marktplatz lustig: Senioren neben Bikern, Rollatoren neben Harleys... Ich wollte jetzt aber nach Hause, da sich das Wetter sichtlich eintrübte und ich keine Lust auf eine längere Regenfahrt hatte.

Leider habe ich die Strecke unterschätzt und war wirklich froh, als irgendwann das Schild "Villingen-
Bad Urach - man beachte die Motorräder in der Mitte...
Schwenningen" und später der Hinweis auf Freiburg auftauchten. Geregnet hat es dann auch noch, aber nicht schlimm. Noch im hellen kehrte ich ziemlich ko nach Hause. Ein Blick auf die Reifen sagte mir, dass es gerade noch so gereicht hat. Jetzt muss ich bis zum 10. warten, da habe ich einen Termin beim TÜV, das Bike wird entdrosselt und neue Reifen kommen drauf. Mal sehen, wie sie sich dann fährt...

Sonntag, 18. August 2013

Unterwegs mit Bike und Zelt II - Deutsche Fachwerkstraße und Zollernalbkreis

Home, sweet Home
Kennt Ihr das auch? Kaum seid Ihr an Eurem Ziel angekommen, fragt Ihr Euch, ob der Hahn von der Waschmaschine zu ist, oder ob Ihr alle Fenster geschlossen habt. So ging es mir am Freitagabend. Ich mache immer eine Runde durch die Wohnung und gucke, ob alles zu ist. Diesmal wurde ich beim aufpacken jedoch von meiner Vermieterin gestört, und da diese Störungen immer länger dauern, hatte ich es eilig, aus dem Haus zu kommen.

Das Problem war kein Wasserhahn, sondern ein Fenster. Und zwar das von meinem Arbeitszimmer, das man - wenn es offen ist - prima als Einstieg benutzen könnte. So lag ich also Freitagabend in meinem Schlafsack und überlegte ernsthaft, ob ich Samstag nicht erst schnell wieder nach Freiburg fahren sollte, nach dem Fenster gucken. Irgendwann habe ich beschlossen, Fenster Fenster sein zu lassen, zu holen gibt es bei mir sowieso nichts. Alle Wertsachen habe ich bei mir und die wichtigste Wertsache befindet sich sowieso die meiste Zeit unter meinem Hintern.

Dornstetten - Marktplatz
Als Übernachtungsort hatte ich mir diesmal Dornstetten im Nordschwarzwald am Rand zur Schwäbischen Alb ausgesucht. Das Städtchen sah schon mal vielversprechend aus und der Campingplatz "Königskanzel" ebenfalls.

Ich kam nach einer relativ zügigen Fahrt am frühen Abend dort an, baute das Zelt auf und setzte mich in die Abendsonne auf eine Wiese. Diesmal hatte ich mehr Verpflegung mitgenommen, als bei der letzten Tour und ging mit gefülltem Magen schlafen. Ich habe schon lange nicht mehr so tief und so lange geschlafen, wie in dieser Nacht. Statt Kissen hatte ich einfach den Dry-Sack gefüllt mit meinen Klamotten unter den Kopf geschoben. T-Shirt drüber, fertig.

Dornstetten - Zehntscheuer
Am Samstag schälte ich mich dann gegen 1/2 9 aus dem Zelt, holte meine Brötchen ab, machte Frühstück und plante die Tour. Der erste Stop sollte Dornstetten sein.

Dornstetten ist ein hübsches, mittelalterliches Städtchen, das besonders für sein Rundfachwerk bekannt ist. Nach einer Runde durch das noch völlig menschenleere Örtchen genehmigte ich mit einen Kaffee auf dem Marktplatz. Irgendwie fällt für mich auf meinen Touren der Alltag in kürzester Zeit von mir ab. Die kleinen Wochenend-Auszeiten wirken Wunder. Mit Blick auf das Rundfachwerk der Häuser gegenüber kam ich ins Grübeln. Ich fragte mich, warum wir Fachwerkhäuser so schön finden und mir fiel die ästhetische Theorie "Analysis of Beauty" von William Hogarth ein. Hogarth schreibt dort unter anderem, dass die S-Linie die schönste Linie sei, da sie das Auge anregt und am ehesten Lebendigkeit und Bewegung ausdrückt. Die unregelmäßige Regelmäßigkeit des Holzes gepaart mit der Symetrie der Fachwerkmuster erfreut also unser Auge und das Rundfachwerk dann folglich ganz besonders...



Der nächste Gedanke der sich mir aufdrängte war, ob unsere heutige Zweck-Architektur ein Ausdruck unserer langweiligen, getakteten Leben ist. Fachwerkarchitektur war ja sicherlich auch ein Ausdruck des Könnens der Handwerker. Und natürlich ein Ausdruck der finanziellen Möglichkeiten des Bauherrn... Es ist eine Gemütlichkeit und Ruhe, die diese Häuser trotz (oder wegen?) ihrer Unregelmäßigkeit und ihrer Bodenständigkeit ausdrücken.

Bei dem Gedanken an die Taktung unseres Lebens fragte ich mich, wann das eigentlich genau begonnen hatte. Mit der Erfindung von Chronometern? Oder tatsächlich erst durch die Produktionsgesellschaft? Müßiggang hat heutzutage ja den Ruch der Faulheit. Wir sollen immer verfügbar sein, immer produktiv, immer wach und immer leistungsbereit. An so einem wunderbaren Samstag wie gestern fiel es mir sehr leicht, mich dem Müßiggang hinzugeben. Heute ging es nicht darum, eine weite Strecke zu fahren, sondern das Schöne am Weg zu genießen.

Puppenhäuschen ;-)
Der nächste Besuch galt Nagold. Hier war noch Wochenmarkt und entsprechend voll waren die Gassen. Inzwischen war es doch recht heiß geworden und neben Sonnencreme für die Nase und Wasser für die Kehle wollte der Magen noch gefüllt werden. Und zwar mit einem schönen Eis. Bewaffnet mit der Eistüte ging es auf die Suche nach einer schattigen Bank, was gar nicht so einfach war. Als ich dann eine gefunden hatte, war dort gegenüber noch eine Eisdiele. Ich hätte also alles auf einmal haben können. Aber egal, Schatten ist Schatten. Und das Eis war auch gut.

Die Beschreibung der Deutschen Fachwerkstraße dass hier "Die Orte wie Perlen an einer Schnur" aufgereiht liegen, ist nicht übertrieben. Man könnte eigentlich in jedem kleineren oder größeren Ort anhalten, einen Bummel machen und sich alles ansehen. So viele hübsche Häuschen, so viele winkelige Gassen.

Die sind besonders süß!
Nach einer Runde durch den Ort bei inzwischen ganz ordentlichen Temperaturen zog es mich wieder aufs Motorrad. Zumindest ein bisschen kühler ist es beim fahren ja doch. Ich hätte gerne eine Kühlhose im Sommer... Für die Jacke habe ich eine gute Lösung gefunden, die passt in den Rucksack komplett rein. Dafür merkt man umso mehr, wie die Hose am Bein klebt und der Schweiß in die Stiefel rinnt... Irgendwann in den nächsten Wochen gibt es eine Anprobe für die Motorradtaschen von Ortlieb. Da könnte man dann ggf. die Hose + Stiefel reinstopfen und in Short und Sandalen umsteigen. Die Klamotten sind beim Stadtbummel im Sommer schon eine Plage.

Im Nagoldtal war es dann angenehm, teilweise auch schattig und der Fahrtwind kühlte mich wieder auf eine angenehme Betriebstemperatur herunter. Weiter ging es nach Calw.

Calw
Dort war ich vor Ewigkeiten mit 18 oder so einmal gewesen. Die Schwester einer Freundin war
Reformfachverkäuferin und lud uns zur Besichtigung von Welda in Schwäbisch Gmünd ein. Von dort fuhren wir weiter nach Calw. Ich hatte noch dunkle Erinnerungen an Fachwerkhäuser und eine Fahrt durch den Schwarzwald. Lang lang ist's her... Heute begrüßte mich Calw bei strahlend blauem Himmel gleich am Ortseingang mit niedlich, krummen Fachwerkhäuschen. In Richtung Marktplatz wurde es prachtvoller und großzügiger. Hier gab es keine engen Gässchen, hier war alles viel weitläufiger.

Bei meinem Bummel durch die Stadt und dem Thema "Müßiggang" kam mir die Idee, dass ich Postkarten kaufen und verschicken könnte. Ich hasse es, im Urlaub Karten zu verschicken, da mir das als recht sinnlose Zeitverschwendung erscheint. Da möchte ich lieber Nichtstun, oder irgendwo sitzen, oder Motorrad fahren und nicht mühsam meine Erlebnisse auf eine Karte kritzeln müssen. Aber so eine schöne, kitschige Schwarzwald-Postkarte, darauf hatte ich jetzt Lust.

Ist das nicht niedlich?
Flugs zwei Karten nebst zugehörigen Briefmarken gekauft und geschrieben. Das nächste Mal nehme
ich mein Adressbuch mit, dann kann ich noch mehr Leute mit Karten beglücken.

Inzwischen war der Nachmittag vorangeschritten und ich wollte noch ein wenig weiter meine Runde vollenden.

Kloster Hirsau lag am Weg, also machte ich noch einen Abstecher dort hin. Was mir gestern auf meinen Spaziergängen durch die verschiedenen Orte auffiel war, wie leer es dort überall war. Es ist Hauptsaison und in Bayern und Baden-Württemberg sind noch Ferien.

In der Klosteranlage war es ebenfalls fast menschenleer, zumindest bis auf die Kirche, denn dort war gerade eine Hochzeit. Die Schloßruine wird derzeit saniert und man
Kloster Hirsau
kann dort nicht hinein. Ein bisschen schade war auch, dass ziemliche hässliche Bestuhlung für die Freiluftbühne aufgebaut war. Klar, an so einem Ort schaut man sich gerne ein Schauspiel an. Ich war vor etlichen Jahre auf einer Aufführung von "Der Ackermann und der Tod" auf dem Alten Friedhof in Freiburg. Einen besseren Ort hätte man sich dafür nicht aussuchen können!

Die Sonne brannte mittlerweile unbarmherzig vom strahlend blauen Himmel und mir rann der Schweiß in Strömen. Hätte ich diesmal nur meine Badesachen dabei, dann hätte ich nachher noch an der Nagoldtalsperre ein erfrischendes Bad nehmen können. Hatte ich aber nicht. Also weiter schwitzen.

Kloster Hirsau
Vor der Sperre hatte ich noch einen kleinen Schwenk durch den Wald gedreht und war auf das Gasthaus Kröpfmühle gestoßen. Im schattigen Biergarten konnte ich ein bisschen abkühlen und mich stärken. Danach ging es weiter zur Nagoldtalsperre. Naja, selbst mit Badesachen hätte ich mir's überlegt, das Wasser roch nicht so richtig lecker.

Meine letzte Station an diesem Abend war Horb am Neckar. In der immer noch beachtlichen Wärme schleppte ich mich die etlichen Treppen nach oben, um einen Blick über die Stadt zu haben und noch ein paar Bilder machen zu können. Die Sonne stand schon tief, als ich wieder zu meinem Zelt zurückkam.
Jetzt noch rasch duschen, ein bisschen was essen und dann in den Schlafsack kriechen.

Horb am Neckar
Die Nacht war dann nicht ganz so erholsam, weil irgendetwas an meiner Mülltüte, die vor dem Zelt
lag herumraschelte und dann noch meinen Aluteekessel umwarf. Selbst ein "kssscht" hat nicht viel geholfen. Ich schätze mal, dass es ein Igel war, der sich an der leeren Brötchentüte zu schaffen machte. Außer ein paar Krümeln wird er nichts gefunden haben.

Fortsetzung folgt...


Sonntag, 4. August 2013

Unterwegs mit Bike und Zelt - Wolftal Nordschwarzwald

Allerheiligen
Wie ich schon angekündigt hatte, wollte ich diese Saison den Nordschwarzwald genauer erkunden. Nach dem wunderbaren (und auf der Höhe auch kühlen) letzten Wochenende mit Mann und Bus, Baden im Wasserfall Allerheiligen, im Sankenbachsee, einer gewittrigen Übernachtung an der Schwarzenbachtalsperre und Wolkenbruch auf dem Rückweg am Mummelsee war es dieses Wochenende an der Zeit, mal wieder das Bike zu satteln und loszuziehen.

Da gerade überall Hochsaison ist, habe ich vorsichtshalber meinen potenziellen Übernachtungsort angeschrieben. Ich hatte mir den Campingplatz "Alisehof" im Wolftal bei Schapbach ausgesucht. Die Fotos und die Lage hatten mich überzeugt. Die Antwort kam fix, ich sollte einfach vorbeikommen.

Also am Freitag nach der Arbeit erstmal etwas abwarten, bis die schlimmste Brathitze vorbei war. Dann das Bike bepacken und los geht's.

Spuren im Matsch
Da ich seit der letzten Tankfüllung nur zwei kleinere Touren gefahren war und mich auf meine Tankanzeige (3,2 Liter Reserve = ca. 70km bei gemässigter Fahrweise) immer verlassen konnte, fuhr ich ungetankt los. Sobald ich die Höhe Richtung Thurner halbwegs erklommen hatte, wurde es schon etwas kühler. Richtung Furtwangen und Triberg war es im Schatten richtig schön kühl.

So gondelte ich fröhlich vor mich hin, genoss den Fahrtwind und die Landschaft. Vorbei an der "Weltgrößten Kuckucksuhr", vorbei an diversen Tankstellen. Na, irgendwann wird das gelbe Lichtlein schon leuchten.

Als ich von der Höhe langsam runter Richtung Kinzigtal fuhr, hätte man sich wunderbar eine Föhnfrisur auf dem Bike machen können. Der Wind war heiß, glühend der Asphalt, heiß war's unterm Helm. Also mal anhalten und bisschen Wasser trinken, weiter.
Ah, da vorne kommt schon das Schild Oberwolfach.

Plötzlich fängt die Maschine an zu rucken.
Einmal, zweimal... ich gebe Gas... nichts passiert... nur die Öllampe leuchtet auf.
Öl? Kann nicht sein! Ich habe nur am Anfang einmal Öl nachfüllen müssen, außerdem war die Maschine gerade erst beim Kundendienst.
Was ist nur los...?
Blöderweise bleibe ich in der Glutsonne mitten auf einer Brücke stehen.
Zum Glück jedoch nicht im Tunnel 100 m weiter vorne, die Straße ist stark befahren, vor allem von LKWs.

Naja, gut, wofür hat man einen Schutzbrief.
Schnell die Karte von der Versicherung rausgekramt. "Die Rufnummer hat sich geändert... Bitte wählen Sie..." Ok, dann versuchen wir eben fix die Nummer vom ADAC. "Ihr Guthaben reicht nicht aus..." Hä? Hab ich doch auch gerade aufgeladen. Definitiv noch Guthaben drauf. (Wie ich erst später merke, ist das Netz dort schlecht bis nicht vorhanden.)
Blick von der Otmarshütte

Also, Stift rauswühlen, neue Nummer der Versicherung notieren.
Die Sonne brennt gnadenlos.
An mir donnern etliche LKWs vorbei.
Zum Glück habe ich eine Warnblinkanlage an meinem Motorrad.

Während ich noch nach dem Stift krame, hält ein Motorradfahrer an.


"Kein Sprit mehr?"
"Ich weiß nicht, sie hat Öl angezeigt."
"Dann wird's wohl Öl sein."
"Kann nicht sein, sie war gerade erst im Kundendienst. Aber ich schaue mal wegen dem Sprit, sie hat nichts angezeigt."

Tank auf.
Gähnende Leere.

"Ist mir auch schon passiert. Ich bin auch so ein Reserverfahrer, deshalb haben mir meine Freunde diesen Kanister geschenkt. Da passen 2 Liter rein."

Ich wühle einen 5-Euro-Schein aus dem Geldbeutel, während der andere Fahrer den Sprit in meinen Tank kippt.

Rundblick von der Hirsch-Hütte
Ich starte die Maschine.
Nix.
Nochmal.
Mit dem gewohnten Bellen springt der Motor an.

"Sie haben mir wirklich den Tag gerettet! Ich kaufe mir jetzt auch so einen Kanister."


Ich winke zum Abschied und bin dem anderen Fahrer endlos dankbar, es gibt sie also wirklich, die Solidarität unter Motorradfahrern. Falls Sie das lesen sollten: Ich kaufe mir nächste Woche gleich so einen Kanister und der nächste liegengebliebene Fahrer kriegt den Sprit von mir!

Überglücklich und dankbar steuere ich Oberwolfach an und die nächste Tankstelle ist mein! Jetzt kann das Wochenende unbeschwert beginnen.

Hirsch-Hütte
Ich fahre auf den Parkplatz vom Alisehof und gehe zur Anmeldung. Es sieht schon von außen alles sehr nett und familiär aus. Vor mir ist eine stark geschminkte Dame um die 60, die wohl mit ihrem Campingbus gekommen ist.  Bzw. ist vermutlich der Mann gefahren und sie kümmert sich jetzt um das Administrative.

"Also, ich hätte gerne einen schattigen Platz, und keine Kinder und keine Holländer. Ich habe nichts gegen die, aber trotzdem..." Ich verdrehe innerlich die Augen, während ich meine Anmeldung ausfülle.

Ronald vom Alisehof zeigt mir jetzt meinen Platz, schattig und ruhig, direkt am Bach und zwischen lauter Dauercampern. Hier lässt es sich aushalten. Ich schlage mein Zelt auf, ziehe mich um und gehe zum zahlen nach unten, reserviere meine Brötchen für Samstag und Sonntag. Danach gehe ich unter die Dusche, meine Klamotten sind völlig verschwitzt, selbst hier hat es noch deutlich über 30 Grad. Es ist alles sehr heimelig und sauber, man hat nicht diese komischen "Nurvonoben"-Duschen, mit denen man irgendwie nie richtig sauber wird, sondern es gibt eine anständige Schlauchdusche und alles ist tipptopp sauber.

Glaswaldsee
Frisch gewaschen trage ich mein Abendessen zu einem Tisch und mache es mir gemütlich. Danach noch ein kleiner Spaziergang Richtung Schapbach. Leider sind die Mücken und Bremsen sehr gefräßig, was mich davor abhält, längere Streifzüge durch den Wald zu machen. Allmählich wird es auch dunkel.

Ich lege mich erst so in die Wiese vor meinem Zelt, dann hole ich meine Isomatte raus. Irgendwann auch noch den Schlafsack. Fledermäuse kommen in der Dämmerung hervor, um Insekten zu jagen. Es kommen immer mehr Sterne raus und ich merke, wie mir die Augen zufallen. Ich krieche ins Zelt.

Was ist denn DAS? Lauter komische fadenscheinig wirkende Stellen an der Zeltwand.
Mein müdes Gehirn braucht einen Moment, bis es zu der Schlussfolgerung kommt, dass das keine fadenscheinigen Stellen sind, sondern Glühwürmchen. Etliche glühende Punkte und glühende Inseln leuchten auf meinem Zelt. Das letzte Mal habe ich als Kind welche gesehen. Wie schön!

Nach einer nicht so bequemen und unruhigen Nacht (Merke: bei einer selbstaufblasenden Matte immer das "deflate"-Ventil richtig schließen!) wache ich am Samstag etwas gerädert auf. Die Sonne vertreibt jedoch die Müdigkeit und gestärkt ziehe ich nach dem Frühstück los in Richtung Glaswaldsee.

Glaswaldsee
7,5 km, Pipifax! Beherzt stürme ich die erste Anhöhe hoch. Nach ungefähr 20 Minuten beginnt mir der Schweiß herunterzulaufen. Es ist wirklich heiß. Um nicht zu sagen, sehr heiß. Und der Weg ist verdammt steil. Je weiter es nach oben geht, desto steiler wird es und desto mehr schwitze ich. Ich bleibe immer wieder stehen, um zu trinken und zu verschnaufen, die aufdringlichen Mücken und Bremsen halten mich allerdings auf Trab. Als ich nach gefühlten 5 Kilometern endlich am Waldrand eine Bank sehe, lasse ich mich erstmal drauf fallen. Hier habe ich jetzt auch wieder Netz und die Welt empfängt mich mit etlichen besorgten SMS und einer Nachricht auf der Mailbox. Ja, ich lebe noch und nein, das Bike ist nicht kaputt.

Ich genieße die Aussicht auf eine ungemähte Bergwiese mit etlichen Schmetterlingen. So viele Schmetterlinge, wie an diesem Wochenende, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Auf jeder Blume scheint einer zu sitzen. Die meisten sind Tagpfauenaugen, der eine oder andere Admiral und der eine oder andere Braune Waldvogel ist auch dabei. Hier weht jetzt ein angenehmer Wind und ich hoffe, dass ich das meiste der Höhe jetzt hinter mir habe. Ich laufe ein Stück weiter hoch und komme zur Otmarhütte. Dort kann ich meine Wasserflasche füllen und habe einen ersten wunderschönen Blick ins Tal.

Noch 6 Kilometer bis zum See! Das kann ja fast nicht sein... Der Weg geht jetzt wieder durch den Wald
Hässlich, aber bequem!
und ist weniger steil. Irgendwann wird es etwas unwegsamer. Ich nasche Himbeeren von den Büschen am Weg und krame bei der nächsten Gelegenheit meine Sonnencreme hervor. Inzwischen bin ich patschnass geschwitzt und muss mich erstmal trocknen, bevor sich Sonnencreme und Schweiß zu einer schmierigen Schicht auf meiner Haut vermischen können. Hier sind die Insekten nicht ganz so gefräßig und ich kaue auf einer Scheibe Brot herum, während ich mir mit der Motorradkarte Kühlung zufächle.

Weit geht's in der Sonne. An einer Wegkreuzung ist auf einmal meine gelbe Raute weg. Es gibt jetzt eine blaue. Ich laufe eine Stück weiter hoch, weil dort eine kleine Hütte steht und hoffe auf einen Wegweiser. Es gibt keinen, dafür aber eine phantastische Aussicht und ein bisschen Schatten.

Ich entscheide mich, nach unten zu laufen und meinem Gefühl zu folgen, in welche Richtung der See liegen müsste. Die mühsam erklommenen Höhenmeter (bei der Hütte waren es 910 m) geht es jetzt wieder runter. Ich beschließe, keinesweg wieder nach oben zu gehen, auch wenn das der falsche Weg ist. Naja, der See liegt ja unten in einer Senke, wird schon stimmen.

Glaswaldsee
Es geht durch den kühlen Wald und irgendwann treffe ich tatsächlich einen Mann, der seinen Holzstapel auffüllt und frage nach dem Glaswaldsee. Es ist tatsächlich der richtige Weg (ha!) und ich bin nur noch einen knappen Kilometer entfernt. Allmählich wird der Weg belebter, in den 2 Stunden vorher hatte ich praktisch niemanden getroffen.

Die letzten Meter zum See geht es dann wieder steil nach oben, ich schwitze wie ein Tier und spüre jetzt auch mein "schlechtes" Bein. Vor einem Jahr hatte ich vermutlich einen Bandscheibenvorfall und seitdem hinke ich links, mal mehr mal weniger stark. Längere Wanderungen mit Gepäck sind seitdem nur mit Stöcken möglich. Ich hasse das Geräusch, das sie auf Asphalt machen, aber sie erleichtern mir das Gehen sehr und ich lasse mir das Wandern nicht von so einem Mist verderben!

Ich komme an der Staumauer am See an, hier ist einiges los. Obwohl offiziell Baden verboten ist, suchen hier etliche Leute Erfrischung. Ich suche mir ein schattiges Plätzchen und genieße den Blick auf den See.

Der Glaswaldsee ist ein Karsee und ist einer der ersten Schwarzwaldseen, die trigonometrisch vermessen und kartiert wurden. Der Glaswald hat seinen Namen von den Glasflaschen, die hier früher für das Heilwasser aus Bad Peterstal hergestellt wurden.

Dicke Libellen brummen um mich herum. Leider gelingt es mir nie, ein gescheites Foto zu machen, da sie immer dann, wenn ich die Kamera in der Hand habe, eilig hin- und herflitzen. Sobald ich die Kamera ausmache und weglege, kommt garantiert wieder eine vorbei, um eine gefühlte Minute vor mir herumzuschweben. Die Viecher machen sich lustig über mich, da bin ich sicher! Ihr Geräusch ist wirklich beeindruckend und wenn zwei von ihnen sich jagen und ihre Flügel sich berühren, scheppert es richtig. Im Wasser schwimmt eine Schlange vorbei, vermutlich eine Ringelnatter, sie ist zu weit weg und zu schnell, um genaue Merkmale zu erkennen.

Libelle macht sich lustig!
Ich gehe einmal um den See herum und beginne mit dem Blick auf die Wettervorhersage meinen Abstieg ins Tal. War es noch schön kühl, fast schon frisch am See, glüht die Sonne jetzt umso unbarmherziger herunter. Ich bin dankbar um jeden Schatten. Der Bach neben der Straße sieht sehr verlockend aus und an einer Stelle halte ich dann auch mal die Füße hinein. Bald bin ich im Tal und auf dem Wolftalweg, der zum Glück fast nur im Schatten verläuft. Auf einer Bank mache ich nochmals Halt und ruhe mich etwas aus. Diese Wanderung war doch anstrengender, als gedacht!

Auf dem Campingplatz ist heute Sommerfest mit Bewirtung und Musik, mir ist aber eher nach Ruhe.
Wolftal
Nach der Dusche laufe ich nochmal ein Stück Richtung Schapbach, heute Abend sind die Mücken nicht ganz so nervig, aber ich bin furchtbar müde, mir fallen fast die Augen zu. Noch bevor es ganz dunkel ist, bin ich schon im Zelt und versuche zu schlafen. Ich träume lauter wirres Zeug und wache am Sonntag recht früh auf. 7 Uhr! Bah! Da schlafe ich  noch eine Runde!

Irgendwann treibt es mich doch aus dem Zelt, ich hole meine Brötchentüte ab und setze mich heute zum Frühstücken aufs Motorrad. Die Wiese ist nass von Tau, ebenso mein Zelt. Eigentlich wollte ich noch Richtung Freudenstadt, aber die Schwüle und die dunklen Wolken treiben mich nach Hause. Kurz vor Waldkirch komme ich dann tatsächlich ins Gewitter, fahre aber beherzt nach Hause, denn da schaut es schon nach Sonne aus.

Das war mal wieder ein tolles Wochenende!
Jetzt muss ich erstmal Schlaf nachholen.





Mittwoch, 31. Juli 2013

Liebeserklärung

Kaunertaler Gletscherstraße
Meine liebste Honda, vor 2 Jahren habe ich Dich gekauft.

Über 33.000 Kilometer hast Du mir bis jetzt treu und brav gedient, bist immer angesprungen (naja, fast immer), hast nie gezickt und ich hatte immer Spaß mit Dir.

Wir haben zusammen die Berge und das Meer gesehen.
Regen, Schnee, blauen Himmel, Wiesen, Wälder, Wasserfälle, Bergstraßen, Landstraßen, Autobahnen... Ich hoffe, dass Dein kleines Motorradherz noch lange so treu und zuverlässig schlägt!
Und... bald... wirst Du auch 57 statt 34 PS haben... bald...

Kühtai, Tirol
Ja, das war eine aufregende Zeit vor 2 Jahren, kurz vor der Führerscheinprüfung.

Als ich dem Händler damals sagte, dass ich Dich am Wochenende holen würde und dass ich den Schein noch gar nicht in der Tasche hätte, meinte der nur "Sie sind sich aber sicher, dass Sie bestehen!"
Das war ich mir.
Hab's auch auf Anhieb geschafft.

Bis dahin floss viel Schweiß.

Hantennjoch, Tirol
Das erste Mal Schnellstraße mit einem Fahrlehrer, der mich permanent anschnautzte, dass ich zu langsam fahren würde "Hier ist 80, Sie fahren 60! Jetzt geben Sie mal GAS!" 

Die erste Überlandfahrt, obwohl ich noch gar nicht alle Grundfahraufgaben
beherrschte.

Gorges du Tarn
Das erste Mal 100 km/h gefahren und vor Angst völlig erstarrt.

Nach der Stunde o-beinig und ko die Fahrschulmaschine in die Garage geschoben und sie nicht auf den Hauptständer bekommen.

Der Hauptständer war eh so ein Thema... aber Du hast ja gar keinen...

Sierra de Cadí, Spanien
Die furchtbar anstrengende Nachtfahrt, auf der ich fast nichts gesehen habe. Bis ich zuhause merkte, dass die Schutzfolie immer noch von innen auf dem Visier klebt...

Die erste Autobahnfahrt, Schmerzen in der Gashand nach 20 Minuten, der Winddruck, die LKWs...

Die ersten Touren nach dem Führerschein waren anstrengend, aufregend, alles neu.

Keiner, der mir helfen konnte, ich war völlig auf mich allein gestellt.

Ich immer brav, immer vorsichtig, mit Warnweste (*örgs*).

Das Fazit dieser letzten 2 Jahre (oder fast 2 Jahre, mein "Schein-Jubliäum" ist erst am 4.8.) ist:
Nie wieder ohne Motorrad!

"Motorradfahren ist das Schönste, was man angezogen machen kann." (Zitat Uli und Kerstin)
*fett unterschreibt*

Port de la Bonaiqua, Spanien