Sonntag, 16. September 2012

Urlaub die Dritte - Fortsetzung

8.8.2012

Kochelsee
Der heutige Tag versprach ebenfalls sonnig zu werden. Da es über den Bergen aber eher unsicher aussah, entschied ich mich für eine Tour weiter unten. Zu sehen gab es mehr als genug!

Vom Campingplatz aus ging es los Richtung Murnau am Staffelsee. Dort angekommen war es bereits recht warm geworden. Die ersten Tagesgäste saßen und lagen am Ufer, eine Gruppe Motorradfahrer stand ebenfalls am See und besprach die weitere Tour.

Die wahren Highlights meiner Tour sollten mich jedoch erst später erwarten. Von Murnau aus ging es weiter in Richtung Kochelsee. Hier ergaben sich großartige Ausblicke auf den See und die umliegenden Berge. Das Blaugrün des Wassers ist einfach unglaublich.

Walchensee
Vom Kochelsee aus ging es weiter zum Walchensee den Kesselberg hoch. Hier könnte man ganz toll hoch- und runterrasen, aber eine Geschwindigkeitsbeschränkung und der dichte Verkehr verboten es. Wie schon öfter erlebt, hatte ich vor mir immer wieder Autofahrer, die offenbar mit kurvigen Strecken, die sich leicht den Hang hochziehen überfordert waren. Aber gut, ich bin im Urlaub und nicht auf der Flucht.

Am Walchensee angekommen, machte ich in einem unglaublich niedlichen Ufercafé Pause und genoss die Aussicht sowie einen leckeren Apfelkuchen plus Milchkaffee. Als am Nachbartisch gerätselt wurde, wo sich der "Kirchturm, der im Wasser steht..."  befindet, mischte ich mich kurz in das Gespräch ein. Es handelt sich um den Reschensee. Diesmal war ich nicht dort oben, von einer meiner Radtouren durch die Alpen (muss so ca. 1995 gewesen sein) kenne ich den See.

Walchensee
Für mich Geographielegasthenikerin ist es immer wieder interessant, die Straßenkarten zu studieren. Endlich weiß ich mal, wo was liegt und wie nahe manche Orte beisammen liegen. Und - entgegen dem allgemeinen Vorurteil, dass Frauen keine Karten lesen können - komme ich sehr gut mit den Straßenkarten zurecht. Ich weiß fast immer, wo ich gerade bin. So schwierig ist das auch nicht. Falls ich nächstes Jahr weiter weg fahren sollte, wird ein Navi unumgänglich, denn so viele Karten kann man dann doch nicht mitschleppen.

Vom Walchensee aus ging es weiter in Richtung Wallgau und von dort die teilweise mautpflichtige (3 €) B307 Richtung Sylvensteinspeichersee.
Karwendel
Diese Strecke ist ein landschaftlicher Genuss! Man fährt am Fuß des Karwendelgebirges entlang und kann immer wieder anhalten und die heißen Füße in die eiskalte Isar stecken. Die Landschaft ist eigentümlich, ein Wildwasserbett mit viel Kies, mal mehr, mal weniger ausgewaschenen Uferbereichen und mehr oder weniger tiefen Stellen. Am Sylvensteinspeichersee kann man wieder interessante Blicke genießen und die Farbe des Wassers bewundern.

Die Reserveleuchte auf meinem Armaturenbrett gebot mir, ziemlich direkt nach Lenggrieß zu fahren, um dem Moped und mir eine Erfrischung zu gönnen. Von Lenggrieß aus ging es über Jachenau wieder zum Walchensee zurück. Der See hat mir wirklich sehr gut gefallen. Bei einer nächsten Bayerntour werde ich vermutlich dort mein Zelt aufschlagen und mich noch weiter Richtung Osten bewegen.
Sylvensteinspeicher

Mein Rückweg führte mich dann über Oberammergau wieder nach Füßen und zu meinem Campingdomizil am Forggensee. Noch ein Tag, an dem ich nicht naß geworden bin, nur die Füße hatte ich mal in der Isar.

09.08.2012

Die nächsten zwei Touren führen mich nach Tirol. Die heutige Tour wird der geographische Höhepunkt meines Urlaubs werden, denn es geht unter anderem hoch aufs Timmelsjoch.

Meine Anfahrt sollte heute nicht wieder über den Fernpass gehen, sondern ich nahm die Route über Garmisch-Partenkirchen und den Grenzübergang Mittenwald-Scharnitz. Die ganzen Namen und Alpenpässe erinnern mich stets an meine Kindheit mit dem Sender "Bayern 3".

Lüftlmalerei
"Am Grenzübergang Mittenwald-Scharnitz 2 Stunden Wartezeit für LKW..." Damals gab es noch keine EU, die Grenzen waren noch nicht offen und jedes europäische Land hatte noch seine eigene Währung. Im Winterhalbjahr konnte man dann den Straßenbericht der Alpenpässe hören "Iserand, Isoire, Großer St. Bernhard, Kleiner St. Bernhard.. Furka... Arlberg..." Die Namen hören sich wie ein "Who-is-Who" sämtlicher "Hochfahrenmusspässe" an.

In Garmisch hielt ich für eine Frühstückspause mit hervorragenden Brötchen und bummelte danach durch die Straßen, um Fotos von der kunstvollen Lüftlmalerei zu machen. Der Himmel war herrlich klar, man hatte Ausblicke zum Zugspitzmassiv. Alles in allem verhieß es, ein schöner Tourtag zu werden.

Auf dem Weg zum Kühtai
Von Garmisch aus ging es weiter in Richtung Innsbruck und über Kematen hoch zum Kühtaisattel. Die Straße war wenig befahren und ich hatte genügend Muße, die umliegenden Berge zu bewundern. Ich bin immer wieder fasziniert von der landschaftlichen Vielfalt der Bergwelt. Von den Kontrasten zwischen lieblich und schroff, grün und grau, trocken und nass... Auf dem Sattel angekommen, genoss ich die Sonne in einem Liegestuhl und ruhte meine geschundenen Handgelenke ein wenig aus. Eine der Folgen von exzessivem Motorradfahren sind Schmerzen in den Handgelenken. Gut, inzwischen bin ich so trainiert, dass ich keine "Gashand" oder "Kupplungshand" mehr bekomme. Letztes Jahr hatte ich auf einer langen Tour gegen Ende sehr große Probleme mit Schmerzen in den Händen. Dieses Jahr beschränkte es sich auf leichte Verspannungen.

Auf dem Weg zum Timmelsjoch
Vom Kühtai aus lag es nah, die Timmelsjoch-Hochalpenstraße zu nehmen. Ich wollte mich dort ein wenig umsehen und die Zeit und das gute Wetter noch einmal für eine ausgiebige Tour nutzen. Die Straße zum Timmelsjoch hoch führt durch recht liebliche Berglandschaft. Erst auf den letzten Kilometern ab Sölden wird es allmählich schroffer und unwirtlicher. Die letzten Kilometer hoch zum eigentlichen Joch sind mautpflichtig. Hier fand ich den Preis für gefühlte 10 km hin und zurück happig: 14 €! Aber gut, wofür ist man in Urlaub, wenn nicht, um sich alles Interessante anzusehen, das am Wegesrand liegt.

Timmelsjoch
Oben auf dem Joch angekommen, pfiff ein scharfer Wind und es war recht frisch. Ich drehte eine Runde auf dem Gipfel. Oben gibt es einen Kunstpfad mit diversen Objekten, die ich mir jedoch nicht weiter angesehen habe. Die Landschaft rundum hat mich wesentlich mehr beeindruckt. Hier oben fühlt man sich wirklich "on top of the world"! Unglaublich schöne Blicke rundum erfreuen das Herz und ich hatte zudem noch eine phantastische Fernsicht.

In der Gipfelhütte wärmte ich mich etwas auf, um dann den Weg zurück nach unten und nach Hause anzutreten. Auch heute wieder: kein Wasser von oben!

10.08.2012

Hall in Tirol
Der letzte Tourtag ist angebrochen. Heute führt mich mein Weg wieder nach Tirol, diesmal besuche ich eine Freundin in Kematen. Aus Zeitgründen hatte ich mich für die Hin- und Rückfahrt für den Fernpass entschieden.

In Kematen angekommen, machten wir uns erst einmal an das zweite Frühstück. Das Wetter verhieß den einen oder anderen Schauer, so dass an großartige Wandertouren nicht zu denken war. Stattdessen fuhren wir erst einmal nach Hall. Hall hat eine wunderschöne Altstadt und blickt auf eine lange Geschichte als Marktstadt zurück.

Seit dem 13. Jahrhundert war das Salzbergwerk im Halltal die zentrale Industrie der Stadt und der Umgebung. Wie wichtig das Salz war, zeigt auch das Stadtwappen: Zwei Löwen, die ein Salzfass halten. Das Salz wurde bis in die Schweiz, den Schwarzwald und das Rheingebiet exportiert. Der Versuch vor dem 2. Weltkrieg ein Heilbad aus Hall zu machen (Solbad Hall) scheiterte an den Kriegswirren und wurde gegen Mitte der 70er-Jahre mit dem Aus der Saline endgültig begraben.

Hall in Tirol
In Hall gibt es eine supergute Eisdiele, allerdings ließ mich der Preis von 1,10 € pro Kugel schier hintüber kippen... hier kosten sie zwischen 80 und 90 Cent, ab und an findet man noch die eine oder andere Eisdiele mit 60 oder 70 Cent. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, denn das Eis war äußerst lecker, die Kugeln sind riesig und lassen den Schmerz im Geldbeutel rasch vergessen.

Nach dem Bummel durch Hall ging es weiter nach Innsbruck. Das Inntal ist an dieser Stelle relativ breit. Ich mag ja Berge, aber manch einer mag ihre Nähe als erdrückend oder beängstigend empfinden.

Goldenes Dachl
Innsbruck ist die Hauptstadt des Bundeslands Tirol, sie ist die fünftgrößte Stadt Österreichs. Das Wahrzeichen Innsbrucks ist das "Goldene Dachl", das ich pflichtbewusst fotografiert habe. Interessant fand ich den Kontrast zwischen der Altstadt von Innsbruck und der Freiburger Altstadt. Wir kamen im Gespräch darauf, dass die Städte eine ähnliche Einwohnerzahl haben. Die Architektur und Großzügigkeit der Flächen hat mich eher an Basel erinnert. Die Freiburger Altstadt ist mittelalterlich-verwinkelt, einzig der Münsterplatz, der Augustinerplatz und der Rathausplatz sind großzügiger.

Nach dem Bummel durch Innsbruck fuhren wir zurück nach Kematen, um dort zu Abend zu essen. Mein Besuch endete mit Schlutzkrapfen in brauner Butter. Schlutzkrapfen sind ähnlich wie Maultaschen, diese hier waren mit Steinpilzen gefüllt und die Butter... war nicht nur ein bisschen Butter drübergeträufelt, nein, sie schwammen drin! Ein perfektes Essen für hungrige Motorradfahrer! Nach diesem schönen Besuch und den tollen Eindrücken ging es noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück über den Fernpass nach Füssen und zu meinem Zelt.

Innsbruck
Eine letzte Nacht auf hartem Boden, ein letztes Frühstück am Forggensee... zuhause wurde ich schon vermisst und konnte mich auf eine gemütliche Nacht in meinem weichen Bett freuen.

Mein Urlaub war einfach phantastisch, ich würde (und werde) jederzeit wieder mit Motorrad und Zelt aufbrechen. Einzige Spätfolge meines mangelnden Schlafkomforts war eine heftige Ischialgie, die sich leider in Form von Hinkebein immer noch auswirkt. Ich habe mir inzwischen eine selbstaufblasende Matte von Exped gekauft, die auf ihren Einsatz wartet. Zelt und Schlafsack kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Neuschwanstein im Abendrot
Seit ich letztes Jahr Anfang August das erste Mal auf meinem Motorrad saß, sind viele Touren vergangen, viele Fotos gemacht worden und ich bin inzwischen 20.000 km gefahren. Es macht mir immer noch einen Riesenspaß und ich freue mich an den kontinuierlichen Fortschritten, die ich seitdem gemacht habe.