Samstag, 30. Juni 2012

Breisgau Tropical

Blick vom Kandel zur Rheinebene
Als ich nach Freiburg gezogen bin, gab es gleich im ersten Jahr einen "typischen" Freiburger Sommer: hohe Luftfeuchtigkeit und konstante Temperaturen über 30 Grad. Das war ich nicht gewohnt und entsprechend reagierte mein Körper auch: total ko!

Ich habe mich irgendwie dran gewöhnt, aber es gibt Zeiten, in denen es mir wirklich schwer fällt, dieses Klima zu ertragen. Diese Woche war es so weit. Ich musste arbeiten und saß den ganzen Tag im Laden, der sich ab ca. 11 Uhr auf Saunatemperaturen aufheizte. Zuhause war es auch nicht besser, ich wohne in einer Dachwohnung in einem ziemlich gammeligen Haus. Isolierung Fehlanzeige. Die letzten Tage bin ich nach Hause gekommen, unter die Dusche gestiegen und habe dann die Zeit bis zum nächsten Morgen praktisch im Koma verbracht.

Blick vom Kandel Richtung St. Peter
Heute morgen war es gegen 1/2 10 schon furchtbar heiß draußen. Für den Feierabend hatte ich mir eine Tour auf den Kandel vorgenommen, danach sollte es oben weitergehen, Titisee, Feldberggebiet. Alles, nur raus aus dieser grauenhaften Schwüle! Ich habe die Minuten gezählt, bis ich aus dem heißen Laden endlich hoch in die Schwarzwald konnte!

Kandelflugraupe
Auf dem Kandel war ich mit dem Motorrad noch nie. Das letzte Mal, als ich nach oben wollte, bin ich wie ferngesteuert hinter anderen Bikern hergefahren, die die Ausfahrt nach St. Peter nahmen. Heute habe ich es geschafft. Erstmal aus dem hitzebedüdelten Wuselverkehr entkommen und dann ging es die Straße hoch. Ich war nicht sonderlich schnell heute, erstmal runterkommen, im Wochenende ankommen und mich ein bisschen warmfahren. Es war schon eine Wohltat, durch den Wald nach oben zu fahren. Keine sengende Sonne, Fahrtwind und je weiter es nach oben ging, desto angenehmer wurde es.

Auf dem Kandel angekommen konnte ich dann die "Brühe" sehen, die unten im Tal klebte. Man sah fast nichts, die Paraglider sprangen in eine Art Nebelwand. Nach einem Capuccino (übrigens völlig überteuert mit 2,90 € aus dem Pappbecher!) und einer ausgiebigen Paragliderbetrachtung ging es weiter Richtung St. Peter und St. Märgen auf meiner üblichen Hausstrecke.

Blick zum Feldberg - auch hier... Brühe...
Wirklich erträglich war es nur oberhalb von 1000 Metern. Sobald man sich einem Tal näherte, wurde der Wind warm wie aus dem Föhn und die Sonne briet unangenehm aufs Haupt. In Titisee bog ich ab zur Bruderhalde und kehrte im Gasthaus Löffelschmiede ein. Hunger hatte ich, aber bloß nix warmes essen, Salat musste her! Danach ging es hoch zum Feldberg und weiter Richtung Waldshut-Tiengen auf der B500.

AUSLÜFTEN!!!!
Unterwegs machte ich nochmal Pause auf einer Bank und lüftete meine Füße aus. Die Heidelbeeren sind noch nicht reif, zumindest bis auf 2 Stück, die die Begegnung mit mir nicht überlebt haben. Es war wunderbar, auf der Bank zu liegen, den Himmel anzuschauen und die Ruhe zu genießen. Auf der Strecke war praktisch nichts los, die Straße leer und bis auf ein entferntes Summen der Zivilisation und dem gelegentlichen Auto oder Motorrad war es still.

Von dort aus fuhr ich weiter Richtung Süden, von den angekündigten Gewittern war noch nichts zu sehen. Heute muss ich intuitiv Strecken durch den Wald gewählt haben. Größtenteils waren es Strecken, die durch kleine Bachtäler im Schatten verliefen, es war unglaublich angenehm, dort zu fahren! Ich habe wirklich jede mögliche Abzweigung genommen, die Schatten verhieß.

... schon verdaut!


In Steinen bekam ich einen kurzen Geschmack davon, wie es ganz unten sein würde. Es war 18.30 Uhr und die angezeigte Temperatur betrug 33 Grad im Schatten. GRAUENHAFT! Bei diesen Temperaturen verschmort man fast in den Motorradklamotten. Zwei Anschaffungen stehen diesen Sommer noch an: ein Paar Sommerhandschuhe und ein Paar Sommerstiefel.

Hinter Sitzenkirch stoppte ich auf einem Parkplatz, um den Kontakt mit der Schwüle im Tal noch so lange wie möglich hinauszuzögern. Nochmal alle Klamotten runter, Schuhe aus, in  den Schatten und den Blick in die suppige Rheinebene genießen.

Jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe, kommen im Radio die Unwettermeldungen. Ich bin den Gewittern weggefahren. Als ich auf der Höhe von Wehr war, sah es östlich von mir schon recht bedrohlich aus und auf den letzten Kilometern nach Freiburg verdüsterte es sich auch in der Rheinebene. Ein bisschen Abkühlung wäre wirklich toll...

Sonntag, 24. Juni 2012

Der Berg ruft...

Freitag

Hegaublick
 Seit Wochen endlich mal ein richtiges Wochenende mit Samstag und Sonntag komplett frei, also was lag näher, als eine richtig große Tour auszusuchen? Am Freitagmorgen wachte ich schon mit einem leichten Kratzen im Hals auf und ärgerte mich, dass das ausgerechnet jetzt sein musste.

Großer Alpsee
Freitagabend nach der Arbeit sprang ich - inzwischen mit leichten Halsschmerzen - aufs Bike und fuhr nach Kressbronn an den Bodensee. Ganz kurzfristig hatte ich eine Unterkunft in "Claudis Radl Stadl" bekommen, zwar Mehrbettzimmer, aber egal. Hauptsache raus, weg, fahren, was erleben. Für die Strecke hatte ich ungefähr 2 Stunden gerechnet, so weit ist es nicht und ich bin stramm durchgefahren. Oben auf dem Thurner bog ich nach links ab, um über das Jostal Richtung B31 zu fahren, weil ich dann auch nicht die Sonne im Gesicht haben würde und die Strecke mir besser gefällt. Das war schon mal keine gute Entscheidung, denn nach ca. 300 m ist der Belag aufgeschnitten und man eiert bis zur Einfahrt ins Jostal mit 30 km/h über die Straße.

On the road
Bis in den Hegau ging es ereignislos weiter, Hand am Gasgriff. Kurz hinterm "Hegaublick" wurde ich geblitzt... ich weiß noch nicht, ob's ein Knöllchen geben wird, denn wenn's nur von vorne hell wurde, macht's ja nix. Da das aber eine beliebte Motorradstrecke ist, fürchte ich, dass da ein Doppelblitzer steht und ich weiß nicht so genau, wieviel ich zu schnell war, hatte gar nicht großartig auf die Schilder geachtet. Na, warten wir es ab.


Oben auf dem Parkplatz stoppte ich kurz, um den tollen Ausblick zu genießen und dann ging es weiter an den See. Die Strecke am Bodenseeufer entlang ist landschaftlich schön, aber immer extrem befahren. Heute ging es sogar mal und ich freute mich, dass ich so gut vorankam... bis... ja, bis ein Schild kam, dass die Straße ab Hagnau gesperrt sei und man der Umleitung folgen sollte. Tja. Die Umleitung führte durch sämtliche kleine Orte am See, und leider leider hatte ich ständig LKWs vor mir, die auf den engen Straße langsam und sehr langsam fuhren, an überholen nicht zu denken. Irgendwann sah ich eine Kirchturmuhr, es war 10
Bei Bad Hindelang
vor 9! ups, ich würde 3 Stunden brauchen, nicht 2. Ich hoffte inständig, dass mein Bett jetzt nicht anderweitig vergeben wurde und landete gegen 1/2 10 endlich in Kressbronn. Mein Bett war noch da, und nach einer heißen Dusche und einer heißen Pizza kippte ich hinein.

Leider war es sehr laut, da offenbar ein Chor übernachtete und die Menschen bis spät in die Nacht lautstark sangen. Kaum waren sie verstummt und ich endlich eingeschlafen, kam eine Truppe angetrunkener Gäste ins Haus gepoltert und danach kamen meine Zimmergenossinnen, nach Alkohol und Zigaretten duftend und starteten ein wundervolles Schnarchkonzert. An Schlaf war kaum zu denken, zumal ich inzwischen richtig Halsweh hatte. Irgendwann in den frühen Morgenstunden schlief ich endlich ein und wurde bald darauf von einem piepsenden, brummenden Handy geweckt. Das nächste Mal: Oropax!

Samstag

Die "Kanzel" unterhalb vom Oberjochpass
Entsprechend ko und gerädert startete ich in den Morgen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit jeder Menge Tee gegen das Halsweh und einer Tasse extrem starkem Kaffee entschloss ich mich dazu, loszufahren. Ich wollte das schöne Wetter nutzen und eine Freundin in Oberammergau besuchen. Ganz "nebenbei" sollte es über meinen ersten Alpenpass gehen. Mit Kaffee im Blut ging es erstmal durch die Sonne auf der B308 über Lindenberg und Scheidegg hoch auf die deutsche Alpenstraße. Die Straße zur Scheidegg hat 7 Kehren, die sorgfältig nummeriert sind. Ich fragte mich, ob das für die "Hilfe-eine-Kehre-ich-trage-mein-Auto-um-die-Kurve"-Fahrer gedacht war. Die Straße selbst führt sehr schön durch den Wald und ist größtenteils in gutem Zustand, man kommt da ganz gut hoch.

Rundumblick von der "Kanzel"
Je weiter ich nach oben und in Richtung Allgäu kam, desto mehr zog es sich zu. Hoffentlich regnet es nicht... diesmal in angekränkeltem Zustand, wäre ich umgekehrt, denn beim losfahren hatte ich schon leichte Schwitzattacken und Frösteln gehabt und Regen wäre da sicherlich nicht gerade förderlich gewesen. Aber es blieb trocken und ich kam dann wieder in der Sonne vorbei am Großen Alpsee und nach Immenstadt. Dort kaufte ich mir Halsschmerztabletten und eine Großpackung Taschentücher. Bis auf das Gekratze ging es mir nicht so übel, die Sonnenwärme tat gut und meine Stimmung war bestens.

Tannheimer Tal
Über Sonthofen und Bad Hindelang ging es dann zum Oberjochpass. In dem "Motorradatlas Alpentouren 2012" hatte ich gelesen, dass man seine Überholmanöver möglichst VOR dem Pass abgeschlossen haben sollte, da man auf der Straße selbst keine Chance dazu hätte. Tja. Da waren sie wieder, die "Flachlandtiroler" auf vier Rädern. Mit 30-40 km/h ging es die teilweise enge und unübersichtliche Straße hoch zum Pass. Zwischendrin muss man noch an Radfahrern vorbei bzw. hängt schon mal länger hinter ihnen, je nach Verkehr. Das ist aber alles nicht weiter schlimm, denn bereits unterhalb vom Pass wird man am Aussichtpunkt "Kanzel" mit einer wundervollen Aussicht entschädigt.

Haldensee Tannheimer Tal
Hinter dem Pass setzte ich den Blinker und fuhr nach Tirol ins Tannheimer Tal. Diese Strecke war in dem Heft lobend erwähnt worden und ich wurde nicht enttäuscht. Erst einmal ist auf der Straße fast nichts los und dann fährt man durch eine wirklich wunderschöne Berglandschaft. Paraglider nutzen die Thermik an den Bergen und Sonne und Wolken spielten im Wechsel. Hinter dem Haldensee fuhr ich weiter Richtung Reutte und dann zum Plansee. Sämtliche Wehwehchen waren längst vergessen. Der Plansee zieht sich recht lang. Er liegt in einem tief eingeschnittenen Tal und sein perfektes Grünblau lässt sofort Urlaubsstimmung aufkommen.

Plansee
Der nächste Stopp nach dem Plansee war dann Oberammergau. Ich war in dieser Ecke noch nie und die grandiose Berglandschaft auf dem Weg hatte mich sehr beeindruckt. Die breiten Täler des Lechs und der Ammer mit ihren Geröllmassen und Schwemmholz führen nur im Frühjahr nach der Schneeschmelze richtig viel Wasser. Die Gegend lädt zum erkunden zu Fuß ein... mal sehen, was ich im Urlaub (wenn es denn einen gibt) so machen werde. Berge stehen auf jeden Fall auf der Liste.

Pilatushaus Oberammergau
In Oberammergau angekommen merkte ich dann doch, wie übernächtigt und angeschlagen ich war. Nach einer Tasse heißem Tee bekam ich eine Stadtführung und mit einem großen Eisbecher intus liefen wir eine Runde um den Ort herum. Sehr schön sind die typischen Häuser mit ihrem bunten Blumenschmuck und den Holzelementen an den Fassaden. Und typisch ist auch die "Lüftlmalerei". Fassadenbemalungen findet man bei uns an der Grenze zur Schweiz sehr viel, aber der Stil ist ein völlig anderer. Besonders schön ist das Pilatushaus mit seinem Krätergarten.

Oberammergau
Viel zu schnell war die Zeit vorbei und ich musste den Rückweg antreten. Diesmal wählte ich die schnellere Strecke über Füssen. Hier fährt man durch das "König-Ludwig-Land", von weitem haben ich sogar Schloss Neuschwanstein gesehen. Allerdings fand ich die Berge dahinter wesentlich interessanter... nach einem kurzen Tankstopp ging es zackig weiter Richtung Kressbronn. Ich folgte weitgehend meiner Reisestrecke vom morgen, nur vor Scheidegg nahm ich eine andere Route. Ich war einfach zu ko, um nochmal durch Kehren zu fahren. Hoffentlich waren die Schnarchtanten weg... gegen 20 Uhr kippte ich in Kressbronn vom Motorrad, schleppte mich unter die Dusche, verzichtete auf jegliches Abendessen und schlief einfach ein. Die Singgruppe bekam ich am Rande noch mit, aber diese Nacht war ich allein und niemand hat geschnarcht. Zumindest nicht in meinem Zimmer.

Sonntag

Meersburg
Eigentlich hätte ich heute noch eine Runde durch Vorarlberg fahren wollen, aber ich war zu fertig. Nach dem Frühstück hätte ich mich gerne nochmal bis Mittag ins Bett gelegt... ich fuhr am See entlang und im Lauf der Zeit wurde mir langsam wieder besser. In Meersburg machte ich einen Zwischenstopp, aß zu Mittag und schlenderte ein wenig durch die Stadt. In der Sonne zu sitzen tat dem Schnupfenkopf recht gut.

Im Hafen bestaunte ich die Skulptur "Magische Säule" von Peter Lenk, der auch die Imperia im Hafen von Konstanz geschaffen hat. Besonders gut gefielen mir die geflügelten Teufel. Auf der Säule werden Begebenheiten und Persönlichkeiten der Meersburger Stadtgeschichte dargestellt. An dem Pfahl befinden sich der Meersburger Amor des Fürstbischofs aus dem 13. Jahrhundert, Freiherr Joseph von Laßberg, Wendelgart von Halten, Franz Anton Mesmer und Johann Joseph Gassner (Exorzist). Oben schwebt als Möwe Frau von Droste Hülshoff (mit deren "Judenbuche" wir in der Schule gequält wurden).

Meersburg
Jetzt bin ich wieder zuhause, die Erkältung hat sich ausgewachsen, ich werde jetzt wohl "richtig" ins Bett gehen, denn vor mir liegt eine stressige und lange Arbeitswoche.

Die Berge werden mich aber mit Sicherheit bald wiedersehen.

Sonntag, 17. Juni 2012

Ein ereignisreiches Wochenende...

Ich schulde Euch noch die Tour vom letzten Sonntag, da ich heute auf ähnlichen Wegen unterwegs war, kann ich das prima verbinden. Aber erstmal zu gestern.

Schiltach im Kinzigtal
Gestern bin ich mit dem Motorrad zur Arbeit gefahren, habe mich erfolgreich durch das Baustellenchaos gekämpft und nach getaner Arbeit konnte ich gleich aufsitzen und losfahren. Morgen sollten meine Packtaschen kommen (Ortlieb Speedbag) und nächste Woche habe ich ausnahmsweise nach langer Zeit mal einen ganzen Samstag Zeit zu fahren.

Der Plan gestern war, zur Nagoldtalsperre zu fahren und dann dort in der Nähe einen Schlafplatz zu organisieren und dann ein erfrischendes Abendbad zu nehmen. Ich bin recht zügig durchgefahren, nur in Vorderlehengericht zwischen Haslach und Schiltach habe ich Pause gemacht im Gasthaus Pflug. Da war ich letzte Saison ein paar Mal und die Dame dort hat sich auch an mich erinnert. Es gibt prima Kuchen da und der Kaffee hat mich bis spät in die Nacht wachgehalten.

Aopthekenmuseum Schiltach
Ich hatte im Internet einen Gasthof Forelle in Schorrental entdeckt, der nett aussah und preiswert war. Den behielt ich mal im Hinterkopf, den ich bin inzwischen ohne Reservierung unterwegs und ohne feste Planung. An der Nagoltalsperre angekommen, bin ich beim Bikertreff "Gaststätte zum Seeheiner" eingekehrt und habe mich auf den Präsentierdrehteller gesetzt, wo man ein paar halbe Blicke aufs Wasser erhaschen kann. Das war ganz spaßig. Es war irre voll dort. Als ich ankam, stand der ganze Parkplatz voller Motorräder. Nach einer Stärkung und dem Blick auf die Uhr beschloss ich, das Schorrental zu suchen, dort meine Sachen abzuwerfen und mit Bikini unter der Montur wieder an der Talsperre einzuschlagen. Leider hatte das Gasthaus Forelle geschlossen und wirkte auch etwas verlassen. Also bin ich wieder zurück nach Erzgrube gefahren, in der Hoffnung, dort was zu finden. Nach einer zweiten Runde ums Wasser und einem kleinen Umweg hat mich dann der Stalldrang übermannt. Irgendwie fand ich die Gegend landschaftlich nicht so wahnsinnig reizvoll und ein netter, kleiner Landgasthof hat mir auch nicht zugewinkt.

Gasthaus Adler in Schiltach - wer kauft's??
Da es noch nicht so spät war und die angesagten Gewitter sich auch nicht zeigten, habe ich in Schiltach einen Zwischenstopp eingelegt und mir die Altstadt angesehen. Sehr schöne Fachwerkhäuser ziehen sich am Hang entlang hoch und die mit Kopfstein gepflasterten Straßen sind ziemlich steil. Die Orte Alpirsbach und Freudenstadt habe ich mir für meine Herbst- und Spätherbsttouren vorgemerkt, wenn es kalt wird und die Tage kurz werden. Das Kinzigtal ist eine Gegend, die ich sehr gerne mag. Es ist sehr lieblich dort und die Kinzig windet sich durch das weite, grüne Tal. Im Mittelalter war die Kinzig ein wichtiger Fluss für die Holzflößerei aus dem Schwarzwald zum Rhein. In vielen Orten wird auf verschiedene Weise an den Holz- und Fischreichtum erinnert. In Schiltach hätte ich mich zu einer Übernachtung hinreißen lassen, wenn der Gasthof "Adler" geöffnet gewesen wäre, aber der steht zum Verkauf, wie schade.

Zwischen Kandern und Steinen
Heute, am Sonntag, habe ich erstmal ausgeschlafen. Es hatte gestern Abend deutlich abgekühlt, auf der Höhe von Haslach musste ich mir die Innenjacke anziehen. Man konnte sehen, dass in der Ortenau Gewitter herunterkamen oder heruntergekommen waren und es wahr auch unglaublich windig und schlagartig kühler.

Suchbild mit Motorrad - Wehra-Tal
Der Sonntagmorgen zeigte sich in Freiburg von der grauen Seite und laut Wetterbericht sollte es im Süden schön, sonnig und warm werden. Also ab in den Süden. Nachdem die Vorhersage am Morgen 9 Grad für den Feldberg meldete, zog ich eine Route weiter unten vor. Ähnlich wie letzten Sonntag ging es über Staufen Richtung Badenweiler und dann weiter nach Kandern. Heute wollte ich jedoch die Strecke nach Steinen nehmen, um später am südlichen Rand des Schwarzwalds Richtung Bodensee zu fahren. Das war der ursprüngliche Plan. Die Strecke nach Steinen hat mich nicht enttäuscht, es ging abwechselnd durch Wald und Wiesen und man hatte schöne Blicke, es roch nach frischem Heu und Akazienblüten und je weiter ich nach Süden kam, desto sonniger und wärmer wurde es. Das war die richtige Entscheidung gewesen!

Wehra-Tal
Ich kurvte weiter über Schopfheim nach Waldshut-Tiengen. Diverse Umleitungen brachten mich auf unbekannte, kleine und kleinste Straßen durch herrlichste Schwarzwaldsommerlandschaft. Das Ganze bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Durch einige Zufälle landete ich auf der Straße durch das Wehratal, die ich vor einigen Wochen das erste Mal gefahren war. Diesmal nahm ich mir die Zeit, zumindest ein  paar Fotos zu machen. An den wirklich beeindruckenden Stellen kann man leider nicht anhalten. Inzwischen habe ich die superkleinen "L-" und "K-"Straßen lieben gelernt. Hier kommt man oft durch die landschaftlich reizvollsten Ecken und wenn nicht gerade eine Umleitung den Verkehr durchschleust, ist man oft weitgehend allein auf weiter Flur.

Bad Säckingen
Eigentlich sollte es jetzt weiter Richtung Bodensee gehen, über Bonndorf und dann Tengen, Engen, Singen. Aber ich vertrödelte viel Zeit auf den Nebenstraßen, fuhr mehr oder weniger freiwillig diverse Umwege und landete erstmal in Bad Säckingen. Im letzten Herbst war ich dort zum ersten Mal mit dem Motorrad gewesen. Die hübsche Altstadt und die historische Holzbrücke waren einen zweiten Besuch wert, außerdem hatte ich Hunger und es war Zeit für eine Pause.

Leider war just heute in Bad Säckingen ein riesiges Fahrradevent. Der ganze Münsterplatz war voll, es gab drittklassige Musik von einem Schrummschrummbuben, der von den Beatles bis Jürgen Drews alles Liedgut vergewaltigte, was man sowieso noch nie leiden konnte.

Holzbrücke Bad Säckingen
Darauf hatte ich nun gar keine Lust und auch nicht auf die ganzen Radfahrer, die sich durch die Fußgänger schoben. Es wurde wohl Werbung für "Helm auf dem Rad" gemacht. Hm. Ich bin ja sehr viele Jahre große Fahrradtouren mit Gepäck gefahren und war oft im Schwarzwald und anderswo unterweg. Immer ohne Helm. Auch heute fahre ich in der Stadt und anderswo ohne Fahrradhelm. Ehrlich gesagt zweifle ich an der Funktionalität und Sicherheit dieser Dinger. Wenn ich sehe, wie Rennradfahrer im Schwarzwald mit 60-70 Sachen die Berge runterfahren, so ein Pappteil auf dem Kopf und sonst nix schützendes an sich dran, wird mir übel. Die ganzen Downhill-Leute tragen Crosshelme und Protektoren, da kann man sich eher eine Schutzwirkung vorstellen. Meine Meinung ist, dass die Helme speziell in der Stadt eine falsche Sicherheit vorgaukeln. Und irgendwie glaub ich, dass mancher Helmträger dem gefürchteten "Hutmann" im Auto gleichgestellt ist. Ich werde auf dem Rad keinen Helm anziehen.

Steina-Tal
Von Bad Säckingen aus schlug ich einen Haken nach Norden und landete im Steina-Tal auf der Straße nach Bonndorf. Das war wieder so ein Zufallstreffer. Wieder ein schönes, wildromantisches Flusstal und eine kleine, kurvige Straße. Irgendwie komme ich auf solchen Straßen immer ins trödeln. Da habe ich gar keine Lust mehr, mich mit Karacho in die Kurven zu schmeißen, sondern ich halte Ausschau nach Haltepunkten und Fotomotiven. Manchmal ist das nicht so einfach, eben weil die Straßen klein und eng sind, dann genieße ich eben die schöne Landschaft. Die Eindrücke müssen schließlich bis zum nächsten Wochenende vorhalten. Ich fahre ja nicht so gerne Samstag und Sonntag, vor allem nicht am Sonntag, aber zur Zeit habe ich keine andere Wahl.

Auf der Höhe von Bonndorf fand ich mich in der perfekten Sommerlandschaft wieder. Überall waren Bauern bei der Heuernte, es roch wunderbar, der Himmel war blau mit ein paar weißen Wolkentupfen, die Straße gut und frei... was will man mehr? Ich bin noch einen Schwenk über Schluchsee gefahren und dann nach Hause über die gute, alte B500. Jetzt sind 600 km mehr auf der Uhr und die 18.000er-Inspektion steht bald an. Diese Saison bin ich dann schon 7.000 km gefahren... und als nächste Herausforderung für den Sommer stehen dann mal die Alpen an. Motorradatlas ist bestellt...

Samstag, 9. Juni 2012

Magische Orte

Feierabend!
Heute habe ich ab 12 Uhr auf die Uhr geschielt und dem Feierabend entgegengefiebert. Das Wetter war perfekt, sonnig, nicht zu warm und ein paar dekorative Wolken ab und an. Ich wollte heute eigentlich den Kandel hochfahren, aber auf der Bundesstraße überholten mich einige Motorradfahrer und als sie an der Ausfahrt zum Glottertal abbogen, fuhr ich wie ferngesteuert hinterher.
Die Macht der Gewohnheit :-D

Ich bin dann das Glottertal relativ zügig hochgefahren, allerdings habe ich kurz angehalten, um den ätzenden Trödlern vor mir einen Vorsprung zu geben. Die Strecke ist zu unübersichtlich und meine Maschine zu schwach für knappe Überholmanöver, das nervt gelegentlich ein bisschen.

Am Thurner entschied ich mich für die Abzweigung nach links, Richtung Triberg-Waldau und bald bog ich nach rechts Richtung Langenordnach ab. Ich kurvte durch Eisenbach und Hammereisenbach weiter Richtung Vöhrenbach. Irgendwo im Hinterkopf hatte ich noch den Gedanken an die Linachtalsperre, das sah irgendwie nett auf der Karte aus. Zwischenzeitlich machten sich Hunger und die anstrengende Woche bemerkbar und ich kehrte ein, um Pause zu machen und die Sonne zu genießen.

Hier war doch irgendwo die Abzweigung zur Talsperre... ja, genau. Ich bog ab und kam auf eine erstaunlich gut ausgebaute, kleine Straße. Gerade in dem Moment, als ich den Gashahn richtig aufreißen wollte, kam auf einmal die Talsperre in Sicht. Ich hielt an, um Bilder zu machen.

Erst wollte ich nur schnell ein paar von der Straße aus schießen, aber dann entdeckte ich einen Trampelpfad nach unten.

Schnell nochmal umkehren, Zündschlüssel raus, und dann nach unten laufen.

Es ist immer wieder interessant, wieviele verträumte und verschlafene Orte es gibt. Und wie schnell man in der Natur steht, nur 20 Meter neben der Straße, ein bisschen weiter unten umgab mich sofort eine wunderschöne Stimmung. Der See glitzerte in der Sonne und unglaublich viele Lupinen blühten. Ich folgte dem Trampelpfad am Ufer entlang, überall blühten wunderschöne Blumen, Lownmäulchen, Glockenblumen, Sauerampfer, Kornblumen, Margeritten... die Königskerzen standen in der Startlöchern. Eine halbvergessene Holzhütte am See und ein paar Picknickbänke lagen in der Sonne.

Als ich weiterlief, quietschte ein Paar Blesshühner aufgeregt, offenbar bin ich nahe an ihrem Nest vorbeigekommen. Das Gequietsche ging recht lang, weil ich mich nicht schnell bewegt habe, und immer wieder stehenblieb, um Fotos zu machen.

Es war unglaublich windig, weshalb man für die Blumenfotos sehr viel Geduld brauchte.
Irgendwann kamen mir zwei ungläublig schauende Wanderer und ein Mann mit Hund entgegen. Ich glaube, dass man eher selten jemanden in Motorradmontur sieht, der durch das Gebüsch robbt, um Blumen zu fotografieren, jedenfalls wirkten sie alle sehr erstaunt.

Die Magie dieses Ortes ließ mich recht lange dort verweilen.

Ich habe vorhin erst gelesen, dass die Talsperre ein Baudenkmal ist und erst vor ein paar Jahren aufwendig saniert wurde. Sie soll, zusammen mit dem Kraftwerk, zu einer Touristenattraktion werden.

Das erklärt dann auch die gute Straße, viele andere kleine Straßen sind wesentlich schlechter und oft nur sehr langsam zu befahren, wie die Hochblauenstraße, oder einige Seitenstraßen im Kinzigtal.

Für mich steht fest, dass ich dort noch einmal hinfahren werde und diesmal ganz gezielt. Man könnte dort prima einen Tag verträumen, nur schade, dass man im See nicht baden darf. Auf der anderen Seite würde das natürlich die Ruhe und Idylle stören und sich sicherlich negativ auf die Fauna und Flora am See auswirken.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Sonne und Regen...

Heute morgen habe ich spontan beschlossen, dass es mal wieder Zeit für den Bodensee ist. Der Wetterbericht sagte ergiebige Regengüsse und Gewitter voraus, aber ich dachte mir, dass ich dann halt unterwegs entscheiden, wie es weitergehen wird.

In Freiburg war es schon reichlich bezogen und schwül, als ich losfuhr. Je höher ich kam, desto mieser wurde das Wetter. Ich schwankte schon, von meinem Plan abzuweichen, und wieder umzukehren, aber im Trockenen fahren ist ja für Weicheier :-D

Titi-Spatz beim Touristenterror
Kurz vor Titisee begann es zu tröpfeln und dann stärker zu regnen. Da mich neben Hunger ein menschliches Bedürfnis trieb, fuhr ich nach Titisee rein und stellte das Bike ab. Auf dem Weg vom Parkplatz musste ich wieder mal extrem grinsen. Ich mag ja Titisee, das ist so dermaßener Touristenkitsch, dass es schon wieder lustig und toll ist auf eine bestimmte Weise. Jedenfalls kam mir eine Truppe schnatternder Asiaten entgegen, beladen mit Tüten, in denen sich mit Sicherheit Kuckucksuhren und diverse Spezialitäten befanden. Was ich am Schwarzwaldkitsch so witzig finde ist, dass man doch selbst in diesen Obertouriorten in den Läden anständige Sachen bekommt und relativ wenig Nepp. In einem Café mit Seeterrasse konnte ich dann meinen Bedürfnissen nachgehen und nebenbei die Spatzen beobachten.

Ist es nicht witzig, dass eigentlich jeder diese kleinen, frechen Tiere mag? Tauben dagegen, die ja auch bevorzugt in der Nähe von Menschen leben, kann eigentlich niemand wirklich leiden. Kaum setzte ich mich, kamen schon 2 neugierige Spatzen an, die sich laut tschilpend gegenüber auf die Stuhlkanten setzten. Ich hatte das Gefühl, dass sich sich meine Brotscheiben sofort geschnappt hätten, wenn ich mich umgedreht hätte. So versuchte man noch ein kleines bisschen Höflichkeit zu bewahren...
Als weitere Gäste eintrafen, wurde unter großem Spektakel zwischen den Tischen herumgehüpft und auch schon mal auf einen Tisch rauf. Ich habe ein bisschen Brot mit diesen kleinen, kecken Burschen geteilt und es ist mir auch gelungen, ein Foto zu machen.

Der Regenguss verzog sich sehr rasch und nach ungefähr einer halben Stunde konnte ich weiterfahren. Ich hatte zwischenzeitlich noch eine Freundin angefunkt, ob sie zufällig Zeit hätte und da wäre und siehe da, sie war in Konstanz verabredet. Also stand das Ziel fest.

Blick zum Hegau
Über Bonndorf, durch die Wutachschlucht und dann im großen Bogen nach Blumberg ging es Richtung Hegau. Heute bin ich bewusst viele kleine Straßen gefahren und einfach mal nur "grobe Richtung", ohne wirklich auf die Karte zu schauen. Diese Strategie bescherte mir neben dem Blick auf fantastische Mohnblumenfelder und herrliche Sommerwiesen diesen wunderbaren Ausblick über den Hegau. Wenn ich eine Liste der Landschaften, die mir hier am besten gefallen machen müsste, sähe sie so aus:
  1. Schwarzwald
  2. Bodensee
  3. Hegau
  4.  Schwäbisch Alb
Konstanz
Nach ausgiebiger Trödelei auf den ganzen kleinen Straßen landete ich dann in Konstanz. Ich war schon oft dort, allerdings war es die Premiere mit dem Motorrad. Heute hatte ich das Privileg, jemanden zu besuchen, der direkt am See wohnt, so richtig mit Gartentür auf und nach 10 Meter kann man ins Wasser steigen. Schade, dass ich kein Badezeug dabei hatte. Wir wurden mit dicken Eisbechern und Kaffee verwöhnt und haben uns wunderbar unterhalten. Gegen 18 Uhr trat ich meinen Heimweg an, ich wollte eigentlich ganz gemütlich über die kleinen Straßen nach Hause fahren...

Breisgau burning
Kurz hinter Konstanz strich ich diesen Plan, denn die Wolken verhießen nichts gutes, die Luft war drückend und schwül geworden. Jetzt hieß es Land gewinnen, bevor das Gewitter kommt. Zwischen Stockach und Tuttlingen hat es  mich dann ereilt. Erst Donner... dann sah ich die ersten Blitze zucken. Im Regen zu fahren finde ich nicht so schlimm, aber Gewitter... kann gefährlich werden. Ich möchte nicht der Blitzableiter sein. Praktischerweise fand ich gleich einen Gasthof, wo man draußen sitzen konnte, aber von Regen und Gewitter abgeschirmt war. Da ich inzwischen Hunger hatte, beschloss ich die unfreiwillige Pause mit dem Abendessen zu überbrücken und das Gewitter abzuwarten.

Schwarzwälder Regensuppe
Mit Blick auf die inzwischen doch vorgerückte Stunde und den immer noch andauernden Regen machte ich mich dann doch auf den Weg. Im Quasi-Blindflug ging es durch strömenden Regen nach Tuttlingen. Ich dachte mir, dass ich notfalls dort nochmal stoppen würde, aber die Zeit im Nacken fuhr ich einfach weiter. Regen und Dunkelheit, DAS muss nun echt nicht sein. Es regnete und regnete und regnete... ich fuhr mit offenem Visier, weil ich mit geschlossenem trotz wischen nichts mehr sah. Zum Glück bin ich Brillenträgerin. Regentropfen tun mit 80 km/h ziemlich weh im Gesicht, aber was soll's, weiterfahren. Hinter Donaueschingen ließ der Regen zum Glück etwas nach und ich hoffte, dass er mich bis Freiburg in Ruhe lassen würde.  Mit strammem Tempo ging es die B31 runter, es regnete und regnete und regnete... Irgendwann kamen dann die Serpentinen und irgendwann ging es durch Falkensteig. Und dann kam endlich das Schild "Freiburg 13 km". Juhu! Auf dem Weg aus dem Höllental (das heißt wirklich so) färbte sich der Himmel rosarot und an der B31 hielt ich dann ganz illegal auf dem Seitenstreifen an, um den fantastischen Sonneuntergang zu fotografieren.

... Baby, wir reiten zusammen in den Sonnenuntergang...
Zuhause angekommen merkte ich dann erstmal, wie durchgefroren ich schon war und dass selbst die besten Stiefel und die tollste Goretex-Kombi irgendwann doch feucht werden und der Inhalt der drin steckt auch. Duschen, Rechner an, Fotos von der Kamera, bloggen...

Gute Nacht und bis bald!


Samstag, 2. Juni 2012

Erste Tour ins Elsass

Unterhalb vom Col de la Schlucht
Nachdem ich ja schon dauernd im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb herumkurve, war es jetzt mal an der Zeit, die andere Seite vom Rheintal zu erkunden. Das Elsass kenne ich teilweise, aber nur aus der Fahrradperspektive und das ist lange her.

Ich habe mir gestern schnell einen Reiseführer mit Straßenkarte gekauft - und den Reiseführer dann prompt zuhause liegen lassen. Bei Breisach ging es erstmal über den Rhein und dann von Neuf-Brisach Richtung Colmar. Puh, war das ein Durcheinander in der Stadt, Staus, schlecht leserliche Beschilderungen, komische Straßenführung, dichter Verkehr... und ich habe es aber trotzdem geschafft, mich nicht zu verfahren und landete auf der Straße nach Ingersheim von wo aus ich dann weiter Richtung Munster fahren wollte.

Hier liebt man den Bitumenstreifen...
Als erstes fiel mir auf, dass die Ampeln in Frakreich kein Gelb kennen. Es wird sofort Rot oder sofort Grün *schluck* Über eine rote Ampel bin ich drübergefahren, so schnell konnte ich gar nicht reagieren, wie die umsprang. Die Straße nach Munster führte erstmal über eine zweispurige, gut ausgebaute Strecke. Ich fragte mich schon, ob ich nicht irgendwo abbiegen und eine kleine Straße nehmen sollte, damit es nicht zu einfach und langweilig wird. Aber ich bin der Straße dann gefolgt und sie blieb nicht so schön ausgebaut, breit und einfach.

An der Route des Crêtes
Es ging erst durch ein breites Tal und je weiter es in die Berge ging, desto enger wurde das Tal und die Straße. Vor Munster geht es schon einige Kurven hoch. Da ich die Strecke nicht kannte und neben der Fahrerei auch was sehen wollte, war meinTempo eher gemäßigt bis langsam. Darüber hinaus gibt's auf dieser Strecke und dem späteren Streckenverlauf etliche Hundekurven. Ich war heute sehr froh, dass ich nicht schon letztes Jahr in die Vogesen gefahren bin, diese Strecke hätte mich viel Schweiß gekostet und sicherlich an den Rand meines Könnens und vielleicht sogar der Verzweiflung gebracht. Heute ging es halt langsam, aber entspannt voran.

Die Vogesen und der Schwarzwald waren einmal eins, man kann das am Gestein auf beiden Seiten noch prima sehen. Ansonsten muss ich sagen, dass die Vogesen um einiges "alpiner" und wilder erscheinen, als der doch größtenteils sehr liebliche Schwarzwald.

Gérardmer
Mein erster Stopp war auf dem Col de la Schlucht. Ich parkte gleich an der ersten möglichen Stelle, nachdem ich vorher schon an zwei anderen Stellen gehalten hatte, um Bilder zu machen. Auf dem Col selbst sieht man recht wenig, da die Aussichtspunkte alle zugewachsen sind. Was man sieht sind Horden von Motorradfahrern, die sich weiter vorne auf dem anderen Parkplatz versammeln und wohl die eine Bar frequentieren. Die Aussicht von weiter unten aus Richtung Munster kommend ist definitiv lohnenswerter. Nach einem kurzen Stopp entschied ich mich für die Route des Crêtes. Der Name war im letzten Fahrtraining schon gefallen und dass man die nicht unbedingt an einem schönen Sonntag fahren sollte. Heute war aber ein schöner Samstag und der Verkehr hielt sich in Grenzen. Ich habe sowieso sehr oft angehalten, um Bilder zu machen und die großartigen Ausblicke zu genießen. Hier werde ich sicherlich einmal einen Kurzurlaub verbringen und einen Teil der Landschaft per Pedes erschließen.

Grand Ballon D'Alsace
Der Teil der Route des Crêtes, den ich heute gefahren bin, führte an wunderschönen Ausblicken in diverse Täler und auf diverse Seen vorbei. Ich habe auf einem Stück ungefähr alle 700 m gehalten, um zu fotografieren. So einen wunderschönen Sommertag sollte man nicht damit verschwenden, dass man auf so einer Strecke einen Geschwindigkeitsrekord aufstellt. Die meisten anderen Motorradfahrer, die dort unterwegs waren, tat es mir gleich. In der Thermik zwischen den Gipfeln schwebten etliche Paraglider und es gab unglaublich viele Schwalben dort oben - und Insekten. Teilweise trommelte es förmlich aufs Visier ein. So ist mir das im Schwarzwald auch noch nicht aufgefallen.

Grand Ballon
Mein Weg führte nun noch weiter nach oben zum Grand Ballon D'Alsace. Auf der Straße waren neben vielen Motorradgruppen etliche Rennradfahrer unterwegs, so dass man sehr vorsichtig und recht langsam fahren musste. Darüber hinaus wird in Frankreich gerne großzügig mit  Bitumen umgegangen, manche Streckenabschnitte glichen kunstvoller Kalligrafie in Bitumen. Leider ist das nicht sehr schön zu befahren, da diese Streifen bei Nässe und Hitze glatt sind. Letze Woche hatte ich das erste Mal Bekanntschaft mit einem warmen Streifen gemacht und bin ganz schön hin- und hergerutscht. Aber es kommt später noch besser.

Grand Ballon
Auf dem Grand Ballon machte ich eine längere Pause und genoss die Aussicht auf die andere Rheinseite. Leider war es sehr dunstig, so dass man den Schwarzwald mehr erahnen als sehen konnte. Es war trotzdem schön, denn heute war ein unglaublich toller Himmel mit den schönsten Wolkenformationen, Streifen, Tupfen, Kleckse, Tiere... alles dabei. Außerdem konnte man prima die Schwalben beobachten, die in der Thermik über dem Gipfel ihre Flugkünste zur Schau stellten. Nach ungefähr einer Stunde mit Kaffee und Tarte de Myrtille ging es wieder langsam bergab Richtung Thann. Es ging wirklich langsam, zumindest im Teil direkt vor Thann. Denn in Frankreich mag man nicht nur Bitumenstreifen-Kalligrafie, nein, man baut kunstvolle Motorradfahrerfallen.

Mir klang noch vom letzten Training in den Ohren, dass der Trainer "Kopfsteinpflaster in Kurven" erwähnt hatte. Voilá! Griffigster Belag, oh, eine Haarnadelkurve, runterschalten... uuuuupssssss, das kann doch wohl nicht wahr sein? Kopsteinpflaster genau in der Kehre! Und das nicht nur einmal. Zum Glück war es heute trocken, sonst hätte ich mein Bike um diese Kurven herumgetragen. Abgesehen davon war es aber schön zu fahren, die Straße schraubt sich durch den Wald wieder herunter ins Tal.

Blick von Breisach über den Rhein
So richtig viel geplant hatte ich heute dann nicht mehr. Als ich wieder unten war, ging es zurück Richtung Colmar und dann wieder nach Hause gen Schwarzwald. Das nächste Mal werde ich mehr planen und mir viel Zeit für die hübschen, kleinen Orte lassen. Es gibt unglaublich viele quietschbunte Fachwerkhäuser im Elsass. Colmar allein ist schon einen Besuch werte, ebenso das (etwas überlaufene) Ribeauvillé. Aber jetzt weiß ich, wie's "drüben" aussieht und was einen da so in den Bergen erwartet. Diesen wunderschönen Sommertag ließ ich dann bei einem Eisbecher in Breisach ausklingen  und fuhr schnell noch eine kleine Extraverlängerung durch den Kaiserstuhl. Jetzt ist der Tank fast leergefahren und ich werde gleich zu meiner neuen Lektüre greifen: "Abgefahren - in 16 Jahren um die Welt" von Claudia Metz und Klaus Schuberth. Inspiration für große Abenteuer. Vielleicht.