Sonntag, 15. April 2012

Kurventraining und Regentour

Am Freitag war ich bei ziemlich schönem und mildem Wetter mal wieder auf dem Trainingsplatz in Breisach. Diesmal 5 Stunden reines Kurventraining. Zu Beginn haben wir einige der Langsamfahrübungen (Wenden, Kleeblatt) durchgenommen und uns in der Gruppe mit dem Platz vertraut gemacht. Bei den langsamen Übungen habe ich immer noch meine Mühe, das Wenden klappt gut, aber das verdammte Kleeblatt kriege ich nie hin...

Danach ging es weiter mit Kreisbahn mit legen und drücken. Jede und jeder hatte irgendwie den Ehrgeiz, die Rasten aufsetzen zu lassen, nachdem der Trainer das demonstriert hatte. Ich natürlich auch und es hat gekratzt! Man erschrickt schon ein bisschen, wenn das das erste Mal passiert. Und bitte bitte, nicht draußen so fahren! Wenn man aufsetzt, heißt es, dass man im Gefahrfall keine Sicherheitsreserven mehr hat. Eine Bodenwelle, die blöd liegt, kann zum Sturz führen. Ich war zwar nicht ganz zufrieden mit meinen Leistungen, aber das Training hat mich wieder einen Schritt weiter gebracht. Danach fuhr ich über die Dörfer zu einer Freundin und stellte fest, dass sich meine Zuversicht und somit auch das Tempo beim Kurvenfahren doch wieder etwas gesteigert haben.

Gestern nachmittag bin ich bei grauem Wetter und relativ milden Temperaturen hier losgefahren. Ich fuhr das Simonswälder Tal hoch, um meine Kurvenskills zu testen und zu schauen, was vom Training am Freitag hängengeblieben ist. Unterm Strich muss ich sagen, dass mich keine Kurve mehr zum schwitzen oder in Panik bringt. Meine Maschine ist so gutmütig, dass ich notfalls auch noch in der Kurve selbst runterschalten kann, wenn es eng werden sollte. Und nachdem wir das Bremsen in der Kurven und das damit verbundene Aufstellmoment der Maschine auch geübt hatte, habe ich davor keine Angst mehr.

Ich hatte vor, meine Tour über Furtwangen zu fahren, um dann weiter im Bogen durch das Urachtal und  über die B500 wieder zurück nach Freiburg zu kommen. Jeweils immer mit der Option, an die Tour noch den einen oder anderen Schlenker zu hängen. Leider machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. In der Kurve nach Furtwangen rein lagen sogar noch Schneereste am Hang...Hinter Vöhrenbach musste ich auf der Friedrichshöhe Pause machen, weil es inzwischen furchtbar kalt geworden war, ein eisiger Wind pfiff und ich war inzwischen auf knapp 1000 m Höhe angelangt. Hier ist der Schwarzwald wirklich "schwarz", dunkle Tannen überwiegen im Wald.

Der Gasthof, in dem ich zufällig einkehrte, war total klasse. Ich habe festgestellt, dass ich diese typischen Schwarzwaldgasthöfe richtig gerne mag. Da hingen Rehgeweihe an den Wänden und Pferdegeschirre und ein Auerhahn aus Metall... Die Wirtsleute waren wahnsinnig nett, aufmerksam und höflich. Später, als ich zuhause ankam, habe ich auf ihrer Webseite gesehen, dass sie spezielle Angebote für Motorradfahrer haben, vor mir war wohl eine größere Gruppe im Gasthof, die nach Titisee weitergefahren war. Ich habe mir das mal gemerkt und werde im Sommer vielleicht ein paar Tage dort einlegen, um von dort aus Touren zu fahren.

Von der Friedrichshöhe aus ging es weiter Richtung Villingen-Schwenningen und bald wurde klar, dass ich besser den schnellen Heimweg antreten sollte. Es fing erst an zu tröpfeln und wurde dann immer nasser. Schlussendlich bin ich den langweiligen und schnellsten Weg über die B31 nach Hause gefahren. Keine Schlenker, keine schönen Strecken, es war einfach nur kalt und ekelig. Übrigens war das meine erste Regenfahrt bzw. Fahrt mit nennenswertem Niederschlag, genauso wie ich am Freitag nach dem Training das erste Mal seit Teneriffa in der Nacht über die Landstraße nach Hause gefahren bin. Seit Teneriffa und den Erlebnissen dort, bringt mich eigentlich nichts mehr wirklich in Panik. Das ist einer der größten Fortschritte seit dem letzten Jahr, ich fahre einfach viel gelassener und entspannter.

Mittwoch gibt's hinten einen neuen Reifen und ich hoffe, dass ich ihn bei dem Wetter bis zum nächsten Training eingefahren habe.


Sonntag, 8. April 2012

Wolfach im Kinzigtal - Ortenau

Die Kinzig
Heute bin ich auch wieder spät gestartet. Das Wetter war grenzwertig, trocken, windig, 8 Grad, bewölkt... Ich habe lange überlegt, was ich mache und  bin dann Richtung Kinzigtal aufgebrochen, umkehren kann man immer noch. Mit skeptischem Blick auf die Regenwolken ging es flott nach Wolfach.

Dort habe ich die bitter nötige Pause eingelegt, denn in Freiburg waren es vielleicht 8 Grad, aber unterwegs war es mit Sicherheit kälter. In Wolfach habe ich mich im Café im Flößerpark bei Kaffee und Kuchen aufgewärmt und mich gefragt, ob die Kinzig früher wohl mehr Wasser führte. Früher wurde auf der Kinzig Holz geflößt, wenn ich mir den Pegelstand heute so angesehen habe, ist das schwer vorstellbar. Im ganzen Kinzigtal fallen einem viele holzvearbeitende Betriebe auf und auch viel Metallhandwerk und Kunstschmiede.

Flößerpark Wolfach
Gegründet wurde Wolfach wohl im Hochmittelalter, wobei es wenige Belege gibt. Bald nach der Gründung übernahm Wolfach als Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum zahlreiche Funktionen für die umliegende Gegend. Interessanterweise kontrollierten die Stadt und ihre Bürger den gesamten Handel und hatten das Monopol auf die meisten handwerklichen Berufe. Diese Vorrechte gründeten auf den Freiheitsbriefen, die seitens der Fürstenberger über Jahrhunderte immer wieder erneuert und erweitert wurden.


Die Flößerei auf der Kinzig hatte ihre Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert.
Hauptstraße Wolfach
Es gibt in Wolfach bis heute große Stauwehre und Floßhäfen, in denen die kleinen Flöße der Bauern für den Weitertransport an den Rhein zusammengebunden wurden. Im 18. Jahrhundert gab es eine zweite Blütezeit der Flößerei, da der  der Holzbedarf rapide anstieg, weil die Niederlande und England begannen, ihre mächtigen Kriegs- und Handelsflotten aufzubauen. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und ihren überlegenen technischen Möglichkeiten begann der Niedergang der Flößerei. Man kann sich bei
einem Ort wie Wolfach schon gut vorstellen, dass dort einmal ein moderater Wohlstand herrschte.

Von Wolfach aus ging mein Weg weiter in Richtung Oberwolfach und Bad Rippoldsau-Schappbach. Ich bog jedoch vorher schon auf die kleine Straße über Wildschappbach nach Bad Peterstal-Griesbach ab. Landschaftlich ist diese Straße sehr schön, sie windet sich durch den Wald, nebendran läuft ein kleiner Bach und man ist relativ allein auf weiter Flur. Auf halbem Wege wurde mir aber wirklich kalt, da es größtenteils schattig war und die Straße auch nach oben führte. Hinter Bad Peterstal-Griesbach ging es weiter in Richtung Ortenau durch Lautenbach und Oberkirch. Unterwegs konnte ich die wunderschöne Kirschblüte und die hügelige Landschaft bewundern. Wenn es nicht gar so kalt gewesen wäre, wäre es ein echte Genuss gewesen, hier zu fahren. Aber man kann das ja bei besserem Wetter wiederholen.

Tour
Von Oberkirch aus nahm ich dann den direkten Weg über die B3 nach Freiburg. Unterwegs gab es richtig ergreifend schöne Momente. Die Kirschblüte ist in der Ortenau in vollem Gange.

In Freiburg sind die Kirschen schon abgeblüht, die Äpfel, die Kastanien und der Flieder stehen in den Startlöchern. Das Licht war wundervoll, graue Wolkenfinger, die durch die Sonnenlöcher kamen, die Silhouette der Vogesen im Hintergrund, links und rechts blühende Bäume... Motorradfahren ist wirklich etwas für alle Sinne!


Samstag, 7. April 2012

Kleine Frühlingstour durchs Markgräfler Land

Bei Heitersheim
Heute nachmittag riss die graue Suppe draußen auf und in Windeseile wurden das Bike aus- und ich eingepackt und los ging`s Richtung Schliengen. Ich bin ein bisschen über die Badische Weinstraße zwischen Staufen und Müllheim gekurvt und dann weiter über meine Lieblingsstrecke nach Kandern und dann nach Schliengen. Unterwegs geht mir zur Zeit sprichwörtlich das Herz auf! Es ist so schön draußen, alles blüht und der Wald wird langsam grün. Schliengen ist ein kleiner, hübscher Ort im Markgräfler Land. Heute dachte ich mir, dass man in der Gegend prima alt werden könnte... Bad Bellingen ist in der Nähe und man kann die alten, schmerzenden Knochen ins warme Wasser der Therme tunken. In Bad Bellingen bin ich heute durch den völlig ausgestorbenen Ort geschlendert und habe danach etliche Fotos im Kurpark gemacht. Ich wurde oben im Ort schon komisch angeschaut, als ich vor den Blumenbeeten herumgerobbt bin, um Bilder zu machen.

Osterbrunnen in Bad Bellingen
Überall in den kleinen Orten sind die Brunnen österlich geschmückt.
Der Brauch der Osterbrunnen stammt aus der Fränkischen Schweiz und ist gar nicht so alt, wie man vermuten könnte. Mündlich überliefert ist ein Osterbrunnen im fränkischen Aufseß aus dem Jahr 1909. Die Gründe für das österliche Brunnenschmücken sind unklar. Hübsch ist es auf jeden Fall, auch wenn die ursprünglich echten Hühnereier wegen Vandalimus inzwischen meist durch Plastikeier ersetzt wurden.

Das Markgräfler Land entstand am 8. September 1444 durch den Zusammenschluss der Herrschaften Rötteln und Badenweiler, sowie der Landgrafschaft Sausenburg. Wenn man hier nach Süden fährt, fallen einem unterwegs die vielen Burgruinen auf. Burg Rötteln steht auch demnächst auf dem Plan, sie befindet sich in der Nähe von Lörrach und sah von weitem schon sehr imposant aus.

Das Land war früher im Besitz der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, eine Nebenlinie des Hauses Baden.
Bei Sitzenkirch
1556 wurde das Markgräflerland reformiert, dadurch wurde es zu einer protestantischen Insel im katholischen Vorderösterreich. Es ist bekannt für seinen Wein, viele Weingüter und Winzergenossenschaften finden sich dort und ein Teil der Badischen Weinstraße verläuft ebenfalls
durch das Markgräfler Land.

Die Landschaft ist geprägt von lieblichen Hügeln, Streuobstwiesen, Laubwald und Weinbau. Das milde Klima hat unter anderem dazu beigetragen, dass es den Namen "Deutsche Toskana" trägt.

Es war der pure Genuss, durch diese blühende Landschaft zu fahren und sich in der derzeit etwas raren Sonne zu bewegen. Auf dem Rückweg war ich fast überwältigt vom Licht und den leuchtend-weißen Kirschblüten vor den düsteren Regenwolken, die sich langsam wieder in Richtung Freiburg bewegten. Es ist schon schade, dass diese Pracht so vergänglich ist, aber dafür schätzt man sie umso mehr.

I wandered lonely as a cloud 
   That floats on high o'er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
   A host, of golden daffodils;
Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.

Continuous as the stars that shine
   And twinkle on the Milky Way,
They stretched in never-ending line
   Along the margin of a bay:
Ten thousand saw I at a glance,
Tossing their heads in sprightly dance.

The waves beside them danced, but they 
   Out-did the sparkling leaves in glee:
A Poet could not but be gay,
   In such a jocund company:
I gazed—and gazed—but little thought
What wealth the show to me had brought:

For oft, when on my couch I lie
   In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
   Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills, 
And dances with the daffodils.

William Wordsworth - The Daffodils




Donnerstag, 5. April 2012

.. es ist so gar kein Motorradwetter...

... aber damit`s hier nicht langweilig wird, kriegt ihr ein Foto - zugegebenermaßen schlecht, da Webcam, just in dem Moment war der Akku meiner Kamera leer -  von meiner neuesten Verzierung zu sehen.

Gestochen wurde es von Kai Farbflut aus Freiburg.

Ich liebe es!

Sonntag, 1. April 2012

Schwarzwaldtour Titisee-Schluchsee-Wehratal

Blick zum Feldberg
Heute Mittag musste ich erst einmal ewig durch die Stadt kurven, bis ich endlich aus Freiburg draußen  war, denn ich hatte nicht an den Stadtmarathon gedacht. Mein ursprünglicher Plan, über das Glottertal nach oben zu fahren, scheiterte und ich fuhr stattdessen über Stegen hoch nach St. Peter und weiter über St. Märgen zum Thurner. Vom Thurner aus ging es weiter durch das Jostal.

Oben war es auch heute wieder sehr frisch, ich musste mir schon hinter Stegen dickere Sachen anziehen, es pfiff ein frischer Wind und wenn man schneller fuhr, tat der Fahrtwind noch sein Übriges. In Titisee habe ich dann geparkt, bin zum See runtergelaufen und habe mich in der Sonne aufgewärmt. Klar, am See selbst zahlt man natürlich "Seezuschlag", aber das war mir heute mal egal.

Titisee
Titisee ist schon ein Phänomen. Der Ort ist sommers wie winters voll, und die Haupteinkaufsstraße besteht eigentlich nur aus Kitschläden und Cafés und der Restort scheint nur aus Hotels und Ferienpensionen zu bestehen. Ich mag ihn trotzdem. Auf der Terrasse gesellten sich drei Leute an meinen Tisch. Die eine Frau trug einen Button mit der Aufschrift "I love Titisee", leider habe ich versäumt, sie zu fragen, wo sie den Button her hat, ich will auch so einen. Aber ich kann auch die Buttonöse meines Vertrauens fragen.

Unterwegs nach Todtmoos
Von Titisee aus fuhr ich weiter Richtung Schluchsee und dann über Falkau und Altglashütten nach Todtnau. Ich wollte heute unbedingt das Wehra-Tal herunterfahren und fuhr nach Todtmoos. Irgendwie kann ich mir nie merken, welcher Ort welcher ist. Jedenfalls ging es eine wunderschöne und wenig befahrene Strecke größtenteils in der Sonne nach Todtmoos. Und dann fuhr ich ins Wehratal. Es ist wirklich schade, dass man praktisch nicht anhalten kann, um Bilder zu machen, denn das Tal ist unglaublich beeindruckend. Es ist tief eingeschnitten und die Straße windet sich zwischen Felsen zur Linken und der Wehra zur Rechten ins Tal. Ich musste mich heute wirklich zusammenreißen, um nicht ins träumen zu kommen, ein paar Kurven bin ich richtig schlecht gefahren, zum Glück kam kein Gegenverkehr. Das Wehratal endet kurz vor dem Ort Wehr mit der Talsperre und einem See. Hier werde ich ganz bestimmt noch einmal fahren. Auch die Strecke über Falkau und Altglashütten war neu für mich, ich entdecke auf jeder Tour neue Ecken oder alte Ecken neu.

Hier ist ein Video (nicht von mir), wo man einen schönen Eindruck von der Straße bekommen kann:


Hinter Wehr suchte ich nach der Abfahrt zur Erdmannshöhle, die sich im Ort Hasel befindet. Dort angekommen, stellte ich das Bike gegenüber der Gaststätte Erdmannshöhle ab und lief herunter. Man kann dort auch direkt parken, aber das Schild, das ich sah, war so verwirrend, dass ich dachte, die Höhle wäre gleich hinter der Gaststätte.  Nun, leider war ich zu einem schlechten Zeitpunkt gekommen. Die Höhle war zwar schon geöffnet, die letzte Führung aber bereits vorüber und es wurde für ein Konzert am Abend geübt. Also bin ich wieder zurückgelaufen und habe mich auf der Terrasse von der Gaststätte ausgeruht. Ich werde die Höhle aber sicherlich irgendwann besichtigen gehen, schon allein, um die Erdmännchen und -weibchen zu grüßen, die dort vielleicht noch wohnen.

Danach ging es ebenfalls auf neuen Pfaden weiter Richtung Lörrach. Ich fuhr über Maulburg und Adelhausen nach Lörrach. Das war eigentlich ein Umweg, aber die Strecke hat sich gelohnt. Es ging durch lichte Laubwälder auf einer kleinen, gut ausgebauten Straße über die Hügel nach Lörrach. Ich entschied mich dann, über Kandern nach Badenweiler zu fahren, weil diese Strecke einfach einmalig schön ist. Vor ein paar Wochen war ich ja nach Schloss Bürgeln unterwegs. Inzwischen ist die Natur um einiges weiter, die Obstbaumblüte beginnt im Tal und in den Wäldern bilden die Buschwindröschen weiße Teppiche, die erste zarten Blätter werden grün.

Es ist wirklich ein besonderes Geschenk, durch die erwachende Natur zu fahren. Alle paar Tage ist es mehr grün und es blüht immer mehr. Der Frühling kommt ganz langsam nach oben. Auf dem Feldberg liegt jedoch noch Schnee. Am Ende meiner Tour schaute ich ungläubig auf den Tachostand, 300 km waren es heute! Eigentlich wollte ich gar nicht so viel fahren...