Montag, 31. Dezember 2012

Einen guten Rutsch...

... wünsche ich dem geneigten Blogpublikum.

In den letzten 2 Monaten war wenig Zeit für das Bloggen und auch für das Motorrad.

Immerhin war ich vorgestern nochmal eine Runde um den Kaiserstuhl. Leider stellt sich meine Garage als eher nicht so tolle Wahl heraus. Nachdem es tagelang heftig geregnet hatte, war die Auffahrt ziemlich aufgeweicht und es kam, wie es kommen musste: Ich rutschte aus und das Motorrad lag am Boden.


Ich grüble dauernd, wie ich es schaffen kann, dort besser auszuparken. Die Auffahrt ist Gras und Matsch und leider auch ziemlich wellig und ausgefahren, so dass man aufpassen muss, wo man seine Füße hinstellt, damit nicht ein Bein zu kurz ist und die Fuhre wieder am Boden liegt. Wenden kann man vergessen, denn die Gefahr, dass man das Motorrad irgendwo festfährt, ist ebenfalls groß. Vielleicht lasse ich das alles mal aufschütten, oder ich gucke, ob ich mit jemandem tauschen kann. Mit dem Auto sind diese Probleme ja nicht vorhanden.

2012 war mein erstes komplettes Motorradjahr und ich habe unglaublich viel gesehen und erlebt. Besondere Highlights waren die diversen Besuch bei Freunden in Deutschland und Österreich und mein Urlaub mit Motorrad und Zelt. Ich habe selten in einem Jahr so viele Eindrücke gesammelt, wie in diesem.

Besonders in Erinnerung sind mir die Fahrt auf den Kaunertaler Gletscher mit den 29 Kehren rauf und runter und die Abfahrt im Gewitter vom Hahntennjoch geblieben. Und natürlich die wunderbare Body-Painting-Session in Oberammergau mit der fetten Gewitterzelle. Für das neue Jahr habe ich mich bereits für einen Grundlagenkurs Enduro angemeldet, davor oder danach werde ich sicherlich noch das obligatorische Sicherheitstraining beim ADAC absolvieren.

Ende Januar steht ein Besuch der Motorradwelt Bodensee in Friedrichshafen an. Mal sehen, ob ich mich dort am Gespannfahren probiere. Außerdem werde ich ein wenig in neue Ausrüstung investieren, fürs Endurofahren braucht man ja wieder andere Klamotten. Ja, ich habe es noch nicht probiert, aber ich "befürchte", dass es mir einen Riesenspaß machen wird...


Ich wünsche allen auf zwei und vier Rädern, zwei und vier Füßen einen guten Start ins neue Jahr und viele entspannte und spannende Kilometer.




Samstag, 27. Oktober 2012

Saisonende 2012

Burg Hornberg
Nun ist es also so weit, der erste Schnee ist da. Mein Motorrad habe ich vorgestern im Schein der noch warmen Oktobersonne auf Hochglanz gebracht, poliert, gewachst, gefettet. Danach ging es nochmal eine kleine Runde um den Kaiserstuhl zum trockenfahren.

Gestern Morgen gab es noch einen neuen Hinterreifen, das Einfahren wird sich wohl hinziehen, denn gestern waren es vielleicht mal 60 km und die nächsten Tage sieht es eher nach Plätzchenbacken, denn nach Motorradfahren aus. Heute habe ich die Versicherung angeschrieben und werde nun doch auf ein Ganzjahreskennzeichen umsteigen. Ich hoffe, dass meine Vermieterin die Garage noch nicht vermietet hat, denn dann kann ich mein Bike um die Ecke parken und jederzeit losfahren, wenn das Wetter und meine Zeit es erlauben. Da die Garage ziemlich riesig ist, werde ich noch jemanden suchen, der sein Moped bei mir unterstellen möchte.

Beim Händler habe ich gestern jemanden aus einem meiner Fahrtrainings im Frühjahr getroffen. Wir haben ein bisschen geschwätzt und uns die Mopeds angesehen, die dort zum Verkauf standen. Vielleicht sieht man sich in der nächsten Saison für die eine oder andere Tour zu zweit. Ich fahre immer noch lieber alleine. Für das nächste Jahr habe ich mir vorgenommen, einen Offroad-Kurs zu machen. Mein Leben hat sich in den letzten 3 Monaten ziemlich verändert und wird sich noch weiter verändern. Ab November arbeite ich Vollzeit als Angestellte, mit den spontanten Touren nach Lust und Laune ist es somit vorbei. Aber sobald es wieder wärmer wird und die Tage länger werden, bietet sich eine Runde nach der Arbeit an, oder ein Wochenendetrip nach Dienstschluss am Freitag. Jetzt bin ich ja ausgerüstet, Zelt, Isomatte, Schlafsack, alles ist da.

Bern
Die letzten Wochen war ich unter anderem in der Schweiz unterwegs. Vorletzte Woche ging es unter der Woche nach Bern. Es war herrlichstes, sonnig-warme Motorradwetter und der Besuch schon lange geplant. Da ich keine Straßenkarte von der Schweiz hatte und die Tour recht spontan war, bin ich nach google-Maps gefahren und habe einen ziemlichen Umweg gemacht. An einer Tankstelle kaufte ich eine Straßenkarte und legte meine Route sinnvoller. Gut, ich hatte die landschaftlich reizvollste und längste Tourversion ausgesucht... Das herrliche Wetter und die Landschaft des Schweizer Jura entlohnten mich für den Umweg. Kurz hinter Olten sieht man in der Ferne die Berge des Berner Oberlands. Verschneitte Gipfel erschienen vor strahlend blauem Himmel, davor Herbstlaub in der Sonne, herrlich! In Bern selbst hatte ich leider gar keinen Plan, wohin ich nun fahren musste und zu allem Überfluss war meine Handykarte leer. Sehr gut vorbereitet... Nach einigem Herumfragen landete ich dann mit 1,5-stündiger Verspätung. Ich muss sagen, dass ich selten so nette und hilfsbereite Leute erlebt habe, wie in Bern. Eine Briefträgerin hat extra in ihrem Büro nachgesehen, wo der Weg ist, in den ich fahren musste und ein Taxifahrer half mir ebenfalls sehr nett.

Thuner See
Am nächsten Morgen ging es nach einem Frühstück im Berner Rosengarten mit herrlichstem Blick auf die Altstadt dann zurück in Richtung Schwarzwald. Natürlich nicht auf direktem Weg, zu wunderbar war das Wetter und mein Freund gab mir den Tipp, eine Runde zum Thuner See zu fahren. Es ist echt toll dort! Ich war vor ewigen Jahren bereits in der Schweiz, damals noch mit dem Fahrrad. An den Thuner See erinnere ich mich jetzt nicht mehr, müsste mal die alten Fotos hervorkramen. An Bern erinnere ich mich dagegen sehr gut, dort war ich vor 12 Jahren zu Besuch und hatte die Gelegenheit, die Altstadt zu erkunden. Nächste Saison ist definitiv eine größere Schweiztour dran mit mehr Zeit. Es gibt einfach immer wieder neue Ecke zu entdecken und mir macht es unglaublich viel Freude, durch die Landschaft zu fahren und überall anhalten zu können. Naja, fast überall.

Thuner See Bergpanorama
Zuhause habe ich auch ein paar neue Dinge entdeckt. Ich war in Hornberg im Kinzigtal auf der Burg oben. Auch dieser Tag war wundervoll sonnig und warm. Die Herbstfarben strahlten und beim Aufstieg zur Burg wurde mir ordentlich warm. In der Montur schnaufe und keuche ich immer, aber das Zeug wiegt ja auch einiges.

Gengenbach
Ein weiterer Ausflug führte mich mal wieder nach Gengenbach. Leider war die Klosterbäckerei geschlossen. Ich wollte dort eigentlich Brot für mich und meinen Freund einkaufen. Es ist einfach unglaublich lecker und das Müsli hätte ich ebenfalls gerne probiert. Ich weiß, dass ich letztes Jahr an einem Samstag dort war und sie spätnachmittags noch offen hatten. Jetzt schließt der Laden leider schon um 12 Uhr am Samstag. Das nächste Mal muss ich also schneller sein, um noch etwas zu bekommen.

Dafür nutzte ich die Zeit, um mir das Flößerei- und Verkehrsmuseum anzusehen. Die letzten Male war es geschlossen. Das Museum ist klein, ich bekam als einzige Besucherin jedoch eine Sondervorführung von einem Film über die Flößerei. Heute kann man sich gar nicht mehr recht vorstellen, dass auf der Kinzig Holz geflößt wurde, der Fluss schaut so klein aus. Im Museum sieht man sehr gut dokumentiert, wie die Kinzig noch aussehen kann, bei Hochwasser nämlich.

Gengenbach
Der Fluss wurde im 19. Jahrhundert von Tulla begradigt. Zu oft war er über die Ufer getreten und hatte Land verwüstet, so dass die betroffenen Bauern Not leiden mussten. Um die Wassermassen ableiten zu können, wurden Querdämme errichtet, so dass Staurückhaltebecken entstehen. Im Jahr 1896, welches auch das Ende der Flößerei auf der Kinzig markiert, kam es zu einem verheerenden Hochwasser. Große Teile von Gengenbach standen unter Wasser, da der Querdamm gebrochen war. Das neue Transportmittel „Eisenbahn“ machte der schwierigen und gefährlichen Flößerei Konkurrenz.

In dem Film wurde nachgestellt, wie die Holzflöße damals gebaut und gefahren wurden. Nachdem man die Stämme in den Fluss befördert hatte, wurden Floßnägel in die Stämme getrieben und die Stämme mit „Wieden“ verbunden. Die Wieden waren eigentlich tatsächlich Weiden, da diese im Schwarzwald eher selten sind, wich man auf die Stämmchen von Nadelbäumen aus. Diese werden in einem kraftraubenden Verfahren erst erhitzt, dann in sich gedreht und danach um einen „Wiedenbaum“ gewickelt, um ihnen maximale Elastizität zu verleihen. Das bedarf einer großen Sorgfalt, da die Wieden nicht reißen dürfen.

Flößerwerkzeuge
Die so hergestellten Flöße werden dann flussabwärts befördert. Dabei stehen vorne die beiden erfahrensten Flößer, die das Floß auf der Bugwelle halten. Am Rhein wurden die Flöße mit anderen Flößen verbunden und so bis nach Holland transportiert. Diese „Superflöße“ konnten bis zu 400 Meter lang und 5 Meter hoch sein. Es waren schwimmende Städte, kleine Häuser standen darauf und es wurden damit auch andere Waren sowie Schmuggelgut transportiert. Interessanterweise stammt eine Menge Holz, das in Amsterdam verbaut wurde aus dem Schwarzwald.

Ich muss sagen, dass mich der Film wirklich beeindruckt hat. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie mühsam und kräftezehrend manche Arbeit war, die heute von Maschinen erledigt wird.

Burg Landeck
Die nächste Saison wird hoffentlich genauso viele oder noch mehr spannende Erlebnisse bringen. Es ist einfach immer wieder ein Genuss, mit dem Motorrad die Welt zu erkunden. Inzwischen fahre ich wirklich souverän und ich kann Gefahren und die Straße viel besser einschätzen. Das Laub auf der Straße hat mir keine Sorge bereitet, solange es keine feuchten Laubmatschehaufen sind, ist es kein Problem. Die neuen Winterhandschuhe habe ich gestern morgen schon probiert, ich kriege aber trotzdem kalte Finger... vielleicht baue ich jetzt im Winter Handprotektoren an den Lenker. Ich merke auch beim fahren, dass die fahrtwindabgewandten (was für ein Wort!) Körperteile wunderbar warm bleiben, während der Rest dann doch im Lauf der Zeit abkühlt. Vor allem am Hals muss noch was her, mit dickem Fleecetuch kann ich die Jacke nicht schließen und oben drüber gezogen zieht es doch immer irgendwo rein. Vielleicht bringt der Weihnachtsmann ja noch Thermounterwäsche und einen Neoprenkragen.

Jetzt freue ich mich erstmal auf mein neues Kennzeichen und die Möglichkeit, auch im Winter losfahren zu können. Vielleicht gibt es ja irgendwann einen Bericht von meiner ersten Schneefahrt. Bis dahin gehe ich erst mal Motorradplätzchen backen.

Montag, 8. Oktober 2012

Von Rädern und Schienen

Mummelsee
Liebes Blogpublikum, wie ihr schon gemerkt habt, habe ich momentan nicht so viel Zeit für meinen Blog und leider auch nicht für Touren. Dieses Jahr waren es bis jetzt ca. 16.000 km, die mein Motorrad „gefressen“ hat.

In den letzten Wochen war ich sowohl auf alten, bewährten Pfaden, als auch auf neuen unterwegs. Natürlich hat der, der reist auch etwas zu erzählen. Vor einigen Wochen besuchte ich mal wieder ein Mummelsee. Als alleinfahrende Frau mit Motorrad erregt man immer wieder Aufsehen. Manchmal frage ich mich wirklich, warum das eigentlich so ist? Wir leben im beginnenden 21. Jahrhundert, niemand hindert eine Frau daran, sich selbst zu verwirklichen und ihre Träume zu leben. Niemand, außer vielleicht sie selbst.

Mummelsee
Nun, an diesem Tag umrundete ich den Mummelsee wieder einmal auf Fotosafari. Es war viel los, das Wetter schön, das letzte Ferienwochenende in Baden-Württemberg. Als ich um den See herum gelaufen war, fiel mir ein Mann auf, der mir in Montur mit Helm unter dem Arm auf dem Weg entgegenkam und sehr interessiert guckte. Da ich seit einiger Zeit nicht mehr allein auf meinem weiteren Lebensweg unterwegs bin, signalisierte ich keinerlei Interesse, über einen Blick a la „ah, du fährst auch“. Meine Mundwinkel verzogen sich maximal einen halben Milimeter nach oben, zumal es sich bei dem Mann um ein ausgesprochen … nun ja... sagen wir... unattraktives Exemplar handelte.

Allerheiligen
Ich lief zu meinem Motorrad und begann mit dem üblichen Ankleideritual: Schlüssel rauskramen und ins Schloß stecken, Kamera in den Tankrucksack, Karte umschlagen, Jacke zu, Brille wechseln... Auf einmal stand besagter Mann vor meinem Motorrrad und heuchelte starkes Interesse an meiner Maschine. „Oh, was ist denn das für eine ?“ Steht doch drauf! „So eine bin ich noch nie gefahren!“ Desinteressiertes Grunzen meinerseits.

Mann rückt näher an die Maschine. Ich ziehe mich weiter an und hoffe, mein Desinteresse an Mann und Gespräch genügend signalisiert zu haben. Offenbar nicht deutlich genug, denn Mann redet immer weiter. „Wieviel PS hat die denn?“ „34, offen 57“ (Notiz an mich: Datenblatt verfassen und verteilen, sofern nötig). „Ah... und wieviel bist zu damit gefahren?“ „Fast 20.000 km, seit ich sie gekauft habe.“ Ich will nicht allzu unhöflich erscheinen, aber ich will nach Hause und habe keine große Lust, mich mit dem Typen zu unterhalten. Zumal ich endlich kapiere, dass es sich hier um ein Verkaufsgespräch handelt. Allerdings möchte Mann nicht die Maschine kaufen, sondern sich verkaufen. (seufz)

Allerheiligen
Das Gespräch kommt nun auf den Soziussitz. „Oh, der ist ja schon hoch!“ „Ja, das ist bei modernen Maschinen so.“ Was zum Teufel fährt der denn??? „Ach, und die Griffe, das ist ja schon praktisch, da kann man sich festhalten!“ Zustimmendes Grunzen meinerseits. Ich fange an, mir den Helm aufzusetzen. „Ja, aber du fährst doch sicher nicht immer allein, ODER?“ „Doch. Ich fahre immer allein!“ Mann scheint Morgenluft zu wittern, rückt näher an das Motorrad. Mir juckt bereits die Rechte. Ich beherrsche mich. Ein kurzer Boxstoß könnte das Problem beseitigen... und dann kommt der finale Satz, bei dem ich froh bin, dass sich die Maschine zwischen mir und dem Mann befindet. Ich würde jetzt gerne stuntmäßig auf meinen nicht vorhandenen Kickstarter springen können, um danach einen ebenso stuntreifen Wheelie hinlegen zu können, bei dem Schotter und Schmutz aufstieben. Der finale Satz lautet nämlich „Jaaaa... aaaaalsooooo... so eine kleine Runde hinten drauf könnte ich doch mitfahren... aaaaaalsoooo sooooo gaaaaanz vorsichtig...“ Ein Blick aus Hundeaugen trifft mich. Ich schwinge mich auf mein Motorrad und gebe dem Herrn zu verstehen, dass wir beide bestimmt nicht zusammen kommen werden. „naaaaaaa.... aber dann fahr vorsichtig....“ Im Geiste versetze ich dem Typen einen Schlag und einen Tritt, starte die Maschine und fahre betont zackig vom Parkplatz.
Bei einem hübschen Exemplar hätte ich mich bereiterklärt, eine Runde zu fahren.
Vielleicht.

Warum zum Teufel bin ich eigentlich immer so nett?

St. Blasien
Das letzte Wochenende stand im Zeichen der Schiene, der Arbeit und des Vergnügens. Seit 2 Jahren treffe ich mich regelmäßig mit einigen meiner Dawanda-Kolleginnen. Da bis jetzt alle Treffen auf dem idyllischen, aber für die „Südkurve“ weit entfernten Hof von Kalle in Sachsen-Anhalt stattgefunden hatten, sollte unser zweites Treffen dieses Jahr im Süden stattfinden. Das schöne Kematen bei Innsbruck sollte unser Treffpunkt sein.

Ich überlegte lange, ob ich die Tour mit dem Motorrad oder mit der Bahn fahren sollte. Ende September kann das Wetter in den Bergen schon unangenehm sein und ich würde über den Arlberg fahren müssen.

St. Blasien
Mit Blick auf die sinkenden Temperaturen verwarf ich die Idee. Mir macht es zwar nichts mehr aus, im Regen zu fahren. Aber Regen plus Kälte auf einer langen Strecke ist eine unangenehme Kombination. Zumal ich endlich ein zweites Paar dicke Tourhandschuhe bräuchte oder eine Neopren-“Schweinepfote“, die meine Hände warm und trocken hält.

Am Abfahrtstag war die ganze Strecke über herrlichstes Wetter, in Innsbruck war Föhn und es war warm und sonnig. Ein wenig ärgerte ich mich nun doch. Die Bahn jagte mich nämlich mit der Kirche ums Dorf. Mit dem Motorrad wäre ich in ca. 2/3 der Zeit angekommen. Über Karlsruhe, Stuttgart und München führte meine Strecke dann weiter nach Kufstein und Wörgl bis nach Kematen. Auf der anderen Seite ist es auch mal ganz schön, nichts tun zu müssen und sich durch die Gegend schaukeln zu lassen.

Stuibenfall Ötztal
Das Bahnkarma war gut, ich kam pünktlich an und konnte mit meiner Freundin auf der Terrasse die Sonne genießen und Tee trinken. Weniger Glück hatten die beiden Berliner. Gegen 15 Uhr erreichte mich eine SMS „Kommen 2 Stunden später an wegen Baustellenverlängerung.“ Na toll.
Wir kochten uns eine Kürbissuppe und quatschten weiter. „Sind jetzt mit Schienenersatzverkehr in Garmisch angekommen.“ oh je... Nach endlosen knapp 14 Stunden Fahrt erreichten die beiden Berliner Bergziegen gegen 19.30 endlich Innsbruck.

In Kematen angekommen wurde gekocht, gequasselt und sich über die Bahn aufgeregt. Und die obligatorische Flasche Eierlikör geköpft. Natürlich nur echt im Schokobecher! Nachdem alle sehr früh aufgestanden waren, geriet der erste Abend kurz. Um 22 Uhr fielen alle in die Betten.


Für den nächsten Tag hatte unsere Gastgeberin eine Wanderung zum Stuibenfall im Ötztal geplant. Auf meiner einen Tour durch Tirol war ich auf dem Weg zum Furkajoch bereits durch das Ötztal gefahren. Als wir am Frühstücktstisch saßen, gesellte sich noch Verstärkung aus Oberammergau dazu und wir brachen bald zu fünft schwatzend und kichernd auf. Immer mit Blick auf das Wetter ging es den Wanderweg zum Stuibenfall hoch. Ich bin seit ca. 7 Wochen ein wenig fußlahm. Nach meinem Urlaub hatte ich eine schlimme Ischialgie, die schnell abklang, aber in deren Folge ich mehr oder weniger stark hinke. Mit Walkingstöcken bewaffnet ging es den Berg hoch. Immer wieder stoppten wir, um zu den Aussichtsplattformen zu gehen, Fotos zu machen, oder zu verschnaufen.

Oberhalb vom Ötztal in Tirol
Es boten sich die herrlichsten Ausblicke sowohl zum Wasserfall, als auch ins Tal. Ich sah mir mit einer Mischung aus Grausen und Bewunderung die Leute an, die statt dem Wanderweg über den Klettersteig nach oben gingen. Nichts für mich, ich bin weder sonderlich trittsicher, noch schwindelfrei. Beim laufen habe ich lieber festen Boden unter den Füßen.

Stuibenfall
Oben angekommen, konnte man auf einer Hängebrücke und von einer etwas weiter unten gelegenen Plattform einen tollen Blick nach unten auf den Weg und den Wasserfall genießen. Ein Eichhörnchen turnte die Bäume herunter und über die Stein“brücke“ über den Wasserfall.

In unserer wohlverdiente Pause gab es die aus Oberammergau importierten Brezen und eine Diskussion über den Unterschied zwischen Brezen aus Bayern und Brezen aus Baden-Württemberg. Nach meinem Umzug von Nürnberg nach Freiburg erlitt ich einen Brezenkulturschock. In Nürnberg stehen überall in der Stadt und an den U-Bahn- und Straßenbahnknotenpunkten Brezenstände. In Freiburg... nicht. Das war der erste Schock. Der zweite kam, als ich mir eine badische Breze kaufte. Was ist denn das? Dunkelbraun und weich ist die. Ich kenne nur hellbraun und kross. Die Wahl zwischen grobem oder feinem Salz hat man auch nicht. Grob. Fertig.

Da sich weder Weißwürste noch Bier in unserem Verpflegungsrucksack befanden, entstand die nächste Diskussion darüber, was es heute zu essen geben sollte. Mein Vorschlag, eines von den Kaninchen und Meerschweinchen aus dem Gehege vor dem Gasthaus für einen abendlichen Spießbraten einzupacken, stieß auf wenig Gegenliebe... Bevor mir nun jemand mangelnde Tierliebe, oder gar Barbarismus unterstellt: Ich esse keine Tiere, wobei ich mir bei Meerschweinchen nicht sicher bin, ob es sich hierbei nicht um eine befellte Abart des geselligen Schleimpilzes handelt.

Burg Rötteln bei Lörrach
Nach meiner Rückkehr nach Hause hatte ich nur eine kurzer Gelegenheit, mein Motorrad zu bewegen. Meinen ursprünglichen Plan, über die Sirnitz Richtung Kleines Wiesental zu fahren, verwarf ich kurz hinter Freiburg. Über dem Schwarzwald war es schwarz und es begann zu regnen, kaum dass ich das Straßenschild „Freiburg“ hinter mir gelassen hatte. Ich fuhr kurzerhand die B3 Richtung Lörrach und entschied mich spontan für einen Besuch der Burgruine Rötteln. Bei starkem Wind aber blauem Himmel mit gelegentlichen Wolken hatte man einen fantastischen Rundumblick Richtung Schweiz und Schwarzwald.

Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es Zeit wäre, langsam den Rückweg anzutreten. Noch ein schneller Kaffee im Biergarten unter Kastanienbäumen (Vorsicht! Bäume werfen mit Kastanien!) und schon kamen sie wieder, die finsteren Wolken. Der Rückweg war dann stürmisch und feucht.

Burg Rötteln
Meine nächste Tour stand nun wieder im Zeichen der Schiene, auch dieses Mal hatte ich überlegt und eine Reise mit dem Motorrad verworfen. Es ging nach Norddeutschland. Zwischen Hannover und Bremen lag mein Ziel, ein Verwandtschaftsbesuch bei meiner Familie. Die Tage, die ich dort verbrachte, gaben mir Recht in der Wahl meines Transportmittels. Der Norden zeigte sich von seiner ekelhaften Seite: Regen. Regen morgens. Regen mittags. Regen abends. Regen nachts. Die einzige Stunde ohne Regen und mit Sonne (tatsächlich!) nutzte ich, um mit dem Hofhunde eine Runde zu drehen.

Immerhin fiel mein Besuch in Bremen nicht ins Wasser. Leider aber die Rückfahrt mit dem Zug. Es hatte nämlich nicht nur geregnet, sondern auch gestürmt und die Züge in Richtung Hannover fuhren nicht mehr. Zum Glück waren meine Gastgeber so nett, mich mit dem Auto zu fahren, sonst säße ich vermutlich immer noch irgendwo in der Pampa fest.

Burg Rötteln
Langsam geht die Saison zuende, für mich und mein Motorrad stehen in den nächsten Wochen noch eine Tour nach Bern und ein Kurs „Motorrad Wintercheck“ an. Und der Nummerschildwechsel von Saison- zum Ganzjahreskennzeichen. Putzen muss ich sie auch mal wieder und höchstvermutlich steht noch ein Reifenwechsel hinten an. Dann kommt die triste Zeit: Motorrad meistens in der Garage, Montur im Flur gelagert... Und natürlich die Vorbereitung auf das Weihnachtsgeschäft, denn von irgendwas muß das Geld für die Tankfüllung ja kommen.

Aber: Nach der Saison ist vor der Saison. Also, bleibt dran.

Sonntag, 16. September 2012

Urlaub die Dritte - Fortsetzung

8.8.2012

Kochelsee
Der heutige Tag versprach ebenfalls sonnig zu werden. Da es über den Bergen aber eher unsicher aussah, entschied ich mich für eine Tour weiter unten. Zu sehen gab es mehr als genug!

Vom Campingplatz aus ging es los Richtung Murnau am Staffelsee. Dort angekommen war es bereits recht warm geworden. Die ersten Tagesgäste saßen und lagen am Ufer, eine Gruppe Motorradfahrer stand ebenfalls am See und besprach die weitere Tour.

Die wahren Highlights meiner Tour sollten mich jedoch erst später erwarten. Von Murnau aus ging es weiter in Richtung Kochelsee. Hier ergaben sich großartige Ausblicke auf den See und die umliegenden Berge. Das Blaugrün des Wassers ist einfach unglaublich.

Walchensee
Vom Kochelsee aus ging es weiter zum Walchensee den Kesselberg hoch. Hier könnte man ganz toll hoch- und runterrasen, aber eine Geschwindigkeitsbeschränkung und der dichte Verkehr verboten es. Wie schon öfter erlebt, hatte ich vor mir immer wieder Autofahrer, die offenbar mit kurvigen Strecken, die sich leicht den Hang hochziehen überfordert waren. Aber gut, ich bin im Urlaub und nicht auf der Flucht.

Am Walchensee angekommen, machte ich in einem unglaublich niedlichen Ufercafé Pause und genoss die Aussicht sowie einen leckeren Apfelkuchen plus Milchkaffee. Als am Nachbartisch gerätselt wurde, wo sich der "Kirchturm, der im Wasser steht..."  befindet, mischte ich mich kurz in das Gespräch ein. Es handelt sich um den Reschensee. Diesmal war ich nicht dort oben, von einer meiner Radtouren durch die Alpen (muss so ca. 1995 gewesen sein) kenne ich den See.

Walchensee
Für mich Geographielegasthenikerin ist es immer wieder interessant, die Straßenkarten zu studieren. Endlich weiß ich mal, wo was liegt und wie nahe manche Orte beisammen liegen. Und - entgegen dem allgemeinen Vorurteil, dass Frauen keine Karten lesen können - komme ich sehr gut mit den Straßenkarten zurecht. Ich weiß fast immer, wo ich gerade bin. So schwierig ist das auch nicht. Falls ich nächstes Jahr weiter weg fahren sollte, wird ein Navi unumgänglich, denn so viele Karten kann man dann doch nicht mitschleppen.

Vom Walchensee aus ging es weiter in Richtung Wallgau und von dort die teilweise mautpflichtige (3 €) B307 Richtung Sylvensteinspeichersee.
Karwendel
Diese Strecke ist ein landschaftlicher Genuss! Man fährt am Fuß des Karwendelgebirges entlang und kann immer wieder anhalten und die heißen Füße in die eiskalte Isar stecken. Die Landschaft ist eigentümlich, ein Wildwasserbett mit viel Kies, mal mehr, mal weniger ausgewaschenen Uferbereichen und mehr oder weniger tiefen Stellen. Am Sylvensteinspeichersee kann man wieder interessante Blicke genießen und die Farbe des Wassers bewundern.

Die Reserveleuchte auf meinem Armaturenbrett gebot mir, ziemlich direkt nach Lenggrieß zu fahren, um dem Moped und mir eine Erfrischung zu gönnen. Von Lenggrieß aus ging es über Jachenau wieder zum Walchensee zurück. Der See hat mir wirklich sehr gut gefallen. Bei einer nächsten Bayerntour werde ich vermutlich dort mein Zelt aufschlagen und mich noch weiter Richtung Osten bewegen.
Sylvensteinspeicher

Mein Rückweg führte mich dann über Oberammergau wieder nach Füßen und zu meinem Campingdomizil am Forggensee. Noch ein Tag, an dem ich nicht naß geworden bin, nur die Füße hatte ich mal in der Isar.

09.08.2012

Die nächsten zwei Touren führen mich nach Tirol. Die heutige Tour wird der geographische Höhepunkt meines Urlaubs werden, denn es geht unter anderem hoch aufs Timmelsjoch.

Meine Anfahrt sollte heute nicht wieder über den Fernpass gehen, sondern ich nahm die Route über Garmisch-Partenkirchen und den Grenzübergang Mittenwald-Scharnitz. Die ganzen Namen und Alpenpässe erinnern mich stets an meine Kindheit mit dem Sender "Bayern 3".

Lüftlmalerei
"Am Grenzübergang Mittenwald-Scharnitz 2 Stunden Wartezeit für LKW..." Damals gab es noch keine EU, die Grenzen waren noch nicht offen und jedes europäische Land hatte noch seine eigene Währung. Im Winterhalbjahr konnte man dann den Straßenbericht der Alpenpässe hören "Iserand, Isoire, Großer St. Bernhard, Kleiner St. Bernhard.. Furka... Arlberg..." Die Namen hören sich wie ein "Who-is-Who" sämtlicher "Hochfahrenmusspässe" an.

In Garmisch hielt ich für eine Frühstückspause mit hervorragenden Brötchen und bummelte danach durch die Straßen, um Fotos von der kunstvollen Lüftlmalerei zu machen. Der Himmel war herrlich klar, man hatte Ausblicke zum Zugspitzmassiv. Alles in allem verhieß es, ein schöner Tourtag zu werden.

Auf dem Weg zum Kühtai
Von Garmisch aus ging es weiter in Richtung Innsbruck und über Kematen hoch zum Kühtaisattel. Die Straße war wenig befahren und ich hatte genügend Muße, die umliegenden Berge zu bewundern. Ich bin immer wieder fasziniert von der landschaftlichen Vielfalt der Bergwelt. Von den Kontrasten zwischen lieblich und schroff, grün und grau, trocken und nass... Auf dem Sattel angekommen, genoss ich die Sonne in einem Liegestuhl und ruhte meine geschundenen Handgelenke ein wenig aus. Eine der Folgen von exzessivem Motorradfahren sind Schmerzen in den Handgelenken. Gut, inzwischen bin ich so trainiert, dass ich keine "Gashand" oder "Kupplungshand" mehr bekomme. Letztes Jahr hatte ich auf einer langen Tour gegen Ende sehr große Probleme mit Schmerzen in den Händen. Dieses Jahr beschränkte es sich auf leichte Verspannungen.

Auf dem Weg zum Timmelsjoch
Vom Kühtai aus lag es nah, die Timmelsjoch-Hochalpenstraße zu nehmen. Ich wollte mich dort ein wenig umsehen und die Zeit und das gute Wetter noch einmal für eine ausgiebige Tour nutzen. Die Straße zum Timmelsjoch hoch führt durch recht liebliche Berglandschaft. Erst auf den letzten Kilometern ab Sölden wird es allmählich schroffer und unwirtlicher. Die letzten Kilometer hoch zum eigentlichen Joch sind mautpflichtig. Hier fand ich den Preis für gefühlte 10 km hin und zurück happig: 14 €! Aber gut, wofür ist man in Urlaub, wenn nicht, um sich alles Interessante anzusehen, das am Wegesrand liegt.

Timmelsjoch
Oben auf dem Joch angekommen, pfiff ein scharfer Wind und es war recht frisch. Ich drehte eine Runde auf dem Gipfel. Oben gibt es einen Kunstpfad mit diversen Objekten, die ich mir jedoch nicht weiter angesehen habe. Die Landschaft rundum hat mich wesentlich mehr beeindruckt. Hier oben fühlt man sich wirklich "on top of the world"! Unglaublich schöne Blicke rundum erfreuen das Herz und ich hatte zudem noch eine phantastische Fernsicht.

In der Gipfelhütte wärmte ich mich etwas auf, um dann den Weg zurück nach unten und nach Hause anzutreten. Auch heute wieder: kein Wasser von oben!

10.08.2012

Hall in Tirol
Der letzte Tourtag ist angebrochen. Heute führt mich mein Weg wieder nach Tirol, diesmal besuche ich eine Freundin in Kematen. Aus Zeitgründen hatte ich mich für die Hin- und Rückfahrt für den Fernpass entschieden.

In Kematen angekommen, machten wir uns erst einmal an das zweite Frühstück. Das Wetter verhieß den einen oder anderen Schauer, so dass an großartige Wandertouren nicht zu denken war. Stattdessen fuhren wir erst einmal nach Hall. Hall hat eine wunderschöne Altstadt und blickt auf eine lange Geschichte als Marktstadt zurück.

Seit dem 13. Jahrhundert war das Salzbergwerk im Halltal die zentrale Industrie der Stadt und der Umgebung. Wie wichtig das Salz war, zeigt auch das Stadtwappen: Zwei Löwen, die ein Salzfass halten. Das Salz wurde bis in die Schweiz, den Schwarzwald und das Rheingebiet exportiert. Der Versuch vor dem 2. Weltkrieg ein Heilbad aus Hall zu machen (Solbad Hall) scheiterte an den Kriegswirren und wurde gegen Mitte der 70er-Jahre mit dem Aus der Saline endgültig begraben.

Hall in Tirol
In Hall gibt es eine supergute Eisdiele, allerdings ließ mich der Preis von 1,10 € pro Kugel schier hintüber kippen... hier kosten sie zwischen 80 und 90 Cent, ab und an findet man noch die eine oder andere Eisdiele mit 60 oder 70 Cent. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, denn das Eis war äußerst lecker, die Kugeln sind riesig und lassen den Schmerz im Geldbeutel rasch vergessen.

Nach dem Bummel durch Hall ging es weiter nach Innsbruck. Das Inntal ist an dieser Stelle relativ breit. Ich mag ja Berge, aber manch einer mag ihre Nähe als erdrückend oder beängstigend empfinden.

Goldenes Dachl
Innsbruck ist die Hauptstadt des Bundeslands Tirol, sie ist die fünftgrößte Stadt Österreichs. Das Wahrzeichen Innsbrucks ist das "Goldene Dachl", das ich pflichtbewusst fotografiert habe. Interessant fand ich den Kontrast zwischen der Altstadt von Innsbruck und der Freiburger Altstadt. Wir kamen im Gespräch darauf, dass die Städte eine ähnliche Einwohnerzahl haben. Die Architektur und Großzügigkeit der Flächen hat mich eher an Basel erinnert. Die Freiburger Altstadt ist mittelalterlich-verwinkelt, einzig der Münsterplatz, der Augustinerplatz und der Rathausplatz sind großzügiger.

Nach dem Bummel durch Innsbruck fuhren wir zurück nach Kematen, um dort zu Abend zu essen. Mein Besuch endete mit Schlutzkrapfen in brauner Butter. Schlutzkrapfen sind ähnlich wie Maultaschen, diese hier waren mit Steinpilzen gefüllt und die Butter... war nicht nur ein bisschen Butter drübergeträufelt, nein, sie schwammen drin! Ein perfektes Essen für hungrige Motorradfahrer! Nach diesem schönen Besuch und den tollen Eindrücken ging es noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück über den Fernpass nach Füssen und zu meinem Zelt.

Innsbruck
Eine letzte Nacht auf hartem Boden, ein letztes Frühstück am Forggensee... zuhause wurde ich schon vermisst und konnte mich auf eine gemütliche Nacht in meinem weichen Bett freuen.

Mein Urlaub war einfach phantastisch, ich würde (und werde) jederzeit wieder mit Motorrad und Zelt aufbrechen. Einzige Spätfolge meines mangelnden Schlafkomforts war eine heftige Ischialgie, die sich leider in Form von Hinkebein immer noch auswirkt. Ich habe mir inzwischen eine selbstaufblasende Matte von Exped gekauft, die auf ihren Einsatz wartet. Zelt und Schlafsack kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Neuschwanstein im Abendrot
Seit ich letztes Jahr Anfang August das erste Mal auf meinem Motorrad saß, sind viele Touren vergangen, viele Fotos gemacht worden und ich bin inzwischen 20.000 km gefahren. Es macht mir immer noch einen Riesenspaß und ich freue mich an den kontinuierlichen Fortschritten, die ich seitdem gemacht habe.



Freitag, 31. August 2012

Urlaub die Zweite - Fortsetzung

Wangen im Allgäu
Jaja, ich weiß, die Fortsetzung hat gedauert...

Inzwischen war ich nochmal kurz weg, ein paar Tage Richtung Norddeutschland. Das waren meine ersten langen Autobahnfahrten und wider Erwarten hat es mir Spaß gemacht, solange es keine Staus gab und man sich zwischen den Autos durchmogeln musste.

Meine Maschine fährt wirklich die eingetragenen 156 km/h, sofern es eben ist und kein Gegenwind bläst. Allerdings hat man da schon das Gefühl, langsam aus dem Sattel abzuheben, die Arme werden immer länger. Eine kleine Stimme im Kopf sagte aber "oh, wie toll, wie ist das erst, wenn die offen ist und dann 186 fährt...?" Noch etwas über 11 Monate, dann ist es so weit.

3.8.2012

Wangen im Allgäu
Nach einem Bade- und Gammeltag beschloss ich, dass nun die Zeit zur Umsiedlung gekommen ist. Ich baute das Zelt ab und belud das Moped und machte mich auf den Weg in Richtung Forggensee. Im Juni war ich in der Nähe bereits vorbeigekommen und die Gegend sah vielversprechend für interessante Touren aus.

Vor der Frühstückspause in Wangen habe ich dann mein Moped... kontrolliert abgelegt... Ich stand auf einem Parkplatz, als ein Autofahrer ankam und signalisierte, ob ich da wohl rausfahre. Ich wollte höflicherweise ein bisschen Platz machen, denn das Auto hätte da auch hingepasst. Da passiert es, der Seitenständer klappte ein und ich hatte das Moped schon so schräg, dass ich es nur vorsichtig auf die Seite legen konnte. Passiert ist nichts, da es vom Gepäck abgestützt wurde. Ein sehr netter Mann half mir dann, die Maschine wieder aufzustellen.

Forggensee bei Füssen
Nach diesem Schreck ging es erstmal auf die Suche nach Frühstück. Ich war mit leerem Magen losgefahren und der wollte nun gefüllt werden. In der Haupteinkaufsstraße fand ich auch gleich ein sehr gutes Café und konnte mich stärken. Leider zog es sich immer mehr zu und der Himmel versprach nichts Gutes für die Weiterfahrt. Gestärkt lief ich noch eine Runde durch den wirklich hübschen Ort. Interessant ist, dass die bemalten Fassaden Richtung Allgäu und Oberbayern zunehmen. Hier im Grenzgebiet zur Schweiz findet sich auch Fassadenmalerei, aber mit einem völlig anderen Stil.

Gegen Mittag fuhr ich über Isny weiter nach Füssen. Mit dem beladenen Motorrad wollte ich nicht über die B308 fahren, da ich keine Lust hatte, es vor Scheidegg durch die Kehren zu wuchten, außerdem war ich diese Strecke schon ein paar Mal gefahren.

Füssen im Allgäu
Auf der Höhe von Missen-Wilhams begann es zu tröpfeln und es wurde Zeit, die Goretex-Membran in die Jacke zu ziehen. Inzwischen weiß ich von diversen Touren, dass die Kombi (Stadler Airflow) dicht ist, nicht jedoch die Handschuhe (Held XT Touring), die sind nach 1-2 Stunden (je nach Regenintensität) durch. Heute sollte ich jedoch von heftigen Regenschauern verschont bleiben und fuhr durch das mehr oder weniger starke Getröpfel an den Forggensee.

Da ich auf gut Glück den Hinweisschildern für einen Campingplatz gefolgt ware, landete ich auf dem Campingplatz Magdalena in Osterreinen. Dort war gerade Mittagspause und man sagte mir, dass ich mein Zelt schon aufbauen könnte, aber das Motorrad erst nach der Pause runterfahren dürfte. Im leichten Regen baute ich das Zelt auf und wenig später erfreute mich an dem großartigen Ausblick von der Restaurantterrasse. Der Campingplatz ist sehr schön gelegen und auf der Zeltwiese war selbst in der Hochsaison immer ein Plätzchen frei. Weniger gut, da zu klein ausgelegt und etwas angejahrt ist der Sanitärtrakt, jedoch ist alles sauber und gepflegt. Der Brötchenservice ist sehr empfehlenswert, ich hatte jeden Morgen zwei hervorragende Vollkornbrötchen von einem Schnitzer-Bäcker aus Füssen.

Füssen
Nach dem Mittagessen und dem Ende der Mittagspause fuhr ich das Motorrad auf den Parkplatz und ging eine Runde im See schwimmen. Das Wasser war - im Gegensatz zum Bodensee - sehr angenehm temperiert, wunderbar weich und klar. Mit Blick auf Schloss Neuschwanstein und die dahinter liegenden Berge badet es sich nochmal so schön. Abends machte ich noch eine kleine Fotorunde am Seeufer und dann ging es schlafen.

4.8.2012

Wieskirche
Heute sollte ich richtig nass werden. Für heute hatte ich mir eine Runde vorgenommen, die mich über Wies, Ettal und Garmisch-Partenkirchen über den Fernpass zum Hahntennjoch führen sollte. Am Forggensee gab es immer wieder Gelegenheit, die Voralpenidylle zu bewundern und sich an der Landschaft zu erfreuen. Im Lauf der Tour ist mir allerdings klar geworden, dass der Faktor "Wetter" hier eine andere Rolle spielt, als bei uns im Schwarzwald. Ich habe keinerlei Erfahrungswerte über das Wetter im Allgäu oder in den Bergen und habe gelernt, dass es sich sehr schnell ändern kann. Hier weiß ich, wenn ich nach Westen oder zum Schwarzwald schaue mit relativer Sicherheit, welches Wetter mich im Tagesverlauf erwarten wird.

Wieskirche
Mein erster Halt und Besuch heute galt der Wieskirche. Es war Sonntag und in der Kirche selbst war eine Probe für ein Orgelkonzert. Ich bin nicht religiös, aber die Musik löste eine gewisse Ergriffenheit in mir aus. Die Oppulenz der Rokokokirche dagegen fand ich weniger meditativ, als schlicht und ergreifend pompös. Die Kirche steht quasi "mitten in der Pampa" und man fragt sich schon, weshalb ausgerechnet dort.

"Sie entstand aus der Verehrung einer Statue des Gegeißelten Heilands, die 1730 von Pater Magnus Straub und Bruder Lukas Schweiger im oberbayrischen Kloster Steingaden gefertigt wurde. Die Statue wurde 1732–34 bei der Karfreitags-Prozession des Klosters mitgetragen, kam aber 1738 in Privatbesitz eines Bauern auf der Wies, dem Ort des Sommer- und Erholungsheims des Klosters einige Kilometer südöstlich des Ortes. Am 14. Juni 1738 bemerkte die Bäuerin Maria Lory in den Augen der Figur einige Tropfen, die sie für Tränen hielt. Im folgenden Jahr 1739 führten Gebetserhörungen und kleinere Wallfahrten zum Bildnis des Heilands zum Bau einer kleinen Feldkapelle. 1744 wurde die Erlaubnis eingeholt, in der Kapelle die Messe zu lesen, womit die Wallfahrten den offiziellen Segen der Kirche erhielten." (Wikipedia)
Klosterkirche Ettal
 Als ich aus der Kirche kam, kamen mir sehr viele Menschen in Tracht - sprich Dirndl und Lederhosen - entgegen, das hat mich dann schon fasziniert. Hier im Schwarzwald habe ich noch niemals im "normalen Alltag" Menschen in Tracht auf der Straße gesehen, im Allgäu und in Oberbayern dagegen ist es an der Tagesordnung.

Mein Weg führte mich nun weiter nach Kloster Ettal. Auch hier nahm ich mir Zeit, die Klosterkirche zu besuchen und auf mich wirken zu lassen. Wie meine Leser wissen, habe ich den Jahresbeginn im Kloster St. Trudpert verbracht, um mich zu erholen und zu besinnen. Aufgrund der vielen Touristen war die Atmosphäre jedoch weitaus weniger besinnlich, als im Schwarzwälder Münstertal.

Da sich der Himmel immer weiter zuzog, beschloss ich ein wenig "Land" zu gewinnen und meine Tour fortzusetzen.

Klosterkirche Ettal
In Garmisch machte ich bei strahlendem Sonnenschein Mittagspause. Im Hintergrund boten sich schon die ersten Ausblick auf die Zugspitzregion. Ich muss sagen, dass ich mich mit dem Motorrad nicht nur fortbewege, sondern auch fortbilde. Die Zugspitze hatte ich am Vortag auf der Karte entdeckt und dachte mir "Ach, DA ist die!" Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich lange auch nicht genau wusste, wo der Schwarzwald ist. Soviel zum Erdkundeunterricht an Bayerischen Gymnasien in den 70er und 80er-Jahren...

Das sonnige Wetter stimmte mich hoffnungsvoll auf den Ausflug zum Hahntennjoch. Die Abfahrt durch das Bschlaber-Tal sah ebenfalls vielversprechend aus. Von Garmisch aus ging es über den Fernpass weiter in Richtung Tirol. Den Fernpass sollte ich in diesem Urlaub noch mehrfach überqueren.

Ich kann nur raten, ihn nicht an einem Sommersonntag zu fahren, da man mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h dort entlang zuckelt. Hier war einfach alles unterwegs, was nicht fahren kann: Holländische Wohnwagengespanne, Wohnwagen aus dem Deutschen Flachland, Autofahrer aus Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz... Ja, ihr lest richtig! Man sollte meinen, dass Schweizer in den Bergen Autofahren können, weil sie ja selbst welche haben. Das Gegenteil ist der Fall! Neben den Niederländern (denen ich das verzeihe, weil sie keine Berge kennen) sind die Schweizer so ziemlich das Schlimmste, was man auf einer Straße vor sich haben kann.

Zugspitze in Wolken
Auf dem Weg den Fernpass hoch begann es wieder zu tröpfeln und ich machte einen Stopp im Restaurant "Zugspitzblick", um mich umzuziehen und einen Kaffee zu trinken. Es stellte sich später als vorteilhaft heraus, dass ich auch in die Hose das Goretexfutter eingeknöpft hatte. Das ist das Einzige, was ich nicht so toll finde an der Kombi, dadurch, dass das Regefutter nach innen gehört, muss man sich immer halb ausziehen, wenn man das Futter braucht. Ansonsten bin ich aber vollkommen zufrieden, auch bei heißeren Temperaturen ist man in der Kombi gut "aufbewahrt".

Langsam aber sicher wurde das Wetter immer schlechter. Ich hoffte jedoch, dass ich den Pass im Trockenen überqueren und auch einigermaßen im Trockenen zurückkehren würde. An der Straße zum Hahntennjoch standen Warnschilder "Bei Gewitter nicht befahren wegen Murenabgängen".
*gulp*

Die niedrig hängenden Wolken verhießen nichts Gutes, genauso wenig, wie das ferne Grummeln. Als
Auf dem Weg nach oben
ich oben auf dem Joch stand, regnete es bereits leicht. Es wäre egal gewesen, ob ich zurück- oder weitergefahren wäre, denn auf beiden Seiten sah es finster aus.

Also weiter.
Das ist ja auch kein Gewitter... es regnet ja nur...
*grummelbrummel*
Nene, das ist KEIN Gewitter.
Blitz... "einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig... dreißig..." *grummelbrummelgrummel* Ok, es ist noch weiter weg.

Blitz. "einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwanzig..." *grummelbrummelgrummel*
Es kommt näher...


Weltuntergangsstimmung auf dem Hahntennjoch
Ich komme an einem Gasthaus vorbei und überlege kurz, ob ich weiterfahre, oder anhalte, entscheide mich für Weiterfahren. Das sieht nicht nach einem Schauer aus, der bald vorbei ist und im Dunkeln möchte ich hier nicht herumfahren.

Der Regen wird stärker, die Straße steiler und kurviger.

Blitz.
"einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig..." *baaarooooooooom* 
Es fängt an zu schütten.
Sicht gleich Null.
Visier auf, wischen hilft nichts mehr.
Regen peitscht ins Gesicht.
Jede Kehre wird zur Herausforderung.

Die Handschuhe weichen durch.
Mir wird langsam kalt.
Regen rinnt über das Gesicht, tropft aus allen Poren.
Die Straße windet sich in endlosen steilen Kurven ins Tal.
Wieder unten...
Autofahrer überholen von hinten, fahren aber auch nicht viel schneller als ich.

Endlich fahre ich in einen Ort.
Es schüttet immer noch.
An einem Supermarkt stelle ich mich unter die Markise, wringe die aufgeweichten Handschuhe aus und überlege, ob ich jetzt weiterfahre, oder auf Wetterbesserung hoffe. Ein Blick um die Ecke zeigt, dass das Hahntennjoch jetzt wohl im schönsten Sonnenschein liegt. Meine weitere Strecke wird im Regen verlaufen, ich fahre den Wolken nach. Noch ein bisschen abwarten. 2 Männer auf Rollern und einer auf dem Motorrad gesellen sich zu mir unter die Markise. Wir kommen ins Gespräch, sie wollen das Namloser Tal hoch und dort übernachten. Wie es aussieht, fahren sie in die Sonne...

Mein Tankrucksack begrüßt mich mit frenetischem Summen. Mein Handy, das in der Tasche lag, ist naß geworden und spielt verrückt. Ich muss den Akku entfernen, damit das Gesumme aufhört. Ich hoffe, dass es wieder funktioniert, sobald es trocken ist.

Weiter geht es durch den inzwischen weniger starken Regen Richtung Zeltplatz. Dort angekommen stellt sich die Frage "Wohin mit den nassen Klamotten?" Die Kombi trocknet im hängen recht rasch, eventuelle Restfeuchte bläst der Fahrtwind raus. Nur kann ich im Zelt nichts aufhängen. Trockenraum? Fehlanzeige. Immerhin kann ich meine Sachen im Fahrradraum einigermaßen aufhängen und sie sind am nächsten Tag erstaunlicherweise auch richtig trocken. Bis auf die Handschuhe.

5.8.2012

Plansee
Es hat die ganze Nacht mehr oder weniger stark geregnet. Das Zelt ist dicht und drinnen ist es recht kuschelig. Einzig die dünne Isomatte führt zu Schmerzen in den Hüftknochen, durch die ich im Lauf der nächsten Woche regelmäßig geweckt werde.

Ich schlafe tief und fest, eingemummelt in meinen Schlafsack, als plötzlich eine Sirene losgeht. Es ist 5.50. Der ganze Zeltplatz ist auf einen Schlag wach, überall hört man die Reißverschlüsse der Zelte, Stimmengemurmel. Ich krieche aus dem Zelt. Der Regen ist weg, die Sonne geht auf und weder kommen die Russen, noch brennt es irgendwo. Vielleicht ist irgendwo eine Mure runtergekommen? Ich male mir aus, wie der Zeltplatz von einer Schlammlawine verschlungen wird...
Irgendwann krieche ich zurück ins Zelt und versuche weiterzuschlafen.

Heute steht etwas ganz besonders auf dem Plan. Ich werde meine Freundin Andi in Oberammergau besuchen, wir sind zum Bodypainting verabredet.

Plansee
Los geht es Richtung Oberammergau. Ich entscheide mich für die kürzere Strecke am Plansee entlang. Unterwegs steht ein Schild "Zufahrt zur Seespitze gesperrt". Ich schaue auf die Karte, Seespitze kann ich nirgendwo finden und denke mir "Das wird irgendein Berg sein oder so, betrifft mich nicht." Vor mir schleichen Belgier entlang, auf der kurvigen Straße ist an überholen nicht zu denken. Da der Plansee in Sicht kommt, ärgere ich mich nicht weiter, sondern genieße die Aussicht. Viele Motorradfahrer kommen mir entgegen. Ich denke mir nichts dabei. Bis ich zur "Seespitze" komme, die keineswegs ein Berg ist, sondern ein Punkt an der Straße. Und die Straße dahinter ist zu. Gesperrt.
4 Muren sind in der Nacht heruntergekommen und im Wald liegen tischtennisballgroße Hagelkörner. Mit Schaudern denke ich an den Weg vom Hahntennjoch zurück..

Also umkehren und die andere Route über Bayersoien. Mit Verspätung aber trocken und gut gelaunt lande ich bei Andi. Erstmal 2. Frühstück und dann überlegen wir gemeinsam, in welchen Farben ich angemalt werden möchte.

Ammergauer Alpen
Gegen Nachmittag brechen wir bei strahlendem Sonnenschein auf, fahren ein Stück aus dem Ort und laufen dann durch den Wald an einem Wildbach entlang. Bald ist die Stelle erreicht, an der wir Fotos machen werden. Andi bemalt mich, Schmetterlinge kommen angeflogen und setzen sich auf meine bemalte Haut.

Wir lachen und haben Spaß.
Wolken kommen auf.

Andi dirigiert mich durch das Bachbett. Ich sitze und liege auf Schwemmholz, auf Felsen, versuche, entspannt auszusehen, während ich im eisigen Wasser stehe und am Ende kauere.

Das Wetter hat sich inzwischen vollkommen geändert. Der Himmel ist bezogen und ein Grollen verheißt nichts Gutes.

Schnell zusammenpacken, anziehen, loslaufen. Wir haben ca. 20 Minuten Fußweg vor uns und machen ständig Witze in der Art "Wetter, ich bin nicht mehr Dein Freund bei Facebook!"  Nach ungefähr 700 Metern beginnt es zu tröpfeln. Wir halten Andis rotes Handtuch über uns. Es donnert. Andi meint, dass die Gewitter gar nicht abkann... ich beruhige sie, dass wir im Wald sicherlich nicht vom Blitz getroffen werden.

Da öffnet der Himmel seine Schleusen. Es schüttet, es hagelt. Das Handtuch wird zentnerschwer. Darunter zwei hysterisch kichernde Frauen. Der einen läuft weiße Farbe aus den Klamotten. Am Waldrand stoppen wir, warten das Gewitter im Wald an. Wringen das zentnerschwere Handtuch aus. Lachen. Zittern. Es ist kalt geworden.

Der Regen lässt nach. Wir sind triefendnaß, meine Klamotten sind von weißer Farbe durchzogen. Im Auto wickeln wir uns in Fleecedecken und lachen. Bei Andi gibt es erstmal eine heißen Tee und eine heiße Dusche. Draußen scheint inzwischen wieder die Sonne und das Radio informiert uns über die "fette Gewitterzelle", die über uns hinweggezogen ist.

Immerhin ist es wieder so warm, dass wir uns dicke Eisbecher holen und in den Kräutergarten vor dem Pilatushaus in die Sonne setzen. Gegen Abend breche ich wieder zum Zeltplatz auf. Heute ist die Kombi trotz Regen trocken geblieben! Ein anderer toller und ereignisreicher Tag geht zuende.

6.8.2012

Lechfall bei Füssen
Da die Wolken heute wieder nichts Gutes verhießen, entschloss ich mich für eine Seentour zum Ammersee und Starnberger See. Die Berge wollte ich mir für besseres Wetter aufsparen und der Wetterbericht sagte für die kommenden Tage eine deutliche Besserung voraus.

In Schongau machte ich einen Zwischenstopp mit der obligatorischen Kaffeepause. Da dort ein Mittelaltermarkt stattfand, sah man von der Stadt selbst nicht so viel. Alles war zugestellt. Von Schongau aus machte ich mich an den Weg an den Ammersee. Auf dem Weg hatte man tolle Blicke auf die Berge und später auch zum See.

In Dießen machte ich in einem Biergarten Mittagspause und lief danach an den See, um dort zu fotografieren und zu überlegen, wie ich weiterfahren würde.
Die Seen im Alpenvorland sind wirklich schön.
Die meisten zumindest.
Dießen am Ammersee
Vom Starnberger See sieht man leider recht wenig, wenn man auf der Straße ist.

Hinter dem Starnberger See verfuhr ich mich ein bisschen und landete erst auf der Autobahn, später dann auf der richtigen Straße.

Nach einem Abstecher nach Kloster Andechs machte ich in Weilheim Halt, weil sich ein Gewitter ankündigte. Ich hoffte, dass ich heute zumindest nicht naß werden würde. Leider hoffte ich umsonst.

Der Regen ließ nicht nach und wurde immer stärker. Im Laden einer Klamottenkette schlüpfte ich in die Umkleidekabine, um das Futter in meine Hose zu ziehen. Hier wollte ich noch ein wenig warten, ob es nicht vielleicht *doch* aufhört oder zumindest nachlässt.

Kloster Andechs
Nach einer halben Stunde machte ich mich auf den Weg durch den Regen. Bis zum Zeltplatz regnete es immer weiter. Nachdem ich meine Kombi aufgehängt hatte, kochte ich mir einen Tee im Zelt. Unter der Isomatte drückte sich ein wenig Feuchtigkeit durch den Zeltboden. Ich tauschte Kopf- und Fußende der Matte und kroch in den Schlafsack.

7.8.2012

Endlich war das angekündigte schöne Wetter angesagt. Über den Bergen kaum Wolken, unten strahlender Sonnenschein. Heute ist es Zeit für eine Bergtour. Ich hatte mir die Kaunertaler Gletscherstraße ausgesucht.

Hinter der Grenze tankte ich erst einmal. Der Sprit ist in Österreich gute 20 Cent günstiger, das lohnt sich. Über den Fernpass ging es weiter in Richtung Pitztal. Auf meiner Motorradkarte war ein Tourvorschlag über eine kleine Straße eingezeichnet, dem ich folgen wollte.

Zugspitze bei Sonne
Über die Pillerhöhe ging es auf einer kleinen, engen und teilweise einspurigen Straße in Richtung Kaunertal. Hinter jeder Kurve warteten neue, beeindruckende Ausblicke in die umliegenden Berge und Bergtäler. Auf weiter Flur mehr oder weniger allein konnte ich so trödeln, wie ich wollte und anhalten, um Fotos zu machen.

Der erste Teil des Kaunertals ist weit und zieht sich langsam hoch. Die eigentliche Gletscherstraße ist mautpflichtig (Tageskarte Motorrad 12 €) und das Geld ist definitiv gut angelegt.

Auf dem Weg ins Kaunertal
Über 29 Kehren geht es am Gepatschstausee immer steiler und kurviger nach oben. Irgendwann lässt man die Baumgrenze hinter sich und die Landschaft wird immer karger und unwirtlicher. Ich habe auf meinen Touren durch die Berge oft gedacht, wie lebens- und menschenfeindlich diese Natur doch ist. Das Wetter ist unberechenbar, starke Winde und Temperaturschwankungen, Muren und Erdrutsche... Man ist den Naturgewalten wesentlich stärker ausgesetzt, als in unserem lieblichen Schwarzwald. Wenn hier mal ein Erdrutsch abgeht, ist das schon was Besonderes.

Das Schild "Kehre 29" am Beginn der eigentlichen Straße ließ mich erst einmal schlucken.
Kaunertal
Ich kann Kehren fahren, aber 29 hintereinander...? Von Kehre zu Kehre merkte ich, wieviel Spaß es mir machte. Wobei ich zugeben muss, dass ich die Kehren lieber runter- als rauf fahre. Wenn man sehr enge und steile Kehren hochfährt, sieht man nicht unbedingt, ob von oben was kommt. Beim runterfahren hat man einfach mehr Überblick.

In einer Kehre habe ich Autofahrer angeschnauzt, die dort angehalten hatten.
Verständnislose Blicke.
Hey, ihr könnt woanders halten, WIR brauchen den ganzen Platz in der Kehre!
Gepatschstausee
Gerade in den Kehren ist eine gute Kurvenlinie wichtig, um nicht unversehends auf der Gegenfahrbahn zu landen.

Auf dem Weg zum Gletscher kam ich an einem unwirklich türkisen Bergsee vorbei, Kühe grasten, die Sonne schien. Absolute Alpenidylle.

Der Gletscher selbst ist ziemlich abgeschmolzen und relativ klein. Man kann mit einer Bergbahn noch weiter hochfahren. Nachdem ich mich auf dem Gipfel umgesehen hatte, machte ich mich an die Abfahrt.

eine der 29 Kehren
Diesmal wollte ich beim herunterfahren den Tipp testen, gegen die Hinterradbremse zu fahren. Es klappt hervorragend! In engen Kehren steht man oft vor dem Problem, dass man nicht schnell um die Ecke fahren kann, das Motorrad aber stabil gehalten werden muss. Das geht über das Gas. Um eine Balance zwischen Gasgeben und Abbremsen zu halten, tritt man ein wenig auf die Hinterradbremse und alles bleibt im stabilen Bereich.

Kehre 29 am Talende kam schneller, als ich wollte. Schon vorbei mit dem Spaß? Ich denke, dass ich jetzt um jede Kehre kommen werde, egal ob nach oben oder nach unten.


Ein weiterer wundervoller Tag endet im Schlafsack in meinem Zelt.

Fortsetzung folgt....