Montag, 31. Oktober 2011

Das war´s dann für dieses Jahr

Gerade eben habe ich mein Baby in die Tiefgarage gefahren, vorher noch blank geputzt, getankt, Reifendruck erhöht... Leider habe ich die eine blöde Schraube an der Batterie nicht aufbekommen, so dass sie erstmal noch eingebaut und angeschlossen bleibt. Vielleicht hat jemand anderes bessere Schraubenzieher als ich, die Schraube ist jetzt schon etwas angeschraddelt und sitzt immer noch bombenfest.

Vorgestern und gestern waren wir noch zusammen unterwegs.

Allmählich ist das schöne Wetter doch schlechter geworden und immerhin ist es heute grau und nebelig, so dass mir der Abschied etwas leichter fiel. Naja, und arbeiten muss ich auch, das Weihnachtsgeschäft fängt an und ich bin am 20.11. auf einem Designmarkt in Wien, da muss ich auch noch was für tun...

Ich hätte nie gedacht, dass man zu einer Maschine eine so emotionale Beziehung aufbauen kann, aber jetzt weiß ich es besser. Als ich sie gerade in dem dunklen Kellerloch unter ihrer Plane stehen sah, hatte ich wirklich Tränen in den Augen. Die Protektoren aus meiner Montur sind jetzt raus, Mittwoch kommt sie in die Reinigung, das lohnt sich, es klebt ganz schön viel Insektenmatsche dran, wobei meine Neonweste fast noch mehr abbekommen hat.

Vorgestern war ich in Bad Säckingen.

Es hat mir dort recht gut gefallen, die Stadt hat aber ein völlig anderes Flair, als Gengenbach. So gibt es z. B. kaum Fachwerk, also mir ist zumindest nichts aufgefallen, dafür viele bunte, schiefe Häuser, die bekannte Holzbrücke und das Fridolinsmünster.

Auf dem Weg dorthin kommt man durch einige sehr schöne Ecke, viele Weinberge, Hügel, Burgruinen, kleine Bäche und Flüsse...Es war mal wieder eine schöne Fahrt hin und zurück bei angenehmen Temperaturen. In Freiburg hatte es die letzten Abende nach Sonnenuntergang noch 17 Grad, in Bad Säckingen und auf dem letzten Drittel der Strecke war es jedoch schon etwas kühler.

Bekannt ist Bad Säckingen unter anderem wegen dem "Trompeter von Säckingen" (Zitat aus Wikipedia):
"Säckingen ist durch das Erstlingswerk von Joseph Victor von Scheffel (Der Trompeter von Säckingen, erschienen 1854) weltberühmt geworden. Dieses „epische Gedicht“ war in den 1870er Jahren in Deutschland sehr populär, es beschreibt die Dramatik der Liebesbeziehung des bürgerlichen Trompeters Franz Werner Kirchhofer mit der adligen Tochter Maria Ursula von Schönau (bei Scheffel „Margaretha“) im 17. Jahrhundert. Victor Ernst Nessler komponierte die gleichnamige Oper, die 1884 in Leipzig uraufgeführt wurde. Seither führt Säckingen auch den Beinamen „Trompeterstadt“. An vielen Stellen in der Stadt wird an die Geschichte erinnert. Regelmäßige Stadtführungen mit einem Trompeter in historischem Gewand lassen die Geschichte wieder lebendig werden."

Ich habe einige Bilder mitgebracht, die die schöne Herbststimmung ganz gut eingefangen haben, finde ich.

Zu Beginn der nächsten Saison werde ich mir eine Burgentour verordnen, es gibt hier unglaublich viele Burgen und Burgruine, das war mir gar nicht so bewusst.

Gestern habe ich noch einen kurzen Ausflug nach Badenweiler gemacht. Das war jetzt nicht sooo spannend, ich hatte auch nicht richtig viel Zeit, weil mir irgendwann einfiel, dass es wegen der Zeitumstellung jetzt noch früher dunkel wird.

Immerhin ein paar interessante Fotos konnte ich schießen, gleich am Anfang meines Weges vom Parkplatz in den Ort habe ich diese wunderschönen Fliegenpilze entdeckt.

Und hier sind noch ein paar Eindrücke aus dem Kurpark Badenweiler:

Das war sie also, meine erste Motorradsaison... 5500 km gefahren und viel erlebt. Das Wetter war größtenteils gut bis super, ich bin echt dankbar, dass ich so viel fahren konnte.

... und weil ich es keine 4 Monate ohne mein Bike aushalten werde, melde ich die Kleine ab Februar 2012 fürs ganze Jahr an, das wird mein kombiniertes Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk an mich.
Bye bye Saisonkennzeichen :-)

Sonntag, 30. Oktober 2011

Sightseeing in Gengenbach

Da inzwischen sehr viel Laub unten liegt und oben im Schwarzwald schon stellenweise Schnee, die Zeit für längeren Touren zu kurz wird, weil es morgen noch zu kalt oder feucht zum fahren ist und abends schnell dunkel wird, habe ich mir jetzt ein wenig Kultur verordnet.

Ich hatte schon länger vor, einmal nach Gengenbach zu fahren, denn ich bin ein großer Fan von Tim Burton und die Szenen in "Charlie und die Schokoladenfabrik", die in "Düsseldorf" spielen, wurden in Gegenbach gedreht.

Gengenbach liegt im Kinzigtal und gehört zum Mittleren Schwarzwald, genau genommen zum Ortenaukreis.


Die Fahrt auf der B294 und dann weiter auf der B33 war zwar fahrerisch eher anspruchslos, aber landschaftlich einfach herrlich. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen (gestern Abend um 18 Uhr in Freiburg: 17 Grad!) durch die Herbstlandschaft in ihrer vollen Pracht zu fahren, ist einfach ein Genuss.

Naja, das Stück auf der B294 genieße ich schon, man kann da nämlich sehr unbehelligt richtig Vollgas geben. Inzwischen finde ich 100 km/h "langsam"... überhaupt hat sich mein Verhältnis zum Geschwindigkeitsgefühl ziemlich verschoben. Ich bin wirklich viel entspannter unterwegs und kann Situationen viel besser einschätzen. Hoffentlich brauche ich in der nächsten Saison nicht 3 Monate, um wieder auf dem gleichen Niveau anzukommen, wie jetzt.

Die Strecke wird im Lauf der Zeit hinter Elzach kurviger und schraubt sich zu einem Minipass hoch und durch den Wald wieder herunter. Leider waren am Freitag recht viele LKWs unterwegs, so dass dem Kurvenspaß ein ziemlicher Temporiegel vorgeschoben war. Ja, ich fahre immer noch eher langsam und überhole nicht so oft, vor allem nicht auf solchen Strecken.

Leider beobachte ich ständig sowohl Motorradfahrer, als auch Autofahrer, die viel zu dicht auffahren. Gerne wird sich in Sicherheitsabstände gedrängelt. Gestern speziell hätte ich gerne einen Rucksack mit Laufschriftfunktion gehabt "Ich halte Abstand, Du auch???"

Auf der Kinzig wurde früher das im Schwarzwald geschlagene Holz geflösst, heute übernimmt diese Aufgabe der LKW-Verkehr. Leider hatte ich nicht so viel Zeit, noch das Flößermuseum in Gengenbach zu besuchen, aber nächste Saison kann ich das immer noch nachholen.


Das war die Tour vom Freitag, die von gestern kommt auch noch. Heute sieht es leider gar nicht nach fahren aus, ich muss aber sowieso endlich mal aufräumen und was arbeiten wäre auch nicht verkehrt.

Und morgen... tja... morgen muss mein Baby in ihr Winterquartier, denn ich habe ein (inzwischen denke ich blödes) Saisonkennzeichen. Das werde ich nächstes Jahr dann ändern ;-)

Sonntag, 23. Oktober 2011

So langsam, aber sicher geht die Saison zuende

Eingewickelt in eine Decke, mit meiner "Ferkellampe" in Reichweite* und zwei ordentlichen Tellern Karotten-Kürbissuppe intus, kann ich jetzt mal schreiben, was ich seit dem letzten Post getrieben habe.

Ich war in erster Linie auf altbekannten Pfaden unterwegs, also B500 und Co. Letzten Montag haben meine Künstlerseele und meine Bikerseele wieder sehr heftig miteinander bekämpft. Da jetzt allmählich das Weihnachtsgeschäft beginnt, kann ich leider nicht mehr so viel Zeit vertrödeln und muss ziemlich viel vorbereiten.

Aber immerhin für eine kleine Tour im strahlenden Sonnenschein und einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen hat`s gereicht.

Inzwischen habe ich mir ein Paar dünne Unterziehhandschuhe aus Seide besorgt und die Anschaffung nicht bereut, denn auf den letzten Touren gestern und heute war es an den Händen dann doch frisch.

Man merkt jetzt ganz deutlich den Temperaturunterschied beim fahren in der Sonne und im Schatten, vor allem, wenn dazu noch höhere Luftfeuchtigkeit kommt.

Gerade hier in der Freiburger Gegend gibt es im Herbst und Winter nicht ganz selten Nebel, also genau genommen haben wir dann eine Inversionswetterlage. Das heißt, dass hier unten zäher Nebel bei ekelhaften Temperaturen klebt, während es oben sonnig und warm ist.

Im Hochwinter ist an solchen Tagen oben oft Alpensicht, vom Schauinsland aus kann man an besonders klaren Tagen manchmal sogar den Mont Blanc sehen.

Freitag war so ein Tag, aber da hatte ich leider auch keine Zeit fürs fahren. Gestern löste sich der Nebel gegen Mittag auf und ich bin in Richtung Zell im Wiesental gestartet, um dort in einem netten Oma-Café einzukehren.

Gestern und heute habe ich mich tendenziell an die größeren Straßen gehalten, da inzwischen doch ganz schön viel Laub unten liegt und an einigen Stellen in Waldgebiete noch Feuchtigkeit dazukommt. Insgesamt war es aber überall trocken.

Ich bin nochmal die malerische Strecke Richtung Kandern gefahren, diesmal habe ich aber den Einstieg in Schliengen genommen.

In Zell im Wiesental wurde ich leider enttäuscht, denn mein Café hatte geschlossen. Da mir doch etwas frisch war, habe ich mich nach einer Alternative umgeschaut und bin in ein Hotel gestolpert.

Hui, das war ja was! Das "Hotel zum Löwen" schaut von außen nach gar nichts aus, innen dagegen... ganz schön nobel! Es hat mich von der Stimmung und Ausstattung ein bisschen an "Schwarzwaldklinik" und irgendwelche Heimatschinken erinnert. Aber Kuchen gab`s trotzdem keinen ;-) Immerhin konnte ich mich dort etwas aufwärmen und nach einem warmen Getränk hatte ich beschlossen, doch den Heimweg anzutreten und nicht noch weiter Richtung Schluchsee zu fahren.

Heute bin ich zeitiger gestartet, da es gleich morgens sonnig war, aber wirklich kalt! Heute ging es über St. Peter und St. Märgen wieder mal in Richtung Titisee. Unterwegs kam ich an Schnee vorbei, vor allem in den schattigen Ecken lag nicht ganz wenig. Die feuchten Stellen durch den Wald bin ich teilweise recht vorsichtig gefahren, da nicht ganz klar war, ob das nur feucht, oder schon glatt ist. Das muss ich dann nicht ausprobieren.

In Titisee konnte man bei strahlendem Sonnenschein noch prima draußen sitzen und sein Essen oder Kaffee genießen, sogar ohne Jacke. Aber gut, ich habe ja unter der Jacke noch eine Menge Klamotten an.

Von Titisee aus ging es weiter Richtung Schluchsee und dann über Todtmoos ins Wiesental. Der Schluchsee lag wunderschön in der Sonne, man konnte am Gashahn drehen und sich an der Welt erfreuen.

Kühl und etwas unangenehmer wurde es dann in Richtung Freiburg. Man konnte sehr gut sehen, ab wo die feuchtere Luft begann und spüren konnte man es auch, ab Norsingen wurde es frisch.

Ich bin noch einen Abstecher über die Badische Weinstraße in Richtung Staufen gefahren, da war eine ganze Menge los, leider einige "Mir-gehört-die-Straße"-Autofahrer, die auf der engen Straße übelst die Kurven geschnitten haben.

Und kurz vor Freiburg hatte ich eine entsetzliche Trödlerin vor mir, die 40 fuhr, wo 50 erlaubt war und 50, wo man 80 fahren durfte... zum Glück habe ich sie rasch hinter mir lassen können, sonst wäre ich wohl immer noch nicht zuhause...

Hier steht schon ein Bataillon von Reinigungs- und Pflegemitteln bereit und ich überlege gerade noch, ob ich die 12.000er-Inspektion vorziehen sollte, es sind jetzt knapp 11.000 km auf dem Tacho und vielleicht krieg ich die noch voll.

Ich bin froh und dankbar, dass meine erste Saison so lange geht und das Wetter so gut mitspielt, hoffentlich kommt das Frühjahr dann bald ist ist gnödig mit dem Wetter.

Nur noch eine Woche und einen Tag... *seufz*

*die "Ferkellampe" ist meine Infrarotheizung, die ich in erster Linie für meine nicht beheizbare Küche gekauft hatte, inzwischen aber auch so gerne anstelle der blöden Nachtspeicher benutze.

Samstag, 15. Oktober 2011

Sonne und Frost - Freiburg - Furtwangen - Vöhrenbach - Urachtal - Oberjostal - 140 km

Heute morgen war es neblig, aber man sah schon rasch, dass sich das nicht lange halten würde.
Als ich den Müll rausbrachte, war es aber richtig ekelig feuchtkalt, an einen frühen Aufbruch, wie ich ihn ursprünglich vorhatte, war nicht zu denken.

Nachdem die Sonne den Nebel aufgelöst hatte und meine Einkäufe erledigt und das 2. Frühstück drin waren, bin ich gegen 13.30 bei strahlend blauem Himmel und gemütlichen 9 Grad im Schatten losgezogen.

Heute hatte ich tatsächlich das Wärmefutter in der Kombi und zusätzlich noch Thermoleggings, zwei Paar Socken, Sportrolli, Angorapulli und Nierengurt an und beide Teile der Kombi zusammengezippt. Es war von hinten richtig kuschelig warm, von vorne... naja... Die ersten Kilometer auf der Schnellstraße waren nicht sooo angenehm, aber später in der Sonne ging es dann ganz gut und war nicht mehr kalt.

Was mich am meisten erstaunt ist, dass ich kaum kalte Hände und Füße habe. Im Winter auf dem Fahrrad leide ich unglaublich unter der Kälte und das, obwohl ich da ja langsamer bin und mich mehr bewege. Das finde ich schon seltsam, vielleicht probiere ich den Nierengurt im Winter auch zum Radfahren aus.

Ich bin heute zur Abwechslung das Simonswälder Tal und nicht das Glottertal hochgefahren.
Mann, war DAS schön! Wie in vielen Tälern hier in der Gegend ist die Straße unten meist breit und gut ausgebaut und wird dann weiter oben kurviger und enger. Es lief heute wieder super und erstaunlicherweise war es überall trocken, keine Blättermatsche auf der Straße, nichts.

Teilweise ist die Straße sehr schmal und verläuft dicht an nackten und bemoosten Felsen, durch den Wald und dann wieder hat man unglaublich schöne Ausblicke. Überall ist die Herstfärbung jetzt in ihrer vollen Pracht und der strahlend blaue Himmel und das Licht sind eine wahre Freude. Nächstes Jahr habe ich auf jeden Fall eine kleine Kamera und mache Fotos.

Einzig eine Sache muss ich ändern, für die nächste Saison brauche ich eine Sonnenbrille mit optischen Gläsern. Das Sonnenvisier reicht bei dem niedrigen Sonnenstand nicht aus, um nicht doch geblendet zu werden. Manchmal ist das beim Kurven fahren sehr störend, wenn ein Teil der Kurve im Gegenlicht liegt und der Rest im Schatten, sieht man den Straßenverlauf nicht richtig und entsprechend "unrund" fährt sich das dann. Und manche Schilder konnte ich nur lesen, wenn ich zusätzlich noch meine Hand als Blendschutz benutzt habe.

Das Simonswälder Tal führt in Richtung Furtwangen, von dort aus wollte ich weiter nach Vöhrenbach und wieder durch das Urachtal. Ich hatte mir für heute extra keine lange Strecke vorgenommen, denn 1. war es eben frisch und 2. die Zeit für eine längere Tour zu knapp.

Zwischen Vöhrenbach und Wolterdingen bin ich eingekehrt und man konnte tatsächlich noch in der Sonne sitzen, selbst ohne Jacke war es ganz angenehm. Ich glaube, ich hatte heute einen selten dämlich-glücklichen Gesichtsausdruck. Als ich da so rumsaß und aufs Essen gewartet habe, dachte ich mir, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, den Motorradschein zu machen.

Kurz vor Vöhrenbach sprang der Tacho dann über die 10.000 km, also habe ich mein Ziel für die Saison auf jeden Fall erreicht *freu*

Von Vöhrenbach aus ging es nochmal durch das schöne Urachtal und weil es so gut lief, bin ich dann noch durch das Oberjostal den Schlenker Richtung Titisee gefahren.  Der Schlenker hat sich auf jeden Fall gelohnt, hier war nichts los, die Sonne schien, die Straße war super und ich habe mal etwas kräftiger am Gashahn gedreht. Überall Schwarzwaldidylle pur, Kühe auf den Weiden, sonnenbeschienene Hänge, wunderschöne alte Schwarzwaldhöfe, echt toll!

Ich weiß nicht, was in den 2 Wochen zwischen den 3 Tagestouren Anfang Oktober und jetzt in meinem Kopf passiert ist, denn ich habe jegliche Angst hinter mir gelassen (Respekt habe ich sehr wohl noch und den möchte ich auch nicht verlieren), selbst in kritischen Situation und in engen Kurven gibt es keinen einzigen Panikmoment mehr.

Unterwegs dachte ich mir, dass ich ganz langsam eine Ahnung davon kriege, wie es ist, wenn man gut Motorrad fährt und so richtig in einen Flow kommt.

Ach, und was soll ich sagen, es macht einfach glücklich!

Am Thurner habe ich auf dem Parkplatz gehalten und die Aussicht über den Schwarzwald genossen. Es kamen noch 2 Spaziergänger mit Hund vorbei, die mich fragten, ob es nicht langsam kalt würde auf dem Bike und wie das Wetter so war und ob ich es nicht vermissen würde, ein paar Monate nicht zu fahren.

Ich will gar nicht dran denken, das gibt böse Entzugserscheinungen im Winter. Wenn es ganz schlimm werden sollte, leihe ich mir dann halt ein Motorrad aus.


Am Ende der Tour habe ich mich noch über einen Autofahrer geärgert, der die ganze Zeit vor mir her schlich, und als ich zum überholen ansetzte, dann plötzlich sein Gaspedal fand.
Aber ich beschleunige schneller, ätsch :-D

Noch 16 Tage, dann ist es unwiderruflich vorbei für dieses Jahr *seufz*

Die Karte wurde wie immer mit google-maps erstellt.

Freitag, 14. Oktober 2011

Bikerglück im Nordschwarzwald - 286 km

Für heute hatte ich mir eine Tour in Richtung Nordschwarzwald vorgenommen. Wie Ihr ja vor einigen Wochen gelesen habt, war ich in der Gegend schon mal unterwegs, allerdings war die Tour unter verschiedenen Aspekten nicht gerade das, was man gelungen nennt.

Nachdem es die letzten Tage viel geregnet hatte, dachte ich mir, dass ich die kleinen und womöglich vom Laub glitschigen Straßen heute eher meiden wollte und habe mir meine Strecke entsprechen zusammengestellt. Außerdem verhieß der Wetterbericht für die höheren Gebiete des Schwarzwalds Temperaturen im einstelligen Bereich, das wollte ich dann auch nicht unbedingt ausprobieren.

Der erste Teil verlief auf den großen Bundesstraßen über Waldkirch und Elzach in Richtung Freudenstadt.

Da ich erst gegen Mittag und ohne großartiges Essen aufgebrochen war, machte ich relativ bald Rast in Vorderlehengericht bei Schiltach. Im Gasthof "Zum Pflug" war ich in dieser Saison bereits zweimal, einmal auf der heißen Höllentour im August und einmal im September. Beide Male konnte man da prima draußen sitzen. Heute... heute war ich froh, in einen geheizten Raum zu kommen.

Innen im Gasthof ist es richtig urig-gemütlich und die Wirtsleute sind total nett, ich habe schon angekündigt, dass ich spätestens in der nächsten Saison wieder reinschneien werde. Vielleicht ja auch mal mit Verstärkung (*wink* Herr L. aus F.! Diese Saison wird`s nix mehr mit zusammen fahren...).

Als ich mich vor meinem Aufbruch angezogen habe, fühlte ich mich wie ein Astronaut, dick eingepackt und recht unbeweglich, sogar das Fleecetuch war heute statt dem dünnen Tuch dabei. Heute waren sowohl in der Hose, als auch in der Jacke die winddichten Membranen drin und ich bin froh, dass ich sie drin hatte!

Die Sonne ist ja noch recht warm, aber im Schatten wurde es beim fahren frisch und teilweise - vor allem gegen Ende sehr frisch. Ich muss mal gucken, wo meine Angoraunterhose ist (im Ernst!) oder morgen das Wärmefutter einzippen und ich werde mir irgendwo noch nette Thermowäsche kaufen gehen, denn im Frühjahr kann es ja noch empfindlich kühl sein. Wie ich mich kenne, werde ich mich bei den ersten Sonnenstrahlen aufs Motorrad setzen wollen.

Von Schiltach aus ging es weiter Richtung Freudenstadt, der Verkehr war freitagsmäßig nicht gerade wenig. In der Gegend gibt es viel Holzwirtschaft und entsprechend viele LKWs kurven dort herum. Das ist aber alles nicht weiter schlimm, weil die Straßen sehr gut ausgebaut sind und man nicht in jeder Kurve sorgen haben muss, am nächsten LKW zu hängen, der kaum um die Ecke passt.

Ich muss sagen, dass der Norschwarzwald durchaus eine Menge eigener Reize hat und ich mir schon einige Ecken zum genauern "erfahren" für die nächste Saison vorgemerkt habe.

Ja, und heute war noch etwas besonderes.

Ich bin hier losgefahren und schon nach recht kurzer Zeit merkte ich, dass ich zum ersten Mal richtig eins mit dem Bike war.

Ich bin heute gefahren, als ob ich nie etwas anderes gemacht hätte, ohne nachzudenken, alles lief wie von selbst. Schalten ohne Rucken rauf- und runter (und vor allem richtig zackig), Kurven zügig und mit ordentlich Schräglage und ich hatte kein einziges Mal diesen Moment, wo ich dachte "oh, das war vielleicht doch zu schnell/langsam". Ich hatte keine Angst vor Unebenheiten in den Kurven, vor Dreck, Splitt oder sonstwas, es lief einfach.

Ich sage Euch, so euphorisch war ich beim fahren noch nie vorher! Naja, ok, nach meiner ersten Überlandtour in der Fahrschule war es ähnlich, aber da war ich eher froh, dass ich das überlebt hatte ;-)

Hinter Freudenstadt bin ich weiter in Richtung Baiersbronn gefahren, ich dachte kurz drüber nach, heute noch Kulturprogramm mitzunehmen und mir das Kloster anzusehen, der Blick auf die Uhrzeit mahnte aber zum zügigen weiterfahren.

Hinter Beiersbronn bin ich dann durch das Murgtal gefahren und das war einfach nur wunderschön! Schwarzwaldromantik vom feinsten (naja, den Verkehr jetzt mal abgezogen), eine wahnsinnig schöne Landschaft, Herbstlaub, Sonnenschein (zumindest auf der Seite, auf der ich NICHT gefahren bin...)...

Das Murgtal ist relativ breit und recht tief eingeschnitten, links und rechts hat man immer wieder spektakuläre Blicke auf Felsen, den Herbstwald und in das eine oder andere Seitental. Ich kam auch am Straßenschild zur Roten Lache vorbei...

Bis jetzt kenne ich sie nur vom Hörensagen, es soll eine sehr anspruchsvolle Strecke mit den gefürchteten "Hundekurven" sein. Für Nicht-Biker: eine Hundekurve ist eine Kurve, die mittendrin enger wird (zumacht), also einen während dem Durchfahren zu bestimmten Fahrmanövern (drücken) zwingt.

Das heb ich mir mal für die nächste Saison auf.

Das Murgtal ist ein Kurvenparadies der eher gemütlichen Sorte (finde ich zumindest), man kann hier ganz gut flott fahren, die Straße ist relativ gut und auch nicht eng und unübersichtlich.

Allerdings hatte ich heute ab der Mitte meiner Tour ziemliche Probleme mit meiner Kupplungshand. Ich weiß nicht, ob das von den niedrigeren Temperaturen kam, denn meine Hände waren zwar kühl, aber nicht kalt und auch sonst fühlte ich mich ganz wohl in meinen Klamotten. Vorher hatte ich das in der Form noch nie, aber der Körper denkt sich ja immer wieder was neues aus, womit er einen überraschen könnte und noch bin ich nicht bei "jedem Wetter" gefahren.

Gut, in Schnee und Eis lasse ich sogar mein Fahrrad stehen und gehe lieber zu Fuß und mein Moped hat sowieso ein Saisonkennzeichen, aber davon abgesehen bin ich bis jetzt eben nur bei mehr oder weniger warmen Wetter länger unterwegs gewesen. Mal sehen, wie das nächste Saison wird.

Ich habe immer wieder Ausschau gehalten nach einer weiteren Einkehrmöglichkeit, aber irgendwie sprach mich unterwegs nichts richtig an. Also ging es flott weiter Richtung Gaggenau und dann nach Kuppenheim.

Der ursprüngliche Plan war, in der Rheinebene gemütlich weiter Richtung Freiburg zu fahren, aber es war bereits 17 Uhr und ich wollte nicht unbedingt im Dunkeln nach Hause fahren.

Meine Nachtfahrt in der Fahrschule hat mich ein bisschen "traumatisiert". Wir sind damals nach einem Tag, an dem es nur geschüttet hatte, in Richtung St. Peter gefahren, und ich wurde in der Dunkelheit um meine erste Spitzkehre gescheucht und viel gesehen habe ich auch nicht. Die Straße war dreckig und nass und stellenweise hatte es Bodennebel...

Ich habe zwar eine Brille, aber in der Dämmerung und Dunkelheit bin ich selbst auf dem Fahrrad nicht sonderlich schnell. Nun ja, seitdem finde ich den Gedanken im Schein meiner Motorradfunzel auf irgendwelchen obskuren Straßen, die ich nicht kenne, herumzufahren, nicht sonderlich reizvoll.

Ich bin noch ein bisschen Richtung Kehl gefahren, aber irgendwann mit sinkendem Sonnenstand dann auf die B3 in Richtung Heimat gewechselt.

Puh... die Kupplungshand machte mir da immer mehr zu schaffen und bei jedem Verkehrskreisel habe ich mich schon vor dem Hochschalten dahinter gegraust. Auf geraden Strecken baumelte die linke Hand immer mal runter und ich habe versucht, sie zu entspannen und zu dehnen.

Naja... und viel zu wenig gegessen hatte ich auch, was mir leichte Schwächegefühle bescherte, weshalb ich in Friesenheim kurz rechts ranfuhr, um schnell einen nicht allzu leckeren Fruchtriegel in mich zu stopfen und etwas Wasser zu trinken, denn meine Konzentration litt irgendwann ebenfalls unter der Kombination von Unterzuckerung und niedrigen Temperaturen.

Es ist keine gute Idee, 4,5 Stunden am Stück durchzufahren, aber nur die Harten kommen in den Garten, nicht wahr?

Zuhause angekommen hat mich der Tachostand erfreut, denn es fehlen nur noch 51 km, dann steht er auf 10.000 km und ich bin jetzt schon über 4000 km mit meinem Schätzchen gefahren. Damit steht in der neuen Saison recht rasch die 12.000er-Inspektion an. Ich bin wirklich gespannt, wieviele Kilometer es im nächsten Jahr werden und ob man mich in der nächsten Saison noch woanders, als auf dem Motorrad antreffen wird.

Wer selbst nicht fährt, wird sich jetzt vermutlich ein wenig an den Kopf greifen, denn unterwegs habe ich den Tank von meinem Möpi gestreichelt, wie jemand anderes sein Pferd und ihr gesagt, dass ich sie im Winter ganz furchtbar vermissen werde.

Im Lauf der Zeit kommt man sich eben doch sehr nah ;-)

Die Landkarte wie immer: google-maps.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Sonniger Bikerherbst... noch...

Gestern und heute war ich im Schwarzwald unterwegs. Die Anzahl der Motorradfahrer auf der Straße hat sich von gestern auf heute um gefühlte 300 % vermehrt... so viele habe ich noch an keinem einzigen Tag gesehen. Und ich bin bestimmt die langsamste...

Für gestern hatte ich mir nochmal das Münstertal vorgenommen, das war eine meiner ersten Touren kurz nach der Fahrprüfung und ich hatte da ziemlich zu kämpfen. Ein bisschen besser ging es gestern schon und ich kann mit solchen Situationen, wie Radfahrer an engen Stellen flott überholen, wesentlich besser umgehen bzw. ich mache das jetzt einfach, solange es nicht total unübersichtlich ist. Die Fahrradfahrer nutzen natürlich das wunderbare Wetter ebenso, wie alle anderen motorisierten und nicht motorisierten Mitmenschen.

Ich bin früher selbst sehr viel im Schwarzwald gefahren und habe auch mehrwöchige Touren mit Gepäck u. a. durch die Alpen gemacht. An der Stelle möchte ich aber nicht verschweigen, dass es Momente gab, an denen ich das bepackte Rad gerne in den Graben gepfeffert hätte ;-)  Ich kenne die "andere" Zweiradperspektive recht gut und weiß auch, wie leicht man dabei ins träumen kommt und einfach nur noch vor sich hinstrampelt und alles andere vergisst, inkl. den restlichen Verkehr. Was mich allerdings wirklich aufregt, ist die Rücksichtlosigkeit mancher Radfahrer, hier speziell die Herrschaften auf den Rennrädern, die gerne mal auf engen Paßstraßen zu zweit oder dritt nebeneinander herfahren und munter miteinander schwatzen, so dass  man  nur mit Mühe vorbeikommt.


Und manche Motorradfahrer nerven mich auch, vor allem, wenn sie sich in den Sicherheitsabstand anderer Verkehrsteilnehmer drängen. Heute hatte ich das ein paar Mal, mich amüsiert dann immer, dass man sich an der nächsten Ampel oder Schlange wieder trifft. Aber gut, muss jeder selbst wissen. Ich hänge an meinem Leben... bestimmt werde ich nie eine sportliche Fahrerin werden, dazu bin  ich viel zu wenig risikobereit.

Auf der Tour gestern das Münstertal hoch habe ich kurz an einem Parkplatz gehalten. Dort stand ein Pavillion mit dem hübschen Namen "Lusthäusle", sah aber nicht sonderlich komfortabel aus dort ;-)

An der Stelle hatte man eine wunderschöne Aussicht ins Tal und es hat mich in meiner Entscheidung bestärkt, um den Jahreswechsel eine Auszeit im Kloster St. Trudpert zu buchen. Im Schnee ist es dort bestimmt noch viel schöner und ich hoffe auch einigermaßen einsam und abgeschieden.

Ich hatte eigentlich vor, direkt zum Feldberg hochzufahren, bin dann aber erstmal am Schluchsee gelandet und von dort aus Richtung Feldberg hochgefahren. Man kann jetzt schön die Unterschiede in der Vegetation sehen, oben ist der Herbst schon deutlich weiter, aber es ist noch lange nicht kahl. Ich habe allerdings den subjektiven Eindruck, dass die Herbstfärbung von Tag zu Tag rapide voranschreitet.

Hinter dem Feldberg habe ich in Brandenberg in einem verschlafenen Hotel und Gasthof Pause gemacht und einen wahnsinnig leckeren Heidelbeerkuchen gegessen. Außer mir waren noch genau 2 andere Gäste da, es war fast perfekt: Sonnenschein, Herbstwald, gutes Essen...

Als ich mich zum weiterfahren fertig gemacht habe, holte ein Fahrradfahrer sein Mountainbike aus der Garage und fragte mich, wieviel PS meine Maschine hat. Auf meine Antwort meinte er "oh, die schaut aber nach mehr aus" :-D

 Ich bin dann bis Zell im Wiesental auf der B317 gefahren, eigentlich wollte ich irgendwann abbiegen, aber ich habe jedes Mal die richtige Ausfahrt verpasst. Am Ende habe ich dann aber doch die Strecke gefunden, die ich fahren wollte, nämlich von Steinen nach Kandern auf der L135 und dann weiter nach Badenweiler auf der L132.

Hier gab es auch wunderbare Ausblicke auf die Rheinebene und ziemlich viele Kurven. Ich merke immer wieder, dass ich lange brauche, um mich warmzufahren. Am Ende einer Tour geht das immer viel flüssiger, als am Anfang. Von Badenweiler aus ging es dann auf direktem Weg zurück nach Freiburg.





Heute wollte ich nochmal durch das schöne Urachtal und Bregtal fahren. Wie immer... erstmal falsch gefahren... Ich bin auch nur den Teil durch das Bregtal gekommen, das Urachtal lag da schon abseits meiner Route.

Es war diesmal auch nicht einsam, aber immer noch wenig Verkehr, im Vergleich zu den anderen Strecken.

Diesmal hatte ich noch gar nicht geplant, wie ich zurückfahren wollte. Gasthof habe ich dann die Karte studiert und wollte über Villingen weiter Richtung Schramberg fahren.

Auf dem Weg zwischen Villingen und Schramberg bescherten mir die Umleitungen einige recht schöne und relativ einsame Strecken im Sonnenschein. Die Schleife über Fluorn-Winzeln und Alpirsbach war etwas unfreiwillig, weil ich mal wieder die Straße nicht gefunden hatte, die ich eigentlich nehmen wollte. Aber dafür fährt man ja Motorrad ;-) Solange ich keine großen Touren ins Ausland plane, werde ich mir erstmal kein Navi kaufen, für den Schwarzwald und Bodenseeraum reichen mir die Straßenkarte und google-maps aus.

Tja... in dem Gasthof meinte die eine Bedienung, dass es am kommenden Donnerstag im Schwarzwald schneien soll, bäh! Wegen mir kann es noch bis Monatsende so schön bleiben und dann darf es meinetwegen schneien... wobei... meine Wohnung ist im Winter äußerst ungemütlich. Bei den Temperaturen im Moment mag ich wirklich nicht an Socken und Wärmflasche im Bett denken.

Morgen geht es nochmal aufs Motorrad, hoffentlich nicht zum letzten Mal in dieser Saison. Wir haben hier ja viele Ausweichmöglichkeiten, wenn es oben schon zu ungemütlich oder gar glatt ist, kann man hier unten immer noch ganz gut rumfahren.

Ach ja, den Temperaturunterschied zwischen dem östlicheren und nördlicheren Schwarzwald und dem Südschwarzwald konnte ich sehr gut spüren. In Winzeln musste ich noch ein Shirt unterziehen und dachte mir, dass es ein Fehler war, auf die Thermoleggins zu verzichten. Es war schon etwas frisch dort. Kurz hinter Schiltach wurde es aber deutlich wärmer und ich war froh, dass die dicken Klamotten heute nicht dabei waren.

Das sind auch interessante Erfahrungen, das Wetter und die klimatischen  Unterschiede so unmittelbar zu spüren. Es ist aufgrund der höheren Geschwindigkeit auch nochmal etwas anderes, als auf dem Fahrrad. Mal sehen, wo ich morgen fahre und was ich da alles mitnehme, oder weglasse.

Samstag, 1. Oktober 2011

Erste mehrtägige Tour - Bodenseeraum - Allgäu

Nach drei Jahren habe ich mir endlich mal einen Urlaub gegönnt und mir einige Dinge vorgenommen.

Das  letzte Wochenende hatte ich mit meinen netten Dawanda-Kolleginnen in Sachsen-Anhalt auf Kalles Hof verbracht und mich schon etwas regeneriert. Der ursprüngliche Plan war eigentlich, dorthin mit dem Motorrad zu fahren, aber die Aussicht vielleicht 730 km allein im Regen fahren zu müssen, ließ mich dann doch auf die Bahn ausweichen. Allerdings hatte ich mich beim Bahnfahren mehr als dreimal  geärgert, nicht doch das Motorrad genommen zu haben, denn die Hinfahrt dauerte endlos lang aufgrund von Verspätungen und meiner eigenen Schusseligkeit und das Wetter war einfach nur super, sonnig, warm... naja... das nächste Mal dann.

Am Dienstag fuhr ich mit meinem neuen, wasserdichten Rucksack auf dem Rücken (schweineteures Teil... aber egal, ich brauchte sowieso einen neuen) Richtung Bodensee nach Unteruhldingen. Da ich bis spätestens 15 Uhr eingecheckt sein sollte, habe ich auf größere Extravaganzen verzichtet und bin ziemlich direkt durchgefahren.

Die Strecke am Bodensee entlang ist ja landschaftlich wunderschön, aber der Verkehr... gruselig.

Die ersten Kilometer auf der Hausstrecke über St. Peter und St. Märgen machte mir der Rucksack zu schaffen. Ich dachte, dass er mich nicht großartig stören würde (bin auch nicht erst Probe gefahren damit), aber das zusätzliche Gewicht auf dem Rücken machte sich beim Kurvenfahren bemerkbar, ich war irgendwie steif und unsicher und ärgerte mich erstmal über die Investition, ich habe ja noch eine Packrolle mit passenden Strippen zum verzurren.

Beim Rechtsabbiegen speziell nervte mich, dass ich nach hinten eingeschränkte Sicht hatte, aber das ließ sich durch festeres Anlegen des Rucksacks ändern.

In Unteruhldingen angekommen, habe ich mich erstmal "kurz" hingelegt und wollte eigentlich noch nach Ravensburg fahren. Aus "kurz" wurden dann fast 3 Stunden und ich habe mir alternativ das Pfahlbaumuseum angesehen. Die 45-minütige Führung war sehr interessant, vorher habe ich mir noch die Sonderausstellung über das Projekt "Leben in der Steinzeit" angesehen. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Sendungen, sie liefen 2004 im Fernsehen.

Am meisten beeindruckt und nachdenklich gemacht hat mich die Veränderung der Gesellschaft von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit. Mit der Entdeckung der Metallbearbeitung begannen die erste Kämpfe um Rohstoffe und zum ersten Mal wurden Waffen nicht für die Jagd, sondern gegen andere Menschen eingesetzt bzw. zu diesem Zweck hergestellt.

Was mich noch nachdenklich gemacht hat ist, dass der Führer erwähnte, dass die Menschen in der Steinzeit ergebnis- und nicht leistungsorientiert waren. Es war egal, ob Löcher in Steine bohren Tage dauerte, oder das Mahlen von Mehl für eine Mahlzeit 6 Stunden. Am Ende zählte das Ergebnis und wenn die Arbeit getan war, hatte der Mensch frei. Es wurde nicht auf Halde Müll und Mist produziert und ich denke, dass das Leben zwar hart, aber die Menschen zufriedener waren. Materieller Besitz macht nicht glücklich...

Der zweite Tag führte mich in Richtung Österreich, ich war in Dornbirn verabredet und wollte danach ein Stück auf der Deutschen Alpenstraße fahren.

In Österreich ist mir gleich was aufgefallen: Die Ampeln blinken, bevor sie auf Rot springen. Ich habe mich bei der ersten grünen, blinkenden Ampel gefragt, was das jetzt bedeuten soll. Außerdem habe ich die ganze Zeit geschwitzt, dass ich nicht versehentlich auf der Autobahn lande, denn ich wollte für den kurzen Ausflug nicht noch eine Vignette kaufen.

Von Dornbirn aus bin ich ein Stück zurückgefahren, natürlich nicht, ohne mich zu verfahren (trotz Straßenkarte...), irgendwann hatte ich dann endlich das richtige "Loch" gefunden und war auf einer superkleinen, supersteilen Straße in die richtige Richtung. Ehrlich gesagt bin ich wirklich froh, dass ich jetzt schon seit Wochen den Schwarzwald unsicher mache und weiß, was ich bei Steigungen und Gefälle zu tun habe und auch keine Angst mehr vor dem Kurvenfahren bergab habe. Diese kleine, hübsche Straße hatte nämlich 19 % Gefälle und die Steigung am Anfang muss auch in diesem Bereich gewesen sein. Dafür war ich mal wieder allein auf weiter Flur.

Es ging dann weiter auf der L21 durch Orte mit so schönen Namen wie "Hinterschweinhof" und "Vorderschweinhof"... Mein Weg führte mich weiter Richtung Weiler-Simmerberg und dann nach Oberreute und Oberstaufen, am Großen Alpsee vorbei ging es dann nach Immenstadt im Allgäu.

Vor dem Großen Alpsee warnten mich einige andere Motorradfahrer vor einer Radarkontrolle. Aber ich bin ja sowieso eine alte Trödlerin und fuhr nicht mehr als die erlaubten 80 km/h. Zuerst habe ich sowieso nicht kapiert, was die alle von mir wollten ;-)

In Immenstadt bog ich wieder auf kleinere Straßen ab und nahm den Weg nach Missen und Sibratshofen weiter nach Isny. Ich liebe kuriose Ortsnamen, diesmal ging es durch "Großholzleute" und "Kleinholzleute", bis jetzt hatte ich noch keinen Lachanfall auf dem Motorrad, aber kurz davor war es schon ein paar Mal. Gut, meine Mutmaßung ist, dass mit dem "Holz" der Wald gemeint ist und die einen eben mehr und die anderen weniger hatten. Wobei "Leute" auch eine andere Bedeutung haben könnte, das müsste man recherchieren. Lustig ist es auf jeden Fall.

In Isny machte ich dann mal wieder Pause, nicht ohne sinnlose 50 Cent in eine nicht funktioniernende Parkuhr zu werfen, wobei ich an den Loriot-Sketch mit der Politesse denken musste "... die Münze in den für den Münzeinwurf vorgesehenen Münzschlitz..." Isny war der "Wendepunkt" meiner Tour, es ging von dort über Kißleg, Weingarten und Ravensburg wieder zurück an den Bodensee.

Am Donnerstag ging es dann wieder zurück nach Freiburg, leider. Am liebsten hätte ich die ganze Woche dort verbracht.

Leider war es auf der Rückfahrt nicht nur am See auf weiten Strecken neblig. Ich hatte eigentlich vor, ein wenig im Schwäbischen herumzufahren und mir die Landschaft anzusehen, Kloster Beuron zu  besuchen usw. Es war aber viel zu neblig für Landschaft und außerdem unangenehm feuchtkalt, so dass ich auf den Abstecher verzichtete und über Pfullendorf und Meßkirch Richtung Tuttlingen durchfuhr. Das war wirklich schade, aber bei Sichtweiten unter 100 m macht`s nicht wirklich Spaß.

In Donaueschingen machte ich in der Hoffnung, dass sich der Nebel auflösen würde, länger Pause, aber es wurde nicht wirklich besser. Erst ca. 10 km hinter Donaueschingen riss es auf und wurde sonnig.

Und dann... wurde ich mit einer grandiosen Strecke durch ein wunderschönes Tal belohnt! Ich habe keine Ahnung, wie das Tal heißt, die Orte, durch die ich durchkam hießen Zindelstein, Schwarzbuben, Hammereisenbach und Urach. Hier stimmte einfach alles! Sonne, Herbstlaub, Wildbach... und eine - zumindest im ersten Teil - supergute Straße, auf der ich die meiste Zeit völlig allein war. Da muss ich unbedingt nochmal hinfahren!

Freiburg begrüßte mich papstfrei mit strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Als Dank für die schöne Tour habe ich mein Bike geputzt... also ein bisschen ;-)

Ich habe nicht so genau geschaut, wieviele Kilometer das waren, aber so um die 700 dürften es schon gewesen sein.

Diesmal gibt es nur die Karte von der Allgäu-Tour, der Bericht von meiner heutigen Tour durch das Feldberggebiet und die Karte folgen.