Montag, 3. April 2017

Herz am Montag - mein Herz ist mit Dir

Ja, mein Hobby ist gefährlich. Jetzt sind die ersten längeren, warmen Tage, die uns die ersten richtigen Touren ermöglichen.

Uns... nein, in den nächsten Wochen werden es nur meine Touren sein.

Roland ist am Samstag mit seiner Twin auf dem Heimweg verunglückt. Er hatte sehr viel Glück, liegt mit Prellungen, drei gebrochenen Rippen und einer gebrochenen Speiche im Krankenhaus. Sein Schutzengel hatte an dem Tag wirklich viel zu tun und hat ihn vor schlimmerem bewahrt.

Es sind Bruchteile von Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden, Bruchteile, in denen wir nicht aufmerksam sind, nicht 100% bei der Sache, uns überschätzen, Gefahren unterschätzen. Ja, auch ich bekenne mich schuldig, ich bin schon mehr als einmal über den Rand der Erschöpfung und Müdigkeit hinaus unterwegs gewesen, habe auch schon ein paar derbe Rutscher erlebt, Vollbremsungen...

Diesen Blogeintrag widme ich allen Motorradfahrern, die nicht mehr unter uns weilen, weil dieser Bruchteil über ihr Leben und Sterben entschieden hat. Ich widme ihn auch denjenigen, die nochmal davongekommen sind und wieder auf ihren Maschinen sitzen.

Ganz besonders widme ich diesen Blogeintrag aber Dir, Roland.
Ich bin dankbar, dass Du noch lebst und dankbar, dass nicht mehr passiert ist!
Lieber Roland, werde schnell wieder fit, Conchita und ich vermissen Dich!

Freitag, 31. März 2017

Monatsimpressionen März

hui, der März ist schon wieder vorbei... Habt ihr auch das Gefühl, dass das Jahr ab Februar immer
mehr Fahrt aufnimmt und die Zeit nur so dahinrast?

Mein März war voller großer und kleiner Glücksmomente, Touren allein und zu zweit, Stammtisch, Geburtstage... Frühlingsritual Nr. 1 - Kaffee und Kuchen im Café Huber in Engen - ist bereits absolviert, allerdings werde ich es mit dem netten Mann aus dem Kinzigtal wiederholen.

Ich war auch an der Aachquelle in Stockach und habe an dem sonnigen Sonntag nochmal den leckeren Kuchen genossen. Conchita hat ihr schwer verdientes frisches Öl erhalten, wartet aber immer noch auf kleinere Wartungsarbeiten und eine gründliche Wäsche. Weil ich ihr beim Ölwechsel unters Röckchen geschaut habe, habe ich entdeckt, dass ich der einen oder anderen Roststelle jetzt mal zuleibe rücken muss. Ganz davon abgesehen, dass sie einfach immer noch saudreckig ist...

Im März gab es drei besondere Höhepunkte für mich.

frisch gestochen und noch rot...
Höhepunkt Nr. 1: Ich habe mir ein neues Tattoo stechen lassen. Die Idee trug ich schon eine Weile mit mir herum, es sollte was mit Reisen zu tun haben und mit Motorradfahren.

Letztes Jahr unterwegs in Norwegen, kam ich auf die Idee, mir einen Kompass stechen zu lassen. Weil das allein jedoch "langweilig" ist, habe ich mir überlegt, den Kompass in einen Motorradreifen zu packen. Um genau zu sein: In den Hinterreifen von Conchita, der seit ich sie habe, immer mit einem Heidenau Scout K60 beschuht ist. Im Dezember war ich bei Rattattoo und habe mir dort einen Termin geben lassen, ein Design entworfen und hingeschickt. Gestochen hat mit das Tattoo Pau aus Spanien und ich muss sagen, ich bin absolut begeistert, hin und weg und freue mich jeden Morgen, wenn ich es im Spiegel sehe.

Höhepunkt Nr. 2 war das "Huse jazzt" Jazzfestival in Hausach im Kinzigtal. Roland hatte mich vor einiger Zeit gefragt, ob ich nicht Lust hätte, den Bardienst zu übernehmen.

Weil ich gerne im Getümmel bin und Feiern mag und Bar toll finde, habe ich zugesagt.
Eigentlich habe ich "nur" unterstützt, denn Evi hat die Bar ziemlich gerockt, aber sie hat auch sehr
Die Ruhe vor dem Sturm...
viel mehr Erfahrung als ich. Ich habe nur die Caipis und Tequila Sunrises gemixt. Fragt mich nicht, wieviele Caipis das waren. Am Anfang war's noch sehr ruhig, aber im Lauf des Abends hatte ich dauerhaft alle Hände voll zu tun und konnte nur sehr begrenzt zusammen mit Roland das Tanzbein hinter der Theke schwingen.

Hier seht ihr einen Filmbeitrag zu dem Abend und am Ende mich in Aktion.

Die Band, die im Guck rein gespielt hat, hieß "Jitterbug Bites" und hat den Laden mächtig in Schwung gebracht. Bis nachts um 1/2 2 haben sie gespielt und wir waren erst um 1/2 5 im Bett. Am Sonntag war es schon ein Kampf, Conchita um die Kurven zu bringen. Als Ausklang dieses wunderschönen Wochenendes haben wir dann in Landeck noch Kaffee getrunken.

Vielen Dank, lieber Roland, das war ein richtig tolles Event und ich habe den Abend extrem
genossen, auch wenn ich danach "Hintern" hatte und meine Füße sich wie Brei angefühlt haben.

Höhepunkt Nr. 3 war der überraschende Besuch meines besten Freundes aus Studienzeiten, der inzwischen schon seit 9 Jahren in Bern lebt. Wir waren bei perfektem Frühlingswetter spazieren und sind danach in der Griestal-Strauße eingekehrt, haben leckeres Essen genossen und uns über die letzten Monate ausgetauscht.

Nun bin ich mal gespannt, was der April für mich bereithält.

Mehr Monatsimpressionen gibt es - wie immer - bei den Fredissimas.

Sonntag, 19. März 2017

Ballast abwerfen

Letzes Jahr im Februar wurde ich 50. Mein Körper muss sich irgendwann danach gedacht haben, dass er jetzt gerne middle age spread ansetzen möchte. Als ich im Juni meinen Bikini hervorzog, dachte ich "oh je, DIE Zeiten sind auch vorbei..."

Ne, keine Sorge, ich schreibe jetzt keinen Diätblog. Mir geht es um was ganz anderes.

Man kann sich dann sagen "ok, ich kauf mir halt die Hosen größer, einen Shapingbadeanzug und dann hab ich eben die Wechseljahresringe, so what!" Man kann aber auch schauen, wo es herkommt, sich selbst den Gefallen tun und achtsamer mit sich umgehen und gegen den inneren Schweinehund kämpfen.

Ich lebe jetzt seit über 7 Jahren allein und leider hat sich meine Ernährung nicht gerade vorteilhaft entwickelt. Kochen tu ich zwar gerne, aber regelmäßig unter der Woche...? Mit knurrendem Magen nach dem Studio...? Spätabends nach Kursen...? Nö. Also schnell ein Brot geschmiert. Ist ja selbst gebacken und ich weiß, was drin ist! Als ich aus Norwegen zurückkam, war es schweineheiß. An meinem letzten Urlaubstag war ich mit Roland bei 42 Grad im Schatten im Schwarzwald unterwegs ... da hatte ich wenig Lust, den Ofen anzuwerfen und Brot zu backen. So ging es los mit der Veränderung, ich habe einfach kein Brot mehr gebacken und geschaut, ob ich es vermisse.

Low carb essen einige Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, mit ziemlich überzeugenden Ergebnissen. Und dann lief mir "30 day shred" von Jillian Michaels über den Weg. Angeblich sollte man da in kürzester Zeit (Tage, nicht Wochen oder Monate) sensationelle Ergebnisse sehen.

Weil ich bei sowas immer skeptisch bin, wollte ich es selbst ausprobieren. Also stand bzw. hüpfte ich eines abends vor dem Laptop herum und quälte mich durch den ersten Level Shred. puh... nach drei Tagen stellte ich fest, dass man doch besser Turnschuhe dazu trägt und nicht barfuß herumspringt. Zwei Wochen nach meinem Urlaub kam unsere Putzfrau im Büro aus dem Urlaub und meinte "gut siehst Du aus, wie Mädchen! Schlank!"

Ich will nicht lügen, die erste Woche low carb war furchtbar! Ich hatte dauernd Hunger, weil mein Körper die Kohlehydrate vermisst hat. Statt Frühstücksbrot gab es jetzt Rührei, Chiapudding mit Obst und ins Büro Magerquark mit Himbeeren und Haferflocken mit Obst, abends Salat oder Suppe, manchmal auch gar nichts. Den Unterschied in punkto Fitness habe ich rasch gemerkt, mein Arbeitsweg geht leicht bergauf, bald habe ich davon nichts mehr gespürt. Auch im Studio fielen mir die Übungen immer leichter, ich konnte die Gewichte raufsetzen. Der lästige Schwimmreifen wurde zusehends kleiner, die Figur straffer, die Laune besser. Bald hielt ich die Übungen in allen drei Leveln problemlos durch.

Inzwischen bin ich fertig mit dem zweiten Durchlauf von "Shred" und an guten Tagen denke am Ende von Level 3 "wie, schon rum?" An schlechteren Tagen bringen mich "travelling pushups" und "Mountainclimber" im Wechsel immer noch an die Grenzen... Ganz nebenbei haben sich die Sprungübungen positiv auf mein linkes Bein ausgewirkt, das ja immer noch nicht bei 100% Kraft angekommen ist. Über Gewichts- und Umfangsverlust kann ich nichts schreiben, da ich keine Waage besitze und nur am Anfang gemessen habe. Circa zwei Hosengrößen kleiner sollte aber überzeugend genug sein, finde ich. Und nein - ich sehe nicht wie ein Magermodel aus und ich esse auch nicht streng low carb. Brötchen, Kuchen etc. habe ich auf das Wochenende beschränkt und werde das auch während der Saison bei allen Verlockungen möglichst durchziehen. Lustigerweise habe ich sowieso immer weniger Bedürfnis danach.

Über Jillian Michaels kann man sich streiten. Ich muss jedoch oft lachen, wenn sie im Brustton der Überzeugung sagt, dass Shred nicht nur körperlich stark macht, sondern auch "fürs Leben". Ich sehe es als eine Form an, auf andere Art nett zu mir zu sein. Es ist nun mal so, dass unsere Körper mit den Jahren "wartungsintensiver" werden und mehr Aufmerksamkeit brauchen. Vielleicht ist dies auch ein schöner Moment, innezuhalten und zu schauen, wo es jetzt langgehen kann, nicht nur figur- und ernährungsmäßig, sondern auch so.

Ballast abwerfen tut immer gut.
Mir jedenfalls.



Montag, 6. März 2017

Herz am Montag - neue Wege

Da hab ich doch tatsächlich erst beim x-ten Blick auf meine Fotos vom Samstag festgestellt, dass hier
auf dem Teller ein Herz versteckt ist!

Gegessen habe ich das hervorragende Kartoffelrösti im Landgasthof Maien zusammen mit dem netten Mann aus dem Kinzigtal.

Wir haben am Samstag unsere dritte gemeinsame Runde gedreht und ich bin eine kleine Straße reingefahren, die mich schon länger immer wieder angelacht hat.

Wir wurden wirklich reichlich belohnt! Zum Einen ist die Strecke von Schlächtenhaus aus wunderbar zu fahren, kleine Straße, viele Kurven, tolle Ausblicke, zum Anderen kam dann auch endlich die Sonne raus. Davor sind wir dem blauen Himmel zwar entgegen gefahren, aber er wollte und wollte nicht näher kommen. Na, und der Gasthof ist echt klasse! Ein urgemütlicher Kachelofen, die alten Möbel wurden beibehalten, aber ansprechend aufgearbeitet, das Essen ist reichlich, liebevoll zubereitet und serviert. Roland hat man beim essen fast nicht gesehen, weil sein Pulli praktisch die gleiche Farbe wie der Tisch hatte...

Noch sind die Stunden für unsere Ausfahrten gezählt und eine längere Pause dient nicht nur zum essen, sondern auch zum aufwärmen, aber immerhin kann man überhaupt schon etwas fahren, das sich halbwegs Tour nennen kann. Davor habe ich 1,5 Stunden Conchitas Felgen und Speichen bearbeitet und den gröbsten Dreck runtergewischt. Eine gründliche Tiefenreinigung auf dem Waschplatz steht trotzdem auf dem Programm neben ein paar Schraubaktionen, Ölwechsel und Co. Conchita wird jetzt 21 und braucht ein paar echte Streicheleinheiten, Mesoroller und Hyaluronsäure für Mopeds im reifen Alter sozusagen.

Mehr Herzen am Montag gibt es wie immer bei den Fredissimas.

Dienstag, 28. Februar 2017

Monatsimpressionen Februar

Keinegeschenke-Geschenke
Der Februar ist "mein" Monat, ich habe gleich zu Beginn Geburtstag. Dieses Jahr wurde allerdings
nur im "kleinen" Kreis gefeiert. Nichtsdestotrotz habe ich zwei Tage vorbereitet, gekocht, gebacken, eingekauft.

Ich liebe das, nach Herzenslust Rezepte ausprobieren, planen, organisieren... auch dieses Mal ist es wieder eine schöne Feier geworden, wir haben mit Kaffee und (größtenteils glutenfreiem) Kuchen und Muffins angefangen und die letzten Gäste gingen gegen Mitternacht nach Hause. Meine Gäste haben sich leider nicht an meine Vorgabe "keine Geschenke" gehalten, aber es sind immerhin keine "Stehrumsel" dabei. Die nächsten zwei Jahre brauch ich kein Duschgel mehr kaufen...

Im Februar ist auch Valentin, eigentlich bin ich niemand, der zu solchen "aufgesetzten" Anlässen Geschenke macht, aber... manchmal muss man Ausnahmen machen... außerdem war es eine Gelegenheit, mich an Piñata-Keksen zu versuchen.

Es hat ganz ok geklappt, das Ergebnis war aber weit von Perfektion entfernt, vielleicht probiere ich mal eine Version mit Pfefferkuchenteig und ausschneiden/ausstechen oder Hefeteig.

Ich stelle immer wieder fest, dass backen mich extrem glücklich macht und ich verbringe vor jeder Feier oder jedem Anlass sehr viel Zeit damit, ausgefallene Rezepte zu suchen, manchmal denke ich mir auch selbst etwas aus. Außerdem habe ich wieder etwas mit zeichnen angefangen und festgestellt, dass ich es nicht verlernt habe, auch wenn die Hand nicht ganz so geschmeidig ist.

Ein paar Motorradhighlights hatte der Februar ebenfalls zu bieten.

Roland und ich haben zufällig ein Plakat entdeckt, das uns zu einer schönen Veranstaltung geführt hat. Eine junge Frau ist 5 Monate mit dem Motorrad durch den Balkan nach Istanbul gefahren, ganz allein. Es gab Fotos zu sehen und später für einen guten Zweck zu ersteigern, Videos wurden gezeigt, Auszüge aus dem Reisetagebuch vorgelesen und es gab ziemlich gute Livemusik.

Mit Landschaftsfotos ist es ja so eine Sache... die gibt es sprichwörtlich wie Sand am Meer. Wenn man reist, verbindet man mit bestimmten Fotos natürlich auch den Tag und/oder ein Erlebnis, während es für jemand anderes eben "nur" ein Foto ist. Mal ganz davon ab, dass sie bei mir vom Stil nicht gepasst hätten und ich auch gar keinen Platz für so große Bilder habe. Roland hat am Ende noch ein Bild ersteigert und ich habe noch etwas draufgelegt. Die Location - der Peterhofkeller in der Nähe der Uni - war ebenfalls sehr stimmungsvoll und wir verbrachten einen sehr schönen Abend.

o'biked is!
Für mich war die Veranstaltung der endgültige Kick, einen Vortrag zu verfassen, den ich - sofern er angenommen wird - bei Horizons Unlimited halten werde. Einige meiner Stammtischjungs sind sowieso der Meinung, dass ich mit meinen Reiseberichten mehr an die Öffentlichkeit sollte, also mehr als "Nein" kann's nicht werden. Das Ding ist schon im Kasten, nur muss ich es noch überarbeiten und passende Bilder dazu raussuchen.

Tja und dann gab es Motorradwetter! Am 16. habe ich "angebiked", man hätte auch schon in den Tagen um meinen Geburtstag herum fahren können, aber da hatte ich Küchendienst.

Stilleben mit Helmen
Vor jedem "ersten Mal" ist man ja immer aufgeregt, so auch ich vor der ersten Tour. Schon am Samstag habe ich nachgesehen, ob Conchita noch anspringen will (beim zweiten Versuch war sie da), den Vorderreifen aufgepumpt und den Staub abgewischt. Diesmal gab es ja keine Gelegenheit, im Winter herumzufahren, wenn man sich das Moped nicht total einsauen wollte. Die ersten paar Kilometer waren dann auch etwas steif, bis Mensch und Maschine wieder eine Einheit wurden. 130 km waren es und am Samstag und Sonntag saß ich auch wieder auf dem Moped.

Am Sonntag gab es die erste gemeinsame Runde mit Roland, Das Heiner, Conchita und mir. Es war zwar mit 4-10 Grad frisch, aber das hat uns nicht geschreckt. Von Gutach ging es über das Prechtal nach Biederbach und dann über Freiamt nach Landeck. Dort konnten wir sogar draußen in der Sonne sitzen und ließen es uns bei Kaffee und Kuchen gut gehen. Von der Burgruine sah die Landschaft wie gemalt aus und wir ließen uns von der vorfrühlingshaften Stimmung verzaubern.

Rheinfähre bei Kappel-Grafenhausen
Am Faschingssonntag gab es dann auch noch mal einige Sonnenstrahlen. Nach einem windigen, grauen Start in Freiburg, sind wir von Gutach das nördliche Kinzigtal hochgefahren und es wurde immer blauer. Allerdings hat uns die Sonne dann erst in Ettenheim erreicht, wo wir uns in dem hervorragenden und gemütlichen Café Ettiko gestärkt und aufgewärmt haben. Nachdem die Sonne es nun gut meinte, sind wir noch an den Rhein gefahren und haben den Möwen, Schwänen und der Rheinfähre zugesehen.

Faschingsdeko in Ettenheim
Die Sonne tut nach dem ganzen Grau der letzten Monate unglaublich gut und die Motorräder schnurren von Mal zu Mal zufriedener.

Wobei mir am Sonntag aufgefallen ist, wie dreckig Conchita ist. Rolands Heiner ist frisch geputzt, inklusive Speichen, während an Conchita noch die Fliegen vom letzten Jahr kleben. Vielleicht mal Zeit für eine Tiefenreinigung... Alles in allem habe wir es beide genossen, endlich wieder durch die Kurven fliegen zu können und so langsam hält der Frühling überall Einzug.

Unterwegs im Markgräfler Land
Der Rosenmontag hatte dann noch besseres Wetter parat und ich konnte in der Wiese neben einem meiner Lieblingsstopps im T-Shirt in der Sonne liegen. Conchita bekommt im neuen Monat ein paar Streicheleinheiten, habe ich ihr versprochen. Allerdings muss es erst etwas wärmer werden, denn der Ölwechsel auf dem eiskalten Garagenboden macht nicht so wirklich Spaß und zum putzen von Madame sollte es dann auch warm und sonnig sein. Ich hoffe mal auf das Beste. Im Februar eine Handvoll Touren, die sich wirklich so nennen lassen fahren zu können, war jedenfalls ein Luxus erster Klasse.

Mehr Monatsimpressionen gibt es wie immer bei den Fredissimas.

Freitag, 10. Februar 2017

Minimalismus reloaded

Seit ich in meine kleinere Wohnung gezogen bin, habe ich immer wieder ausgemistet. Ich bin jetzt nicht der "jede-Woche-Soundsoviele-Teile"-Ausmister, sondern ich mache das eher anfallsweise.

In den letzten knapp zwei Jahren nach meinem Umzug haben sich meine Billy-Regale im
Ziemliche viele Stoffquadrate...
Wohnzimmer ordentlich geleert. Vor allem das Stoffregal ist wirklich übersichtlich geworden. Kürzlich konnte ich Frau zuse noch mit meinem restlichen Vorrat Canvasstoffe glücklich machen. Der Stoffshop lief irgendwie gar nicht mehr, aber die Stoffe werden vom rumliegen auch nicht schöner. Meine geschnittenen Stoffe habe ich auch reduzieren können. Ein Teil der schwarz-weiß-gemusterten steckt jetzt in einem Quilt, der auf meinem Bett liegt. Ich hatte immer wieder über eine Tagesdecke nachgedacht, aber nichts gefunden, das mir gefiel, bis ich dann auf die (offensichtliche) Idee kam, etwas selbst zu nähen.


Es ist leider so, dass der Großteil meines Stauraums in Schlaf- und Wohnzimmer nicht mit meinen Kleidungsstücken, Büchern etc. belegt ist, sondern mit dem Lager meiner Shops. Und da ich dort nicht mehr viel Energie reinstecke, liegt es und liegt und liegt... Es lohnt sich einfach nicht für mich, da ich im Verhältnis viel zuviel Steuern nachzahlen muss, wenn ich über einen dreistelligen Gewinn komme. Von daher kann ich das Zeug auch spenden oder verschenken. Oder zum Supersonderpreis auf etsy rauswerfen.

Was die anderen Bereiche in meiner Wohnung betrifft, habe ich alles inzwischen sehr übersichtlich bekommen. Meine Kleidung organisiere ich seit einiger Zeit um, Merino statt Sweatshirts (ok, ein paar Ausnahmen gibt es) und die nächsten Jeans möchte ich bei "manomama" kaufen. Auf die Idee hat mich Roland gebracht, der dort im Sommer eingekauft hat. Die Jeans sehen super aus und sind nicht aus diesem Labberstoff, der nach einem Jahr Löcher bekommt, sondern so "wie früher", nämlich richtig fest und dick. Die Produktion der Hosen erfolgt in Deutschland.
Zwischenstopp


Ein paar Koch- und Backbücher habe ich noch aussortiert, da ich mir meine Rezepte und Anregungen inzwischen hauptsächlich über das Internet hole. Es gibt ein paar Kochbücher, die ich behalten werde, auch wenn ich da draus nur eine Handvoll Rezepte zubereite, aber von denen mag ich mich nicht trennen.

Mein Freundeskreis hat sich inzwischen an meine "keine-Geschenke"-Politik gewöhnt, aber ab und zu gibt es immer noch schräge Blicke, wenn ich mich dem Konsum verweigere.

Impulskäufe gibt es so gut wie gar nicht mehr und mit jedem Teil, das meine Wohnung verlässt, wird
Fertig!
mir leichter ums Herz. Ich könnte mich räumlich weiter reduzieren, aber ich habe gemerkt, dass ich das nicht möchte, da ich gerne auch mal größere Gruppen Freunde einlade und in einer Einzimmerwohnung wäre ich dann doch arg eingeschränkt. Außerdem ist so ein zweites Zimmer, bei dem man eine Tür zumachen kann, ganz schön und eine richtige Küche mag ich auch haben, nicht nur zwei Platten und eine Spüle.

Als Inspiration für weitere Aufräum- und Ausmistaktionen hatte ich mich bei der "January Cure" von apartmenttherapy angemeldet. Ab und zu gibt's da ganz interessante Anregungen für mich.

Je weniger ich habe, umso klarer wird mir, was ich behalten möchte, was mir wirklich wichtig ist.

Das finde ich eine prima Sache und damit mache ich weiter.

Montag, 23. Januar 2017

Herz am Montag - Herzen stehen Kopf

Mein Herz steht tatsächlich Kopf in diesen Tagen.

Ich habe am Sonntag von einem Menschen Abschied nehmen müssen, leider konnte ich es nicht mehr persönlich tun.

Liebe Tante Traudel, Du warst für mich in den letzten 30 Jahren meines Lebens ein wichtiger Mensch. Durch Dich habe ich vieles über meine Vergangenheit und meine Familie erfahren, das ich sonst niemals erfahren hätte.

Du warst für mich da in schwierigen Zeiten, hast mir zugehört und hast mich nie verurteilt, auch wenn Du mir nie verziehen hast, dass ich die 50 DM damals in Bremen in einen neuen Haarschnitt steckte und mit einem flammroten Stern im schwarzen Schopf zurückkam. Ich fand es toll, aber Du hast Dich ein bisschen geschämt für Deine schräge Nichte.

Titisee on the rocks
Als ich Liebeskummer hatte, war ich bei Dir, Du warst da und hast zugehört.

Nach ein paar Tagen kam mein Appetit wieder und ich erinnere mich daran, dass Du zu mir "Wenn Du so weitermachst, brauchst Du in zwei Wochen eine neue Hose!" sagtest. Ich weiß, dass Du das nicht böse meintest, im Gegenteil, Du fandest Deine schwarz gekleidete Nichte aus der Stadt viel zu dünn.

Oh ja, wenn Du meine Mutter gewesen wärst, hätte ich sicherlich noch mehr rebelliert, als ich
esschon tat.

Wir hätten uns gestritten und es wären die Fetzen geflogen. So warst Du für mich immer etwas wie eine Stimme der Korrektur, jemand, der mir mit fester Hand aber liebevoll den Kopf gerade gerückt hat.

Meine x-te Trennung in den letzten Jahren hast Du trocken mit "Du hast einen ganz schönen Verschleiß!" kommentiert und wir haben beide gelacht.

Wenn ich bei Dir war, haben wir uns Portwein auf die Nase gegossen und es wurde ein sehr lustiger
Abend. Du hast mir von Mohrchen, dem alkoholabhängigen Hofhund erzählt, der auf dem Küchentisch stand und den kompletten Käsekuchen für den Sonntagskaffee gefressen hat, weil jemand die Tür vom Haus offen ließ und der beim Schützenfest immer stockbessoffen auf der Theke lag, weil ihn jemand mal wieder mit Bier abgefüllt hatte.

Als mein Onkel starb, warst Du Anfang 50 und weil Du auf dem Land wohntest und nicht Auto fahren konntest, bist Du in die Ferienfahrschule marschiert und hast in drei Wochen Deinen Führerschein gemacht.

Du bist liebend gern gereist, hast Dir die Welt angesehen, auch wenn Du Deinen Traum, mit den
Hurtigruten nach Norwegen zu reisen, nicht mehr umsetzen konntest. Du warst in Portugal, Frankreich, Italien, St. Petersburg, Du hast Schweizer Berge erklommen und Dein Leben so reich und bunt gestaltet, dass Du nun am Ende wirklich zufrieden in Deinem Ohrensessel saßest.

Einzig das Reisen hast Du vermisst, und das verstehe ich gut.

Als ich mit 45 den Motorradschein machte und dann eines Tages mit meinem Motorrad auf den Hof fuhr, hast Du allen stolz von Deiner Nichte berichtet, die allein mit dem Motorrad die 750 km zu Dir gefahren ist. 

Du hast es gehasst, dass Du immer abhängiger von anderen Menschen wurdest, Dein Körper immer
schwächer und Dein Aktionsradius immer kleiner. Trotzdem hast Du Dich bis zum Schluss nicht unterkriegen lassen und Deinen Willen durchgesetzt.

In vielen Dingen bist Du ein Vorbild für mich.
Wenn ich einmal 92 sein werde, möchte ich auch in meinem Ohrensessel sitzen und sagen können "ich bereue nichts!" - außer, dass ich den Motorradschein erst mit 45 gemacht habe.

Wo auch immer Du jetzt hingereist bist, in meinem Herzen wirst Du immer einen Platz haben.

Mach es gut, ich habe Dich lieb und Du wirst mir fehlen.