Montag, 29. August 2016

Auf Nordland-Kaperfahrt unterwegs in Skandinavien - Teil 2

12.8.2016 Trysil - Tolga

Der Morgen beginnt recht bezogen und die Temperaturen sind eher frisch. Als ich zur Toilette gehen will, sind beide Toiletten bestzt und vor der Tür steht ein Mann, der offenbar auf seine kleinen Söhne aufpasst, die sich dort gerade erleichtern. Er spricht mich erst auf Norwegisch an und fragt dann, ob ich aus Schweden komme. Wir unterhalten uns auf Englisch und er sagt mir, dass er genau so eine Twin hatte, wie ich sie fahre und dass er sie toll fand. Er fragt mich nach dem Baujahr und meint dann, dass ich doch eine BMW fahren sollte, weil die deutsch ist. Er hätte seine Twin gegen eine GS getauscht. Ich denke bei mir "Wie kann man nur?" Bis seine Kinder fertig sind, plaudern wir noch etwas und dann mache ich mich ans Frühstück.

Die Küche und der sehr gemütliche Aufenthaltsraum sind leider blockiert, so dass ich draußen
Einsame Straßen
frühstücke und mit kritischem Auge das Wetter betrachte. Auf den ersten Kilometern stelle ich schon fest, dass es heute wirklich kalt ist und mir eigentlich so, wie ich jetzt fahre, zu kalt. Irgendwann ziehe ich die Regenklamotten über die Kombi und es wird erträglicher. Zwischendrin regnet es immer mal etwas und selbst die Griffheizung hilft nicht gegen meine immer kälter werdenden Finger.

In Koppang stoppe ich auf einem Parkplatz und gehe in eine "Cafébar". hm... bisschen seltsam hier... Dass ich hier offenbar weit weg von touristischen Pfaden bin merke ich daran, dass hier niemand Englisch spricht. Ich bekomme trotzdem einen Kaffee und ein Bagel und wärme mich erst einmal auf. Das hier scheint wohl so eine art christliches Lesecafé zu sein und die Gäste sind... sagen wir mal... skurril... Das ist mir aber alles gleich, denn ich will nur wieder warm werden. Im Outdoorshop nebenan hat man leider keine dünnen Handschuhe, die ich noch unterziehen könnte. Es ist ja nicht so, dass ich die nicht schon hätte, aber sie liegen zuhause...

50 shades of grey...
Die Landschaft ist hier hügelig und es gibt viele Seen, in denen sich der Himmel oder die umliegenden Berge spiegeln und ich denke, dass ich eigentlich viel öfter halten sollte, aber dann bin ich so hungrig nach Kurven, dass ich einfach immer weiterfahre. Mit den erlaubten 80 km/h kommt man in einen schönen, beständigen Fahrfluss und die umliegende Natur zieht wie ein Kinofilm an mir vorbei.

Gegen Nachmittag nach einem Tankstopp verschlechtert sich das Wetter weiter und ich halte Ausschau nach einem Campingplatz. Ich lande in Settersegga, auch hier wieder niemand da. Ich rufe die angegebene Nummer an und stelle mein Zelt noch im Trockenen auf. Während ich dusche, fängt es an zu regnen und ich verziehe mich zum Essen in die Küche.

Der Campingplatz ist wohl einfach mal ein Teil von einem Bauernhof gewesen und die
Küche/Wäscheraum dient auch noch als Abstellraum für allen möglichen Kram. Das stört mich aber nicht, denn hier ist es warm.

Neugierig wie ich bin, ziehe ich ein Buch aus dem vollgestopften Regal über mir und schlage es auf: "Iirgendwas irgendwas den sekusellen orgasmen" steht da über einem Kapitel.

oha.
Über mein Kopfkino in diesem Moment erzähle ich besser nichts, denn als ich am nächsten Morgen den Campingbesitzer sehe, fühle ich mich in meinen Vorahnungen unangenehm bestätigt.

Die Fahrerei ist schon anstrengend, im Schnitt verbringe ich jeden Tag locker 8 Stunden im Sattel,
... es wird besser...
mein Körper ist müde und der Kopf voller Eindrücke, so dass sich der Schlaf im Handumdrehen einstellt. Eigentlich schlafe ich meist nur die erste Nacht im Zelt nicht so toll, danach könnte man neben mir Kanonen abschießen und ich würde nichts merken. Da das Wetter immer ekeliger wird, krieche ich rasch ins Zelt, schreibe noch einige whatsapps mit Freunden und schlafe bald ein.

13.8.2016 Tolga -  Selbu

Heute sollte ein ungemütlicher Tag werden. Als ich noch im Zelt war, fing es wieder an zu regnen, so dass ich etwas mit dem Aufstehen trödelte. Ein Blick nach draußen verhieß nichts Gutes, also raus und abbauen, weiterziehen!

... es wird schön...
Es ist wirklich unangenehm kalt in Kombination mit der Feuchtigkeit, aber dafür haben Straßen und Landschaft einiges zu bieten. An einigen Stellen sieht es aus wie in der schottischen Heide, an anderen hat die Landschaft etwas von Tundra, Krüppelbirken, breite Gebirgsflüsse, große Seen, alles im schönen Wechsel. Einige Gegenden werden auch landwirtschaftlich genutzt und man fährt über Viehgitter in der Straße und sieht die entsprechenden Schilder, die auf Tiere aufmerksam machen. Ich weiß nicht mehr, ob es hier war, aber ich habe in einer Gegend neben den obligatorischen "Vorsicht Elch"-Schildern auch welche mit "Vorsicht-Elch-und-Fuchs" gesehen. Leider gab's die Tiere nicht live zu sehen.

Ein Himmel wie aus dem Bilderbuch
An einer Stelle muss ich anhalten, weil zwei Schafböcke mitten auf der Straße ihre Rangordnung
auskämpfen. Es ist so putzig anzusehen, dass ich lachen muss, auch die Autofahrer, die mir entgegen kommen, lachen alle. Die beiden sind durch nichts zu stören, aber irgendwann setzen sie ihre Rangelei abseits der Straße fort und ich kann weiterfahren. Bald danach hüpfen aus dem Gebüsch vier Rentiere, ein Hirsch, ein weißes Weibchen und zwei halbwüchsige Jungtiere. Bis ich aber meine Kamera aus dem Tankrucksack gekramt und die Handschuhe ausgezogen habe, sind sie schon im Wald verschwunden.

Wenig später sehe ich zwei Rentiere mitten auf der Straße traben. Auch diese beiden lassen sich
durch nichts aus der Ruhe bringen. Ich fahre langsam hinter ihnen her, aber sie gehen nicht von der Straße. Inzwischen sind einige Autofahrer aufgetaucht, die ebenfalls anhalten. Die beiden lassen sich nicht stören, als ein Auto hupt, drehen sie einfach um und trabe zurück. Das eine Rentier hat ein Halsband, auf dem etwas steht, das ich leider nicht erkennen kann. Als ich ein Foto machen möchte, fährt das Wohnmobil hinter mir vor und nah an die Tiere heran, so dass es genau in meinem Bild steht. Toll! Danke!

In Røros kaufe ich kurz ein und verkneife mir die Stadtbesichtigung wegen des schlechten Wetters. Die Gegend davor und drumherum sieht aus wie im "Wilden Westen", halb verfallene Blockhäuser stehen am Straßenrand. Røros ist UNESCO-Weltkulturerbe. Hier wurde bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts Kupfererz abgebaut, was die Gegend geprägt hat, es ist sozusagen eine Art norwegisches Ruhrgebiet.

Auf einem Hochplateau treffe ich eine Gruppe schwedischer Motorradfahrer. Auf die Frage, wohin
sie heute noch fahren würde, sagen sie mir, dass sie bis nach Tromsø wollen... sportlich! Das sind locker noch 1000 km und bei dem Wetter...

Ich beschließe in Selbu den Tag zu beenden und mein Zelt auf dem Campingplatz aufzuschlagen. Hier spricht auch niemand Englisch, aber ob es jetzt "tent" oder "telt" heißt, "cycle" oder "sykkel", wir können uns einigen. Kaum steht mein Zelt, wird das Wetter schlagartig besser und ich ärgere mich ein wenig, denn es ist erst früher Nachmittag. Andererseits muss man nicht jeden Tag bis zum umfallen fahren. Ich ziehe mich um und gehe am See ein wenig spazieren, sitze in der Sonne und beende den Tag heute auch wieder zeitig. Es ist unglaublich, wie viele Stunden ich hier schlafen kann, aber scheinbar braucht mein Körper die Ruhe.

Selbu ist übrigens der Ort, an dem die "Selbu mittens" mit dem typischen Norwegermuster erfunden wurden. Vielleicht versuche ich mich im Winter mal da dran.

14.8.2016 Selbu - Namsen Fishing Camp

... zuerst...
Der Morgen in Selbu begrüßt mich grau und feucht und ich ärgere mich, dass ich gestern nicht
weitergefahren bin und bei dem tollen Wetter den Fjord bei Trondheim erkundet habe. Aber es ist eben so, wie es ist.

Ich frühstücke und packe mein feuchtes Zelt ein. Vorher schaue ich noch genau, wie ich Conchita über das feuchte Gras fahre und wo der matschige Teil ist, den ich unbedingt vermeiden will. Über feuchtes Gras zu fahren hasse ich wie die Pest, denn man weiß nie, ob es nicht doch irgendwo glitschig ist und das Vorderrad wegrutscht. Also ist eine vorsichtige Gashand gefragt, aber auch heute kriege ich sie problemlos aus der "Gefahrenzone" und verlasse früh den Campingplatz in Richtung Norden.

Ich habe mich trotz des anfänglich nicht so optimalen Wetters entschieden, heute nur die kleinen
Straßen gegenüber dem Trondheimfjord zu fahren, denn ich will jetzt endlich mal wieder das Meer sehen. Der Weg dorthin hat schon einmal eine Menge zu bieten, von "Wild-West-Feeling" über Tundra und Meerarme ist alles dabei. Das Wetter wird nun auch immer besser und ich halte an einem Parkplatz, wo ich erst einmal eine längere Pause einlege und Fotos von der nahe gelegenen Brücke mache, über die ich gerade gefahren bin.

Die Infrastruktur in Norwegen ist sehr faszinierend.

Zum Einen sind auch die entlegendsten Winkel
noch an das Verkehrsnetz angeschlossen, zum Anderen gibt es hier unglaubliche Brücken und noch unglaublichere Tunnel.

Ich war während meiner Reise immer wieder davon begeistert, dass von der holprigen Nebenstraße bis zur Quasi-Autobahn alles existiert, am fasizinierendsten sind jedoch die Tunnel. Hier gibt es vom Natursteintunnel ohne Beleuchtung bis zu einem 25 Kilometer langen Monstrum mit 4 Raststätten (!) und mehreren Kreisverkehren (!) alles! Es wird auch viel mit Licht gearbeitet, die großen Tunnels sind taghell erleuchtet und haben oft irgendwo bunt beleuchtete Nischen. Die Kreisverkehre sind übrigens immer blau beleuchtet. Darüber hinaus bin ich auf dem Rückweg einen Tunnel gefahren, der sich wie eine Schnecke nach unten schraubt.

Für Klaustrophobiker und Menschen mit Höhenangst sind diese Strecken sicherlich ein Alptraum, ich fand es einfach nur toll und war von dem Erfindungsreichtum und der Ingenieurskunst begeistert.

Für uns Touristen sind die ganzen Fähren natürlich auch toll, sie kosten jedoch sehr viel Zeit, so dass eine Strecke entlang der Fjorde von sagen wir mal 250 km einen ganzen Tag in Anspruch nehmen kann. Zwischendrin muss man ja immer mal wieder warten, dann setzt man über, fährt wieder, setzt wieder über usw. Um die Strecke Kristiansand-Trondheim zu verkürzen, ist ein System von Brücken und Tunnels geplant, die teilweise wohl in schwimmender Bauweise über und unter dem Meer verlaufen soll.

Irgendwann setzt wieder eine gewisse Erschöpfung ein und ich fahre runter zu einem Hafen für eine
neue Pause, Fotos und die Hoffnung auf Kaffee. Dort ist auch ein Café/Restaurant und ich gehe hinein. oha... heute ist Sonntag und alles steht in Sonntagskleidung aufgestylt in der Schlange, oder holt sich Essen vom Buffet. Dazwischen steht eine schmutzige, verstrubbelte Motorradfahrerin, die sich stöhnend mit ihrem Kaffee an einem der freien Tische auf einen Stuhl wirft und mit leerem Blick vor sich hinstiert. Ja, diese Reise ist anstrengend. Vielleicht werde ich auch einfach nur alt, jedenfalls brauche ich diese Pause dringend und niemand beachtet mich großartig.

Balsd hat mich die Straße wieder und ich gerate in einen Kurvenrausch, denn auch hier kann man auf
... wie neu!
herrlichen Straßen durch wundervolle Landschaft cruisen. Zwischendrin gucke ich immer mal wieder auf Conchitas Kilometerstand, denn heute ist es so weit, sie wird ihre ersten 100.000 Kilometer vollenden, davon knapp 47.000 mit mir und die in zwei Jahren. Für die ersten 53.000 hat sie immerhin fast 18 Jahre gebraucht...

Irgendwann springt der Tacho von 99.999,9 auf 00.000,0 um. Honda hat wohl nicht damit gerechnet, dass diese Maschinen sechsstellige Kilometerstände haben würden, denn der Tacho ist nur fünfstellig. Ich tätschele Conchitas Tank, wie man einem Pferd den Hals tätscheln würde und sage "Happy Birthday, mein Mädchen!"

Ja, ich weiß, das hört sich komisch an, aber im Lauf einer Reise geht man eine enge Bindung mit
Granitformationen bei Osen
seinem Motorrad ein. Man wird ein Team, man kennt jede Vibration und jedes Geräusch, hört ob Öl fehlt, die Kette zu trocken läuft, spürt, ob der Luftdruck stimmt... Vielleicht ist das bei Fahreren von modernen Maschinen anders, aber unsere alten Schlachtrösser haben Charakter, jedes ist anders, jedes hat andere kleine Macken, fährt sich anders, hat eine andere Geschichte. Manche standen gar jahre- und jahrzehntelang vernachlässigt herum, bevor man ihnen ein neues Leben gegeben hat. Ich denke, dass wir - neben anderen Faktoren wie der Wartungsfreundlichkeit - genau aus diesen Gründen an unseren alten Damen hängen.

Es gab einige Gelegenheiten, bei denen ich mit der alten Twin sofort mit anderen ins Gespräch kam, die auch einmal eine gefahren sind und nur positive Erinnerungen damit verbunden haben. 

Bei Osen komme ich wieder mal an einem Abschnitt mit besonders tollen Formationen vorbei und
mache einige Aufnahmen. Der Tag ist heute doch plus/minus trocken geblieben und ich bin die gesamte Strecke gefahren, die ich mir vorgenommen hatte. Auf der Höhe von Namsos fange ich an, nach einem Campingplatz Ausschau zu halten. Die Müdigkeit setzt manchmal schlagartig ein und dann fahre ich nur noch sehr ungern längere Strecken, weil ich unkonzentriert werde und die Fahrerei dadurch noch anstrengender ist.

Bald taucht ein Schild auf, dass mich zum "Namsen Fishing Camp" führt. Der Platz ist direkt am
unten am Fluss
Wasser gelegen und sieht schön aus. Auch hier wieder das übliche Prozedere: Keiner da, Nummer anrufen, Zelt aufstellen, duschen, essen.

Da es hier sehr schön aussieht beschließe ich, noch ein Stück auf der Straße neben dem Fluss entlang zu laufen. Hier gibt es wieder das "Kanadaflair", das ich schon an einigen Stellen hatte. Ich entdecke einen Pfad nach unten ans Flußufer und entdecke eine Angelhütte, von denen er hier reichlich gibt. Ich laufe eine ganze Weile, bis ich an einem Haus beschließe, hier umzukehren, denn langsam dämmert es und ich mag nicht dauernd auf der Straße laufen.

Hinter mir hält auf einmal ein Auto was mich nicht weiter interessiert, da ich gerade Fotos mache.
Das "Hallo" erwidere ich, der Fahrer steigt aus und bei mir fällt der Groschen: Der Campingmann! Er spricht ziemlich gut Deutsch und ich kann absolut nicht abschätzen, wie alt er ist. Zwischen 50 und 70 kann alles sein, ein schlanker Outdoortyp, wie man sich so einen Norweger vorstellt. Wir plaudern eine ganze Weile und er erzählt mir, dass er jedes Jahr Gäste aus München hat, die zwei Wochen zum Lachsangeln kommen.

Dann fragt er mich, ob ich immer alleine reisen würde. Als ich ihm meine Reise bis heute schildere und auch, dass ich fast immer allein mit dem Motorrad unterwegs bin sagte er "Ich bin imponiert!" Ich muss innerlich über den Satz schmunzeln. Meinen Schlafplatz rechne ich gleich mit ihm auf der Straße ab, alles völlig unkompliziert. Er sagt mir noch, dass die Menschen weiter im Norden offener wären, als im Süden und man leichter mit ihnen ins Gespräch käme. Dann wünscht er mir einen schönen Abend, eine gute Weiterreise und empfiehlt mir die Küstenstraße für den weiteren Weg nach Norden.

Ich laufe zu meinem Zelt zurück und schlafe mit dem Gedanken ein, dass ein wenig Gesellschaft schon irgendwie schön wäre.

Fortsetzung folgt...









Samstag, 27. August 2016

Auf Nordland-Kaperfahrt unterwegs in Skandinavien - Teil 1

Roads go ever ever on,
Over rock and under tree,
By caves where never sun has shone,
By streams that never find the sea;
Over snow by winter sown,
And through the merry flowers of June,
Over grass and over stone,
And under mountains in the moon. (J. R. R. Tolkien, The Hobbit)
Tage unterwegs: 20
Gefahrene km: 7500
Pannen: keine
Umfaller/Ausrutscher: 1

Nach meinen großartigen Winterurlaub in Norwegen hatte ich mir vorgenommen, diesen Sommer mit
Ein Moped steht im Walde...
dem Motorrad in den hohen Norden zu reisen. Schon vor zwei Jahren habe ich zwischen Norden und Süden geschwankt, mich dann damals aber für die Pyrenäen entschieden. Diesen Sommer sollte es also endlich nach Norwegen gehen, ich hatte schon viele begeisterte Berichte gelesen und aus erster Hand aus dem Africa-Twin-Forum gehört.

Kurz vor dem Urlaub machte Conchita mir bei einer extremen Regenfahrt etwas Zicken, ging aus und wollte erstmal nicht mehr anspringen...gut, es regnete an diesem Tag nicht, es GOSS aus Kübeln und irgendwo hat das Wasser wohl kontraproduktiv gewirkt. Jedenfalls stand ich jämmerlich nass in der Prärie, aber das ist eine andere Geschichte. Und weil Conchita ein supertolles Moped ist, macht sie solche Sachen nie, wenn ich mit ihr mehrere Wochen unterwegs bin, sondern immer nur im Umkreis von 50 km um Freiburg herum. Nun, langer Rede kurzer Sinn, ich habe daheim ein bisschen Kontaktspray hier und da hingesprüht, an ein paar Steckern gerüttelt und andere Stecker gereinigt. Und was soll ich sagen? Auf den ingesamt ca. 7500 km meiner Reise hat sie jedenfalls nicht ein einziges Mal gezickt. Sie ist eben eine Africa Twin!

Da ich am  Samstag vor meiner Abfahrt noch auf einer Feier eingeladen war, wollte ich eigentlich erst am Montag fahren, Werner überzeugte mich jedoch (naja, hat nicht viel Mühe gekostet), schon am Sonntag loszufahren. Ich muss zugeben, dass ich noch nie so schlecht vorbereitet in Urlaub gefahren bin, wie dieses Jahr. Hätte ich mich etwas besser informiert, hätte ich mir etwas Gefahre und Zeit sparen können, die mir dann in Norwegen gefehlt hat. Aber: "hätte hätte Mopedkette!"

7.8.2016 Freiburg - Hardegsen (Harz)


Nach einer relativ kurzen Nacht quälte ich mich am Sonntagmorgen aus dem Bett. Das schöne Wetter
draußen war aber Motivation genug, sich mit der Packerei zu beeilen und so warf ich kurzerhand alles in die Taschen, zog die Campingsachen aus der Ecke und war im Rekordtempo auf dem Moped und auf der Autobahn. Am Samstag war ich noch kurz in den Baumarkt gerauscht, um mir eine kombinierte Seitenständerverbreiterung und -erhöhung zu basteln, die ich in diesem Urlaub nicht nur einmal benutzt habe.

Bei herrlichstem Sonnenschein fuhr ich Richtung Norden, Campingplatz hatte ich keinen im Auge, da wird schon irgendwo einer kommen. Bis hinter Karlsruhe schaukelte ich gemütlich auf der Landstraße entlang und wechselte dann auf die Autobahn. Nach etlichen Stunden Gefahre und Blick auf die Uhr war dann im Harz der Moment der Campingplatzsuche gekommen. Tja. Wenn man keinen Camping sucht, ist gefühlt alle 500 Meter einer, aber wehe, man braucht einen... Als ich schon fast aufgegeben hatte, kam irgendwo ein Schild mit den Campingsymbolen und ich landete auf einem kleinen, gemütlich Platz mitten in der Prärie. Nach dem üblichen Check-In (leider ohne Brötchenservice) bekam Conchita einen Platz auf einer Betonplatte und ich stellte mein Zelt unter einen Baum mit Blick auf den Brocken und freundliche Kühe. Der Campingplatzbesitzer hatte mir noch gesagt, dass ich mich nachts nicht erschrecken sollte, wenn es draußen schlabbert, da die Kühe 10 m neben meinem Zelt ihre Tränke haben.

Gegen Einsetzen der Dunkelheit kroch ich in mein Zelt und freute mich auf den nächsten Tag, der mich noch viel weiter nach Norden bringen sollte.

8.8.2016 Hardegsen - Klausdorfer Strand (Fehmarn)

Klausdorfer Strand auf Fehmarn
Zum Gück hatte ich irgendwann doch mal etwas genauer die Karte studiert und festgestellt, dass es von Fehmarn eine Fähre nach Rödby in Dänemark gibt, was die Fahrerei dann etwas abkürzen würde. Also ging es frisch und munter los auf die Autobahn. Da ich Hamburg großflächig umfahren wollte, bin ich auf der Höhe von Lüneburg abgefahren und den Rest mehr oder weniger über Landstraße gefahren. Autobahn fahren in Deutschland ist einfach nur grausig. Viel zu viel Verkehr, Drängelei, Raserei... und der Lärm unter dem Helm ist oberhalb von 130 km/h kaum auszuhalten. Da fahre ich lieber länger und langsamer, dafür entspannter.

Das Wetter war nach wie vor herrlich, allerdings frischte der Wind Richtung Küste immer mehr auf, was das Fahren dann etwas anstrengend machte. Irgendwann kam ich auf Fehmarn an und suchte mir einen Platz, der möglichst nahe am Fährhafen ist. Am Klausdorfer Strand fand ich dann ein Plätzchen für mich und mein Motorrad.

Nun kam die erste Aufgabe: Wie stellt man ein Zelt bei starkem Wind allein auf? Ich musste nicht lange warten, da kam ein Radfahrer, der kurzerhand mit anpackte, während sich die Herren vom Wohnwagen gegenüber bei Bier lieber das Zeltkino ansahen, als mitzuhelfen. Bald war alles eingeräumt und verstaut und ich machte einen Spaziergang an den Ostseestrand. Irgendwann knurrte mein Magen vernehmlich und ich machte mich auf den Weg ins Campingrestaurant. Leider waren die Temperaturen in Kombination mit dem Wind recht frisch, so dass ich mir meine Jacke holen musste. Und just als ich nochmal losziehen wollte, fing es an zu regnen... hmpf... das musste doch jetzt echt nicht sein!

Naja, also ab ins Zelt, Streckenplanung für morgen und dann schlafen!

9.8.2016 - Klausdorfer Strand - Ljungby, Schweden

... alles so platt hier...
Heute sollte es nun richtig losgehen mit unserer Nordland-Kaperfahrt!

Ich war davon ausgegangen, dass ich in Puttgarden noch eine Tanke finden würde und auch eine Einkaufsmöglichkeit, aber dann stand ich auf einmal am Fährterminal und die Fähre auch. Naja, wofür hat man einen 23-Liter-Tank? Und Essen wird eh überbewertet! Eh ich mich versah, hatte ich die 54 Euro (jepp, arschteuer!) in ein Ticket für mich und Conchita investiert und wir standen auf dem Autodeck der Fähre.

Anbinden musste ich Conchita selbst und aufgrund der beengten Platzverhältnisse war das Absteigen
Offshore-Windpark mit Schiffen
"interessant". Es hat durchaus Vorteile, wenn man schlank ist... Ich liebe Fähren und in diesem Urlaub würde ich noch auf sehr vielen Fähren fahren, da freute ich mich schon drauf. Die 45-minütige Überfahrt war windig, man konnte andere Schiffe sehen und ich bewunderte die Offshore-Windparks vom Vorabend nochmal etwas näher. Die Zeit war ruckzuck vorbei und es ging wieder unter Deck, Mopeds losbinden (standen alle noch!), und dann auf nach Dänemark!

In meinem Vorwärtsdrang übersah ich die Tanke direkt nach der Fähre, aber egal, da wird schon noch eine kommen, ich habe ja auch erst 200 km auf dem Tacho stehen, mein Tank reicht aber locker für das Doppelte. Also ging es weiter durch plattes Land... ich sage Euch, es gibt nichts langweiligeres als dänische Autobahnen! Naja, man kann es auch als Meditation auffassen, denn schneller als 120 ist nicht, oft sogar nur 90 oder 110... und so richtig was zum gucken gibt es auch nicht. Dänemark ist wie Norddeutschland, viel plattes Land, viel Landwirtschaft... und wann kommt eigentlich mal eine Tanke an dieser doofen Autobahn...? Inzwischen stehen 378 Kilometer auf dem Tacho und ich fange an zu schwitzen. "Hättest Du doch
nur...!" Irgendwo fahre ich runter und hoffe, dass dann eine Tanke kommt. Es kommt auch eine. Aber die ist für Trucks und es gibt nur Diesel, das bringt mich jetzt nicht wirklich weiter. Ich fahre nach Gefühl in irgendeinen Ort, und richtig - hier rettet mich "INGO". INGO ist eine Tankstellenkette und INGO verkauft mir knapp 17 Liter prima Sprit. Ok, es war doch noch nicht ganz knapp, aber probieren muss man's auch nicht!

So viel zu meinem Vorsatz "In Skandinavien tankst Du alle 200 km! Wer weiß, wann da eine Tanke kommt!" Ich verrate schon mal, dass ich weder in Schweden noch in Norwegen Probleme hatte, auch in den entlegensten Winkeln noch irgendeine Tankstelle zu finden. Aber das wusste ich da natürlich noch nicht.

Schwedische Rasta
puh, also weiter auf der Autobahn... laaaangweilig.... gähn... zwischendrin mache ich eine kurze Pause und hole mir einen Kaffee an einer Raststätte, dann geht es auch schon weiter, ich will heute so weit wie möglich nach Norden kommen. Und wer weiß, vielleicht wird es in Schweden weniger langweilig? Der Wind nervt außerdem, er kommt immer wieder in Böen und ich muss mich manchmal sehr darauf konzentrieren, Conchita in der Spur zu halten. Hatte ich schon erwähnt, dass dänische Autobahnen langweilig sind...?

Geradeausfahren in Schweden
Das Highlight des Tages wartete noch auf mich: Die Fahrt über den Öresund! Leider darf man auf der Brücke nicht anhalten, aber die Überfahrt bescherte mir einen der vielen "WOW"-Momente in diesem Urlaub. An diesem Mittag war alles perfekt, die Sonne schien, ein paar hübsche Wolken waren am blauen Himmel und dieses phantastische Bauwerk taucht auf einmal auf. Ich bewundere sowohl die Brücke, als auch die Ausblicke, das Spiel der Sonne auf den Wellen, die Farben des Wassers... allerdings ist es nicht so entspannend, wie es sich hier liest, denn der Wind ist immer noch da und so exponiert natürlich noch stärker. Trotzdem ist die Fahrt viel zu schnell vorbei und ich darf 270 DK für die Überfahrt bezahlen, das ich aber sehr gerne tue!

tja und dann ist da schon die schwedische Grenze, durch die man mich einfach durchwinkt. Oh... die Autobahn ist hier auch nicht interessanter und so geht es weiter, bis ich beschließe, dass es jetzt reicht mit Wind und Langweile und mich in der Hoffnung auf weniger Wind und interessantere Straßen mehr Richtung Landesinneres orientiere. Irgendwo müssen ja die tollen schwedischen Landschaften sein, oder?

Verlassene Hütte
Der Wind wird nicht weniger und die Landschaft... naja... ein bisschen interessanter. Man sieht die typischen schwedisch-roten Häuser, viel Landwirtschaft, Kühe, Strohballen... naja... es sieht aus wie in Norddeutschland, nur größer... in Ljunby beschließe ich, es für heute gut sein zu lassen und steuere den Campingplatz an. Die Dame am Empfang und ich unterhalten uns erstmal auf Englisch, als sie nach "identity card" fragt und ich ihr meine reiche, sagt sie "Oh, dann können wir ja auch Deutsch sprechen!" Ich bekomme einen Plan vom Campingplatz und gesagt, wo der schönste Platz für mein Zelt ist. Den steuere ich an! Auf dem Campingplatz gibt es einen kleinen Hügel mit Fichten und herrlich weichen Moosboden. Zum Glück habe ich meine Seitenständerunterlage dabei, den Conchita sinkt hier kommentarlos ein.

Mein Zelt ist rasch aufgebaut, ich gehe duschen und packe mein Essen aus. Inzwischen weiß ich, dass ich unterwegs keine Lust zum kochen habe. Mal abgesehen davon gibt es auf jedem Campingplatz in Schweden und Norwegen eine Küche, in der man kochen kann, also kann man sich das Mitschleppen von Kochgeraffel sparen. Außer, man möchte wild campen... ja, das wollte ich eigentlich, aber wie ihr später lesen werdet, hatte ich an manchen Tagen nach 10 Stunden keine Energie mehr, noch einen Stellplatz zu suchen und eine heiße Dusche nach einer stundenlangen Regenfahrt ist einfach nur göttlich!

Also: Kochergeraffel bleibt das nächste Mal daheim, dann ist in der Tasche auch Platz für drölfzig Lakritztüten oder ein chices Shirt vom Polarkreis oder so einen schönen Strickpullover...

Jetzt bin ich aber erstmal in Schweden und nach einem Tag Motorradfahren muss ich mich noch etwas bewegen. Ich erkunde den nahe gelegenen Wald, dort tummeln sich diverse Jogger. Irgendwann tiefer im Wald scheuche ich ein Reh auf und hoffe, dass das arme Tier jetzt nicht vor ein Auto springt. Zugleich mache ich mir eine mentale Notiz, hier gut auf Wild zu achten, denn was ich absolut nicht will, ist ein Wildunfall im Urlaub irgendwo in der skandinavischen Prärie.

Am Ende des Weges lande ich auf einmal bei einer verlassenen Wochenendhütte. Ich streife um die Hütte herum und mache Fotos. Langsam wird es dunkler und ich beschliesse, es für heute gut sein zu lassen. Auf dem Rückweg durch den Wald fallen mir auf einmal Lampen auf. Lampe im Wald? Hä? Da fällt mir ein, dass hier ja im Winter Schnee liegt und der Waldweg dann eine Loipe sein dürfte. Und dunkel ist es dann auch...

Mit diesen Gedanken verziehe ich mich in mein Zelt, mache eine grobe Routenplanung und hoffe, dass der nächste Tag mir interessantere Strecken bescheren möge.

10.8.2016 Ljungby - Medhamn

Frühstück mit Blåbär-Müsli und Joghurt im Tetrapack
Als ich morgens aufwache, höre ich ein Tröpfelgeräusch auf dem Zelt. och nööööö, das war doch gerade so schön trocken geworden! Einige Zeit später stehe ich auf und stelle fest, dass es nur ein bisschen tröpfelt. Ich richte mein Fühstück an dem überdachten Sitzplatz und stärke mich für den Tag.

Ich hatte mir am Vortag in einem schwedischen Supermarkt Verpflegung geholt, unter anderem eine Tüte Müsli.

The fun starts, where the asphalt ends...
Ja... eine meiner seltsamen Angewohnheiten ist, Beschriftungen auf Verpackungen zu lesen und mich über lustige Wörter zu amüsieren (absoluter Favorit: Finnisch!) Was mich bei den Sprachen Dänisch, Schwedisch und Norwegisch fasziniert ist, dass man gelesen einiges verstehen und ableiten kann, wird aber in den Sprachen gesprochen... keine Chance! Ich war schon im Winter davon fasziniert, wie weich sich Norwegisch anhört, da es sich um eine germanische Sprache handelt, hatte ich mit etwas irgendwo zwischen Deutsch und Niederländisch gerechnet. Nun, jedenfalls las ich neben dem Frühstück den Aufdruck auf der Müslitüte. Um das Ganze etwas weniger seltsam erscheinen zu lasse: Ich bin unter anderem Linguistin und die Wahl war nicht ganz zufällig.

... das wäre ein schöner Spielplatz... ist aber nicht!
Bald ist alles gepackt und ich mache mich wieder auf den Weg nach Norden. Immer noch ist es sehr windig, die Straße sehr gerade, aber die Landschaft wird jetzt bewaldeter. Ich fahre an einem ungarischen Paar auf einer Harley vorbei (Harleys sind übrigens im Norden sehr populär, kein Wunder...) und frage mich immer noch, wann es hier mal interessant wird. Könnte ja noch kommen.

Der Tag bringt mir ein paar Schauer und es ist auch recht frisch. Zum Glück liegt mein Nierengurt in
der Schublade zuhause und das Steppfutter hängt im Schrank. Mit den Regenklamotten über der Kombi ist es aber auszuhalten. Wenn man alle andere Klamotten anhat, die ich auf Verdacht mitgeschleppt habe... Griffheizung ist auch was Feines... so vergeht der Tag ohne großartigen Wechsel der Landschaft.

Schöner vö... äh... wohnen
Ich fahre durch jede Menge Regen und Sturm... nach Studium meiner Karte beschließe ich, bei Nybble abzubiegen und mich auf die Suche nach einem Campingplatz zu machen. Hier ist auch ein See angezeigt, ich möchte jetzt doch mal was andere sehen, als Straße, Bäume, Bäume, Straße und geradeaus fahren. In einem Anfall von Mut biege ich in eine Straße zu einem Naturschutzgebiet ab.

Hier ist Schotter. ups. Naja, halb so wild, kriegen wir alles hin, schön ruhig fahren. Hier wirst Du Dich nicht hinlegen! Einige Kurven später wird der Schotter gröber und tiefer und ich etwas nervös. Wenden kann man hier auch nicht, also weiter... es gelingt mir, mich zu entspannen und ich fange an, den Weg zu genießen. Ich bin ja nicht wirklich die Offroad-Heldin... aber wenn man es nie versucht, wird man es auch nie werden... also...


Einige Zeit später kommt ein Parkplatz, das Wetter wird besser, ich stelle Conchita ab und bin stolz auf mich. Der Weg war hier sowieso zuende und ich gehe ein paar Schritte, in der Hoffnung, den See zu sehen. Mir kommen ein paar Waldarbeiter entgegen, die etwas seltsam schauen, aber freundlich grüßen. Da der See auch nach einigen Minuten laufen nicht in Sicht kommt, kehre ich um. Ein bisschen was essen und Pause machen ist keine schlechte Idee. Die Waldarbeiter sind inzwischen verschwunden und ein Traktor hat den Schotter noch schön festgefahren, wofür ich mich mental bedanke. Nach der Pause fahre ich problemlos zurück, muss nur kurz anhalten, da der Traktor wieder
Nein, das ist nicht das Meer!
vor mir ist und den Weg ebnet.

Von Abenteuerlust gepackt mache ich mich auf die Suche nach dem Campingplatz. Auf dieser Weg ist als "ungeteert" eingezeichnet. Die Straße erweist sich als recht einfach zu fahren, aber es fängt an zu regnen und der Camping ist nirgendwo in Sicht.

Mißmutig krame ich das Regenzeug hervor und überlege, ob ich hier nun umdrehe, oder weiterfahre.

Als ich mich komplett angezogen habe, wird der Regen stärker. hm... hoffentlich wird das jetzt hier nicht rutschig... Conchita bringt mich mit gemütlichen 50 km/h problemlos weiter, es wird nicht rutschig, nur einmal muss ich Platz für einen LKW machen, der angedonnert kommt. Als ich ernsthaft über Umkehr nachdenke, taucht auf einmal der Campingplatz auf.
Fein! Es reicht jetzt auch mit der Fahrerei, ich bin müde, hungrig und möchte noch etwas herumlaufen.

Es ist kein Mensch an der Rezeption, aber eine Telefonnummer. Ok, erstmal gucken, welche Vorwahl Schweden hat. Ich rufe die Nummer an.

"Hello, I'm down at the camp site... can I put my tent anywhere...?" "Yes, and I will come and collect
Förbiden förbjuden!
the money lateron... or you can leave the money in the post box!" "hm, that is a problem, I don't have Swedish Crowns, only Euros..." "Ok, no problem, just put it in the box!"

Das ist ja toll hier! Ich stelle mein Zelt auf, aus der Erfahrung auf Fehmarn habe ich gelernt und ein System überlegt, wie ich alles im Sturm allein aufgebaut bekomme. Es stürmt nämlich immer noch, aber immerhin hat der Regen aufgehört. Bald habe ich geduscht, gegessen und mache mich auf den Weg an den See, der diesmal wirklich in der Nähe ist.

Same lake, different day...
Das Wasser in der Dusche riecht allerdings merkwürdig und die Küche mit der Frischwasserstelle ist verschlossen. Ich bereue, dass ich meine Wasservorräte nicht besser aufgefüllt habe...
 
Es weht wirklich gewaltig, aber die Abendstimmung ist toll und ich laufe ein ganzes Stück erst teilweise am Seeufer, dann durch den Wald. Birken stehen hier und es sieht richtig schön aus.

Hier gefällt es mir schon besser, als auf der langweiligen Straße! Ich streife eine gute Stunde herum, bevor mich die Müdigkeit wieder einholt. Conchita ist total verdreckt, sieht aber irgendwie glücklich aus. Mit den Gedanken an diesen ereignisreichen Tag schlafe ich bald tief und fest.

11.8.2016 Medhamn - Tyrsil, Norwegen


Als ich am nächsten Morgen aufwache, donnert es. och nö... der Sturm ist jetzt zwar weg, aber
Gewitter muss auch nicht sein...

Das Wetter kann auch anders!
Ich liege noch eine Weile im Schlafsack, bevor ich die Nase aus dem Zelt stecke und mich um mein Frühstück kümmere. Das Gewitter zieht zum Glück am Campingplatz vorbei und ich kann im trockenen packen.

Weil es jetzt so schön ist, gehe ich nochmal zum Seeufer und mache einige Fotos. Das sieht hier jetzt ganz anders aus und das Wasser ist auch nicht sonderlich kalt, so dass man baden könnte, wenn man wollte. Ich will jedoch weiter, Norwegen kommt näher und meinen Plan, noch etwas in Schweden zu bleiben, verwerfe ich wegen der langweiligen Fahrerei auf den geraden Straßen.
Ich will endlich Berge und Kurven!

Das Wetter meint es heute endlich mal richtig gut, Regen und Sturm sind weg und ich komme weiter voran. So langsam wird es hier auch schöner, immer mehr Seen tauchen auf und die Landschaft wird hügeliger. Um die Mittagszeit sitze ich eine Stunde auf einem Anleger an einem schwedischen See und genieße die Sonne. Leider habe ich mich nicht eingecremt und die Nase ist nach der Stunde ordentlich rot. Egal!

Ich fahre weiter und weiter und auf einmal... steht da dieses Schild...
Ich bin in Norwegen!
Endlich!

Genauso plötzlich wie das Schild aufgetaucht ist, wird die Straße kurviger, kleiner, schlechter, es wird endlich hügelig und ich muss mich beherrschen, nicht am Gashahn zu reißen. Übertreten des Geschwindigkeitslimits um 10 km/h kosten hier stolze 3000 NOK, das sind knapp 300 Euro... also sachte.


Da ich nicht ganz sicher bin, ob das Limit nun bei 80 oder 90 liegt, fahre ich immer irgendwas
So muss das!
dazwischen. Ich genieße jede Minute, die ich durch diese einsamen Weiten fahre. Nach den endlosen geraden Straßen in Dänemark und Schweden ist das das Paradies. Teilweise sind die Straßen richtige Buckelpisten, aber das bügelt Conchitas Fahrwerk einfach weg. Sie schnurrt wie ein Kätzchen und ich singe unter dem Helm irgendwelche sinnlosen Sachen, einfach weil es nur schön und perfekt ist. So habe ich mir das vorgestellt!

Als Ziel für heute hatte ich mir Tyrsil ausgesucht. Ich steuere irgendwann gegen Abend den Campingplatz an, der sehr idyllisch an einem Flussufer liegt.

Ich parke Conchita und gehe zum Empfang, da hängt ein Schild, dass man wieder irgendwo anrufen
soll, wenn keiner da ist. Als ich mein Handy hervorgekramt und eingeschaltet habe und noch drauf warte, dass es endlich betriebsbereit ist, kommt schon eine lächelende Frau angelaufen und streckt mir die Hand entgegen. Wir begrüßen uns und sie nimmt mich mit zur Rezeption.

"Ok, we have a room in the big building, a cabin... and..."
"Oh no, I have a tent!"
"I hope you brought a good sleeping bag! We had three degrees last night!"
oha.
Aber ich habe meine Daunenjacke und das Seideninlett dabei, sollte alles klappen.

Dass ich noch keine Kronen habe, ist kein Problem, ich zahle (wie in diesem Urlaub sehr oft) mit
Kreditkarte. "You can put your tent anywhere you like, but the best place is down there close to the river. Just see, if you can get your bike down there!" Ich schaue mir das an, fahre Conchita runter und stelle mein Zelt auf. Im Preis für den Camping ist kostenloses Internet enthalten, eine Sache, die man auf norwegischen Campings fast immer hat.

Ich gehe jetzt erstmal duschen und kippe im Sanitärtrakt fast hintüber. Die Dusche ist wie im Hotel, alles ist supermodern, Fußbodenheizung, tiptop sauber. Wahnsinn!

Was ich an Norwegen sehr liebe ist, dass man Wohngebäude oder auch Sanitärgebäude/Duschen nicht mit Dreckschuhen betritt. Damit hat man schon mal keine "knirschig-sandig-oder-sonstwie-verdereckte-Bodenmomente". Ich genieße die heiße Dusche und den Platz. 

Danach mache ich mich auf den Weg zu einem kleinen Spaziergang in den nahe gelegenen Wald.
ooooh.. hier vergesse ich mich fast! Alles ist voll mit Blaubeeren, die gelegentlichen Preiselbeeren sind auch dabei und ich stopfe mich voll damit. Später finde ich noch massig Himbeeren. Einziges Problem ist, dass man jede Beere (naja fast) mit einem Mückenstich bezahlt, denn der Wald ist auch voll mit Stechmücken... ok, ich war gewarnt, aber ratet, was ich nicht dabei hatte...? Mückenspray! Egal, muss ich halt durch. Ich kenne das schon von Schottland, wenn man sich bewegt, ist die Stichfrequenz geringer.

Also eine Handvoll Beeren pflücken, in den Mund stopfen und weiter, bevor die Mücken einen
entdecken. So laufe ich eine Stunde durch den Wald, mache Bilder, frage mich, ob es wilde Tiere gibt, überquere eine Brücke über einen Wasserfall und komme im Bogen langsam wieder nach unten in Richtung Campingplatz. Hier schaue ich mich auch noch etwas um, sitze in der Sonne am Wasser und lasse den Tag Revue passieren. Auf dem Rückweg zum Zelt komme ich an einem Thermometer vorbei und weil ich es echt warm finde, schaue ich auf die angezeigte Temperatur. 11 Grad! Wie schnell man sich umgewöhnen kann.

Mit Blick auf die angekündigte kalte Nacht rolle ich mich im Zelt fest in den Schlafsack und bin schon bald eingeschlafen.

Fortsetzung folgt...



















Mittwoch, 13. Juli 2016

Wochenendausflug ins Allgäu

Jetzt ist es doch endlich mal etwas sommerlicher geworden und ich habe letzte Woche spontan beschlossen, über das Wochenende wegzufahren. Diesmal zur Abwechslung allein, muss auch mal wieder sein. Die ganze Woche über konnte ich mich nicht recht entscheiden, ob Frankreich, Schweiz oder Allgäu/Vorarlberg. Erst am Donnerstag fiel der Würfel und ich entschied mich, ins Allgäu zu fahren.

Freitag nach der Arbeit bin ich direkt in den Sattel gesprungen, Conchita hatte ich Donnerstag halbwegs geputzt, der Dreck von der Reise an den Iseosee war noch drauf. Und eigentlich wollte ich vorher Öl wechseln und eigentlich kam dann wieder alles anders, weshalb ich mit ungewechseltem Öl losfuhr und einer ungespannten Kette, weil ich die verdammte Achsmutter nicht los bekam. Auch nicht mit beherztem Tritt auf die Ratsche, oder draufstellen auf den Hebel, es war nichts zu machen. Ich hatte ein bisschen schlechtes Gewissen, aber da musste Conchita eben jetzt durch.

Es war ziemlich interessant, einige Streckenteile nochmals zu fahren, die ich 2012 in meinem ersten
Motorradurlaub und mit einem knappen Jahr Fahrerfahrung das erste Mal bereist hatte. Die Kehren auf der Scheidegg entlockten mir nur ein Gähnen und auch sonst... aber zwischen diesen Touren liegen 4 Jahre und ungefähr 70.000 km Fahrpraxis. Ja, unglaublich, dieses Jahr, wenn Conchita ihre ersten 100.000 Kilometer runter hat, werde ich plus/minus gleichziehen.

Freitag bin ich über die Spirzen flott nach oben gekurvt, habe Conchita durch das Jostal gejagt und bin dann in einer Mischung aus großen und kleinen Straßen am Bodensee entlang über Lindau nach Aach in der Nähe von Oberstaufen gefahren. Ich liebe meine Twin, auch wenn ihre gemütlichen 60 PS einen manchmal etwas einschränken, ich würde jederzeit wieder eine kaufen. Naja, eigentlich habe ich sie ja nur gekauft, weil man von einer Twin herunter besonders huldvoll winken kann, auf so einem kleinen Joghurtbecher sieht das  einfach nicht so elegant aus.

Ich hatte mir einen kleinen Campingplatz bei Aach ausgesucht, der sich als richtig tolle Wahl herausstellte. Es stehen zwar fast nur Dauercamper herum, aber die Platzbetreiber sind total nett, die anderen Camper waren alle sehr entspannt und für 2 Nächte habe ich sagenhafte 12 Euro für mich, mein Zelt und mein Motorrad bezahlt.

Freitag habe ich nach meiner Tour nicht mehr viel gemacht, es war sehr anstrengend und schweißtreibend am Bodensee und ich war froh, in Eriskirch im Einkaufszentrum erstmal zwei Flaschen Wasser, etwas fürs Frühstück, ein Eis und einen Kaffee zu holen. Danach ging es mir sehr viel besser. Den restlichen Abend in Aach verbrachte ich nach einem kleinen Spaziergang auf einem Hügel und schaute mir die Wolken an. Nach der heißen Anreise und dem Arbeitstag bin ich rasch in meinem Zelt verschwunden und habe tief und fest geschlafen. Das kürzlich gekaufte Seideninlett war in der Nacht schon fast zu warm im Schlafsack, aber es braucht kaum Platz und wiegt nichts, also rein in die Taschen damit.

In der Nacht zum Samstag und am Samstagmorgen regnete es erst leicht, dann immer mehr. Als ich aus dem Zelt kroch, war es draußen ziemlich finster, mit einigen kleinen Lichtblicken. Leider waren die Lichtblicke nicht da, wo ich meine Tour starten wollte, Richtung Berge sah es eher finster aus. Aber gut, erstmal Brötchen holen und Tee machen, dann weitersehen. Die nette Campingplatzbetreiberin kommentierte das Wetter auch leicht genervt. Ich beschloss, meine Taschen mitzunehmen und warf dort die Regensachen und eine Wasservorrat rein, man weiß ja nie. Gegen 9 Uhr brach ich auf und fuhr einfach Richtung "schwarze Wolken", das würde sich schon auflösen!

Ich fuhr erstmal los über Balderschwang und den Riedbergpass, an dem auch dieses Mal wieder eine Baustelle war. Damals haben mir die Schotterpassagen und der aufgeschnittene Asphalt noch den Schweiß auf die Stirn getrieben, diesmal nervte mich eher ein Bus, der langsam vor mir herkroch und mir seine Abgase ins Gesicht blies. Eigentlich wollte ich nicht über den Oberjochpass fahren, aber dann landete ich doch dort und kroch hinter dem Verkehr her. Irgendwann überholte mich eine ganze Truppe Joghurtbecherfahrer aus Dornbirn, wobei die auch nicht viel früher als ich auf dem Pass waren.

Oberjochpass
Auf dem Parkplatz oben wartete auf die jungen Herrschaften erstmal die Rennleitung, die sich ihre Mopeds genau ansah. Für mich und meine alte Twin interessierte sich dagegen kein Schwein, so dass ich erstmal gemütlich zum Aussichtspunkt gehen, Fotos machen und einen Kaffee trinken konnte.

Als ich zurückkam, waren die jungen Herrschaften immer noch mit Reviermarkieren, Sprüche klopfen und pinkeln beschäftigt. Derweil waren noch zwei junge Enduristen auf dem Pass angekommen, der eine kriegte feuchte Augen, als er mich auf drt Twin vom Pass runterfahren sah. Es gibt eben noch junge Menschen mit Geschmack ;-)

Namloser Tal
Das schöne und ziemliche leere Tannheimer Tal durchquerte ich weiter nach Reute und von dort aus ging es Richtung Namloser Tal. Hier war ich damals nach meiner nassen Abfahrt vom Hahntennjoch vorbeigekommen, diesmal sah es auch nach dort noch finster aus, weshalb ich das Namloser Tal vorzog. Hier war etwas weniger Verkehr, es kamen hauptsächlich Motorradfahrer vorbei, Autos habe ich dort kaum gesehen.

Da ich etwas verplant gefahren war, musste ich den Weg durch Reute zum zweiten Mal fahren, danach ging es sehr zügig das Lechtal entlang bis nach Warth. Der Verkehr war schon Wahnsinn. Ich dachte mir unterwegs, dass Frankreich wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen wäre. Das Wetter hielt sich ganz gut und es wurde tendenziell sonniger und wärmer, nur weiter oben war es mal etwas ungemütlich, so dass ich die Griffheizung kurz einschalten musste. Ich hatte nur die dünnen Sommerhandschuhe dabei und da wird es mitunter schon mal frisch an den Fingern.

Auf meiner Samstagtour habe ich einige andere Twins gesehen, man winkt sich dann immer besonders freudig zu. Oh, eine RD04, ach, eine RD07, und die da hat die Rallyelackierung, die ich so gerne gehabt hätte, wie lackiere ich Conchita eigentlich mal um..? Den einen Twin-Fahrer, der im Lechtal hinter mir herfuhr, konnte ich leider nicht zu einem Wettrennen verleiten. Er hielt sich immer in respektvollem Abstand. Die weiten Kurven brachten mich dazu, den Gashahn etwas weiter aufzureißen, und mich dem Schwung hinzugeben. An Tagen, wo es besonders gut läuft, fühlt sich das wie ein schwereloser Tanz an, so um die Kurven zu fliegen.

In Andelsbuch wartete wieder eine größere Baustelle, hier mit Grobschotterpassagen. Das macht mir
inzwischen richtig Spaß, weniger Spaß machen allerdings die Autofahrer, die mit gefühlten 10 km/h vor einem herkriechen und die Fahrerei anstrengend werden lassen. Der aufgewirbelte Staub in Verbindung mit ziemlich heißen Temperaturen war dann nicht so schön, denn es gab nur die Wahl zwischen zu heiß, aber ohne Staub, oder etwas kühler, dafür Dreck ins Gesicht. Zum Glück war das rasch geschafft und ich fuhr weiter Richtung "Bödele", wo ich mir eine Kaffeepause gönnte und die Aussicht genoss. Da es noch früh am Tag war, entschied ich mich, einen Teil zurück zu fahren und noch eine kleine Straße als Abschluss unter die Räder zu nehmen. Auf das Furkajoch und die Faschina hatte ich bei dem Verkehr dann doch keine Lust mehr.
Bödele

Bei Reuthe gibt es eine Ministraße, die rüber nach Schnepfau führt. Hier hatte ich an ein, zwei Stellen schon
etwas zu tun, Conchita um die wirklich engen Ecken zu bringen. Es gab auch noch Gegenverkehr, weshalb man doch recht konzentriert fahren musste. Alles in allem hatte sich der Abstecher aber gelohnt, denn es gab schöne Ausblicke zu genießen. In Schnepfau unten angekommen kam mir eine riesige Truppe Harleys entgegen, von denen die meisten schon unten im Ort Probleme hatten, das Motorrad um die Ecke zu bekommen. Ich musste aufpassen, dass mir keiner reinfährt und fragte mich, wie die sich auf dieser kleinen Straße überhaupt bewegen könnten. Danach trat ich so langsam den Rückweg an, stoppte aber noch an einem Parkplatz mit sehr schöner Aussicht. Ich musste etwas essen und trinken, die Temperaturen und der heiße Wind hatten meiner Konzentration ziemlich zugesetzt.

Kaum saß ich auf der Bank, kamen auch schon zwei junge Männer in einem Sportwagen und hielten an. Vor
dieser imposanten Kulisse wollten sie sich und das Auto natürlich in Szene setzen. Keine zwei Minuten, nachdem sie weg waren, kam schon das nächste Auto und hielt. Ehrlich gesagt genieße ich die Einsamkeit doch mehr, als so einen Betrieb, aber gut, Samstag bei gutem Wetter ist es einfach überall voll. Ich beschloss nun endgültig zum Campingplatz zurück zu fahren und den Abend ausklingen zu lassen.
35 Sekunden Einsamkeit...

Auf dem Camping angekommen, brauchte ich erstmal eine Dusche und dann wollte ich eigentlich im Campingrestaurant etwas essen, aber da war geschlossen. Also machte ich noch einen kleinen Spaziergang in den Wald. Am Abend vorher hatte ich einen kleinen Bach entdeckt und wollte nun etwas weiter nach oben laufen. Auf dem Weg hoch kamen mir zwei Jungs auf einem Roller entgegen. Ich hatte bei dem Weg schon die ganze Zeit überlegt, ob ich mich sowas mit der Twin trauen würde. Es war teilweise schotterig, teilweise sehr steil und weiter oben gab es Steine und ausgewaschene Passagen. Das hätte ich mir wohl nicht gegeben. Offenbar war die Straße aber ganz offiziell nicht nur ein Wanderweg, denn weiter oben standen einige Wochenendhäuschen und es gab auch einen Bauernhof. Irgendwie mussten die ja da raufgekommen sein.

Angesichts der heftigen Temperaturen in der Sonne kehrte ich dann wieder um und ging den Waldweg nach unten zurück. Ich setzte mich auf eine Bank und genoss den Sonnenuntergang, dachte über die Rückfahrt nach und darüber, dass man nicht weit weg muss, um einen gewissen "Tapetenwechseleffekt" zu haben.

Der Sonntag begann um 6 Uhr mit ausdauerndem Gebimmel der Dorfkirche und um 1/2 7 konnte man
bereits die ersten Motorradfahrer hören. Hätte ich nicht noch meine Rechnung zu begleichen gehabt und Brötchen bestellt, wäre ich vermutlich auch um 1/2 8 auf der Piste gewesen. So ging ich erstmal duschen, packte in Ruhe meine Sachen zusammen und holte irgendwann mein Frühstück ab. Gegen 9 Uhr ging es dann los. Ich wollte mich unterwegs noch mit Werner treffen, der seinem Zebra eine Gabelrevision, neues Öl, einen Satz Heidenaus und frische Kerzen verpasst hatte und Samstagabend noch nicht genau wusste, wann er losfahren würde.

Da am Sonntag der Ausflugsverkehr um den Bodensee ziemlich schlimm sein würde, umfuhr ich die Region großzügig über Ravensburg und Salem. Gegen 12.30 Uhr war ich in Engen. Ich wollte auf alle Fälle noch zu Café Huber, und dort einen Kaffee trinken. Diesmal habe ich einen Eisbecher probiert (Brownie-Becher), der genauso lecker war, wie die Kuchen und konnte erfrischt und gestärkt hach Bräunlingen weiterfahren.

Bavaria Twin
Dort wartete ich auf Werner, der sich die B31 hochgequält hatte und eine gute halbe Stunde nach mir eintraf. Gut gelaunt und gestärkt fuhren wir zusammen weiter nach Sulzburg, um dort einen anderen Stammtischkumpel und seine Freundin auf dem Camping zu besuchen. Auf dem Weg nach unten durch das Münstertal war dann wieder kriechen angesagt, viel Verkehr, ein Bus und die Temperaturen machten das Fahren anstrengend. Auf dem Camping angekommen wurden wir schon erwartet und verbrachten einen netten Spätnachmittag. Werner zeigte mir danach noch einen jüdischen Friedhof bei dem anderen Campingplatz in Sulzburg. Nachdem wir mit vereinten Kräften Conchitas Kette in Werners Hof gespannt hatten, endete meine Tour müde, verschwitzt, aber glücklich zuhause.