Montag, 17. Juli 2017

Herz am Montag - Waldbrettspiel im Einsatz

Donautal bei Beuron
Trotz eher suboptiomalen Wetters am Freitag bin ich am späten Nachmittag doch noch aufgebrochen. Ich hatte diesmal überhaupt nichts geplant, sondern wollte einfach dorthin fahren, wo es gerade nicht regnet. Als erstes sah es nach Norden gut aus, aber bei genauerem Hinsehen war es doch grau, weshalb ich Conchitas Nase auf die übliche Hausstrecke die Spirzen hoch drehte. Nach dem Motto "erstmal hoch und schauen, wie es oben aussieht".

Oben beschloss ich dann kurzerhand weiter Richtung Osten zu fahren und mich grob in den Hegau zu orientieren. Ich war ziemlich schnell in Engen, entschied mich aber wieder um, weil ich da schon so oft war... Also Richtung Tuttlingen weiter und ins Donautal, da wird schon ein Camping kommen und wenn nicht, kenne ich in Fridingen ein Bikerhotel. Tja, in Fridingen war das Hotel zu und ich fuhr weiter nach Beuron. Immer noch kein Camping weit und breit, die Sonne nähert sich langsam dem Horizont.

Drehen wir halt wieder und fahren Richtung Westen zurück, notfalls doch wieder heim und morgen frisch erholt los. Immerhin bin ich seit vor 6 auf den Beinen und sitze jetzt auch schon wieder mehrere Stunden im Sattel. Kurz vor Donaueschingen finde ich in Pfohren einen Campingplatz. Das hätte ich auch einfach haben können!

Also jetzt fix das Zelt aufbauen, bisschen was trinken und essen und dann krieche ich auch schon platt in den leider zu dünnen Sommerschlafsack. Mit drei Schichten Merino, Seideninlet, Reisedecke und Mopedjacke ist die Nacht dann doch angenehm und auf dem Zeltplatz kehrt früh Ruhe ein.

Am nächsten Morgen krieche ich zeitig aus dem Schlafsack, dusche ausführlich und sattle Conchita mit ungewissem Ziel. Grob Richtung Donautal und dann mal schauen, das ist der Plan. Oder halt da, wo das Wetter gut aussieht. Es ist recht frisch und der Entschluss, nur mit T-Shirt und den Sommerhandschuhen zu fahren, ist in den ersten Stunden nicht so toll. In Fridingen entdecke ich eine Bäckerei und mache Halt, um zu frühstücken. Ich habe ja schon letztes Jahr im Urlaub beschlossen, kein Kochgeraffel mehr mitzuschleppen und schon gar nicht für ein Wochenende. Einen Kaffee und irgendwas zu essen treibt man immer wo auf.

Also rein in die Bäckerei.
Auf meine Frage, ob sie Frühstück haben, sieht mich die Dame ratlos an und meint, ich könnte mir was aus der Theke bestellen.
Ok.
Ich bestelle einen Milchkaffee und dann hätte ich gerne ein belegtes Baguettebrötchen mit Camembert.
Ja, ne, Camembert ist nicht, ich kann ein Brötchen mit Salami und Camembert haben.
Nein, das möchte ich nicht.
Wir diskutieren hin und her, bis der Dame einfällt, dass sie ja anderen Käse hat, den sie mir aufs Brot legen könnte.
Na bitte, geht doch!

Während ich auf mein Brötchen warte, kommen mehrere Leute in die Bäckerei. Zwei Schweizer Radfahrer bestellen auch Frühstück und ich bin sehr gespannt, was jetzt kommt. Aha, offenbar ist inzwischen der Groschen gefallen und man kann hier also auch Butter bekommen und sich sein Brot selbst machen.... ich kaue derweil auf meiner Laugenstange und trinke meinen Kaffee.

Wegezoll an der historischen Brücke Beuron
Besonders organisiert ist die Dame hinter der Theke nicht, ich sehe imaginäre Schweißperlen auf ihrer Stirn, als der Laden auf einmal schlagartig voller wird. Nun ja, lasse ich sie mal machen und warte mit dem Zahlen, bis sie mit allen fertig ist. Ich habe Zeit, der Samstag ist noch jung, es ist vor neun Uhr. Nachdem der Andrang besiegt ist, zahle ich meine beiden Sachen und fahre weiter.

Es ist immer noch reichlich frisch, dafür habe ich die Straße praktisch für mich allein. Bei dem nicht so optimalen Wetter hält sich der Ausflugsverkehr in Grenzen und so kurve ich fröhlich nach Beuron. Hier war ich vor vielen Jahren schon einmal mit der CBF, allerdings war es da heiß und ich hätte gerne die Füße in die Donau gesteckt. Heute gehe ich hoch zum Kloster. Ich lasse die Stille auf mich wirken und gehe in die Klosterkirche. Meine Spiegelreflex lasse ich hier aus, denn das Geklapper vom Spiegel empfinde ich in der Stille störend. Ich lasse die Stille und Kühle auf mich wirken. Hier ist es noch leer, außer mir sind vielleicht noch drei andere Leute im Raum. Einen Moment, als sich mehrere Leute in der Seitenkappelle zum beten niederlassen, ist es wirklich komplett still. Man hört ganz leise das Zwitschern der Vögel draußen. Ich bin nicht religiös, aber ich mag die Stille in Klöstern und Kirchen, das macht mich immer selbst ganz ruhig und bringt mich "zur Besinnung".

Altstadt Engen
Als ich aus der Kirche komme, ist draußen schon ein ganzer Trupp Leute angekommen, die offenbar zu einer Führung in die Kirche gehen. Da habe ich ja nochmal Glück gehabt!

Ich merke in der letzten Zeit immer mehr, wie sehr ich Stille brauche und wie sehr mich Lärm und zuviele Menschen stressen. Das mit dem Lärm klingt ein bisschen paradox, weil das Motorrad auch laut ist, aber wenn ich drauf sitze, ist der innere Lärm komplett verschwunden.

Von Beuron aus fahre ich kreuz und quer zwischen Donautal und Schwäbischer Alb herum. Ich genieße die weitgehend leeren Strecken, die  schöne Landschaft und halte immer ein Auge auf das Wetter gerichtet.

An einer Stelle kommt ein Schild "In 500 m Samstag/Sonntag für Motorräder gesperrt". Ich denke mir, dass ich das Schild einfach mal nicht sehe, notfalls schiebe ich die Streckenwahl auf mein (nicht vorhandenes) Navi und meine mangelende Ortskenntnis. Passt schon! Naja, ich lande dann wirklich auf einer schönen Strecke und zuckele brav hinter den Autos her. Mal sehen, ob mich jemand anhält, rauswinkt, oder die Rennleitung informiert. Am Ende der Strecke ist genau gar nichts passiert und ich kurve fröhlich weiter der Nase nach.

Auf dem Witthoh
Richtung Albstadt sieht es sehr finster aus, weshalb ich Conchita wieder Richtung Beuron leite. Dort werde ich Pause machen und die Karte konsultieren, wo wir danach hinfahren wollen. In Beuron esse ich die interessantesten vegetarischen Maultaschen meines Lebens (frittiert...) in Kombination mit Kartoffelsalat. Ja, kann man essen, muss man aber nicht. Da ich Hunger habe, esse ich alles ratzeputz auf. Bald sind Conchita und ich wieder unterwegs, diesmal Richtung Hegau.

Der Tag ist noch jung und weiter Richtung Alb sieht das Wetter nicht so prall aus. Gegen späteren Nachmittag sitze ich im Café Huber und lasse mir einen noch warmen Johannisbeerkuchen und einen Chai Latte schmecken. Inzwischen ist auch die Sonne richtig rausgekommen und ich beschließe, nochmal auf den Witthoh zu fahren, um dort ein paar Bilder zu machen. Oben angekommen verspreche ich Conchita, im Herbst nochmal herzukommen und in dem gemütlichen Gasthof zu schlafen, diesmal mit Planung und Organisation!
Donauversickerung

Nach dem Witthoh zirkeln wir weiter auf und ab und ich lenke unsere Tour zur Donauversickerung (richtig heißt es "Donauversinkung") bei Immendingen. Hier bin ich schon ein paar Mal vorbeigekommen, habe aber nie gestoppt.

Heute ändere ich das!

Ich parke Conchita und laufe die paar Schritte nach unten zum Flussbett. "Premium-Weg" steht auf dem Schild, soll heißen, dass hier wirklich jeder runterkommt. Bald stehe ich unten im Flußbett. Das ist schon ein interessantes Gefühl, hier auf dem Grund der Donau zu stehen und keine naßen Füße zu bekommen! Die Donau führt an dieser Stelle hauptsächlich im Winter Wasser. Ein Schild klärt über die Wasserstreitigkeiten zwischen verschiedenen Gemeinden auf. Ich laufe ein ganzes Stück im Flußbett entlang, treffe aber neben üppiger Vegetation hauptsächlich auf gefräßige Mücken.


Der Donau auf den Grund gehen...
Eine kleine Stimme in mir sagte "Wow, Singletrail! Flußdurchfahrt!" Während eine andere der kleinen Stimme auf die Finger klopft und sagt "Gib nicht so an, würdest Du mit der Twin nie machen!". Was ja auch stimmt. Ich genieße die Stimmung und den kleinen Spaziergang. Heute zahlt es sich aus, dass es nicht so heiß ist und ich nicht wie Darth Vader durch die Vegetation stampfe und dabei schnorchend in meinen Helm atme.

An der Stelle der Furt sind ein paar große Steine aufgeschichtet, ich denke, dass sie da sicherlich aus dem oben genannten Grund liegen (wilde Enduristen...). Hier sind einige Schmetterlinge, die an der verbliebenen feuchten Stelle trinken. Ich setze mich in die Sonne und schaue ihnen zu.

Waldbrettspiel beim trinken
Nach einer Weile gesellt sich noch ein größerer, brauner Schmetterling dazu. Weil ausgerechnet jetzt ein Radfahrer durch das Flußbett fährt, fliegen die Schmetterlinge davon. Ich warte eine Weile und halte die Kamera im Anschlag. Der große, braune Schmetterling lässt sich von mir nicht stören und ich kann ihn ganz in Ruhe beim trinken fotografieren. Und wie es so will hat er zwei hübsche Herzen auf seinen Flügeln.

Ich sitze eine ganze Weile hier und schaue den Schmetterlingen zu, genieße die Sonne und dass ich an diesem Tag schon wahnsinnig viel gesehen habe, aber trotzdem noch Zeit zum trödeln ist.

Nach einer Weile beschließe ich, den Tag nun ausklingen zu lassen und fahre zum Campingplatz zurück. Nachdem ich mich halbwegs präsentabel gemacht habe, gehe ich mit meiner Kamera bewaffnet noch eine Weile spazieren.

Es ist doch schon richtig Hochsommer, die Zeit rennt dahin! Das Getreide reift schon und auf einer
Wiese sehe ich eine riesige Gruppe Gänse, die sich zum schlafen versammeln. Die werden hoffentlich noch nicht wegziehen!?! Bald werde ich müde und mit Sonnenuntergang verziehe ich mich in mein Zelt.

Nach einer recht unruhigen und kühlen Nacht packe ich früh meine Sachen und bin schon vor acht Uhr wieder on the road. Ich liebe es, sonntags so früh unterwegs zu sein, denn da sind die Straßen leer, die Luft ist frisch und der Tag fühlt sich herrlich unverbraucht an.

Was tun? Noch ein bisschen herumfahren, oder nach Hause? In Bräunlingen frühstücke ich und ziehe dann noch ein paar Kreise, bevor ich Conchita nach Hause lenke. Um 11:30 bin ich - lange vor den Sonntagsfahrern - zuhause, das Zelt liegt zum trocknen auf dem Balkon und ich koche mir einen Tee, sortiere Fotos und Eindrücke.

Mehr Herzen gibt es bei den Fredissimas.

Freitag, 30. Juni 2017

Monatsimpressionen Juni

oh Mann, die Zeit rast wirklich dahin, kann mal jemand auf die Bremse treten?

Am zweiten Juni-Wochenende heirateten Freunde von mir. Ich hatte mich als Hoffotografin angedient und zusätzlich für das Nachtischbuffett Cupcakes gebacken.

Das Backen lässt mich tatsächlich nicht los und ich verbessere mich von Mal zu Mal. Für die Hochzeit hatte ich vier Sorten Cupcakes gebacken: Vanillecupcakes mit Mascarpone-Frosting und Erdbeersauce, Holunder-Limette-Cupcakes, Rosencupcakes und Banencupcakes mit Frischkäsetopping und selbstgemachter Karamellsauce. Weil es an dem Wochenende heiß war, musste ich mir etwas für die Kühlung überlegen, denn die Zeremonie und der Sektempfang würden ja länger dauern, Kühlschrank nicht in Sicht.

Ich habe Donnerstag den Backmarathon eingelegt und Freitag im Akkord Frosting gerührt und Dekoration vorbereitet. Zum Glück hatte ich drei große Tortenboxen und jede Menge Cupcake-Becher bestellt.

Als alles fertig war, lief mein Kühlschrank auf Hochtouren und war gerammelt voll. Am Samstag dann habe ich alles in eine große Plastikkiste gepackt, Eiswürfel drunter, Kühlelemente daneben, einen Karton in eine Tiefkühltasche gepackt und gehofft, dass nichts zerläuft. Die Cupcakes kamen unbeschadet an und die Gäste waren begeistert.

Da ich noch nie auf einer Hochzeit Fotos gemacht hatte, war ich auch etwas aufgeregt. Draußen, vor der Weinerei habe ich einen alten Ledersessel gefunden, in dem ich die Gäste dann mit diversen Accessoires posieren ließ. Ich glaube, dass alle sehr viel Spaß hatten. Es war ein wunderschönes Fest und sowohl Essen als auch Programm ließen nichts zu wünschen übrig. Dem glücklichen Paar wünsche ich eine wundervolle und erfüllte Zukunft, ihr macht das gut!

Das zweite Event war die Burg. Naja, dieses Jahr habe ich uns zielsicher auf den letzten Platz
geführt... scheinbar hat das dem Spaß trotzdem keinen Abbruch getan. Es war ein schönes, inspirierendes und lustiges Wochenende und ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

So langsam rückt der Sommerurlaub näher und ich habe mein Ziel bereits eingekreist. Es wird nach Slowenien geht, die Straßenkarten sind schon bestellt. Vielleicht treffe ich mich unterwegs mit Frau zuse, oder ich gucke mal im Forum, ob irgendwer die gleiche Route hat. Es bereitet mir wirklich viel Spaß, mit anderen zu fahren, auch wenn ich trotzdem zuhause meist allein unterwegs bin.

Jetzt bin ich aber erstmal gespannt, was der Juli so bringen wird.
Mehr Monatsimpressionen gibt es bei den Fredissimas.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Burg 2017 - Hochmut kommt vor dem Fall

Inzwischen ist sie schon ein paar Tage her, die "Burg" und natürlich gibt es auch dieses Jahr einiges zu erzählen.

Ich bin von diesesm Wochenende erfrischt und inspiriert nach Hause gekommen. Naja, erfrischt eher an Geist als an Körper, so einige Tage Nachurlaub zum ausschlafen wären irgendwie nicht schlecht und die Hitze im Moment trägt auch nicht gerade zu meiner Höchstform bei.

Donnerstag, 15.06.2017

Bereits einige Tage vor der Burg erreichte mich von Christoph eine whatsapp, dass er schon total aufgeregt wäre und sich freut. Ich fragte daraufhin, ob ich den Baldriantee einpacken sollte, oder ob er es auch ohne hinkriegt. Christoph hatte dann eine Flasche Beruhigungswhisky für uns eingepackt und - soweit ich es beurteilen kann - die Burg ohne größere Schäden an Geist und Körper überstanden.

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal auf der Burg und natürlich auch aufgeregt. Wenn ich so an meinen Anfang mit dem Motorrad zurückdenke, hat sich schon einiges verändert, wenn ich mit anderen Fahrern zusammentreffe. Auf meinen allerersten Touren waren die Zusammentreffen immer mehr der Art, dass man mir ungefragt alle möglichen Tipps gab und ich mich danach noch unsicherer fühlte. Jetzt ist es so, dass ich mich mit anderen Fahrern eher auf Augenhöhe fühle. Ganz zu Beginn meiner Motorradkarriere hätte ich mich gar nicht auf so ein Treffen getraut, ganz allein unter "Profis" zu sein, das machte mir Angst. Aber die Erfahrung relativiert doch vieles und inzwischen fühlt sich so ein Event wie die Burg wie eine Art von "Nachhausekommen" an. Es ist eine andere Welt als der Alltag und tatsächlich stellt sich so etwas wie ein Familiengefühl ein.

Christoph kam am Donnerstag bei mir vorbei und gemeinsam brachen wir auf, um an der Raststätte Renchtal Richard, Stefan und Urs einzusammeln. Ein wenig später gesellte sich noch Thomas zu uns. Bis Kronau fuhren wir auf der Autobahn und den Rest des Weges dann recht zügig und ohne größere Stopps über Land. Hier merke ich schon, dass sich bei mir viel getan hat in den letzten drei Jahren, seit ich Conchita fahre. Ich komme auch mit flotterem Tempo gut zurecht und habe selten das Gefühl, dass es mir jetzt doch zuviel wird oder zu schnell.

Gegen späten Nachmittag erreichten wir die Burg, checkten ein und stellten unsere Zelte auf. Wir hatten diesmal einen Platz relativ nahe am Burgtor, der allerdings reichlich schief war, so dass wir suchen mussten, wo wir die Zelte nun hinstellen. Weil sich Jörg später zu uns gesellen wollte, konnten wir die Parzelle auch nicht mit Franky teilen, der als Nachzügler noch einen Platz für seine Bleibe suchte.

Bald war auch Uli,  unser Teammitglied vom letzten Jahr gefunden und wir saßen rasch mit Essen und Getränk versorgt zusammen und tauschten uns über alles mögliche aus. Weil der Tag nun doch recht lang und die Anreise heiß war, haben wir uns bald in die Zelte verzogen.

Freitag, 16.06.2017

Erstaunlicherweise hatte ich die erste Nacht im Zelt wunderbar geschlafen, was vielleicht auch an Christophs Famous Grouse lag. Allerdings hatten einige Leute sich um 5 Uhr bereits lautstark unterhalten, so dass die Nacht nicht so wahnsinnig lang war.

Gegen 1/2 8 schlurfte ich geduscht und halbwegs wach zum Frühstück, um dort auf Thomas zu treffen, der schon putzmunter war. Die restliche Truppe gesellte sich dann nach und nach dazu und wir trödelten genüßlich herum, um dann gegen 10 Uhr zu viert zur Roadbooktour aufzubrechen.Ich fahre ja ganz gerne vorn und dachte mir, dass ich so nochmal für den "Ernstfall" am Samstag üben könnte. Uli wollte etwas auf eigene Faust unternehmen.

Die Tour war wirklich schön, alles klappte wie am Schnürchen. Da Conchita nach dem letzten Reifenwechsel vorne unter häufiger Luftinkontinenz leidet, haben wir nach ungefähr 50 km einen Tank- und Luftstopp eingelegt. Es war noch relativ früh, und der Einkehrvorschlag - die "Bayerische Schanze" - schon recht nah, weshalb ich in die Runde fragte, ob wir das auslassen sollten. Die einhellige Meinung war "mal anschauen". Unsere Tour führte nun auf einen unbefestigten Wirtschaftsweg, davor musste wir noch einen Hindernisparcours absolvieren. Mitten auf der Einfahrt zu diesem Weg stand eine ziemliche große Gruppe von der Knieschleiferfraktion und einige davon hatten mitten auf dem Weg geparkt. Es gab einige große Augen, als nach und nach lauter alte Africa Twins in den Weg einbogen und weiter hinten beeindruckende Staubfahnen hinter sich herzogen.

Vor uns fuhren zwei andere Twins, der hintere Fahrer wirkte etwas unsicher, weshalb ich Abstand hielt. Der Staub war auch beachtlich und das Visier musste trotz Wärme geschlossen bleiben. Der feine Schotter macht mir nichts aus, ich habe gemerkt, dass ich das ganz gut hinbekomme und auch keine Momente habe, in denen ich auf Conchita erstarre. Außerdem hatte ich frische Reifen drauf, was auch noch etwas ausgemacht haben dürfte. Unterm Strich wäre ich gerne schneller gefahren...

Als wir aus dem Wald herauskamen, wurde hinter mir gehustet, gekeucht und Staub abgeklopft. Wir sahen alle leicht gepudert aus und die Twins waren - wie wie auch - von einer Staubschicht überzogen. Bei der Einkehr in der Bayerischen Schanze konnten wir den Staub aber aus den Kehlen spülen und uns stärken. Irgendwie hatten dann doch alle Hunger, obwohl die Tour noch nicht so lang gewesen war.

Frisch gestärkt ging es dann weiter durch schöne, hügelige Landschaften und verträumte, kleine Dörfer und Ortschaften. Es lief alles super, bis ich an einer Stelle den unteren Teil des Roadbooks aus der Klammer lösen musste, um den weiteren Streckenverlauf lesen zu können. Es war inzwischen einiger Wind aufgekommen und nach zwei heftigen Böen verabschiedete sich das Roadbook auf Nimmerwiedersehen. Zum Glück hatte ich den restlichen Streckenverlauf auf dieser Seite noch halbwegs im Kopf und Thomas hatte ein zweites Roadbook. Er übernahm nun den restlichen Teil der Tour. Unterwegs haben wir noch Jörg "verloren", der zum Kaffee trinken fahren wollte, also kehrten wir zu Dritt zur Burg zurück.

Freitagabend wurde auch das Roadbook für Samstag ausgegeben und ich wollte es diesmal besonders gut machen. Während wir beim Essen saßen, diskutierten wir über einen Namen für unser Team: "Die rasenden Bollenhüte" schied aus, weil Uli ja nicht aus dem Schwarzwald kommt. Mein Vorschlag "Die 4 Apokalyptischen Reiter" wurde mangels Alternativvorschläge angenommen. So zog ich also los, meldete uns für 10.40 Uhr und mit diesem Namen an.

Wenig später gesellten sich Ingolf und Thorsten zu uns, die noch ein Team suchten. Ich verzog mich irgendwann mit Roadbook und Karte in eine ruhige Ecke, um die Strecke einzuzeichnen. Diesmal sollte es ja ganz besonders gut werden...

Der zweite Abend wurde deutlich länger als der erste. Wir saßen am Lagerfeuer mit Christophs Whisky und diskutierten über alles mögliche, bis es irgendwann in die Zelte ging. Ich schlief wie ein Stein, selbst das Geschnarche von drei Seiten hat mir nichts ausgemacht. Famous Grouse ist eben ein supergutes Schlafmittel!

Samstag, 17.06.2017

Nun war der große Tag gekommen, heute ging es um den Stammtischpokal. Ich hatte diesmal vor, alles richtig zu machen und unsere Gruppe würdig anzuführen. Die Strecke war auf meiner Karte eingezeichnet, das Roadbook studiert und wegwehsicher befestigt, kann also nix schiefgehen, dachte ich. Außerdem wollte ich auf keinen Fall meine Jungs enttäuschen.

Nach einem ausführlichen Frühstück und gemütlicher Trödelei ging es um 10.40 dann los. Der erste
Teil war einfach und ich führte uns ganz gut und sicher. Das Falltorhaus verpassten wir dann im ersten Moment, weil ich nicht in den Wald guckte. Alles kein Problem, wenden, zurückfahren, "Polo" zählen. Nach einigen Anläufen und Sucherei hatten wir dann hoffentlich alles gefunden. Ich schrieb unser Ergebnis auf den Zettel, wir warteten, bis die Gruppe vor uns weg war und fuhren weiter.

Ich finde fast immer die Strecken, auf die ich will, aber irgendwie gelingt es mir mit dem Roadbook nicht wirklich. Wir hatten Mühe, die nächste Station zu finden, weil ich mir nicht sicher war, ob wir nun richtig herum in den Ort gekommen waren. Nach etlichen Anläufen scouteten dann Ingolf und Thorsten und wir landeten als letzte auf dem richtigen Parkplatz. Der zweite Weg war richtig gewesen, nur waren wir nicht weit genug gefahren. Thorsten und ich schätzten das Gewicht von verschiedenen Holzstücken und sägte 282 Gramm ab, gefordert waren 250. Naja, nicht so schlecht.

Jetzt ging es weiter zum Bikercafé in Grebenhain, fix stärken. Der Mensch hinter der Theke war reichlich skurril, ebenso bemerkenswert fanden wir, dass ein Teil des Gebäudes und die Verkaufsbude mit Hilfe von Spanngurten zusammengehalten wurden.

Mit Blick auf die Uhr beschloss ich, unseren Weg abzukürzen. Das war dann der Anfang vom Ende, denn wir landeten nicht dort, wo wir hinsollten und wo ich meinte, dass der Parkplatz wäre. Also fix nach Illnhausen zurück. Thorsten führte, weil er ein Navi hatte, das uns nun auf schnellstem Weg dorthin bringen sollte. Als wir den Berg hochfuhren, hupte Christoph auf einmal und setzte sich an die Spitze. Links von uns war der Parkplatz gewesen! Wir wendten unten im Dorf, aber als wir zurückkamen, war niemand mehr da. Also schnellstens zur Burg zurück und aufs Beste hoffen...

Die Truppenmoral war teilweise im Keller und ich fuhr mit im Geiste einzogenen Nacken. Ne, also dieses Jahr wird das nichts werden mit dem Pokal! Hoffentlich belegen wir nicht den schmachvollen letzten Platz, sondern wenigstens den vorletzten...

Auf der Burg angekommen gab ich unsere Unterlagen ab und zog mich um, weil ja noch eine Geschicktlichkeitsaufgabe anstand. Mit einem Ball zwischen den Köpfen mussten drei Bänke überstiegen werden, ein auf dem Boden gemaltes Karo durfte nicht betreten werden und am Ende mussten wir in die Hocke gehen und einen Hullahoop-Reifen über uns drüberheben. Das alles, ohne den Ball fallenzulassen und gegen die Uhr. Gefühlt brauchten Ingolf und ich 10 Minuten, der Ball geriet zweimal außer Kontrolle und Highlanders Ausruf "elfengleich!" brachte uns auch aus dem Tritt. Um mich wohl nicht vollends zu demotivieren, meinte der Rest der Truppe, dass wir recht flott gewesen seien.

Thomas versuchte später noch herauszufinden, welches die Aufgaben und Fragen der letzten STation gewesen seien. Die Aussage, dass die Fragen kaum jemand beantworten konnte, verleiteten mich dazu, uns zumindest im unteren Drittel platziert zu sehen, fehlende Aufgabe hin oder her!

tja, und dann kam die Siegerehrung... Zum Glück musste ich nicht wie Cersei Lannister geschoren, nackt und barfuß von der Dorfstraße bis zum Burghof laufen, hinter mir McGyver, der eine Glocke läutet und "SHAME!" ruft, wobei die restlichen Besucher einschließlich meiner Truppe mich mit faulem Obst bewerfen... schön war es trotzdem nicht! Als ich vorschlug, dass ich im nächsten Jahr die Führung abgebe, bestand meine Truppe darauf, dass ich wieder vorne fahren sollte. Na, es besteht eine realistische Chance, dass ich es beim dritten Mal nicht versaue!

Nach der Siegerehrung wurden bei der Tombola diverse Preise unters Volk gebracht. Ich ergatterte eine Kühltasche, Arbeitshandschuhe und Ohrstöpsel. Den Trostpreis für unsere Gruppe habe ich auch mitgenommen, wir können nächstes Jahr ja nochmal würfeln, ob ich wirklich vorne fahre...

Am Ende der Tombola gab es eine insgesamt große Dichte an Kühltaschen, Handschuhen und Ohrstöpseln. Mit der Kühltasche hatten wir später noch viel Spaß. Franky hatte die Idee, die Tasche umzudrehen und als eine Mischung aus stylischer Baseballcap und Aluhut zu tragen. Man merkt eben, dass Africa Twin Fahrer erfindungsreiche Improvisationstalente sind!

Später am Lagerfeuer wurde der Whisky herumgereicht, es gab noch Chips und diverse Diskussionen über alle möglichen Themen. Franky und ich haben uns später abgeseilt und auf der Bank an der Dorfstraße über das Leben philosophiert, den Autofahrern zugesehen, die reihenweise geblitzt wurden und mit Sicherheit das Dorf gut unterhalten. Spät in der Nacht hieß es dann ab in die Zelte, denn morgen sollte es wieder nach Hause gehen.

Sonntag, 18.06.2017

Och nöööö, ist wirklich schon wieder Sonntag? Heimfahrt? Burg vorbei?

Ich war relativ früh wach und traf daußen auf Christoph, der im Brustton der Überzeugung meinte, wir sollten jetzt frühstücken gehen. Ich hielt ihm mein Handy unter die Nase und meinte "es ist erst 6.34 Uhr, nix Frühstück!" Auf dem Weg zur Toilette arbeitete ich an meinem Wachheitsgrad und Augenöffnungswinkel. So richtig wach war ich nicht, und ich hatte auch nicht so richtig Lust, nach Hause zu fahren. Aber hilft ja nix!

Beim Frühstück sahen wir alle ziemlich zerknittert aus und trödelten herum. So richtig weg und los wollte keiner. Also zurück zu den Zelten, den restlichen Kram aufpacken, Mopeds satteln... Abschied nehmen...

Aber dann gab es noch einen spontanten und ungeplanten Workshop "Reifen flicken", denn die Twin von Troll hatte einen Platten, im Hinterreifen steckte ein Nagel. Ok, spannend, ich bin ja nicht so die Schrauberin und Reifen habe ich nur am Fahrrad gewechselt, wohl aber von der Widerspenstigkeit des Heidenau gehört, vor allem hinten... Ich bin gespannt, wie die Herren das lösen. Als erstes wurde die Twin auf einem Alukoffer aufgebockt, dann war ratzfatz das Hinterrad ausgebaut, das Ritzel unten und die Arbeit begann.

McGyver verteilte großzgüg Spüliwasser, um den Reifen von der Felge zu lösen und zusammen mit Franky wurde per Draufstellen und Reifenheber der Reifen von der Felge gelöst, der Schlauch herausgezogen und geflickt. Als dann alles wieder zusammengebaut war, bat mich Franky um meinen Kompressor. Also Conchita absatteln, Sitz runter, Kompressor rausfummeln.

Der Reifen war fix gefüllt und noch fixer eingebaut und jetzt hieß es wirklich endgültig Abschied nehmen von den alten und neuen Freunden, der Burg...

Christoph und ich machten uns auf den direkten Heimweg über die Autobahn und waren am frühen Nachmittag ohne Verfahren und Zwischenfälle wieder zuhause.

Das war sie also mal wieder, die Burg! Auch wenn es dieses Jahr nur für den ersten Platz von hinten gereicht hat, war es ein tolles, inspirierendes und lustiges Wochenende für mich und ich hoffe auch für alle anderen.

Ich freue mich schon auf die Burg 2018 und übe mich bis dahin im Strecken- und Roadbooklesen!

Donnerstag, 1. Juni 2017

Horizons Unlimited - The only borders are in your mind

Donnerstag 25.05.2017

Dieses Jahr war ich zum zweiten Mal bei Horizons Unlimited, diesmal mit der charmanten
Unterstützung von unserem Stammtischküken Christoph. Am Donnerstag brachen wir von mir zuhause zusammen auf, nachdem ich erst mit der Achmutter und dem Exzenter für die Kette gekämpft hatte, sich dann aber alle praktisch "von selbst" in die richtige Position gebracht hatte.

Für Christoph war an diesem Wochenende quasi "alles" neu: seine erste längere Tour mit jemand anderem, das erste Mal mit der neuen Campingausrüstung und das erste Motorradtreffen. Ich hatte unsere Tour in Anlehnung an das letztes Jahr geplant und führte uns von Freiburg über die französische Grenze Richtung Norden. In Soultz-les-Bains haben wir dann in der Konfiserie "Klugesherz" (heißt wirklich so!) eine Kaffeepause gemacht. Es war schon ganz gut warm geworden und vor uns lang noch etwa genauso viel Strecke.

Um nicht allzu spät in der Pfalz zu landen, fuhren wir rasch weiter und erreichten bald die Gegend um das Deutsche Weintor und wechselten wieder nach Deutschland. Leider hatte ich mich für die Strecke über Annweiler und das Johanniskreuz entschieden. An einem Feiertag bei schönem Wetter war das keine gute Wahl. Der Verkehr war dicht, das Überholen habe ich mir angesichts der (geistigen) Tiefflieger mit ihren PS-starken Mopeds gespart. Ich habe einmal überholt und wurde zugleich noch von hinten von einem anderen Motorradfahrer überholt, dem das wohl nicht schnell genug war. Ein wenig später hatten wir einen Ducati-Fahrer, der sich auf Teufel komm raus an allen vorbeiquetschen musste und kurz vor der Kurve mit Gegenverkehr rauszog. Wir waren uns am Abend einig, dass wir ihn schon haben fliegen sehen. Ich habe in dem Moment das Gas rausgenommen und hatte die Hand schon an der Kupplung. Zum Glück ist nichts passiert. Diese Passage war eigentlich der stressigste Teil unserer Anfahrt.

Nachdem der Nachmittag schon angebrochen war, habe ich kurzerhand an der erstbesten Gaststätte
sehr schöne Campingdeko
angehalten. Das bescherte uns erstmal Grillduft und deutsche Schlager. Allerdings kamen wir mit der Bedienung ins Gespräch, die total nett und lustig war. Es war sofort klar, dass wir nicht von "hier" sind und wir erzählten von Horizons und wo das ist. Als ich dann erwähnte, dass ich dort einen Vortrag halte, wurde er hellhörig.
"Worüber geht der Vortrag?"
"Über mein erstes Jahr auf dem Motorad."
Er winkt den Chef heran.
"Hör mal, die Dame hält Vorträge über Motorradfahren!"
Ich: "öhm, das ist mein erster Vortrag!"
Er (überhört geflissentlich) "Also, wir planen evtl. für nächstes Jahr hier ein Event, hätten Sie Lust, da etwas zu machen??"
Ich (nach kurzem trockenen Überschlucken) "Ja, ok, ich schreibe Ihnen meine Kontaktdaten auf und mein Blog, dann können Sie ja gucken, ob Ihnen das gefällt, was ich mache."

Gestärkt und erfrischt machten wir uns danach auf den restlichen, nur noch kurzen Weg. Da ich den Campingplatz schon kannte, hatte ich gleich die schöne, schattige Ecke weiter unten im Blick, wo ich mit Werner im letzten Jahr gezeltet hatte. Vor uns lag dann noch die heißgeliebte Schotterkurve, die mich beim ersten Mal wieder dazu brachte, erstmal auf die Wiese zu fahren. Nach einem kurzen Nachdenkmoment, ob wir evtl. hier bleiben sollten, oder runterfahren, entschied ich mich für runterfahren.

Kaum waren wir gelandet, füllte sich die Wiese auch schon zusehends. Christoph und ich bauten unsere Zelte auf und halfen einem Nachbarn mit Züricher Kennzeichen, dem das Motorrad umgekippt war. Als wir ihn auf Deutsch ansprachen, ernteten wir einen verständnislosen Blick, Englisch ging dann problemlos. Später stellte sich raus, dass Alex vor 12 Jahren aus Moskau nach Irland gegangen war, einen irischen Pass hatte und nun in Zürich für google arbeitet.

NSA is watching you!
Zwischendrin gingen wir zum Zirkuszelt, um nach dem Orgateam zu suchen, denn ich wusste nicht, wann ich meinen Vortrag nun halten sollte. Als wir dort waren hieß es, wir sollten Jens suchen. Da ich aber keine Ahnung hatte, wie Jens nun aussieht, sind wir erstmal wieder zu den Zelten. Dort lernten wir dann Willi und Uschi aus dem Rheinland kennen, beide in den 60ern und geländeaffin. Uschi hatte eine wunderschöne alte BMW R-80 GS von 1981 und Willi fuhr eine Africa Twin. Willi bot uns gleich protugiesischen Vinho Verde aus der Kühltasche an, ich hielt mich aber damit zurück. Ein bisschen später trafen wir dann auch Jens am Zirkuszelt, der meinen Vortrag dann auf Freitag 18 Uhr setzte.

Als wir zum Campingrestaurant gingen, war da schon einiges an Betrieb. Dieses Jahr lief es allerdings wesentlich besser mit der Organisation. Christoph und ich ließen uns ein kühles Bier schmecken und später versorgten wir seine vom Helm wund gescheuerte Stirn. Danach ging es zum ersten Vortrag von Leonie und Peter, die auf kleinen CRL 250 rund um die Welt gefahren sind. Die beiden waren sehr sympathisch und mich beeindruckte, wie wenige Probleme sie mit den kleinen Einzylindern hatten. Einmal hatte ein Federbein ein Leck, der Rest waren normale Ersatzteilwechsel, ein paar Reifenpannen und die Motoren mussten nach 90.000 km überholt werden, was wiederum nicht außergewöhnlich für Einzylinder ist.

Für mich mit am interessantesten bei den ganzen Vorträgen war, dass sich die Erfahrungen der anderen Reisenden absolut mit meinen deckten. Man trifft überall auf freundliche, hilfsbereite Menschen, wenn man selbst offen und freundlich auf sie zugeht. Manchmal gibt es Sprachbarrieren, aber wenn man sich etwas bemüht, ist auch das kein Problem. Und - wenn sich der eine oder andere immer mal fragt, ob ich keine Angst habe vor Überfall oder beklaut zu werden etc. - den beiden ist auf der ganzen Reise nichts gestohlen worden, sie wurden nicht überfallen, obwohl sie in einigen Ländern unterwegs waren, die nicht als "sicher" gelten. Natürlich sollte man immer seinen gesunden Menschenverstand verwenden, wenn man unterwegs ist.

Da ich durch eine Erkältung angeschlagen war und Christoph die Anfahrt in den Knochen steckte, sind wir danach bald in die Zelte gekrochen.

Freitag 26.5.2017

Schneewittchen must die!
Am Freitagmorgen fühlte ich mich alles andere als fit. Die Nacht hatte ich gefroren und fast nicht geschlafen, Dank Husten und Halsweh. Beim Warten auf das Frühstücksbuffett unterhielten Christoph und ich uns und Christoph sagte am Ende eines Satzes "weisch?". Darauf mischte sich der Mann, der hinter uns an einem Tisch wartete ein und meinte "Ach, DU bist das mit dem Lörracher Kennzeichen!" Christoph und Andy fanden rasch heraus, dass sie beide aus dem gleichen Ort bei Rheinfelden stammen und irgendwo auch gemeinsame Bekannte haben müssten. Beim Frühstück lernten wir dann noch Andys Freundin Christie kennen, die aus Indianapolis stammt. Mit Alex am Frühstückstisch waren wir eine richtig internationale Gruppe.

Da ich mich nicht wirklich toll fühlte, überließ ich Andy und Christie meine Karte und Christoph und ich bleiben auf dem Campingplatz. Ich machte am frühen Nachmittag einen kleinen Spaziergang und versuchte später, Leonie und Peter zu finden, die mir ihren Laptop für meinen Vortrag zur Verfügung stellten. Nach einigem Hin und Her zwischen Zeltplatz oben und unserem Stellplatz entschieden wir uns, zum Vortrag von Leonie und Peter zu gehen, die über ihre Packliste für die dreijährige Motorradtour berichten wollten. Es war eine relativ kleine Runde und vieles, was die beiden vorschlugen, hatte ich schon selbst für meine kürzeren Reisen umgesetzt: pflegeleichte Kleidung, die man gut waschen kann, multifunktionale Kosmetik (Seife statt Duschgel, Shampoobar statt Flasche usw.) etc. Ihre Liste unterschied sich nur in punkto Ersatzteilen, Elektronik und Medikamente.

Nach ihrem Vortrag war ich dann dran... Ich hatte meine Präsentation auf Deutsch vorbereitet, da ich
Pretty in pink
a) aus dem Blog vorlesen wollte und keine Lust hatte, das alles zu übersetzen und b) damit rechnete, dass sowieso wenig und hauptsächlich deutschsprachiges Publikum anwesend sein würde. Im Lauf des Tages hatte ich mich aber darauf eingestellt, notfalls auf Englisch und Deutsch vorzutragen. Ich war furchtbar aufgeregt und als im Publikum bei der Frage, wer kein Deutsch versteht, zwei Hände nach  oben gingen, habe ich auf Englisch gewechselt. Ich habe keine Ahnung mehr, was ich da alles zusammengestammelt habe, ich fand mich selbst furchtbar. Offenbar war das Publikum anderer Meinung und nach dem Vortrag bekam ich einiges Lob. Ich denke darüber nach, für die "Burg" an Fronleichnam auch etwas vorzubereiten, das wäre dann auf Deutsch. Mal sehen, ob ich es tue, oder sein lasse...

Wir waren nach meiner Präsentation etwas essen und unrerhielten uns am Tisch mit Andy, Christie und Alex. Später haben wir dann noch einen Teil der Präsentation von Josephine und Daniel gesehen, die mir persönlich etwas zu professionell war, aber durchaus sympathisch vorgetragen wurde. Interessant fand ich hier, dass Josephine fast die gleichen Worte wie ich benutzte, um zu erzählen, dass und wie das Motorradfahren den Geist entschleunigt und einen mit der Welt verbindet.

Samstag 27.05.2017

Smile and the world smiles back!
Freitagabend dopte Christoph mich wegen meiner hartnäckigen Erkältung mit Ibuprofen 800 und einer ordentlichen Dosis Famous Grouse. So gerüstet war die Nacht zwar wieder ziemlich schlaflos, aber am Samstag fühlte sich die Erkältung weniger schlimm an. Ich hatte schon in der Nacht beschlossen, den Samstag auf gar keinen Fall auf dem Campingplatz zu verbringen, therapeutisches Motorradfahren stand stattdessen auf dem Plan.

Nach dem Frühstück machten Christoph und ich uns auf den Weg und ich führte uns kreuz und quer freestyle durch die Landschaft rund um den Donnersberg, weiter nördlich bis nach Alzey und später durch das Nahetal und die Rheinhessische Schweiz. Es wurde im Lauf des Tages immer heißer und am frühen Nachmittag kehrten wir in Meisenheim in einer Eisdiele ein und machten eine längere Pause. Es gibt so viele wunderschöne, kleine, verträumte Orte dort oben! Allerdings war es so heiß, dass ich auf einen Stadtrundgang verzichtet haben, lieber saßen wir etwas länger im kühleren Café.

Am Nachmittag wollte ich unseren Weg dann nach Potzbach lenken, wo Grit und Frank leben. Ich hatte unseren Besuch angekündigt, allerdings keine Zeit festgelegt. Als Christoph und ich ankamen, war niemand da, wir ließen uns aber in den Garten und setzten uns in den Schatten. Wenig später kam Frank und freute sich, uns zu sehen. Wir tranken Wasser und Kaffee, aber Grit tauchte leider nicht auf, war auch über das Handy nicht zu erreichen. Gegen Abend brachen wir dann auf, denn wir wollten noch etwas essen und evtl. eine weitere Präsentation ansehen, mit den neu gewonnenen Freunden quatschen und das Treffen ausklingen lassen.

Der Unsichtbare
Bei der Fahrt in den nächsten Ort flog mir eine Wespe in das offene Visier und ich wusste, dass es gleich schmerzhaft würde... zwei Stiche später konnte ich endlich anhalten und das Vieh aus dem Helm schütteln. Zum Glück hat sie nicht am Auge gestochen und zum Glück bin ich nicht allergisch auf das Gift. Schön war das trotzdem nicht.

Auf dem Campingplatz nahmen wir mit Bravour die Schotterkurve und machten uns auf den Weg ins Campingrestaurant, um noch eine Kleinigkeit zu uns zu nehmen. Vorher kamen wir noch mit einem anderen Zeltnachbarn ins Gespräch, der eine dicke Harley fuhr. Er meinte zu uns, dass er die Twin seines Kumpels gefahren hatte und die Harley ihm keinen Spaß mehr macht. Sie hätte ihre Zeit gehabt und jetzt wollte er auf eine Africa Twin umsteigen, die Harley wollte er verkaufen.

Wir waren beide geschafft, ich von der Hitze und der Erkältung und Christoph von der Tour und saßen erstmal sehr gemütlich im Restaurant, um die Tage Revue passieren zu lassen. Morgen sollte es schon wieder nach Hause gehen, echt schade!

Nach dem Essen sind wir nochmal zur Scheune gegangen und haben eine Stück des Vortrags von Thomas anzusehen, der aus einem kleinen Dorf bei Freiburg per Motorrad auf Weltreise gegangen ist. Die Scheune war recht voll und wir beide zu müde, um noch alles anzusehen. Wir haben den Abend dann mit dem restlichen Whisky ausklingen lassen und waren gegen Mitternacht in den Zelten.

Sonntag 28.05.2017

Nun hieß es schon wieder Abschied nehmen! Das Frühstück fing heute früher an, wie wir gestern Abend von der Chefin erfahren hatten. Wir hatten mit ihr recht nett geplaudert und sie meinte, dass sie dem Treffen mit Bangen entgegengesehen hätte. Im letzten Jahre war es ziemlich chaotisch zugegangen und diesmal hätte es um einiges besser geklappt. Sie lobte die Teilnehmer und meinte, es sein durchweg angenehmes Publikum gewesen.

Magic Mushroom
Nach dem Frühstück packten wir die restlichen Dinge und sattelten unsere Motorräder. Diesmal hatte ich unsere Route etwas verlegt, um nicht wieder die überfüllte Strecke zwischen Johanniskreuz und Annweiler nehmen zu müssen. Christoph bewunderte das Wochenende über meine Navigationskünste, er meinte, er hätte sich immer professionell angefühlt. Ich hatte zwar zeitweise nicht immer zu 100% eine Ahnung, wo wir uns genau befinden, am Ende landeten wir aber immer auf der richtigen Straße.

Unser Rückweg führte uns unter anderem durch das hübsche Dahner Felsenland und in einer etwas anderen Schleife an die französische Grenze. Bis dahin war das Fahren noch ganz angenehm gewesen, aber nun wurde es zunehmend heiß. Mit 30 km/h durch die Dörfer zu zuckeln war schon Höchststrafe. An einer Stelle standen wir an einem Bahnübergang und ich meinte zu Christoph, dass ich auf dem Parkplatz gegenüber einen Trinkstopp machen wollte. Gesagt, getan. Boah, es war einfach unglaublich heiß! Später kamen wir an einem Thermometer vorbei: 34 Grad...

Hinter Straßburg beschloss ich, für den restlichen Weg auf die Autobahn zu wechseln, weil man da zumindest eine Ahnung von Fahrtwind haben würde. Christoph musste noch weiter nach bad Bellingen fahren und kurz vor Emmendingen trennten sich unsere Wege.

Das war ein tolles Wochenende und ich freue mich schon auf die "Burg" an Fronleichnam. Da sind wir dann zu fünft unterwegs und werden mit Sicherheit eine Menge Spaß haben. Außerdem holen wir den ersten Platz beim Stammtischpokal!



Mittwoch, 31. Mai 2017

Monatsimpressionen Mai

Ich kann es kaum glauben, dass der Mai schon wieder vorbei ist, gefühlt lag gerade noch Schnee.
Naja, nicht nur gefühlt, im Schwarzwald hat es Anfang Mai noch einen ordentlichen Wintereinbruch gegeben und die erste Maihälfte war das Wetter nicht wirklich stabil.

Mitte Mai hatte ich einen Termin bei der Waldführung im Friedwald Friedenweiler. Inzwischen habe ich einen Termin zum Baum aussuchen ausgemacht. Nein, kein Weihnachtsbaum, sondern "mein" Baum, unter dem mal meine Asche liegen wird. Da Roland bis Anfang Juli wieder motorradtauglich sein sollte, werden wir diesen Terminfür unsere erste Ausfahrt in seinem geschenkten neuen Leben nutzen.

Ich habe einige neue Ecken entdeckt und war unter anderem spontan über Nacht in einem Gasthof auf dem "Witthoh". Der Witthoh ist die Klimascheide zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee. Ich merke immer mehr, dass mich diese Ecke motorradmäßig mehr anzieht, als der häufig überfüllte Schwarzwald.

Ende Mai war ich auf einem "Afrikanischen Abend" in Lörrach und habe mich an mitreißenden Rhythmen berauscht. Wird echt mal wieder Zeit, tanzen zu gehen!

Das Monatshighlight war allerdings das letzte Mai-Wochenende. Ich war zusammen mit unserem "Stammtischküken" Christoph bei Horizons Unlimited in der Pfalz. Dieses Mal war es nochmal besonders, weil ich dort den ersten Vortrag meines Lebens gehalten habe. Weil Horizons ein internationales Treffen ist, sind die Vorträge dort immer auf Englisch... meine Präsentation hatte ich jedoch auf Deutsch vorbereitet, da ich Passagen aus meinem Blog lesen wollte. Nun ja, es kommt ja immer anders und ich habe dann doch Englisch gesprochen und die unübersetzten Passagen vorgelesen.


Für Christoph war es ein ganz besonderes Wochenende, weil er noch nicht sehr viel Tourerfahrung hat und es zudem noch sein erstes Motorradtreffen war. Ich werde demnächst ausführlicher berichten, im Moment machen mir die Hitze und eine Erkältung zu schaffen.

Mehr Monatsimpressionen gibt es - wie immer - bei den Fredissimas.

Montag, 22. Mai 2017

Herz am Montag - Ein Herz für Afrika

Fankani
Herr Zebra ist schon lange afrikabegeistert und trommelt seit mehreren Jahren. Die eine
Trommelgruppe - Fankani - trifft sich dazu immer in Lörrach im "Nellie Nashorn". Werner hatte mir den Flyer für den Afrikanischen Abend schon vor geraumer Zeit in die Hand gedrückt und ich hatte ihn so hingelegt, dass ich auch wirklich dran denke, dort hinzufahren.
Samstag war es dann so weit. Das Wetter, das am Freitag noch mit Regen den Stammtisch vereitelt hatte, war pünktlich zum Freitagabend besser geworden. Samstagmorgen sah dann zwar noch nicht so ganz optimal aus, aber nur einfach nach Lörrach fahren, fand ich dann auch langweilig. Also wurde eine recht ausführliche Tour draus, inklusive (entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten) einer langen Mittagsrast mit leckerer Pizza und später am Nachmittag noch einem Abstecher nach Bad Säckingen.

Kanampor - weiß jemand, wie das Instrument heißt?
Dort saß ich lange am Rhein, sah den Schwänen zu, den Ruderern und einfach nur dem Wasser. Das war herrlich entspannend. Irgendwann genehmigte ich mir noch einen Milchkaffee, in weiser Voraussicht auf einen recht langen Abend.

Im "Nellie Nashorn" angekommen, warf ich erstmal meine Mopedklamotten in Werners Auto, schaute mir das mitgebrachte Kunsthandwerk an und ging dann noch etwas trinken.

Im Nellie Nashorn war ich noch nie. Es ist ein Kulturzentrum, das die unterschiedlichsten Programme anbietet. Die Räumlichkeiten sind sehr hübsch, es gibt einen lauschigen Biergarten und eine nette Kneipe, einen Raum  mit Bühne und wohl noch ein kleines Kino. Es hat mich ein bisschen an früher erinnert, das "Kino im Krawattenhaus" in Fürth.

Gegen 19 Uhr ging es los mit "Fankani", die unter kundiger Anleitung einige Stücke zum Besten gaben. Wir wurden immer wieder aufgefordert, nicht nur herumzustehen, sondern uns zu bewegen, zu klatschen und im Lauf der Zeit wurde das Publikum etwas lockerer.

Nach "Fankani" kam "Kanampor" aus Basel, die - wie ich finde - ein Art afrikanischen Jazz spielten.
Saf Sap
Es wurde sehr viel getrommelt, aber es kam auch ein Instrument zum Einsatz, dessen Name ich nicht kenne. Es sah aus wie eine Art überdimensionales Banjo, wurde aber nicht unter den Arm geklemmt, sondern vor dem Bauch gehalten und dort gezupft (glaube ich). Ein Sänger begleitete die Gruppe und das Ganze war schon sehr tanzbar. Im Lauf des Abends bin ich immer tiefer in diese Musik eingetaucht. Die Trommeln und die Rhythmen waren unglaublich energiegeladen und voller Lebensfreude. Man hat den Musikern auch die Freude am Spiel und der Improvisation angesehen. Es war nicht nur ein Spielen von Musik, sondern ein Spielen miteinander, mit dem Publikum, der Melodie, dem Rhythmus. Auf jeden Fall sehr mitreißend.

Am Ende kamen noch "Saf Sap" (Heißes Blut), die das Blut im Saal wirklich zum kochen brachten. Die Trommler lieferten sich regelrechte "battles", forderten sich gegenseitig auf und heraus und brachten im Publikum fast alle dazu, sich der Musik hinzugeben. Ich habe zwar auch ein paar Bilder gemacht, aber am Ende entschieden, dass es zu schade ist, sich hier nicht völlig reinfallen zu lassen und stattdessen auf dem Smartphone herumzudrücken.

Saf Sap hatten noch einen Tänzer dabei, der mich wirklich schwer beeindruckt hat. Ich habe schon viele Arten von Tanz gesehen, auch selbst schon einiges probiert, aber das war etwas völlig anderes. Der Tänzer bewegte sich, als ob die Schwerkraft um ihn aufgehoben sei und als ob er ungefähr doppelt so viele Gelenke hätte, wie ein normaler Mensch. Das war wirklich eine ungebändigte Kraft und erdige Energie, die da rüberkam. Ich war am Ende des Abends versucht, mich zum Tanzworkshop anzumelden.

Die bezaubernde Nellie steht im Hof und begrüßt die Gäste des Kulturzentrums. Ich werde das ab jetzt mal auf dem Schirm behalten und vielleicht versuche ich mich im Winter dann an afrikanischem Tanz, der fehlt mir noch in meiner Sammlung.

Mehr Montagsherzen gibt es wie immer bei den Fredissimas.

Montag, 15. Mai 2017

Herz am Montag - Ein Herz für die Vergänglichkeit

 Nach Rolands Unfall im April haben sich für mich einige Aufgaben und ein Thema wieder in den Vordergrund gedrängt. Die Aufgaben (sollten eigentlich schon im Winter erledigt sein...) waren, meine Patientenverfügung zu schreiben und mich mit meiner eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen.

Motorradfahren hält Leib und Seele zusammen!
Nun, die Patientenverfügung stellte sich als ziemlicher Klops heraus, denn ich wusste gar nicht, wo ich da anfangen und was dort drinstehen sollte. Meine Nachbarin hatte mir ein Buch ausgeliehen und ich konnte mir einige Beispiele ansehen und mir meine eigenen Gedanken machen.

Aber dann war es das auch erstmal, weil dann der Frühling kam und das Moped auf die Straße wollte. Wenn ich solche Dinge nicht im Winter erledige, liegen sie in der Regel bis zum nächsten Herbst auf Halde. Am 1. April kam das Schicksal in Form von Rolands Unfall und sagte mir "hey, Du bist auch sterblich, Dir kann auch was passieren und dann...? Los, ran an die Patientenverfügung!" Die erste Version davon habe ich jetzt im Kasten und meine "Opfer" sind schon gefragt, bzw. werde ich fragen. Es ist keine leichte Aufgabe und auch keine schöne, aber ich möchte mein Leben nicht in die Hand von Wildfremden geben, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, selbst zu entscheiden.

Eine Regelung für das Verscharren meiner Überreste zu finden, war dagegen ein Kinderspiel. Ich bin schon oft an der Abzweigung nach Kleineisenbach am Friedwald vorbeigekommen und wusste sehr schnell, dass das was für mich ist. Diesen ganzen Friedhofsquark möchte ich nicht, das ist nichts für mich. Aber den Gedanken, einmal an einer meiner Hausstrecken zum Käsekuchen verscharrt zu sein, mitten im Wald unter einem schönen Baum, das gefiel mir. Nun habe ich also für den letzten Samstag einen Termin zur Waldführung belegt. Naja, was soll ich sagen? Erstmal, dass ich total aus der Gruppe rausfiel, altersmäßig (ich war ganz offensichtlich die Jüngste) und auch sonst. Außer mir war natürlich niemand mit dem Motorrad da, aber während wir an der Infotafel standen, kamen etliche Motorradfahrer vorbei und so sollte auch für die restliche Truppe klar geworden sein, weshalb ich hier stehe und mir den Wald angucken möchte.

Einer meiner Lieblings(Park)plätze
Der Friedwaldförster hat mich beeindruckt. Er war wirklich ein "Waldmensch". Als wir im Wald unterwegs waren, habe ich gespürt, wie sehr er damit verbunden ist, wie er tatsächlich so etwas wie Teil des Waldes ist. Der weiche Waldboden sei "wie ein Körper, über den wir laufen" und er sprach auch von einer Kraft, die er nur im Wald spüren kann. Ich konnte das sehr gut nachvollziehen. Am eindrücklichsten hatte ich dieses Gefühl letztes Jahr in Norwegen, als ich am Åselistraumen gehalten habe. Wir waren ungefähr 1,5 Stunden im Wald unterwegs und er hat uns alles erklärt, von der Art der Bäume, über die möglichen Zeremonien, die Bestattung, den Andachtsplatz... mir war ganz schnell klar, was ich möchte und ich werde die nächsten Tage dort anrufen und einen Termin für die Baumwahl ausmachen. Entweder - wenn es das gibt - eine Gruppenbuche oder eine Gruppeneberesche, oder diese eine Weißtanne, die hat mir auch gefallen.

Nach dem Friedwaldbesuch bin ich ziemlich weit herumgefahren, hin und her, auf und ab. Ich dachte mir, wie weit wir als Stadtmenschen doch von der Natur entfernt sind und wie schnell solche Dinge, wie das mit der Kraft im Wald als Spinnereien abgetan werden.

Ich bin wahrlich keine Esoterikerin, aber je älter ich werde und je mehr ich mit Conchita überall unterwegs bin, desto mehr spüre ich diese Verbindung wieder. Schon lustig, denn das Motorrad ist ja nun auch nichts "Natürliches".

Vom Gefühl her kommt es für mich aber einem Reittier am nächsten und die Art, sich in der Natur zu bewegen, ab und zu innezuhalten, anzuhalten, zu gucken, sich irgendwo ins Gras zu setzen, oder sein Zelt aufzuschlagen, das aktiviert und stärkt diese Verbindung in mir. Ich spüre immer wieder, dass ich mich in der "Reiseszene" total wohl fühle und auch zu diesen Menschen dazugehöre. Das ist meine "Familie", auch wenn ich nicht die riesigen Weltreisen gemacht habe, aber der Entdeckergeist, die Neugierde und die Verbindung zur Natur, da finde ich mich wieder. Als Kind und Jugendliche bin ich stundenlang allein durch den Wald gestreift und habe mich dabei wohl gefühlt. Stadt ist ok, aber ich könnte niemals dauerhaft so große Menschenansammlungen wie in Berlin ertragen, das macht mich total kirre. Ich brauche das Gefühl von Platz um mich herum, die Möglichkeit, meinen Blick weit schweifen zu lassen, Einsamkeit, Ruhe. Das ist meine Welt.

Panoramablick vom Berggasthof Witthoh
Nun, nach etlichen Stunden Herumgefahre bis rüber in den Hegau (am Ende lande ich fast immer dort...) haben die Kräfte doch nachgelassen. Ich habe hin und her überlegt, ob ich wo was einkaufe, oder einkehre. Wie immer, wenn ich keine klare Entscheidung treffe, dann trifft sie Conchita für mich. Ich komme um eine Kurve herum und sehe rechts einen Gasthof, zwei Motorräder stehen auch schon da. Also Blinker setzen, auf den Parkplatz fahren. Ich steige ab und trete ein, gehe durch zum Gastraum und sehe... ein überwältigendes Panorama! Die Alpenkette und der Bodensee sowie einige Hegauhügel und die Reichenau liegen vor mir. WOW!

Noch bevor ich mein Essen bestellt habe, meldet sich eine kleine Stimme in mir "Hey!!! Lass uns hier übernachten! Ich will jetzt nicht mehr heimfahren! Da hinten regnet es und wir haben bald 19 Uhr! Au ja, lass uns hier bleiben!!!" Während ich mir mein Essen schmecken lasse, höre ich der Stimme weiter zu, die munter vor sich hinplappert. "Hey!!! Morgen könnten wir dann am Bodensee rumfahren oder in die Berge, oder hier!! Du bist dann wieder wach!!! Guck mal, da hinten Richtung Freiburg regnet es und es wird dunkel!!!"

Bad mit Herz
Als die Bedienung kommt, frage ich, ob sie zufällig ein Zimmer frei hätten, wenn nicht, wäre es auch nicht schlimm. Noch kann ich nach Hause fahren und mit Essen im Bauch ist die Strecke nach Freiburg zu bewältigen. Nach ein paar Minuten bekomme ich ein Zimmer, die Chipkarte für das Zimmer und gehe nach oben.

Ich habe echt alles mögliche erwartet, aber nicht so ein Zimmer für mich allein. Es ist mit Bad fast so groß wie meine Freiburger Wohnung, das Badezimmer ungefähr dreimal so groß wie zuhause und außer einem Schälchen mit Süßigkeiten neben dem Bett gibt es im Bad ein Kosmetikkörbchen und Duschgel in der Dusche. Somit macht es auch nichts, dass ich selbst nicht mal eine Zahnbürste dabei habe.

Immerhin trage ich noch normale Klamotten unter der Kombi und wechsle jetzt in die Turnschuhe, vertrete mir ein bisschen die Beine und mache Fotos. Diesmal ärgere ich mich, dass ich nicht die Spiegelreflex dabei habe, sondern nur die mittelprächtige Kamera von meinem Handy. Egal! Der Abend hinterlässt auch so genug Eindrücke bei mir. Der Himmel bietet von hellblau bis tiefschwarz alles, hier schauert es, dort sind weiße Wolken, da kommen die Alpen hervor und da unten der Bodensee. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wo ich gerade genau bin, aber das ist auch völlig egal. Ich stehe mitten in einer nassen Wiese zwischen Hahnenfuß und Pusteblumen und verbringe einen dieser perfekten, vergänglichen Glücksmomente.

Als ich am näcsten Morgen aufwache und das Fenster öffne, höre ich die Glocken einer kleinen Kirche im Tal und den Kuckuck rufen. Draußen ist es eher grau als blau und teilweise neblig und noch recht frisch. Ich dusche mich und ziehe meine normalen Klamotten an. Im Gastraum erwartet mich - neben einem Rudel Motorradfahrer, die wohl eine geführte Tour machen und eine gute Stunde nach mir eintrafen - ein großartiges Frühstücksbuffett. Von Müsli über Obstsalat, Käse, Wurst, Lachs, Brötchen Croissants, Joghurt, Spiegelei, Marmelade... ist wirklich ALLES da. Ich genieße das Frühstück, die Aussicht ist an diesem Morgen leider eher verhangen, aber ich hatte ja am Abend den Ausblick genießen können.

Ich frühstücke in aller Ruhe, ziehe mich danach um, zahle und sattle Conchita. Ich liebe es, am Wochenende so früh auf der Straße zu sein, denn dann ist nichts los. So gondeln wir von gemütlich bis zügig durch kleine Täler, idyllische Örtchen, ein Stück an der Donau entlang, bei der Donauversickerung vorbei auf und ab. Nach zwei Stunden drehe ich Conchitas Nase Richtung Freiburg und bin gegen Mittag noch vor den ganzen Sonntagsfahrern wieder zuhause.

Mehr Montagsherzen gibt es - wie immer - bei den Fredissimas.