Montag, 5. Dezember 2016

Herz am Montag - Seelenwetterlage

Meine Seele befindet sich seit dem Sommer in stabiler Hochdruckwetterlage. Ab und zu wehen Winde aus verschiedenen Richtungen und in unterschiedlicher Stärke. Es gibt auch Wolken am Himmel, aber nichts ist mehr bedrohlich finster. Dauerregen gab es schon lange nicht mehr, genauso wenig wie einen ernsthaften Sturm.

Die meiste Zeit herrscht angenehmes Frühsommerwetter, diese Tage, an denen das T-Shirt reicht, aber man noch nicht bei der kleinsten Anstrengung ins Schwitzen gerät. Meine Seele geht in den Garten, um zu gucken, was jetzt blüht, pflückt die ersten Erdbeeren, plant Reisen oder liegt einfach nur in der Sonne und saugt die Wärme in sich auf.

In manchen Ecken meiner Seele ist es Ende Februar.

Die Sonne hat schon Kraft, aber der Winter lebt an den schattigen Stellen fort.
Dank meiner Seelensonne schmilzt das Eis und an den erstaunlichsten Stellen erwacht das Leben... Die ersten verschämten Veilchen zeigen sich, die Haseln blühen und in der Luft liegt diese Hoffnung auf das Versprechen des Sommers...

 Ich danke Dir dafür!

Mehr Montagsherzen gibt es bei den Fredissimas.




Mittwoch, 30. November 2016

Novemberimpressionen

Linachtalsperre
hu, ich bin spät dran, sowas von... aber naja...

Der November hatte von schönen, warmen Tagen über graue Regen- und Nebeltage bis zu knackiger Kälte alles im Gepäck. Am ersten November konnte ich mit Conchita noch zu einer vermeintlich letzten Tour aufbrechen. Da ich Ende Oktober ziemlich üble Antibiotika nehmen musste und deshalb die meiste Zeit bedröhnt oder müde war, habe ich die Einnahme an den letzten Oktobertagen geschoben. Am 1. November war ich dann endlich drogenfrei und konnte die Sonne und die herbstlichen Farben genießen.

Das erste Novemberwochenende haben wir Plätzchen gebacken. Mein Assistent hatte ein Rezept für seine Lieblingsplätzchen mitgebracht: Fränkische Butterbatzen. Außer denen haben wir noch Butterplätzchen gebacken und endlos gequatscht, während draußen der Regen runterprasselte. Immerhin war es drin kuschelig und es roch lecker.

Butterbatzen im Ofen
Am zweiten Novemberwochenende gab es dann Kino. Ich bin ja kein Fan von deutschen Filmen, Til Schweiger lässt mich mehr gruseln, als irgendein Zombieschocker und auch sonst... deutsche Filme... ah neeeee... Diesmal war ich positiv überrascht. Wir haben uns "Gleißendes Glück" angeschaut. Damit hier keine Zweifel aufkommen, den Film hatte sich Roland ausgesucht, nicht ich.

Ich muss sagen, dass ich positiv überrascht war. Zum Einen ist die Geschichte sehr subtil und mir viel Humor erzählt, zum Anderen ist es kein schmalziger Liebesfilm, bei dem ich mich innerlich vor Schmerzen winde. Es ist eine nicht ganz unkomplizierte Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen mit Geschichte, die beiden mit ihren jeweiligen Dämonen kämpfen. Schaut ihn euch an, es lohnt sich.

Das dritte Novemberwochenende widmete ich in erster Linie der Plätzchenproduktion, da es
Hegaublick
wettermäßig nicht gerade mit Highlights aufgewartet hat. Am Freitag war noch unser Africa-Twin-Stammtisch, der auch dieses Mal wieder gut besucht war. Es wurde ordentlich spät, seit wir von Donnerstag auf Freitag ausgewichen sind, ist es auch sehr viel entspannter. Ich bin gespannt, welche Konstellationen sich in der nächsten Saison ergeben werden und ob wir tatsächlich mal eine Stammtischausfahrt hinkriegen.

Am vorletzten Novembersonntag gab es noch eine Überraschung, denn die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel und Conchita durfte nochmal aus dem Stall. Es sind gemütliche 180 km geworden. Da man nicht hoch konnte, weil oben Salz auf der Straße war, habe ich mich auf halber Höhe zwischen Kinzigtal und Kaiserstuhl bewegt, nicht ohne in Landeck noch einen Kaffee nebst Käsekuchen auf der Terrasse zu genießen.
Gar nicht so Kalte Herberge

Am letzten Novemberwochenende hat mich dann leider eine Erkältung niedergestreckt.

Außer auf dem Sofa rumhängen, lesen und stricken war nicht wirklich viel drin. Jetzt ist sie also da, die "staade Zeit". Da ich mich aus dem Geschenkewahnsinn völlig ausgeklinkt habe, ist es auch eine ruhige Zeit für mich. Es gibt auch durchaus genug zu tun im Haus und an mir selbst.

Mehr Monatsimpressionen gibt es bei den Fredissimas. Hier kommt noch das (unautorisierte...) Rezept für die Butterbatzen, viel Spaß beim nachbacken!



Fränkische Butterbatzen á la Roland

 250 gr Butter
250 gr Zucker
8 Eier (L-XL, sonst 10 nehmen)
500 gr Mehl
Hirschhornsalz (ca. 2 TL)
Weinbeeren (Rosinen)
Oblaten

Aus den Butter, Zucker und Eiern einen Rührteig herstellen, am Ende das mit Hirschhornsalz gemischte Mehl und die Weinbeeren unterziehen. Der Teig sollte "reißend" vom Löffel gehen. Mit zwei Teelöffeln den Teig in die Mitte der Oblaten setzen, nicht zuviel nehmen, er läuft auseinander.
In der Mitte des Ofens bei ca. 160 Grad 22-25 Minuten backen, die Batzen sollten seitlich leicht braun werden.

Montag, 10. Oktober 2016

Herz am Montag - Herzgedanken

Anfang des Jahres wurde mir klar, dass ich nach über sieben Jahren immer noch emotionalen Ballast
mit mir herumschleppe. An einem Morgen lief - wie immer - das Radio und kurz vor den Nachrichten kamen die morgendlichen "Denkanstöße", in denen es um das Reisen mit "kleinem Gepäck" ging.

Meine Lebensreise hat mich - besonders in den letzten Jahren - sehr weit gebracht. Nicht immer waren die Wege gerade, angenehm, abwechslungsreich und genussvoll. Als ich mich entschloss, im "physischen" Leben Ballast abzuwerfen, wurde mein Weg immer klarer, mein Herz immer leichter. Von Vergangenem Abschied zu nehmen und Dinge loszulassen entwickelte plötzlich eine Eigendynamik. Es war, wie wenn man den Stöpsel einer Badewanne zieht. Zuerst wirkt es so, als ob gar nicht so viel Wasser rausläuft, aber gegen Ende, wenn die Wanne nur noch 1/3 voll ist, geht es auf einmal ganz schnell.

Dieses Jahr habe ich mich mehrfach wie Hans im Glück im gleichnamigen Märchen gefühlt. Hans besitzt am Ende "nichts" mehr, allen Ballast und Besitz hat er getauscht oder verloren. Auch, wenn er wie ein dümmlicher Tölpel wirken mag, hat er am Ende den größten Besitz erlangt, nämlich seine Freiheit und kann nun unbeschwert seinem Ziel entgegen gehen.

Ich habe auf meiner diesjährigen Lebensreise Gedanken ausgetauscht und neue Denkimpulse erhalten. Ein Herzensmensch hat mir geholfen, mich von meiner Blockade zu befreien und ein anderer Herzensmensch, mein Ziel zu erkennen:

Ich sollte mein Herz mit Verstand gebrauchen und meinen Verstand mit Herz.

Mehr kann ich mir als Reisegepäck für meine weiteren Wege nicht wünschen.

Weitere Montagsherzen gibt es wie immer bei den Fredissimas.

Montag, 19. September 2016

Wie ich mich verliebte... Herz am Montag - ohne Herzfoto

Seit über fünf Jahren fahre ich jetzt Motorrad und ich möchte Euch heute die Geschichte erzählen,
wie es dazu kam. Es ist eine lange Geschichte, eigentlich fängt sie in meiner Kindheit an.

Ich war als Kind sehr fasziniert von Autos und Rennsport, in der Nähe von unserer Wohnung gab es im Sommer immer ein Rennen auf dem "Norisring". Ich habe mir das nie anschauen können, aber den Lärm hörten wir immer deutlich. Damals hatte ich eine Freundin, die noch näher dran gewohnt hat und wir standen immer an den Holzzäunen, und lauschten gebannt. Ich lernte, wie man Reifen wechselt und Öl nachschaut und wo am Motor was ist. Autos waren noch nicht vollgestopft mit Elektronik, Schiebedach, heizbare Heckscheibe, Radio, das waren Dinge, für die man ordentlich Aufpreis zahlte. Klimaanlage im Sommer? Fehlanzeige! Heizung im Winter? Ebenfalls Fehlanzeige! Man kratzte im Winter das Eis innen von den Scheiben und im Sommer machte man eben alle Fenster und das Schiebedach (sofern man eins hatte!) auf. Sicherheitsgurte und Kopfstützen gab es nicht, und wenn wir in den Urlaub fuhren, habe ich hinten auf der Rückbank geschlafen, natürlich ohne Gurt!

Und dann lief im Fernsehen immer die Werbung für die Carrerabahn, ich habe mir eine gewünscht, aber nie bekommen. Hach... und dann... gab es Evel Knievel, den Stuntman auf dem Motorrad als Action Figur. Wie gerne hätte ich die gehabt! Aber auch hier... Fehlanzeige. Dafür kann ich mich dran erinnern, dass wir einmal bei so eine Stuntshow mit Autos und Motorrädern waren, was mich unendlich fasziniert hat. Ich wollte danach unbedingt Stuntgirl werden. Mein Enthusiasmus wurde mit den Worten "Dazu bist Du viel zu unsportlich!" gedämpft. Als dann die Berufswahl anstand und ich KFZ-Mechanikerin werden wollte, kamen mir die 80er-Jahre dazwischen. Als Frau in einem Männerberuf einen Ausbildungsplatz finden...? Fehlanzeige. Eigentlich habe ich mich aber viel zu leicht von meinen Wünschen abbringen lassen. Ich sollte mal was "Anständiges" lernen, am besten irgendwann mit Kindern am Herd im Reihenhaus stehen...


Mitte der 80er träumte ich irgendwie immer noch davon, als coole Frau auf dem Motorrad zu sitzen,
aber naja... Ich machte stattdessen den Autoführerschein, weil "Du den sicherlich brauchen kannst".
mhm, ich saß das letzte Mal 1986 am Steuer, da habe ich den Schein auch gemacht.
Soviel dazu.

In den späten 80ern und 90ern war ich fahrradbegeistert. Motorräder und überhaupt alles mit Motor, das waren doch Umweltsäue! Die Welt würde ein besserer Ort sein, wenn die Menschen mit dem Rad fahren würden! Das Fahrrad trug mich durch England, Frankreich, Italien, die Schweiz, Österreich, Korsika, Irland, den Schwarzwald, zur Arbeit, zum einkaufen... Motorrad? War völlig von meinem Radar verschwunden.

Als ich Anfang 40 war, änderte sich mein Leben schlagartig. Eine Trennung nach einer langen
Beziehung warf mich erst einmal aus der Bahn. Ich musste wieder lernen, für mich allein zu sein, mein Leben allein zu regeln und den täglichen Überlebenskampf zu meistern. Im Februar 2010 zog ich aus der gemeinsamen Wohnung in meine eigene und es ging mir sehr schlecht. Ich stürzte mich in meine Selbständigkeit, baute meine Shops aus und versuchte, mein Leben nur nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Als 2010 endete, beschloss ich, dass ich 2011 einige Baustellen aktiv anpacken wollte und darüber hinaus wollte ich den Motorradführerschein machen. Endlich sollte einer meiner Träume Wirklichkeit werden!

Im Januar 2011 stiefelte ich in die nahe gelegene Fahrschule und meldete mich an. Die erste Zeit
verbrachte ich in der Theorie. Mir war gesagt worden, dass ich ab März praktische Stunden nehmen könnte. Der März kam und ich machte meine erste Stunde aus. Noch bevor ich jemals auf einem Motorrad gesessen war, hatte ich schon die komplette Ausrüstung gekauft und kam mit niegelnagelneuer Kombi nebst Helm, Handschuhen und Stiefeln zur ersten Stunde.

Pünktlich zum März war das Wetter schön geworden und die Sonne schien, ich schwitzte ganz furchtbar, denn die erste Stunde bestand darin, sich auf das auf dem Hauptständer stehende kleine Moped zu setzen, mal am Gasgriff zu drehen und mal zu versuchen, die Schaltung zu betätigen. Dann durfte ich sie schieben... uff, war das schwer! Und dann ging es auf dem Garagenhof im Kreis herum, immer schön rollen lassen, Füße unten... Die nächste Stunde war schnell ausgemacht und ich fuhr jetzt erstmal auf dem Soziussitz zum Übungsplatz. Als erstes warf ich das Motorrad um, das war ja schon ein toller Anfang! Jetzt sollte ich auf und ab fahren, und am jeweils oberen und unteren Ende der Strecke wenden, was sich alles als nicht gerade einfach herausstellte. Die Stunde war viel zu schnell um, aber danach wusste ich schon, dass ich davon mehr wollte und ich auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Die Fahrstunden wurden zu meinen Wochen-Highlights, ich schaute youtube-Videos zu den
Grundfahraufgaben, kaufte mir ein Trainingsbuch und bereitete mich vor jeder Stunde mental auf das Fahren vor. Wenn irgendwo ein Motorrad stand, MUSSTE ich es anschauen! Wenn ich irgendwo Motorradfahrer sah, war ich neidisch, dass ich das noch nicht konnte und noch warten musste.  Im Lauf der Zeit stellte sich dann auch die Frage nach dem geeigneten Motorrad für mich.

Da ich keine Ahnung hatte, schaute ich einfach nach meinem Fahrschulmotorrad, der CBF500. Davor liebäugelte ich mit einer Yamaha Tenéré, bis in der Nähe meiner Wohnung mal eine stand und ich dachte "Mein Gott, ist die HOCH! Das ist nichts für Dich!". Ende Juli 2011 fand ich eine gut erhaltene CBF500 in Rastatt und kaufte sie praktisch vom Fleck weg. Der Händler machte große Augen, als ich sagte, dass ich sie am 6.8. holen würde, davor ginge nicht, weil ich erst Anfang August die Prüfung machen würde.

Der Prüfungstag war schwül und ich musste länger auf meine Prüfung warten. Endlich war ich dran! Ich musste durch den Stadtverkehr, dann ein Stück auf den Zubringer, dann Grundfahraufgaben. Beim Stop and Go stellte ich versehentlich zwei Beine ab, beim Hütchenspiel riss ich beim ersten Mal ein Hütchen um, ich würgte das Motorrad in der Stadt ab und als wir auf dem TÜV-Gelände ankamen dachte ich mir "Das war's! Nicht bestanden!"

Der Prüfer stieg aus dem Auto und sagte "Frau Ernsting, Sie haben bestanden!"
Wie?
Was?
Bestanden?
Mein Fahrlehrer grinste über alle Backen und ich fuhr zum ersten Mal als "richtige" Motorradfahrerin durch die Stadt zurück zur Garage der Fahrschule.

Am Tag danach fuhr ich mit der Bahn nach Rastatt, um mein Motorrad in Empfang zu nehmen.

Das Motorradfahren ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken, es ist tatsächlich ein Gefühl von "Freiheit und Abenteuer", so unterwegs zu sein. Ich habe in diesen fünf Jahren sehr viel gelernt, nicht nur fahrerisch, sondern auch über mich selbst. Ich bin selbstbewusster geworden und die großen Reisen allein sind unglaublich befriedigend. Nicht nur wird meine Abenteuerlust gestillt, sondern ich merke auch, dass es mir Kraft und Zuversicht gibt.

Seit ich 2014 Conchita gekauft habe, hat sich nochmal einiges getan. Mein Freundeskreis hat sich schlagartig vergrößert. Ich gehe regelmäßig zum Africa-Twin-Stammtisch  und ich habe so etwas wie meine "Familie" gefunden. Dass wir Motorradfahrer eine große Familie sind, habe ich erst wieder auf meiner Norwegenreise festgestellt. Überall kommt man ins Gespräch, man knüpft Bekanntschaften, tauscht sich aus, hilft sich gegenseitig. Inzwischen weiß ich auch, dass ich wirklich gut fahren kann und fahre gerne mit anderen zusammen. Es gibt immer noch ein paar Träume, bei denen ich mir noch nicht sicher bin, ob ich sie wirklich umsetzen werde, oder ob ich für manches nicht doch schon zu vorsichtig geworden bin.


Von allen Beziehungen und Liebesgeschichten in meinem Leben ist diese hier mit Sicherheit die
beständigste und sie wird mein restliches Leben lang halten.

Mehr Montagsherzen gibt es bei den Fredissimas.

Sonntag, 4. September 2016

Auf Nordland-Kaperfahrt unterwegs in Skandinavien - Teil 6

23.8.2016 - Trollstigen - Dragsvik


Da unten isser, der Geirangerfjord!
Nach dem Schauer in der Nacht hat es auch morgens etwas getröpfelt, aber als ich aufstand, war es wieder trocken.

Der offizielle Checkout für den Campingplatz ist 12 Uhr, aber da werde ich schon längst im wahrsten Sinne des Wortes über alle Berge sein!

Der Plan für heute sah vor, dass ich vom Geirangerfjord aus möglichst weit nach Süden fahren wollte, dabei wollte ich auch durch den "Monstertunnel" mit den Raststätten fahren, um mal unter der Erde Kaffee zu trinken. So langsam geht mir leider die Zeit aus und es gibt noch so viel zu sehen, also muss ich irgendwo Prioritäten setzen.

huch!
Von den Trollstigen zum Geirangerfjord ist es nicht sonderlich weit. Bei der Fährüberfahrt von Valldal nach Eidsdal habe ich wieder einen italienischen GS-Fahrer mit an Bord, der aber die Nase nicht so hoch trägt. Wir fahren von der Fähre herunter und ich fahre erstmal hinter ihm her. Irgendwann geht mir das Getrödele mit unter 80 km/h auf die Nerven und ich gebe Conchita die Sporen, bis zu einem Parkplatz, von dem aus man den Fjord von oben schon ein bisschen sehen kann.

Geiranger von oben...
Hier halten wir beide, allerdings macht der GS-Fahrer jetzt doch ein langes Gesicht. Von einer Frau mit einer alten Twin überholt zu werden, kratzt wohl an der männlichen Ehre. Aber gut, nicht mein Problem.

Ich gehe vor und mache Fotos, nur um Sekunden später im Nebel zu stehen. Da aber klar ist, dass der gleich wieder weg sein muss, sitze ich ein bisschen auf der Leitplanke und knabbere Schokokekse. BIXIT, die norwegische Version der "Hobbits" bzw. britischen Hobnobs ist nicht minder lecker und klebt nicht minder in den Zähnen. Da kann man sich schon ein bisschen Zeit vertreiben, bis der Nebel weg ist.

... und von unten
Rasch löst sich der Nebel auf, aber eine gefühlte Invasion von Autos und Wohnmobilen fährt auf den Parkplatz und ich ergreife die Flucht. Ich denke mir "hm, soooo beeindruckend sieht das aber jetzt doch nicht aus...", bis ich um eine Ecke biege, an der der Bär steppt.

Aha, HIER ist der berühmte Ausblick! Ich muss ein bisschen suchen, bis ich Conchita abstellen kann, und dann fasse ich mich kurz mit der Knipserei, denn hier ist echt der Teufel los und die Parkplätze sind sehr dünn gesät.

Als ich mich umdrehe, kniet jemand vor Conchita und macht Fotos von ihr. Ich muss sehr grinsen.
Ein kleines Boot auf dem Geirangerfjord
Da hat wohl jemand eine besondere Beziehung zur Africa Twin.

Ich gehe über die Straße und sage "You seem to like my bike!" Darauf meint der Fotograf auf Deutsch mit schweizerischem Akzent "Das ist ja auch ein schönes Bike! Ich wollte ein paar Stimmungsbilder mit dem Wasserfall hinten dran machen." Er dreht sich um und wir lachen beide. "Ja, Freiburg, da sind ja gar nicht so weit auseinander!"

Wir unterhalten uns eine Weile über Motorradreisen, den Vollmond über den Lofoten und dann muss ich Platz machen, wenn Conchita nicht zum dritten Mal in diesem Jahr umgefahren werden soll. Ich fahre um die Kurve und nun geht es eine tolle Strecke den Berg runter nach Geiranger.

Hier steppt ebenfalls der Bär und da ich mir erst nicht sicher bin, wo ich weiter muss, lande ich im
Hafen. Ein Blick auf meine Karte zeigt mir aber, dass ich durch Geiranger durch muss und dann weiter. Ich quäle mich durch den Ort und zwischen lauter blinden und verrückt gewordenen Menschen, die lemmingartig über die Straße rennen, Autofahrer, die einfach halten, ohne zu blinken.

Letztere bringen mich in eine brenzlige Situation, denn als ich an ihnen vorbeiziehen will, kommt auf einmal Gegenverkehr, der aber sehr gut reagiert und ich entschuldige mich nach allen Regeln der Kunst. Die Plötzlichbremser würde ich am liebsten verkloppen, denn die halten am nächsten Aussichtspunkt nämlich wieder so bekloppt an. Hier ist es zu allem Überfluss auch noch rutschig auf der Straße, so dass ich beim Aufsteigen und losfahren sehr vorsichtig bin. Dann kriecht noch ein stinkender Bus vor mir her und ich nutze die nächste Gelegenheit, an dem vorbeizuziehen.

uff, was für ein Stress!
Jostedalsbreen

Bald habe ich das alles hinter mir gelassen, und als ich aus einem Tunnel komme, sieht es auf einmal wie der Schweiz aus. Ich halte auf einem Parkplatz, um eine Pause zu machen und eine Kuh sieht mich mißtrauisch von weitem an. Sie beobachtet mich die ganze Zeit, während ich meine Karte studiere und etwas esse. Erst, als ein Auto auf den Parkplatz fährt und die Menschen sich der Kuh nähern, tritt diese den würdevollen Rückzug an.

Die Landschaft sieht hier sehr "alpin" aus, auch wenn die Berge nicht so wahnsinnig hoch sind. Am Jostedalsbreen halte ich nochmal an und mache viele Fotos. Der Jostedalsbreen ist der größte Festlandgletscher Europas. Das Besuchszentrum am Jostedalsbreen hat noch einige Informationstafeln außen und ich lese mir ein paar Sachen durch, unter anderem zur Wikingerkultur. Es ist schon sehr schön hier und ich würde gerne länger verweilen, aber die Zeit rennt.

Heute habe ich meinen Platz auf der Fähre für Donnerstag gebucht, also morgen nochmal ranklotzen und dann heißt es "Ha det, Norge!" für dieses Jahr. So fahre ich rasch weiter und irgendwo biege ich wohl mal falsch ab, das ist nicht die Straße, die zum großen Tunnel führt. Ich studiere die Karte und beschließe, eine kleine Verbindungsstraße zu nehmen. Es ist inzwischen schon früher Abend und ich bin lange nicht so weit südlich, wie ich gerne wäre. Es hilft alles nichts, weiterfahren heißt die Devise.

Statt dem langen Tunnel bekomme ich aber etwas mindestens genauso tolles an diesem Abend.

Die kleine Verbindungsstraße erweist sich als landschaftliches Highlight und ich fahre auf einer
wirklich winzigen, teilweise einspurigen Straße an einem Seeufer entlang. Das Licht ist wunderschön und nur zu gerne würde ich hier irgendwo zelten, aber... Nach einer Weile lande ich auf einer größeren Straße, die sich als eine der vielen "Turistvegen" herausstellt. Im goldenen Abendlicht fahre ich über ein Fjell und überlege mir, ob ich heute nicht doch mal wild zelten möchte. Als ich an einem Parkplatz kurz halte, fallen sofort diverse Mücken über mich her. Damit ist die Frage beantwortet! Ich fahre weiter!

Als ich ans Ende des Fjells komme, erwartet mich ein weiteres Highlight. Eine richtig geile Straße (Fv 13) schraubt sich in Kurven und Kehren den Berg runter und das Schönste ist: Kein Wohnmobil, kein Mensch weit und breit, ich habe alles für mich allein!

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht lande ich unten und sage zu Conchita "Da hast Du aber einen
schönen Umweg für uns rausgesucht!" Allerdings sollte ich jetzt auch mal gucken, wo ich mein Nachtlager aufschlage. Die Karte nennt als letzten Ort vor der nächsten Fähre Dragsvik. Ich überlege noch, ob ich heute oder morgen übersetze, beschließe dann aber, es für heute gut sein zu lassen.

In Dragsvik ist dann auch ein Campingplatz direkt neben dem Fährhafen. Ich checke ein, schlage mein Nachtlager auf und merke jetzt, wie fertig ich bin. Das war doch richtig, hier heute Schluss zu machen. Ich dusche, esse noch etwas, aber selbst zum fotografieren und Tagebuch schreiben bin ich zu ko. Es geht bald ins Zelt und mit Blick auf morgen sollte besser nichts schiefgehen.

24.8.2016 - Dragsvik - Kristiansand

Viel zu schnell ist mein letzter Tag in Norwegen da. Als ich morgens aufwache, hat es geregnet und es sieht nach einem trüben Tag aus. Es ist, als ob das Land mir den Abschied leicht machen will. Ich habe schon fast vergessen wie es ist, im Regen zu fahren. Ausgerechnet heute, wo ich so eine lange Strecke vor mir habe... aber gut, es ist immerhin nicht kalt.

Ich habe rasch abgebaut und aufgepackt, vorher aber noch geschaut, ob so früh überhaupt schon Fähren fahren und sich die Hektik überhaupt lohnt. Als ich zum Anleger fahre, stehen bereits zwei andere deutsche Motorradfahrer in der Schlange. Ich fahre langsam von hinten heran und als ich Conchita ausmache, sagt der eine "Ah, eine Africa Twin! Schönstes Moped der Welt!" Ich lache und sage "Finde ich auch!" Wir quatschen ein bisschen, bis die Fähre kommt und fahren dann zu dritt an Bord und stellen die Motorräder vorne ab.

Als ich gerade abgestellt habe, kommt Herr Fährmann und sagt "You have to turn your bike. This  side is Hella, the other is Vagsnes."

hm, tolle Wurst. Hätte er mal gleich sagen können, dann hätte man das Moped gleich anders hingestellt. Ich gebe den Jungs Bescheid und sie wenden schon mal. Da ich etwas doof stehe, muss ich rangieren. Naja... und ihr könnt es Euch schon denken. Das Deck ist Riffelblech, es ist nass, ich rutsche aus und schon liege ich da. Die beiden anderen Motorradfahrer und ich stellen Conchita wieder auf die Beine und ich fahre nach hinten durch. Als ich zurückkomme, um mich für die Hilfe zu bedanken sage ich "Ich schmeiße sie in jedem Urlaub einmal hin, hatte eigentlich gehofft, dass es diesmal nicht passiert... naja..."

In Vagsnes fahren wir von der Fähre und ich bin den Jungs rasch weggefahren. An einem Fjell halte ich, um Fotos zu machen, denn selbst bei nicht so tollem Wetter sieht es hier klasse aus. An meinem Haltepunkt wird wohl gerade irgendein Film gedreht, und als ich losfahren möchte, sehe ich im Rückspiegel jemand hektisch angerannt kommt. Er sagt mir, sie würden einen Film drehen und ich sollte warten, bis das Auto, das gerade aus dem Tunnel kam vorbei ist, dann könnte ich auch fahren. Na, kein Problem! Jetzt hatte ich schon fast gehofft, dass er mich noch um einen Start mit quietschenden Reifen und Wheelie bittet...

Nach dem Tunnel wird es deutlich ungemütlicher, so dass ich mich jetzt in meine Regenklamotten packe. Da fahre auch die beiden Jungs von der Fähre an mir vorbei und hupen. Ich fahre weiter über das Fjell und das Wetter wird langsam echt ekelig, es ist sehr windig und regnet immer mal mehr und mal weniger. So fällt es mir wenigstens nicht so schwer, auf weitere Fotostopps zu verzichten, denn vor mir liegen über 500 km. Die beiden anderen Motorradfahrer hatten schon große Augen gemacht, als ich sagte, dass ich bis Kristiansand kommen muss.

tja, der Tag bietet als Highlight noch den Låtefossen, der nach eine Kaffeepause aus dem Nichts auftaucht. In besagter Pause atme ich eine Packung "Kokosboller" ein, die sich nach dem Öffnen als eine Art Schaumküsse mit Kokosmantel aber ohne Waffel herausstellen. Sie sind echt lecker, aber 6 Stück.. egal! Da ich sie nicht transportieren kann, esse ich sie einfach auf! Ja, mein armer Körper macht auf so einer Tour schon etwas mit. Daheim gibt's nicht so viel Süßes und kein Tütenfutter, aber einmal im Jahr muss er das eben verkraften. Und, nein, ich habe kein Gramm zugenommen auf dieser Tour, im Gegenteil. Das erstaunt mich eigentlich immer sehr, denn ich nehme auf jeder Tour ab und einige andere, die ich getroffen haben, haben ähnliches berichtet.

Am Hardangerfjord nach einer großartigen Tunneldurchfahrt inklusive Kreisverkehr und einer noch
schöneren Fahrt über die Brücke über den Fjord, treffe ich die beiden anderen wieder. Ich halte und bekomme prompt einen Kaffee angeboten. Danach fahren wir zusammen weiter, aber kurz hinter Lofthus ist erstmal Schluss mit fahren. Ein netter Mann sagt uns, dass die Straße noch 1 Stunde und 10 Minuten dicht ist und wir in Lofthus was essen können, oder hier warten. Wir wenden. In Lofthus fahren die beiden anderen zur Fähre, die eine Alternative wäre, aber auch hier müsste man ewig warten. Ich verabschiede mich von den beiden, tanke und fahre zurück. Leider hat das Café, das ich gesehen habe, geschlossen und so wühle ich in meinen Vorräten, mache ein Foto und fahre dann zurück zur Baustelle. Der nette Mann sagt mir, dass ich bis ganz vorne zur Sperre fahren soll und dort warten. Nach ungefähr 20 Minuten darf ich schon mal fahren, während die Autofahrer noch warten müssen. Hat halt durchaus Vorteile, nur zwei Räder zu haben! Die Baustelle ist recht groß, aber ich fahre problemlos weiter.

Der restliche Tag ist dann wirklich nur fahren, fahren und nochmal fahren. Bei Røldal fahre ich in einen Tunnel und erstmal um eine Kurve... und noch eine... und noch eine... Moment, das geht hier in einer Schnecke runter, lustig. Also die Tunnels in Norwegen sind wirklich immer für eine Überraschung gut. Irgendwann wird es trockener, ich halte und schlage mich ins Gebüsch. Da haben es die Männer schon einfacher, vor allem mit drei Hosen übereinander kein Spaß!

Hardanger-Fjord
Gegen frühen Abend taucht dann endlich auch Kristiansand auf. Das Schild für die Fähren entdecke ich sofort, habe im Netz und auf der Karte auch zwei Campingplätze gesehen. Ich hatte überlegt, heute eine Hütte zu nehmen, um mir das packen zu sparen, aber als ich auf dem Camping Roligheden ankomme, gibt es dort keine Hütten. Ich stelle mein Zelt auf, ohne lange nach einem schönen Platz zu suchen, denn a) bin ich fertig und b) gibt es keine schönen Plätze. Von allen Campings, auf denen ich in Norwegen war, ist dies der scheußlichste. Alles ist leicht abgeranzt und teilweise auch schmuddelig bis sehr schmuddelig. Hier kommt man wirklich nur her, wenn man morgen auf die Fähre muss.

Immerhin ist die Lage schön, die Sonne ist wieder rausgekommen und es ist warm. Geduscht schlurfe ich aus dem Camping raus ans Meer, setze mich auf eine Bank, esse etwas und dann gehe ich schon bald schlafen, morgen um 5.30 geht der Wecker, um 7.30 muss ich einchecken. Viel Zeit zum traurig sein bleibt heute nicht, ich bin einfach nur müde.

25.8./26.8.2016 - Kristiansand - Freiburg

Låtefossen
Am nächsten Morgen bin ich schon vor 5 Uhr wach, die Nachbarn auch und ich beschließe, alles einzupacken, frühstücke kurz und um kurz nach 6 bin ich bereits vom Platz runter und auf den Weg zur Fähre. Ich verfahre mich erst etwas, aber dann finde ich die Hauptstraße und bin schnell am Terminal gelandet. Vor mir stehen schon einige Wohnmobile und auch andere Motorradfahrer. Da irgendwelche Schlangen grünes Licht haben, fahre ich kurz vor, aber das sind die Leute, die auf die Colorline-Fähre wollen, ich bin bei Fjordline.

Bald gesellt sich noch ein anderer deutscher Motorradfahrer zu uns und wir können auch schon einchecken, bekommen eine Reihe zugewiesen und jetzt heißt es warten! Ich komme mit Daniel aus Dresden rasch ins Gespräch und wir tauschen uns über unsere Urlaubserfahrungen aus. So verfliegt die Zeit bis zum eigentlich Checkin und bald fahren wir an Deck. Verzurren müssen wir selbst und auf einmal kommen außer uns noch gefühlte andere 100 Motorräder dazu. Allgemeine Hektik bricht aus, wir verzurren und irgendwann sind wir fertig und gehen nach oben. Daniel hätte gerne Kaffee und Frühstück, mir geht es nicht anders, aber die Dame, die vor dem Aufgang zum Frühstücksbuffet steht, weist uns drauf hin, dass wir nur die Holzklasse gebucht haben und Frühstück Aufpreis kostet. Och nö. Kaffee gibt es dann aber auch so, und ich Daniel und ich sind im Handumdrehen in ein intensives Gespräch vertieft.

Irgendwann schaut er mal nach draußen an Deck und meint, ich sollte auch mal gucken. Wow, die
Fähre macht aber Dampf! Außerdem ist es draußen ziemlich warm. Nach 2,5 Stunden kommen wir in Hirtshals an und müssen unter Deck, die Motorräder abzurren und rausfahren. Da wir recht weit hinten stehen, ist das wenig hektisch. Ich quatsche noch einen anderen Twinfahrer an und dann ist es auch schon so weit, wir sind draußen. Daniel und ich halten an einem Parkplatz, ziehen überflüssige Schichten aus und essen noch ein paar Kekse. Ein anderer Twinfahrer fragt mich nach Conchitas Kilometerstand und dann verabschieden Daniel und ich uns.

Der restliche Tag vergeht mit dänischen Autobahnen (langweilig!!!). Gegen Abend fahre ich vor
Hamburg von der Autobahn ab und suche nach entweder einem Camping, oder einem Zimmer. Beides ist irgendwie nicht so leicht zu finden. Irgendwann sehe ich aber ein Schild mit Zimmern und halte an. Als ich klingele, öffnet mir eine ältere Dame die Tür und sieht mich von oben bis unten an. Ich bin dreckig und verschwitzt und am Ende meiner Kräfte. Ich frage, ob sie ein Zimmer frei hat für eine Nacht. Sie ist total nett, sagt ja und zeigt mir, wo ich Conchita abstellen kann. Dann meint sie, dass sie leider nichts für mich zu essen hätte und es gäbe auch kein Frühstück. Das ist mir alles gleich, denn ich will gerade nur noch von der Straße und schlafen!

Als ich alles ins Zimmer getragen habe, sagt sie mir, dass sie doch Frühstück machen würde. Ich bedanke mich, dusche und falle um 1/2 8 ins Bett und schlafe wie ein Stein bis zum nächsten Morgen.

Am nächsten Morgen erwartet mich ein grandioses Frühstück mit Brötchen, Brot, Ei und einer
Das Meer bei Kristiansand am Abend
riesigen Kanne Kaffee. Ich komme mit der netten Damen ins Gespräch und sie erzählt mir, dass sie selbst Motorrad gefahren ist und sehr gut verstehen kann, wie man sich nach so einem Tag fühlen würde. Ich soll mir noch Brote für unterwegs machen! Das mache ich auch und schenke ihr zum Dank mein letztes Päckchen Läkerol-Lakritze. Als ich alles gepackt habe, verabschieden wir uns herzlich und den restlichen Tag verbringe ich auf der Autobahn bei gefühlten 40 Grad...

Am Abend lande ich vor 19 Uhr in Freiburg und freue mich jetzt auf meine Dusche und mein Bett...

Ja, das war mein Urlaub 2016. Es war wunderschön, anstrengend, beeindruckend, berührend... und ich möchte keine Sekunde missen!

Ha det, Norge, bis bald!

Freitag, 2. September 2016

Auf Nordland-Kaperfahrt unterwegs in Skandinavien - Teil 5

20.08.2016 Furøy Camping - Tosbotn

... ein Schiff wird kommen...
Auch heute scheint wieder die Sonne, obwohl ich gestern Abend noch Bedenken hatte, dass es wieder regnet, weil zum Teil recht große Wolkenfelder durchgezogen waren. Ich breche zeitig auf, als ich alles gepackt habe und zur Abreise bereit bin, kriechen die ersten Wohnmobilfahrer aus ihren Betten.

Der Tag beginnt gleich mit einer kurzen Fährüberfahrt, bei der ich die ganze Zeit auf Conchita sitzen bleibe. Zum Einen gibt es nichts, wo man rausschauen könnte und zum Anderen dauert es nur wenige Minuten. Allerdings ist mir etwas mulmig zumute, weil ich die ganze Zeit daran
denke, was wäre, wenn es jetzt wackelt und kippelt? Es wackelt und kippelt nicht, aber ich bin trotzdem froh, als sich die Klappe öffnet und ich an Land fahren kann.

Auch heute folge ich wieder der Küstenstraße 17 durch großartige Landschaften mit längeren und kürzeren Fährüberfahrten. Ich sitze oder stehe meist glücklich an Deck, mache Fotos oder gucke einfach so in die Landschaft. Wenn man  genau hinschaut, kann man sehr viele Trolle sehen, die hier leben. Ich habe in meinem Weihnachtsurlaub in unserer Hütte und in anderen Häusern häufig Bilder gesehen, die sich mir auf den ersten Blick nicht erschlossen haben. Erst als das Thema einmal auf Trolle kam, habe ich verstanden, was da abgebildet ist. Es waren immer irgendwie Landschaftsbilder, aber irgendwie auch nicht... und so sitze ich hier an Bord und schaue, wo sie sich verstecken. Einige von ihnen sehen freundlich aus, andere liegen und schlafen, wieder andere wirken bedrohlich, es gibt einäugige Trolle, welche mit drei Augen, welche mit aufgerissenen Mäulern, welche, die gerissen aussehen...

Svartisen-Gletscher
Schon als ich vor rund fünfundzwanzig Jahren bei Nebel mit dem Rad durch das Dartmoor gefahren bin  habe ich gut nachvollziehen können, wie die Geschichten von Feen, Trollen und anderen Wesen entstanden sind. Die Landschaft im Norden mit ihrem wechselnden Licht, den wechselhaften Wetterbedingungen und ihrem eigenen Farbspiel regt die Phantasie an. Ich habe mir auch immer gerne die Wolken angesehen, wenn es welche gab, denn da war auch so manches Fabel- und andere Wesen zu entdecken.

Bei einer meiner Fotostopps fährt eine GS mit deutschem Kennzeichen an mir vorbei und die beiden winken mir zu.

Später treffe ich die beiden auf einer der Fähren wieder. Ich grüße und setze mich auf die Bank
daneben, werde aber ignoriert. Die beiden jungen Leute sind bestens ausgestattet, sie kochen an Bord, natürlich mit einem High-Tech-Kocher, ihre Ausrüstung ist makellos, die Kombis mit neonfarbenen Elementen versehen (GS kann man nur mit NEON-Kleidung fahren!), die Stiefel sehen schnieke aus, natürlich hängt ein chices Navi am Moped... mhm, da will man wohl nicht mit jemandem reden, der so einen "abgeranzten" Dampfer fährt und noch dazu ohne Teuertech-Koffer, Navi und Tralala und dann noch eine Frau, allein. nene, geht gar nicht!

Wieder... wie gemalt!
Da wir die gleiche Route fahren, begegnen wir uns noch öfter an diesem Tag und ich werde weiterhin geflissentlich ignoriert, man dreht den Kopf weg, wenn ich komme. Na, dann... Als wir anlegen, fahre ich zuerst von der Fähre und finde es sehr schade, dass es hier ein Tempolimit von 80 km/h gibt, denn ich würde denen ganz gerne mal zeigen, was Conchita so kann, von wegen abgeranzt und so.

Und dann fällt mir die Geschichte ein, die mir zwei norwegische Biker beim warten auf eine der
vielen Fähren erzählt haben. Sie haben auf einem Pass einen GS-Fahrer getroffen, dessen Motorrad sich weigerte zu starten, weil er ein Serviceintervall ausgelassen hat. Auch wenn das vielleicht Motorradfolklore ist, kann ich mir eine gewissen Schadenfreude nicht verkneifen. Klar, Conchita hat mich auch schon ein paar Mal geärgert, aber die Probleme waren immer in kürzester Zeit und ohne Werkstatt gelöst.

... man kann sich gar nicht satt sehen...
Ich kenne übrigens mehrere GS-Fahrer, die nicht so drauf sind, das sind aber allesamt Leute, die schon einige Jahrzehnte fahren und denen solche Dinge völlig egal sind. Da geht es um gemeinsame Erlebnisse, um Solidarität und Spaß. Mit dem Wetter, der Anstrengung, schwierigen Strecken, Hunger, Durst und Müdigkeit kämpfen wir alle, genauso, wie wir alle es genießen, auf unseren Motorrädern die Welt zu erkunden, oder auch nur zur Eisdiele zu fahren. Auch wenn ich oft denke, dass wir unter dem Helm eine große Familie sind, gibt es doch - wie überall - Familienmitglieder, mit denen man sich sofort verbunden fühlt und eben auch "entferne Verwandte". Von manchen entferne ich mich tatsächlich sehr gerne...

Als wir gegen Abend bei Brønøysund von der Fähre fahren beschließe ich, dass ich mit denen nicht
...und mal wieder eine Brücke...
auf einem Campingplatz sein möchte und biege an einer Weggabelung in die andere Richtung ab. Da wird schon was kommen. Leider erwische ich eine Straße, die mir zwar großartige Blicke beschert, aber keinen Campingplatz weit und breit und da in die Richtung sehr viele Wohnmobile fahre, verzichte ich auch auf die Option, hier vielleicht wild zu zelten. Ich mag nicht so einen Rummel um mich haben, also wende ich und fahre zurück. Laut meiner Karte ist in Homelstø ein Campingplatz und das sind ca. 25 km von hier. Als ich zurückfahre, überquere ich noch einmal den Brønøysund und werde mit einem großartigen Sonnenuntergang belohnt. Die Felsen und der Himmel sind in ein schon fast unwirkliches rosarotes Licht getaucht und überall stehen Menschen und fotografieren. Da es jetzt doch schon spät ist, halte ich nicht, sondern fahre zügig in Richtung Homelstø. Morgen würde ich dann zwar einen Teil der Strecke wieder zurückfahren müssen, aber bei der Landschaft und dem Wetter ist das völlig egal.

In  Homelstø gibt es nur eine Tankstelle, die geschlossen hat und ein Schild mit Hotel und Hütten, keinen Camping. Ich schaue mir ein Hinweisschild an und sehe, dass in Tosbotn ein Campingplatz ist. Ok, dann fahren wir halt weiter! Ich bin hier an diesem einen furchtbaren Regentag schon einmal durchgekommen, da habe ich allerdings außer Grau nichts gesehen. Es wird jetzt merklich kühler und feuchter, an einigen Stellen steigt Nebel aus den Wiesen und als ich an einem Dorf vorbeifahre, das in einer Senke liegt, zieht dort der Nebel zwischen und über die Häuser. Da ich ziemliche viele schlechte Filme gesehen habe, springt das Kopfkino sofort an. Soweit möglich genieße ich aber diese Eindrücke, nur Tosbotn will und will nicht kommen. Ich verspreche Conchita, dass das Zelt noch im letzten Tageslicht stehen wird. Irgendwann kommt dann ein Tunnel, an den ich mich auch erinnere und es steht etwas von Gemeinde Tosbotn auf einem Schild und da ist auch schon der Campingplatz.

Ländliche Idylle
An der Rezeption ist niemand, ich schaue mich erst einmal um, wo ich mein Zelt hinstellen könnte. Da taucht auch schon ein Mann mit einem weißen Hündchen auf, der sich als Herr Campingplatz herausstellt. Ich entschuldige mich dafür, dass ich so spät hier aufschlage (es ist inzwischen 22.30 Uhr) und gehe mit ihm ins Haus.

Herr Campingplatz hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Matti Pelonpää und als ich so in diesem Büro stehe, habe ich das Gefühl, mich am Set von einem Kaurismäki-Film zu befinden. Der Raum ist mit quadratischen Holzpaneelen vertäfelt und es hängen Fotos von Familienmitgliedern an der Wand, die ebenfalls prima in einen Kaurismäki-Film passen könnten. Mich würde nicht wundern, wenn jetzt noch eine Frau hereinkäme, die wie Kati Outinen aussieht und im Hintergrund finnischer Tango laufen würde.

Kleines Moped auf großer Fahrt
Herr Campingplatz fragt mich, wo ich herkomme.

"I live in the South of Germany, close to the borders of France and Switzerland. In the Black Forest."
"Black Forest, hahahaha..."
mhm ja.

Er erklärt mir, wo ich mein Zelt am besten hinstelle und wo die Duschen sind. Dann ziehe ich los, fahre Conchita auf eine Wiese und stelle tatsächlich im letzten Tageslicht mein Zelt auf. Naja. Es ist eigentlich praktisch dunkel jetzt. Noch schnell duschen und dann ab ins Bett!

21.8.2016 - Tosbotn - Flakk Camping, Trondheim

Morgen bricht meine letzte Urlaubswoche an und ich hätte gerne noch mehr Zeit! Es gibt so viel zu
sehen und ich werde durch die Fjorde hetzen müssen, was mir gar nicht gefällt. Beim nächsten Mal würde ich die Anfahrt anders gestalten, oder gleich vier Wochen einplanen, aber hätte hätte Mopedkette! Heute ist Sonntag und ich möchte morgen die Trollstiegen fahren, das ist nicht mehr weit.

Zuerst muss ich aber frühstücken, gestern Abend war es schon spät und ich bin ohne Essen in den Schlafsack gekrochen. Man muss eben Prioritäten setzen! Außerdem ist das Zelt noch taufeucht und es ist erst kurz nach 7. Ich hänge den Schlafsack und das Inlett in die Sonne, auch heute Nacht war mir wieder fast zu warm mit allem. Der Tipp, sich leicht bekleidet in den Schlafsack zu legen, stimmt wohl wirklich, oder ich habe mich an die Temperaturen gewöhnt, oder es ist einfach nicht so kalt? Ich setze mich auf eine Bank neben dem Grill, schiebe einen übrig gebliebenen Teller und leere Plastikschnapsbecher beiseite, studiere die Karte und schreibe Tagebuch. Als ich damit fertig bin, fällt mir an einer Birke ein komischer Bollen auf, auf dem Insekten sitzen. Ein Wespennest...? Ich beschließe, mir das später nochmal genauer anzusehen, jetzt heißt es erstmal, das Camp abbrechen, Zelt in die Sonne legen, packen.

Gänse smmeln sich...
Als ich mein Groundsheet hochhebe weht mir Fischgestank entgegen.
Igitt!
Hoffentlich hat hier niemand seinen Fischabfall auf den Boden geschmissen!

Ich hänge das Groundsheet über Conchitas Cockpit und hoffe, dass es sich dort ausstinkt. Während ich um das Motorrad laufe, schlägt mir wieder ein ekelhafter Fischgestank entgegen. Bäh, das klebt jetzt doch am Groundsheet, denke ich und zerre mein Zelt und Innenzelt weiter weg von der vermeindlichen Quelle des Gestanks.


Auf einmal fällt mein Blick auf den "Bollen" an der Birke.
PFUI TEUFEL!
Der Bollen ist kein Wespennest, sondern ein ziemlich großer Fischkopf, den jemand da an den Baum gehängt hat. Und der wird jetzt von der Sonne beschienen, was den ekelhaften Gestank erklärt, der von dort immer herübergeweht kommt. Mit angehaltenem Atem packe ich das noch restfeuchte Zelt ein und lade alles aufs Motorrad.

So schnell war ich noch nie von einem Campingplatz runter!

Abendstimmung beim warten auf die Fähre
Zum Glück weht mir gleich frische Luft um die Nase, von dem Fisch war mir schon ansatzweise übel geworden. Bei herrlichstem Sonnenschein fahre ich nun nach  Homelstø zurück, tanke dort und setze mich mit einem Kaffee in die Sonne. Das Kaffeetrinken ist irgendwie zu einem richtigen morgendlichen Ritual geworden, obwohl ich sonst eher Teetrinkerin bin. In den letzten Tagen habe ich morgends drauf verzichtet, den Kocher für einen Tee anzuwerfen und stattdessen einfach Wasser getrunken. Hier gibt es überall Möglichkeiten, Kaffee zu trinken, jede Tankstelle schenkt aus und manchmal gibt es auch welchen im Supermarkt. Und immer darf man gratis nachschenken, das finde ich wirklich fein, auch wenn ich es selten tue.

Der Fisch stinkt vom Kopf her!
Nach der Kaffeepause fahre ich zurück zur Küstenstraße bis nach Steinkjer. Es ist herrlich sonnig und ich mache zwei längere Pausen, in denen ich meine Füße von den Stiefeln befreie. Seit sie vor dem Urlaub mal komplett mit Wasser vollgelaufen sind, als ich wegen einer Panne im strömenden Regen stand, riechen sie wirklich bestialisch, dem Fisch von heute Morgen können sie jedenfalls locker Konkurrenz machen. Ob ich das jemals wieder rauskriegen werde?

Bei Steinkjer ist es dann erstmal vorbei mit schönen, kleinen Straßen. Ich fahre die E6 entlang und schlafe fast ein. Bei 80 km/h immer geradeausfahren ist kein Spaß und ich muss mich sehr zusammenreißen. Zum Glück ist es nicht mehr weit nach Trondheim und dahinter gibt es einen Campingplatz. Ich halte noch einmal an, um auszuruhen und zu checken, ob es den Platz wirklich gibt.

Die letzten Kilometer geht es dann zum Glück wieder auf eine kleine, kurvige Straße, auf der ich gemütlich bis zum Camping schwinge. Der Platz ist direkt neben dem Fährhafen, aber trotzdem nicht übermäßig laut. Ich checke ein, packe ab, dusche und gehe dann runter zur Mole und sehe den Schiffen zu. An der Rezeption hole ich mir einen Chip für den Trockner, denn ich habe heute mal ein paar mehr Klamotten durchgewaschen und die sind nie bis morgen trocken. Die GS-Fahrer schlagen heute auch auf dem Camping auf und das rosahaarige Mädel quietscht, als es meine Twin sieht. Auch heute ignoriert man mich und ich denke mir nur "Hoffentlich stellt der seine hässliche Karre weit weg von mir ab!" Was er dann auch tut.

Fähren ohne....
Während der Trockner läuft, gehe ich nochmal zur Mole, denn die Sonne ist jetzt untergegangen und der Himmel sieht phantastisch aus. Ich mache Fotos und sehe den Fähren zu, freue mich auf morgen, bin aber auch etwas traurig, dass es nun unweigerlich wieder nach Hause geht. Die Tage sind hier weiter südlich schon deutlich kürzer, das werde ich in meiner Routenplanung berücksichtigen müssen.

22.8.2016 - Flakk Camping, Trondheim - Trollstigen

...  und mit Sonnenuntergang
Als ich morgens kurz aus dem Zelt gucke, ist es draußen neblig.  Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, aber gut, es ist Herbst, wir sind am Meer. Weil klar ist, dass das Zelt nicht trocknen wird, stehe ich um 6.30 Uhr auf, frühstücke und fange dann an, rasch aufzupacken. Vor 8 Uhr bin ich auf der Straße.

Mein heutiges Tagesprogramm ist auch einigermaßen ambitioniert: Ich möchte den Atlanterhavsveian bei Kristiansund fahren und dann weiter zu den Trollstigen. Ich hoffe, dass sich im Lauf des Morgens der Nebel noch auflösen wird, denn so sieht man ziemlich wenig vom Meer und der Küste. Zwischendrin lässt sich immer mal die Sonne blicken, was mich optimistisch stimmt, aber als ich als ich am Atlanterhavstunnelen ankomme, ist es immer noch grau und als ich auf der anderen Seite herauskomme, ist der Nebel immer noch da.

Atlanterhavsveian im Nebel
Ich überlege, ob ich warten soll, bis es sich auflöst, beschließe dann aber, trotz Nebel weiterzufahren.

Ich halte an ein paar Stellen an und mache Bilder, aber so richtig beeindruckt bin ich jetzt nicht. Ok, die eine Brücke sieht recht spektakulär aus, aber von der Landschaft sieht man reichlich wenig. Also halte ich mich hier nicht so wahnsinnig lange auf. Dann lieber die Trollstigen zeitig und in Ruhe fahren, anstatt hier Zeit zu vertrödeln.

Kaum habe ich das Meer hinter mir gelassen, scheint auch wieder die Sonne. Naja, dann ist es eben so, denke ich mir und genieße die Landschaft, die Wasserpiegelungen, die Mischung aus Sonne und Nebel.

Irgendwann wird das Wetter wieder trüber und ich hoffe, dass ich die Trollstiegen nicht im Regen hochfahren muss. Holger war sie im Regen heruntergefahren und meinte, dass sei kein Spaß gewesen. Ich fahre Kehren ja eigentlich lieber runter als hoch, weil man da sieht, was kommt, aber egal.
Hauptsache kein Regen!

So, jetzt kommt auch das Schild "Trollstigen- Geiranger" und ich folge der Straße. Es ist doch ziemlich grau und tröpfelt etwas. Ein bisschen aufgeregt bin ich, denn trotz Erfahrung weiß man ja nie, was einen auf mancher Straße so erwartet.

Die beiden norwischen Biker von neulich hatten mir noch von Lysebotn erzählt und der noch wesentlich spektakuläreren Straße mit 27 Haarnadelkurven und einem Tunnel mit 340-Grad-Kehren. Leider hat diese Straße nicht mehr ins Programm gepasst. Bevor es hoch auf die Paßstraße geht, halt ich noch kurz auf einem Parkplatz mit dem bekannten Trollschild und dann fahre ich hoch.

Ok, es sind ein paar Kurven dabei, die ich nur im ersten Gang nehmen kann, der Rest ist gut machbar und ich habe Glück, niemand kommt mir mit einem dicken Wohnmobil mitten auf der Straße entgegen und es parkt auch niemand mitten in einer Kehre, wie ich es im Kaunertal einmal erlebt habe.

Vorsicht, Trolle!
Das ist so eine Sache mit den Kehren. Man braucht mit dem Motorrad relativ viel Platz, denn manchmal geht es am Rand irgendwo steil hoch oder es gibt sonst irgendeine Unwägbarkeit, die man erst sieht, wenn man schon drin ist. Und wenn man mal eine Kurvenlinie gewählt hat, es ist schwer, diese zu verändern. Man fährt langsam und je langsamer es geht, desto mehr muss man stabilisieren und desto wackeliger wird es. Ich fahre oft gegen die Hinterradbremse, denn dann stabilisiert das Gasgeben, ich bin aber nicht so schnell, dass ich die Kurve nicht kriege.

Stehenbleiben müssen möchte ich auch nicht unbedingt vor oder in einer Kehre, denn die Gefahr,
dass man dann beim anfahren kippt, oder die Kurve nicht kriegt, ist ziemlich hoch. Leider wissen das die Autofahrer nicht und denken, man ist ein Fahrrad, das mal eben schnell beiseite kann, man ist ja "klein"! Bis jetzt hatte ich immer Glück und war in solchen Situationen nie in Bedrängnis. Zu Anfang meiner Motorradkarriere hatte ich vor Kehren immer ziemliche Angst und eins der heftigsten Erlebnisse war die "Wilde Rench", die ich an einem Wochentag gefahren bin, ohne damit zu rechnen, dass dort auch LKWs fahren und die ganz bestimmt keinen Platz machen werden.

Trollstigen von oben
Die Trollstigen sind schneller zuende, als ich dachte und schwups! stehe ich schon oben auf dem Parkplatz.

Man kann von dort einige einfach begehbare Weg zu Aussichtspunkten gehen, von denen aus man die Straße prima sehen und fotografieren kann.

Unsere whatsapp-Gruppe ist jedenfalls sehr begeistert von den Bildern, die ich schicke. Wenn ich nicht die schweren Klamotten anhätte, wäre ich hier gerne noch etwas gelaufen, aber es ist immer noch trüb und der Tag schreitet voran. Ich gehe in den Souvenirladen.

Wenn ich mir schon keinen Aufkleber vom Polarkreis mitgenommen habe, dann will ich wenigstens
was von hier! Im Laden werde ich auch fündig und kaufe einen "Norwegen"-Aufkleber mit Troll für Conchita und einen "Trollstigen"-Aufnäher für meine Jacke, da ist noch genug Platz für Abzeichen jeder Art!

Ich fahre den Pass entlang und bald geht es auch wieder runter. Beim ersten Camping halte ich an. Hier gibt es auch Trollstigen-Merchandise und eine nette junge Frau weist mich ein. Mein Zelt kommt auf einen Platz, auf dem bereits ein dänisches Paar mit Motorrad und ein englisches Paar mit Auto stehen.

Die Dänen sind total nett und er fragt mich, ob das mit der Seitenständerunterlagen so in Ordnung ist,
"Alpenglühen" unterhalb der Trollstigen

oder ob ich noch irgenwo Hilfe brauche. Ich verneine und richte mich häuslich ein, mache ein paar Bilder und gehe dann duschen. Während ich unter der Dusche stehe, kommt draußen ein dicker Schauer runter. Oh je! Habe ich das Zelt richtig verschlossen...? Naja, ich muss warten, denn ich will auch nicht nachher mit durchweichten Klamotten im Zelt sitzen, denn die Regenjacke habe ich nicht zur Hand.

Als ich zum Zelt zurückkomme, ist alles verschlossen und die Abendstimmung ist toll. Ich mache noch ein paar Bilder und ziehe mich dann zum schlafen zurück ins Zelt.

Fortsetzung folgt...